SRG-Generaldirektorin gegenĂŒber Finanzinvestoren: SRG könnte Auftrag mit halbem Budget weiterhin erfĂŒllen
Ein Hauptargument der Gegner der SRG-Initiative «200 Fr. sind genug!», durch die die ZwangsgebĂŒhren von 335 Franken jĂ€hrlich auf 200 gesenkt werden sollen, lautet: Die SRG könnte bei einer Annahme ihren Auftrag nicht mehr erfĂŒllen. Ins selbe Horn blĂ€st auch die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille. In einem Interview mit dem Sonntagsblick erklĂ€rte sie beispielsweise, dass die Halbierung der SRG «das Ende der SRG, wie wir sie heute kennen» wĂ€re.
«Von einem Sparprogramm zu sprechen, ist eine Verharmlosung. Die Initiative will die SRG kaputt machen. (âŠ) Zu behaupten, man kann mit der HĂ€lfte des Geldes das Gleiche machen, ist unredlich», bekrĂ€ftigte Wille.
Nun deckte die Weltwoche allerdings auf, dass sich die SRG-Generaldirektorin hinter verschlossenen TĂŒren ganz anders Ă€uĂerte. So habe sie im Rahmen einer geplanten Anleiheemission gegenĂŒber Investoren genau das Gegenteil behauptet. In der entsprechenden PrĂ€sentation stehe nĂ€mlich:
«Die Annahme [der Initiative] wĂŒrde eine strategische Anpassung erfordern â die SRG könnte ihren Auftrag aber weiter erfĂŒllen. (âŠ) Bei einer Annahme der Halbierungsinitiative kann die SRG ihrer Meinung nach mit substanziellen KostensenkungsmaĂnahmen und einem halbierten Budget ihren verfassungsrechtlichen Auftrag im Rahmen der Konzession weiterhin erfĂŒllen.»
In der an der Konferenz gezeigten PrÀsentation steht laut der Weltwoche «nichts von einer Notwendigkeit einer neuen Konzession, nichts von Kaputtmachen, nichts von Zerstörung und Chaos». Die Zeitschrift weiter:
«Vielmehr wird explizit und in aller Seelenruhe die BestĂ€ndigkeit und KontinuitĂ€t der SRG angepriesen, ganz unabhĂ€ngig von den direktdemokratischen Unwegsamkeiten, dem anstehenden Volksentscheid vom 8. MĂ€rz. Egal, ob die SRG-Initiative durchkommt oder nicht, so die Botschaft an die Investoren, die SRG bleibe eine âčattraktive Anlageoptionâș.»
Wie die Weltwoche erlĂ€utert, besteht beim Geldsammeln bei Investoren eine gesetzliche Verpflichtung zu wahrheitsgemĂ€Ăen Informationen. So warne die SRG in einem Prospekt fĂŒr Investoren zwar vor «besonderen Risiken» bei einem Ja. Kleingedruckt werde auch darauf hingewiesen, dass die SRG-Konzession in dem Fall mit einem eingeschrĂ€nkten Leistungsauftrag angepasst werden mĂŒsste. Beobachtern zufolge handle es sich dabei aber um einen handelsĂŒblichen Disclaimer. Im Prospekt werde dann auch vor Risiken im Zusammenhang mit technologischen oder unternehmerischen VerĂ€nderungen gewarnt. Die Weltwoche kommentiert:
«Politisch ist die Kommunikation der SRG indes höchst fragwĂŒrdig. Den Investoren bietet Wille den Staatsfunk als bestĂ€ndige, resiliente Anlagemöglichkeit an, den GebĂŒhrenzahlern gegenĂŒber propagiert sie die gleiche SRG als fragile Institution, die vor dem Untergang steht.»
Auf Anfrage der Zeitschrift schreibe die Medienstelle der SRG, man habe die Auswirkungen einer möglichen Annahme der Initiative gegenĂŒber den interessierten Investoren «eingeordnet». Man habe klargemacht, dass das Gesetz dann vom Parlament revidiert werden mĂŒsse. Danach mĂŒsse der Bundesrat die Verordnung anpassen und eine neue Konzession erteilen.
«Die Aussage, dass die SRG ihren verfassungsrechtlichen Auftrag weiterhin erfĂŒllen kann, ist unter dieser Bedingung zu sehen», so die Medienstelle der SRG.
«Unbestritten» sei aus Sicht der SRG: Wie man immer kommuniziert habe, könne der Auftrag der geltenden Konzession mit gekĂŒrztem Budget nicht mehr erfĂŒllt werden. Die Weltwoche ordnet ihrerseits ein:
«Die offizielle SRG-PrĂ€sentation an der Investorenkonferenz vom vergangenen August spricht derweil eine andere Sprache. Wille und Co. wollen freiwillige Geldgeber beruhigen, dass bei einem Ja alles beim Alten bleibt. Den âčgebundenenâș Geldgebern, den Zahlern der ZwangsgebĂŒhren, droht man, dass sie die SRG zerstörten, wenn sie ihre âčInvestitionâș kĂŒrzen sollten. Zwei alternative Narrative an der Spitze des vermeintlichen QualitĂ€tsmediums â die Direktorin erzĂ€hlt den GebĂŒhrenzahlern etwas komplett anderes als den Investoren.»
Die rechtliche Lage gibt der Zeitschrift zufolge einen Hinweis darauf, was nun gelte: Was als sachgemĂ€Ăe Information durchgehe, sei am Finanzmarkt «an glasklare Kriterien geknĂŒpft». Bei Zuwiderhandlung mache man sich strafbar. «Das wird auch Susanne Wille wissen. SchlieĂlich wird sie in dieser Sache von Profis der UBS, der ZKB und der Raiffeisenbank beraten», stellt die Weltwoche fest. Im Abstimmungskampf werde hingegen «groĂzĂŒgig ausgelegt», was als sachgemĂ€sse Information durchgeht.
Was den Auftrag der SRG betrifft, ist hinzuzufĂŒgen: Laut kritischen Zuschauern erfĂŒllt die SRG diesen insbesondere bezĂŒglich der Informationen gegenwĂ€rtig nicht. In der bundesrĂ€tlichen Konzession heiĂt es nĂ€mlich:
«Die SRG sorgt in ihren Informationsangeboten fĂŒr eine umfassende, vielfĂ€ltige und sachgerechte Berichterstattung.»
Zum Beispiel bezĂŒglich Kriege, Klima, Migration und der «Pandemie» ist das jedoch nicht der Fall. Die hĂ€ufigste journalistische SĂŒnde ist dabei die Omission. Am Geld kann die ErfĂŒllung dieses Auftrages also nicht liegen. Und wĂŒrde das Geld sinnvoller eingesetzt, könnten auch mit 200 Franken GebĂŒhren alle Sprach- und Randregionen weiterhin problemlos bedient werden.
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