Wesen und Inhalt der Werteinheit
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[Titelblatt] Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität FRANKFURT a.M.
Eingereicht von: Ludwig Erhard (1925) | hier: Übertrag aus Originalkopie / Transkription
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[Inhalt] Inhaltsverzeichnis
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- I Kurze historische Betrachtungsweise der tausch- und güterwirtschaftlichen Vorgänge.
- II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.
- III. Die Lehrmeinungen; Nominalismus, Metallismus, Warentheorie des Geldes.
- IV. Valuta und Währungsformen:
- V. Die stabile und unstabile Währung; Das Wesen der Inflation.
- VI. Schlussbetrachtung.
I Kurze historische Betrachtungsweise der tausch- und güterwirtschaftlichen Vorgänge.
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[S. 1] Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen, heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfachster Form entgegentritt. Was die Werteinheit erreicht, hat seine Individualität verloren und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
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Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tätigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertesten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten Meister sei ;– Dinge, die wir nie und nimmer vergleichen könnten, in der Form, dass wir sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Begriff der Werteinheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustellen und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang setzend.
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Wir sagten, die Werteinheit "scheint" eine absolut reale grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglichkeit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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[S. 2] notwendiger Inhalt sein müsste zu späterer Ausführung zurückstellen. Den Weg, den wir beschreiten wollen, lassen wir uns von der reinen Logik weisen, die uns zwingt, zu denken: "wenn alle jene Individualitäten dem wertenden Gedanken unterliegen und gleichnamigen Ausdruck finden, so muss eine Regel, ein System vorherrschen, dem diese Bewertung folgen muss; über alle Individualität hinaus muss etwas Gemeinsames den Dingen anhaften, das diesen wirtschaftlichen Vorgang rechtfertigt. Und das Wertausdrucksmittel, die Werteinheit, gleich ob sie von Menschengeist erschaffen oder organisch sich selbst in diese Rechte gesetzt hat, sie muss das, was sie in andern Dingen ausdrückt, die Quantität, das Maass, nach dem sie die Dinge der Aussenwelt wertet, in sich selbst enthalten oder – wir wollen uns hier noch keiner Theorie anschliessen – sie doch wenigstens symbolisieren.
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Wir stehen hier im Streite der Wertlehren, zwischen den Schwertern der Geldtheorien. Hie objektive, hie subjektive Wertlehre; hie Metallismus, hie Nominalismus. Was wir in aller Kürze hier einleitend anführen konnten, das ist schlechthin die gestellte Aufgabe selbst, das bedeutet das Problem.
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Die historische Betrachtungsweise aufnehmend, fragen wir uns, ob der Werteinheitsbegriff eine Urerscheinung wie Wert und Bedürfnis vorstelle oder ob er nur ein, der heutigen Wirtschaftsform essentieller bestandteil sei. Auf diese Weise müssen wir einmal zu dem Punkte gelangen, wo jener Begriff im Wirtschaftsleben erstmals wirksam und erkenntlich wird. Wir versetzen uns zurück in das Zeit-
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[S. 3]alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren Mitglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirtschaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlichkeit des Bedürfnisses den gleichen Befriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen.
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Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tauschhandlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.
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Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korbflechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benötigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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[S. 4]derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiderstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschenden in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirtschaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Arbeitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorbereiten.
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Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feilbietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbarkeit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit bleiben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allgemein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichts-
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[S. 5]schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung – von Edelmetallen.
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Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängenden Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrschten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzweigter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewusster und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisieren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einstweilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzungen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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[S. 6]beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemeinschaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen übereinstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine abschließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedankliche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleichwertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsaufwand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschaftsordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Nomalis mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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[S. 7] Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkonstanz in sich birgt.
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Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Vergessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschoperationen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradezu unsinnig, ein solches einzuschalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in gewisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsaufwand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswiderstand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmaassen revolutionieren, den Ruhepunkt werden sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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[S. 8]haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
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Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet erhalten.
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Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lange Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und infolge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
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Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tauschmittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies vermag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tauschmittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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[S. 9] begrifflich nicht damit zusammenhängt.
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Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Werteinheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tatsache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaftlichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes bedient. Voraussetzung für die Werteinheit ist also eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemeinsame öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
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Die kontinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und Mittel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusserlich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, innerhalb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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[S. 10] sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirtschaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich proklamierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neuordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sein kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunktion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist notwendig, solange die staatliche Autorität noch nicht in dem späteren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
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Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete:
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1 Korb zu 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetzung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korbflechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wieder die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Tonschale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 ℳ ( Fiktion: Vom realen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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[S. 11] 2.790.- ℳ) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung:
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2.790,- ℳ zu 1000 g wie 27,90 ℳ zu 10 g, mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständlicher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflechter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Besitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Einrichtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen Instrumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merkmal des Geldes bedeutete.
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Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charakter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum Mittel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinheit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Gütern bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzten Befriedigung zu dienen, die historische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im menschlichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewohnheit des
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[S. 12] täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Werteinheit eingehaucht, auf die es lautet, und die in Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
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Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwertvoll oder wertlos zirkulieren muss und kann; das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechnerische Grösse sein kann. Wenn wir sehen und sagten, dass die Werteinheit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse. Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig.
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Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirtschaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer des gleichen historisch begründeten Wertausdruckes bedient – nicht jeder wirtschaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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[S. 13] am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteinheit noch in stoffwertvollem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kommensurabel zu machen. Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zurückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter welchen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weitere Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung noch zu skizzieren.
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Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äusserlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edelmetallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht ausbleiben, dass man zwar auf der einen Seite den Segen der erhöhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Material-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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[S. 14] die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist. Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs- oder Tauschmittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich über den Stoff erhebt.
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Ueberlegen wir aber, dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufälligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedensten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Habenposten müssen von der Perspektive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, praktischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die sie zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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[S. 15] finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln abgesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, während der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schuldigen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinne nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizierung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufige, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kontinuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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[S. 16] sondern als ein im höchsten Maass gesellschaftliches an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft die Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in Werteinheiten in staatlich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesagt, vorschiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten Institut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirtschaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
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Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungsverkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äusseren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir diesen auf ein allgemeinnes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebener, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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[S. 17] Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f ts-Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be- und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagten die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirtschaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Zu- und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
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Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwicklung, oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickllung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlich in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Eigenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über persönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der Forderung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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[S. 18] Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mit allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, solche Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Gold im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Dienste und Nutzungen als selbsständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeignet wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir den Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu Grunde liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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[S. 19] des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten ½ Wie jedes Teilgut frühher in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Werteinheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distribution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täglichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirtschaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusammenhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestellten Fragen der endlichen Beantwortung entgegen reifen lassen.
II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.
Der Kreislauf der Wirtschaft.
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So lose auch bei nachlässigerer Betrachtung eine Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufs mit der Werteinheit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich, losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirtschaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersuchung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers verspürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Werteinheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
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So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tauschgutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelpersonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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[S. 21]kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen, wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden, so wird auch der schon hieraus erkennbare Geist der Werteinheit gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag, auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu berufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deutlich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüssigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Weltwirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müssen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Einheit in die Erscheinung tritt. Und jede dieser Einheiten hat wiederum ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungseinheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel verteilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital " erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreislauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geldwirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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[S. 22] noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letzterer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiedereinlösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwertlosen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirtschaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche, zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht. Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaftlichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können. Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen Ewiges darstellt und immer auf's neue gegen Genussgüter zu tauschen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums erreicht ist. Von diesem Augenblick an ist das Geld begrifflich nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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[S. 23]lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsumgüter mittels jenes Geldes doch immer wieder gleich gross sein müsste. Varianten mögen wohl im Einzelfall, nie aber in der Gesamtheit möglich sein. In anderen Falle, wo das Geld in einem stoffwertlosen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde, das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet wird, bei dem akann von einem definitiven Tausch zwischen Geld und Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gesprochen werden.
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Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaftliche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem geschlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genommen als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der Aeuquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier bei der Betrachtung des Kreislaufs kann es nur darauf ankommen, innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
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Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen, wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnittliche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion " der Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir sahen_nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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[S. 24] nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht, ohne aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompensieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe. Die Schwierigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen darin suchen, dass in der modernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der Wirtschaft, am Konsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin, dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgänge hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
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Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausführt:
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"Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwendungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und und zwar realiesieren sich Produktion und Verteilung durch den
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[S. 25] Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nichts anderes als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer tauschen das Sozialprodukt gegen Boden- und Arbeitsleistungen und gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu produzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güterwirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde, in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unternehmer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgütermarkt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von Geld gegen Genussgüter. Die Konsumenten des Genussgütermarktes sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld ausgeben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben, wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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[S. 26] Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den ersteren gelangt ist.""
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Soweit Schumpeter.
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Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güterverteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten zum Konsum öffnet, den finden wir im Einkommen. Der Konsumtrieb ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng gebunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme der Ware, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin dem Wesen nach eine Krise.
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Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen die vom erfahrungsgemäss vorauserwartetem heutigen Konsum vorgeschrieben wurde. Mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kaufen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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[S. 27] die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Güterstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und Konsumtion in gewissen Grenzen sich die Wage halten müssen. Zwanglos finden wir hier die Erklärung mancher Krise: nämlich dann, wenn wir aus der Mündung mehr Konsumgüter erwarten, als diese uns für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn wir einen späteren Konsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrauben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente verlangen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzulegen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank- und besonders der Diskontopolitik.
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Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirtschaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Aufschluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise einmal historisch aus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwendige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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[S. 28]gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte aufzuzeigen. Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen, so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das ist das Einkommen der Nation.
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Die Kalkulation ist nichts weiter, als eine Addition von aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile darstellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im einzelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes der Wirtschaft und insbesondere für das Erkennen des Wesens der Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zugriff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht messbaren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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[S. 29]gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt haben, die es ihm dennoch ermöglicht, den realen Wert seines Anteils, den er irgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Persönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.
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Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist uns das Nominaleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wieder mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen Grösse, – die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerkennung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens- und Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich, dass dieser Endzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss, dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu equilibrieren.
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Wir können sagen:
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[S. 30] Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index) P ist gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheitsausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene Relationen eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleichwertigem (Tauschgut) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es das Vorherrschen der Werteinheit, die in Geld oder der Wirkung nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Erscheinung und hat dort ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
[070]
In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.
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[S. 31] Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominaleinkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsaufwände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Gewichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale Anteile am gesamten Produktionsfond.
[072]
Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoretischem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allgemein meist nicht sprunghaft und auch alle anderen neuerzeugten Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein. Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen. Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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[S. 32] das andre Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Konsum bestimmt nicht nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach seinen subjektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter herangezogen werden. Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden. Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimmten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Arbeiter, Bauer, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebeneinander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben dem Preisgebände oder besser mit dem Preisgebände ist auch das Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusammenhang zu konstatieren ist.
[074]
Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Problem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen, so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen, das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte erscheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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[S. 33] aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulationen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
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In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten von Einkommen zu unterscheiden haben:
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1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genussgüter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-, Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupteinkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesellschaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
[078]
2.) Die an der Erschaffung des festen "volkswirtschaftlichen Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer, Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
[079]
3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend machen können.
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4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeglicher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
[082]
[S. 35] Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklichkeit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Geschehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die Paralellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtproduktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter, Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12; treten also von ihren Einkommen ab 12, 8 und 12 ist 32 und es bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf. Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfachheit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privatwirtschaftliches Kapital ; – privatwirtschaftliches Kapital aber, das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt, einen obligatorischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
[083]
[S. 36] Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen, dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalkulationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der vorausgegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden mussten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händleranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschreibung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus gesehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeitläufen ausgleichen.
[084]
Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geldpreise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung. Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar werden, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die Nominaleinkommen sind das Spiegelbild der Preise und so können wir die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominaleinkommen bezeichnen. Dass wir den Preisen die primäre Rolle einräumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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[S. 37] äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Korrektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens vorauskalkulierten Preis.
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Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben, das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden- und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoffquantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun, (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfalle wohl verschieden; sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstattet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als Einkommen zu erhalten. Während also Real- und Nominaleinkommen sich stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3. Ausdrucksform dafür; wird oftmals nur ein Teil der erstgenannten Begriffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkommensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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[S. 38] darstellen;– wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen Ausführung kann es keine Frage sein, dass wir es in engster Anlehnung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwechsels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin, so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auffassung.
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Im Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir unsere wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hierher die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst Nutzung oder Gut bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungsrecht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig werden lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchforderung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirtschaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füglich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geldschöpfung vor weiteren privaten, in's kleinste zu zerlegenden Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
[089]
[S. 39] Unternehmer geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirtschaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständlichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equivalente habhaft werden können. Im privaten Verkehr konnten nur private Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegenseitiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der Konsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in der Wirkung das Forderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
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[S. 40] Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung. In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit der Konsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
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Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern wollen, das sind die Zusammenhänge, soweit sie das gezeichnete Bild vollenden müssen. Zur Verteidigung des Wechsels wollen wir aber doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eignung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsumgüter repräsentiert, das können wir ruhig dem viel bekritelten Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirtschaftlichen Unmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wechsel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nicht als Einkommen geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen können aus dem Umlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
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Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse, die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen, eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
[093]
[S. 41] kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen, dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpfter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Produktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde bezahlt, es werden Gegenforderungen aufgerechnet, Wechsel dienen als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der Produktion wohl eine obere Grenze geschaffen. nach unten aber ist der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapitalmarkt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat niederschlagen müssen, das auf dem Markte erscheinen wird, auf der anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ; verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt gesehen, zu leisten, weil es im Zusammenfügen und Teilen von Werteinheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt. Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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[S. 42] austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. – die Distribution scheiden wir aus, – bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche Bild.
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Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet, auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
III. Die Lehrmeinungen; Nominalismus, Metallismus, Warentheorie des Geldes.
Die Lehrmeinungen
Der Metallismus. Der Nominalismus.
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Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschiedenheit zu einer herrschenden Theorie bekannten, – haben wir dort nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es versucht, die einzelnen Daten zu organischem Fluss an einander zu reihen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren jede mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für den allein richtigen vertritt.
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Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer Geldlehre, deren Inhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen, dass die alten klassischen Gesetze jenes orthodoxen Metallismus ohne nennenswerte Revidierung im Schwange sind und immer noch Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.
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In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes, als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur jeweils
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[S. 44] bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in "Geld" wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geldkreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuchliche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.
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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens doch einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelmetall in den Tresors der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu überlassen. Das schien der herrschenden metallistischen Geldauffassung nicht zu widersprechen, denn selbst der führende Nationalökonom jener Epoche – Ricardo – sagt über jene papierenen Umlaufsmittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall(Waren)geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das
[102]
[S. 45] Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungsmittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine Genüsse vermehrt werden."
[103]
Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nimmer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel gelten muss; ist das Papiergeld – die Banknoten – also nur Symbol eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht mit einer ökonomischen Erscheinung in der Wirtschaft verkettet und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen, als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren. Ricardo schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: "Das Publikum vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zustand zu erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Noten in Barren Gold und umgekehrt; etwas dieselben Grundsätze, die zur Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp
[104]
[S. 46] als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.
[105]
Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei ungewöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land ergreift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequemste Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus, das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss das Papiergeld, (die Banknote ), dieses nur auf Vertrauen beruhende Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Vertrauens dennoch Gelddienste leisten.
[106]
Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt, haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verstehen gewöhnlich darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System gibt es begrifflich keinen Unterschied zwischen Werteinheit und Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst. Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit. Den späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der abstrakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Boden der objektiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes
[107]
[S. 47] der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und Rente gelten liessen. Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.
[108]
Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden Ware und ein Geldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verstehen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Gebrauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Frage; er schätzt rein subjektiv nach Lust-oder Unlustempfinden, was natürlich zur Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.
[109]
Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung geregelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr fragwürdigen Formel begriffen wissen: "Nun schätzt ihr an einem allgemeine beliebten Gegenstand, z.B. dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt?" Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten bleiben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmittel in den Vordergrund des Verkehrs gedrückt waren, wurden, den Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wiederum musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen
[110]
[S. 48] Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch immer nur – man mag die absolute Notwendigeit ihres Entstehens und ihrer Zirkulation eingesehen haben oder nicht, – Geldsurrogat, jederzeit umtauschbares Kreditpapier, das seinen Wert nur von dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Golde lieh, das seinerseits wie bei der Dritteldeckung in der Gesamtheit sogar nur eine vorgestellte Mengengrösse sein musste. Tatsächlich wurde denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert oder Umlaufsfähigkeit verloren.
[111]
1797 beispielsweise wurde in England infolge seines Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen. 22 Jahre herrschte ein Zustand vor, den die Metallisten nur mit grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass, den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regulieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine inflationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natürlichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohl ein geringer Uebel
[112]
[S. 49] sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gradueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffassung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffende Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zufliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen Verkehr beleuchten und beeinflussen können.
[113]
In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion anfachende Moment begriffen wissen will.
[114]
Während also bei den Metallisten die Erklärung der Banknoten auf
[115]
[S. 50] die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten in ihrer reinen Theorie hierinnen vollkommene Freiheit und wenn sie auch, wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen die Deckung in weniger starken Grenzen beibehalten wollen. Was die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen, in Wegfall. Für sie ist die Frage nach dem Stoff des Geldes eigentlich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden- oder Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Literatur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalismus, Metall- und Papierwährung, die Bezeichnung gebundene und freie Währung. Nicht das ist der Unterschied, dass der Nominalist eine Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für praktisch möglich hält; nein, auch bei reiner Metallwährung und sei auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel verkörperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen und als solches von den Metallisten definiert wird, auch hier in solchem reinen heute nur noch gedanklich möglichen Zustande hat sich für den Nominalisten die abstrakte Werteinheit zur Beherrscherin der Wirtschaft aufgeschwungen.
[116]
Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff, die immer von neuem die Frage nach dem Werte des Geldes in die Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nominalisten argumentieren
[117]
[S. 51] in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei, dass das Geld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es notwendig war, um in der Beziehungssetzung aller anderen Güter zu jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwährenden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als abstrakte Werteinheit, als eine nur in der Vorstellung lebende Grösse kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geldstück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalismus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein, wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;– ist doch für ihn die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus nebensächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekurrente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen, verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-
[118]
[S. 52]struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff ist in einer Hinsicht willkürlich, ist etwas Zufälliges. Er muss aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geldpreise in der Höhe unverändert bleiben, so muss das die neue Währung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Währung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer bestimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatlich zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der Werteinheit die Bindungen mit der alten Währung so enge sein, dass das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und andererseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rechnende öffentliche Leben keinerlei Störung hiedurch erleidet. Die Nominalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus gearbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der nominalen Einheit des Geldes.
[119]
Wenn der Staat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der Werteinheit eine Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tausche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik
[120]
[S. 53] des Staates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleichgewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa Kreditgebung oder Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat, während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Paritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.
[121]
Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegenüber bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft nebensächlich sei, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschaftsleben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Praktisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet, dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen. Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an, denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegten, wie die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches aber sie gibt nur den Anstoss zum Umfang der Produktion. Aus dieser selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die zur Grundlegung
[122]
[S. 54] der Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nominalismus führt das dann, insofern wir erkennen, dass dieser wohl subjektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemeinschaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer unfassbarer wird. Die Resultante aus einst wirksamen, subjektiven Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wurzelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der gegenüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirtschaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Werteinheit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomischen Inhalt derselben. Mit der Postulierung der abstrakten Werteinheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geldschöpfung" als seiner notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass man auch hier die Zusammenhänge zwischen Geld und Warenseite erkennt. Uns allen ist der Bendixen'sche Gedanke, der in grossen Zügen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach, bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leugnet, können wir ihm ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in Geld ausdrückbaren Verfügungs-und abtretungsbereiter Form auf den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot
[123]
[S. 55] und Nachfrage auf die Preise. In deren Höhe spiegelt sich der eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit in tausendfacher Form verkörpert finden.- Das wird in kommender Ausführung nach ganz deutlich werden.
[124]
Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem System vereinbar anzuerkennen. Aber während der Metallismus diesen doch jahrelang wirklichen Zustand als anormal und als nicht wissenschaftlich erklärenswert
hinstellt, dem Papiergeld den Geldcharakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend, kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Einkommensvernichtung oder Konsumtion, – ein Geld von theoretischer Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont sei es nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation, weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, – obwohl das ja durch sinnfällig täuschende Manipulationen der Reichsbank offiziell so schien – sondern deshalb weil es nicht gebunden war an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-
[125]
[S. 56]lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirtschaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationistische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindestens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem Falle auch Gold hätte inflationistisch wirken müssen. Eine andere Frage ist die, ob nicht die Hoffnung auf Wiederherstellung der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung abgeschwächt hätte.
[126]
So kann der Nominalismus innerhalb seines Systems in gerader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt, sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss hier der Metallismus weltfremde Kombinationen anstellen, um den Erscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und zwar muss auch hier die subjektive Schätzung zurecht gebogen werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze. Der erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt in der Seele des Käufers einen Preis entstehen, der aber nicht etwas der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst die zweite Schätzung des Minderwerts des Papiergeldes gegenüber
[127]
[S. 57] dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis so schliesslich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die Inflation beruhe also auf einem Misstrauen zum Papiergelde, das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke. Wenn Diehl meint, der Staat müsse auch die Warenpreise fixieren, wenn er wertloses Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich. Als die letzte und modernste Erscheinung an der wir die Theorie proben wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, unter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brachten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde. Das Pfund Sterling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend weniger Güter erhältlich sind wie vordem und umgekehrt für die gleiche Gütermenge mehr Gold zu leisten ist. wäre das Wirtschaften wirklich ein Tausch von realen Gütern, von Gold und Ware gewesen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben müssen. Bei freier Konkurrenz der Goldproduzenten aber musste diese Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke die natürliche Grenze finden. Tatsächlich wurde von Grundbesitzern auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gunsten gefor-
[128]
[S. 58]dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abgelehnt, dass Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metallistischen Gedanken nach durchaus folgerichtig, demgegenüber es aber dann eine Durchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist, Gold für industrielle Zwecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des Krieges die Einlösung der Noten in Gold aufgehoben, ohne dass allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es entzieht sich unserer Kenntnis, wie weit die Bank von England in diesem Zeitraum denn noch Gold mit Opfern erworben hat, indem sie für dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben den Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Verhältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin entfällt ja der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann. Aber auch damit, dass er nur zu Kriegszeiten an die Oberfläche gelangt, ist gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die Metallisten stützen, nun über die proklamierte Wertrelation hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde gelegt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münzpreis; – die Nominalisten fallen ein: – Eben das Pfund Sterling
[129]
[S. 59] als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.
[130]
So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Metallismus zu uns sprechen lassen. Obwohl wir uns dabei nicht grundsätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten, haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Unterscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Besonderheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksichtigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme nunmehr bereits näher der nominalistischen Anschauung zu erkennen ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.
Die Warenwerttheorie des Geldes.
[131]
Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun noch vorbehalten, das ist die insbesondere von Siegfried B u d g e vertretene Funktionswert- oder Warenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eigene Richtung in diesem Sinne verkörpert, sich vielmehr in den meisten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Bezeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körperlichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes
[132]
[S. 60] Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entscheidende und das Unterscheidende von jeglichen anderen Warengattungen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwischen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre, der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gelde anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalismus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des subjektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Proklamierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Goldwert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen bewegt wird. Immer müssen die Tauschmittel die Preissummen realisieren. Hier wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitätstheoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.
[133]
Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englands beobachten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Produktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht
[134]
[S. 61] auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des Goldes, das ist sein statischer Konkurrenzpreis plus Schlagsatz, sinken. Budge kleidet das in den Satz: "Der objektive Wert des Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer, die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungsaufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quantitative, die Motive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene statische Nachfrage, zusammen mit dem statischen Angebot, starre Grössen, aus denen der objektive Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und war im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grösse, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzelperson anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen Bedingtheit des Goldes einmal als Ware und dann als Geld in der Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirkulation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser Theorie, wie wir nun beim Papiergeld sehen werden, eine hervorragende Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante
[135]
FEHL S.62 oder nur fehlerhafte Nummerierung? [S. 63] metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen, wenn es sich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes handelt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergeld die theoretische Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjektiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwendung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel – auch die Wertmaassfunktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze verwirklichen?
[136]
Da Papier – und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehalten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tausches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem Monopol ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer bestimmten bekannten Form, und Monopol in seiner relativen Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Brauchbarkeit, Nützlichkeit und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des
[137]
[S. 64] Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.
[138]
Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kosten mit sich. Opfer aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Austausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird zu einer allgemein brauchbaren Rechen- und Messgrösse erst dadurch, dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung gebracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen einheitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigenschaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold ist gleich ℳ 1395.-, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes, sondern ist eine Identitätsgleichung. Als das allgemeine Tauschmittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen anderen kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Besonderheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerlegbar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewissermaassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das
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[S. 65] im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im internationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Warenwährung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des Papiergeldumlaufes im Innern und des Goldes im Aussenhandel, die sog. Geldkernwährung.
[140]
Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen Schule erfolgten und hinwiederum ein Hauptvertreter der Warentheorie, Siegfried Budge, seine Polemiken in der Hauptsache gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.
Die Werteinheit ist ein Arbeitswertquantum.
[142]
Der Begriff Werteinheit ist nicht beschränkt auf Zahlungs- oder Tauschmittel, hier wird er nur zum bewegenden Motor, in der ganzen Wirtschaft aber haucht er materiellen und indellen Dingen erst das Leben ein und lässt sie und sinnfällig erscheinen. Ein Etwas also muss im Wesen dieser Werteinheit verborgen liegen, etwas Ueberstaatliches, alle Kulturepochen Ueberdauerndes, etwas in jeder Geldverfassung Erhabenes, der Ausdruck
und Widerschein eines ewigen Naturgesetzes, dem wir nicht entrinnen können.
[143]
Als solches stellen wir hin die Bestimmungsgründe des Wertes, und wir stehen rückhaltlos auf dem Boden der objektiven Wertlehre, wonach wir einstweilen nur bei Betrachtung der reinen Oekonomie, bei wirtschaftlichen Gütern nur Maass und Energie der angewandten Arbeit, uns Aufschluss über die Höhe des Wertes zu geben vermag. Welche Variante wir dann innerhalb der objektiven Wertlehre wählen wollen, ob Arbeitsmengen, Arbeitszeit oder Arbeitswerttheorie ist erst wieder eine Unterfrage, denn eben in der Reinheit der Oekonomik, in der Urform der Gesellschaft der Gleichen fallen diese drei Richtungen in ihrem Enderfolg, der verkörperten Arbeitsmengen, noch zusammen. Der von Oppenheimer entwickelten Arbeitswerttheorie ist, da sie auch der modernsten
[144]
[S. 67] Entwicklung in der Berücksichtigung der immer schärfer sich ausprägenden Qualifikation und der sich zum stärksten Machtfaktoren entwickelnden Monopolen persönlicher und gesellschaftlicher Art gerecht wird, der Vorrang einzuräumen; ganz besonders auch deshalb, weil sie bei der Betrachtung der Dienste, wo nicht der schlechtest Qualifizierte, wie bei den Gütern der Ungünstigst Produzierenden den Preis bestimmt, in der Verquickung von Arbeitszeit und -wert die Unstimmigkeit der reinen Arbeitsmengen- oder Arbeitszeittheorie ausschaltet. In der Gesellschaft der Gleichen, in der vorgeldlichen Zeit ist besonders deutlich, dass die Aufwandmöglichkeit bei gleich aufgewandter Arbeitszeit und gleicher Qualifikation, so verschieden jene auch unter einander sein mögen, vom nationalökonomischen Standpunkt als intersubjektiv gleich anzusehen ist. Die angewandte Arbeit hat in jedem verschiedenen Fall doch gleiche Werte erzeugt, denn wäre das nicht der Fall, dann wäre das minder geschätzte Einkommen, dargestellt in einer Gütermenge, durch das höhere substituiert worden. Wenn der vorwirtschaftliche Mensch, um unser altes Beispiel anzuführen, in gleicher Zeit entweder eine Tonschale oder einen Korb herstellen kann, so müssen diese beiden Dinge naturnotwendig gleichen Wert haben, und zwar ist es hier noch in Reinheit die Arbeitsleistung einer bestimmten Zeit. Wenn nun beispielsweise der Goldsucher oder Goldgräber in einer bestimmten Zeit eine Menge von X g Gold erwirbt, so müssen, immer noch die Gesellschaft der Gleichen vorausgesetzt, diese X g Gold
[145]
[S. 68] intersubjektiv gleich sein der jeweils erzeugten Gütermenge anderer Berufstätigkeit. In Wahrheit wird sich gerade in jener Zeit die Arbeit den verschiedensten Beschaffungen je nach wechselndem Bedarfe zugewandt haben. Aber auch jener Umstand kann das Bild nicht trüben, dass doch auch im vereinzelten Falle die Beziehungen der aufgewendeten Arbeitsmengen verbindend zwischen allen Gütern stehen. Wird die Berufsgliederung stärker, der Tausch allgemeiner und erhält so ein Gut eine Sonderstellung als das allgemein beliebte Tauschgut, so gebe ich nur ein Erzeugnis meiner Arbeitskraft, die in Hinsicht eines ganz bestimmten Bedarfes aufgewandt wurde, hingegen die Verkörperung anderer Arbeitskraft, die, weil in allgemeiner Gunst steht, mir wiederum ohne Schwierigkeit Gelegenheit zu weiterem Tausche bietet und mir die Wege zu allen Erzeugnissen ebnet. Es tauschen sich gleiche Werte, gemessen an der Arbeitszeit. Tritt nun der Staat in Aktion und verkündet er, dass hinfort ein Pfund Gold gleich 1395 Werteinheiten gelten sollen, so ist damit am ökonomischen Geschehen natürlich nicht das mindeste geändert worden. Nur stärker prägen sich jetzt die Geldpreise, vorher noch Ausdrücke in Gewichtmengen Gold und ursprünglich nur Gegeneinandersetzten absoluter Werte, Preise von Fall zu Fall, wenn wir sie so nennen wollen, in ihrer Relativität aus. Der im Jahre, nach Abzug seiner Unkosten X g Gold fördert und laut staatlicher Kreierung dadurch ein Einkommen von Werteinheiten geniesst ist gleich gestellt mit dem, der im Jahre 100 Tonschalen oder 150 Körbe fertigt und für diese dann den Preis von a Werteinheiten geteilt
[146]
[S. 69] durch die Anzahl der Produkte zu fordern berechtigt ist, da auf dieser Basis der Austausch gleicher Werte, im Sinne objektiv gleicher Grössen – da gleicher Arbeitsaufwand – sich vollzieht. Auf diese Weise steht natürlich jede einzelne Werteinheit auch in Beziehung zu jedem beliebigen einzelnen Produkt und da die Menge der getätigten Arbeit den Wert des Gutes, seinen statischen Preis bestimmt, auch in weiterer Beziehung zu jeder Dienstleistung, sei sie selbstständiger oder unselbständiger Art.
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Wir stehen nun an der Stelle, wo auf die Dauer auch durch die Häufigkeit der Uebung die Preisrelationen immer festere und allgemein bekannte Grössen werden. Da wir, genetisch gesehen, alle Güter in Beziehung zum Golde gesetzt haben und gemessen nach einer Eigenschaft oder besser nach einem allen innewohnenden Inhalt, so sind natürlich auch alle Güter unter einander nach diesem gleichen Masstab, der verausgabten Arbeitsmenge, gemessen. Zwei Güter im Verhältnis: eine Werteinheit zu zwei Werteinheiten besagen uns somit nichts anderes als das Verhältnis X Arbeitsmenge zu 2 X Arbeitsmengen; das absolute Maass, sofern wir es im Wirtschaftsleben benötigen, müssen wir in der staatlichen Bindung der Werteinheit an das Währungsmetall uns suchen. Uns interessiert vorläufig aber nur, dass in Preisrelationen verkörperte Arbeitsmengenrelationen gegeben sind. Die auf dem Markte anwesenden Güter haben so alle tausendfältige Beziehungen zu einander, die in diesem uns besseren Aufschluss über ihre Grösse geben, als die einzelnen Beziehungen zu einer Gewichtsmenge Gold. Je mehr noch die Unkenntnis
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[S. 70] über Produktionskosten allgemein herrscht, die ja gerade beim Golde dem einzelnen besonders ferne liegen müssen, – da aber doch nur diese letzthin das Maass des Wertes bilden, – darum sagen uns die mannigfachen Beziehungen zu anderen Wertdingen, die eher wir nach ihrer Wertgrösse schätzen können, besseren Bescheid über den wahren Inhalt der Werteinheit. Wir müssten denn in völliger Unkenntnis des Marktes verharren, wenn wir bei jedem Preise unsere Zuflucht beim Golde suchen müssten. Man mag einwenden und behaupten, dass Gold die grösste Gewähr für Stabilität biete, dass heisst nichts anderes, als in seinen Produktionskosten sich nicht ändere, und wir wollen sogar dieser Fiktion über die später noch mehr zu sagen sein wird, hier einmal zustimmen; dennoch wäre dann immerhin noch zu prüfen, ob nicht alle anderen Güter zusammengenommen uns sinnfälligerer und deutlicherer Maassstab wären. Wir wollen dabei nicht vergessen, dass der Staat bestrebt ist mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ein Schwanken unmöglich zu machen und wir lassen des weiteren unberücksichtigt die neuen Momente, die sich für die Währung in ihrer Bedeutung zu den anderen Valuten ergeben. Das sei aber nur aufgeschoben. Vorläufig interessiert uns das Gold oder eigentlich die Goldgrundlage im inneren Verkehr. Solange nur das Gold als Tauschmittel im Umlauf ist, konnten wir immer noch streiten, ob nicht in jedem einzelnen Fall auch wirklich das Gold die einzelnen Beziehungen durch Messung der absoluten Werte setze und vermittle; wenn aber einmal das Gold notwendig immer mehr in den Hintergrund
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[S. 71] gedrängt wird, und die Wirtschaft ohne jegliche Störung und bedenkenlos sogar stoffwertloses Papier in Empfang nimmt, dann verliert diese dritte, nun überflüssig gewordene Messgrösse mehr und mehr an Bedeutung. Wir haben ja schon erkannt, dass fast jede Grösse in der Wirtschaft nun auch eine feste geworden ist, und wo das nicht der Fall, wo Erfindungen Neuartiges geschöpft haben, da haben diese Produkte so vielerlei Beziehungen zu anderen Dingen, müssen sich anlehnen an so viel Gleichartiges, dass ihre Preisgebung, ihre Einreichung in das weite Netz der Relationen sicherlich auf diesem, nicht auf den in der Historie zurückliegendem Weg des Abschätzens am Golde geschieht. Auch in unserer Betrachtungsweise sind alle Tauschmittel nebeneinander gleich berechtigt und in jedem Falle von gleichem Inhalt. Wäre die Gesellschaft der Gleichen eine ewige Kategorie, dann wäre es uns möglich, die Werteinheit als Ausdruck einer gewissen Arbeitszeit zu analysieren und wir bräuchten in jedem einzelnen Falle nur zu
fragen, wieviel Zeit die Herstellung eines Produktes benötigte. Die Zwischenschaltung des Schätzgutes liesse sich dann erübrigen. Im Grunde genommen aber wäre das nur eine andere Auslegung, als die, da wir die Werteinheit auf ein kostendes Gut stellen. Wir setzen Oppenheimers Arbeitswerttheorie voraus und können es daher unterlassen, des näheren auszuführen, dass in der heutigen, modernen Wirtschaft gleiche Geldpreise nicht auch gleiche Arbeitsmengen darstellen, wodurch unser Bild in jedem Falle getrübt werden muss. Darum können wir auch keine einheitliche Messsgrösse
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[S. 72] mehr verwenden, sondern müssen zu diesem Gemisch von Arbeitszeit und Arbeitswert greifen. Was allen Gütern inne wohnt, worin sie sich in ihrer Grösse von anderen unterscheiden, das ist das Maass des von ihnen verkörperten Arbeitswertes. Die gewonnenen Verhältniszahlen benötigen des Ausdrucks, und dieser ist eine immer gleiche Menge Arbeitswert, eine Grösse, die, wir wissen es bereits, vom Staate irgendwann einmal willkürlich gesetzt wurde, die zu berücksichtigen im ferneren Verlauf unnötig und sogar unpraktisch wäre. Auch bei reiner Goldwährung mit Prägefreiheit verschwindet die reale Befriedung, die das Gold verleiht, gegenüber der zirkulatorischen Befriedigung, die allein das Rad der Wirtschaft in Bewegung zu setzen vermag. Dass jeder gewonnene Preis auch seine Beziehung zum Golde hat, ist eine nebensächliche Erscheinung; tiefster Inhalt der Werteinheit ist für uns ja nicht ein Quantum Gold, eine Beziehungsetzung zu irgendeinem Gut, sondern der Kern ist die möglicherweise reale, möglicherweise aber auch nur gedankliche Darstellung und Vermittelung von Arbeitswerteinheiten, die, immer nur soweit wir uns im inneren Verkehr bewegen, alle Güter in einer Linie der Gleichberechtigung nebeneinander erscheinen lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines ökonomisch wahren Preises – Preise sind Verhältniszahlen – wird grösser, wenn wir ihn auf tausend gleich inhaltliche Dinge beziehen, als wenn wir ihm nur eine Unterlage gewähren. Auch ohne den modernen Begriff des heutigen Geldes müsste es uns möglich sein, alle Güter auf gleiche Einheiten zu setzen, wenn wir sie
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[S. 73] zerlegen wollten in Einheiten von angewandter Arbeitsenergie. Wie könnten wir es noch deutlicher werden lassen, dass das Geld nicht das eigentliche Maass sein kann, sondern nur Ausdrucksmittel der auf der Zahl der Arbeitswerteinheiten basierten Relationen. Wenn wir sagen, alle Güter sind ein Teil oder Vielfaches von einem Quantum Edelmetall, so sind wir in unserer Betrachtung nicht bis zum Kern durchgedrungen. Wir müssen sagen, die Güter sind Teil oder Vielfaches von dem Arbeitsaufwand, den ein Edelmetallquantum zur Förderung beanspruchte. Arbeitsenergie ist eine gedankliche Grösse, die uns messbar und vorstellbar erscheint,- das sei als historische Notwendigkeit anerkannt – wenn wir sie auf ein Gutsquantum, auf die vergegenständlichte Arbeit beziehen. Die Relationen aber, welche die Wirtschaft zusammen schweissten, die einzelnen Preise, die Additionen der verschiedensten Dienste sind niemals in ihren Einzelposten Resultat des Vergleichs mit dem Edelmetall, sondern Zusammenfügen von Arbeitswerteinheiten, die nicht nur im Golde, sondern in all den vielen näher liegenden Dingen uns vorstellbar werden. Wenn dann jeder einzelne Preis mit dem Goldwerte dennoch übereinstimmt, so ist das nichts verwunderliches und nichts, was denen recht geben müsste, die den Vergleich am Golde verkünden; es ist vielmehr nur eine logische Folge, dass, wenn tausend Relationen richtig sind, auch darunter die eine, auf das Gold bezogene richtig sein muss.
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Bisher galt unsere Betrachtung immer noch Zuständen der Goldwährung, die im besonderen geeignet wäre, den Metallismus
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[S. 74] zu rechtfertigen. Nun wollen wir als erste Abstraktion annehmen, der Staat ginge aus freiem Willen zur Papier-, zur freien Währung über. Wir setzen voraus, es geschieht ohne jegliche Notwendigkeit, allein aus theoretisch begründeter Bevorzugung des Papiergeldes, wie denn überhaupt gleich hier erwähnt sei, dass die Betrachtung der Geldverfassung unter dem Gesichtspunkt geordneter oder zerrütteter Finanzen eine falsche Verknüpfung bedeutet. In unserem Falle zieht etwa der Staat seine Goldmünzen für gleich nominelle Werte in Papier ein, im übrigen verfahre er wie bisher und lasse durch Kreierung von Bankgeld der Wirtschaft in gewissen Grenzen freie Hand. Eine Namensänderung der Werteinheit findet ebenfalls nicht statt. Und nun fragen wir, was hat sich durch diese staatlichen Massnahmen ökonomisch geändert? Der strenge Metallist wird überhaupt kein Geld mehr sehen und vielleicht sagen, dass immer noch das Gold das Wertmaass sei, auch wenn es entthront wurde. In diesem Falle aber würde er nur zugeben, dass eine Grösse auch rein gedanklich weiter zu wirken vermag, wie es die Nominalisten allerdings in anderer Anwendung für tatsächlich halten. Für uns dagegen ist in jenem Falle nur eine Relation in Wegfall geraten, unzählige andere bestehen weiter und die Werteinheit bleibt was sie war: Arbeitswerteinheit von vielfach gebundener Grösse. Das Geld, die staatliche Einrichtung zur Erleichterung des Verkehrs bleibt Träger, in diesem Falle stoffwertloser Träger von so bedeuteten Einheiten. Nun allerdings schiebt sich die Frage der Geldschöpfung und in deren Verfolg die Quantitätstheorie in den Vordergrund,
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[S. 75] obwohl dieses Problem eigentlich schon vorher bei der Auseinandersetzung mit der Goldwährung mit Teildeckung fällig wäre. Wir müssen uns hier der Kürze halber auf das Gesagte im Kapitel vom Kreislauf der Wirtschaft stützen. Wie, fragen wir, gelangt das Geld in den Verkehr, wie der einzelne in dessen Besitz? Wir sprechen hier im Zeichen der Warenwerttheoretiker, wenn wir sagen, sein Erwerb sei mit Opfern verbunden. Wir müssen füglich etwas geleistet, müssen ein wirtschaftliches Gut hergestellt oder dazu beigetragen haben, um des Geldbesitzes uns freuen zu können. Haben wir das staatliche Geld im Auge, so können wir es begrifflich bis auf die Geburtsstunde seiner Zirkulation zurückverfolgen und müssen dort auf eine Leistung stossen; nach uns setzt es seine Zirkulation fort,- die ewige Zirkulation ist seine Aufgabe und Funktion. Denken wir dagegen an das Bankgeld, so werden wir bei ihm früher dem Ursprung begegnen, ebenfalls geboren aus einer Leistung, aber in seiner Zirkulation als seiner Aufgabe gleichartig funktionierend wie das staatliche Papiergeld. Nur ist hier die Zirkulation eine zeitlich beschränkte. Das ergibt sich aus dem Wesen des Bankgeldes, die elastische Verlängerung des wegen seiner relativ geringfügigen Menge irrelevant bleibenden staatlichen ewig kreisenden Geldes zu sein. Hahn hat dieses staatliche Geld in der Literatur den eisernen Bestand der Wirtschaft genannt. Soweit das Bankgeld, durch wirtschaftliche Berechtigung gedeckt, neben dem staatlichen Papiergelde auftritt, müssen wir es als diesem durchaus gleichgestellt werten, wie denn überhaupt alle tech-
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[S. 76] nischen Möglichkeiten, Werteinheiten zu bewegen, die auf Grund von Leistungen als individuelle Einkommen möglich werden könnten. Zwar leistet das Geld, wenn die Güter innerhalb der Wirtschaft lediglich ihren Besitzer wechseln, auch eine Funktion in der Fähigkeit, Werte auszudrücken und zu bewegen. Was wir aber jetzt im Gelde betrachten wollen, seine Gebundenheit an die Warenwelt, an die Arbeitsleistung der Volksgenossen und damit an die Einkommen, das können wir nur finden an den Produktionsstätten der Güter, in deren Kalkulationen. Prüfen wir eine solche auf ihre Einzelgrössen, so offenbart sie uns nur Arbeitswertgrössen. Rohstoffe und Material lassen sich in ihrer Substanzzerlegung wiederum in jene teilen, Beheizung und Beleuchtung lösen sich auf in Arbeitsleistungen und Einkommen, Abschreibungen sind wiederum nichts anderes als Arbeitswerte und Einkommen, die, wenn auch im einzelnen nicht jährlich sich kristallisieren und verzehren, doch in der Gesamtheit den Ausgleich finden. Steuern sind Abtretungen von Arbeitserfolgen für die öffentliche Tätigkeit der Beamten zu unser aller Nutzen, Arbeitslohn und Gehälter, Profit, Rente, Unternehmerlohn, Risikoprämien, – sie alle lassen sich ohne weiteren Zwang als Arbeitsgrössen erkenntlich in die Kalkulation einfügen. Das fertige Produkt ist eine Additionsgrösse aus Arbeitswerten und damit gleichzeitig aus Einkommen, die in geld oder geldgleicher Form dafür zur Verteilung und zur Verfügung gelangen. Mit dem Preis, einer Relation im Verhältnis zu anderen Preisen auf Grund des Wertes der darin verkörperten Arbeitsenergie, sind
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[S. 77] ebenfalls die gleich fundierten Einzelbestandteile als Teile des Gesamtpreises in ihrer Höhe stipuliert und haben ihren Ausdruck in geldlichen Wert -, in Arbeitswerteinheiten gefunden. Nicht im einzelnen wollen wir hier wieder den Mechanismus dieses Geschehens in der Geldschöpfung mittels des Warenwechsels aufzählen. Zeigen wollten wir hier nur wiederum die enge, ja sogar die kongruent sich deckende Verknüpfung von bereits mit der Erzeugung festgelegter Preisbildung mit dem Einzel- und Gesamteinkommen auf Grund von Arbeitsleistung. Diese alle zusammengenommen ergeben sowohl die Gesamtsumme der Warenpreise als auch die Gesamtsumme der kauffähigen und kaufberechtigten Einkommen. Hierin decken wir uns mit Schumpeters Einkommenseinheit, die nichts anderes ist als die, auf einer historisch gegebenen, praktisch und täglich unendlich mal gegebenen Arbeitswertmenge fussende Werteinheit. Selbst wenn Hahn's Auffassung richtig ist, dass die Kreditgewährung von aller Spartätigkeit unbeeinflusst der Produktion vorausgeht, so wird doch dadurch nichts an dem Wesen der Einkommen verändert, Bestandteil des Preises von Gütern zu sein, deren wir im gleichen Werte, von gleich grosser Arbeitsverkörperung später auf dem Markte wieder habhaft werden können, denn Hahn hat hier Kredit im Auge in Form des Darlehenskredits, er bewegt sich also in der Sphäre des Kreditverkehrs. Alles Bankgeld aber, und hier stehen wir im Kredit-Geldverkehr, gleichviel aus welchen theoretischen Ueberlegungen heraus es ausgegeben wurde, muss mit den Gütern, die es haben entstehen lassen und die nun durch die Weggabe der Einkom-
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[S. 78]men verzehrt sind, begrifflich seinen Lauf beschliessen, denn dieses Kreditgeld ist das Beförderungsmittel des modernen Warenverkehrs, unlösbar mit ihm verknüpft. Die Bindungen sind so streng, dass wir ohne Schwierigkeit die geradezu verschwindende Bedeutung erkennen können, die dem Gelde als solchen dabei zukommt. Das Opfer, das wir dazu bringen, um das Geld zu erlangen, die Arbeit, die wir dazu leisten, die gilt nicht dem Geldbesitz, die gilt dem Konsum der übrigen Güter, welche andere für uns schufen, gleich wie wir in arbeitsteiliger Tätigkeit ihre Bedürfnisse mit befriedigen. Wesentlich ist nur, dass als Tätigikeit nach einem gleichen Maasse bewertet wurde, damit die volkswirtschaftliche Gesamtverteilung, durch den Geldverkehr bewerkstelligt, restlos aufgehen kann. Dabei ist es nicht notwendig, dass jedes Gut genau seinen wahren, objektiven Beschaffungswert erreicht – obwohl das dem Idealzustand gleich käme, wenn dabei auch bei den Einzelaufwendungen das gleiche Gesetz den Verteilungsschlüssel abgäbe – aber innerhalb der ganzen Volkswirtschaft können wir es wohl gelten lassen, dass nur die objektiven Werte im ganzen erzielt sein müssen und plus und minus zur geraden Mittellinie tendiert. Die Auspendelungen werden wohl, soweit persönliche Machtpositionen in Frage kommen, immer nur beschränkten Rahmen bleiben, da die Einkommen auf gegenseitige Ausgleichung hinstreben. Darüber hinaus auch noch die Störungen, durch das gesellschaftliche Monopol erzeugt, näher auszuführen, würde uns zu weit abführen.
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Das gleiche Messgerät zu finden, dazu ist, das sei immer
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[S. 79] wieder betont, weil es den Kern der vorgetragenen Auffassung wiedergibt, nicht ein Vergleich am Golde nötig; der würde selbst die grössten Schwankungen im Gefolge haben. Notwendig dagegen ist das Zerlegen der Güter in Arbeitswerteinheiten, für deren Grösse wir so viele Anhaltspunkte haben, als es nur Güter und Dienste in einem Lande gibt. Bei so geordneter Bankgeldschöpfung, und diese fordert ja auch die Warenwerttheorie, müssen wir beim Gelde immer nach der Kaufkraft fragen, müssen diese nicht als Ergebnis eines Austauschexperiments zwischen Geld und Ware betrachten. In diesem Falle ist vielmehr die Kaufkraft des Geldes schon fest fixiert, mit der Entstehung der Güter. Sie ist die logische Folge, dass Geld in diesem weiten Sinne, welches Einkommen verkörpert, sich in der Höhe der Werteinheiten begrifflich deckt mit der Höhe aller Güterpreise, denn beide sind nur verschiedenartige Zusammenfaltungen der aufgewandten Arbeitswertmengen und Einheiten. Da ist kein quantitätstheoretisches Ausschwingen, kein Endresultat, das uns den Geldwert mitteilt, mehr vonnöten. Die Werteinheit hat einen ökonomischen Inhalt, soweit sie Einkommen ist, soweit sie nicht nur eine gedankliche Vorstellung bleibt, die wir wohl überall anlegen können, die aber wirtschaftlich nicht wirksam und darum nicht zu berücksichtigen ist. Wir können den realen Inhalt jeder dieser Einkommenswerteinheiten suchen in irgendeinem Gut oder wir können sie zusammenfassen als das Extrakt aus der gesamten Güterwelt. In jedem Falle werden wir mit einer gleichen Grösse zu rechnen haben, eben dieser, die sich deckt mit der unserer Werteinheit zu Grunde gelegten Arbeitswert-
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[S. 80]menge. Einen derart abgeleiteten Wert wollen wir der Werteinheit in der Geldform nicht abstreiten; – das aber wird wohl nicht einmal ein Nominalismus unternehmen wollen. Was uns von der Darlegung der Warenwerttheorie unterschiedet, ist der Umstand, dass wir im Gelde keine selbständige mit den anderen Gütern gleich berechtigte Ware erkennen wollen. Alle Güter haben einen objektiven Beschaffungswert; das Geld nur einen davon abgeleiteten Wert. Die Frage nach der Angemessenheit des Preises ist darum auch nicht ein Abschätzen des Warenwertes am Geldwert, der losgelöst nur ein Schatten, nichts als ein Schemen ist, mit dem wir in der Vorstellung keine objektiv messbare Grösse verbinden können, sondern ist ein Abschätzen an den Beschaffungskosten von vielen ähnlichen Dingen; wir vergleichen die Arbeitsleistungen gleich – und verschiedenartiger Dinge mit einander. Die Frage, warum für ein bestimmtes Gut eine bestimmte Geldsumme bezahlt wird, haben wir ja bereits da beleuchtet, wo wir die Parallelität der Entstehung von Ware mit Geld in Form von Einkommen erwähnten. Wenigstens gilt das für eine stabile Papierwährung, wie wir sie hier schildern. Das allerdings ist richtig, dass zwei Grössen nicht in einem relativen Verhältnis zu einander stehen können, ohne als absolute Grössen vorhanden zu sein. Auf die Geldverfassung aber ist dieser Satz nur anwendbar bei Goldwährung mit ausschliesslichem Goldumlauf. Nur in diesem Falle ist das Gold eine solche absolute Grösse, die Relationen auf seinen objektiven Wert zulässt. Späterhin aber ist das Geld nur der Kreuzungspunkt alle dieser Relationen, etwas ausserhalb Stehendes und
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[S. 81] nicht mehr gar der Pol, auf den alle Glieder, um mobil zu werden, hinstreben. Das Geld ist nur etwas mit den Relationen Gleichnamiges. Während die Werteineheit als Arbeitswertmenge bei den Gütern das Inhaltliche bedeutet, ist sie beim Gelde nur praktisch teilbares Bewegungsmittel und hat nur Wert im Hinblick auf ein Gut und das auch nur deshalb, weil die arbeitsteilige Verkehrswirtschaft Mittel ersinnen musste, um auch hier Tauschhandlungen zu ermöglichen und durch das staatlich gesetzte Tauschmittel dem Geldverkehr ordnungsgemässe Bahnen zuwies. Für uns ist die Werteinheit keine beziehungslose, abstrakte Grösse, sondern eine Arbeitswertgrösse, die sich in jedem Augenblick an ein bestimmtes Gut und an eine bestimmte Menge davon binden lässt, die uns aber nicht deutlich wird bei der losgelösten Geldbetrachtung, sondern nur im Bereiche der Güterwelt. Was bestimmt denn die Höhe eines Güterwertes? Ist es wirklich eine Teilgrösse der Ware Geld, die uns Wertmaass sein soll für alle übrige Ware, die aber doch in ihrer objektiven Wertlosigkeit besonders beim Monopolgeld der Warenwerttheorie uns nur einen recht verschwommenen Wertmasstab bieten kann für wirklich reale Güter, die, das ist doch die Grundregel jeder objektiven Werttheorie, ihren Wert nur haben kann aus Menge und Wert der aufgewandten Arbeit? Ist jenes Geld wirklich Wertmaass, so vergleichen wir bildlich gesehen ungleichwertiges mit einander, wo um uns reale Messwerkzeuge in Hülle und Fülle stehen. Maass der Werte ist von allen Anbeginn an die Arbeit und nur
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[S. 82] dadurch, dass wir historisch die ganz bestimmte Beschaffungsarbeit eines Gutes zu Grunde legten, und der Staat ihr dann einen Namen gab, dadurch entstanden aus den und zugleich mit dem Maass der Werte, auch die Preise. Nicht das Gut an sich ist das Wertmaass, sondern die angewandte Beschaffungsarbeit des Gutes und nur weil, ausser in der Gesellschaft der Gleichen eine losgelöste Arbeitseinheit nicht bestehen kann, darum musste eine Basierung zu einem Gute proklamiert werden. So tritt denn auch der ökonomische, reine, objektive Wert eines Gutes, das wirkliche Maass der angewandten Arbeitsenergien nicht mehr in Erscheinung; der ökonomisch reine Wert erhält in der Wirtschaft keinen Ausdruck mehr. Wir wissen, dass Kräfteverschiebungen in der verschiedensten Richtung es uns nicht mehr gestatten, von Arbeitsmenge zu sprechen, sondern als ein Korrektposten dazu diesen mit dem Arbeitswert und den nicht nur im Hinblick auf die Qualifikation, sondern besonders in Erwägung der gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse zu verknüpfen. Wenn wir sagen, Preise sind nur anderer Name und Ausdruck für Werte, so haben wir jene verschobenen Werte, die Tauschwerte im Auge. Das Geld kann nur Wertmaass sein, insofern es auf Werteinheiten lautet und Werteinheit nur als eine andere Bezeichnung für eine gewisse Arbeitsmenge zu gelten hat. Das Geld als das körperliche Zahlungsmittel kann auch nicht das Wertmaass sein, weil es auch nur einen Teil des konsumberechtigten Einkommens darstellt und weil, wenn wir definieren wollten, im Austausch von Geld gegen Ware ergibt sich die Kaufkraft oder der Wert des Gel-
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[S. 83]des, wir dann nicht berücksichtigen den wohl grössten Teil des wirtschaftlich wirksamen, wenn auch nicht chartalen Geldes, das Kaufkräfte in eminenten Maasse vergegenwärtigt. Das wurde im Kreislauf der Wirtschaft dargetan, dass die Quantitätstheorie nur in jenem weiten Sinne verstanden werden muss. Als Einzelgrösse sagt das chartale Geld gar nichts und das " Geld " in der Gesamtgrösse der gesamten Einkommen ist uns nicht bekannt und tritt uns, wenn wir die Kaufkraft als Resultat des Tauschens ansehen wollen, immer nur erst dann gegenüber, wenn diese wirtschaftlichen Handlungen der Vergangenheit angehören und ihrerseits vom Resultat ja nicht mehr beeinflusst werden können. Damit wollen wir sagen, dass wir das Geld als Wertmaass scheinbar benützen können, aber eben nur im Hinblick darauf, dass die Geldpolitik bestrebt ist, das Geld in der nominellen Höhe mit der Güterproduktion und deren Preishöhe zu verknüpfen. Darum aber kann auch die Preishöhe keine Grösse sein, die durch Abschätzung am Golde gewonnen wird, sondern die, die wir aus Zusammenfügen von Arbeitswertgrössen gewinnen, wie sie uns historisch einmal im Gelde, dann in der Wirtschaft mannigfaltig und somit auch in unserer Vorstellung gegeben sind. In der Erklärung, ein bestimmtes Gut sei drei Mark wert, ist in gewissem Sinne doch auch ein objektiver Wert ausgedrückt, da wir uns jederzeit den Warengehalt, wie Arbeitsenergie zur Erstattung des dritten Teil eines solchen Gutes, die Arbeitsmenge, die wir eine Mark nennen, vorstellen können Wissen wir noch dazu, dass dies und jenes auch eine Mark kostet,
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[S. 84] dann wird in uns das Gefühl der Wertgrösse von einer Mark so gefestigt, dass wir Auspendelungen meist sofort erkennen und für Korrektur Sorge tragen. Auf solche Art wird uns deutlich, ob ein Preis hoch oder niedrig sei, denn im Verhältnis der Preise zu einander ist uns auch mittelbar Aufschluss über deren absolute Höhen gegeben. Das Problem erhält seine Spitze in der Frage, ob zur Einreihung eines Gutes in das Netz der Relationen das Geld als Wertmaass notwendig ist oder nicht. Dass ursprünglich ein Gut als Mittelpunkt der Beziehungen zu deren Gewinnung nötig war, ist von jeder Richtung anerkannt. Wir betrachten hier den besonderen Fall der stabilen Papiergeld-Monopolwährung. Sei das neue Produkt ein Erzeugnis der Metall- oder der Textilbranche; zuerst muss es sich einmal anlehnen an die vorhandenen gleichartigen Erzeugnisse der Konkurrenz, und der Preisspielraum ist dadurch schon bedeutend eingeschränkt. Der Produzent muss zu Grunde legen seine Herstellungskosten, und die Grenze wird um ein weiteres enger werden. Im ganzen können wir sagen, dass da zu einem Vergleich und Abschätzen am Gelde wenig Raum mehr bleiben dürfte und das, wie wir gesehen haben darum, weil die Bindungen an die übrigen Güter und die wirtschaftliche Verpflichtung in der Frage des Arbeitslohnes, der Steuern, der Versicherungen usw. so enge sind, dass sie den Preis, die Relation zu den anderen Gütern gebieterisch vorschreiben. In allen anderen Gütern verkörpert sich in jedem Falle eine bestimmte Arbeitswertmenge, und diese bleibt auch das Wertmaass und ergibt den Preis für alle neu hinzutretenden Güter. Das Geld kann
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[S. 85] nur scheinbar Wert- und Preismaass werden, wenn wir, immer nur die entwickelte Wirtschaft betrachtet, die Reflexerscheinung, die die Güterwerte uns im Gelde zeigt und eine eigene Grösse daraus formt, als das Primäre hinnehmen. Wir gehen dann scheinbar unseren Weg von Bekanntem zu Unbekanntem, während wir in Wahrheit nur bereits alte Pfade zum Ursprung zurückverfolgen. Sind wir zu der Ueberzeugung gelangt, dass jedes neue Gut, – die alten haben ihre Relationen in historischer Entwicklung erhalten, – in das Netz der Relationen eingefügt wurde, noch ehedem es als Ganzes zum Gelde in Beziehung gebracht wurde, dann dürften wir auch nach der Ansicht der Warenwerttheoretiker sogar die rein abstrakte Werteinheit gelten lassen; für uns aber ist die Werteinheit sogar etwas Gebundenes, nicht nur einmal, sondern unendlich mal und bedeutet in dieser Vielheit der Bindungen doch immer nur ein und dieselbe Grösse, nämlich eine bestimmte Arbeitsmenge, die wir als Einheit allen Gütern und allen Diensten in der Relation auf gegebene, bekannte Dinge als Maass zu Grunde legten. Wir sagten schon einmal, dass wir uns mit Schumpeters Einkommenseinheit eng berühren, insofern auch wir der Menge des chartalen Geldes keine Wichtigkeit zuerkennen gegenüber der wirklichen und wirksamen Geldsumme, die als Einkommen in der Wirtschaft erscheint. Einkommen entsteht aus Leistungen, Güter setzen sich zusammen aus Leistungen; werden Güterpreise und Einkommenshöhe in ihrer Reduktion auf Arbeitsleistungen verknüpft, so können wir der Anweisungstheorie Schumpeters zustimmen. Budge kritisiert nun den bekannten Billetvergleich Schumpeters und sagt, dass wir
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[S. 86] beim Billet schon die Gegenleistung in der genauen Menge in der Vorstellung schon fest in Händen haben, während beim Gelde erst noch die Preisbildung in Frage kommt. Wir können in Anlehnung an all das von uns Gesagte hier ohne weiteres erklären, dass nach unserer Auffassung ein Preiskampf kaum mehr zu stande kommen kann, und solange wir stabile Währung haben, wir dann auch im Einkommen die Gegenleistung aus dargetanen Gründen fest in Händen haben. Wenn Budge des weiteren meint, dass wir die Verfügung über einen Platz im Theater nicht durch das Billet, sondern durch die Zahlung des Preises erhalten, so können wir das dahin auslegen, dass wir die Verfügung über die wirtschaftlichen Güter auch nicht direkt durch das Geld – das Billet – sondern durch die Arbeitsleistung, der wir den Billetbesitz verdanken, zugesprochen erhalten. Ist beim Billetvergleich der Tausch nicht Billet – Vorstellung; sondern Billettkauf – Vorstellung, so ist der Tausch wirtschaftlich betrachtet auch nicht Geldhingabe – Güterempfang, sondern Gelderwerb, d.i. Leistung – Güterempfang.
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Der Vollständigkeit halber wäre noch kurz zu betrachten die Erscheinung der unstabilen Währung, der Zustände, wie wir sie zu Kriegsausgang und in der Nachkriegszeit kennen lernen mussten. Wir wollen kurz fragen: War es hier so, dass die Preise zustande kamen auf Grund der Schätzung von Gütern gegen Geld? Dazu wäre notwendig gewesen, dass wir uns eine klare Vorstellung vom Werte des Geldes fast in jedem Augenblicke hätten bilden können und hätten neu bilden müssen. Es war eine Vielheit von Beziehungen,
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[S. 87] die hier auf die Preise wirksam wurden. Wenn wir später von der unstabilen Währung sprechen, werden sich diese Punkte im einzelnen herausschälen. Ohne weiteres deutlich aber ist uns, dass ein Geld, das täglich anderen Wert im Sinne veränderter Kaufkraft repräsentiert, keinen Anspruch als Wertmesser der übrigen Güter erheben kann. Solange wir in unserer eigenen Währung der Papiermark rechneten, hatten wir in ihr keinerlei Anhaltspunkte einer Wertgrösse; erst später, da wir uns auf ausländische Währungen bezogen und die Papiermark täglich neu in Beziehung zu jenen setzten, sodass sie eigentlich nichts anderes mehr bedeutet als eine ausländische Währung, erst da konnten wir wieder eine Wertvorstellung mit dem Gelde verbinden, die aber von so vielen anderen Momenten, wie Spekulation usw. durchsetzbar, dass uns der so abgeleitete Wert der Papiermark kein auch nur annähernd wirkliches Bild der inneren Kaufkraft der Mark, die maassgebend sein müsste, bieten konnte. In Wahrheit haben wir unsere Preise doch nicht nach dem Geldwerte gesetzt, sondern wiederum in der Beziehung zu anderen Gütern. Wir wussten, dass ein Produkt x Schweizer Franken kostet und lasen im Kursblatte, dass ein Schweizer Franken so und so viele Papiermark notiere. Wir rechneten täglich um und fixierten den Preis nicht in Beziehung zum Geldwerte, sondern zu einem anderen Gut. Die Papiermarksumme, die wir errechneten, sagte uns über den Wert auch nicht das Geringste aus.
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Und bevor diese Entwicklung statte hatte, etwa zu Ende des Krieges, wie war es da? Wir sahen, dass andere Produkte, vor allem
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[S. 88] solche, auf die sich die Nachfrage besonders stürzte, aus diesen natürlichen Gründen der erhöhten Nachfrage im Preise stiegen. Die Relationen, die meist wie etwas Ewiges in den bleibenden Produktionskosten gegeben waren, strebten danach, auch auf der erhöhten Grundlage jene alte Verhältnismässigkeit wieder einzunehmen. Diese gesunde Tendenz aber wurde auf der Gegenseite durch die Freiheit und Ungebundenheit der Einkommen gestört. Das war der Grund des wahren Wettrennens der Preise. Manches wird im Abschnitt der Inflation darüber noch zu sagen sein. Hier galt es vorläufig nur zu zeigen, dass niemals das Geld Masstab der Preise sein konnte.
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Das hoffen wir, ist uns in jedem Falle geglückt. Zur weiteren Festigung unserer Anschauung werden wir im Folgenden staatliche Geldwesen mit den verschiedensten Währungen untersuchen, nicht derart, dass eine aus der anderen hervorgeht und in ihr die historische Stütze findet, sondern wir wollen jede Währung gewissermaassen neu begründen und aus dieser Betrachtung die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Währungsreform zu gewinnen suchen.
IV. Valuta und Währungsformen:
Die VALUTA.
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Ehe wir zur Betrachtung der Währungen übergehen, wollen wir der Valuta unsere Aufmerksamkeit schenken, soweit sie in diesem Zusammenhange und in unserer Auffassung uns von Bedeutung erscheint. Wir müssen bedenken, dass die gleiche Entwicklung, wie wir sie nun zu schildern wussten, in jedem Lande oder es mögen sonstige Verbände oder Gemeinschaften gewesen sein, statthatte. Soweit die gleiche Währung reichte, soweit rechnete man mit gleichen Preisen, soweit waren alle Preisausdrücke bezogen auf irgendein Gut, und diese Grösse hat sich sich in den Relationen fortenthalten und fortentwickelt bis in die spätere Zeit. Die Bedürfnisse, so müssen wir annehmen, waren aber immer noch so primitiv, dass wir von einem Austausch über die Grenzen hinaus, solange der Wertbegriff und die Wertrelationen nicht genügend befestigt waren, absehen können. Wir gehen noch einen Schritt weiter und konstruieren den Fall, dass die Wertrelationen keinen Ausdruck mehr zu einem allgemein beliebten Gut aufweisen, sondern schon einen Währungsnamen enthalten, und vielleicht wissen wir dabei selbst nimmer einmal, auf welches reale Gut man in der Vorzeit einmal die übrigen Güter zur Maasslegung brachte.
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Betreten wir nun mit unserer Ware das fremde Land, in dem
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[S. 90] uns die Preise nicht vertraut sind, und haben wir hier Gelüste zum Tausch. Von welchem Gesichtspunkte mag unser Handeln wohl geleitet sein? Es werden die gleichen sein, die einmal die Relationnen im eigenen Lande zum Entstehen brachten und wir können im Geiste der objektiven Wertlehre antworten, dass es auch hier der geronnene Arbeitswert sein muss. Auf Grund der von beiden Parteien angestellten Erwägungen wird dann bei Uebereinstimmung der Tausch zustande kommen. Wir haben sonderbarer Weise dabei nach keinem Preise gefragt; – er konnte uns ja auch nichts sagen. Dann aber, wenn unsere Wertschätzung, auf Grund des Arbeitswertes, die wir einem Dinge zuerkennen, beendet ist, und wir wissen, dass unsere Ware zehn Einheiten unserer Währung, die fremde Ware, die wir gegentauschen, fünf Einheiten der fremden Währung gleichkommt, so scheint es, dass unsere Währung einen um die Hälfte niederen Masstab angelegt, als es drüben über der Grenze geschieht. Nicht nur die getauschten Güter bedeuten das gleiche, sondern auch die zehn Werteinheiten A und die fünf Werteinheiten B. Verdichten sich die Tausche, so wird die Wahrscheinlichkeitszahl zwischen den beiden Währungen zur immer festeren und bestimmteren Grösse. Das Beispiel ist naturgemäss auf das möglichst einfache Maass reduziert und es ist im Verlauf der Betrachtung der Goldwährung zu beweisen, dass auch beim modernst organisierten internationalen Handel die Geschehnisse im Grunde die gleichen bleiben. Die Fäden des Austausches hält nun der Staat in der Hand, der es unternommen hat, das Geldwesen und das ganz besonders im Verhältnis nach aussen zu ordnen
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[S. 91] und zu regeln. Mit diesem Tun hemmt er keineswegs den Unternehmungsgeist des Einzelnen, dem ja nicht am Tausche, sondern nur am Kaufe oder Verkaufe gelegen ist. Importeur und Exporteur verrichten jeweils nur eine Hälfte des volkswirtschaftlichen Austausches.
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So entstehen, gesehen von der Perspektive der gesamten Volkswirtschaft, Forderungen und Gegenforderungen, die bis zur gleichen Höhe der Werte sich aufheben und ökonomisch bedeutungslos bleiben. Den Stand des Wechselkurses bestimmen vielmehr jeweils Mehrheit oder Minderheit der Forderungen nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Wir sahen, dass das Verhältnis der Wechselkurse primär abhängig ist von der Preishöhe der jeweiligen Länder. Dies bildet ja auch den Anreiz zu Import oder von Seiten der anderen zu Export. Sind wir mit Export im Rückstande geblieben, so können wir daraus entnehmen entweder, dass Waren bei uns nicht abgesetzt sind oder gar, dass wir infolge falscher Geldschöpfung wirtschaftlich ungerechtfertigt über eine Gütermenge verfügt haben, die wir, da wir importieren, zum Export hätten bereit halten müssen. Wir können aber den ausländischen Konsum auf unseren Vorteil hin nicht schmälern, wir müssen vielmehr für den Mankoposten der überzähligen Einfuhr als Käufer von fremder Valuta auftreten und den Preis dieser damit in die Höhe treiben, was gleichbedeutend einem Sinken der Mark zu werten ist. Handelt es sich hier um eine vorübergehende Störung, so wird das veränderte Kursniveau unsere Exporttätigkeit in einem Maasse erhöhen (Preise sind gleich geblieben – Valuta ist gesunken), dagegen die
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[S. 92] Importmöglichkeit uns in einem hohen Maasse genommen sein, dass die nachfolgende Bilanz wieder die alte Kursrelation einnehmen wird. Die Disparität der Währungen liefert so aus sich selbst heraus den Gegendampf. In der Währungspolitik werden in solchem Falle Mittel gefunden werden, um die schädlichen Schwankungen zu vermeiden, sei es nun bei gleichen Währungen Export des Währungsmetalls oder Stundung der Forderung.
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Anders aber, wenn aus innerwirtschaftlichen Gründen das Preisniveau anarchisch geworden ist und sich durchaus von seiner alten Basis entfernt hat. Das Ausland wird nimmer geneigt sein, für unser Geld und unsere Devisen, das Spiegelbild der Warenpreise, den Betrag in eigener Währung hinzugeben nach dem Verhältnis wie es zu den alten Relationen geschah. Wenn wir Preise nicht auf Grund einer Produktionsänderung und Verteuerung in ihrer Gesamtheit erhöhen, so bringen wir damit zum Ausdruck, dass wir einen Arbeitsaufwand von bestimmter Grösse nominell höher bewerten, d.h. den Inhalt der einzelnen Einheit herabmindern. Da nun der überstaatliche Austausch immer nur ein solcher von gleichem Arbeitsaufwand sein kann, und in den Devisen als der Parallele der Waren zum Ausdruck kommt, da muss der Umrechnungskoeffizient Valuta das Gleichgewicht wieder herstellen, da wir uns nicht auf Kosten anderer bereichern können.
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Der nämliche Vorgang, der aber keine Schlüsse auf die Qualität seiner Valuta ziehen lässt, ist dann gegeben, wenn ein Land aus freiem Entschluss eine Währungsänderung vornimmt. Die
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[S. 93] Umrechnung der Valuta wird sich ganz genau mathematisch hier vollziehen. Auch bei den sog. festen Valuten, den Goldwährungen, sind immerhin in den Grenzen der Transportkosten kleine Schwankungen um das Münzparie möglich, die noch gar die feinsten Schwankungen der Wirtschaft uns künden. In jedem Falle müssen die Devisenkurse so stehen, dass die aus einem momentanen Preisniveau sich ergebenden Antriebe zu Import und Export und damit Störung der Zahlungsbilanz durch die Valuta paralysiert werden.
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Das zeigt uns auch, dass die Valuten primäre nur von innen heraus erschüttert werden können, von solchen Erscheinungen, die als Endergebnis eine Wirkung auf die Preise zeitigen. Nach aussen ist das staatliche Geld eine Ware, nicht in der Eigenschaft als das körperliche Geld, sondern eine Ware, insofern sie das Gegenüber oder die Anweisung auf die Güter bedeutet. Der erzielte Wechselkurs ist in letzter Zurückverfolgung nicht der Preis des Geldes, sondern der Preis der Waren, die hinter dem Gelde stehen, und die im Verhältnis zur eigenen Währung teurer, gleich geblieben oder billiger geworden sind. Ganz gleich so verhält es sich mit Zinserträgen aus im Ausland arbeitenden Kapital und mit Versicherungsprämien, die notwendig als Aktivposten in der Bilanz erscheinen müssen wie Güterausfuhr, weil auch diese Posten sich auf kostende Leistungen zurückführen lassen, ja nur auf solche zurückgeführt werden können, genau wie physische Gegenstände selbst. Wir können hier aber nicht die Wirkungen auf die Valuta erschöpfend behandeln; wir wollen vielmehr die uns wichtigen, mit der Werteinheit im
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[S. 94] Innenverkehr zusammenhängenden Berührungspunkte aufzeigen. Die letzte Entscheidung spricht immer die Zahlungsbilanz, aber der wesentlichste Faktor der Zahlungsbilanz ist wiederum die Handelsbilanz, und sie eben ist bedingt durch die Preishöhe.
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Wir fassen noch einmal zusammen: Die Aufgabe der Valuta besteht darin, dort, wo der überstaatliche Tausch nicht mehr sich zwischen gleichen verkörperten Arbeitswerten abspielt, den als tertium comparationis der Werteinheit geschalteten intervalutaren Kurs so umzuändern, dass der Tausch zwischen objektiv gleichen Grössen wieder verwirklicht ist. Weiter sollte unsere Betrachtung vorläufig nicht führen. Es sollte nur kurz dargetan sein, dass auch der internationale Verkehr über die Grenzen der verschiedensten Währungsländer hinaus keine Brechung der von uns erklärten Sätze bedeutet und der Begriff der Werteinheit keine Biegung dadurch erfährt. Was im einzelnen über die Valuten noch zu sagen sein wird, das sei jetzt bei der Betrachtung der Währungsformen ergänzt.
Die Währungsformen.
Goldwährung:
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Es könnte scheinen, als ob wir in der Kritik des Metallismus damit auch gleichzeitig die Goldwährung schlechthin negieren wollten. Das aber ist nicht der Fall; – wir anerkennen vielmehr die ungeheuer praktische Bedeutung, die der Goldwährung innewohnte und erkennen ihre Segnung im vollen Maasse an.
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[S. 95] Nur, und das trennt uns trotz scheinbaren Gleichlauts vom Metallismus, suchen wir aus ihr nicht die Stützen metallistischer Lehre zu gewinnen. Was jenen das A und O bedeutet, ist in unserer Anschauungsweise erst sekundärer Natur; uns interessiert in diesem Zusammenhange weder die Notendeckung noch innerer Goldumlauf, wir fragen nichts nach der Basierung der Werteinheit Mark auf das Gold, soweit sie zur Erklärung des Eigenwertes dienlich sein soll. Wir betrachten einmal die Goldwährung als die von den wirtschaftlich führenden Ländern angewandte Währung, werden dabei vielen gemeinsam bindenden Gesichtspunkten auf die Spur kommen und auf diesem Wege von aussen nach innen endlich auch die wirtschaftliche Bedeutung der Goldwährung im Innenverkehr würdigen.
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Das den Weltmarkt beherrschende und mit Industrieprodukten versorgende Land war England. Hier müssen wir unsere Betrachtung aufnehmen. In England herrschte die Goldwährung vor, d.h. es wurde proklamiert, dass ein Pfund Sterling einer Gewichtsmenge Feingoldes gleich zu werten und jederzeit in Gold umzutauschen sei. Die Geldpreise waren in diesem System ohne weiteres Goldpreise, denn einmal hatte das Pfund Sterling eine natürliche Beziehung zum Golde, wie sie die zu allen anderen Gütern auch hatte, und dann aus geldpolitischen Gründen noch eine besondere auf die Dauer mit jener notwendig übereinstimmende Bindung zu diesem Edelmetall, nämlich den Münzfuss. England war wirtschaftlich so gut fundiert, dass es trotz dreimaliger Suspendierung der Peelsacte, der Einstellung der Goldeinlösungspflicht, doch keine nennenswerten
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[S. 96] Preisrevolutionen zu erleiden hatte, und es konnte immer wieder, denn es war nach wie vor das stärkste Land, und es war die Zeit des ausschliesslich geltenden Metallismus, die Bindungen des Pfund Sterling zum Golde neu begründen. Wenn wir, wenn andere ihre Stimme auf dem Weltmarkte laut werden lassen wollten, so war es tunlich, dem allein herrschenden Pfund Sterling ein gleichwertiges und jederzeit vergleichbares entgegen zu setzen. Was ein Pfund Sterling bedeutete, das wusste man ohne weiteres; alles konzentrierte sich ja darauf hin. Diese Selbstherrlichkeit zeigt sich heute noch in der englischen Kursnotierung, die als einzige das Pfund Sterling in den Mittelpunkt stellt. Wenn wir unsere Produkte zum Weltmarkte bringen, so müssen wir unsere Währung zum Pfund Sterling in einen Vergleich setzen, und, um den Verkehr zu erleichtern, ein möglichst stabiles Verhältnis zu erreichen suchen. Hat nun beispielsweise Deutschland Silber-, England die Goldwährung, so ist diese Verhältniszahl zischen beiden Währungen den verschiedensten Schwankungen ausgesetzt. Einmal ist es die Preishöhe schlechthin, die wirksam wird, dann aber vor allem die Wechselwirkungen von dem Münzfuss des Silbers in Deutschland und dem freien Metallpreis des Silbers auf dem englischen Markte in englischer Währung ausgedrückt. Aus Produktionsbewegungen der Metalle, wobei das Gold als das immer Starre belassen wird, muss sich jede solche Aenderung als ein Schwanken des Silberwertes bemerkbar machen und die valutarischen Verhältnisse beeinflussen. So wird der Staat, der die Kraft fühlt, Englands
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[S. 97] Konkurrent auf dem Weltmarkte zu werden, aus praktischen Gründen notwendig zur Goldwährung getrieben. Dass bei solcher Währungsänderung nichts Grundlegendes geschieht, sondern lediglich ein Rechenexempel zur Ausführung gelangt, das kann uns jeder Wirklichkeit entnommene Fall deutlich machen. In Ansehen der schon geschilderten Punkte galt das Pfund Sterling in deutschem Silbergeld 6,81 Taler. Ein Taler sei drei Mark, ergibt durch Multiplikation 3 mal 6,81 ist gleich 20,43 ℳ für ein Pfund Sterling. Damit ist uns nun noch der Goldgehalt der Mark genauest vorgeschrieben und wir haben den Anschluss an den Weltmarkt erreicht. Die Goldwährung ist das gemeinsame Band, das die Weltmarktkonkurrenten aneinanderschweisst. Nicht, dass ein Pfund Sterling, eine Mark und ein Schweizer Franken gleiche x,y und z gramm Gold wären, und jede Wirtschaft an dieser jeweiligen Gewichtsmenge ihre Werte messe; nein, dass wir jetzt unter den konkurrierenden Nationen in jedem Augenblick im Münzfuss ein Vergleichsmaass haben, das den Leistungsfähigsten zum Zuge kommen lässt, und zudem noch die Preishöhe auf die wirklich notwendigen Herstellungskosten herabzudrücken geeignet ist, – das ist der erste wesentliche Inhalt, den wir in die Goldwährung legen wollen. Die Goldwährung gab uns Auskunft über die Qualität eines Landes, denn Goldwährungsland sein, heisst, die Kraft aufzubringen, ihr Tempo mitzuleben. Der billigste Preis trägt auf dem Weltmarkt den Sieg davon. Wer, – sei es aus natürlichen oder gesellschaftlichen bedingten Gründen, nicht fähig ist, mit den anderen Schritt zu halten, der kann auf die Dauer nicht Goldwährung be-
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[S. 98]sitzen. Die Bedingungen werden nicht in jedem Lande die gleichen sein. Das aber gilt nach aussen gleich. Zur Nivellierung müssen möglicherweise dann im Innern Opfer gebracht werden, sei es an verminderter Lebenshaltung, sei es an erhöhter Arbeitsleistung. Die Goldwährung schraubte also die Preise auf dem Weltmarkt mit zwingender Notwendigkeit bei Strafe des Währungsverfalls eng aneinander. Bei Rohproduktion tritt das am stärksten zu Tage, aber auch die Fertigfabrikate waren in allerdings immer lockeren Banden eingehängt. Die Frage, wieviel Geld ein Land zur Sicherung seiner Währung an Edelmetall vorrätig halten müsse, ist in diesem Zusammenhang weder eine solche, die von der Golddeckung der Noten abhängig wäre und mit der umlaufenden Notenmenge in Verbindung gebracht werden müsse, sie ist überhaupt keine Erörterung, welche die Theorie angeht, sondern ausschliesslich eine Machtfrage. Wir können sagen, dass, je enger ein Land mit der Goldwährung verflochten ist, je grössere Rolle es in diesem Verbande spielt, desto weniger Gold hat es begrifflich nötig, und mag es auch im Innenverkehr den grössten Notenumlauf haben, mag dem Gesetz nach die volle Deckung vorgeschrieben sein. Ja, wenn wir rein theoretisch sprechen wollen, so müssen die Goldwährungsländer ohne jeglichen Goldschatz ihre Währung behaupten können. Wo die Zahlungsbilanz dauernd eine passive ist, das ist dort, wo Import nicht durch Export oder sonstige Aktivposten gedeckt ist, da muss jede Goldwährung in absehbarer Zeit aufhören; vorübergehende Saldie aber könnten buchhaltungsmässig gestundet werden, da sie bei Auf-
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[S. 99] rechterhaltung der Goldwährung notwendigerweise wieder abgetragen werden müssen. Die Goldwährung ist nur das äusserste Ventil, das der Währungspolitik zum halten des intervalutaren Paris zur Verfügung steht. Praktisch waren es die Goldpunkte, -die Versendungskosten von Land zu Land, die das intervalutare Pari mit dem Münzpari eng verbanden.
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Die alten Fäden wieder aufnehmend, können wir sagen, dass als Folge der absoluten Vergleichbarkeit die Goldwährung unser ganzes Preisniveau auf dem Umwege über den Weltmarkt von aussen herein beeinflusst habe, so dass jede Stimme wohl gehört wird, aber doch immer alle gegen einen stehen und dessen Wirtschaft beeinflussen. Was aber ist mit diesem Ergebnis weiter gewonnen? Zunächst einmal: eine allgemeine Preisänderung kann nur statthaben in Gemeinsamkeit mit dem ganzen Weltmarkt. Wir können unsere Produktionskosten in der Gesamthöhe, soweit sie den Preis bestimmen, nicht ändern, ohne dass dies allgemeine Regel wäre, und dazu liegen noch hemmend die Bindungen an das Gold vor, dessen Gebrauchswert sich bei Innehaltung des alten Münzfusses gegenüber dem erhöhten Preisniveau auflehnen würde. Schwanken können also nur die einzelnen Produktionsgrössen, das sind die Einkommen untereinander. Von ihnen können wir wohl sagen, dass in längeren Zeitabläufen genommen durch die gegenseitige Konkurrenz und Abwanderung, Stabilität sowohl im allgemeinen, als auch in ihrem gegenseitigen Verhältnis obwaltet. Das Real- und das Nominaleinkommen in der Nation sind nur verschiedene Namen zur Versinnbildlichung eines Vorrates an Gütern, ersteres
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[S. 100] ist die periodisch erzeugte Gütermenge als Masse, letzteres ist eine gesellschaftliche Kategorie, bedingt durch arbeitsteilige Produktion und Privatwirtschaft, – der Anspruch der einzelnen insgesamt auf jenen Vorrat. Mit den Preisen sind die Einkommen gebunden, denn Einkommen sind nichts anderes wie Preise, Preise für geleistet Arbeit, die zusammengenommen in den Warenpreisen das notwendige Gegenüber finden müssen. Das ist der Weg, auf dem die Goldwährung über die Preisbildung und -bindung ihren Weg bis zu den Einkommen findet. Das aber ist etwas durchaus verschiedenes der Bedeutung, die Metallisten dem Gelde imputieren. Wir aber gehen auf unserem Wege noch weiter. Es ist klar, dass das Nominaleinkommen der Nation nur geändert werden kann und darf im Einklang mit der Produktionsleistung. Nie kann es geändert werden pro Anteil am Produkt, sondern immer nur pro Zahl. So können wir die Frage der Arbeitszeit, der Beamtengehälter, denn das sind aus der Produktion geleistete Steuern; wir können das Maass, wie weit soziale Einrichtungen in der Goldwährung möglich sind, begrifflich beantworten. Wir müssen nur immer von aussen nach innen sehen, wir müssen kalkulieren, gewissermaassen von oben nach unten, denn das Oben ist uns durch die Goldwährung gegeben. In jenem fest begrenzten Raume muss sich unser Wirtschaftsleben bewegen und einrichten, und die angeschnittenen Fragen sind aus diesen Gesichtspunkten heraus zu prüfen und zu beantworten. Während wir auf den Preis kaum einen Einfluss haben, bleibt uns doch als Regulator unserer Einkommen die Höhe der Produktion vorbehalten. Mit beiden gegebenen
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[S. 101] Grössen haben wir auch die Notenproduktion in die Klammer eingezogen. Wir brauchen nur von der Banknote rückwärts zu schreiten über Wechsel zur Forderung, um die Verknüpfung der Note mit der Ware und, was die Höhe und Menge ihres Umlaufs anlangt, mit dem durch den Weltmarkt und Goldwährung uns vorgeschriebenem Preisniveau gewahr zu werden. Das liegt durchaus im Rahmen der im Kreislauf der Wirtschaft von uns vorgetragenen Auffassung. Mit diesem Ergebnis haben wir eine Waffe gegen die Einlösungpflicht und die Deckungsfrage der Noten in der Hand. Lehrt uns der Metallismus nicht, dass das Gold als Wertmaass real vorhanden sein müsse und dass die Banknote nur deshalb wie Gold kursiere, weil sie in solches umwandelbar ist? Wurde uns nicht besonders im Kriege die Dritteldeckung als die Bremse gegen die Inflation hingestellt, um allerdings praktisch in der Art und Weise, wie sie gehandhabt wurde, in der Einbeziehung der assignatenmässig gedeckten Darlehenskassenscheine als Deckungsgrundlage, einen sinnfälligen, wirtschaftlichen Betrug zu begehen. Aus unserer Betrachtung erkennen wir, dass, so lange wir an die Goldwährung angeschlossen waren, eine Inflation als ausgeschlossen anzusehen war. Wir können das Maass der Noten in der Goldwährung in der Zahl gewiss nicht fixieren, aber wir können ohne weiteres das Maximum angeben, bis zu dessen Höhe, obgleich sie das die Deckung beträchtlich überschreiten würde, eine Notenausgabe gefahrlos und von geldtheoretischer Seite nicht zu beanstanden wäre. Der Fall des Maximums an Noten läge da, wo alle Leistungen
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[S. 102] zu Forderungen, diese alle zu Wechseln und endlich zu Banknoten führen würden. Wir wissen aber auch, dass Kompensationen, Naturalempfang, Wechselzahlung, Barzahlung, Gutschrift auf Girokontis, das alles technische Modifikationen sind, die eine einzige Grösse darunter wie die Banknoten, ihrerseits in der Höhe beinflussen müssen. Jedenfalls erkennen wir die Bedeutungslosigkeit jeglicher Deckungsvorschrift in diesem Zusammenhang.
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Es ist charakteristisch, dass wir mit dem Metallismus zu scheinbar gleichen Ergebnissen gelangen. Wir haben dabei bisher allerdings bewusst von den Krisen abstrahiert, in der Annahme, dass in einem Goldwährungsverband als Ganzem, eben weil ihm die stärksten Wirtschaftsmächte angehören, Krisen sich nicht durchsetzen können. Das einzelne Land, von ihr befallen, muss automatisch aus dieser Gruppe ausscheiden, ohne dass an der Bedeutung und dem Inhalt der Goldwährung in diesem Sinne etwas geändert wurde. So lange nun eine Macht besteht, die, ein ruhender Pol mit allgemein gültigen Werten operiert, so lange ist die metallistisch geforderte Funktion des Goldes, Maasstab für Wertgrösse im Einzelnen zu sein nach unserer Darlegung nicht vonnöten. Nur wenn wir annehmen, dass ein Land in sich ohne Anlehnung an die Weltwirtschaft, die als ganzes praktisch immer krisenfrei sein muss, aus einer alle Werte umlagernden Krise gesunden will, dann wird eine Materie, sagen wir das Gold als Maass vonnöten, dann allerdings müssen wir von neuem aufbauen auf Arbeitswerten, wie sie sich in der Beschaffung ergeben. Ob in einer modernen Wirtschafts-
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[S. 103]verfassung eine solche Grundlegung der Werte sich reibungslos vollziehen kann ist eine Frage für sich. Praktischer erscheint uns auch in diesem Falle die Anlehnung an internationale Währungen als das nächstliegende. Bliebe noch übrig, dass wirklich eine Weltkrise in den Bereich der Möglichkeit zu ziehen wäre; dann allerdings könnten wir einer objektiv messbaren Grösse als Maass für alle anderen Dinge um uns nicht mehr entraten. Wenn wir wo die Krise fast bis zur wirtschaftlichen Revolution unseres Planeten ausdehnen, dann triumphiert der Stoff allein, dann ist das Gold als Metall in Herrschaft so lange bis die Entwicklung wieder historische gültige Werte schafft.
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Späterhin wird dieser Gedanke nochmals gestreift werden und nun zurück zur Betrachtung der Goldwährung in unserem beschriebenen Gedankengang: Sie wirkt hier zwar vollkommen als der Stabilisator der Wirtschaft, aber das nicht aus der Preisfixierung durch Vergleich mit dem Golde, das sich in allen Geistern gleicher Wertschätzung erfreut, im Inlande sowohl als auch im Auslande; auch nicht deshalb erhält es die Wirtschaft im stabilen, gesunden Zustande, weil es in der Deckung überschüssiger Notenausgabe, Preissteigerung und Inflation entgegensteuert, sondern deshalb, weil es zum straffen Stabilisator aller Goldwährungsländer, weil es in der Gemeinsamkeit der Bindung, in der Konkurrenz der Stärksten jeweils die Spitzenleistungen mit den relativ geringsten Erzeugungskosten als Maass und Richtpunkt hinstellt, nach dem alle anderen, wollen sie exportfähig bleiben, hinstreben müssen. Die ganze
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[S. 104] Struktur der modernen Wirtschaft drängt zum Export sowohl als auch zum Import. Ob wir nun das eine oder andere in den Vordergrund schieben, ist gleichgültig; immer aber müssen wir den unbedingt notwendigen Import mit Export decken. Beides sind Grössen aus Menge mal Preis. Preis gibt es auf dem Weltmarkt nur einen einzigen, den alles untertanen Weltmarktpreis. Was wir importieren können, ist uns also umgekehrt durch den Export vorgeschrieben, die beide in dem Produkt aus Menge mal Preis gleiche Grössen bilden müssen. So lange wir diesen Gleichgewichtszustand in der natürlichen wirtschaftlichen Kraft finden, spielt die Goldwährung obwohl sie gerade dann ihre segensreichen Wirkungen am meisten uns spüren lässt, doch keinerlei Rolle, was das Gold als Metall und Vergleichsmaass anlangt. Wirksam ist nur der Gedanke und die Notwendigkeit der Einhaltung der in der Goldwährung gebundenen und vergleichbaren universellen Weltmarktpreise und die starre Bindung der Einkommen des einzelnen wie der der ganzen Länder an diese. Wo das Gold anfängt als Metall eine wichtigere Rolle zu spielen, wo es zur Begleichung von Saldis auf Grund mangelnden Exports ( das Land hat zu wenig gearbeitet oder zu teuer) auf die Dauer ins Ausland strömt, da wo das Geld allzu stark sichtbar wird, da ist es nötig, dass der Staat einen Warnungsruf an die Wirtschaft ertönen lässt und mit seinen gegebenen Mitteln solcher Weiterentwicklung hemmend entgegenwirkt. Häufig auch, wie bei der letzten Krise 1907 lag der Grund zu Goldexport, zu dem wir gezwungen wurden, nicht in uns, obwohl
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[S. 105] damals gleichzeitig eine neue Aufschwungsperiode Deutschlands viel Kapital investierte und zur fraglichen Zeit noch wenig exportreife Produkte von jenen Neuunternehmungen auf dem Markte waren, die dann allerdings in nachfolgender Periode den Verlust zurückerwarben. Hier kam vielmehr der allgemeine Run von Amerika, und darum konnte keine Diskontpolitik als das vorzüglichste Mittel zur Eindämmung überspannten Unternehmungsgeistes den Krisenherd treffen. In Ansehen unserer Darlegung müssen wir auch die Handhabung der Diskontpolitik, wenn sie die gefährdete Golddeckung im Auge hat, ablehnend kritisieren und können die Berechtigung der Anwendung nur dann erkennen, wenn wirklich der Warenausgleich von Land zu Land des Goldes zur Deckung bedarf. Mit der Diskonterhöhung war nicht nur ein Anreiz zum Sparen gegeben, in dem Bankguthaben und Wertpapiere, diese auf dem Umwege über niederere Notierung, ihre Zinsvergütungen erhöhen, auch Wechseldiskontierungen werden teurer und damit werden Gold und ausländische Waren schwerer erreichbar. Der Notenumlauf kann uns in diesem Zusammenhang nicht interessieren, auch nicht der Goldumlauf im inneren Verkehr, obwohl dieser geeignet ist, Diskontpolitik voreilig in Anwendung bringen zu lassen, denn einmal vermindert er als fehlendes Deckungsmetall die mögliche Notenausgabe, zum anderen bleibt er der Kontrolle des Gesetzgebers entzogen und kann von ihm unberücksichtigt ins Ausland abströmen. Also auch hier ist das allzu Sichtbarwerden des Goldes, so praradox es klingen mag, eine Gefahr für die Goldwährung. Das hat Heyn erkannt, wenn er die von ihm
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[S. 106] vorgeschlagene Goldkernwährung forderte.
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Den Güteraustausch im Innern reibungslos zu gestalten – in dem Preise und Einkommen gebunden sind – den Güteraustausch nach aussen automatisch und selbstsicher sich vollziehen zu lassen, darin liegt die Bedeutung der Goldwährung. Was den inneren Verkehr anlangt, so hat die Goldwährung damit, dass sie uns die oberste mögliche Preisgrenze setzt, ihre Aufgabe erfüllt. Zur Preisfixierung, sodass wir unsere Produkte am Gelde schätzten, ist kein Raum mehr. Wir können jetzt ja die Einkommen, denn das sind die Einzelproduktionsgrössen der uns vorgeschriebenen Preise und sind mit diesen streng gebunden. Ob wir ein Gut produzieren können, beruht nicht auf der Ueberlegung, ob das fertige Produkt auf Grund unserer Wertschätzung am Golde einen Preis erhält, den uns das Ausland noch zubilligen wird, sondern wir addieren unsere Produktionskosten, die täglich neu gegeben sind und in vollendete Produktionen immer wieder zurückreichen, und kommen so zu einem Preise, der uns Aufschluss über Exportmöglichkeit gibt und der dann nötigerweise unabhängig von der Goldwertung durch Verbesserungen und Einsparungen möglicherweise noch reduziert werden muss. Ausschlaggebend für den Preis eines Produktes sind nur die Herstellungskosten, die auch das Maass des Wertes bilden. In der Goldwährung muss auch ohne weiteres das Problem der Uebereinstimmung von den Gesamtpreisen aller Produkte mit dem Nominaleinkommen der Nation gelöst sein und das verlangt auch im einzelnen Uebereinstimmung des Arbeitsw e r t e s der Einkommem mit dem
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[S. 107] Arbeits w e r t der dafür erlangten Güter; nicht aber muss im einzelnen die Parallelität sein in Bezug auf die absolute Arbeits m e n g e. Wiederum müssen wir sagen, dass das Gold nur eine Beziehung der Werteinheit ist, die im tiefsten Sinne ein bestimmtes Arbeitsquantum bedeutet und bei der Goldwährung, wenn sie bei uns nicht ursprünglich ist, haben wir nun eine zweifache Wahl, den historischen Ursprung der Basierung auf das wertvolle Gut durch Gewinnung der Relationen zu suchen. Wir können einmal im rekurrenten Anschluss rückwärts zu Silber und noch weiter gehen und können die heutigen Preise begrifflich hier im Ursprunge finden wollen; wir können auch auf das Land überwechseln, an dessen Währung wir uns anschlossen, weil wir sagen, von ihm ist uns das Preisniveau vorgeschrieben, und darum müssen wir dort die ersten Wertschätzungen und Beziehungen zum Stoffe finden. Was wir ursprünglich von einem Lande zu sagen wussten, dass Arbeitswertmengen die Preise aufbauen und dass wir das absolute Grössenmaass dieser Arbeitswerteinheit in allen Dingen der Aussenwelt, dabei auch im Golde finden, das können wir nun ohne weiteres auf den ganzen Verband der Goldwährungsländer anwenden. Auf dieser erweiterten Grundlage wird die Arbeitsteilung um ein übriges gesteigert, insofern nun auch die Nationen untereinander nach dem ökonomischen Prinzip des grössten Erfolges bei kleinstem Aufwand den zum Zug kommen lassen, der aus natürlichen, produktionstechnischen oder standortgegebenen Bedingungen zur billigsten Produktion in der Lage ist. Dass ein Pfund Sterling, eine Mark, ein Franken
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[S. 107] / [Seitennummer im Original zweifach vergeben] gleich X, Y, und Z gramm Gold seinen, darf uns nicht dazu verleiten zu glauben, dass im Auslande unsere Preise am Golde abgewogen würden. Die Bedeutung beruht vielmehr auf der Vergleichbarkeit der Preise auf Grund des Münzfusses ohne Zuhilfenahme und ohne Kenntnis des Wechselkurses. Als Ergebnis des Vergleichs von Inlands- und Auslandspreis erscheint uns als Resultat nur die Kenntnis des billigeren Produzenten; mit dem Golde aber haben wir zum Produkte selbst keine Beziehung. Der Goldwährung haben wir so eminente Bedeutung und so grossen praktischen Wert beigemessen, dass diese Eigenschaft, die wir leugnen, demgegenüber nicht ins Gewicht fällt. Was sie weiterhin an Vorteil gegenüber den Ländern mit freier Währung bedeutet, bei denen wir ja auch durch die Valuta stets denselben Vergleichsweg einschlagen können, das lag in der Stabilität der Valuta jedes Goldwährungslandes, das nun auf weite Sicht rechnen liess. Das alles aber sind Vorteile wohl der Goldwährung als der Währung der stärksten Länder, nicht aber des Goldes als Metall, als Währungsbasis. Die wirkliche Währungsbasis ist immer die menschliche produktive Arbeit; nur die Einheit, die wir zu Grunde legen, ist jeweils verschieden und das ist der Grund, warum als tertium comparationis ein Etwas in der Umrechnung von Land zu Land dazwischen treten muss. Das findet in den Preisen seinen sichtbaren Ausdruck. Wenn jedes gleiche Produkt in England nominell ein Pfund Sterling ausgedrückt den zwanzigsten Teil kostet wie bei uns, so gehört es zur Selbstverständlichkeit, dass bei Goldwährung die der Mark zu Grunde liegende Goldmenge ein
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[S. 108] Zwanzigstel des Pfund Sterling sein muss. Dass durch währungspolitische Massnahmen diese Sätze absolut fest begründet sind, ist nichts, was in der Natur des Goldes begründet wäre, und ist auch die Dauer auch nur durchführbar, wenn die Gesamtsumme aller Preise oder sagen wir der Preisindex, gemessen von Land zu Land, im selben Verhältnis bleibt. Wenn dieses auf dem allgemeinen Preisniveau fussende, erst die Goldrelationen begründende Verhältnis ununterbrochen weiter besteht, dann wird Export und Import und somit der Zahlungsausgleich von Land zu Land nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden, und das intervalutare Pari wird das Münzpari kaum verlassen können. Weil periodische Einzelschwankungen, so nebensächlich und geringfügig sie auch sein mögen, auch bei den stärksten Ländern nicht zu vermeiden sind, und das bei freien Währungen Unklarheit und Unsicherheit in die Berechnungen der Kaufleute bringen müsste, darum ist die Goldwährung mit dem mechanischen Zahlungsausgleich noch besonders geeignet, den Vorrang vor anderen Währungen zugesprochen zu erhalten.
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Gold als ein in der Natur lagerndes Gut ist nun auch allen Wechselfällen und Zufällen der Produktion ausgesetzt, ist also in der Komparativen Statik gesehen nicht unbedingt wertkonstant. Das veranlasst uns, der Vollständigkeit halber zu prüfen, wie im einzelnen z.B. bedeutende Goldfunde, neue technische Wege der Gewinnung, wie etwa gar Herstellung auf synthetischem Wege oder wie umgekehrt plötzliches Aufhören von Goldfunden auf die
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[S. 109] Währung wirken müsste. Es ist nebensächlich, welchen Prozentsatz der Möglichkeiten unsere Fälle in sich schliessen. Die ersten beiden Erwägungen scheinen sogar von wirklich praktischer Bedeutung. Nach immer grösseren Opfern für die Währungsbanken kommt endlich auch einmal der Punkt des Unvermögens, weiterhin mehr Gold aufzunehmen. Schliessen sich in diesem Augenblicke nicht weitere Länder der Goldwährung an und treten dabei mit neuem Bedarfe auf, so sind die Goldwährungsstaaten gezwungen, die freie Prägbarkeit aufzugeben, nachdem die Besitzer der Goldgruben in der ganzen vorhergehenden Zeit dynamischer Entwicklung infolge der Förderung Monopolgewinne über den wirklichen Herstellungswert hinaus vereinnahmen und inflationistisch das Preisniveau beeinflussen konnten. Gegenüber einer so vermehrten und verbilligten Goldproduktion könnte der Staat und vor allem der führende Wirtschaftsstaat in seiner Geldpolitik nicht untätig verharren, denn in seiner vorgeschriebenen Prägepflicht wechselt er nicht nur 1 kg ungeprägtes Gold in 1 kg geprägtes Gold um, er wechselt nicht nur die Form, sondern er stempelt in einer gegebenen Form das Gold zu seinem nominellen Gelde, das historisch verankert, vor allem in einem anderen, höheren Goldwert verankerten Gemeinbesitz aller menschlichen Handlung, ihrer gesamten Denk – und Rechenoperationen geworden ist. Das in Münze geprägte Gold ist ein anderes als das Gewichtsgold; die "charta" ist mit Knapp zu sprechen das entscheidende. Hier hat nicht ein Privatmann dem Gold eine Form gegeben, wie der Juwelier einen Ring fertigt; hier hat der
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[S. 110] Staat dem Golde einen gesellschaftlich gültigen Wert gegeben, der sich vom wirtschaftlichen Wert des Goldes auf Grund seiner Produktionskosten trennt. Der Staat darf hier aber nicht als selbstherrlicher Autokrat betrachtet sein, sondern er ist hier nur Ausdruck und Funktion einer Vielheit, nämlich der wirtschaftenden Gesellschaft und dieser wird nicht willens sein ihr Einkommen schmälern zu lassen zum Vorteil einer verschwindenden Minderheit oder überhaupt einer anderen Wirtschaftsgemeinschaft; sie wird sich gegen die Unwahrheit der Tauschakte zur Wehr setzen und das heisst hier in seiner Wirkung; sie wird die Prägepflicht aufheben. [handsch. ergänzt: ?wenigstens so lange bis ?das Produkt? wieder stabil geworden ist.?]
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So könnte wohl die Möglichkeit bestehen, dass die erste Wirtschaftsmacht sich vom Golde löst, dabei diese Vormachtstellung hält und auch weiterhin ruhender Pol in der Währungen Spiel und Schwanken bleibt, eben weil diese Landesallmächtige Währung die Preise praktisch so fest als das objektiv messbare Geld zu binden vermag. Wäre es denkbar, dass solches Land das gesamte Gold in seinen Grenzen und nur in eigener Regie fördere, dann wäre es wohl auch in der Lage, dem Golde einen über seinem wirtschaftlichen Herstellungswert gelegenen Preis zu geben und in seiner Münze zu statuieren. Andere Statten würden praktisch, wenn auch mit wirtschaftlichen Opfern die gleiche Währung annehmen und so bietet sie bisher gesehen auch alle Segnungen einer Goldwährung mit wirtschaftlich wahrem Inhalt.
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Eine Einschränkung allerdings, die geeignet ist, aus dieser theoretischen Möglichkeit eine fast praktische Unmöglichkeit
[211]
[S. 111] zu machen ist die, dass dieses Goldschöpfungsland als das mutmassliche Hauptgläubigerland wohl kaum willens sein wird das Risiko für alle anderen Auchwährungsländer zu tragen, d.h. bei Währungsverfall sich deren Gold als intervalutaren Ausgleich zum eigenen Monopolpreis gefallen zu lassen, obwohl ihm ja auf der anderen Seite die Gewinne aus Geldverkäufen zugute kamen.
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Wir wollen aber die nur gedankliche Ueberlegung fallen lassen.
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Praktisch würde eine Verbilligung des Goldes, die im Ausmass eine Rückkehr zur alten Relation ausschliesst, nach eingetretenem Ruhezustand eine Währungsumänderung mit verändertem Münzfuss bedingen. Die Wirtschaft könnte diese ganze Entwicklung unbehelligt von der Entwertung des Wertmessers überdauern. Die neu fixierte Werteinheit hätte dann als Inhalt wieder die gleiche Menge Arbeitswerte, wie sie im Gegenüber der Waren in diesen allen aufzufinden ist.
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Auch diese Exkursion zeigt uns, dass in der Werteinheit keinesfalls die wertvolle Ware sich mit den anderen Gütern austauscht, sondern in ihrer Bedeutung als Arbeitswertquantum in der Geldform von Preisen zu Einkommen und von Einkommen zu Preisen wandern, ihre Funktion sich erfüllt. Eng gebunden, sowohl an das eine wie an das andere ist der ökonomische Wert der Werteinheit stabilisiert. Der ökonomische Wert liegt in der Kaufkraft der Einheit tausendfältig gebunden an jeden Preis und jedes Einkommen, mit dem sie geschaffen wurde. Der Gedanke der
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[S. 112] Werteinheit dagegen überdauert Einzelpreis und Einzeleinkommen und selbst ganze Perioden. Würde Gold auf synthetischem Wege herstellbar sein, so dürfte genau das Gesagte gelten mit der Motivierung, dass nun immer mehr der Charakter der stoffwertlosen Währung in den Vordergrund gerückt würde. Die zuletzt angeführte Variante, dass Gold im Weltkörper nimmer zu finden wäre, ist natürlich in ihrer Einwirkung auf die Währung nur vermutungsgemäss zu beantworten. Das nächstliegendste und theoretisch ebenfalls unangreifbare ist wohl anzunehmen, dass die alten Relationen unverändert fortbestünden, obwohl das Gold als so seltenes Gut einen viel höheren Preis, als sein statuierter Wert ist, erzielen müsste. Wiederum sei uns das ein Beweis, dass es bei der Werteinheit grundsätzlich nicht auf den Wert des gewählten Geldstoffes ankommt, weil dieser nur eben e i n e Ware ist neben so vielen und eher wie alle anderen durch staatliche Maassnahmen von seinem rein wirtschaftlichen Wert abgedrängt werden kann. Goldmünzen werden in diesem Zustande nicht mehr im Verkehr sein, da sie ja infolge ihrer Kostbarkeit sofort daraus entzogen würden; analog wird auch die Einlösbarkeit aufgehoben sein. Das Gold aber kann nach dem Heyn'schen Plane von Land zu Land als Spitzènausgleich dienen, immer wieder aus der Erwägung heraus, dass hier Forderung plus und minus sich notwendig aufhebt und ein wirklicher Export, der nicht Tausch wäre, auch nicht stattfindet. Was die Goldwährungsländer aneinander kettet, ist nicht die jeweilige Preisgestaltung nach dem Goldwerte, sondern die Preisvergleichungsmöglichkeit auf Grund
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[S. 113] des sonst eigentlich nebensächlichen Münzfusses. Das Land, das jetzt aus der Goldwährung ausscheidet, wird sein Gold nicht zum niederen Münzpreis versenden, sondern zu dem viel höheren wirtschaftlichen Arbeitswert. Wenn das Gold auf den freien Markt kommt, tauscht es sich nach diesem letztgenannten Wert. Niemand wird nach dem künstlich gehaltenen Münzfuss fragen, zu dem es auch an den staatlichen Kassen nicht mehr erhältlich ist. Dass jetzt das Pfund Sterling als X Gramm Gold begründet ist, hat nur Interesse nach aussen hin, weil die Mark beispielsweise nach allen anderen Warenpreisen gemessen eben auch nur als x/20 gr Gold proklamiert sein kann. Wir können nach wie vor konstatieren, wer teuerer, wer billiger ist, absolute Werte wollen wir heute an jenem kostbaren Golde nimmer messen. Der Schwächere haftet sich an den Stärkeren und muss dabei ohne Ueberlegung die von diesen betretenen Bahnen einhalten.
[217]
Wir beispielsweise ohne Besitz von Goldbergwerken, die wir gegenüber England und Amerika nun als wirtschaftlich schwächere zu bezeichnen sind, können keine Währungsänderung befehlen, während das ein starker Verband mit weitreichender Macht vermag. Aus diesem Grunde kann er auch in obigem Falle die alten, eigentlich hinfällig gewordenen Relationen dennoch belassen, wenn er eine Umstellung für sein Wirtschaftsleben als schädlich erachtet. Der ökonomische Gehalt der Werteinheit wird dann allerdings nichts nach dem Golde als Münzparität fragen, sondern wird ganz natürlich seine gedanklich allgemein bekannte in allen Preisen
[218]
[S. 114] und Einkommen verankerte Grösse beibehalten. Würden wir die Werteinheit als das Goldgut ansehen, dann wären die Relationen darauf nunmehr falsch. Ist aber die Werteinheit nur ein Begriff, der seinen Wert umgekehrt von dem Wert der Güter ableitet, dann darf sogar der Münzfuss die einzig falsche Relation sein. In der Beziehung zur Güterwelt tauschen sich mit den Werteinheiten doch gleiche Arbeitswertmengen.
[219]
Das alles aber mildert die auf internationalem Gebiet liegende Bedeutung der Goldwährung, der gemeinsamen Preise und Einkommen verbindenden Währung nicht herab.
Papierwährung.
[220]
Ein anderer Fall der staatlichen Monopolwährung ist die Papierwährung, die wir unter diesem Gesichtspunkte zu betrachten haben. An die obige Betrachtung anknüpfend, springt uns sofort als die wesentliche Unterscheidung davon die absolute Stoffwertlosigkeit des Geldmaterials in die Augen. Damit entfällt sowohl die Basierung auf den Grundstoff als auch die zum eventuellen Zahlungsausgleich notwendige Verwendungsmöglichkeit des Geldes auf Grund seines Eigenwertes. Bei der absolut reinen Goldwährung deckt sich bei Uebereignung der Goldmünzen nominelle Schuld gleichzeitig mit der realen, denn wir dürfen doch annehmen, dass der Warenwert der Goldmünze dem nominellen Inhalt der Werteinheit, bezogen auf den Wert der übrigen Güter, entspricht; es decken sich Inhalt und Form. Bei der Monopolgoldwährung entsprach die nominelle Schuld nimmermehr dem
[221]
[S. 115] Wert der Münzen in gleicher Höhe, die dem Realgehalt nach über – oder unterwertig waren. Wir müssen beispielsweise, um 1000 ℳ an das Ausland zu zahlen, Goldmünzen hingeben in nomineller Höhe von 5000 ℳ oder im letzteren Fall auch nur von 200 ℳ. Hauptsache ist nur, dass das im Werte veränderte Gold von den Goldwährungsländern zur alten Relation angenommen wird. Das Verhältnis der Valuten wird dadurch, ob die gleichen Währungsländer ihre Werteinheit auf über- oder unterwertiges Metall basieren oder besser gesagt, den Münzfuss unter oder über dem natürlichen Wert festsetzen oder bei Wertänderung des Metalls und Belassung des Münzfusses zum gleichen Ergebnis gelangen, – solange die verschiedenen Länder nur immer im gleichen Verhältnis zu einander bleiben, und das dürfen wir ohne weiteres als gegeben erachten, da das führende oder die führenden Länder die Politik der anderen mitbestimmt, solange bleibt dieser Erscheinung der nach dem wirtschaftlichen Werte des Währungsmetalles gemessenen falschen Relationen ohne Bedeutung, das Verhältnis der Valuta bleibt unberührt und immer noch sind die Preise von Land zu Land und die Einkommen gebunden. Wie weit dieser Fall praktisch ist oder werden könnte, steht hier nicht zur Diskussion, er ist wohl möglich, ist hier aber nur als theoretische Abstraktion gedacht.
[222]
Eine Unterscheidung von Papierwährungsländern ist in allen genannten Fällen doch gegeben in der Notwendigkeit der Goldwährungsländer, immer wieder in den intervalutaren Pari's
[223]
[S. 116] zu den Münzparis hinzustreben und in der Qualität, die mit der Goldwährung ohne weiteres ausgesprochen ist. Was wir als so wesentlich schildern, die Vergleichbarkeit der Preise, dazu brauchen wir an sich keinen Münzfuss, der uns Aufschluss gibt über das Verhältnis. Selbst bei den Goldwährungen hatte der Münzfuss, eigentlich nur deklaratorische Bedeutung; das eigentliche wirkliche Verhältnis der Valuten gab uns das intervalutare Pari, das beim Papierwährungsland uns ebenso gegeben ist. An Stelle der Zugrundelegung einer Goldmenge proklamieren wir ein Verhältnis, das wir, gleich als ob wir Goldwährungsland wären, mit allen Mitteln einzuhalten bestrebt bleiben. So lange uns dies gelingt, haben wir auch im Effekt tatsächlich den gleichen Zustand, als ob wir der Goldwährung angeschlossen wären. Import und Export sind dann bei uns ausgeglichen, Preise und Einkommen sind stabil und in den Weltmarkt eingegliedert; dann ist auch die Proklamation des gewünschten Verhältnisses zum Ausland und das damit zusammenfallende intervalutare Pari gleich zu achten der Goldeingliederung. Unsere Werteinheit verkörpert den gleichen ökonomischen Wert, wie es bei Goldbindung der Fall wäre, die Preise würden genau sich decken mit den Goldpreisen; – kurz überall das gleiche Verhältnis, und das ist logisch selbstverständlich, denn die Werteinheit bedeutet hier wie dort ein Arbeitswertquantum, bezogen auf die Güterwelt, und aus ihr geboren, gleich so wie bei der reinen Goldwährung. Wir betonen ausdrücklich, dass in unserem Falle dieser Staat mit freier Währung als wirtschaftlich ebenso stark wie die ihn
[224]
[S. 117] umgebenden Goldwährungsländer anzusehen ist und füglich müssen sich die wirtschaftlichen Vorgänge bei Ausserachtlassung der hier eigentlich bedeutungslosen Währungsreform in durchaus gleichcher Weise abspielen. In jedem Falle ist das Wirtschaften ein Haushalten mit dem erzeugten Gütervorrat. Das Einkommen ist nur ein technisches Mittel zur Aufteilung derselben. Es finden in den Gütern Tausche zwischen den Arbeitsleistungen der verschiedenen Berufe statt, dieser Preise sind Resultat dieser einzelnen Aufwendungen, die alle nach einem Maasse festgelegt sind, nach einer bestimmten Grösse eines Arbeitswertes. Wir können innerhalb unserer Wirtschaft jeder nur soviel verzehren, als wir Arbeitswerte erzeugt haben, aber wir können unsere überschüssigen realisierten Arbeitswerte austauschen mit gleichgrossen solchen anderer Erwerbstätigen. Wir können also nur tauschen, wir können uns nicht bereichern, denn intersubjektiv gemessen am Arbeitsaufwand sind alle Tauschgrössen gleich gross. Wir können aber den Tausch noch fortsetzen über die Grenzen der Länder und über die Meere, aber wir können eben nur tauschen und bezeichnen die Summer all dieser Akte als Import und Export. Die Technik spielt sich nicht in Zug um Zug Geschäften ab. Es wird vielmehr gekauft und verkauft und erst in der gesamten Abrechnung muss das Gleichgewicht wieder gewahrt sein. Der einzelne Importeur und Exporteur kann naturgemäss nicht den Ueberblick über diesen Markt gewinnen können; er führt immer nur einen Tauschakt zur Hälte aus. Die Fälle der Kompensation auf privatem Wege sind
[225]
[S. 118] verhältnismässig selten. Was volkswirtschaftlich als Tausch in Erscheinung tritt ist von einzelwirtschaftlicher Seite jeweils Kauf und Verkauf, wofür fremdes Geld zu geben oder eigenes zu empfangen ist. Die Goldwährung hat nun in der gemeinsamen Anerkennung und Wertung des Goldes ( Goldrelation ist gleich Preisrelation der verschiedenen Länder ) den Vorteil, dass eine Zahlung in Geld geleistet werden kann, dessen Gültigkeit nicht an den Grenzen des Staates endet, weil es hier eben nicht als staatliches Geld auftritt, sondern als Forderung begründende Warenausfuhr auf Grund eines gegebenen Wertes. So bleibt hier das intervalutare Pari gewahrt, auch wenn die Tauschgesetze von Land zu Land in privatem Warenaustausch vorübergehend einmal verletzt wurden. Bei der freien Papierwährung ist eine Kompensation der Einfuhr nur bis zur Höhe der Ausfuhr gegeben und darüber hinaus fehlt nicht das Geld, sondern die im Ausland annehmbereite Ware, um den Zahlungsausgleich sicher zu stellen und damit die alte und die proklamierte Valuta unberührt zu lassen. Der Importeur kann nicht in Deutschland international in gleicher Weise gültiges von Angebot und Nachfrage im Preise unabhängiges Gold kaufen, er muss vielmehr als Käufer von englischem staatlichen Gelde auftreten, dessen Preis steigern und in dafür erlegtem deutschen Gelde nichts anderes als deutsche Waren, in diesem Falle nicht Gold, sondern vom Ausland auswählbare Waren hingeben. Der Austausch von Land zu Land hat nun wieder die Tendenz in die Ruhelage zurückzukehren. Wir haben den Beweis, in der Goldwährung in der
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[S. 119] Goldversendung, in der Papierwährung in der Verteurung der fremden Werteinheit, dass wir nicht mit dem von uns Erzeugten Haus zu halten wussten. Unsere Einkommensbildung scheint in Unordnung geraten zu sein, denn wir haben mehr verzehrt, als wir gearbeitet haben. Wir können falsche Geldschöpfungspolitik getrieben haben ( dies bei beiden Währungsarten ), wir können auch Ansprüche geltend machen haben wollen, die kein Gegenüber in Genussgütern aufzuweisen hatten. Wir können auch beispielsweise fiktives Kapital aus Spekulationsgewinnen, Beträge aus Aktienrealisationen auf dem Gütermarkte kaufend ausgegeben haben. Unsere Wirtschaftslage kann aber auch so sein, dass der Zustand ein von uns bewusst herbeigeführter war und die Gegenwirkung in nächster Periode in der erhöhten Produktion bereits einsetzt.
[227]
Die Werteinheit erfüllt in jedem Falle ihre Aufgabe, wenn es ihr gelingt, Preise, und auf der anderen Seite die Einkommen in Parallelität zu halten, denn das allein gibt uns die Gewähr, dass der wirtschaftliche Haushalt bilanziert. Die Einkommen müssen in den Preisen aufgehen, sie müssen sie – gemeint sind natürlich immer nur die Genussgüter – aufheben. In diesem Zusammenhange wir das dauernd kursierende staatliche Papiergeld bedeutungslos gegenüber der ausgleichenden Wirkung der elastischen Banknoten, die wir darum, wenn wir vom Gelde sprachen, immer als durchaus gleichwertig in den Begriff einbezogen. Wir müssen diesen Schritt vornehmen, wenn wir den Inhalt der Werteinheit auf die Produktionsleistung zurückführen und mit ihr verknüpfen.
[228]
[S. 120] Einkommen und Preise müssen etwas gemeinsames haben. Können wir aber Einkommen am Golde abschätzen und vor allem tun wir es auch in der Goldwährung? Wer wird das bejahen wollen?
[229]
Wir können aber die Preise auf Grund ihres Arbeitswertgehaltes mit einander in Verbindung bringen und wir können dasselbe auch mit den Einkommen unternehmen. Was auf der einen Seite Preise schafft, bildet auf der anderen Einkommen. Der Charakter der Arbeitswertmenge in der Werteinheit und im Aufbau der Wirtschaft scheint uns wohl kaum mehr strittig. Zu beachten wäre nur noch ihre absolute Grösse, und hier werden die Metallisten sagen, dass der Staat mit freier Währung im intervalutaren Pari dennoch an die mächtigen Goldwährungsländer gebunden ist und in diesem Kurse gleich so, als wie es beim Münzpari der Fall wäre, seine Inlandspreise doch zum Golde in Beziehung stünden. Und selbst die freiesten unter den freien Papierwährungsländern geniessen die Freiheit nur scheinbar, in Wirklichkeit gravitieren sie doch um das Gold und alle Dinge der Welt haben hier ihre letzte Verankerung. In der Tat können wir in jedem solchen Papierwährungslande die Beziehung seiner Werteinheit auf dem Umwege über das intervalutare Pari zu seinem Quantum Gold gewinnen, aber wir gewinnen dadurch nicht eine Erklärung für unsere Preishöhe, sicherlich keine wesentliche.
[230]
Nehmen wir beispielsweise an die Goldwährung A lege ihrer Werteinheit 10 g Gold zu Grunde und die Papierwährung B stünde laut intervalutarem Kurs dauernd auf 1/2 des Wertes von A,
[231]
[S. 121] so steht es uns natürlich frei zu folgern, dass unsere anscheinende Währung B dennoch auf dem Golde fusse und von ihm seinen Wert herleitet. Der Wert sei auf Grund dieser Rechnung 10/2, ist gleich 5 g Gold; der Wert aller Güter in den Preisen nur ein Ausdruck des teil- oder vielfachen Wertes von 5 g Gold. Dieses Scheinergebnis, dass wir in jedem Falle am Golde kleben, können wir aber, sofern in den Goldwährungsländern das Gold keinen Monopolpreis aufweist, schneller erlangen, wenn wir im freien Papierwährungslande B einfach uns den freien Goldpreis ansehen. Der wird dann auch pro Einheit ausgedrückt genau 5 g Gold ergeben, und wir ersparen uns den Umweg über die Kursumrechnung. Machen wir uns jenes eben kritisierte Argument zu eigen, dann verwechseln wir die Bedeutung des Wechselkurses der Währungen unter einander, der ja nicht entstanden ist, um für jene alle einen gemeinsamen Stoff abzugeben, sondern die Währungen, so wie sie sind und sich im eigenen Lande gebildet haben, untereinander vergleichbar zu gestalten. Entstanden können sie sein in der Basierung auf die verschiedensten Metalle, und auch ohne internationalen Verkehr können sie die einzelne Wirtschaft stabil gehalten haben. Die Unterscheidung von Pfund Sterling und Mark besteht nicht darin, dass eine Mark eben nur ein Zwanzigstel des Goldgewichtes von ein Pfund Sterling wäre, – das ist nicht der tiefste Kern. Was damit gesagt sein soll, ist dies: In England legt die Wirtschaft an die Güter zur Preis- und Einkommensgewinnung ein Maass, das um das Zwanzigfache grösser sei als es in Deutschland
[232]
[S. 122] verwendet wird. Das Gold ist nur ein äusseres Zeichen und gibt uns in ungefähr erkenntlicher Grösse wieder, welche absolute Grösse das Maass verkörpert. Jeder andere Preis, die Nennung eines Einkommensbezuges, könnte uns das vielleicht noch deutlicher sagen. Die Güterpreise selbst können auch in der Relation auf ein ganz anderes Metall entstanden sein, das Gold erst später aus der Güterwelt herausgenommen und auf Grund seines Preises in ihr die neuen Beziehungen errechnet worden sein. Das Gold hat dann nur noch laut staatlicher Vereinbarung den Vorzug, gewissermaassen überstaatliches Geld zu sein.
[233]
So wie wir von Silberwährung zu Goldwährung übergehen und den rekurrenten Anschluss während unser ganzes wirtschaftliches Zahlengebäude umrechnen, so könnte es auch einmal im Sinne der internationalen Geldpolitik liegen, sämtliche Währungen auf das Verhältnis 1 : 1 zu stellen. Eine Werteinheit wäre soviel wert wie die andere, jeder einzelnen läge die gleiche Menge von Arbeitswerten zu Grund, alle Güter würden nach den gleichen Maassen gemessen, und alle gleichen Dinge müssten gleiche Preise erzielen. Ist in diesem Verbande ein Land Papierwährungsland, so misst es doch, das sagen die gleichen Preise, seine Güter augenscheinlich mit dem gleichen Maasse, obwohl es die Verankerung mit dem Golde abgestreift oder sogar noch nie besessen hat. Wir folgern daraus, dass der Sinn der Werteinheit unberührt davon bleibt, welche Art der metallischen Bindung wir ihr zu Grunde legen, denn, ist die Entwicklung einmal über die erste Phase der gemeinsamen Preis-
[234]
[S. 123]bildung hinausgekommen, dann bedeutet aus sich heraus, aus den natürlichen ökonomischen Gründen für die Werteinheit, jedes Gut gleich viel wie das Währungsgut; und ist das letztere nicht auch gleichzeitig das primär angewandte, dann bedeutet es in der Proklamierung der neuen Wertsetzung im Münzfuss überhaupt nur eine Umgestaltung seines statischen Preises im erst entstandenen Preisgebäude. Die im Aussenverkehr wurzelnde Bedeutung der Goldwährung wurde ja schon genau untersucht und es erübrigt sich hier ein weiterer Verfolg. In den gleichen Wechselkursen verschiedener Währungsländer, wenn wir den konstruierten Fall beibehalten, erkennen wir die gesunde Wirtschaftsführung. Gleichklang von Import und Export sind ein Beweis der gleich gebliebenen durchschnittlichen Preishöhe, gleich wie auch dessen, dass der Tausch inner- wie ausserwirtschaftlich in Reinheit und ohne Störung durch wirtschaftliche oder geldpolitische Momente sich abwickeln konnte; Der Tausch im Innenverkehr insofern, als die Nominaleinkommen ihr genaues Gegenüber in den Genussgütern finden konnten und so jeder als Einkommen sichtbare, einmal geleistet und von der Wirtschaft akzeptierte Arbeitswert seine Auflösung im Konsumakt in einem Güterpreise gleicher Dimension entgegenhielt. Im Aussenhandel war eine Störung unmöglich, weil wir beim Wechselkurse 1:1 im Güteraustausch gleicher nomineller Werte in den gleichen Preisen jeweils auch nur gleiche Arbeitswertmengen zum Bewegen brachten. Die Werteinheiten enthalten international gesehen gleiche Arbeitswertmengen, ja soweit nicht internationale Monopole bestehen,
[235]
[S. 124] können wir hier im Austausch über die Grenzen sogar nur von Arbeitsmengen sprechen; hier streben die Tausche nach der Reinheit des Wertes gemäss den Gesetzen der reinen Oekonomie.
[236]
Also auch hier sehen wir wieder, dass gleich wie im einzelnen uns die Werteinheit fundiert begegnet, ihre Wirkungen und Funktionen doch dann immer die gleichen sein müssen und sein können, wenn sie nur gleiche Arbeitswertmengen verkörpern und Rechenmittel einer Wirtschaft sind, die mit dem ihren Haus zu halten weiss. Wir könnten diese Währung als einen Schritt zur Weltwährung betrachten, die Werteinheit mit immer gleichem ökonomischen Gehalt wäre die Weltwerteinheit, das Maass für den Aufbau sämtlicher Weltmarktpreise und sämtlicher damit vorkommenden Einkommensarten. Die Bindungen wären damit auf die denkmöglichst weiteste Basis gestellt und die Bewusstseingrösse der Werteinheit hätte in allen stofflichen Dingen der Welt das notwendige reale Fundament. Goldwährung wäre der straffen Bindung halber, die in den 1:1 Valuten kleine Ausschläge zu nivellieren weiss, wohl erwünscht. Aber in der theoretischen Betrachtung der Werteinheit bleibt sie bedeutungslos. Bei Reinheit der Preise ist der Wert des Goldes im Goldwährungsland und sein Ausdruck in dessen Werteinheit gleich dem Preis desselben im freiem Papierwährungsland. Solange alle Staaten von wirtschaftlichen Nöten frei sind und sich nicht auf Kosten der anderen zu bereichern wünschen, solange haben wir dann nur eine Währung, können uns als e i n Land fühlen, die Grenzen verwischen mehr und mehr,
[237]
[S. 125] die Verrechnung wäre so bedeutungslos, als ob sie überhaupt nicht wäre. In Zeiten der Not aber, da wird der Trennungsstrich scharf gezogen und die Valuta wird dann durch Schutzmauer der Länder, zum Umrechnungskoheffizienten geänderter Preise und wacht darüber, dass die Tauschgesetze gleiche Arbeitsmengen im internationalen Verkehr nicht ausser Uebung geraten, roh ausgedrückt – wir sehen dabei wieder bewusst von anderen Einwirkungen sekundärer Natur ab – finden wir die Gleichung: Auslandspreis mal Valuta ist gleich Inlandspreis. Die Valuta lässt die Preise bedeutungslos werden und setzt sie auf einen, gleiche Arbeitswerte enthaltenden Nenner.
[238]
Nun fragen wir weiter, was bedeutet es für den Inhalt der Werteinheit allgemein, wenn beispielsweise die stärksten Länder England und Amerika den historischen Boden der Goldwährung verlassen würden und ihre Werteinheiten als freie Papierwährungen proklamierten mit der Kundgebung, dass der Wechselkurs Pfund Sterling und Dollar im gleichen intervalutaren Wert untereinander wie auch zu den übrigen Valuten belassen werden sollen. Es wird Metallisten geben, die da sagen, die Lösung der Währungen vom Golde ist nur scheinbar, in Wirklichkeit wäre das alte Preis- und Kursniveau beibehalten, und das Gold ist doch nach wie vor, wenn auch unsichtbar, der Wertmesser geblieben. Diese Erklärung würde aber sofort gezwungen erscheinen, wenn, was diesen Ländern durchaus frei stünde, auch eine neue Währung dem Namen und Inhalte nach zugleich mit der Loslösung vom Golde verbunden wäre.
[239]
[S. 126] Den Gesichtspunkt wollen wir aber fallen lassen und unseren ersten Fall wieder betrachten, gleich konstatieren, dass das Wertmaass bei blossem Uebergang zur Papierwährung tatsächlich auch nach unserer Meinung dasselbe geblieben ist. Der ruhige, ungestörte Fortlauf der Wirtschaft, das gleichbleibende Preis- und Einkommensniveau, kurz die Stabilität der Wirtschaft sagt es uns. Die Arbeitswertmenge des Pfund Sterlings oder Dollars, soweit sie Geld- und Einkommensform darstellen, ihr Gegenüber in den Verbrauchsgütern haben, ist ihrem ökonomischen Werte nach unverändert geblieben. Beachtung verdient dieser Vorgang nur insofern diese beiden Währungen als die stärksten im Kreise der übrigen Weltvaluten figurierten und diese alle zu jenen mächtigsten hinstrebten und sich nach ihnen einstellten. Wir können ohne weiteres annehmen, dass diese Uebung auch im weiteren Verlaufe würde beibehalten werden, denn nicht der Goldschatz dieser Länder hat ihnen die wirtschaftliche Führerstellung erobert, sondern ihre wirtschaftliche Macht, und diese wird nichts nach einer belanglosen Währungsänderung fragen und fortbestehen und damit auch die alte Praxis Pfund Sterling oder Dollar als den Mittelpunkt der Valuten und sie als absolut fest zu betrachten. Ebenso dürfen wir bei jenen Wirtschaftsmächten die Einsicht voraussetzen, dass sie nicht ihr Preisniveau, das Preisstandard der ganzen Welt ohne zwingende Notwendigkeit zur Aenderung bringen werden. Das an Naturgütern so reiche Amerika, England mit seinen die Welt umspannenden Kolonialbesitz wären uns die beste
[240]
[S. 127] Legitimation für eine ruhig ungestörte Fortentwicklung des internationalen Handels, auch wenn jetzt in ihm das Gold als Vergleichs- und als Bindemittel in Wegfall geriete. Die Valuten würden sich nach der festen Weltmarktswährung einspielen, gleich als ob hinter dieser Währung wörtlich ein reales Gut wie das Gold stünde, wir sagen wörtlich, denn begrifflich wissen wir, steht eine Realität, die ganze Güterwelt, zur Stützung hinter der Währung der Länder. Weltwerteinheit ist die gleiche geblieben in dem wesentlichen Sinn wie sie es immer war, nämlich in der engen Verknüpfung mit der realen Güterwelt, ausdrückbar in einer Menge von Arbeitswert, deren Grösse uns umso sicherer und bestimmter gegeben ist, je weiter das Netz der Relationen spannt, je stärker Handel und Verkehr.
[241]
Als Ergebnis all dieser Betrachtung pflücken wir als reife Frucht die Erkenntnis, dass, wenn wir die erste in der Vorzeit liegende Entwicklung als Datum in unser System einreihen und das Stadium der ersten Relation- und Preisbildung als überwunden hinnehmen, wir dann jede Währungsform als gleichberechtigt neben die andere zu stellen vermögen. Wenn wir uns aus praktischen Gründen für diese oder jene Art entscheiden konnten, so wäre das eine Ueberlegung, die fern der Theorie läge und ihr Ergebnis nicht zu beeinflussen vermag. Das allerdings müssen wir zugestehen, dass wir ein reales Gut als Grundlage benötigen, aber das nur dann, wenn wir gewissermaassen erst vom Einzelindividium zur Gemeinschaft kommen wollen.
Der ohne historische Erinnerung sich neu bildende Staat.
[243]
Wenn wir die eben angeführte gedankliche Abstraktion eines solchen Staatsgebildes untersuchen wollen, dann können wir dem nicht das Papiergeld als technisches Mittel des Verkehrs in die Hand geben. Der hätte tatsächlich in ihm kein Maass, nach dem er die Dinge der Aussenwelt abstecken könnte. Hier müssen wir von einem bekannten, realen Ding zu allem übrigen gelangen und in Teil oder Vielheit seines realen Wertes die Ausdrücke für die Güterwelt finden. Das ist zu bekannt, als dass wir es noch schildern müssten. Der Inhalt der Werteinheit ist der gleiche, wie wir ihn später in jeder Währungsreform erkannten, aber nur in dem einen praktisch nimmer vorkommenden Fall müssen wir die Währung auf ein reales Gut gründen; späterhin können wir immer von der Menge der Güter zurückgehend auf den Inhalt und den ökonomischen Gehalt der Werteinheit erkennen, denn gerade in der Menge der Güter, in der Vielheit der Einkommen gewinnt der Begriff Werteinheit Form, Inhalt und Leben. Wäre das neue Staatsgebilde etwa der sozialistische Zukunftsstaat, so könnten wir Arbeit gleich Arbeit setzen, den Erfolg dargestellt im Gut liessen wir unberücksichtigt und wir könnten als das Maass und den Ausdruck der Werte einfach die angewandte Arbeitszeit in Ansatz bringen. Arbeitsstunde beispielsweise wäre die Werteinheit und damit die Struktur für Preise und Einkommen. Was wir in der modernen Wirtschaft als Werteinheit erkannten, ist streng genommen eben dieser gleiche Inhalt übertragen von der reinen auf die politische Oekonomie.
[244]
[S. 129]
Begrifflich wäre es denkbar, dass wir sogar in den Berufstätigkeiten dem Werte nach eine Gliederung vornehmen würden. Wir könnten die verschiedenen Arbeitsleistungen in Beziehung zu einander setzen, könnten die Werteinheit auf irgendeine, die uns als am konstantesten erscheint, beziehen und wir hätten damit auch die Möglichkeit der Preis- und Einkommensbildung und -bindung. Die Wahrscheinlichkeit dieser Fälle spielt keine Rolle; es ist uns nur wesentlich, dass auch in allen nur gedanklich möglichen Fällen immer wieder je nach Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung, Arbeit der Zeit, der Menge und dem Werte nach das Maass der Güter und als deren Ausdruck der ökonomische Inhalt der Werteinheit sein muss.
Der autarke Staat ohne internationale Beziehungen.
[245]
Es sei dies der letzte zu untersuchende Fall, der uns freilich nach all dem Gesagten keine wesentlichen, neuen Gesichtspunkte bieten wird. Er wäre gleich zu achten dem wirtschaftlich so starken Land, das seine Valuta unverändert belassen kann. Die Bedürfnisse der Innenwirtschaft können vollauf aus ihrer eigenen Erzeugung befriedigt werden. Eine Valutafrage besteht für dieses autarke Staatsgebilde in keiner Weise. In der Wahl seiner Währung, d.h. der Proklamierung seiner Werteinheit hat es völlig freie Wahl, ja hier wird diese Ueberlegung zur blossen Aeusserlichkeit und Nebensächlichkeit. Der Name autarke Staat bürgt uns dafür, dass hier der Güteraustausch reibungslos sich vollzieht und der wirtschaftliche Haushalt bilanziert. Unsere ganze Ueberlegung müssen wir
[246]
[S. 130] bei ihm auf die Einkommensbildung richten, dass diese im Einklang mit der Genussgüterproduktion sich vollziehen. Nach welchem Maasse wir aufbauen, ob es vom Staate gebundenes oder ob es ein historisch entstandenes, in der Wirtschaft um uns lebendes und in den überlieferten Preisen fixiertes Maass ist, bleibt ohne Belang; – entscheidend ist nur der Gleichlauf. Und tritt eine Störung hierin ein, so muss sie ihre Quelle in einem falschen Verteilungsprinzip haben, denn Wirkungen von ausserhalb sich nicht gegeben. Wir kennen keine Valuta und die Preishöhe an sich bleibt eben so wirkungs- und bedeutungslos. Alle theoretische Ueberlegung gipfelt in der Verhütung und Ueberwindung einer Inflation. Die Bindung der Werteinheit an ein Gut ist Möglichkeit, solange wir ihrer nicht bedürfen, solange das Gleichgewicht gewahrt ist, und die Bindung ist nimmer möglich, wenn dieses gestört ist, und die Güterpreise aus den alten Relationen herausfallen. Angebot und Nachfrage müssen sich bilanzieren. Ist unbefriedigte Nachfrage darüber hinaus vorhanden, so wird Preissteigerung Platz greifen, gleich ob die Werteinheit bis dahin gebunden oder ungebunden war. Wir berühren hier die Frage der Inflation, die aber einer besonderen Untersuchung vorbehalten sein soll.
[247]
Wir wollen nur noch ausführen, dass wir die ganze Welt, als Einheit betrachtet, als ein solches autarkes Gebilde ansprechen können, in dem aus der Natur bedingten Gründen diese Autarkie nicht gesprengt werden kann. Des weiteren ist damit bedingt, dass in ihr die Gesetze des Tausches von gleichen Arbeitswerten
[248]
[S. 131] sich mit zwingender Notwendigkeit durchsetzen müssen, solange den Einzelindividuen nicht die physische Lebensmöglichkeit geraubt ist. Die Nationen sind hier nur Zwischenstaaten, unter denen der reale Tausch die einzige Güterbewegungsform bildet. Die Differenzierung zwischen wirklich geleisteter Arbeitsmenge und erkanntem Arbeitswert besteht innerhalb der Staatsgrenzen und ist durch gesellschaftliche Kategorien bedingt. Im System der ganzen Welt aber herrscht das Gesetz des Tausches in der Ureigenschaft gleicher, objektiver Werte.
[249]
Wir fragen nichts mehr nach Währungsform und Währungsmetall. Wir erkennen die Bedeutungslosigkeit all dieser Fragen und sehen nur noch auf das Gedankliche und auf das Güterwirtschaftliche. Alle Geldpolitik scheint so in eine Frage der Technik einzumünden. Mit der Technik verbinden wir nur irrtümlich den Geist, der über dem Geld als Stoff steht und der die Wirtschaft zu laufen und zu kreisen antreibt, das ist allein die menschliche Arbeitskraft.
V. Die stabile und unstabile Währung; Das Wesen der Inflation.
[251]
Jede Wirtschaft muss ihrem wahren Wesen nach eigentlich eine stabile sein, denn Wirtschaften als Zeitwort heisst für das Einzelindividuum Einkommen und Verbrauch in Gleichklang bringen. Das will bedeuten in der Periode der Naturalwirtschaft die Erzeugung der für das Leben des Einzelnen oder der Familie notwendigen Bedarfsgüter, und auf weiterer Stufe kommt hinzu noch ein gelegentlicher Tausch darüber hinaus. Wo Erzeugung und Verbrauch von so kleinem Kreise, möglicherweise gar von der Arbeit und dem Konsum ein und derselben Person getätigt wird, wo Ort der Erzeugung und der des Verbrauchs Zusammenfallen, da erscheint uns das Wirtschaften, wenn wir von der Art und Weise der Bedarfsbefriedigung absehen, nur als der Ablauf eines sich immerfort wiederholenden Naturgesetzes. Eine unstabile Währung kann nicht existieren, wo nur ein Verzehren des selbst Erarbeiteten stattfindet und anderes ist uns dort nicht erreichbar. Mit der modernen Entwicklung, ganz besonders der der Arbeitsteilung, müssen wir unsere Produkte nunmehr auf den Markt bringen, der an den Einzelpreisen die letzten Korrekturen trifft und der uns die Güter anbietet, gleichdimensionale Dinge, unter denen wir nach freier Wahl unsere Bedürfnisse decken können. Der Marktmechanismus schuf das Geld im Charakter des Tauschgutes als auch späterhin in dem des Tauschmittels.
[252]
[S. 133] Die beiden ewig kreisenden Pole der Wirtschaft, Erzeugung und Verbauch, sind nun weit auseinander gerissen und doch sollen, wie im allerprimitivsten Verhältnis beide in Parallelität gebracht werden, sollen durch das Dazwischentreten des Marktes, des Konkurrenzkampfes, durch die immer grösseren Ausmaasse der Gemeinschaften, durch die ganze Art der Einkommenschichtung und -verteilung in Form von in Geld ausgedrückten Nominaleinkommen, die Harmonie der gerechten Güteraufteilung auf Grund des geleisteten Beitrages nicht gestört werden.
[253]
Im Verhältnis nach aussen tritt jedes wirtschaftliche Gebilde, das in sich und im Zusammenwirken aller den Weg von Erzeugung zu Verbrauch durchmisst, anderen gleich inhaltlichen Formen als eine selbständige, den Werten nach sich selbst genügende und gleichwertige Grösse entgegen. Damit ist nicht ausgedrückt, dass innerhalb der Gemeinschaft der gerechte Güteraustausch und Einkommensbezug auf Grund des wirklich realen Inhalts jeder Leistung garantiert wäre. In einer irgendwie verbundenen Gruppe kann das Sozialprodukt bei Verausgabung aller Einkommen wohl restlos aufgezehrt sein und die Wirtschaft als Einheit genommen erscheint gesund und ausbilanziert; trotzdem kann damit in der Art der Verteilung jeweils ungleiches zu gleichem werden. Denken wir beispielsweise an einen selbständigen Haushalt mit Sklavenarbeit. Deren Wahren Equivalent wäre meist die ganze Erzeugung; statt dessen erhalten die Sklaven das physische Existenzminimum und der Rest ist arbeitsloses Herreneinkommen. Wer aber wird
[254]
[S. 134] sagen, dieser Haushalt sei nicht im Gleichgewicht? Nehmen wir den Mehrwert der kapitalistischen Wirtschaft, der einer Klasse an ihrem wahren Einkommen abgezogen wird und der anderen als "Kapitalprofit" zuzuwachsen; Wir denken noch an Monopolgewinne, wo sie auftreten und dennoch – das Gleichgewicht der Wirtschaft als ganzes braucht dadurch nicht gestört zu werden. Wir können endlich wieder die ganze Welt als e i n e Wirtschaft ansehen, in der die Nationen die Rolle der Einzelindividuen spielen. Bilanziert dieses Weltwirtschaftsgebilde nicht auch in dem Sinne, dass es sich selbst genügt und mit seinen Mitteln haushält und sind nicht auch hier die einzelnen Mitglieder, die abhängigen Kolonialländer wie dort durch gesellschaftliche, hier durch machtpolitische Momente im wahren Einkommen auf Grund ihrer wirklichen realen Leistung oftmals und möglicher Weise gekürzt, um dem Mutterlande Kolonialgewinne zu ermöglichen.
[255]
Alle die erwähnten Fälle aber sind solche, wo es sich um eine Verteilungsfrage handelt, immer aber eine Verteilungsfrage innerhalb der gegebenen wirtschaftlichen Möglichkeiten nur auf Grund des vorhandenen Vorrats, und da spielt der Grad, in dem gesellschaftliche oder machtpolitische, vielleicht in langer historischer, immer aber in organischer Entwicklung entstandende und in dem Wesen des modernen Einkommensbezugs in Geldform wie in der Struktur der Wirtschaft liegenden Momente die Reinheit der Oekonomik zu trüben vermögen, keine Rolle. Ganz besonders ist die Schichtung der Einkommen auf Grund ihrer Entlohnung in sich genau
[256]
[S. 135] ausgeschwungen, ist der Eigenart und Besonderheit des Landes angepasst und somit als nichts Willkürliches anzusehn. Ein einheitliches Geldwesen ist der sichtbare Ausdruck des engen Verkettetseins vieler, zu einander sich gegenseitig ergänzenden und bedingenden Wirtschaft und zeigt uns klar die Grenzen dieser Wirtschaftseinheit auf. Die Länder, die Währungen unter sich, kennen keine solidarische Haftung und müssen darum in sich selbst die Lebensmöglichkeit zu finden wissen. Ist nun das Resultat unserer Untersuchung nicht dies, dass jedes selbständige Land mit eigener Währung als der Beweis der wirtschaftliche Einheit im Verhältnis nach aussen immer stabil sein muss? D.h. hier, es muss sich selbst genügen können und die Güterwerte für seinen Konsum selbst sich erarbeiten.
[257]
Die Valuta ist die Schutzmauer der Einzelländer vor Uebergriffen der anderen. Eine wirtschaftliche Krise muss innerhalb der Währungsgrenze zum Austrage kommen und kann nach aussen nur mittelbar über den Weltmarkt, wie durch Absatzkrisen und dergl. auch für andere Nationen fühlbar werden. Durch die Valuta werden die Störungen in einem Lande auf ihren Wert begrenzt, aber gerade aus diesem Grunde muss sie den anderen gegenüber schwankend sein. Der Stand der Valuta sagt uns darum auch nichts über die Güte einer solchen, denn der Wechselkurs ist ja nur der Umrechnungskohefizient zwischen verschiedenen gewählten Wertmessgrössen;. Das Schwanken der Valuta sagt uns auch nichts näheres über die Art der Störung, die wir im inneren Wirtschaftsleben aufdecken müssen und nicht dort, wo sie wohl sinnfällig, aber erst in sekundärer Folge
[258]
[S. 136] in die Erscheinung tritt. Zu jeder Zeit, wir mögen gesunde oder gestörte Wirtschaftsverhältnisse zu Grunde legen, müssen wir unseren Konsum mit gleichen Werten bezahlt machen. Der normale Fall ist wohl der, dass wir die Menge selbst erzeugen und dann aus diesem Vorrat heraus den Austausch der überschüssigen Produkte gegen solche anderer Länder bewerkstelligen. Gerät aber der zum Tausch benötigte Ueberschuss unserer Produkte in Wegfall, und können oder wollen wir trotzdem auf die Einfuhr nicht verzichten, so bleibt uns dadurch die Zahlung an das Ausland doch nicht erspart. Wo wir keine Konsumgüter als Exportgrössen zur Verfügung haben, da müssen wir Geld und als dieses doch wieder Konsumgüter oder auch, wenn diese nicht zu erlangen oder durch Ausfuhrverbote gesperrt sind, die Verfügung und Nutzniessung über Kapitalwerte, d.h. in zurückliegenden Perioden ersparte und hergestellte "Beschaffungsgüter" aus unserem Nationalvermögen abtreten. Wir können also auch bis zu einem gewissen Grade von vorgetaner Arbeit zehren und können unsere Gläubiger an unseren Einkommen partizipieren lassen. Auf kurze Sicht gesehen, ist es uns wohl möglich mehr zu verzehren, als wir erzeugen, aber das Ausland wird uns nicht aus Menschenfreundlichkeit Geschenke darbringen. Für den Wert unsere Einfuhr, einer Additionsgrösse aus den statischen Preisen der Konsumgüter, geben wir, soweit unser Export reicht, Gleichnamiges hin. Den fehlenden Wert darüber hinaus, den wir mit Kapitalgütern zu decken haben, berechnen wir nicht nach dem statischen Preis der Produktivmittel, sondern nach dem durch
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[S. 137] Kapitalisierung zu erlangenden, privatwirtschaftlichen Preis. Das scheinbare plus aber, das wir hier erringen, insofern wir geringere Mengen verkörperter Arbeit hingeben, um zur Bilanz zu kommen, wird wett gemacht eben durch den damit verbundenen dauernden Einkommensverlust unserer Wirtschaft. Wir sehen also, dass das, was wir unter unstabiler Währung verstehen, wohl nach aussen sichtbar wird, aber nicht nach aussen wirken kann. Wir sehen auch, dass wir die Umlagerung der wirklichen Einkommen auf Grund des Bestehens von Klassen- oder Personalmonopol nicht als das Kriterium jener unstabilen Währung deuten können. Was also ist Ursache und Wirkung der unstabilen Währung, welche Regeln müssen wir befolgen, um die stabile Währung uns zu erhalten? Wir werden sehen, dass diese Betrachtung nicht aus dem Rahmen unserer Untersuchung fällt, und ebenso werden sich neue Gesichtspunkte für die Erklärung der Inflation ergeben.
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Wir müssen zu diesem Behufe zurückgehen zu dem Zeitpunkte, da wir 1914 die Bahnen der Goldwährung verliessen, nicht um damit bewusst aus der Weltwirtschaft auszuscheiden. Aber an Wirtschaft und Finanzen wurden Forderungen gestellt dergestalt, dass wir nicht hoffen konnten, Preise und Goldrelation unberührt zu belassen. Da zeugte es wohl von richtiger theoretischer Erkenntnis, den Schnitt von den übrigen Goldwährungsländern aus freiem Willen und Entschluss zu machen, denn ein unbedingtes Haltenwollen des Münzparis hätte uns nur unseres Goldes beraubt und wir hätten doch nicht gegen die Naturnotwendigkeit der Loslösung
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[S. 138] ankämpfen können. Unter der Herrschaft der Goldwährung war die ganze Volkswirtschaft zu intensiver Arbeitsleistung gezwungen aus eigenem Streben heraus und gezwungen durch die gleich handelnden Nachbarländer. Die Zahl der Beamten, der Angestellten, der freien Berufe, der Rentner, Berufe, die scheinbar alle frei erwählbar sind, wurden in Menge im Verhältnis doch diktiert von der Zahl der gütererstellenden Arbeiter und von der Intensität ihrer Arbeitsleistung. Wir müssen die Berufsgliederung und die Einkommensschichtung, die Art der Gütererzeugung ( wie z.B. die Menge der Konsum- und die der Gütererzeugung ) als etwas in jedem Lande durchaus spezifisches in langer Entwicklung entstandenes Verhältnis auffassen, dann können wir Wirkung der Kriegsumlagerung ermessen. Millionen von Produzenten ersten Grades wurden mit einem Schlage ausschliessliche Konsumenten und nicht nur solche von Genussgütern, darüber hinaus auch Konsumenten von Heeresbedarf wie Munition, Uniform usw. Es konnten darum die in der Produktion verbliebenen Kräfte nicht durchwegs in den Dienst der Konsumgütererzeugung gestellt werden; vielmehr mussten Werkanlagen zum Teil in kostspieliger Umstallung dem Heeresbedarfe nutzbar gemacht werden. Dazu kam als weiteres, dass wir vom Auslande fast völlig abgeschnitten waren und also doch die rein physisch notwendigen Güter in unserem Lande gewinnen mussten. Die Kriegsindustrie musste finanziert, das Millionenheer musste entlohnt werden, und zwar traten alle diese neuen Anforderungen an den Staat mit zwingender Gewalt heran und forderten dringend
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[S. 139] raschen Entschluss. Wir wissen es, dass der Staat aus eigener Kraft keine Mittel schaffen kann, dass er die Posten für seine Ausgaben auf dem Wege über Steuern, Zölle, Einnahmen aus Verwaltung, Bahn und Post usw. zu gewinnen suchen muss, die Ausgaben des Staates sind also Unkostenfaktoren in der Produktion und Opfer für jeden Beruf; in jedem Falle aber Abtretung eines Anspruches auf den Gütervorrat der Nation. Im Kreislauf der Wirtschaft wurde dargetan, wie alle Einkommen in Geld oder geldgleicher Form aus der Genussgüterproduktion hervorgehen, wie sie Bestandteile des Preises jener Produkte sind und wiederum die Gesamteinkommen als Masse in der Gütermasse aufgehen, diese im Konsum aufheben müssen. Das sagt soviel, dass das Nominaleinkommen gleich ist dem Realeinkommen, ausgedrückt in der Preissumme. Jedes in der Vorkriegswirtschaft und in jeder stabilen Wirtschaft in Erscheinung getretene Einkommen und jeder Teil eines solchen hatte seine volle Deckung und Gegenüber im Gütervorrat des Landes, jeder Markbetrag, der zur letzten Konsumtion ( Beschaffung zum Zwecke der Weiterveräusserung blieb wirtschaftlich irrelevant ) auf dem Markte kaufkräftig wurde, hatte die wirtschaftliche Berechtigung dazu, ja die Güter warteten geradezu auf sein Kommen und auf ihre Abnahme. Die im Gelde verkörperte oder die im kaufkräftigen Einkommen, auch wenn es abstrakter Natur wie das Girokonto ist, ruhende Werteinheit bedeutet somit auch etwas durchaus reales, nämlich die Arbeitsleistung angewandt auf ein Naturgut, die es zum Entstehen hat bringen lassen und dann alle die gleichwertigen Güter
die dafür erhältlich sind. Wir sagten ja schon, dass die Einkommen mit einander wohl in Beziehung stünden; wenn wir unser Einkommen in Gütern anlegen, so mag uns im Vergleich dieser dafür erlangten Menge mit unserer Leistung und im weiteren Vergleich mit der Konsummöglichkeit anderer Berufe die Verhältnismässigkeit der Einkommen unter einander wohl deutlich werden. Wenn Abweichungen in der Bewertung der Einkommen von der wirklichen Leistung gegeben sind, dann liegen sie an der Quelle, wo das Einkommen bezogen wird, und es ist dann gewissenmaassen eine bewusste Tarifierung, es ist das Ergebnis der von gesellschaftlichen Momenten beeinflussten Wirtschaftsordnung. Wenn wir aber die bezogenen Einkommen ihrer Höhe nach aufteilen in Gütermengen mal Preis, so erhalten wir die Zahl eins; d.h. soviel, als dass jedes Einkommen eine reale Parallele im Gütervorrat besitzt und jeder, wenn auch nicht das Equivalent seiner Leistung, sicher aber doch das Equivalent seines Einkommens auf dem Markte erreichen kann. In der stabilen Währung muss der ökonomische Inhalt der Werteinheit gleich sein, bezogen auf den Arbeitswert jedes einzelnen Gutes, gemessen auch am Arbeitsaufwand jeder einzelnen Tätigkeit, muss ferner gleich sein dem Extrakt aus der ganzen Wirtschaft in der Form \( {Realeinkommen \over Nominaleinkommen} \) und bei reiner Goldwährung endlich gleich dem Arbeitswerte, der der Einheit zu Grunde liegenden Goldmenge. Wo wir auch das Maass anlegen, wir müssen immer die gleiche Grösse finden.
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Wir wurden veranlasst zu dieser abweichenden Betrachtung,
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[S. 141] als wir die Steuerpolitik des Staates unter geregelten wirtschaftlichen Verhältnissen ins Auge fassten und die Bindungen nun bis zur letzten Konsequenz verfolgten. Nun haben wir die Kriegsfinanzierung im Auge und sind dabei auf dem Wege, dem Wesen der unstabilen Währung näher zu kommen. Der Staat schuf Kaufkräfte, ohne die vorhandenen seiner Bürger vorhergehend zu schwächen. Das ist der grosse Unterschied der vom Staate ausgegebenen diskontierten Schatzwechsel von dem Kaufmannswechsel, dass der Präsentant des letzteren mit dem Schein eine Quittung über eine Leistung, und zwar eine von der Wirtschaft akzeptierte Leistung in Händen hält, während der Staat mit seinem Wechsel nicht Banknoten, sondern aus dem Nichts geschaffenes Papiergeld, aber das mit gleicher Wirkung in Verkehr bringt. Damit fand er eine neue Form der Steuererhebung, denn auch dadurch mussten die Anteile der einzelnen geschmälert werden. Es ist in der Wirkung gleichgültig, ob ich freiwillig einem bestimmten Konsum entsage oder ob andere neben mir nicht durch Vorleistung legitimierte Einkommen genau so wie die rechtmässigen zu kaufen vermögen; nur die Methode ist brutaler, da sie die einzelnen ohne Unterschied besteuert und eben darum nicht jedermann im gleichen Maasse trifft. Vom Standpunkt des Staates allerdings betrachtet, erweist sich diese Form als die denkbar einfachste, denn er ist durch das ad hoc geschaffene Geld auch schon im Besitze der Steuer. Er muss sie nicht eintreiben, sondern wir müssen sie über uns ergehen lassen. Es sei gesagt, dass wir hier
kritiklos diese Entwicklung nur schildern wollen. Während wir in der stabilen Wirtschaft ein gleichzeitiges und gleichnamiges Verlängern sowohl der Einkommens als auch der Gütergrösse erkennen, sodass wir, wenn wir den Preis als eine Indexzahl nehmen, sagen können: Preis ist gleich \( {Realeinkommen \over Nominaleinkommen} \) also \( {100 \over 10}{20 \over 2}{30 \over 3}{50 \over 5}\) und so immer die Preishöhe in gleicher Lage ruhen bleibt erleben wir nun eine sich in entgegengesetzter Richtung verändernde Reihe. Da Einkommen nur in Konsumgütern Verwendung finden, dürfen wir die ungeheuren realen Arbeitswerte der Kriegsindustrie nicht mit in Ansatz bringen und unsere Gleichung schreitet mit zunehmender Entwicklung etwa so fort: Preis ist gleich \( {100 \over -10}{ \over -}{20 \over 2}{ \over -}{30 \over 1}{ \over -}{50 \over 1}{100 \over ....}{1000 \over ....}\) Das ist nicht so aufzufassen, als ob nun keinerlei Konsumgüter mehr erzeugt worden wären und diese schliesslich bis auf 0 anlangten; es soll damit vielmehr nur ausgedrückt sein, dass die Nominaleinkommen stetig anschwollen, während die Gütermenge ständig die Tendenz zur Verringerung aufwies. Periodisch gesehen, war es vielleicht folgendermassen: \( {100 \over 10}\) dann \({200 \over 9}\) dann \({300 \over 9}\) dann \({300 \over 8}\) usf. mit immerwährender Vergrösserung des Zählers. Wir wollen ja aus diesen schematischen Darstellungen weiter nichts gewinnen als eine Erklärung für die Preissteigerung, die nicht, wie von metallistischer Seite wir hören können, auf dem Misstrauen zum Papiergelde beruht und gar auf dem Wege über die schlechtere Valutabewertung des Auslandes eben infolge des Misstrauens zu unserem Gelde zur Wirkung gelangte und was dergleichen sinnfällige Täuschungen der Kriegserscheinung mehr sind. Die Preissteigerung hat vielmehr einen
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[S. 143] ganz natürlichen Hintergrund und es bedarf keines Misstrauens, auch nicht des rein mechanisch quantitativen Einwirkens der Papiergeldmenge aus sich selbst heraus auf die Preise, um Erklärungen für die Erscheinung zu finden. Wir könnten analog unserer bisherigen Ausführungen folgendermaassen erklären: Die alten Preise waren der Ausdruck einer in den rechtmässigen Einkommen gegebenen Arbeitsleistung, nunmehr treten Einkommen ohne solche Arbeitsleistung hinzu, und der schliessliche Erfolg muss der sein, dass die Preise nominell steigen, denn die Werteinheiten, die güterheischend am Markte erscheinen, verkörpern nun in ihrer Mischung von rechtmässigem und unrechtmässigem Einkommen zusammengenommen auch als einzelne Einheit einen geringeren Arbeitswert und darum müssen mehr solche Einheiten für ein Gut gegeben werden, d.h. die Preise müssen steigen. Es werden dadurch wieder alle befriedigt, denn eine Unterscheidung der kaufkräftigen Werteinheiten nach der Berechtigung ihrer Entstehung ist nicht möglich als auch nicht statthaft. Weiterhin wesentlich ist noch der Umstand, dass die Preissteigerung nicht alle gleichmässig betrifft, sondern abgestuft je nach der Entfernung des Berufes vom Güterbesitz und der Güterproduktion, etwa in der Reihenfolge Erzeuger, Händler, Agenten, Makler, Arbeiter, Angestellte, Beamte und schliesslich Rentner, wobei im einzelnen vorübergehende Verschiebungen natürlich durchaus möglich sind. Im allgemeinen können wir sagen, dass eben die beweglichsten Einkommen sich wiederum am schnellsten den wechselnden Verhältnissen anpassen konnten. Jede Erhöhung des Unternehmergewinnes hat die
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[S. 144] Tendenz die Löhne zu erhöhen und das fort zu Angestellten und wieder weiter bis alle Berufsgruppen erhöhtes Nominaleinkommen bezogen haben. Es ist wie wenn durch einen Steinwurf die konzentrischen Ringe auf der Wasserfläche sich mehr und mehr erweitern. Mit einem Preise hängen alle Preise zusammen und ziehen sich gegenseitig gleich wie auch die Einkommen nach. Zwar herrschte auf der Angebotsseite immer wieder das Streben nach Preiserhöhung und Anpassung an den jeweiligen gerechtfertigten Stand, auf den der Ausgleich zwischen Einkommen und Gütern gegeben wäre, aber Inflationwelle auf Welle lässt den Ruhezustand nie eintreten. Bei einer einmaligen Verrückung und nachheriger automatischer Anpassung hätte die Werteinheit wohl wieder stabil sein können; – ein immerwährendes und sich immer wiederholendes Verändern bedingte den bekannten Zustand der dauernden Unstabilität. Allmählich lässt sich Ursache und Wirkung nicht mehr als primär und sekundär scheiden. In der immerwährenden Wechselwirkung zeigt sich die vergebliche Jagd nach dem eigenen Schaffen. Die beiden Pole der Wirtschaft, Einkommen und Preise, vordem durch die Goldwährung gebunden, sind nun völlig frei und streiten sich um die Priorität. Dass die Politik der Höchstpreise zusammenbrechen musste, ist uns selbstverständlich und das ganz besonders, wenn diese nur auf bestimmte Güterarten angewandt werden sollen. Die Erzeuger der Höchstpreisgüter erhalten ihr Einkommen ja in Preisen ihres Produktes abzüglich ihrer Unkosten. Da kann es praktisch vorkommen, dass die Unkosten über den Produktpreis zu stehen kommen; in jedem Falle
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[S. 145] aber muss sich das fragliche Einkommen auflehnen gegen die übrigen, die ringsherum sich frei entfalten. Es wird gleichartige Arbeit nach verschiedenem Maasse gewertet und gerade das Bestehen und Anwenden des gleichen Maasstabs derart, dass die Erzeuger gleicher Arbeitswerte gleiches Einkommen beziehen, das ist das Kriterium der gesunden Wirtschaft.
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Wenn wir nun, wie vordem bei der stabilen Wirtschaft die gedankliche Division des Nominaleinkomens in die Gesamtpreishöhe der Konsumgüter vornehmen, so ergibt sich nimmer die Zahl eins. Darüber oder darunter bietet sie den Anreiz zu Preis- oder Einkommenserhöhung. Jede Einkommenserhöhung ohne erhöhte Leistung ist als Versuch zu bewerten, Gütermengen, die einem bestimmten Stande zufliessen sollen, sich selbst anzueignen. Dieses Bestreben wurde zur dauernden Uebung ohne dass die teils sich dadurch selbst schädigenden Parteien die tatsächliche Wirkung gewahr wurden. Jede Kalkulation als Preis- und Einkommensgrundlage erfuhr im Laufe des Herstellungsprozesses so vielfache Verschiebungen, dass wir darin auch mit den verschiedensten Wertgrössen rechneten. Der so entstandene Preis war ein Mittelpreis einer gewissen Zeitspanne, ebenso die dafür erstatteten Einkommen. Gut und Einkommen gelangen nicht gleichzeitig auf den Markt, zudem stand es von papiernen Gesetzen abgesehen frei, die Güterpreise von der vorhergehenden nominellen Kalkulation zu lösen und darum finden auch die Grössen, die sich negieren sollen, sich als gleichnamig nicht vor.
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[S. 146] Die stabile Währung hat aufgehört in jedem Augenblick, wo das Gleichgewicht des ersten Güteraustausches gestört wurde und weiter fortwirkt. Da also, wo Werteinheiten, die auf der Einkommenseite wirksam wurden, auf der Güterseite kein Gegenüber hatten und durch damit bedingten, notwendigen Preissteigerungen anderen berechtigten Gläubigern der Wirtschaft ihre Ansprüche schmälerten. Hier wurde das in Preisen und Einkommen angewandte einheitliche Maass, für das die Werteinheit in Geldform nur das Bewegungsmittel war, weil es eben als Nominaleinkommen der Produktion auf dem Fusse folgte, ausser Kurs gesetzt. Die Werteinheit stand nur als Gedanke zwischen den Preisen und Einkommen und schien wert, weil sie hier und dort auf ein wirkliches reales Gut projeziert werden kann und sich hier und dort auf einen gleich dimensionalen Wert, auf eine Arbeitsleistung oder, was das gleiche ist, auf den verkörperten Arbeitswert stützen kann und zwar, was wesentlich ist, in jedem Falle und nach jeder Seite auf einen in der Grösse immer gleichen Wert. Durch neu geschaffenes Einkommen ist die Werteinheit entthront worden und ihren Wert können wir jetzt im immerwährend Auf und Ab der Gegenseite, im Wechsel von Angebot und Nachfrage uns nicht mehr verdeutlichen;– wir können ihn auf nichts mehr beziehen. Darum können wir auch nicht mehr am Gelde schätzen, können ihm Warencharakter nicht zuerkennen und ebenso auch nicht die Funktion des Wertmessers.
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Wenn wir unter Währung einen Masswert uns vorstellen, so können wir bei unstabiler Wirtschaft das Bestehen einer Währung
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[S. 147] überhaupt verneinen. Die Güter- und Dienstleistungen in der Wirtschaft wurden infolge des nie zur Ruhe Kommens dadurch auch immer nur in den verschiedensten Währungen ausgedrückt; d.h. der immer gleich genannten Werteinheit wurde stets ein anderer ökonomischer Inhalt imputiert. Die Mark von gestern war etwas grundsätzlich anderes wie die von heute und jeder dazwischen liegenden Stunde. Was unserer Währung fehlte, um als solche angesprochen zu werden, war das Fehlen des rekurrenten Anschlusses an die Währung von gestern zur Umrechnung auf die neue und auf die einheitliche Einheit. Bei einer aus freien Stücken gewählten Währungsänderung muss das Preisnivenau sich ebenfalls umstellen, aber diese Umrechnung erfolgt in einem Zuge, und es bestehen dann die gleichen Relationen auf anderer Grundlage doch genau wie vordem. Bei unserer immerwährenden, nie zur Ruhe gelangenden Umrechnung waren Deklassierung, Krisen und Klassenkämpfe die notwendigen Folgen. Wenn die Inflation sich darin erschöpft hätte wirtschaftlich ungerechtfertigte, nicht durch Vorleistung erworbene Kaufkraft erzeugt zu haben, so wäre diese Wirkung allein, wenn sie jedermann gleichmässig und unentrinnbar getroffen hätte, eine notwendige Erscheinung gewesen. Die schlimmste Wirkung aber brachte sie uns in der Verschiebung der Einkommen.
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Dass auch der Stand der Valuta in diesem Zusammenhange nichts wesentliches bedeutet, ist uns wohl klar geworden. Wir haben es hier mit einer durchaus innerwirtschaftlichen Erschei-
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[S. 148]nung zu tun und die Valuta lässt nur das Chaos der Wirtschaft in besonders grellem Lichte erscheinen. Ebenso wenig dürfen wir glauben, fehlende Werte vom Ausland gestellt zu erhalten. Die ganze Wirkung muss sich im Lande selbst kundtun. In erster Linie umgewälzt wurde alles, was mit einer Forderung oder Schuld in irgendeiner Form zusammen hing. Was das Einkommen anlangt, so sagten wir davon bei der stabilen Währung, dass wir mit ihm gleichzeitig im Besitze des Equivalents hiezu sind und eine Auswahl gleicher Werte auf dem Markte uns zur Verfügung steht. Bei der gestörten Wirtschaft ist das Einkommen schon einmal in der Spanne, in der es dem einzelnen zur Verfügung gelangt, nur mehr oder weniger dasjenige einer Währung niedrigeren und verschiedensten Wertes; nämlich eines solchen, der auf dem Gütermarkte bereits in der Vergangenheit in Anwendung gebracht wurde. Dagegen könnte es möglicherweise auch ein Einkommen sein mit einer Wertmaass-Zugrundelegung, die auf dem Gütermarkte erst späterhin Regel wird; – auf der einen Seite also ein Einkommen, das nicht annähernd das Equivalent der Arbeitsleistung und – das ist wesentlich – auch nicht das des Einkommens am Tage der Leistung und auch nicht an dem des Bezuges darstellt, auf der anderen Seite wieder ein solches, das sofort ausgegeben, den Käufer in den Besitz grösserer Gütermengen setzt, als er an Werten der Wirtschaft beigesteuert hat oder bei Vorauszahlung nach leisten wird. Die meisten wirtschaftlichen Fragen waren nicht mehr solche der Ueberlegung und die einer Kalkulation, sondern Machfragen der Berufsorganisationen.
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[S. 149] Betrachten wir auf der anderen Seite die Händler auf dem Markte. Befolgten sie wirklich die Gesetze der Behörden betreff Preisfixierung, dann gäben sie gegen die Werteinheiten in Geldform in ihren Waren kein Equivalent gleichen Wertes hin, sondern ein Vielfaches davon. Dieser wirkliche Verlust bedeutet wieder Gewinn für den Konsumenten. Ebenso stand es mit der Stundung von Schulden im Verkaufe auf Kredit. Je nach der den Verhältnissen Rechnung tragenden und sie erkennenden Einstellung konnten auch hier wiederum private Gewinne oder Verluste eine Folgeerscheinung der Inflation sein. Der Fabrikant konnte auf der einen Seite im Export Valutagewinne erzielen, die im Innenhandel möglicherweise vergrössert, möglicherweise aber auch vielleicht gar aufgezehrt werden konnten. Wir denken daran, dass andere Berufsarten, besonders die freien Berufe, wie Künstler, Schriftsteller usw. fast völlig einkommenslos wurden, dass die Höhe der Entlohnung nicht mehr das Equivalent der Qualität der Arbeit bedeutet, dass ungelernte Arbeit nahezu gleich gesetzt wurde mit individuellster, künstlerischer Handarbeit. Mit der Verschiebung der Einkommen ging auch die Verschiebung der Berufe Hand in Hand. Ganz neue Existenzen machten sich breit, ein Heer von Zwischenhändlern, Agenten und Kommissionären, die ihr Einkommen lediglich in der Ausnützung von Preisspannungen bezogen. Wir erlebten die Vergrösserung der Beamtenapparate die Schaffung bisher unbekannter Aemter; – es war im ganzen ein Abwandern von der unmittelbar produktiven Tätigkeit.
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Wir wissen von den Börsenspekulationen, der Möglichkeit
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[S. 150] der Geldbeschaffung auf den Wechsel hin, von Spekulationen à la hausse auf weite Sicht. Nicht vergessen wollen wir die mögliche Ausnutzung der verschiedenen Kurssetzungen auf den Weltmarktplätzen. Ueberlegen wir auch, dass das, was wir mehr verzehrten, als wir erzeugten, Gewinn bedeutet für die Konsumenten und Verlust sein muss für die Besitzer der Kapitalgüter, mit denen der Ausgleich hat bewerkstelligt werden müssen.
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Ueberall sehen wir, wie die Inflation alle Fesseln sprengte, wie sie die Einkommen revolutionieren liess, vor allem deshalb, weil sie in der Neuschaffung von solchen kein einheitliches Arbeitswertmaass mehr anwenden liess, weil sie die Bindung zwischen Einkommen und Preisen zerstörte. Was in langer Entwicklung gewachsen war, was das Fundament eines Staates, was die Struktur der Gesellschaft bedeutet, das wurde durcheinander geschüttelt und kann nur schwer zur Ruhelage kommen.
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Dass die ganze Entwicklung nur möglich war in einer so viel und weit verzweigten modernen arbeitsteiligen Wirtschaft wissen wir. Im Lande mit realem Austausch liegen Produktion und Verbrauch zu nahe beisammen und sind zu eng gebunden, als dass wir den Versuch machen könnten, Opfer von uns auf andere abzuwälzen und umgekehrt von anderer Leute Arbeit zu schmarotzen. Wir dürfen aber deswegen wohl kaum dem Gelde als einer Erscheinungsform der modernen Wirtschaft die Schuld an ihrem Chaos zuschreiben und auch nicht dem Papiergelde als der notwendigen und der einzig möglichen Form der wirtschaftlich ungesunden Entwicklung.
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[S. 151] Dass wir in der modernen Wirtschaft die Opfer, die wir notwendig bringen mussten, nicht gleich als solche für den einzelnen verspürten und nicht verspüren wollten, dass uns die Scheinmöglichkeit belassen wurde, sie auf andere abzuwälzen, ohne dass die Volkswirtschaft als ganzes Schaden nehme, dass liess den Kampf und die Verschiebung der Einkommen Folge werden. Wir erkennen also, nicht die Preissteigerung, auch nicht der Stand der Valuta ist das Entscheidende und Schädigende der Inflation und beides ist kein Gradmesser, sowohl nicht unseres Wohlergehens, als unseres Elends. Beides könnte die Wirtschaft wohl ertragen ohne nennenswerte Störung. Das tief greifende und schwer zu heilende Uebel der Inflation, das ist die Verschiebung der Einkommen, entstanden durch die verschiedenartige Bewertung der Leistung als der realen Güter und notwendig bedingt durch ständig neu geschaffene Einkommenswellen, die jegliches Ausgleichsbestreben von neuem überfluteten und jegliches Vergleichsmaass uns raubten. Das Vergleichsmaass Arbeit war im Nominaleinkommen nicht mehr heraus zu lesen, weil es die Beziehung zu den Preisen und den durch Arbeitsaufwand erzeugten Gütern verloren hatte.
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Das Charakteristikum der stabilen Währung ist Parallelität in der Entstehung und die Kongruenz der beiden Wirtschaftspole, Einkommen und Preise, aufgebaut auf Arbeitswertgrössen, in nur jeweils anderer Zusammenfügung; das restlose Aufgehen der Werte beim Gütertausch. Das Merkmal der unstabilen Währung bedeutet das Brechen dieser Grundsätze und damit das Zerstören des doppelt gebundenen Maasses der Arbeit. Der Boden, auf dem die unstabile
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[S. 152] Währung Raum hat, ist die wirtschaftliche Not; die Inflation war gewissermassen nur ein mit Notwendigkeit ausbrechendes Mittel, sie uns fühlbar werden zu lassen, und sie hatte im Gefolge die wirtschaftliche und gesellschaftliche Schädigung, wie wir sie bei unserer Betrachtung kennen lernten.
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Haben wir mit diesem letzten Abschnitt anscheinend den Boden der Theorie verlassen und unser Augenmerk auf eine tatsächliche und praktische Erscheinung gerichtet, so geschah es, um die Wahrheit der vorher entwickelten Sätze hier zu erhärten. Wir stellten diese Betrachtung an den Schluss, weil wir sie für den Aufbau unserer Gedanken nicht benötigten, weil wir nicht rückwärts von den Tatsachen ableiten, sondern diese auf eine theoretische Meinung projezieren.
VI. Schlussbetrachtung.
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Rückblicken wir noch einmal den ganzen Weg unserer Untersuchung und vergegenwärtigen wir uns die gewonnenen Resultate all der detaillierten Betrachtungen, so gelangen wir aus all dem zu der Erkenntnis, dass, solange wir Geldpolitik im Auge haben und nur die oder jene Währungsreform, wir kaum über eine historische Beschreibung hinaus kommen werden. Wenn wir streiten über Metallismus oder Nominalismus, so wollen wir doch nicht vergessen, dass diese Namen eben nur Währungs f o r m e n sein sollen, und wir wissen nicht einmal, in welch' hohem Maasse sie durch die äusseren Bedingtheiten der Wirtschaftsordnung der Gesellschaft der Technik und der Entwicklung jeweils bedingt sind. Ist es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass irgendeine kommende Zeit unser heutiges Geld mit den gleichen Augen betrachtet, wie wir heute dasjenige alter, primitiver Völker, die Muscheln, Salz, Felle oder dergl. als solches verwandten? Müssen wir nicht, wenn wir den Naturaltausch, wenn wir das allein herrschende, vollwertige Metallgeld, wenn wir das reine Papiergeld untersuchen, müssen wir da nicht uns in die Zeit heinein stellen, aus der wir die zu betrachtende Geldform entnehmen und sollten wir da nicht erkennen, dass hier eine dauernde Fortentwicklung notwendig dauernd neue Formen des Geldes schaffen muss? Können wir unsere heutige Wirtschaft und ihren Kreislauf
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[S. 154] begreifen wollen, ohne eine lange vorhergehende [ergänzt: unleserlich ....] Entwicklung? Und wenn wir diese zu ihrem Begriffe für [ergänzt: unleserlich ....] ansehen, müssen wir dann sie nicht auch dem Gelde zugestehen? Das ist ja wohl ohne weiteres deutlich, dass das Geld die Wirtschaft in jeder Entwicklung, sie sei wie immer sie will, begleitet als ihr treuester Diener, aber nicht als ihr Herr. Das ist wohl das Wesentliche, was heute die Lehrmeinungen scheidet, dass die einen glauben, was ehedem einmal wirksam war, das müssen wir auch heute anerkennen und muss uns unverändert Regel sein; – das sind die strengen Metallisten, die einen Stoffwert des Geldes verlangen. Ihnen gegenüber die anderen, die da sagen: Was in der Historie zurücklag, ist in unsere Wirtschaft übergegangen, die ja alle diese Phasen durchmaass, und wie ihre Entwicklung, so auch mit ihr die des Geldes. Wenn, um vom Einzelindividuum zur Gemeinschaft, um vom Einzeltausch, vom Zufälligen zur Wirtschaft und zum Marktmässigen zu gelangen, ehedem ein reales Gut nötig war, so ist, das zu beschreiben, Angelegenheit der Entwicklungsgeschichte und es ist dadurch noch keineswegs bewiesen, dass wir auch heute noch im Gelde eines solchen realen Gutes bedürfen. Alle weiteren Ausführungen sind uns ja bekannt.
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Wenn wir die heutige Wirtschaft zu Grunde legen und wenn unsere Betrachtung dabei überhaupt Sinn haben soll, dann müssen wir sie über das chartale Geld hinaus ausdehnen, denn dieses ist nur Bestandteil eines übergeordneten Sammelbegriffs, das kaufkräftigen und – berechtigten Einkommens oder wir müssen unter Geld
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[S. 155] schlechthin als Technik verstehen, die dessen Bestandteile mobil macht. Das ganze Problem ist doch in jeder Wirtschaft, – das ist unverrückbar – roh ausgedrückt dieses: die von einer Gruppe erzeugten Güter nach irgendeinem Schlüssel wieder unter sie zu verteilen; in unserem Falle, die in arbeitsteiliger Produktion erstellten Waren gemäss den Prinzipien der kapitalistischen Wirtschaft als ganzes unter die Einzelglieder aufzuteilen. Das Geld ist das Instrument der Distribution. Wo eine Verteilung notwendig wird, gleich in welcher Wirtschaftsordnung das wäre, da muss Geld in diesem Sinne, und wäre es nur ein blosses Abrechnungsverfahren in Funktion treten. Erscheint es nicht sinnlos, über den Stoff des Geldes zu streiten da, wo es in dem, dem Sprachgebrauch nach angewandten Sinne des chartalen Geldes nur eine Untergruppe des wirklich wirksamen, weit reichenden gedanklichen "Geldes" bedeutet? Und doch, auch wenn wir dieses grosse "Geld" in eine einzige Bewegungsform zusammenfassen könnten, auch dann wäre wohl der Stoff nicht von so weittragender Bedeutung. Im Gelde aber lebt die Idee der Werteinheit, es lautet auf solche und da ist nun wieder die Frage: Wenn schon der Stoff des Geldes nicht entscheidend und unterscheidend sein soll, wie aber soll denn die Werteinheit definiert werden; welches ist ihr Wert und mit ihr der des auf ihre Einheiten gestellten Geldes? Wenn die verschiedensten Währungen nebeneinander bestehen können, – hier haben wir reinen Metallismus und ausschliessliches Stoffgeld, dort huldigen wir dem Nominalismus und kennen nur Papier – wenn diese
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[S. 156] beide in sich durchaus stabil sind und stets das gleiche Verhältnis ( gleiche Wechselkurse ) zu einander aufweisen; ja wir könnten sogar ihre Wirtschaft als kongruent hinstellen, soll da wirklich in jedem einzelnen Falle die Werteinheit etwas grundsätzlich verschiedenes darstellen und, wenn das der Fall wäre, könnte dann die Werteinheit überhaupt noch etwas wesentliches bedeuten?
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Es lautet nicht nur das Geld auf Werteinheiten, sondern das ist Merkmal aller Dinge um uns, und nichts ist, was nicht in solchen ausdrückbar und durch sie vergleichbar wäre. Fügen wir dazu noch, was wir als Aufgabe des Geldes erkannt haben, die Güterdistribution durchzuführen, so kann uns nichts mehr den wahren Inhalt der Werteinheit verschleiern. Die Grundlage jeder Wirtschaft und jeder Konsummöglichkeit ist die vorher getätigte Arbeit; sie allein kann uns den toten Stoff der Natur in bedürfnisbefriedigende Güter umwandeln. All diess insgesamt, die Art der Produktion ist nebensächlich, sofern nur ein Zusammenarbeiten stattfand, unter die Erzeuger aufzuteilen, das ist Sache des Geldes. Die Güter unter sich, das geht daraus hervor, sind nur Verkörperung eines gewissen Arbeitsaufwandes und nur diese Menge allein bildet gegenseitiges Unterscheidungsmerkmal. Sollen wir uns täuschen lassen dadurch, dass die Güter Preise haben, die uns nicht ohne weiteres den Zusammenhang mit menschlicher Arbeit auch gleich äusserlich erkennen lassen? Ist nicht das, was wir eben sagten, so primär, so unumstösslich fest, dass wir die Preise, die nur durch Zahl unterschiedenen Einheiten, dann eben auch nur als Ausdrücke einer gewissen Arbeits-
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[S. 157]menge begreifen müssen? Kann uns in diesem Falle eine historische Tatsache, wie es der Preise und die in ihm wirksame Werteinheit ist, dazu verführen, das Ursprünglichste nimmer zu erkennen. Wir bekümmern uns jetzt nicht darum, wie diese Einheit entstanden ist, welche Grösse sie verkörpert; wir begreifen nur, dass, wenn Güter auf solche Einheiten lauten und wenn die Zahl dieser Einheiten das Unterscheidungsmerkmal jener untereinander bedeuten, dann muss jede solche Einheit wenigstens gedanklich eine bestimmte Menge Arbeit vorstellen. Um weiter, wenn wir den Stoff unserer angewandten Arbeit nimmer in Händen, vielmehr ihn hingegeben haben für eine gesellschaftlich garantierte Bescheinigung, für die wir dann wieder das gleiche Gut oder andere solche gleicher vergegenständlichter Arbeit erlangen können; ist es nicht selbstverständlich, dass die Bescheinigung gleichnamig sein muss mit den Gütern, muss sie nicht auf solche Einheiten lauten, in ihnen eben jene gleiche Menge Arbeit versinnbildlichen? Das letztere ist eine abgeleitete Erscheinung und logische Folge der unumstösslichen ewig bestehenden Tatsache, dass die Arbeit allein das Maass des Wertes bedeutet. Eine Geldpolitik, dem gegenüber eine moderne Erscheinung, sie mag im Laufe der Zeiten und der Entwicklung sich wandeln noch weiter, als unsere Phantasie sich träumen lässt; nimmermehr wird sie, solange es ihrer Aufgabe obliegt, Güter zur Verteilung bringen, diese nach einem anderen Modus in Bewegung setzen und sie anders differenzieren können als nach dem Maasse der in ihnen vergegenständlichten Arbeit.
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[S. 158] Wenn wir nicht die Arbeits m e n g e als Einheit der Güter, der Einkommen und damit auch des Geldes in Anwendung brachten, sondern diese Menge noch verknüpften mit dem W e r t e der Arbeit, so bedeutet das nur einen Korrekturposten, den einzusetzen uns die kapitalistische Wirtschaft zwingt, beruhend auf der Verschiebung der Einkommensarten untereinander. Die Güter selbst werden sich in ihrem wirklichen Arbeitswerte nicht zu sehr und nur selten entfernen können, die Nominaleinkommen dagegen, die in der reinen Oekonomie auch im einzelnen die genauen Gegengrössen zum einzelnen Arbeitsaufwand darstellen, sind in der kapitalistischen Wirtschaft auf Grund eines gesellschaftlichen Monopols zu Gunsten der Kapitalbesitzer verkürzt. Darum erkannten wir auch in der Definition auf Arbeits w e r t menge und verstehen dabei unter Wert eigentlich nur die falsche Wertung einer gewissen Wirtschaftsordnung. Es bedeutet einen Schönheitsfehler dieser Aera, der mit Ueberwindung derselben wenigstens in diese Form in Wegfall geraten würde. Alles Streben drängt zur reinen Oekonomie.
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Betrachten wir nun noch zuletzt die intervalutaren Verhältnisse und was sie uns zu sagen wissen. Namen sind Schall und Rauch; auch andere Namen von Werteinheiten geben uns doch keine neuen Inhalte. Auch hier wie überall walten diese besagten gleichen Gesetze und auch von Land zu Land ist keine andere Bewegung der Güter möglich, kein anderes Vergleichsmaass gegeben, als die menschliche Arbeit. Was innerhalb der Staatsgrenzen die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung erreicht, die Störung des reinen
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[S. 159] Tausches, dass muss im Verhältnis der Länder zu einander ihre Macht besorgen. Handelsverträge, einseitige? Meistbegünstigungs-? klauseln, Ausfuhrabgaben usw., das alles sind als ?dahin zielende? Versuche zu bewerten. Der Idealzustand freilich ist auch hier der der politischen und wirtschaftlichen Freiheit der Länder wie im nationalen Verband der der wirklichen Freiheit und Unabhängigkeit des Einzelindividuums. Wenn das Tatsache ist, wenn die Tausche inner- und ausserwirtschaftlich in Reinheit sich vollziehen können, dann können wir die alles umspannende, die Einzelund die Weltwirtschaft verbindende Einheit einfach als eine Arbeitsmenge schlechthin definieren; als e i n e, sagen wir, denn wir rechnen tatsächlich innerhalb der ganzen Welt mit einer durch die Valuten verbundenen und auf den gleichen Nenner, auf die gleiche Grösse gesetzten Einheit, mit dem Maass der von jeder Nationalität unabhängigen menschlichen Arbeit.
[296]
[Quellen] Q u e l l e n a n g a b e :
[297]
Friedrich B e n d i x e n :
"Währungspolitik und Geldtheorie im Lichte des Weltkriegs" [ergänzt [1]]
"Geld und Kapital" [ergänzt [2]]
"Das Wesen des Geldes" [ergänzt [3]]
[298]
Dr. A. H a h n :
"Volkswirtschaftliche Theorie des Bankkredits" [ergänzt [4]]
[299]
Dr. Otto H e y n :
"Zur Valutafrage" [ergänzt [5]]
[300]
Dr. Friedrich K n a p p :
"Staatliche Theorie des Geldes" [ergänzt [6]]
[301]
Franz Oppenheimer :
"System der Soziologie" [ergänzt [7]]
"Wert und Kapitalprofit" [ergänzt [8]]
[302]
David R i c a r d o :
"Grundsätze der Volkswirtschaft und Besteuerung" [ergänzt [9]]
[303]
Friedrich S c h m i d t :
"Der nationale Zahlungsverkehr" [ergänzt [10]]
"Der interationale Zahlungsverkehr" [ergänzt [11]]
[304]
Joseph S c h u m p e t e r :
"Sozialprodukt und die Rechenpfenninge" [ergänzt [12]]
[305]
Adam S m i t h :
"Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Volkswohlstandes" [ergänzt [13]]
Fußnoten:
- [1]
- online verfügbar unter https://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV014229201
- [2]
- online verfügbar unter https://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV006452623
- [3]
- online verfügbar unter https://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV008466335
- [4]
- online bestellbar unter: https://d-nb.info/362494967
- [5]
- online bestellbar unter https://d-nb.info/57325883X
- [6]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/staatlichetheori00knap_0/page/n1/mode/2up
- [7]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.90195/mode/2up
- [8]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/wertundkapitalpr00oppe
- [9]
- online bestellbar unter https://d-nb.info/1208715291/34
- [10]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/derzahlungsverk00schmgoog
- [11]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/derzahlungsverke02schm/mode/2up
- [12]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/archiv-fur-sozialwissenschaft-und-sozialpolitik-44/page/626/mode/2up
- [13]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/untersuchungbe1v2smit