Dissertation
zur
Erlangung der D o k t o r w ü r d e der
sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
der
U n i v e r s i t ä t F R A N K F U R T a.M.
Eingereicht von
Ludwig ERHARD .
W e s e n und I n h a l t
der
W e r t e i n h e i t
Inhaltsverzeichnis:
I. Kurze historische Betrachtungsweise der tausch-und güterwirtschaft-
lichen Vergänge.
II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.
III. Die Lehrmeinungen; Nominalismus, Metallismus, Warentheorie des Geldes.
Die Erkärung der Werteinheit als eines Arbeitsquantums.
IV. Valuta und Währungsformen:
- ) Der Staat mit Goldwährung
- ) Der Saat mit freier(Papier- ) Währung
- ) Der ohne historische Erinnerung neu sich bildende Staat.
- ) Der autarke Staat ohne internationale Beziehungen.
V. Die stabile und unstabile Währung,- D0as Wesen der Inflation
VI Schlussbetrachtung: Die Arbeit als Weltwährungseinheit
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Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
Meister sein ;– Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
setzend.
Wir sagten, die Werteinehit «scheint» eine absolut reale
grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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notwendiger Inhalt sein müsste zu späterer Ausführung zurückstellen.
Den Weg, den wir beschreiten wollen, lassen wir uns von der reinen
Logik weisen, die uns zwingt, zu denken: «wenn alle jene Individualitä-
ten dem wertenden Gedanken unterliegen und gleichnamigen Ausdruck
finden, so muss eine Regel, ein System vorherrschen, dem diese Bewertung
folgen muss; über alle Individualität hinaus muss etwas Gemeinsames
den Dingen anhaften, das diesen wirtschaftlichen Vorgang rechtfertigt.
Und das Wertausdrucksmittel, die Werteinheit, gleich ob sie von Men-
schengeist erschaffen oder organisch sich selbst in diese REchte ge-
setzt hat, sie muss das, was sie in andern Dingen ausdrückt, die Quan-
tität, das Maass, nach dem sie die Dinge der Aussenwelt wertet, in sich
selbst enthalten oder – wir wollen uns hier noch keiner Theorie an-
schliessen – sie doch wenigstens symbolisieren.
Wir stehen hier im Streite der Wertlehren, zwischen den
Schwertern der Gelstheorien. Hie objektive, hie subjektive Wertlehre;
hie Metallismus, hie Nominalismus. Was wir in aller Kürze hier einleitend
anführen konnten, das ist schlechthin die gestellte Aufgabe selbst,
das bedeutet das Problem.
Die historische Betrachtungsweise aufnehmend, fragen wir
uns, ob der Werteinheitsbegriff eine Urerscheinung wie Wert und Be-
dürfnis vorstelle oder ob er nur ein, der heutigen Wirtschaftsform
essentieller bestandteil sein. Auf diese Weise müssen wir einmal zu
dem Punkte gelangen, wo jener Begriff im Wirtschaftsleben erstmals
wirksam und erkenntlich wird. Wir versetzen und zurück in das Zeit-
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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.
Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.
Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.
Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.
Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.
Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem «artgleichen Messwerkzeug» findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.
Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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begrifflich nicht damit zusammenhängt.
Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:
2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I n strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.
Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.
Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet – nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits «die reine Objektivität» besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
Entwicklung zu skizzieren.
Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.
Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend konsti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft denie Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir deniesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem «Geld und Kapital» diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der «10 Pfennig-Automat»
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirthscaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Zuund Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her ein einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld
schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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D e r K r e i s l a u f d e r W i r t s c h a f t .
So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
heit in die Erscheinung tritt. Und jede dieser Einheiten hat wieder-
um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem akann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.
Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion «der
Gesellschaft der Gleichen» hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das ,
ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
«Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.""
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.
Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.
Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirt-
schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die
Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.
Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.
Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist und das Nomi-
naleinkommen das «Sesam, öffne dich». Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.
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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index ) P ist
gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.
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