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Wirtschaften, wenn wir von der Art und Weise der Bedarfsbefriedi- |
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gung absehen, nur als der Ablauf eines sich immerfort wiederholen- |
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den Naturgesetzes. Eine unstabile Währung kann nicht existieren, |
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wo nur ein Verzehren des selbst Erarbeiteten stattfindet und an- |
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deres ist uns dort nicht erreichbar. Mit der modernen Entwicklung, |
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ganz besonders der der Arbeitsteilung, müssen wir unsere Produkte |
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veräusserung blieb wirtschaftlich irrelevant ) auf dem Markte |
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kaufkräftig wurde, hatte die wirtschaftliche Berechtigung dazu, |
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ja die Güter warteten geradezu auf sein Kommen und auf ihre Ab- |
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nahme. Die im Gelde verkörperte oder die im kaufkräftigen Ein- |
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kommen, auch wenn es abstrakter Natur wie das Girokonto ist, ruhen- |
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de Werteinheit bedeutet somit auch etwas durchaus reales, nämlich |
394 |
- 143 - |
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ganz natürlichen Hintergrund und es bedarf keines Mvvivvsstrauens, |
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auch nicht des rein mechanisch quantitativen Einwirkens der Pa- |
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pergeldmenge aus sich selbst heraus auf die Preise, um Erklärun- |
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gen für die Erscheinung zu finden. Wir könnten analog unserer bis- |
400 |
herigen Ausführungen folgendermaassen erklären: Die alten Preise |
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waren der Ausdruck einer in den rechtmässigen Einkommen gegebenen |
402 |
Arbeitsleistung, nunmehr treten Einkommen ohne solche Arbeitsleis- |
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tung hinzu, und der schliessliche Erfolg muss der sein, dass die |
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Preise nominell steigen, denn die Werteinheiten, die güterheischend |
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am Markte erscheinen, verkörpern nun in ihrer Mischung von recht- |
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mässigem und unrechtmässigem Einkommen zusammengenommen auch als |
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einzelne Einheit einen geringeren Arbeitswert und darum müssen |
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mehr solche Einheiten für ein Gut gegeben werden, d.h. die Preise |
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müssen steigen. Es werden dadurch wieder alle befriedigt, denn eine |
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Unterschiedung der kaufkräftigen Werteinheiten nach der Berechti- |
411 |
gung ihrer Entstehung ist nicht möglich als auch nicht statthaft. |
412 |
Weiterhin wesentlich ist noch der Uvvmvvstand, dass die Preissteigerung |
413 |
nicht alle gleichmässig betrifft, sondern abgestuft je nach der |
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Entfernung des Berufes vom Güterbesitz und der Güterproduktion, |
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etwas in der Reihenfolge Erzeuger, Händler, Agenten, Makler, Arbei- |
416 |
ter, Angestellte, Beamte und schliesslich Rentner, wobei im einzel- |
417 |
nen vvvorvvübergehende Verschiebungen natürlich durchaus möglich sind. |
418 |
Ivvmvv allgemeinen können wir sagen, dass das eben die beweglichsten Ein- |
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kommen sich wiederum am schnellsten den wechselnden Verhältnissen |
420 |
anpassen konnten. Jede Erhöhung des Unternehmenrgewinnes hat die |
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- 144 - |
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Tendenz die Löhne zu erhöhen und das fort zu Angestellten und |
432 |
wieder weiter bis alle Berufsgruppen erhöhes Nominaleinkommen |
433 |
bezigen haben. Es ist wie wenn durch einen Steinwurf die konzen- |
434 |
trischen Ringe auf der Wvvavvsserfläche sich mehr und mehr erweitern. |
435 |
Mit einem Preise hängen alle Preise zusammen und ziehen sich ge- |
436 |
genseitig gleich wie auch die Einkommen nach. Zwar [übertippt h]errschte auf |
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der Angebotsseite immer wieder das Streben nach Preiserhöhung und |
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Anpassung an den jeweiligen gerechtfertigten Stand, auf den der |
439 |
Ausgleich zwischen Einkommen und Gütern gegeben wäre, aber Infla- |
440 |
tionwelle auf Welle lässt den Ruhezustand nie eintreten. Bei einer |
441 |
einmaligen Verrückung und nachheriger automatischer Anpassung |
442 |
hätte die Werteinheit wohl wieder stabil sein können; - ein immer- |
443 |
währendes und sich immer wiederholendes Verändern bedingte den |
444 |
bekannten Zvvuvvstand der dauernden Unstabilität. Allmählich lässt |
445 |
sich Ursache und Wirkung nicht mehr als primär und sekundär schei- |
446 |
den. In der immerwährenden Wechselwirkung zeigt sich die vergeb- |
447 |
liche Jagd nach dem eigenen Schaffen. Die beiden Pole der Wirt- |
448 |
schaft, Einkommen und Preise, vordem durch die Goldwährung gebunden, |
449 |
sind nun völlig frei und streiten sich u[übertippt m] die Priorität. Dass die |
450 |
Politik der Höchstpreise zusammenbrechen musste, ist uns selbstver- |
451 |
ständlich und das ganz besonders, wenn diese nur auf bestimmte |
452 |
Güterarten angewandt werden sollen. Die Erzeuger der Höchstpreis- |
453 |
g[übertippt ebühr] güter erhalten ihr Einkommen ja in Preisen ihres Produktes |
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abzüglich ihrer Unkosten. Da kann es praktisch vorkommen, dass die |
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Unkosten über den Produktpreis zu stehen kommen; in jedem Falle |
456 |
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- 145 - |
465 |
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aber muss sich das fragliche Einkommen auflehnen gegen die übrigen, |
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die ringsherum sich frei entfalten. Es wird gleichartige Arbeit |
468 |
nach verschiedenem Maasse gewertet und gerade das Bestehen und |
469 |
Anwenden des gleichen Maasstabs derart, dass die Erzeuger [übertippt g]leich- |
470 |
cher Arbeitswerte gleiches Einkommen beziehen, das ist das Krite- |
471 |
rium der gesunden Wirtschaft. |
472 |
Wenn wir nun, wie vordem bei der stabilen Wirtschaft die |
473 |
gedankliche Division des Nvvovvminaleinkomens in die Gesamtpreishöhe |
474 |
der Konsumgüter vornehmen, so ergibt sich nimmer die Zahl eins. |
475 |
Darüber oder darunter bietet sie den Anreiz zu Preis-oder Ein- |
476 |
kommenserhöhung. Jede Einkommenserhöhung ohne erhöhte Leistung |
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ist als Versuch zu bewerten, Gütermengen, die einem bestimmten Stan- |
478 |
de zufliessen sollen, sich selbst anzueignen. Dieses Bestreben wurde |
479 |
zur dauernden Uebung ohne dass die teils sich dadurch selbst schä- |
480 |
digenden Parteien die tatsächliche Wirkung gewahr wurden. Jede |
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Kalkulation als Preis-und Einkommensgrundlage erfuhr im Laufe des |
482 |
Herstellungsprozessen so vielfache Verschiebungen, dass wir darin |
483 |
auch mit den verschiedensten Wertgrössen rechneten. Der so entstan- |
484 |
dene Preis war ein Mittelpreis einer gewissen Zeitspanne, ebenso |
485 |
die dafür erstatteten Einkommen. Gut und Einkommen gelangen nicht |
486 |
gleichzeitig auf den Markt, zudem stand es von papiernen Gesetzen |
487 |
abgesehen frei, die Güterpreise von der vorhergehenden nominellen |
488 |
Kalkulation zu lösen und darum fiden auch die Grössen, die sich |
489 |
negieren sollen, sich als gleichnamig nicht vor. |
490 |
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498 |
- 146 - |
499 |
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500 |
Die stabile Währung hat aufgehört in jedem Augenblick, |
501 |
wo das Gleichgewicht des ersten Gütertausches gestört wurde |
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und weiter fortwirkt. Da also, wo Werteinheiten, die auf der Ein- |
503 |
kommensseite wirksam wurden, auf der Güterseite kein Gegenüber |
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hatten und durch damit bedingten, notwendigen Preissteigerungen |
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anderen berechtigten Gläubigern der Wirtschaft ihre Ansprüche |
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schmälerten. Hvvivver wurde das in Preisen und Einkommen angewandte |
507 |
einheitliche Maass, für das die Werteinehit in Geldform nur das |
508 |
Bewegungsmittel war, weil es eben als Nvvovvminaleinkommen der Pro- |
509 |
duktion auf dem Fvvuvvsse folgte, ausser Kurs gesetzt. Die Werteinheit |
510 |
stand nur als Gedanke zwischen den Preisen und Einkommen und |
511 |
schient wert, weil sie hier und dort auf ein wirkliches reales |
512 |
Gut projeziert werden kann und sich hier und dort auf einen gleich |
513 |
dimensionalen Wert, auf eine Arbeitsleistung oder, was das gleiche |
514 |
ist, auf den verkörperten Arbeitswert stützen kann und zwar, was |
515 |
wesentlich ist, in jedem Falle und nach jeder Seite auf einen |
516 |
in der Grösse immer gleichen Wert. Durch neu geschaffenes Einkom- |
517 |
men ist die Werteinheit entthront worden und ihren Wert können |
518 |
wir jetzt im immerwährend Auf und Ab der Gegenseite, im Wechsel |
519 |
von Angebot und Nachfrage uns nicht mehr verdeutlichen;- wir |
520 |
können ihn auf nichts mehr beziehen. Darum können wir auch nicht |
521 |
mehr am Gelde schätzen, können ihm Warencharakter nicht zuerken- |
522 |
nen und ebenso auch nicht die Funktion des Wertmessers. |
523 |
Wenn wir unter Währung einen Masswert uns vorstellen, so |
524 |
können wir bei unstabiler Wirtschaft das Bestehen einer Währung |
525 |
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533 |
- 147 - |
534 |
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535 |
überhaupt verneinen. Die Güter-und Dienstleistungen in der Wirt- |
536 |
schaft wurden infolge des nie zur Ruhe Kommens dadurch auch |
537 |
immer nur in den verschiedensten Währungen ausgedrückt; d.h. der |
538 |
immer gleich genannten Werteinehit wu[übertippt r]de stets ein anderer |
539 |
ökonomischer Inhalt imputiert. Die Mark von gestern war etwas |
540 |
grundsätzlich anderes wie die von heute und jeder dazwischen |
541 |
liegenden Stunde. Was unserer Währung fehlte, um als solche an- |
542 |
gesprochen zu werden, war das Fehlen des rekurrenten Anschlusses |
543 |
an die Währung von gestern zur Umrechnung auf die neue und auf |
544 |
die einheitliche Einheit. Bei einer aus freien Stücken gewähl- |
545 |
ten Währungsänderung muss das Preisniveau sich ebenfalls um- |
546 |
stellen, aber diese Uvvmvvrechnung erfolgt in einem Zuge, und es be- |
547 |
stehen dann die gleichen Relationen auf anderer Grundlage doch |
548 |
genau wie vordem. Bei unserer immerwährenden, nie zur Ruhe ge- |
549 |
langenden Umrechnung waren Deklassierung, Krisen und Klassen- |
550 |
käm[übertippt p]fe die notwendigen Folgen. Wenn die Inflation sich darin |
551 |
erschöpft hätte wirtschaftlich ungerechtfertigte, nicht durch |
552 |
Vorleistung erworbene Kaufkraft erzeugt zu haben, so wäre diese |
553 |
Wirkung allein, wenn sie jedermann gleichmässig und unentrinn- |
554 |
bar getroffen hätte, eine notwendige Erscheinung gewesen. Die |
555 |
schlimmste Wirkung aber brachte sie uns in der __Verschiebung__ |
556 |
der Einkommen. |
557 |
Dass auch der Stand der Valuta in diesem Zvvuvvsammenhange |
558 |
nichts wesentliches bedeutet, ist uns wohl klar geworden. Wir |
559 |
haben es hier mit einer durchaus innerwirtschaftlichen Erschei- |
560 |
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570 |
nung zu tun und die Valuta lässt nur das Chaos der Wirtschaft |
571 |
in besonders grellem Lichte erscheinen. Ebenso wenig dürfen wir |
572 |
glauben, fehlende Werte vom Ausland gestellt zu erhalten. Die ganze |
573 |
Wirkung muss sich im vvLavvnde selbst kundtun. In erster vvLvvinie umge.= |
574 |
waälzt wurde alles, was mit einer Forderung oder Schuld in irgend- |
575 |
einer Form zusammen [übertippt h]ing. Was das Einkommen anlangt, so sagten wir |
576 |
davon bei der stabieln Währung, dass wir mit ihm gleichzeitig im |
577 |
Besitze des Equivalente hiezu sind und eine Auswahl gleicher |
578 |
Werte auf dem Markte uns zur Verfügung steht. Bei der gestörten |
579 |
Wirtschaft ist das Evvivvnkommen schon einmal in der Spanne, in der |
580 |
es dem einzelnen zur Verfügung gelangt, nur mehr oder weniger |
581 |
dasjenige einer Währung niedrigeren und verschiedensten Wertes; |
582 |
nämlich eines solchen, der auf dem Gütermarkte bereits in der Ver- |
583 |
gangenheit in Anwendung gebracht wurde. Dagegen könnte es mögli- |
584 |
cherweise auch ein Einkommen sein mit einer Wertmaass-Zugrunde- |
585 |
legung, die auf dem Gütermarkte erst späterhin Regel wird; - auf |
586 |
der einen Seite also ein Einkommen, das nicht annähernd das Equi- |
587 |
valent der Arbeitsleistung und - das ist wesentlich - auch nicht |
588 |
das des Einkommens am Tage der Leistung und auch nicht an dem |
589 |
des Bezuges darstellt, auf der anderen Seite wieder ein solches, |
590 |
das sofort ausgegeben, den Käufer in den Besitz grösserer Güter- |
591 |
mengen setzt, als er an Werten der Wirtschaft beigesteuert hat oder |
592 |
bei Vorauszahlung nach leisten wird. Die meisten wirtschaftlichen |
593 |
Fragen waren nicht mehr solche der Ueberlegung und die einer |
594 |
Kalkulation, sondern Machfragen der Berufsorganisationen . |
595 |
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Betrachten wir auf der anderen Seite die Händler auf dem |
606 |
Ma[übertippt r]kt[übertippt e]. Befolgten sie wirklich die Gesetze der Behörden betreff |
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Preisfixierung, dann gäben sie gegen die Werteinheiten in Geldform |
608 |
in ih[übertippt r]en Waren kein Equivalent gleichen Wertes hin, sondern ein |
609 |
Vielfaches davon. Dieser wirkliche Verlust bedeutet wieder Gewinn |
610 |
für den Konsumenten. Ebenso stand es mit der Stundung von Schulden |
611 |
im Verkaufe auf Kredit. Je nach der den Verhältnissen Rechnung |
612 |
tragenden und sie erkennenden Einstellung konnten auch hier wie- |
613 |
derum private Gewinne oder Verluste eine Folgeerscheinung der |
614 |
Inflation sein. Der Fabrikant konnte auf der einen Seite im Export |
615 |
Valutagewinne erzielen, die im Innenhandeln möglicherweise vergrös- |
616 |
sert, möglicherweise aber auch vielleichthgar aufgezehrt werden |
617 |
konnten. Wir denken daran, dass andere Berufsarten, besonders die |
618 |
freien Berufe, wie Künstler, Schriftsteller usw.fast völlig ein- |
619 |
kommenslos wurden, dass die Höhe der Entlohnung ncicht mehr das |
620 |
Equi[übertippt v]alent der Qualität der Arbeit bedeutet, dass ungelernte Ar- |
621 |
beit nahezu gleich gesetzt wurde mit individueller, künstleri- |
622 |
scher Handarbeit. Mit der Verschiebung der Einkommen ging auch die |
623 |
Verschiebung der Berufe Hand in Hand. Ganz neue Existenzen machten |
624 |
sich breit, ein Heer von Zwischenhändlern, Agenten und Kommissionä- |
625 |
ren, die ihr Einkommen lediglich in der Ausnützung von Preisspan- |
626 |
nungen bezogen. Wir erlebten die Vergrösserung der Beamtenapparate |
627 |
die Schaffung bisher unbekannter Aemter; . es war im ganzen ein |
628 |
Abwandern von der unmittelbar produktiven Tätigkeit. |
629 |
Wir wissen von den Börsenspekulationen, der Möglichkeit |
630 |
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639 |
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640 |
der Geldbeschaffung auf den Wechsel hin, von Spekulationen à la |
641 |
hausse auf weite Sicht. Nicht vergessen wollen wir die mögliche |
642 |
Ausnutzung der verschiedenen Kurssetzungen auf den Weltmarkt- |
643 |
plätzen. Ueberlegen wir auch, dass das, was wir mehr verzehrten, als |
644 |
wir erzeugten, Gewinn bedeutet für die Kvvovvnsumenten und Verlsut |
645 |
sein muss für die Besitzer der Kapitalgüter, mit denen der Aus- |
646 |
gleich hat bewerkstelligt werden müssen. |
647 |
Ueberall sehen wir, wie die Inflation alle Fesseln spreng- |
648 |
te, wie sie die Einkommen revolutionieren liess, vor allem deshalb, |
649 |
weil sie in der Neuschaffung von solchen kein einheitliches |
650 |
Arbeitswertmaass mehr anwenden liess, weil sie die Bindung zwi- |
651 |
schen Einkommen und Preisen zerstörte. Was in lenger Entwicklung |
652 |
gewachsen war, was das Fundament eines Staates, was die Struktur |
653 |
der Gesellschaft bedeutet, das wurde durcheinander geschüttelt |
654 |
und kann nur schwer zur Ruhelage kommen. |
655 |
Dass die ganze Entwicklung nur möglich war in einer |
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so viel und weit verzweigten moernen arbeitsteiligen Wirtschaft |
657 |
wissen wir. Im vvLavvnde mit realem vvAuvvstausch liegen vvPrvvoduktion und |
658 |
Verbrauch zu nahe beisammen und sind zu eng gebunden, als dass |
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wir den Versuch machen können, Ovvpvvfer von uns auf andere abzuwäl- |
660 |
zen und umgekehrt von anderer Leute Arbeit zu schmarotzen. Wir |
661 |
dürfen aber deswegen wohl kaum dem Gelde als einer Erscheinungs- |
662 |
form der modernen Wirtschaft die Schuld an ihrem Chaos zuschreiben |
663 |
und auch nicht dem Papiergelde als der notwendigen und der einzig |
664 |
möglichen Form der wirtschaftlich gesunden Entwicklung. |
665 |
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673 |
- 151 - |
674 |
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675 |
Dass wir in der modernen Wirtschaft die Opfer, die wir notwendig |
676 |
bringen mussten, nicht gleich als solche für den einzelnen ver- |
677 |
spürten und nicht verspühren wollten, dass uns die Scheinmöglichkeit |
678 |
belassen wurde, sie auf andere abzuwälzen, ohne dass die Volks- |
679 |
wirtschaft als ganzes Schaden nehme, dass liess den Kampf und die |
680 |
Verschiebung der Einkommen Folge werden. Wir erkennen also, nicht |
681 |
die Preissteigerung, auch nicht der Stand der Valuta ist das Ent- |
682 |
scheidende und Schädigende der Inflation und beides ist kein |
683 |
Gradmesser, sowohl nicht unseres Wohlergehens, als unseres Elends. |
684 |
Beides könnte die Wirtschaft wohl ertragen ohne nennenswerte Stö- |
685 |
rung. Das tief greifende und schwer zu heilende Uebel der Infla- |
686 |
tion, das ist die Verschiebung der Einkommen, entstanden durch |
687 |
die verschiedenartige Bewertung der Leistung als der realen Güter |
688 |
und notwendig bedingt durch ständig neu geschaffene Einkommens- |
689 |
wellen, die jegliches vvAuvvsgleichsbestreben von neuem überfluteten |
690 |
und jegliches Vergleichsmaass uns raubten. Das Vergleichsmaass |
691 |
Arbeit war im Nominaleinkommen nicht mehr heraus zu lesen, weil |
692 |
es die Beziehung zu den Preisen und den durch Arbeitsaufwand |
693 |
erzeugten Gütern verloren hatte. |
694 |
Das Charakteristikum der stabilen Währung ist Paralleli- |
695 |
tät in der Entstehung und die Kongruenz der beiden Wirtschafts- |
696 |
pole, Einkommen und Preise, aufgebaut auf Arbeitswertgrössen, in |
697 |
nur jeweils anderer Zusammenfügung; das restlose Aufgehen der Wer- |
698 |
te beim Gütertausch. Das Merkmal der unstabilen Währung bedeutet |
699 |
das vvBrvvechen dieser Grundsätze und damit das Zerstören des doppelt |
700 |
gebundenen Maasses der Arbeit. Der Boden, auf dem die unstabile |
701 |
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709 |
- 152 - |
710 |
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711 |
Währung Raum hat, ist die wirtschaftliche Not; die Inflation war |
712 |
gewissermassen nur ein mit Notwendigkeit ausbrechendes Mittel, |
713 |
sie uns fühlbar werden zu lassen, und sie hatte im Gefolge die |
714 |
wirtschaftliche und gesellschaftliche Schädigung, wie wir sie bei |
715 |
unserer Betrachtung kennen lernten. |
716 |
Haben wir mit diesem letzten Abschnitt anscheinend den |
717 |
Boden der Theorie verlassen und unser Augenmerk auf eine tatsäch- |
718 |
liche und praktische Erscheinung gerichtet, so geschah es, um diè |
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Wahrheit der vorher entwickelten Sätze hier zu erhärten. Wir stell- |
720 |
ten diese Betrachtung an den Schluss, weil wir sie für den Aufbau |
721 |
unserer Gedanken nicht benötigten, weil wir nicht rückwärts von |
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den Tatsachen ableiten, sondern diese auf eine theoretische Mei- |
723 |
nung projekzieren. |
724 |
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