Versionsunterschiede von News / Alexander Solschenizyn Lebe Nicht Von Lügen
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Es gab eine Zeit, in der wir es nicht wagten, auch nur zu flüstern. Aber jetzt schreiben und lesen wie es Samizat und beschweren uns in den Raucherzimmern der Forschungsinstitute, was sie anrichten.
In was sie uns hineinziehen, Da ist die unnötige Angeberei, um unsere Vorstöße in den Weltraum vor dem Hintergrund von Ruin und Armut zu Hause, Unterstützung von fernen wilden Regimen und das Entfachen von Bürgerkriegen und die undurchdachte Kultivierung von Moatsedong, Noch dazu auf unsere Kosten. Am Ende werden wir diejenigen sein, die gegen ihn ausgesandt werden und wir werden gehen müssen. Welche andere Möglichkeit wird es geben.
Und sie stellen vor Gericht, wenn sie wollen und brandmarken die Gesunden als Geisteskrank und es sind immer sie, während wir hilflos sind, Wir nähern uns dem Abgrund. Ein allgemeiner, geistiger Untergang steht bereits bevor, ein körperlicher wird bald aufflammen und uns und unsere Kinder verschlingen, während wir weiterhin verlegen lächeln und ploppen.
Aber was können wir tun, um es aufzuhalten? Wir haben nicht die Kraft dazu, Wir haben unsere Menschlichkeit so hoffnungslos aufgegeben, dass wir für die bescheidenen Almosen von heute bereit sind, alle Prinzipien unsere Seele, die ganze Arbeit unserer Vorfahren alle Aussichten unserer Nachkommen aufzugeben. Alles um unsere karge Existenz nicht zu zerstören.
Wir haben unsere Kraft, unseren Stolz, unsere Leidenschaft verloren. Wir fürchten nicht einmal einen gemeinsamen Atomtod. Fürchten keinen dritten Weltkrieg. Vielleicht verstecken wir uns in irgendeiner Feldspalte. Sondern fürchten uns nur noch davor eine bürgerliche Haltung einzunehmen. Wir hoffen nur, nicht von der Herde abzuweichen. Nicht auf eigene Faust loszuziehen und zu riskieren. Plötzlich ohne das Weißbrot, den Warmwasserboiler, die Moskauer Aufenthaltsgenehmigung auskommen zu müssen.
Wir haben die Lektionen, die uns der Staat eingetrichtert hat, gut verinnerlicht. Wir sind für immer zufrieden und bequem mit seiner Prämisse.
Wir können der Umwelt, den gesellschaftlichen Bedingungen nicht entkommen. Sie prägen uns, das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Was haben wir damit zu tun? Wir können nichts tun. Aber wir können alles, Auch wenn wir uns selbst trösten und belügen, dass es nicht so ist. Nicht Sie sind an allem Schuld, sondern wir selbst. Nur wir.
Einige Wörtern entgegnen, aber da kann man doch wirklich nichts machen. Unsere Münder sind geknebelt. Niemand hört uns zu. Niemand fragt uns, Wie können wir sie dazu bringen, uns zuzuhören? Sie zum Umdenken zu bewegen, ist unmöglich.
Das naheliegendste wäre, sie einfach nicht wiederzuwählen, aber in unserem Land gibt es keine Neuwahlen.
Im Westen gibt es Streiks, Protestmärsche, aber wir sind zu eingeschüchtert, zu verängstigt. Wie kann man einfach seinen Job aufgeben? Einfach auf die Straße gehen, All die anderen verhängnisvollen Mittel, zu denen im letzten Jahrhundert der bitteren Geschichte Russlands gegriffen wurde, sind für uns heute noch weniger geeignet.
Greifen wir nicht auf sie zurück, Heute, wo alle Äxte gehackt haben, was sie gehackt haben, wo alles, was gesät wurde, Früchte getragen hat, Können wir sehen wie verloren, wie betäubt jene eingebildeten Jünglinge waren, die durch Terror blutigen Aufstand und Bürgerkrieg das Land gerecht und zufrieden machen wollten.
Nein danke, ihr Väter der Aufklärung, Wir wissen jetzt, dass die Abscheulichkeit der Mittel die Abscheulichkeit des Ergebnisses erzeugt. Lasst unsere Hände sauber sein, Hat sich also der Kreis geschlossen? Gibt es also tatsächlich keinen Ausweg mehr?
Bleibt also nur noch tatenlos abzuwarten. Was ist, wenn etwas von selbst geschieht, Aber das wird sich niemals von selbst lösen, wenn wir alle jeden Tag es weiterhin anerkennen, verherrlichen und stärken, wenn wir nicht zumindest von seiner Verwundbarsten Stelle zurückschrecken.
Vor der Lüge, Wenn die Gewalt in das friedliche menschliche Dasein einbricht, er rötet ihr Gesicht vor Selbstbewusstsein. Sie zeigt ihre Fahne und verkündet, ich bin die Gewalt, Macht Platz, tretet zur Seite. Ich werde euch zermalmen, Aber die Gewalt altert schnell, ein paar Jahre vergehen und sie ist sich ihrer selbst nicht mehr sicher.
Um sich zu stützen, um anständig zu erscheinen, wird sie unbedingt ihren Verbündeten herbeirufen, die Lüge, Denn die Gewalt kann sich nur mit Lügen bedecken und Lügen können nur durch Gewalt aufrechterhalten werden, Und nicht jeden Tag und nicht auf jede Schulter, legt die Gewalt ihre schwere Hand an. Sie verlangt von uns nur die Unterwerfung unter die Lüge, tägliche Teilnahme und Enttäuschung und das genügt als unsere Loyalität.
Und darin finden wir von uns vernachlässigt den einfachsten, den zugänglichsten Schlüssel zu unserer Befreiung, eine persönliche Nicht-Teilnahme an der Lüge, Selbst wenn alles von Lügen bedeckt ist, selbst wenn alles unter ihrer Herrschaft steht, lasst uns im kleinsten Widerstand leisten. Lasst ihre Herrschaft nicht durch mich gelten, Und das ist der Weg, um aus der imaginären Umzingelung unserer Trägheit auszubrechen. Der einfachste Weg für uns und der verheerendste für die Lüge.
Denn wenn die Menschen den Lügen abschwören, hören die Lügen einfach auf, zu existieren. Wie Parositen können sie nur überleben, wenn sie an einer Person hängen, Wir sind nicht dazu aufgerufen, auf den Platz zu gehen und die Wahrheit herauszuschreien, laut zu sagen, was wir denken. Das macht uns Angst. Wir sind nicht bereit, wir uns wenigstens zu sagen, was wir nicht denken, Das ist also der Weg, der für uns am Gesicht zu unserer tiefsitzenden, organischen Feigheit am einfachsten und zugänglichsten ist.
Viel einfacher als es ist beängstigend das Wort überhaupt auszusprechen ziviler Ungehorsam.
[7:49] Unser Weg muss sein, niemals wissentlich Lügen unterstützen.
Wenn wir verstanden haben, wo die Lügen beginnen und viele sehen diese Linie anders, dann treten wir von diesem schorfigen Raum zurück, Kleben wir nicht die abblätternden Schuppen der Ideologie wieder zusammen. Sammeln wir nicht hier zerbröckelnden Knochen wieder ein, Flicken wir nicht, ihr verwesendes gewohnt zusammen, Und die werden erstaunt sein, wie schnell und hilflos die Lügen wegfallen und das, was dazu bestimmt ist, nackt zu sein, als solches der Welt offenbart wird.
[8:30] Und so nachdem wir unsere Unerschrockenheit überwunden haben, soll jeder Mensch wählen, Bleibt der Rhein wissentlicher Diener der Lüge? Natürlich nicht aus natürlicher Veranlagung, sondern um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, um die Kinder im Geiste der Lüge zu erziehen, Oder ist die Zeit gekommen, dass er als ehrlicher Mann aufrecht steht, würdig der Achtung seiner Kinder und Zeitgenossen, und von diesem Tag an wird er nicht eine einzige Zeile schreiben, unterschreiben oder veröffentlichen, die, soweit ihr es erkennen kann, die Wahrheit entstellt, Er wird eine solche Zeile weder im Privaten, noch im öffentlichen Gespräch aussprechen, noch von einem Spickzettel ablesen, noch in der Rolle eines Erziehers Werbers, Lehrers oder Schauspielers sprechen.
[9:28] Er wird nicht in Gemälden Skulpturen, Fotografien, Technologien oder Musik, einen einzigen falschen Gedanken, eine einzige Verzerrung der Wahrheit, wie er sie erkennt, darstellen, unterstützen oder verbreiten.
Er wird weder schriftlich noch mündlich ein einziges Leid zieht dort zur Befriedigung, zur Versicherung für seinen beruflichen Erfolg anführen, Es sei denn, er teilt den zitierten Gedanken voll und ganz und glaubt, dass er genau in den Kontext passt.
Er lässt sich nicht zu einer Demonstration oder Kundgebung zwingen, wenn sie seinem Wunsch und seinem Willen zuwiderläuft, wird keine vorne oder Parole aufgreifen und hochhalten, an die er nicht voll und ganz glaubt.
Er wird nicht die Hand für einen Vorschlag erheben, den er nicht Aufrichtig unterstützt.
Er wird nicht offen oder den geheimen Abstimmung für einen Kandidaten stimmen, den er verzweifelhaft oder wohnwürdig hält.
Er lässt sich nicht zu einem sitzen drängen, in der eine erzwungene und verzerrte Diskussion erwartet wird, Er wird eine Sitzung, ein Treffen, einen Vortrag, ein Theaterstück, oder einen Film sofort verlassen, sobald er hört, dass der Redner eine Lüge ideologisches Gefasel oder schamlose Propaganda äußert. Er wird keine Zeitung oder Zeitschrift abonnieren oder im Einzelhandel kaufen, die die zugrunde liegenden Fakten verzerrt oder verschweigt.
Dies ist keineswegs seine erschöpfende Aufzählung der möglichen und notwendigen Wege, um Lügen zu entgehen, aber wer beginnt, sich zu reinigen, wird mit einem gereinigten Auge leicht weitere Möglichkeiten erkennen. Ja, am Anfang wird es nicht fair sein, Jemand wird vorübergehend seine Arbeit verlieren müssen. Für die jungen Menschen, die nach Wahrheit streben, wird dies das Leben zunächst stark erschweren.
Denn auch ihre Tests und Prüfungen sind mit Lügen gespickt und so wird man eine Auswahl treffen müssen. Doch wer ehrlich sein will, dem bleibt kein Schlupfloch.
Nicht einmal für einen Tag, nicht einmal in den sichersten technischen Berufen kann es sich auch nur einer einzigen der aufgeführten Entscheidungen entziehen.
Entweder für die Wahrheit oder die Lüge. Für die geistige Unabhängigkeit oder die geistige Knechtschaft, Und was den betrifft, denn der Mut fehlt sogar seine eigene Seele zu verteidigen, Er soll sich nicht mit seinem fortschrittlichen Ansichten tristen nicht mit seinem Status als Akademiker oder anerkannter Künstler als angesehener Bürger oder General, Er soll sich klar und deutlich sagen, ich bin Vieh, ich bin ein Feigling, ich suche nur Wärme, um mich satt zu essen.
Für uns, die wir im Laufe der Zeit behäbig geworden sind, wird es nicht leicht sein, diesen Weg des moderaten Widerstands zu beschreiten, Aber wie viel einfacher ist er als eine Selbstverbrennung oder gar ein Hungerstreik?
Die Flammen werden deinen Körper nicht verschlingen, deine Augen werden nicht von der Hitze herausspringen und deine Familie wird immer zumindest ein Stück Schwarzbrot haben, dass sie mit einem glasklaren Wasser herunterspielen kann.
Verraten und betrogen von uns, Hat uns nicht ein großes europäisches Volk, die Tschechoslowaken gezeigt, wie man allein mit entblößter Brust den Panzern trotzen kann, solange in ihr ein würdiges Herz schlägt, Es wird vielleicht kein leichter Weg sein, aber das ist der leichteste unter denen, die vor uns liegen.
Keine leichte Wahl für den Körper, aber die einzige für die Seele, Nein, kein leichte Weg, aber wir haben bereits Menschen unter uns, Dutzende sogar, die sich seit Jahren an all diese Regeln halten, die nach der Wahrheit leben, und so wir müssen nicht die Ersten sein, die sich auf diesen Weg machen. Wir müssen uns nur anschließen, Je mehr von uns sich gemeinsam auf den Weg machen, je dichter unsere Reihen sind, desto leichter und kürzer wird dieser Weg für uns alle sein.
Wenn wir zu tausenden werden, sie werden nicht zurechtkommen. Sie werden uns nicht berühren können.
Wenn wir zu Zehntausenden werden, wir werden unser Land nicht wiedererkennen, Wenn wir schrumpfen, dann lasst uns aufhören, uns zu beklagen, dass man uns nicht zu Atem kommen lässt. Wir tun es uns selbst an, wir uns also zusammen während unsere Genossen, die Biologen den Tag näher bringen, an dem unsere Gedanken gelesen und unsere Gene verwendet werden können.
Und wenn wir auch davor zurückschrecken, dann sind wir wertlos. Hoffnungslos und das ist es, was Pushkin verächtlich von uns verlangt, Warum den Herten ihre Befreiung anbieten? Ihr Erbe, jede Generation, das Joch mit Schellen und die Peitsche.
In was sie uns hineinziehen, Da ist die unnötige Angeberei, um unsere Vorstöße in den Weltraum vor dem Hintergrund von Ruin und Armut zu Hause, Unterstützung von fernen wilden Regimen und das Entfachen von Bürgerkriegen und die undurchdachte Kultivierung von Moatsedong, Noch dazu auf unsere Kosten. Am Ende werden wir diejenigen sein, die gegen ihn ausgesandt werden und wir werden gehen müssen. Welche andere Möglichkeit wird es geben.
Und sie stellen vor Gericht, wenn sie wollen und brandmarken die Gesunden als Geisteskrank und es sind immer sie, während wir hilflos sind, Wir nähern uns dem Abgrund. Ein allgemeiner, geistiger Untergang steht bereits bevor, ein körperlicher wird bald aufflammen und uns und unsere Kinder verschlingen, während wir weiterhin verlegen lächeln und ploppen.
Aber was können wir tun, um es aufzuhalten? Wir haben nicht die Kraft dazu, Wir haben unsere Menschlichkeit so hoffnungslos aufgegeben, dass wir für die bescheidenen Almosen von heute bereit sind, alle Prinzipien unsere Seele, die ganze Arbeit unserer Vorfahren alle Aussichten unserer Nachkommen aufzugeben. Alles um unsere karge Existenz nicht zu zerstören.
Wir haben unsere Kraft, unseren Stolz, unsere Leidenschaft verloren. Wir fürchten nicht einmal einen gemeinsamen Atomtod. Fürchten keinen dritten Weltkrieg. Vielleicht verstecken wir uns in irgendeiner Feldspalte. Sondern fürchten uns nur noch davor eine bürgerliche Haltung einzunehmen. Wir hoffen nur, nicht von der Herde abzuweichen. Nicht auf eigene Faust loszuziehen und zu riskieren. Plötzlich ohne das Weißbrot, den Warmwasserboiler, die Moskauer Aufenthaltsgenehmigung auskommen zu müssen.
Wir haben die Lektionen, die uns der Staat eingetrichtert hat, gut verinnerlicht. Wir sind für immer zufrieden und bequem mit seiner Prämisse.
Wir können der Umwelt, den gesellschaftlichen Bedingungen nicht entkommen. Sie prägen uns, das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Was haben wir damit zu tun? Wir können nichts tun. Aber wir können alles, Auch wenn wir uns selbst trösten und belügen, dass es nicht so ist. Nicht Sie sind an allem Schuld, sondern wir selbst. Nur wir.
Einige Wörtern entgegnen, aber da kann man doch wirklich nichts machen. Unsere Münder sind geknebelt. Niemand hört uns zu. Niemand fragt uns, Wie können wir sie dazu bringen, uns zuzuhören? Sie zum Umdenken zu bewegen, ist unmöglich.
Das naheliegendste wäre, sie einfach nicht wiederzuwählen, aber in unserem Land gibt es keine Neuwahlen.
Im Westen gibt es Streiks, Protestmärsche, aber wir sind zu eingeschüchtert, zu verängstigt. Wie kann man einfach seinen Job aufgeben? Einfach auf die Straße gehen, All die anderen verhängnisvollen Mittel, zu denen im letzten Jahrhundert der bitteren Geschichte Russlands gegriffen wurde, sind für uns heute noch weniger geeignet.
Greifen wir nicht auf sie zurück, Heute, wo alle Äxte gehackt haben, was sie gehackt haben, wo alles, was gesät wurde, Früchte getragen hat, Können wir sehen wie verloren, wie betäubt jene eingebildeten Jünglinge waren, die durch Terror blutigen Aufstand und Bürgerkrieg das Land gerecht und zufrieden machen wollten.
Nein danke, ihr Väter der Aufklärung, Wir wissen jetzt, dass die Abscheulichkeit der Mittel die Abscheulichkeit des Ergebnisses erzeugt. Lasst unsere Hände sauber sein, Hat sich also der Kreis geschlossen? Gibt es also tatsächlich keinen Ausweg mehr?
Bleibt also nur noch tatenlos abzuwarten. Was ist, wenn etwas von selbst geschieht, Aber das wird sich niemals von selbst lösen, wenn wir alle jeden Tag es weiterhin anerkennen, verherrlichen und stärken, wenn wir nicht zumindest von seiner Verwundbarsten Stelle zurückschrecken.
Vor der Lüge, Wenn die Gewalt in das friedliche menschliche Dasein einbricht, er rötet ihr Gesicht vor Selbstbewusstsein. Sie zeigt ihre Fahne und verkündet, ich bin die Gewalt, Macht Platz, tretet zur Seite. Ich werde euch zermalmen, Aber die Gewalt altert schnell, ein paar Jahre vergehen und sie ist sich ihrer selbst nicht mehr sicher.
Um sich zu stützen, um anständig zu erscheinen, wird sie unbedingt ihren Verbündeten herbeirufen, die Lüge, Denn die Gewalt kann sich nur mit Lügen bedecken und Lügen können nur durch Gewalt aufrechterhalten werden, Und nicht jeden Tag und nicht auf jede Schulter, legt die Gewalt ihre schwere Hand an. Sie verlangt von uns nur die Unterwerfung unter die Lüge, tägliche Teilnahme und Enttäuschung und das genügt als unsere Loyalität.
Und darin finden wir von uns vernachlässigt den einfachsten, den zugänglichsten Schlüssel zu unserer Befreiung, eine persönliche Nicht-Teilnahme an der Lüge, Selbst wenn alles von Lügen bedeckt ist, selbst wenn alles unter ihrer Herrschaft steht, lasst uns im kleinsten Widerstand leisten. Lasst ihre Herrschaft nicht durch mich gelten, Und das ist der Weg, um aus der imaginären Umzingelung unserer Trägheit auszubrechen. Der einfachste Weg für uns und der verheerendste für die Lüge.
Denn wenn die Menschen den Lügen abschwören, hören die Lügen einfach auf, zu existieren. Wie Parositen können sie nur überleben, wenn sie an einer Person hängen, Wir sind nicht dazu aufgerufen, auf den Platz zu gehen und die Wahrheit herauszuschreien, laut zu sagen, was wir denken. Das macht uns Angst. Wir sind nicht bereit, wir uns wenigstens zu sagen, was wir nicht denken, Das ist also der Weg, der für uns am Gesicht zu unserer tiefsitzenden, organischen Feigheit am einfachsten und zugänglichsten ist.
Viel einfacher als es ist beängstigend das Wort überhaupt auszusprechen ziviler Ungehorsam.
[7:49] Unser Weg muss sein, niemals wissentlich Lügen unterstützen.
Wenn wir verstanden haben, wo die Lügen beginnen und viele sehen diese Linie anders, dann treten wir von diesem schorfigen Raum zurück, Kleben wir nicht die abblätternden Schuppen der Ideologie wieder zusammen. Sammeln wir nicht hier zerbröckelnden Knochen wieder ein, Flicken wir nicht, ihr verwesendes gewohnt zusammen, Und die werden erstaunt sein, wie schnell und hilflos die Lügen wegfallen und das, was dazu bestimmt ist, nackt zu sein, als solches der Welt offenbart wird.
[8:30] Und so nachdem wir unsere Unerschrockenheit überwunden haben, soll jeder Mensch wählen, Bleibt der Rhein wissentlicher Diener der Lüge? Natürlich nicht aus natürlicher Veranlagung, sondern um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, um die Kinder im Geiste der Lüge zu erziehen, Oder ist die Zeit gekommen, dass er als ehrlicher Mann aufrecht steht, würdig der Achtung seiner Kinder und Zeitgenossen, und von diesem Tag an wird er nicht eine einzige Zeile schreiben, unterschreiben oder veröffentlichen, die, soweit ihr es erkennen kann, die Wahrheit entstellt, Er wird eine solche Zeile weder im Privaten, noch im öffentlichen Gespräch aussprechen, noch von einem Spickzettel ablesen, noch in der Rolle eines Erziehers Werbers, Lehrers oder Schauspielers sprechen.
[9:28] Er wird nicht in Gemälden Skulpturen, Fotografien, Technologien oder Musik, einen einzigen falschen Gedanken, eine einzige Verzerrung der Wahrheit, wie er sie erkennt, darstellen, unterstützen oder verbreiten.
Er wird weder schriftlich noch mündlich ein einziges Leid zieht dort zur Befriedigung, zur Versicherung für seinen beruflichen Erfolg anführen, Es sei denn, er teilt den zitierten Gedanken voll und ganz und glaubt, dass er genau in den Kontext passt.
Er lässt sich nicht zu einer Demonstration oder Kundgebung zwingen, wenn sie seinem Wunsch und seinem Willen zuwiderläuft, wird keine vorne oder Parole aufgreifen und hochhalten, an die er nicht voll und ganz glaubt.
Er wird nicht die Hand für einen Vorschlag erheben, den er nicht Aufrichtig unterstützt.
Er wird nicht offen oder den geheimen Abstimmung für einen Kandidaten stimmen, den er verzweifelhaft oder wohnwürdig hält.
Er lässt sich nicht zu einem sitzen drängen, in der eine erzwungene und verzerrte Diskussion erwartet wird, Er wird eine Sitzung, ein Treffen, einen Vortrag, ein Theaterstück, oder einen Film sofort verlassen, sobald er hört, dass der Redner eine Lüge ideologisches Gefasel oder schamlose Propaganda äußert. Er wird keine Zeitung oder Zeitschrift abonnieren oder im Einzelhandel kaufen, die die zugrunde liegenden Fakten verzerrt oder verschweigt.
Dies ist keineswegs seine erschöpfende Aufzählung der möglichen und notwendigen Wege, um Lügen zu entgehen, aber wer beginnt, sich zu reinigen, wird mit einem gereinigten Auge leicht weitere Möglichkeiten erkennen. Ja, am Anfang wird es nicht fair sein, Jemand wird vorübergehend seine Arbeit verlieren müssen. Für die jungen Menschen, die nach Wahrheit streben, wird dies das Leben zunächst stark erschweren.
Denn auch ihre Tests und Prüfungen sind mit Lügen gespickt und so wird man eine Auswahl treffen müssen. Doch wer ehrlich sein will, dem bleibt kein Schlupfloch.
Nicht einmal für einen Tag, nicht einmal in den sichersten technischen Berufen kann es sich auch nur einer einzigen der aufgeführten Entscheidungen entziehen.
Entweder für die Wahrheit oder die Lüge. Für die geistige Unabhängigkeit oder die geistige Knechtschaft, Und was den betrifft, denn der Mut fehlt sogar seine eigene Seele zu verteidigen, Er soll sich nicht mit seinem fortschrittlichen Ansichten tristen nicht mit seinem Status als Akademiker oder anerkannter Künstler als angesehener Bürger oder General, Er soll sich klar und deutlich sagen, ich bin Vieh, ich bin ein Feigling, ich suche nur Wärme, um mich satt zu essen.
Für uns, die wir im Laufe der Zeit behäbig geworden sind, wird es nicht leicht sein, diesen Weg des moderaten Widerstands zu beschreiten, Aber wie viel einfacher ist er als eine Selbstverbrennung oder gar ein Hungerstreik?
Die Flammen werden deinen Körper nicht verschlingen, deine Augen werden nicht von der Hitze herausspringen und deine Familie wird immer zumindest ein Stück Schwarzbrot haben, dass sie mit einem glasklaren Wasser herunterspielen kann.
Verraten und betrogen von uns, Hat uns nicht ein großes europäisches Volk, die Tschechoslowaken gezeigt, wie man allein mit entblößter Brust den Panzern trotzen kann, solange in ihr ein würdiges Herz schlägt, Es wird vielleicht kein leichter Weg sein, aber das ist der leichteste unter denen, die vor uns liegen.
Keine leichte Wahl für den Körper, aber die einzige für die Seele, Nein, kein leichte Weg, aber wir haben bereits Menschen unter uns, Dutzende sogar, die sich seit Jahren an all diese Regeln halten, die nach der Wahrheit leben, und so wir müssen nicht die Ersten sein, die sich auf diesen Weg machen. Wir müssen uns nur anschließen, Je mehr von uns sich gemeinsam auf den Weg machen, je dichter unsere Reihen sind, desto leichter und kürzer wird dieser Weg für uns alle sein.
Wenn wir zu tausenden werden, sie werden nicht zurechtkommen. Sie werden uns nicht berühren können.
Wenn wir zu Zehntausenden werden, wir werden unser Land nicht wiedererkennen, Wenn wir schrumpfen, dann lasst uns aufhören, uns zu beklagen, dass man uns nicht zu Atem kommen lässt. Wir tun es uns selbst an, wir uns also zusammen während unsere Genossen, die Biologen den Tag näher bringen, an dem unsere Gedanken gelesen und unsere Gene verwendet werden können.
Und wenn wir auch davor zurückschrecken, dann sind wir wertlos. Hoffnungslos und das ist es, was Pushkin verächtlich von uns verlangt, Warum den Herten ihre Befreiung anbieten? Ihr Erbe, jede Generation, das Joch mit Schellen und die Peitsche.
entfernt:
«Was sollten wir denn dagegen tun? Wir haben nicht die Kraft.» Wir sind
vom Menschlichen so hoffnungslos entfernt, daß wir für das tägliche
kümmerliche Stückchen Brot alle Grundsätze aufgeben, unsere Seele, alles,
worum sich unsere Vorfahren mühten, alle Möglichkeiten für die Nachkommen – um
ja nicht unserere jämmerliche Existenz zu zerrütten.
Wir fürchten nicht einmal den allgemeinen Atomtod, fürchten nicht den Dritten
Weltkrieg (vielleicht verkriechen wir uns in ein Mauseloch), wir fürchten nur
die Akte der Zivilcourage! Sich bloß nicht von der Herde lösen, keinen Schritt
alleine tun – und plötzlich ohne Weißbrot, Warmwasserbereiter, ohne
Aufenthaltsgenehmigung für Moskau dastehen.
Teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt,
in ihm zu leben. Das geht über die Demütigung der geistigen Abtrennung noch
hinaus, dann wird das Reich der verkehrten Welt aufgerichtet, und der
Antichrist trägt die Maske des Erlösers, wie auf Signorellis Fresco in
Orvieto. Der Teufel ist nicht der Töter, er ist Diabolos, der Verleumder, ist
der Gott, in dem die Lüge nicht Feigheit ist, wie im Menschen, sondern
Herrschaft. Er verschüttet den letzten Ausweg der Verzweiflung, die
Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich
in der Lüge einzurichten.
Doch niemals wird sich etwas von selbst von uns lösen, wenn wir es alle Tag
für Tag anerkennen, preisen und ihm Halt geben, wenn wir uns nicht wenigstens
von seiner spürbarsten Erscheinung losreißen. Von der LÜGE. (...)
Und hier liegt nämlich der von uns vernachlässigte, einfachste und zugängigste
Schlüssel zu unserer Befreiung: SELBST NICHT MITLÜGEN! Die Lüge mag alles
überzogen haben, die Lüge mag alles beherrschen, doch im kleinsten Bereich
werden wir uns dagegen stemmen: OHNE MEIN MITTUN!
Und das ist der Durchschlupf im angeblichen Kreis unserer Untätigkeit! – Der
leichteste für uns und der zerstörerischte für die Lüge. Denn wenn die
Menschen von der Lüge Abstand nehmen – dann hört sie einfach auf zu
existieren. Wie eine ansteckende Krankheit kann sie nur in den Menschen
existieren.
Wir wollen nicht ausschwärmen, wollen nicht auf die Straße gehen und die
Wahrheit laut verkünden, laut sagen, was wir denken – das ist nicht nötig, das
ist schrecklich. Doch verzichten wir darauf, das zu sagen, was wir nicht glauben.
Unser Weg: IN NICHTS DIE LÜGE BEWUSST UNTERSTÜTZEN! Erkennen, wo die Grenze
der Lüge ist (für jeden sieht sie anders aus) – und dann von dieser
lebensgefährlichen Grenze zurücktreten! Nicht die toten Knöchelchen und
Schuppen der Ideologie zusammenkleben, nicht den vermoderten Lappen flicken -
und wir werden erstaunt sein, wie schnell und hilflos die Lüge abfällt, und
was nackt und bloß dastehen soll, wird dann nackt und bloß vor der Welt dastehen.
Somit, laßt uns unsere Schüchternheit überwinden, und möge jeder wählen: ob er
bewußter Diener der Lüge bleibt (natürlich nicht aus Neigung, sondern um die
Familie zu ernähren, um die Kinder im Geist der Lüge zu erziehen!), oder ob
die Zeit für ihn gekommen ist, sich als ehrlicher Mensch zu mausern, der die
Achtung seiner Kinder und Zeitgenossen verdient. Und von diesem Tage an wird er:
– in Zukunft keinen einzigen Satz, der seiner Ansicht nach die Wahrheit
entstellt, schreiben, unterschreiben oder drucken;
– einen solchen Satz weder im privaten Gespräch, noch vor einem Auditorium,
weder im eigenen Namen noch nach einem vorbereiteten Text, noch in der Rolle
des politischen Redners, des Lehrers und Erziehers, noch nach einem
Bühnenmanuskript aussprechen;
– in Malerei, Skulptur und Fotografie mit technischen oder musikalischen
Mitteln keinen einzigen falschen Gedanken, keine einzige Entstellung der
Wahrheit, die er erkennt, darstellen noch begleiten, noch im Rundfunk senden.
– weder mündlich noch schriftlich ein einziges «leitendes» Zitat anführen, um
es jemandem recht zu tun, um sich zurückzuversichern, um in der Arbeit Erfolg
zu haben, wenn er den zitierten Gedanken nicht vollständig teilt oder er keine
klare Relevanz hat;
– sich nicht zwingen lassen, zu einer Demonstration oder einer Versammlung zu
gehen, wenn sie seinem Wunsch und Willen nicht entspricht. Kein Transparent,
kein Plakat in die Hand nehmen oder hochhalten, dessen Text er nicht
vollständig bestimmt;
– die Hand nicht zur Abstimmung für einen Vorschlag heben, den er nicht
aufrichtig unterstützt; nicht offen, nicht geheim für eine Person stimmen, die
er für unwürdig oder zweifelhaft hält;
– sich zu keiner Versammlung drängen lassen, wo eine zwangsweise entstellte
Diskussion zu erwarten ist;
– eine Sitzung, Versammlung, einen Vortrag, ein Schauspiel oder eine
Filmvorführung sofort verlassen, wenn Lüge, ideologischer Unfug oder schamlose
Propaganda zu hören sind;
– keine Zeitung oder Zeitschrift abonnieren oder im Einzelhandel kaufen, in
der die Information verfälscht wird und die ursprünglichen Tatsachen vertuscht
werden...
Wir haben selbstverständlich nicht alle möglichen und notwendigen Abweichungen
von der Lüge aufgezählt. Doch wer sich um Reinigung bemüht,wird mit
gereinigtem Blick leicht auch andere Fälle unterscheiden.
Ja, zunächst wird das nicht glattgehen. Der eine oder andere wird zeitweilig
den Arbeitsplatz verlieren. Jungen Menschen, die nach der Wahrheit leben
wollen, wird das anfangs ihr junges Leben sehr erschweren: denn auch der
abgedroschene Unterricht ist voller Lüge. Man muß auswählen. Für niemanden
aber, der ehrlich sein will, bleibt ein Versteck: für keinen von uns vergeht
auch nur ein Tag, selbst nicht in den ungefährlichsten technischen
Wissenschaften, ohne zumindest einen der genannten Schritte – entweder erfolgt
er in Richtung auf die Wahrheit oder in Richtung auf die Lüge; in Richtung auf
geistige Unabhängigkeit oder geistiges Kriechertum.
Wer aber nicht einmal zum Schutz seiner Seele genügend Mut aufbringt, der soll
sich auch nicht seiner fortschrittlichen Ansichten rühmen, soll nicht tönen,
er sei Akademiemitglied oder Volkskünstler, verdienter Funktionär oder General
– der soll sich sagen: ich ein Herdentier und ein Feigling, ich will es nur
satt und warm haben.
Sogar dieser Weg – der gemäßigste aller Wege des Widerstandes- wird für uns
Eingerostete nicht leicht sein. Doch wieviel leichter ist er als
Selbstverbrennung oder Hungerstreik: die Flamme ergreift deinen Körper nicht,
die Augen platzen nicht vor Hitze, und Schwarzbrot mit Wasser findet sich
immer für deine Familie. (...)
Das würde kein leichter Weg? – doch der leichteste der möglichen. Keine
leichte Wahl für den Körper – doch die einzige für die Seele. Kein leichter
Weg – doch gibt es bei uns bereits Menschen, sogar Dutzende, die seit Jahren
alle diese Punkte durchhalten, die nach der Wahrheit leben.
Somit: nicht als erste diesen Weg beschreiten, sondern SICH ANSCHLIESSEN! Je
leichter und je kürzer uns dieser Weg scheint, desto enger verbunden, in desto
größerer Zahl werden wir ihn einschlagen! Werden wir Tausende sein, dann wird
man keinem mehr etwas tun können. Werden wir aber Zehntausende sein – dann
werden wir unser Land nicht wiedererkennen!
Wenn wir aber in Feigheit zurückschrecken, dann sollten wir die Klage lassen,
jemand ließe uns nicht atmen – das sind wir selbst! Werden wir uns weiter
beugen und abwarten, dann werden unsere Brüder von der Biologie dafür sorgen,
daß der Augenblick naht, zu dem man unsere Gedanken liest und unsere Gene
umwandelt.
— Alexander Solschenizyn, «Offener Brief an die sowjetische Führung»,
Darmstadt und Neuwied 1974.
vom Menschlichen so hoffnungslos entfernt, daß wir für das tägliche
kümmerliche Stückchen Brot alle Grundsätze aufgeben, unsere Seele, alles,
worum sich unsere Vorfahren mühten, alle Möglichkeiten für die Nachkommen – um
ja nicht unserere jämmerliche Existenz zu zerrütten.
Keine Härte, kein Stolz, kein leidenschaftlicher Wunsch ist uns geblieben.
Weltkrieg (vielleicht verkriechen wir uns in ein Mauseloch), wir fürchten nur
die Akte der Zivilcourage! Sich bloß nicht von der Herde lösen, keinen Schritt
alleine tun – und plötzlich ohne Weißbrot, Warmwasserbereiter, ohne
Aufenthaltsgenehmigung für Moskau dastehen.
Teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen zwingt,
in ihm zu leben. Das geht über die Demütigung der geistigen Abtrennung noch
hinaus, dann wird das Reich der verkehrten Welt aufgerichtet, und der
Antichrist trägt die Maske des Erlösers, wie auf Signorellis Fresco in
Orvieto. Der Teufel ist nicht der Töter, er ist Diabolos, der Verleumder, ist
der Gott, in dem die Lüge nicht Feigheit ist, wie im Menschen, sondern
Herrschaft. Er verschüttet den letzten Ausweg der Verzweiflung, die
Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich
in der Lüge einzurichten.
Doch niemals wird sich etwas von selbst von uns lösen, wenn wir es alle Tag
für Tag anerkennen, preisen und ihm Halt geben, wenn wir uns nicht wenigstens
von seiner spürbarsten Erscheinung losreißen. Von der LÜGE. (...)
Und hier liegt nämlich der von uns vernachlässigte, einfachste und zugängigste
Schlüssel zu unserer Befreiung: SELBST NICHT MITLÜGEN! Die Lüge mag alles
überzogen haben, die Lüge mag alles beherrschen, doch im kleinsten Bereich
werden wir uns dagegen stemmen: OHNE MEIN MITTUN!
Und das ist der Durchschlupf im angeblichen Kreis unserer Untätigkeit! – Der
leichteste für uns und der zerstörerischte für die Lüge. Denn wenn die
Menschen von der Lüge Abstand nehmen – dann hört sie einfach auf zu
existieren. Wie eine ansteckende Krankheit kann sie nur in den Menschen
existieren.
Wir wollen nicht ausschwärmen, wollen nicht auf die Straße gehen und die
Wahrheit laut verkünden, laut sagen, was wir denken – das ist nicht nötig, das
ist schrecklich. Doch verzichten wir darauf, das zu sagen, was wir nicht glauben.
Unser Weg: IN NICHTS DIE LÜGE BEWUSST UNTERSTÜTZEN! Erkennen, wo die Grenze
der Lüge ist (für jeden sieht sie anders aus) – und dann von dieser
lebensgefährlichen Grenze zurücktreten! Nicht die toten Knöchelchen und
Schuppen der Ideologie zusammenkleben, nicht den vermoderten Lappen flicken -
und wir werden erstaunt sein, wie schnell und hilflos die Lüge abfällt, und
was nackt und bloß dastehen soll, wird dann nackt und bloß vor der Welt dastehen.
Somit, laßt uns unsere Schüchternheit überwinden, und möge jeder wählen: ob er
bewußter Diener der Lüge bleibt (natürlich nicht aus Neigung, sondern um die
Familie zu ernähren, um die Kinder im Geist der Lüge zu erziehen!), oder ob
die Zeit für ihn gekommen ist, sich als ehrlicher Mensch zu mausern, der die
Achtung seiner Kinder und Zeitgenossen verdient. Und von diesem Tage an wird er:
– in Zukunft keinen einzigen Satz, der seiner Ansicht nach die Wahrheit
entstellt, schreiben, unterschreiben oder drucken;
– einen solchen Satz weder im privaten Gespräch, noch vor einem Auditorium,
weder im eigenen Namen noch nach einem vorbereiteten Text, noch in der Rolle
des politischen Redners, des Lehrers und Erziehers, noch nach einem
Bühnenmanuskript aussprechen;
– in Malerei, Skulptur und Fotografie mit technischen oder musikalischen
Mitteln keinen einzigen falschen Gedanken, keine einzige Entstellung der
Wahrheit, die er erkennt, darstellen noch begleiten, noch im Rundfunk senden.
– weder mündlich noch schriftlich ein einziges «leitendes» Zitat anführen, um
es jemandem recht zu tun, um sich zurückzuversichern, um in der Arbeit Erfolg
zu haben, wenn er den zitierten Gedanken nicht vollständig teilt oder er keine
klare Relevanz hat;
– sich nicht zwingen lassen, zu einer Demonstration oder einer Versammlung zu
gehen, wenn sie seinem Wunsch und Willen nicht entspricht. Kein Transparent,
kein Plakat in die Hand nehmen oder hochhalten, dessen Text er nicht
vollständig bestimmt;
– die Hand nicht zur Abstimmung für einen Vorschlag heben, den er nicht
aufrichtig unterstützt; nicht offen, nicht geheim für eine Person stimmen, die
er für unwürdig oder zweifelhaft hält;
– sich zu keiner Versammlung drängen lassen, wo eine zwangsweise entstellte
Diskussion zu erwarten ist;
– eine Sitzung, Versammlung, einen Vortrag, ein Schauspiel oder eine
Filmvorführung sofort verlassen, wenn Lüge, ideologischer Unfug oder schamlose
Propaganda zu hören sind;
– keine Zeitung oder Zeitschrift abonnieren oder im Einzelhandel kaufen, in
der die Information verfälscht wird und die ursprünglichen Tatsachen vertuscht
werden...
Wir haben selbstverständlich nicht alle möglichen und notwendigen Abweichungen
von der Lüge aufgezählt. Doch wer sich um Reinigung bemüht,wird mit
gereinigtem Blick leicht auch andere Fälle unterscheiden.
Ja, zunächst wird das nicht glattgehen. Der eine oder andere wird zeitweilig
den Arbeitsplatz verlieren. Jungen Menschen, die nach der Wahrheit leben
wollen, wird das anfangs ihr junges Leben sehr erschweren: denn auch der
abgedroschene Unterricht ist voller Lüge. Man muß auswählen. Für niemanden
aber, der ehrlich sein will, bleibt ein Versteck: für keinen von uns vergeht
auch nur ein Tag, selbst nicht in den ungefährlichsten technischen
Wissenschaften, ohne zumindest einen der genannten Schritte – entweder erfolgt
er in Richtung auf die Wahrheit oder in Richtung auf die Lüge; in Richtung auf
geistige Unabhängigkeit oder geistiges Kriechertum.
Wer aber nicht einmal zum Schutz seiner Seele genügend Mut aufbringt, der soll
sich auch nicht seiner fortschrittlichen Ansichten rühmen, soll nicht tönen,
er sei Akademiemitglied oder Volkskünstler, verdienter Funktionär oder General
– der soll sich sagen: ich ein Herdentier und ein Feigling, ich will es nur
satt und warm haben.
Sogar dieser Weg – der gemäßigste aller Wege des Widerstandes- wird für uns
Eingerostete nicht leicht sein. Doch wieviel leichter ist er als
Selbstverbrennung oder Hungerstreik: die Flamme ergreift deinen Körper nicht,
die Augen platzen nicht vor Hitze, und Schwarzbrot mit Wasser findet sich
immer für deine Familie. (...)
Das würde kein leichter Weg? – doch der leichteste der möglichen. Keine
leichte Wahl für den Körper – doch die einzige für die Seele. Kein leichter
Weg – doch gibt es bei uns bereits Menschen, sogar Dutzende, die seit Jahren
alle diese Punkte durchhalten, die nach der Wahrheit leben.
Somit: nicht als erste diesen Weg beschreiten, sondern SICH ANSCHLIESSEN! Je
leichter und je kürzer uns dieser Weg scheint, desto enger verbunden, in desto
größerer Zahl werden wir ihn einschlagen! Werden wir Tausende sein, dann wird
man keinem mehr etwas tun können. Werden wir aber Zehntausende sein – dann
werden wir unser Land nicht wiedererkennen!
Wenn wir aber in Feigheit zurückschrecken, dann sollten wir die Klage lassen,
jemand ließe uns nicht atmen – das sind wir selbst! Werden wir uns weiter
beugen und abwarten, dann werden unsere Brüder von der Biologie dafür sorgen,
daß der Augenblick naht, zu dem man unsere Gedanken liest und unsere Gene
umwandelt.
— Alexander Solschenizyn, «Offener Brief an die sowjetische Führung»,
Darmstadt und Neuwied 1974.