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Arbeitsquantum

66

– 66 –

[00]

Die W e r t e i n h e i t ist ein A r b e i t s w e r t –

q u a n t u m .
[00]


Der Begriff Werteinheit ist nicht beschränkt auf
[00]

Zahlungs- oder Tauschmittel, hier wird er nur zum bewegenden
Motor, in der ganzen Wirtschaft aber haucht er materiellen und
indellen Dingen erst das Leben ein und lässt sie und sinnfällig
erscheinen. Ein Etwas also muss im Wesen dieser Werteinheit ver-
borgen liegen, etwas Ueberstaatliches, alle Kulturepochen Ueber-
dauerndes, etwas in jeder Geldverfassung Erhabenes, der Ausdruck
und Widerschein eines ewigen Naturgesetzes, dem wir nicht ent_
rinnen können.

Als solches stellen wir hin die Bestimmungsgründe des
[00]

Wertes [hand. ergänzt:, ] und wir stehen rückhaltlos auf dem Boden der objektiven
Wertlehre, wonach wir einstweilen nur in [hand. darüber bei] Betrachtung der reinen
Oekonomie [hand. ergänzt, ] bei wirtschaftlichen Gütern nur Maass und Energie der
angewandten Arbeit [hand. ergänzt, ] uns Aufschluss über die Höhe des Wertes zu 
geben vermag. Welche Variante wir dann innerhalb der objektiven
Wertlehre wählen wollen, ob Arbeitsmengen, Arbeitszeit oder Ar-
beitswerttheorie ist erstvwieder eine Unterfrage, denn eben in 
der Reinheit der Oekonomik, in der Urform der Gesellschaft der
Gleichen fallen diese drei Richtungen in ihrem Enderfolg, der 
verkörperten Arbeitsmengen [hand. ergänzt, ] noch zusammen. Der von Oppenheimer
entwickelten Arbeitswerttheorie ist, da sie auch der modernsten


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– 67 –

[00]

Entwicklung in der Berücksichtigung der immer schärfer sich aus-
prägenden Qualifikation und der sich zum sträksten [sic] Machtfakto-
ren entwickelnden Monopolen persönlicher und gesellschaftlicher
Art gerecht wird, der Vorrang einzuräumen; ganz besonders auch
deshalb, weil sie bei der Betrachtung der Dienste, wo nicht der
schlechtest Qualifizierte, wie bei den Gütern der Ungünstigst
Produzierenden den Preis bestimmt, in der Verquickung von Ar-
beitszeit und -wert die Unstimmigkeit der reinen Arbeitsmengen-
oder Arbeitszeittheorie ausschaltet. In der Gesellschaft der 
Gleichen, in der vorgeldlichen Zeit ist besonders deutlich,
dass die Aufwandmöglichkeit bei gleich aufgewandter Arbeits-
zeit und gleicher Qualifikation, so verschieden jene auch unter
einander sein mögen, vom nationalökonomischen Standpunkt als
intersubjektiv gleich anzusehen ist. Die angewandte Arbeit hat
in jedem verschiedenen Fall doch gleiche Werte erzeugt, denn
wäre das nicht der Fall, dann wäre das minder geschätzte Ein-
kommen, dargestellt in einer termenge, durch das höhere substi-
tuiert worden. Wenn der vorwirtschaftliche Mensch, um unser altes
Beispiel anzuführen, in gleicher Zeit entweder eine Tonschale
oder einen Korb herstellen kann, so müssen diese beiden Dinge
naturnotwendig gleichen Wert haben, und zwar ist es hier noch in 
Reinheit die Arbeitsleistung einer bestimmten Zeit. Wenn nun
beispielsweise der Goldsucher oder Goldgräber in einer bestimm-
ten Zeit eine Menge von X g Gold erwirbt, so müssen, immer noch
die Gesellschaft der Gleichen vorausgesetzt, diese X g Gold


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68

-68 –

[00]

intersubjektiv gleich sein der jeweils erzeugten Gütermenge an-
derer Berufstätigkeit. In Wahrheit wird sich gerade in jener
Zeit die Arbeit den verschiedensten Beschaffungen je nach wech-
selndem Bedarfe zugewandt haben. Aber auch jener Umstand kann
das Bild nicht trüben, dass doch auch im vereinzelten Falle die
Beziehungen der aufgewendeten Arbeitsmengen verbindend zwischen
allen Gütern stehen. Wird die Berufsgliederung stärker, der Tausch
allgemeiner und erhält so ein Gut eine Sonderstellung als das
allgemein beliebte Tauschgut, so gebe ich nur ein Erzeugnis meiner
Arbeitskraft, die in Hinsicht eines ganz bestimmten Bedarfes aufge-

wandt wurde, hingegen die Verkörperung anderer Arbeitskraft, die,
[00]

weil in allgemeiner Gunst steht, mir wiederum ohne Schwierigkeit
Gelegenheit zu weiterem Tausche bietet und mir die Wege zu allen
Erzeugnissen ebnet. Es tauschen sich gleiche Werte, gemessen an der
Arbeitszeit. Tritt nun der Staat in Aktion und verkündet er, dass
hinfort ein Pfund Gold gleich 1395 Werteinheiten gelten sollen,
so ist damit am ökonomischen Geschehen natürlich nicht das mindes-
te geändert worden. Nur stärker prägen sich jetzt die Geldpreise [handschr. ergänzt:, ]
vorher noch Ausdrücke in Gewichtmengen Gold und ursprünglich nur
g[hand. drüber e?]egen-einandersetzten absoluter Werte, Preise von Fall zu Fall, wenn
wir sie so nennen wollen, in ihrer Relativität aus. Der im Jahre,
nach Abzug seiner Unkosten X g Gold fördert und laut staatlicher
Kreierung dadurch ein Einkommen von Werteinheiten geniesst ist
gleich gestellt mit dem, der im Jahre 100 Tonschalen oder 150 Körbe
fertigt und für diese dann den Preis von a Werteinheiten geteilt


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69

– 69 –

[00]

durch die Anzahl der Produkte zu fordern berechtigt ist, da auf
dieser Basis der Austausch gleicher Werte, im Sinne objektiv
gleicher Grössen – da gleicher Arbeitsaufwand – sich vollzieht.
Auf diese Weise steht natürlich jede einzelne Werteinheit auch
in Beziehung zu jedem beliebigen einzelnen Produkt und da die
Menge der getätigten Arbeit den Wert des Gutes, seinen statischen
Preis bestimmt, auch in weiterer Beziehung zu jeder Dienstleistung,
sei sie selbstständiger oder unselbständiger Art.

Wir stehen nun an der Stelle, wo auf die Dauer auch durch
[00]

die Häufigkeit der Uebung die Preisrelationen immer festere und
allgemein bekannte Grössen werden. Da wir, genetisch gesehen, alle
Güter in Beziehung zum Golde gesetzt haben und gemessen nach
einer Eigenschaft oder besser nach einem allen innewohnenden In-
halt, so sind natürlich auch alle Güter unter einander nach diesem
gleichen Masstab, der verausgabten Arbeitsmenge, gemessen. Zwei Gü-
ter im Verhältnis: eine Werteinheit zu zwei Werteinheiten besagen
uns somit nichts anderes als das Verhältnis X Arbeitsmenge zu
2 X Arbeitsmengen; das absolute Maass, sofern wir es im Wirtschafts-
leben benötigen, müssen wir in der staatlichen Bindung der Wert-
einheit an das Währungsmetall uns suchen. Uns interessiert vor-
läufig aber nur, dass in Preisrelationen verkörperte Arbeitsmengen-
relationen gegeben sind. Die auf dem Markte anwesenden Güter haben
so alle tausendfältige Beziehungen zu einander, die in diesem uns 
besseren Aufschluss über ihre Grösse geben, als die einzelnen Be-
ziehungen zu einer Gewichtsmenge Gold. Je mehr noch die Unkenntnis


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– 70 –

[00]

über Produktionskosten allgemein herrscht, die ja gerade beim
Golde dem einzelnen besonders ferne liegen müssen, – da aber
doch nur diese letzthin das Maass des Wertes bilden, – darum
sagen uns die mannigfachen Beziehungen zu anderen Wertdingen,
die eher wir nach ihrer Wertgrösse schätzen können, besseren
Bescheid über den wahren Inhalt der Werteinheit. Wir müssten denn
in völliger Unkenntnis des Marktes verharren, wenn wir bei jedem
Preise unsere Zuflucht beim Golde suchen müssten. Man mag ein-
wenden und behaupten, dass Gold die grösste Gewähr für Stabilität
biete, dass heisst nichts anderes [hand. ergänzt:, ] als in seinen Produktionskosten
sich nicht ändere [hand. ergänzt:, ] und wir wollen sogar dieser Fiktion über die
später noch mehr zu sagen sein wird, hier einmal zustimmen; den-
noch wäre dann immerhin noch zu prüfen, ob nicht alle anderen
Güter zusammengenommen uns sinnfälligerer und deutlicherer Maass-
stab wären. Wir wollen dabei nicht vergessen, dass der Staat be-
strebt ist mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ein
Schwanken unmöglich zu machen und wir lassen des weiteren unbe-
rücksichtigt die neuen Momente, die sich für die Währung in ihrer
Bedeutung zu den anderen Valuten ergeben. Das sei aber nur aufge-
schoben. Vorläufig interessiert uns das Gold oder eigentlich
die Goldgrundlage im inneren Verkehr. Solange nur das Gold als
Tauschmittel im Umlauf ist, konnten wir immer noch streiten, ob
nicht in jedem einzelnen Fall auch wirklich das Gold die einzel-
nen Beziehungen durch Messung der absoluten [Hand. Werte] setze und vermittle;
wenn aber einmal das Gold notwendig immer mehr in den Hintergrund


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– 71-

[00]

gedrängt wird, und die Wirtschaft ohne jegliche Störung und be-
denkenlos sogar stoffwertloses Papier in Empfang nimmt, dann ver-
liert diese dritte, nun überflüssig gewordene Messgrösse mehr
und mehr an Bedeutung. Wir haben ja schon erkannt, dass fast jede
Grösse in der Wirtschaft nun auch eine feste gworden [sic] ist, und
wo das nicht der Fall, wo Erfindungen Neuartiges geschöpft haben,
da haben diese Produkte so vielerlei Beziehungen zu anderen
Dingen, müssen sich anlehnen an so viel Gleichartiges, dass ihre
Preisgebung, ihre Einreichung in das weite Netz der Relationen
sicherlich auf diesem, nicht auf den in der Historienzurücklie-
gendem Weg des Abschätzens am Golde geschieht. Auch in unserer
Betrachtungsweise sind alle Tauschmittel nebeneinander gleich
berechtigt und in jedem Falle von gleichem Inhalt. Wäre die Ge-
sellschaft der Gleichen eine ewige Kategorie, dann wäre es uns
möglich, die Werteinheit als Ausdruck einer gewissen Arbeitszeit
zu analysieren und wir bräuchten in jedem einzelnen Falle nur zu
fragen, wieviel Zeit die Herstellung eines Produktes benötigte.
Die Zwischenschaltung des Schätzgutes liesse sich dann erübrigen.
Im Grunde genommen aber wäre das nur eine andere Auslegung, als
die, da wir die Werteinheit auf ein kostendes Gut stellen. Wir
setzen Oppenheimers Arbeitswerttheorie voraus und können es da-
her unterlassen, des näheren auszuführen, dass in der heutigen,
modernen Wirtschaft gleiche Geldpreise nicht auch gleiche Ar-
beitsmengen darstellen, wodurch unser Bild in jedem Falle getrübt
werden muss. Darum können wir auch keine einheitliche Messsgrösse


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– 72 –

[00]

mehr verwenden, sondern müssen zu diesem Gemisch von Arbeits-
zeit und Arbeitswert greifen. Was allen Gütern inne wohnt, worin
sie sich in ihrer Grösse von anderen unterscheiden, das ist das 
Maass des von ihnen verkörperten Arbeitswertes. Die gewonnenen
Verhältniszahlen benötigen des Ausdrucks, und dieser ist eine
immer gleiche Menge Arbeitswert, eine Grösse, die, wir wissen es
bereits, vom Staate irgendwann einmal willkürlich gesetzt wurde,
die zu berücksichtigen im ferneren Verlauf unnötig und sogar
unpraktisch wäre. Auch bei reiner Goldwährung mit Prägefreiheit
verschwindet die reale Befriedung, die das Gold verleiht, gegen-
über der zirkulatorischen Befriedigung, die allein das Rad der
Wirtschaft in Bewegung zu setzen vermag. Dass jeder gewonnene
Preis auch seine Beziehung zum Golde hat, ist eine nebensächli-
che Erscheinung; tiefster Inhalt der Werteinheit ist für uns ja
nicht ein Quantum Gold, eine Beziehungsetzung zu irgendeinem Gut,
sondern der Kern ist die möglicherweise reale, möglicherweise
aber auch nur gedankliche Darstellung und Vermittelung von Ar-
beitswerteinheiten, die, immer nur soweit wir uns im inneren Ver-
kehr bewegen, alle Güter in einer Linie der Gleichberechtigung
nebeneinander erscheinen lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines
ökonomisch wahren Preises – Preise sind Verhältniszahlen – wird
grösser, wenn wir ihn auf tausend gleich inhaltliche Dinge be-
ziehen, als wenn wir ihm nur eine Unterlage gewähren. Auch ohne
den modernen Begriff des heutigen Geldes müsste es uns möglich
sein, alle Güter auf gleiche Einheiten zu setzen, wenn wir sie


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[00]

zerlegen wollten in Einheiten von angewandter Arbeitsenergie.
Wie könnten wir es noch deutlicher werden lassen, dass das Geld
nicht das eigentliche Maass sein kann, sondern nur Ausdrucks-
mittel der auf der Zahl der Arbeitswerteinheuten [sic] basierten Rela-
tionen. Wenn wir sagen, alle Güter sind ein Teil oder Vielfaches
von einem Quantum Edelmetall, so sind wir in unserer Betrachtung
nicht bis zum Kern durchgedrungen.Wir müssen sagen, die Güter sind
Teil oder Vielfaches von dem Arbeitsaufwand, den ein Edelmetall-
quantum zur Förderung beanspruchte. Arbeitsenergie ist eine ge-
dankliche Grösse, die uns messbar und vorstellbar erscheint,-
das sei als historische Notwendigkeit anerkannt – wenn wir sie
auf ein Gutsquamtum [sic], auf die vergegenständlichte Arbeit beziehen.
Die Relationen aber, welche die Wirtschaft zusammen schweissten,
die einzelnen Preise, die Additionen der verschiedensten Dienste
sind niemals in ihren Einzelposten Resultat des Vergleichs mit dem

Edelmetall, sondern Zusammenfügen von Arbeitswerteinheiten, die
[00]

nicht nur im Golde, sondern in all den vielen näher liegenden
Dingen uns vorstellbar werden. Wenn dann jeder einzelne Preis mit 
dem Goldwerte dennoch übereinstimmt, so ist das nichts verwunder-
liches und nichts, was denen recht geben müsste, die den Vergleich
am Golde verkünden; es ist vielmehr nur eine logische Folge, dass,
wenn tausend Relationen richtig sind, auch darunter die eine, auf
das Gold bezogene richtig sein muss.

Bisher galt unsere Betrachtung immer noch Zuständen
[00]

der Goldwährung, die im besonderen geeignet wäre, den Metallismus


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– 74 –

[00]

zu rechtfertigen. Nun wollen wir als erste Abstraktion annehmen,
der Staat ginge aus freiem Willen zur Papier-, zur freien Währung
über. Wir setzen voraus, es geschieht ohne jegliche Notwendigkeit,
allein aus theoretisch begründeter Bevorzugung des Papiergeldes,
wie denn überhaupt gleich hier erwähnt sei, dass die Betrachtung
der Geldverfassung unter dem Gesichtspunkt geordneter oder zer-
rütteter Finanzen eine falsche Verknüpfung bedeutet. In unserem
Falle zieht etwadder Staat seine Goldmünzen für gleich nominelle
Werte in Papier ein, im übrigen verfahre er wie bisher und lasse
durch Kreierung von Bankgeld der Wirtschaft in gewissen Grenzen
freie Hand. Eine Namensänderung der Werteinheit findet ebenfalls
nicht statt. Und nun fragen wir, washhat sich durch diese staat-
lichen Massnahmen ökonomisch geändert? Der strenge Metallist wird
überhaupt kein Geld mehr sehen und vielleicht sagen, dass immer
noch das Gold das Wertmaass sei, auch wenn es entthront wurde. In
diesem Falle aber würde er nur zugeben, dass eine Grösse auch rein
gedanklich weiter zu wirken vermag, wie es die Nominalisten aller-
dings in anderer Anwendung für tatsächlich halten. Für uns dagegen
ist in jenem Falle nur eine Relation in Wegfall geraten, unzählige
andere bestehen weiter und die Werteinheit bleibt was sie war:
Arbeitswerteinheit von vielfach gebundener Grösse. Das Geld, die
staatliche Einrichtung zur Erleichterung des Verkehrs bleibt Trä-
ger, in diesem Falle stoffwertloser Träger von so bedeuteten Ein-
heiten. Nun allerdings schiebt sich die Frage der Geldschöpfung
und in deren Verfolg die Quantitätstheorie in den Vordergrund,


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[00]

obwohl dieses Problem eigentlich schon vorher bei der Ausein-
andersetzung mit der Goldwährung mit Teildeckung fällig wäre.
Wir müssen uns hier der Kürze halber auf das Gesagte im Kapitel
vom Kreislauf der Wirtschaft stützen. Wie, fragen wir, gelangt das
Geld in den Verkehr, wie der einzelne in dessen Besitz? Wir
sprechen hier im Zeichen der Warenwerttheoretiker, wenn wir sagen,
sein Erwerb sei mit Opfern verbunden. Wir müssen füglich etwas
geleistet, müssen ein wirtschaftliches Gut hergestellt oder dazu
beigetragen haben, um des Geldbesitzes uns freuen zu können. Haben
wir das staatliche Geld im Auge, so können wir es begrifflich
bis auf die Geburtsstunde seiner Zirkulation zurückverfolgen
und müssen dort auf eine Leistung stossen; nach uns setzt es sei-
ne Zirkulation fort,-die ewige Zirkulation ist seine Aufgabe und 
Funktion. Denken wir dagegen an das Bankgeld, so werden wir bei ihm
früher dem Ursprung begegnen, ebenfalls geboren aus einer Leistung,
aber in seiner Zirkulation als seiner Aufgabe gleichartig funkti_
onierend wie das staatliche Papiergeld. Nur ist hier die Zirku-
lation eine zeitlich beschränkte. Das ergibt sich aus dem Wesen
des Bankgeldes, die elastische Verlängerung des wegen seiner re-
lativ geringfügigen Menge irrelevant bleibenden staatlichen
ewig kreisenden Geldes zu sein. Hahn hat dieses staatliche Geld
in der Literatur den eisernen Bestand der Wirtschaft genannt.
Soweit das Bankgeld, durch wirtschaftliche Berechtigung gedeckt,
neben dem staatlichen Papiergelde auftritt, müssen wir es als die-
sem durchaus gleichgestellt werten, wie denn überhaupt alle tech-


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– 76 –

[00]

nischen Möglichkeiten, Werteinheiten zu bewegen, die auf Grund von
Leistungen als individuelle Einkommen möglich werden könnten.
Zwar leistet das Geld, wenn die Güter innerhalb der Wirtschaft le-
diglich ihren Besitzer wechseln, auch eine Funktion in der Fähig-
keit, Werte auszudrücken und zu bewegen. Was wir aber jetzt im 
Gelde betrachten wollen, seine Gebundenheit an die Warenwelt, an
die Arbeitsleistung der Volksgenossen und damit an die Einkommen,
das können wir nur finden an den Produktionsstätten der Güter, in 
deren Kalkulationen. Prüfen wir eine solche auf ihre Einzelgrös-
sen, so offenbart sie uns nur Arbeitswertgrössen. Rohstoffe und
Material lassen sich in ihrer Substanzzerlegung wiederum in 
jene teilen, Beheizung und Bleuchtung [sic] lösen sich auf in Arbeits-
leistungen und Einkommen, Abschreibungen sind wiederum nichts
anderes als Arbeitswerte und Einkommen, die, wenn auch im einzel-
nen nicht jährlich sich kristallisieren und verzehren, doch in 
der Gesamtheit den Ausgleich finden. Steuern sind Abtretungen von
Arbeitserfolgen für die öffentliche Tätigkeit der Beamten zu
unser aller Nutzen, Arbeitslohn und Gehälter, Profit, Rente, Unter-
nehmerlohn, Risikoprämien, – sie alle lassen sich ohne weiteren
Zwang als Arbeitsgrössen erkenntlich in die Kalkulation einfü-
gen. Das fertige Produkt ist eine Additionsgrösse aus Arbeitswer-
ten und damit gleichzeitig aus Einkommen, die im [sic] geld oder geld-
gleicher Form dafür zur Verteilung und zur Verfügung gelangen.
Mit dem Preis, einer Relation im Verhältnis zu anderen Preisen
auf Grund des Wertes der darin verkörperten Arbeitsenergie, sind


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– 77 –

[00]

ebenfalls die gleich fundierten Einzelbestandteile als Teile des
Gesamtpreises in ihrer Höhe stipuliert und haben ihren Ausdruck
in geldlichen Wert -, in Arbeitswerteinheiten gefunden. Nicht im 
einzelnen wollen wir hier wieden [sic] den Mechanismus dieses Gesche-
hens in der Geldschöpfung mittels des Warenwechsels aufzählen.
Zeigen wollten wir hier nur wiederum die enge, ja sogar die kon-
gruent sich deckende Verknüpfung von bereits mit der Erzeugung
festgelegter Preisbildung mit dem Einzel- und Gesamteinkommen auf
Grund von Arbeitsleistung. Diese alle zusammengenommen ergeben
sowohl die Gesamtsumme der Warenpreise als auch die Gesamtsumme
der kauffähigen und kaufberechtigten Einkommen. Hierin decken wir
uns mit Schumpeters Einkommenseinheit, die nichts anderes ist als
die, auf einer historisch gegebenen, praktisch und täglich unend-
lich mal gegebenen Arbeitswertmenge fussende Werteinheit. Selbst
wenn Hahn's Auffassung richtig ist, dass die Kreditgewährung von
aller Spartätigkeit unbeeinflusst der Produktion vorausgeht, so
wird doch dadurch nichts an dem Wesen der Einkommen verändert, Be-
standteil des Preises von Gütern zu sein, deren wir im gleichen
Werte, von gleich grosser Arbeitsverkörperung später auf dem Markte
wieder habhaft werden können, denn Hahn hat hier Kredit im Auge
in Form des Darlehenskredits, er bewegt sich also in der Sphäre
des Kreditverkehrs. Alles Bankgeld aber, und hier stehen wir im
Kredit-Geldverkehr, gleichviel aus welchen theoretischen Ueber-
legungen heraus es ausgegeben wurde, muss mit den Gütern, die es
haben entstehen lassen und die nun durch die Weggabe der Einkom-


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78

– 78 –

[00]

men verzehrt sind, begrifflich seinen Lauf beschliessen, denn die-
ses Kreditgeld ist das Beförderungsmittels [sic] des modernen Waren-
verkehrs, unlösbar mit ihm verknüpft. Die Bindungen sind so streng,
dass wir ohne Schwierigkeit die geradezu verschwindende Bedeutung
erkennen können, die dem Gelde als solchen dabei zukommt. Das Opfer,

das wir dazu bringen, um das Geld zu erlangen, die Arbeit, die wir
[00]

dazu leisten, die gilt nicht dem Geldbesitz, die gilt dem Konsum der
übrigen Güter, welche andere für uns schufen, gleich wie wir in ar-
beitsteiliger Tätigkeit ihre Bedürfnisse mit befriedigen. Wesent-
lich ist nur, dass als Tätigikeit nach einem gleichen Maasse bewer-
tet wurde, damit die volkswirtschaftliche Gesamtverteilung, durch
den Geldverkehr bewerkstelligt, restlos aufgehen kann. Dabei ist
es nicht notwendig, dass jedes Gut genau seinen wahren, objektiven
Beschaffungswert erreicht – obwohl das dem Idealzustand gleich
käme, wenn dabei auch bei den Einzelaufwendungen das gleiche
Gesetz den Verteilungsschlüssel abgäbe – aber innerhalb der gan-
zen Volkswirtschaft können wir es wohl gelten lassen, dass nur
die objektiven Werte im ganzen erzielt sein müssen und plus und 
minus zur geraden Mittellinie tendiert. Die Auspendelungen werden
wohl, soweit persönliche Machtpositionen in Frage kommen, immer nur
beschränkten Rahmen bleiben, da die Einkommen auf gegenseitige
Ausgleichung hinstreben. Darüber hinaus auch noch die Störungen,
durch das gesellschaftliche Monopol erzeugt, näher auszuführen,
würde uns zu weit abführen.

Das gleiche Messgerät zu finden, dazu ist, das sei immer

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79

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[00]

wieder betont, weil es den Kern der vorgetragenen Auffassung wieder-
gibt, nicht ein Vergleich am Golde nötig; der würde selbst die gröss
ten Schwankungen im Gefolge haben. Notwendig dagegen ist das Zerle-
gen der Güter in Arbeitswerteinheiten, für deren Grösse wir so vie-
le Anhaltspunkte haben, als es nur Güter und Dienste in einem Lande
gibt. Bei so geordneter Bankgeldschöpfung, und diese fordert ja auch
die Warenwerttheorie, müssen wir beim Gelde immer nach der Kaufkraft
fragen, müssen diese nicht als Ergebnis eines Austauscheyperiments [sic]
zwischen Geld und Ware betrachten. In diesem Falle ist vielmehr die
Kaufkraft des Geldes schon fest fixiert, mit der Entstehung der Gü-
ter. Sie ist die logische Folge, dass Geld in diesem weiten Sinne,
welches Einkommen verkörpert, sich in der Höhe der Werteinheiten
begrifflich deckt mit der Höhe aller Güterpreise, denn beide sind
nur verschiedenartige Zusammenfaltungen der aufgewandten Arbeits-
wertmengen und Einheiten. Da ist kein quantitätstheoretisches Aus-
schwingen, kein Endresultat, das uns den Geldwert mitteilt, mehr
vonnöten. Die Werteinheit hat einen ökonomischen Inhalt, soweit
sie Einkommen ist, soweit sie nicht nur eine gedankliche Vorstel-
lung bleibt, die wir wohl überall anlegen können, die aber wirt-
schaftlich nicht wirksam und darum nicht zu berücksichtigen ist.
Wir können den realen Inhalt jeder dieser Einkommenswerteinheiten
suchen in irgendeinem Gut oder wir können sie zusammenfassen als
das Extrakt aus der gesamten Güterwelt. In jedem Falle werden wir
mit einer gleichen Grösse zu rechnen haben, eben dieser, die sich
deckt mit der unserer Werteinheit zu Grunde gelegten Arbeitswert-


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80

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[00]

menge. Einen derart abgeleiteten Wert wollen wir der Werteinheit
in der Geldform nicht abstreiten; – das aber wird wohl nicht einmal
ein Nominalismus unternehmen wollen. Was uns von der Darlegung
der Warenwerttheorie unterschiedet, ist der Umstand, dass wir im 
Gelde keine selbständige mit den anderen Gütern gleich berechtig-
te Ware erkennen wollen. Alle Güter haben einen objektiven Be-
schaffungswert; das Geld nur einen davon abgeleiteten Wert. Die
Frage nach der Angemessenheit des Preises ist darum auch nicht
ein Abschätzen des Warenwertes am Geldwert, der losgelöst nur ein
Schatten, nichts als ein Schemen ist, mit dem wir in der Vorstellung
keine objektiv messbare Grösse verbinden können, sondern ist ein
Abschätzen an den Beschaffungskosten von vielen ähnlichen Dingen;
wir vergleichen die Arbeitsleistungen gleich – und verschiedenar-
tiger Dinge mit einander. Die Frage, warum für ein bestimmtes Gut
eine bestimmte Geldsumme bezahlt wird, haben wir ja bereits da be-
leuchtet, wo wir die Parallelität der Entstehung von Ware mit Geld
in Form von Einkommen erwähnten. Wenigstens gilt das für eine sta-
bile Papierwährung, wie wir sie hier schildern. Das allerdings ist
richtig, dass zwei Grössen nicht in einem relativen Verhältnis zu
einander stehen können, ohne als absolute Grössen vorhanden zu sein.
Auf die Geldverfassung aber ist dieser Satz nur anwendbar bei Gold-
währung mit ausschliesslichem Goldumlaug [sic]. Nur in diesem Falle ist
das Gold eine solche absolute Grösse, die Relationen auf seinen
objektiven Wert zulässt. Späterhin aber ist das Geld nur der Kreu-
zungspunkt alle dieser Relationen, etwas ausserhalb Stehendes und


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nicht mehr gar der Pol, auf den alle Glieder, um mobil zu werden,
hinstreben. Das Geld ist nur etwas mit den Relationen Gleichna-
miges. Während die Werteineheit als Arbeitswertmenge bei den Gütern
das Inhaltliche bedeutet, ist sie beim Gelde nur praktisch teil-
bares Bewegungsmittel und hat nur Wert im Hinblick auf ein Gut
und das auch nur deshalb, weil die arbeitsteilige Verkehrswirt-
schaft Mittel ersinnen musste, um auch hier Tauschhandlungen zu
ermöglichen und durch das staatlich gesetzte Tauschmittel dem 
Geldverkehr ordnungsgemässe Bahnen zuwies. Für uns ist die Wert-
einheit keine beziehungslose, abstrakte Grösse, sondern eine Ar-
beitswertgrösse, die sich in jedem Augenblick an ein bestimmtes Gut
und an eine bestimmte Menge davon binden lässt, die uns aber nicht
deutlich wird bei der losgelösten Geldbetrachtung, sondern nur im 
Bereiche der Güterwelt. Was bestimmt denn die Höhe eines Güterwer-
tes? Ist es wirklich eine Teilgrösse der Ware Geld, die uns Wert-
maass sein soll für alle übrige Ware, die aber doch in ihrer ob-
jektiven Wertlosigkeit besonders beim Monopolgeld der Warenwert-
theorie uns nur einen recht verschwommenen Wertmasstab bieten
kann für wirklich reale Güter, die, das ist doch die Grundregel
jeder objektiven Werttheorie, ihren Wert nur haben kann aus Menge
und Wert der aufgewandten Arbeit? Ist jenes Geld wirklich Wert-
maass, so vergleichen wir bildlich gesehen ungleichwertiges mit
einander, wo um uns reale Messwerkzeuge in Hülle und Fülle stehen.
Maass der Werte ist von allen Anbeginn an die Arbeit und nur


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dadurch, dass wir historisch die ganz bestimmte Beschaffungsar-
beit eines Gutes zu Grunde legten, und der Staat ihr dann einen
Namen gab, dadurch entstanden aus den und zugleich mit dem Maass
der Werte, auch die Preise. Nicht das Gut an sich ist das Wert-
maass, sondern die angewandte Beschaffungsarbeit des Gutes und 
nur weil, ausser in der Gesellschaft der Gleichen eine losgelöste
Arbeitseinheit nicht bestehen kann, darum musste eine Basierung
zu einem Gute proklamiert werden. So tritt denn auch der ökonomi-
sche, reine, objektive Wert eines Gutes, das wirkliche Maass der an-
gewandten Arbeitsenergien nicht mehr in Erscheinung; der ökono-
misch reine Wert erhält in der Wirtschaft keinen Ausdruck mehr.
Wir wissen, dass Kräfteverschiebungen in der verschiedensten Rich-
tung es uns nicht mehr gestatten, von Arbeitsmenge zu sprechen,
sondern als ein Korrektposten dazu diesen mit dem Arbeitswert und
den nicht nur im Hinblick auf die Qualifikation, sondern beson-
ders in Erwägung der gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse
zu verknüpfen. Wenn wir sagen, Preise sind nur anderer Name und
Ausdruck für Werte, so haben wir jene verschobenen Werte, die Tausch

werte im Auge. Das Geld kann nur Wertmaass sein, insofern es auf
[00]

Werteinheiten lautet und Werteinheit nur als eine andere Bezeich-
nung für eine gewisse Arbeitsmenge zu[b]gelten hat. Das Geld als
das körperliche Zahlungsmittel kann auch nicht das Wertmaass sein,
weil es auch nur einen Teil des konsumberechtigten Einkommens
darstellt und weil, wenn wir definieren wollten, im Austausch von
Geld gegen Ware ergibt sich die Kaufkraft oder der Wert des Gel-


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83

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[00]

des, wir dann nicht berücksichtigen den wohl grössten Teil des
wirtschaftlich wirksamen, wenn auch nicht chartalen Geldes, das
Kaufkräfte in eminenten Maasse vergegenwärtigt. Das wurde im
Kreislauf der Wirtschaft dargetan, dass die Quantitätstheorie
nur in jenem weiten Sinne verstanden werden muss. Als Einzelgrös-
se sagt das chartale Geld gar nichts und das " Geld " in der
Gesamtgrösse der gesamten Einkommen ist uns nicht bekannt und
tritt uns, wenn wir die Kaufkraft als Resultat des Tauschens an-
sehen wollen, immer nur erst dann gegenüber, wenn diese wirt-
schaftlichen Handlungen der Vergangenheit angehören und ihrer-
seits vom Resultat ja nicht mehr beeinflusst werden können. Da-
mit wollen wir sagen, dass wir das Geld als Wertmaass scheinbar
benützen können, aber eben nur im Hinblick darauf, dass die Geld-
politik bestrebt ist, das Geld in der nominellen Höhe mit der
Güterproduktion und deren Preishöhe zu verknüpfen. Darum aber
kann auch die Preishöhe keine Grösse sein, die durch Abschätzung
am Golde gewonnen wird, sondern die, die wir aus Zusammenfügen von
Arbeitswertgrössen gewinnen, wie sie uns historisch einmal im
Gelde, dann in der Wirtschaft mannigfaltig und somit auch in un-
serer Vorstellung gegeben sind. In der Erklärung, ein bestimmtes
Gut sei drei Mark wert, ist in gewissem Sinne doch auch ein ob-
jektiver Wert ausgedrückt, da wir uns jederzeit den Warengehalt,
wie Arbeitsenergie zur Erstattung des dritten Teil eines solchen
Gutes, die Arbeitsmenge, die wir eine Mark nennen, vorstellen können
Wissen wir noch dazu, dass dies und jenes auch eine Mark kostet,


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[00]

dann wird in uns das Gefühl der Wertgrösse von einer Mark so
gefestigt, dass wir Auspendelungen meist sofort erkennen und für
Korrektur Sorge tragen. Auf solche Art wird uns deutlich, ob ein 
Preis hoch oder niedrig sei, denn im Verhältnis der Preise zu ein-
ander ist uns auch mittelbar Aufschluss über deren absolute Höhen
gegeben. Das Problem erhält seine Spitze in der Frage, ob zur Ein-
reihung eines Gutes in das Netz der Relationen das Geld als Wert-
maass notwendig ist oder nicht. Dass ursprünglich ein Gut als
Mittelpunkt der Beziehungen zu deren Gewinnung nötig war, ist von
jeder Richtung anerkannt. Wir betrachten hier den besonderen Fall
der stabilen Papiergeld-Monopolwährung. Sei das neue Produkt ein
Erzeugnis der Metall- oder der Textilbranche; zuerst muss es sich
einmal anlehnen an die vorhandenen gleichartigen Erzeugnisse der
Konkurrenz, und der Preisspielraum ist dadurch schon bedeutend
eingeschränkt. Der Produzent muss zu Grunde legen seine Herstel-
lungskosten, und die Grenze wird um ein weiteres enger werden. Im
ganzen können wir sagen, dass da zu einem Vergleich und Abschätzen
am Gelde wenig Raum mehr bleiben dürfte und das, wie wir gesehen
haben darum, weil die Bindungen an die übrigen Güter und die wirt-
schaftliche Verpflichtung in der Frage des Arbeitslohnes, der
Steuern, der Versicherungen usw. so enge sind, dass sie den Preis,
die Relation zu den anderen Gütern gebieterisch vorschreiben.
In allen anderen Gütern verkörpert sich in jedem Falle eine be-
stimmte Arbeitswertmenge, und diese bleibt auch das Wertmaass und 
ergibt den Preis für alle neu hinzutretenden Güter. Das Geld kann


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nur scheinbar Wert-und Preismaass werden, wenn wir, immer nur die
entwickelte Wirtschaft betrachtet, die Reflexerscheinung, die die
Güterwerte uns im Gelde zeigt und eine iegene [sic] Grösse daraus formt,
als das Primäre hinnehmen. Wir gehen dann scheinbar unseren Weg
von Bekanntem zu Unbekanntem, während wir in Wahrheit nur bereits
alte Pfade zum Ursprung zurückverfolgen. Sind wir zu der Ueberzeu-
gung gelangt, dass jedes neue Gut, – die alten haben ihre Relationen
in historischer Entwicklung erhalten, – in das Netz der Relationen
eingefügt wurde, noch ehedem es als Ganzes zum Gelde in Beziehung
gebracht wurde, dann dürften wir auch nach der Ansicht der Waren-
werttheoretiker sogar die rein abstrakte Werteinheit gelten las-
sen; für uns aber ist die Werteinheit sogar etwas Gebundenes, nicht
nur einmal, sondern unendlich mal und bedeutet in dieser Vielheit
der Bindungen doch immer nur ein und dieselbe Grösse, nämlich eine
bestimmte Arbeitsmenge, die wir als Einheit allen Gütern und allen
Diensten in der Relation auf gegebene, bekannte Dinge als Maass zu
Grunde legten. Wir sagten schon einmal, dass wir uns mit Schumpeters
Einkommenseinheit eng berühren, insofern auch wir der Menge des
chartalen Geldes keine Wichtigkeit zuerkennen gegenüber der wirk-
lichen und wirksamen Geldsumme, die als Einkommen in der Wirt-
schaft erscheint. Einkommen entsteht aus Leistungen, Güter setzen
sich zusammen aus Leistungen; werden Güterpreise und Einkommens-
höhe in ihrer Reduktion auf Arbeitsleistungen verknüpft, so können
wir der Anweisungstheorie Schumpeters zustimmen. Budge kritisiert
nun den bekannten Billetvergleich Schumpeters und sagt, dass wir


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beim Billet schon die Gegenleistung in der genauen Menge in der
Vorstellung schin [sic] fest in Händen haben, während beim Gelde erst
noch die Preisbildung in Frage kommt. Wir können in Anlehnung
an all das von uns Gesagte hier ohne weiteres erklären, dass nach
unserer Auffassung ein Preiskampf kaum mehr zu stande kommen kann,
und solange wir stabile Währung haben, wir dann auch im Einkommen
die Gegenleistung aus dargetanen Gründen fest in Händen haben.
Wenn Budge des weiteren meint, dass wir die Verfügung über einen
Platz im Theater nicht durch das Billet, sondern durch die Zahlung
des Preises erhalten, so können wir das dahin auslegen, dass wir
die Verfügung über die wirtschaftlichen Güter auch nicht direkt
durch das Geld – das Billet – sondern durch die Arbeitsleistung,
der wir den Billetbesitz verdanken, zugesprochen erhalten. Ist
beim Billetvergleich der Tausch nicht Billet – Vorstellung; son-
dern Billettkauf – Vorstellung, so ist der Tausch wirtschaftlich
betrachtet auch nicht Geldhingabe – Güterempfang, sondern Gelder-
werb, d.i.Leistung – Güterempfang.

Der Vollständigkeit halber wäre noch kurz zu betrachten
[00]

die Erscheinung der unstabilen Währung, der Zustände, wie wir sie
zu Kriegsausgang und in der Nachkriegszeit kennen lernen mussten.
Wir wollen kurz fragen: Was [sic: War?] es hier so, dass die Preise zustande
kamen auf Grund der Schätzung von Gütern gegen Geld? Dazu wäre
notwendig gewesen, dass wir uns eine klare Vorstellung vom Werte
des Geldes fast in jedem Augenblicke hätten bilden können und
hätten neu bilden müssen. Es war eine Vielheit von Beziehungen,


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die hier auf die Preise wirksam wurden. Wenn wir später von der
unstabilen Währung sprechen, werden sich diese Punkte im einzelnen
heruasschälen [sic]. Ohne weiteres deutlich aber ist uns, dass ein Geld,
das täglich anderen Wert im Sinne veränderter Kaufkraft repräsen-
tiert, keinen Anspruch als Wertmesser der übrigen Güter erheben
kann. Solange wir in unserer eigenen Währung der Papiermark rechne-
ten, hatten wir in ihr keinerlei Anhaltspunkte einer Wertgrösse;
erst später, da wir uns auf ausländische Währungen bezogen und
die Papiermark täglich neu in Beziehung zu jenen setzten, sodass
sie eigentlich nichts anderes mehr bedeutet als eine ausländische
Währung, erst da konnten wir wieder eine Wertvorstellung mit dem
Gelde verbinden, die aber von so vielen anderen Momenten, wie Spe-
kulation usw. durchsetzbar [handschr. ergänzt: t / K?], dass uns der so abgeleitete Wert der
Papiermark kein auch nur annähernd wirkliches Bild der inneren
Kaufkraft der Mark, die maassgebend sein müsste, bieten konnte.
In Wahrheit haben wir unsere Preise doch nicht nach dem Geldwerte
gesetzt, sondern wiederum in der Beziehung zu anderen Gütern. Wir
wussten, dass ein Produkt x Schweizer Franken kostet und lasen im
Kursblatte, dass ein Schweizer Franken so und so viele Papiermark
notiere. Wir rechneten täglich um und fixierten den Preis nicht
in Beziehung zum Geldwerte, sondern zu einem anderen Gut. Die Papier-
marksumme, die wir errechneten, sagte uns über den Wert auch nicht
das Geringste aus.

Und bevor diese Entwicklung statte hatte, etwa zu Ende des
[00]

Krieges, wie war es da? Wir sahen, dass andere Produkte, vor allem


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solche, auf die sich die Nachfrage besonders stürzte, aus diesen
natürlichen Gründen der erhöhten Nachfrage im Preise stiegen.
Die Relationen, die meist wie etwas Ewiges in den bleibenden Pro-
duktionskosten gegeben waren, strebten danach, auch auf der erhöhten
Grundlage jene alte Verhältnismässigkeit wieder einzunehmen. Diese
gesunde Tendenz aber wurde auf der Gegenseite durch die Freiheit
und Ungebundenheit der Einkommen gestört. Das war der Grund des
wahren Wettrennens der Preise. Manches wird im Abschnitt der Infla-
tion darüber noch zu sagen sein. Hier galt es norläufig [sic] nur zu zei-
gen, dass niemals das Gold Masstab der Preise sein konnte.

Das hoffen wir, ist uns in jedem Falle geglückt. Zur weite-
[00]

teren Festigung unserer Anschauung werden wir im Folgenden staat –
liche Geldwesen mit den verschiedensten Währungen untersuchen,
nicht derart, dass eine aus der anderen hervorgeht und in ihr die
historische Stütze findet, sondern wir wollen jede Währung gewis-
sermassen neu begründen und aus diese Betrachtung die Möglichkeit
oder Unmöglichkeit einer Währungsreform zu gewinnen suchen.


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