Trumps «Friedensrat» gibt Bauauftrag fĂŒr marokkanischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt in Gaza
Auf dem Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Januar 2026 hat der US-PrĂ€sident seinen neuen «Friedensrat» angekĂŒndigt, den er zu einer dauerhaften internationalen Organisation machen will â als eine Art Alternative oder Konkurrenz zur UNO. Als erstes Projekt propagierte er eine umfassende Friedensstrategie fĂŒr den Gazastreifen. Kritik hagelte es, weil Trump seinen Friedensrat selber leitet und zu seinem Team unter anderem sein Schwiegersohn Jared Kushner und sein Freund Steve Witkoff gehören (wir berichteten).
Jetzt hat Trumps Gaza-Friedensrat seinen ersten Bauauftrag vergeben. Wie The Guardian mitteilt, soll Arkel International, ein Unternehmen aus Louisiana, im Gaza-Gebiet einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt bauen. Dabei handelt es sich um einen «einfachen AuĂenposten» zur Unterbringung von etwa 150 marokkanischen Soldaten. Die Einrichtung soll der UnterstĂŒtzung der internationalen StabilisierungsstreitkrĂ€fte (ISF) dienen, «die bei der Umsetzung der Sicherheits- und Regierungsvereinbarungen des Fahrplans helfen werden».
Arkel International hat zuvor bereits fĂŒr die US-Regierung in LĂ€ndern wie dem Irak gearbeitet. Allerdings wurde der Vertrag noch nicht endgĂŒltig abgeschlossen. The Guardian schreibt dazu: Ein Vertreter des Friedensrats, der Rat und eine Gruppe palĂ€stinensischer Technokraten, die eingesetzt wurde, um den Gazastreifen zu verwalten, «befinden sich in der Endphase der Vorbereitung mehrerer Vertragsvergaben. Keine davon wurde endgĂŒltig abgeschlossen.» Aber dieser Vertrag werde «einer von vielen sein, die fĂŒr die Zukunft des Gazastreifens von entscheidender Bedeutung sind».
Der geplante StĂŒtzpunkt soll 100 Meter mal 120 Meter groĂ sein und ein Kontingent marokkanischer Truppen beherbergen, das von einem StĂŒtzpunkt in Israel aus rotieren wĂŒrde. Er wird sich in den 60 Prozent des Gazastreifens befinden, die direkt von der israelischen Armee kontrolliert werden â und liegt nur etwa eine Meile von der israelischen Grenze entfernt, um eine «schnelle Evakuierungsroute» zu ermöglichen, falls die kleine Truppe angegriffen wird.
«Die Achse Marokko-Israel-USA wird gestÀrkt»
Der Finanzjournalist Ernst Wolff, der ĂŒber diese Meldung auf X informierte, erkennt in diesem Bauvorhaben eine Verbindung zum Massenansturm auf Ceuta in der vergangenen Woche. Er kommentierte: «Die Achse Marokko-Israel-USA wird gestĂ€rkt, Ceuta lĂ€sst grĂŒĂen.»
Hintergrund: Letzte Woche haben ĂŒber 70.000 junge Migranten aus Marokko die spanische Exklave Ceuta gestĂŒrmt â schwimmend oder zu FuĂ. Das war die bislang gröĂte Grenzkrise seit Mai 2021, als binnen rund 36 Stunden etwa 8.000 Menschen in die Stadt gelangten.
Dem spanischen Regierungschef Pedro SĂĄnchez wird vorgeworfen, diese Invasion unter anderem durch die von ihr initiierte Massenlegalisierung selbst angeheizt zu haben (wir berichteten). Auch Marokko steht unter Verdacht, eine Rolle bei diesem Ansturm gespielt zu haben. Mittlerweile ist jedenfalls klar, dass sowohl die marokkanische als auch die spanische Regierung schon im Vorfeld ĂŒber diese Invasion informiert waren, die ĂŒber mehrere WhatsApp-Gruppen organisiert wurde.
Zwar behauptete Innenminister Fernando Grande-Marlaska, das sei eine LĂŒge, doch wie spanische Medien unter Berufung auf den Nationalen Geheimdienst Spaniens in Rabat informieren, wurde die entscheidende WhatsApp-Gruppe bereits acht Tage vor den AnkĂŒnften in Ceuta ausfindig gemacht â und die spanische Regierung sei rechtzeitig gewarnt worden (hier und hier).
Auch die Nationalpolizei und die Guardia Civil sollen Kenntnis ĂŒber den Plan gehabt haben. Den Ermittlern war demnach die Existenz der WhatsApp-Gruppen â darunter die aktivste mit dem Namen «Hijma Kiraj Sebta» und der Beschreibung «Ăberquerung nach Ceuta oder der Tod» â bereits seit mindestens dem 22. Juli bekannt.
Marokko streitet eine Beteiligung an dem Ansturm ab â und fĂŒhrt die Krise in Ceuta auf kriminelle Netzwerke, Desinformation und MissverstĂ€ndnisse bezĂŒglich eines Urteils des Obersten Gerichtshofs Spaniens zurĂŒck, das «SofortrĂŒckfĂŒhrungen» verbietet, wenn Immigranten die Exklaven Ceuta und Melilla schwimmend erreichen.
In Spanien hat sich mittlerweile der Nationale Gerichtshof eingeschaltet und Ermittlungen wegen möglicher Straftaten gegen den Frieden und die UnabhĂ€ngigkeit des Staates eingeleitet. Die Ermittlungen wurden aufgenommen, nachdem die Gruppe Iustitia Europa eine Strafanzeige eingeleitet hatte. GeklĂ€rt werden soll, was mit den Opfern geschah, welche Informationen den Behörden im Vorfeld bekannt waren und ob es Warnhinweise der Nachrichtendienste gab, die es ermöglicht hĂ€tten, die Ereignisse vorauszusehen â und zu verhindern.
War Israel am Immigranten-Ansturm beteiligt?
In einigen Medien wurde bereits spekuliert, dass nicht nur Marokko an der Ceuta-Aktion beteiligt war, sondern auch Israel. Die Strategic Culture Foundation fĂŒhrte diesbezĂŒglich mehrere Indizien auf: So seien bis zum Rand mit jungen MĂ€nnern gefĂŒllte Busse bis zur Grenze gefahren â und wurden von der marokkanischen Polizei und Gendarmerie geleitet. Auch gebe es Fotos von Hunderten junger MĂ€nner an Bus- und Bahnhöfen im ganzen Land, deren Transport offensichtlich von jemandem bezahlt wurde.
Obendrein habe die Polizei auf der marokkanischen Seite der Grenze keinerlei Anstrengungen unternommen â nicht einmal symbolische â, Menschen am Ăberqueren des Zauns oder am Gang ins Wasser zu hindern. TatsĂ€chlich hĂ€tten viele derjenigen, die die Reise unternahmen, den Medien bereits berichtet, dass sie von ebendiesen Polizisten sogar angewiesen und ermutigt wurden, «nach Spanien zu gehen».
Als Grund fĂŒr die marokkanische Beteiligung an der Ceuta-Invasion sieht Strategic Culture Foundation die AnnĂ€herung Spaniens an Algerien, die Haltung in der Westsahara-Frage oder andere regionale politische Differenzen. Dies könnte in Rabat beim herrschenden Machtapparat fĂŒr Unmut gesorgt haben. Zudem habe die Trump-Regierung fĂŒr Marokko 40 Millionen Dollar bereitgestellt, wĂ€hrend die Exklaven Melilla und Ceuta zunehmend zu marokkanischem Territorium erklĂ€rt werden. Daraus ergebe sich ein Bild, das die gesamte Ceuta-AffĂ€re in einen Kontext setze. Die geopolitischen ZusammenhĂ€nge wĂŒrden verstĂ€ndlich.
Die USA und Israel könnten Rabat also angestachelt haben â und Madrid wisse das. Falls Israel den Palast in Rabat mit dem Traum geblendet habe, dass die Exklaven Ceuta und Melilla marokkanisch werden, dann sei Israel der mit Abstand gröĂte Gewinner. Die Frage sei, ob die USA und Israel sogar Kriegsschiffe schicken könnten, als SicherheitsmaĂnahme zur UnterstĂŒtzung ihres VerbĂŒndeten Marokko. Könnte das am Ende sogar die Grundlage dafĂŒr sein, marokkanische Truppen einzusetzen, um die Enklaven vollstĂ€ndig zu ĂŒbernehmen? Hier erfahren Sie mehr zum Thema.
Angesichts dieser Informationslage erscheint es seltsam, dass die spanische Regierung alles tut, um Marokko zu schĂŒtzen. So hat sie die europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs aufgefordert, Marokko wegen seiner Rolle beim Ansturm auf Ceuta nicht öffentlich zu kritisieren. Das Argument: «Nicht immer gibt es einen Schuldigen». Die Bitte erfolgte den Medien zufolge wĂ€hrend einer Telefonkonferenz der Innenminister am vergangenen Dienstag, in der mehrere LĂ€nder hinterfragten, wie es möglich war, dass 72.000 Migranten ohne Papiere innerhalb so kurzer Zeit spanisches Territorium erreichten.
SĂĄnchez' Kritiker haben eine ErklĂ€rung fĂŒr dieses Vorgehen. Sie vermuten, dass der MinisterprĂ€sident unter Druck steht. Denn schon im Mai 2022 musste er öffentlich zugeben, dass sein Telefon sowie die seiner Minister fĂŒr Verteidigung und Inneres mithilfe der israelischen Software Pegasus abgehört worden waren.
Der Datendiebstahl hatte laut der damals veröffentlichten offiziellen Version bereits ein Jahr zuvor stattgefunden. Angesichts der zahlreichen Korruptionskandale in Sånchez' engstem privaten und politischen Umfeld könnte diese Telefon-Spionage durchaus einen Einfluss auf sein Verhalten haben. Denn eines ist sicher: Er und seine Parteikollegen haben viel zu verbergen.
Beim Massenansturm auf Ceuta kamen etwa 100 Immigranten ums Leben. Und es kursieren bereits Warnungen, dass es am 15. August einen weiteren geben könnte. Jedenfalls berichten die Medien, dass die Guardia Civil ein «reales Risiko» fĂŒr eine weitere MassenĂŒberquerung der spanischen Grenze sieht. Logistische Vorbereitungen seien festgestellt, die Drahtzieher jedoch noch nicht identifiziert worden. Auch das AusmaĂ sei nicht abzuschĂ€tzen.
Das spanische Verteidigungsministerium hat jedenfalls schon mal seine PrĂ€senz in Ceuta verstĂ€rkt und die Fregatten «Santa MarĂa» und «Navarra» dorthin entsendet. Diese operieren derzeit in der sĂŒdlichen Bucht der Stadt. Am Montag wurde bereits das SeestreitkrĂ€fteschiff «Rayo» entsandt, sowie ein Logistikschiff, das am Donnerstag im Hafen von Ceuta anlegte â und die in der Stadt stationierten MilitĂ€reinheiten stĂ€rken soll.