1309 |
- 36 - |
1310 |
|
1311 |
Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen, |
1312 |
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku- |
1313 |
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus- |
1314 |
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss- |
1315 |
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ- |
1316 |
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei- |
1317 |
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge- |
1318 |
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet |
1319 |
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit- |
1320 |
läufen ausgleichen. |
1321 |
Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse |
1322 |
der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld- |
1323 |
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des |
1324 |
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung . |
1325 |
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit |
1326 |
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass |
1327 |
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer- |
1328 |
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen |
1329 |
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie |
1330 |
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch |
1331 |
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die |
1332 |
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir |
1333 |
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal- |
1334 |
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein- |
1335 |
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn |
1343 |
- 37 - |
1344 |
|
1345 |
äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung |
1346 |
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor- |
1347 |
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber |
1348 |
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von |
1349 |
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung |
1350 |
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus- |
1351 |
kalkulierten Preis. |
1352 |
Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des |
1353 |
Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt |
1354 |
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom |
1355 |
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben, |
1356 |
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir |
1357 |
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden- |
1358 |
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff- |
1359 |
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun, |
1360 |
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden |
1361 |
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden; |
1362 |
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat. |
1363 |
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als |
1364 |
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich |
1365 |
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher |
1366 |
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus- |
1367 |
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be- |
1368 |
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom- |
1369 |
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld |
1370 |
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen |
1378 |
- 38 - |
1379 |
|
1380 |
darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe |
1381 |
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier |
1382 |
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte |
1383 |
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das |
1384 |
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen |
1385 |
Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh- |
1386 |
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen |
1387 |
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech- |
1388 |
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin, |
1389 |
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf- |
1390 |
fassung. |
1391 |
Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens |
1392 |
haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere |
1393 |
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier- |
1394 |
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst |
1395 |
Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs- |
1396 |
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer- |
1397 |
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor- |
1398 |
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt- |
1399 |
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel |
1400 |
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das |
1401 |
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg- |
1402 |
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld- |
1403 |
schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden |
1404 |
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer |
1405 |
|
1413 |
- 39 - |
1414 |
|
1415 |
Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung |
1416 |
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt- |
1417 |
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ- |
1418 |
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem |
1419 |
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi- |
1420 |
valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur |
1421 |
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist |
1422 |
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei- |
1423 |
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles |
1424 |
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen |
1425 |
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht |
1426 |
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung |
1427 |
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche |
1428 |
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des |
1429 |
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen |
1430 |
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit |
1431 |
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der |
1432 |
Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes |
1433 |
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in |
1434 |
der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft |
1435 |
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion |
1436 |
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet. |
1437 |
Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes |
1438 |
in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung. |
1439 |
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit |
1447 |
- 40 - |
1448 |
|
1449 |
der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde |
1450 |
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander |
1451 |
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird. |
1452 |
Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die |
1453 |
Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern |
1454 |
wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild |
1455 |
vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber |
1456 |
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig- |
1457 |
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum- |
1458 |
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten |
1459 |
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst |
1460 |
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer |
1461 |
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa |
1462 |
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt- |
1463 |
schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl |
1464 |
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech- |
1465 |
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch |
1466 |
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger |
1467 |
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen |
1468 |
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept |
1469 |
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz |
1470 |
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen |
1471 |
können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden. |
1472 |
Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse, |
1473 |
die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen, |
1474 |
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung |