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Dass wir in der modernen Wirtschaft die Opfer, die wir notwendig
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bringen mussten, nicht gleich als solche fĂŒr den einzelnen ver-
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spĂŒrten und nicht verspĂŒhren wollten, dass uns die Scheinmöglichkeit
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belassen wurde, sie auf andere abzuwÀlzen, ohne dass die Volks-
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wirtschaft als ganzes Schaden nehme, dass liess den Kampf und die
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Verschiebung der Einkommen Folge werden. Wir erkennen also, nicht
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die Preissteigerung, auch nicht der Stand der Valuta ist das Ent-
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scheidende und SchÀdigende der Inflation und beides ist kein
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Gradmesser, sowohl nicht unseres Wohlergehens, als unseres Elends.
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Beides könnte die Wirtschaft wohl ertragen ohne nennenswerte Stö-
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rung. Das tief greifende und schwer zu heilende Uebel der Infla-
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tion, das ist die Verschiebung der Einkommen, entstanden durch
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die verschiedenartige Bewertung der Leistung als der realen GĂŒter
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und notwendig bedingt durch stÀndig neu geschaffene Einkommens-
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wellen, die jegliches vvAuvvsgleichsbestreben von neuem ĂŒberfluteten
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und jegliches Vergleichsmaass uns raubten. Das Vergleichsmaass
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Arbeit war im Nominaleinkommen nicht mehr heraus zu lesen, weil
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es die Beziehung zu den Preisen und den durch Arbeitsaufwand
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erzeugten GĂŒtern verloren hatte.
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Das Charakteristikum der stabilen WĂ€hrung ist Paralleli-
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tÀt in der Entstehung und die Kongruenz der beiden Wirtschafts-
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pole, Einkommen und Preise, aufgebaut auf Arbeitswertgrössen, in
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nur jeweils anderer ZusammenfĂŒgung; das restlose Aufgehen der Wer-
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te beim GĂŒtertausch. Das Merkmal der unstabilen WĂ€hrung bedeutet
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das vvBrvvechen dieser GrundsÀtze und damit das Zerstören des doppelt
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gebundenen Maasses der Arbeit. Der Boden, auf dem die unstabile
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WĂ€hrung Raum hat, ist die wirtschaftliche Not; die Inflation war
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gewissermassen nur ein mit Notwendigkeit ausbrechendes Mittel,
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sie uns fĂŒhlbar werden zu lassen, und sie hatte im Gefolge die
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wirtschaftliche und gesellschaftliche SchÀdigung, wie wir sie bei
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unserer Betrachtung kennen lernten.
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Haben wir mit diesem letzten Abschnitt anscheinend den
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Boden der Theorie verlassen und unser Augenmerk auf eine tatsÀch-
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liche und praktische Erscheinung gerichtet, so geschah es, um diĂš
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Wahrheit der vorher entwickelten SÀtze hier zu erhÀrten. Wir stell-
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ten diese Betrachtung an den Schluss, weil wir sie fĂŒr den Aufbau
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unserer Gedanken nicht benötigten, weil wir nicht rĂŒckwĂ€rts von
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den Tatsachen ableiten, sondern diese auf eine theoretische Mei-
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nung projekzieren.
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