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Corona Transition

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Hantavirus: Corona-Inszenierung als Vorbild

Im März 2020 haben angstmachende Bilder und Nachrichten aus Italien und Spanien die europäische Corona-Show in Schwung gebracht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), ultrareiche Pandemie-Treiber wie Bill Gates und Regierungen arbeiteten dabei Hand in Hand.

Jetzt steuert das Kreuzfahrtschiff MV Hondius, auf dem es angeblich einen Ausbruch des Hantavirus gab, auf Teneriffa zu, wo es am Samstag oder Sonntag ankommen soll. Diese Entscheidung sei in Absprache mit der WHO und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden, informierte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García.

Gleichzeitig verkündete García, die schon während der Corona-Inszenierung eine wichtige Rolle bei der Manipulation der Bevölkerung übernahm, dass das Hantavirus eine Mortalitätsrate von «um die 50 Prozent» habe. Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit und die Wirtschaft auf den Kanarischen Inseln bestehe jedoch nicht, versicherte sie, ihre Behörde habe das Geschehen im Griff:

«Sowohl die medizinische Versorgung als auch die Transporte erfolgen in eigens für diese Situation eingerichteten Räumlichkeiten und Fahrzeugen, wobei jeglicher Kontakt mit der lokalen Bevölkerung vermieden und jederzeit für die Sicherheit des medizinischen Personals gesorgt wird.»

Leitmedien im Propaganda-Modus

Seitdem überschlagen sich sowohl spanische, deutsche als auch internationale Medien mit Panikmeldungen. Fotos von vermummten Gestalten sind wieder im Trend – und sofort wurden Live-Ticker eingerichtet, die über den Stand der möglichen «Pandemie» berichten (zum Beispiel hier, hier und hier). Die Süddeutsche Zeitung titelte: «Von der Luxuskreuzfahrt zum Horrortrip».

Wie bei Corona ist die Informationsflut verwirrend und widersprüchlich, deshalb hier ein Versuch der Zusammenfassung: Das Kreuzfahrtschiff Hondius des niederländischen Unternehmens Oceanwide Expeditions war mit rund 150 Passagieren an Bord auf Atlantikkreuzfahrt und lag seit vergangenem Sonntag vor den Kapverdischen Inseln vor Anker.

Drei Menschen, ein niederländisches Paar und eine Deutsche, sollen bisher an den Folgen der Hantavirus-Infektion gestorben sein. Die WHO ließ verlauten, insgesamt gebe es sieben Fälle.

Hantaviren sind offiziell eine Gruppe von Erregern, die durch Urin oder Exkremente von Nagetieren übertragen werden. Bei zwei der gestorbenen Passagiere ist angeblich das Andesvirus (ANDV) bestätigt worden, bei dem es sich laut der Pharmazeutischen Zeitung um das einzige Hantavirus handelt, das von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Das Deutsche Ärzteblatt bezeichnete das Andesvirus als «hochvirulent». Quelle für diese Einschätzung: ein Online-Ratgeber des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die BBC teilte dagegen mit, dass eine Infektion nur «bei engem, länger andauerndem Kontakt» möglich sei. Als vornehmlicher Wirt des Andesvirus gilt die Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus).

Nach Angaben der Impfallianz GAVI verursachen Hantaviren je nach Region unterschiedliche Krankheitsbilder. In Europa und Asien vor allem das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), in Nord- und Südamerika das kardiopulmonale Syndrom (HCPS), das mit schweren respiratorischen Verläufen einhergehen kann. Die ersten Symptome beim HCPS, das auf der Hondius zugeschlagen haben soll, sind Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, die zwei bis drei Wochen nach der Infektion beginnen.

Das niederländische Paar, das angeblich am Hantavirus gestorben ist, war am 1. April in Argentinien an Bord der Hondius gegangen. Der Mann verstarb laut Kreuzfahrtveranstalter am 11. April. Seine Frau hatte das Schiff am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik verlassen, war nach Johannesburg geflogen und soll dort am 26. April in einem Krankenhaus gestorben sein. Bei dem deutschen Virusopfer handelt es sich nach Medienberichten um eine 78-jährige Frau aus Passau.

Wie Focus unter Berufung auf die spanische Zeitung El Pais mitteilte, haben 23 Passagiere das Schiff «nach Seuchenausbruch» verlassen. Eine dieser 23 Personen wird in der Schweiz in einem Krankenhaus behandelt und wurde positiv auf das Virus getestet. Bei einem britischen Passagier, der sich derzeit auf einer Intensivstation in Johannesburg befindet, wurde das Hantavirus – der WHO zufolge – ebenfalls nachgewiesen. Wo die anderen Personen hingereist sind, ist noch unklar.

Während sich die USA bisher zurückhalten bei der Angstmache um das vermeintliche «Pandemie»-Potenzial des Hantavirus, leisten die deutschen Behörden der WHO gerne Schützenhilfe. Immerhin waren es auch deutsche Politikerinnen wie Ursula von der Leyen oder Angela Merkel, die zu Beginn der Corona-Hysterie das Zepter im Sinne der WHO und anderer Akteure erfolgreich in die Hand nahmen. Zum Beispiel sammelten sie mindestens 7,5 Milliarden Euro an Gebergeldern für «Impfstoffe» ein.

Auch die Leitmedien spielen wie gehabt mit. So berichteten sie, dass die Kontaktperson eines auf dem Kreuzfahrtschiff Verstorbenen in Düsseldorf angekommen – und mit «einem Hochinfektionstransport der Feuerwehr» ins Düsseldorfer Uniklinikum befördert worden sei. Der WDR schrieb:

«Dreieinhalb Stunden ging es mit Blaulicht in Richtung Uniklinikum. Um 23:25 Uhr kam der Konvoi, bestehend aus mehreren Fahrzeugen von Feuerwehr und Katastrophenschutz, an der Südeinfahrt des Klinikums an.»

PCR-Tests stellen angebliche Infektion fest

Wie bei Covid-19 werden die vermeintlichen Infektionen durch das «Killervirus» mithilfe von PCR-Tests ermittelt. Deshalb muss daran erinnert werden, dass diese Tests keine Infektion nachweisen können und viele falsch-positive Ergebnisse liefern. Ohne die Verwendung dieser betrügerischen Tests hätte die Corona-«Pandemie» mit samt ihren dramatischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen niemals an Fahrt aufnehmen können.

Eine Theorie zum «Patient Null» kursiert auch bereits. T-Online teilte unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) mit, dass sich das verstorbene niederländische Paar wohl bei einer Vogeltour in der argentinischen Stadt Ushuaia mit dem Virus angesteckt haben soll.

Noch skurriler: Es heißt, dass sie bei dieser Tour auch eine Mülldeponie besichtigt hätten. Dabei seien sie möglicherweise mit Nagetieren in Kontakt gekommen. Diese Information bezog AP von zwei namentlich nicht genannten Behördenmitarbeitern. Zuvor sollen die argentinischen Behörden erklärt haben, dass es in Ushuaia und der umliegenden Provinz Feuerland noch nie einen Fall des Hantavirus gab.

Kurz nach dieser Meldung tauchte AP jedoch tiefer in die Spurensuche ein und ließ wissen, dass der Klimawandel schuld an vermehrten Hantavirus-Ausbrüchen in Argentinien sein könnte. Europäische Medien wie 20 Minuten sprangen gerne auf den ideologischen Zug auf und teilten mit, das südamerikanische Land habe in den letzten Jahren eine Reihe extremer Wetterereignisse erlebt, und so hätten Dürre und Nässe ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Reisratte geschaffen, die als Träger des Andesvirus gilt.

Wie immer fand sich ein Forscher, der diese These bestätigte. So zitieren AP und 20 Minuten Raúl González Ittig von der Nationalen Universität von Córdoba und Forscher beim staatlichen Wissenschaftsinstitut Conicet. Dieser spekulierte:

«Wenn die Niederschläge zunehmen, steigt auch das Nahrungsangebot, die Nagerpopulationen wachsen, und wenn es infizierte Nager gibt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung zwischen Nagern – und schließlich auf den Menschen. Dies auch deshalb, weil Phasen extremer Trockenheit die Tiere aus ihren gewohnten Lebensräumen treiben und sie näher zu den Menschen bringen. Damit steigt auch die Gefahr, dass das Virus auf den Menschen übergeht.»

Faktenchecker wieder in Höchstform

Natürlich dürfen auch die Faktenchecker-Portale wieder mitmischen. Nachdem in den sozialen Medien die Meldung umging, Pfizer habe bereits einen vielversprechenden mRNA-«Impfstoff» gegen das Hantavirus in Entwicklung, wurde diese Nachricht in Spanien umgehend als Fake-News eingestuft.


Screenshot: RTVE erkennt Fake-News (bulo) zum Pfizer-Impfstoff

Was die fleißigen Faktenchecker nicht erwähnen: Moderna hat bereits im Juli 2024 eine «umfassende Zusammenarbeit» mit dem Vaccine Innovation Center der Korea University College of Medicine angekündigt, um einen mRNA-basierten Hantavirus-«Impfstoff» zu entwickeln (hier, hier und hier). Eine Zusammenfassung über Impfstoffe gegen die Erkrankung sowie Strategien, Ergebnisse und zukünftige Entwicklungen wurde im Juli 2025 auf dem Portal Springer Nature veröffentlicht.

Mainstream und Faktenchecker verschweigen auch, dass sich die großzügig von Bill Gates finanzierte Impfallianz GAVI schon im Mai 2021 – der Corona-Zirkus lief noch auf Hochtouren – mit dem Hantavirus beschäftigt hat. Auf ihrer Website titelte sie: «Die nächste Pandemie: Hantavirus?» Im Anschluss schilderte die GAVI einen mysteriösen Seuchenausbruch in der indigenen Bevölkerungsregion an der Grenze zwischen Utah, Colorado, Arizona und New Mexico, der 1993 stattgefunden haben soll.

Nach dem unerklärlichen Tod eines jungen Navajo-Paares in New Mexico hätten die Behörden Schwierigkeiten gehabt, die Ursache zu ermitteln, so die Impfallianz. Später hätten sie die Symptome aber mit einem Dutzend weiterer Fälle in der Region in Verbindung bringen können. So sei herausgekommen, dass es sich um einen neuartigen Hantavirus-Stamm gehandelt habe, das sogenannte «Sin-Nombre-Virus» (spanisch für «Namenlos»). Der «Four Corners-Ausbruch von 1993» habe letztendlich 13 Menschenleben gefordert – und Besorgnis über die Evolution von Hantaviren ausgelöst.

Spanien: Der perfekte Ort für Virus-Angstmache

Dass «Dr. Tedros» Spanien zum Austragungsort des Hantavirus-Spektakels macht, überrascht nicht. Denn seit der gelungenen Corona-Inszenierung hat die links-sozialistische Regierung um Pedro Sánchez bereits bei anderen vermeintlich gefährlichen Virusausbrüchen auf die Tube gedrückt. Natürlich immer in bester Partnerschaft mit der dubiosen WHO, die zum Großteil von reichen «Philanthropen» und Pharmakonzernen finanziert wird.

Im November 2025 wurde wegen einer angeblichen Vogelgrippe-Gefahr das heimische Geflügel unter Stallzwang gestellt, wenige Wochen später wurden ganze Gebiete wegen des Verdachts auf afrikanische Schweinepest gesperrt und zigtausende Hausschweine getötet (wir berichteten hier, hier und hier).

Wie solche Maßnahmen der spanischen Regierung einzuschätzen sind, hat der ehemalige Transportminister José Luis Ábalos, der seit November 2025 wegen diverser mutmaßlicher Korruptionsfälle in Untersuchungshaft sitzt, gerade vor einigen Tagen bei einem Gerichtsprozess klargestellt.

Bei dieser Verhandlung, in der es um Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Gesichtsmasken während der Corona-«Pandemie» geht, gab Ábalos zu, dass der illegale und verfassungswidrige Alarmzustand, der in Spanien zu Lockdowns und anderen ungerechtfertigten Maßnahmen führte, nicht auf epidemiologischen Daten basierte, sondern auf einer Entscheidung, die er gemeinsam mit dem Regierungschef Pedro Sánchez getroffen hat.

Manipulationstechniken à la Corona

Der US-Journalist Jon Fleetwood hat sich auch schon mit dem vermeintlichen Hantavirus-Ausbruch auf der Hondius beschäftigt – mit speziellem Augenmerk auf den PCR-Test, der zur Feststellung der Infektion benutzt wird. Er berichtet, dass die Tests menschliche DNA mit Virus-DNA verwechseln könnten, das hätten neue Analysen bestätigt – und das werfe Bedenken hinsichtlich falsch-positiver Ergebnisse auf.

Der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg hat derweil darauf hingewiesen, dass die WHO-Panikmache zum Hantavirus in einem Moment aufkommt, in dem es internen Streit in der Organisation gibt. Die Mainstream-Medien stünden bei dieser Inszenierung wie immer zu Diensten, allerdings wisse niemand, woran die drei Passagiere wirklich gestorben seien. Homburg schreibt:

«Bei dieser Nachricht werden zwei Manipulationstechniken genutzt, nämlich Emotion (Tote) und Dyskalkulie [eine Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens]: Auf Kreuzfahrtschiffen mit meist älteren Passagieren sind regelmäßig Sterbefälle zu beklagen.»

In diesem Rahmen erinnert Homburg an den vermeintlichen Corona-Ausbruch im Februar 2020 auf dem Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess», der medial hochgespielt wurde. Dabei seien ungefähr so viele Menschen gestorben, wie es statistisch zu erwarten war. Die Übersterblichkeit sei gleich Null gewesen.

Aber die WHO habe voller Freude erkannt, dass ihre Propaganda mit PCR-Toten funktionierte – und seitdem dehne sie ihre Macht immer weiter aus. Mit Deutschland und Gates als größten Geldgebern.

Auch die Pharmaexpertin Sasha Latypova, die während der Corona-«Pandemie» plausibel aufgeschlüsselt hat, warum es sich bei der Virus-Hysterie nicht um eine Gesundheitskrise, sondern um eine politische und militärische Operation gehandelt hat, bezeichnet den Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius als Fake.

Das letzte Wort überlasse ich deshalb Impfstoff-Investor Bill Gates, der zu Beginn der Corona-Inszenierung zur Leitfigur mutierte und forderte, dass «wir» sieben Milliarden Menschen impfen müssten, um der «Pandemie» Einhalt zu gebieten. Im Februar 2025 hatte es Gates in der US-Talkshow «The View» bereits angekündigt:

«Corona war nicht die letzte Pandemie. Die nächste könnte weit schlimmer werden. Wir sollten besser vorbereitet sein.»


Bill Gates im Interview; zum Abspielen des Videos auf das Bild klicken

Eine «bessere» Pandemie-Vorbereitung hat Gates auch in seinem Buch «How to Prevent the Next Pandemic» (Wie wir die nächste Pandemie verhindern/2022) dringend angeraten. Warum? Damit das «Pandemie»-Geschäft auch weiterhin floriert und die von ihm gegängelte WHO noch mehr Macht erhält bei der gleichgeschalteten globalen Umsetzung von Maßnahmen bei vermeintlichen Virus-Ausbrüchen. Mehr Digitalisierung und Impfstoff-Entwicklung inklusive.

video_de_untertitel_gross_pandemie_2052126259145035903.mp4 (video/mp4 6.24)

Neutralität, Moral und Mut

Neutralität wird oft als Enthaltung verstanden, ist aber in erster Linie ein Grundsatz der Gleichbehandlung. Im humanitären Kontext bildet sie einen normativen Rahmen für das Handeln zugunsten der Opfer bewaffneter Konflikte. Im Falle eines Krieges zwischen Staaten hingegen verpflichtet sie die Staaten, sich nicht militärisch zu engagieren und keine der Konfliktparteien zu bevorzugen. Diese Verpflichtung geht über die bloße Nichtbeteiligung am Krieg hinaus: Weder die Lieferung von Waffen an eine der Parteien noch die einseitige Unterstützung militärischer Operationen sind mit der Neutralität vereinbar.

Die rechtlichen Grundlagen der Neutralität sind komplex und situationsabhängig. Sie lassen einen Handlungsspielraum, insbesondere wenn internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen verbindliche Maßnahmen beschließen. Bei ihrem Beitritt zur UNO hat die Schweiz ausdrücklich erklärt, dass ihre Neutralität mit den Verpflichtungen der Charta vereinbar bleibt.

Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Neutralität und Sanktionen ist umstritten. Die Schweiz kann zwar Maßnahmen umsetzen, die von den zuständigen internationalen Organisationen beschlossen wurden. Bei Sanktionen, die nicht auf einem UNO-Mandat beruhen, stellt sich jedoch die Frage, ob deren Umsetzung mit der Verpflichtung zur Gleichbehandlung der Konfliktparteien vereinbar ist. Im Fall des Krieges in der Ukraine wird argumentiert, dass die gegen Russland ergriffenen Maßnahmen zu einer Ungleichbehandlung führen und somit mit einem strengen Neutralitätsverständnis in Konflikt geraten könnten.

Diese rechtliche Perspektive steht in einem Spannungsfeld mit ethischen Überlegungen. Während ein auf der Überzeugungsethik basierender Ansatz den Schaden in den Mittelpunkt stellt, den der Aggressor erleiden muss, zielt die Verantwortungsethik darauf ab, den internationalen Frieden wiederherzustellen. Die Neutralität folgt eher diesem letzteren Ansatz, indem sie sich eines Urteils enthält und stattdessen versucht, Eskalationen zu begrenzen und diplomatische Lösungen zu fördern.

Konflikte entstehen selten plötzlich, sondern entwickeln sich über lange Zeiträume zunehmender Spannungen. Das Völkerrecht betont daher nicht nur das Gewaltverbot, sondern auch die Verpflichtung, keine feindseligen Beziehungen zwischen Staaten zu unterhalten. Ein neutraler Staat, der sich aktiv für die Diplomatie einsetzt, kann so einen wichtigen Beitrag zur Deeskalation leisten.

Auch im wirtschaftlichen Bereich wirft die Neutralität Fragen auf. Während der Waffenhandel klar geregelt und strengen Beschränkungen unterworfen ist, bleiben andere wirtschaftliche Aktivitäten grundsätzlich zulässig. Dies stößt auf Kritik, insbesondere wenn die wirtschaftlichen Beziehungen zu kriegführenden Staaten fortgesetzt werden. Gleichzeitig verdeutlicht dies die Ambivalenz der Neutralitätspolitik zwischen rechtlicher Zulässigkeit und moralischer Bewertung.

Das humanitäre Völkerrecht spielt eine besondere Rolle. Es verpflichtet alle Staaten, dessen Einhaltung nicht nur selbst zu gewährleisten, sondern auch durchzusetzen. Daraus ergibt sich für neutrale Staaten die Möglichkeit und unter bestimmten Umständen die Pflicht, auf Verstöße zu reagieren – beispielsweise durch diplomatischen Druck oder wirtschaftliche Maßnahmen. Militärische Interventionen lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.

Für die Schweiz bedeutet dies, dass sie als Vertragsstaat und Depositar der Genfer Konventionen eine besondere Verantwortung trägt. Sie kann und muss Maßnahmen ergreifen, um die Einhaltung des humanitären Rechts zu fördern, ohne dass diese Maßnahmen als Verstoß gegen ihre Neutralität angesehen werden können.

Neutralität ist kein Synonym für Passivität. Vielmehr ist sie ein politisches Signal: gegen den Krieg, für die Unabhängigkeit und für den Willen, Konflikte friedlich zu lösen. Historisch gesehen hat sie der Schweiz Stabilität und Entwicklung ermöglicht. Gleichzeitig erfordert sie Standhaftigkeit gegenüber Druck von außen.

Die aktuelle Debatte zeigt, dass Neutralität immer wieder neu interpretiert und verteidigt werden muss. Sie steht am Schnittpunkt von Recht, Moral und geopolitischen Interessen. Ihre Glaubwürdigkeit hängt letztlich von ihrer konsequenten Anwendung ab – auch wenn dies politisch unbequem ist.

Denise Plattner ist ehemalige Juristin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Dieser Text ist eine Zusammenfassung eines längeren Artikels, der auf der Website der Bewegung für Neutralität (Bene) veröffentlicht wurde.

Junkfood möglicher Faktor für Mikroplastik im Gehirn

Studien zeigten, dass Hirngewebe verstorbener Spender sieben- bis dreißigmal höhere Konzentrationen an Mikroplastik aufwies als Leber- oder Nierengewebe. Das Gehirn ist demnach möglicherweise das am stärksten mit dieser Verschmutzung belastete Organ. Laut der Forschung stieg diese Belastung zwischen 2016 und 2024 um etwa 50 Prozent. Spender mit einer Demenzdiagnose trugen dabei die höchste Belastung.

Wie Study Finds berichtet, könnte die Größe der Partikel eine Rolle dafür spielen, dass sich im Gehirn deutlich mehr Kunststoff ansammelt als in anderen Organen. In Tierstudien hätten nanoskalige Kunststoffpartikel innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme die Blut-Hirn-Schranke passiert, das schützende Filtersystem des Gehirns. Größere Partikel hätten es nicht hindurchgeschafft, nur die kleinsten. Wie das Gehirn diese Partikel nach dem Eindringen wieder abbaut, sei noch unbekannt.

Auch der hohe Fettgehalt des Gehirns könnte eine Rolle bei der Ansammlung dieser Partikel spielen. Forscher weisen jedoch darauf hin, dass genau diese Eigenschaft das Gehirn zu einem der Organe macht, die am schwierigsten auf Kunststoffe untersucht werden können. Die zuverlässige und von der breiten wissenschaftlichen Gemeinschaft anerkannte Messung der tatsächlichen Zusammensetzung des Hirngewebes bleibe ein ungelöstes Problem.

Laut einer neuen Übersichtsarbeit deuten nun zunehmende Hinweise darauf hin, dass hochverarbeitete Lebensmittel zur Ansammlung von Mikroplastik im menschlichen Gehirn beitragen können. Die Autoren stellen einen Zusammenhang zwischen aktuellen Befunden hoher Konzentrationen von Mikro- und Nanoplastik im Hirngewebe und einer Ernährung mit einem hohen Anteil industriell verarbeiteter Lebensmittel her. Den Forschern zufolge gehören sie zu den Hauptwegen, über die Plastik in den menschlichen Körper gelangt. Study Finds fasst zusammen:

«Kunststoffhaltige Verpackungen migrieren beim Erhitzen und Lagern in Lebensmittel. Industrielle Maschinen, die bei der Verarbeitung eingesetzt werden, verursachen Abrieb und Kontamination von Kunststoff. Bis ein verpacktes Produkt den Verbraucher erreicht, hat es in mehreren Phasen intensiven Kontakt mit Plastik gehabt. Unverpackte Lebensmittel kommen deutlich weniger damit in Berührung.»

In der Tat handelt es sich bei den identifizierten Partikeln größtenteils um Polyethylen, einen häufig verwendeten Kunststoff für Verpackungen und Lebensmittelbehälter.

Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass hochverarbeitete Lebensmittel aus verschiedenen Gründen schädlich sind, darunter mangelhafte Nährstoffe, Lebensmittelzusatzstoffe und raffinierte Öle. Sie argumentieren jedoch, dass der Kunststoffgehalt einer der wenigen möglichen Mechanismen ist, der erklärt, warum hochverarbeitete Lebensmittel immer wieder als Risikofaktor gelten, selbst wenn herkömmliche Ernährungsindikatoren berücksichtigt werden. Es handelt sich hierbei allerdings um Beobachtungsbefunde, die allein nicht beweisen können, dass Kunststoffe die beobachteten Schäden verursachen.

Groß angelegte Beobachtungsstudien haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und verschiedenen Hirnfunktionsstörungen nachgewiesen. Eine Studie, über die wir kürzlich berichteten, hat beispielsweise eine Verbindung zwischen höherem Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln und einer geringeren Aufmerksamkeitsleistung sowie einem leicht erhöhten Demenzrisiko festgestellt. Demnach verschlechterte sich die Aufmerksamkeitsleistung mit jedem Anstieg der Kalorienzufuhr durch diese Lebensmittel um zehn Prozent leicht, und die Demenzrisikoindikatoren stiegen an.

Bemerkenswert ist, dass dies selbst nach Berücksichtigung des Körpergewichts und der Einhaltung einer als gesund geltenden mediterranen Ernährungsweise der Fall war. Die Autoren der aktuellen Studie vermuten nun, dass die Kunststoffbelastung durch Verarbeitung und Verpackung deshalb ein wichtiger Mechanismus für gesundheitliche Schäden sein könnte.

So stellt sich auch die Frage, ob Mikroplastik wieder vom Körper entfernt werden kann. Study Finds weist diesbezüglich auf jüngste Forschungsergebnisse hin, laut denen die therapeutische Apherese – ein klinisches Blutfilterverfahren ähnlich der Dialyse – Mikroplastikpartikel erfolgreich aus menschlichem Plasma entfernen kann. Dies sei der erste glaubwürdige Beweis dafür, dass ein bereits bestehendes medizinisches Verfahren diese Materialien gezielt aus dem Blutkreislauf eines lebenden Menschen entfernen kann. Obwohl die biologische Begründung für diesen Ansatz als schlüssig gelte und die notwendige Infrastruktur in großen medizinischen Zentren weltweit bereits vorhanden sei, würden Experten vorsichtig optimistisch bleiben.

Die Wirksamkeit des Verfahrens sei derzeit durch einen Mangel an validierten Instrumenten zur genauen Messung der entfernten Plastikmenge und der Frage, ob die Entfernung aus dem Blut tatsächlich die Plastikkonzentration im Hirngewebe senkt, eingeschränkt. Darüber hinaus stelle der hohe Ressourcenaufwand der Apherese eine erhebliche Herausforderung für die Skalierbarkeit dar. Da das Verfahren nicht ohne Weiteres für die gesamte Bevölkerung zugänglich gemacht werden kann, betonen Forscher den Bedarf an leichter zugänglichen, alltagstauglichen Lösungen zum Schutz besonders gefährdeter Gruppen wie Schwangeren, Kindern und Menschen mit hoher berufsbedingter Exposition oder Vorerkrankungen. Study Finds schließt:

«Vorerst ist die Reduzierung des Konsums hochverarbeiteter Lebensmittel der einzige Hebel, der auf Bevölkerungsebene zur Verfügung steht, noch bevor klinische Entfernungsmethoden validiert sind. Die Autoren räumen ein, dass dies keine einfache Forderung ist und dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Ernährung, Kunststoffen und Gehirnschäden noch am Anfang stehen. Sie argumentieren jedoch, dass dies der derzeit praktikabelste Schritt ist, der dem Ausmaß des Problems gerecht wird.
Die Belastung des Gehirns durch Kunststoffe hat in nur acht Jahren um etwa 50 Prozent zugenommen. Sollte sich dieses Tempo fortsetzen, könnten die Folgen für die Gesundheit des Gehirns auf Bevölkerungsebene über Generationen hinweg erheblich sein. Forscher, Kliniker und Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens stehen vor der dringenden und noch unbeantworteten Frage: Was kann getan werden, bevor die Zahlen weiter steigen?»

Imperium in Schutt und Asche (Teil 2): Der Zusammenbruch in Zahlen

In Teil zwei meiner vierteiligen Serie, den man zusammenfassen könnte mit «Der Käfig wird gebaut, bevor die Krise eintrifft», beschreibe ich den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zerfall der Vereinigten Staaten. Ich versuche darin zu erklären, dass sich Amerika nicht in einer gewöhnlichen Krise befindet, sondern in einem strukturellen Umbau, bei dem wirtschaftliche Unsicherheit, technologische Kontrolle und staatliche Überwachung immer stärker miteinander verschmelzen.

Meine zentrale These lautet, dass die amerikanischen Eliten längst nicht mehr versuchen, Wohlstand oder Stabilität für die Bevölkerung zu sichern, sondern stattdessen ein System vorbereiten, das darauf ausgelegt ist, eine zunehmend verarmende und überflüssig werdende Bevölkerung zu kontrollieren.

Ich möchte mit dem Hinweis beginnen, dass viele Menschen den Charakter des Systems, in dem sie leben, missverstehen.

Du musst verstehen, dass du nichts tust, wozu sie nicht bereit wären. Sie haben dich buchstäblich dazu provoziert, es zu tun.

Damit meine ich, dass gesellschaftliche Eskalationen längst einkalkuliert sind. Wer impulsiv auf politische oder wirtschaftliche Unterdrückung reagiert, beschleunigt möglicherweise nur die eigene Kontrolle durch den Staat. Genau darauf, so argumentiere ich, bereitet sich das System bereits vor.

Das meine ich damit, dass du versuchen musst, den Kontext zu verstehen, in dem du tatsächlich lebst. Amerika ist kein Land, so wie die meisten Menschen – einschließlich der meisten Amerikaner – es sich vorstellen. Nein, Amerika ist zu einer territorialen und institutionellen Plattform geworden, durch die eine globale Finanzklasse Macht projizieren, Reichtum anhäufen und Bevölkerungen verwalten kann.

Ich rede nicht von Politikern. Politiker sind nichts als Angestellte. Sie sind bestenfalls mittleres Management. Ich rede von den Finanzmächten und Eigentümern, die über Regierungen, Parteien und Wahlen stehen und unabhängig davon bestehen bleiben, wer gerade gewählt wird.

Diese globale Eigentümerklasse ist aus meiner Sicht keiner Nation loyal. Sie interessiert sich nicht für das amerikanische Volk, sondern ausschließlich für die Stabilität und Ausweitung ihres eigenen Systems. Die Bevölkerung ist darin lediglich ein Input – Arbeitskraft, Konsumkraft, Steuerbasis oder militärisches Rekrutierungspotenzial.

Doch genau diese Bevölkerung wird für die Eigentümerklasse zunehmend überflüssig. Automatisierung und künstliche Intelligenz verändern die wirtschaftliche Grundlage des Landes. Die Menschen, denen diese Technologien gehören, besitzen zugleich die Medienplattformen, die Überwachungsinfrastruktur und große Teile des Sicherheitsapparats.

Ich sage deshalb, dass eine Bevölkerung, die wirtschaftlich nicht mehr notwendig ist, irgendwann nicht mehr gefördert oder besänftigt, sondern verwaltet wird. Du wechselst in ihren Büchern vom Aktivum zur Verbindlichkeit. Genau daraus ergibt sich meiner Ansicht nach der Ausbau des modernen Überwachungsstaates.

Ein zentraler Teil meiner Analyse sind Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete. Ich argumentiere, dass Gaza und das Westjordanland über Jahrzehnte hinweg als Versuchslabor für Kontroll- und Überwachungstechnologien genutzt wurden. Gesichtserkennung, KI-gestützte Zielsysteme, Bewegungsüberwachung, unterschiedliche Rechtssysteme für verschiedene Bevölkerungsgruppen oder administrative Haft sind dort entwickelt und perfektioniert worden.

Israel war immer nur ein Forschungs- und Entwicklungsauftragnehmer der Vereinigten Staaten. Die an Palästinensern getesteten Methoden würden anschließend in die Vereinigten Staaten exportiert und dort in Polizeiarbeit, Sicherheitsbehörden und Überwachungssysteme integriert. Austauschprogramme zwischen israelischen Sicherheitskräften und amerikanischen Polizeibehörden sind Ausdruck dieser Entwicklung. Die Palästinenser sind unfreiwillig zum Labor für Technologien geworden, die später gegen die amerikanische Bevölkerung eingesetzt werden.

Daraus leite ich besagte zentrale These ab:

Der Käfig wird gebaut, bevor die Krise eintrifft.

Damit meine ich, dass der Ausbau von Überwachung und Kontrolle nicht als Reaktion auf einen bestehenden Aufstand erfolgt, sondern als Vorbereitung auf die sozialen Folgen wirtschaftlicher Verwerfungen, die bereits begonnen haben.

Ich verweise auf Überwachungsdrohnen über amerikanischen Städten, auf Gesichtserkennungssysteme in öffentlichen Verkehrsmitteln (siehe dazu den TN-Artikel «Mit ‹Crotch Cams› – ‹Genitalienkameras› – gen Überwachungsstaat im Verkehr») und Einkaufszentren sowie auf die Verknüpfung persönlicher Daten aus Finanzsystemen, sozialen Netzwerken und Beschäftigungsdatenbanken.

Daraus entstehen umfassende Verhaltensprofile. Gleichzeitig beschreibe ich Fälle finanzieller Ausgrenzung, bei denen Menschen ohne Gerichtsverfahren aus Zahlungsdiensten ausgeschlossen oder wirtschaftlich isoliert wurden.

Besonders kritisch äußere ich mich zum Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens. Viele Menschen sehen darin eine soziale Errungenschaft. Ich sehe darin jedoch ein Instrument totalitärer Kontrolle. Das ist kein Gewinn. Das ist eine Kette um euren Hals, sage ich mit Blick auf Technologieunternehmer wie Sam Altman. Denn wenn Einkommen künftig vollständig digital kontrolliert werden, kann der Zugang zu Geld direkt an erwünschtes Verhalten gekoppelt werden. Wer sich oppositionell äußert oder gegen die Interessen des Systems handelt, kann finanziell abgeschnitten werden.

Zu der grundsätzlichen Analyse gehört auch eine ausführliche von wirtschaftlichen Kennzahlen. Ich fordere mein Publikum auf, nicht auf politische Slogans wie «Build Back Better»* oder «Make America Great Again» zu achten, sondern auf die Realität. Lasst uns stattdessen anschauen, was sie tatsächlich gebaut haben.

Besonders ausführlich spreche ich über Unternehmensinsolvenzen. Die Zahl amerikanischer Firmenpleiten ist 2024 auf den höchsten Stand seit Jahren gestiegen und hat sich 2025 weiter erhöht. Große Unternehmenszusammenbrüche liegen deutlich über dem Niveau vor der Finanzkrise von 2008.

Auch der Arbeitsmarkt befindet sich aus meiner Sicht im Niedergang. Über 1,2 Millionen Arbeitsplätze sind 2025 gestrichen worden – die höchste Zahl seit der Pandemie. Gleichzeitig haben geplante Neueinstellungen historische Tiefstände erreicht. Es wurde ein Arbeitsmarkt gebaut, der rückwärts läuft.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten. Innerhalb weniger Jahre ist sie von rund 23 auf 39 Billionen Dollar gestiegen. Noch gravierender sind die Zinszahlungen, die inzwischen höher liegen als die Ausgaben für Verteidigung oder Gesundheitsprogramme. Der größte Posten im amerikanischen Haushalt sind jetzt die Zinsen. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass der Staat zunehmend nur noch damit beschäftigt ist, die Kosten seines eigenen Schuldensystems zu bedienen.

Parallel dazu haben auch die privaten Schulden Rekordhöhen erreicht. Kreditkartenschulden, Haushaltsverschuldung und Zahlungsausfälle nehmen massiv zu. Besonders in armen Vierteln können immer mehr Menschen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Das bedeutet Räumung. Das bedeutet Obdachlosigkeit.

Breiten Raum nimmt in meiner Analyse die Obdachlosenkrise ein. Hunderttausende Amerikaner leben ohne festen Wohnsitz, darunter eine stark steigende Zahl von Familien mit Kindern. 150.000 obdachlose Kinder gibt es im reichsten Land der Erde. Dies ist ein Ausdruck eines Systems, das immer mehr Menschen aus wirtschaftlicher Sicherheit verdrängt.

Gleichzeitig haben Räumungen und Zwangsversteigerungen historische Ausmaße erreicht. In manchen Städten wird alle paar Minuten eine neue Räumungsklage eingereicht. Hinzu kommen drastisch steigende Wohn- und Versicherungskosten. Sie können euch jederzeit obdachlos machen.

Auch der Einzelhandel befindet sich aus meiner Sicht im Zerfall. Tausende Geschäfte, Apotheken und Einkaufszentren haben geschlossen. Ganze Stadtteile werden zu sogenannten «Apothekenwüsten», in denen Menschen keinen Zugang mehr zu grundlegender Versorgung hätten. «Das ist es, was sie mit ‹Build Back Better› meinen», sage ich polemisch.

Darüber hinaus beschreibe ich den Zustand der amerikanischen Infrastruktur als katastrophal. Trotz milliardenschwerer Investitionsprogramme sind Brücken, Straßen, Wassersysteme und öffentliche Einrichtungen vielerorts marode geblieben. Die Finanzierungslücke wächst weiter an. Sie haben mehr Geld ausgegeben als je zuvor, aber die Infrastruktur ist schlechter geworden.

Auch das Bildungssystem sehe ich im Niedergang. Öffentliche Schulen verlieren hunderttausende Schüler, Universitäten müssen schließen oder fusionieren. Sie haben ein Land gebaut, in dem die Schulhäuser dunkel werden. Für mich ist dies Ausdruck einer Gesellschaft, die ihre Zukunft aufgegeben hat.

Parallel dazu beobachte ich einen massiven Ausbau von Haft- und Abschiebestrukturen. Die Zahl der Menschen in Einwanderungshaft erreicht historische Höchststände. Neue Einrichtungen entstehen auf Militärbasen oder in abgelegenen Regionen. Sie bauen ein zweites Gefängnissystem, größer als das erste. Besonders kritisch sehe ich, dass viele Inhaftierte niemals strafrechtlich verurteilt wurden.

Besonders düster sieht es aus, wenn man sich dem Thema Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten widmet. Tausende Menschen sind in wenigen Jahren durch Polizeieinsätze getötet worden. Schwarze Amerikaner sind dabei überproportional betroffen. Gleichzeitig sehen sich beteiligte Beamte nur äußerst selten strafrechtlichen Konsequenzen ausgesetzt. Euer Körper gehört euch nicht.

Im Vergleich zu europäischen Staaten erscheint die Gewalt, die von amerikanischen Polizeibehörden ausgeht, außergewöhnlich hoch. Während andere westliche Demokratien nur wenige tödliche Polizeieinsätze pro Jahr verzeichnen, kommt es in den USA beinahe täglich zu tödlichen Zwischenfällen.

Die Lektion lautet: Der Staat kann dein Leben jederzeit nehmen.

Auch die Lage in den ländlichen Regionen ist alarmierend. Landwirtschaftliche Insolvenzen nehmen massiv zu, viele Bauern geben ihre Betriebe endgültig auf. Die Verschuldung der Landwirtschaft erreicht Rekordwerte, während Einkommen einbrechen. Ganze Regionen des Mittleren Westens befinden sich in einer wirtschaftlichen Krise.

Hinzu kommt ein dramatischer Rückgang medizinischer Versorgung im ländlichen Raum. Immer mehr Krankenhäuser schließen ihre Geburtsstationen. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate auf historische Tiefstände. Ihr glaubt nicht einmal mehr, dass das Land Kinder unterstützen wird. Für mich ist dies Ausdruck eines grundlegenden gesellschaftlichen Pessimismus.

Selbstmord gehört inzwischen zu den häufigsten Todesursachen in den Vereinigten Staaten. Auch der internationale Tourismus geht zurück, während immer mehr Amerikaner darüber nachdenken, ihre Staatsbürgerschaft aufzugeben. «Ihr seid die Titanic», erkläre ich meinem Publikum.

Die USA bewegen sich meiner Ansicht nach nicht auf wirtschaftliche Erneuerung zu, sondern auf ein System aus Verarmung, Überwachung und autoritärer Kontrolle. «Sie meinten es nie besser für euch», lautet eine meiner zentralen Botschaften. Sowohl «Build Back Better» als auch «Make America Great Again» sind letztlich nur unterschiedliche Schlagworte für denselben Prozess.

Der zweite Teil meiner Serie versteht sich damit weniger als nüchterne Analyse denn als Warnung vor einer Zukunft, in der wirtschaftlicher Niedergang und technologische Kontrolle Hand in Hand gehen. Ich zeichne das Bild eines Staates, der sich nicht mehr auf die Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Bürger konzentriert, sondern auf deren Verwaltung und Kontrolle in einer Zeit wachsender sozialer Instabilität.

* «Build Back Better» (BBB) ist ein Ansatz, der nach Katastrophen oder Krisen auf einen widerstandsfähigeren, nachhaltigeren und sichereren Wiederaufbau abzielt. Er integriert physische, soziale und ökologische Aspekte, um die Resilienz zu stärken. Das Konzept wird sowohl in der Katastrophenhilfe als auch als politische Agenda für wirtschaftliche Erholung und soziale Gerechtigkeit genutzt.

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Dieser Teil ist in ausführlicher deutscher Übersetzung am 30. April auf Seniora.org erschienen. Teil 1 «Falsche Flammen des Widerstands» hat TN auch in kompakter Form veröffentlicht. Insgesamt gibt es vier Teile.

Shahed Bolsen ist ein politischer Autor und Analyst, der sich kritisch mit Kapitalismus, Machtstrukturen, Aufstandsbekämpfung und staatlicher beziehungsweise unternehmerischer Überwachung auseinandersetzt. Der in den USA Geborene versteht sich selbst als Muslim und formuliert seine politischen Analysen teilweise aus einer Perspektive, die Erfahrungen aus muslimischen Gesellschaften (unter anderem Nahost/Ägypten-Kontext nach dem Arabischen Frühling) einbezieht.

Frankreichs doppeltes Spiel – vom Sahel bis Burkina Faso

Die neue Gewaltwelle in Mali zeigt die Grenzen externer Einflussnahme. «Russland hat mehr Versprechen gemacht, als es letztlich einlösen konnte», sagt Büroleiterin Svenja Bode von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali. Doch die Fixierung auf Moskau greift zu kurz – denn die eigentlichen Ursachen reichen weiter zurück und führen direkt nach Paris.

Wenig beachtet von den Medien haben die koordinierten Angriffe dschihadistischer Gruppen und separatistischer Kräfte – von Bamako über Gao bis Kidal – die Fragilität des malischen Staates erneut offengelegt. Der symbolische Verlust von Kidal ist dabei mehr als ein militärischer Rückschlag: Er steht für ein strukturelles Scheitern staatlicher Kontrolle. Dieses Scheitern ist jedoch nicht allein das Ergebnis aktueller Entwicklungen, sondern auch das Resultat einer langen Geschichte externer Einflussnahme.

Frankreich hat über Jahrzehnte hinweg die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Strukturen in Mali und der gesamten Sahelzone maßgeblich geprägt. Offiziell als Partner und Stabilitätsgarant, faktisch jedoch oft als dominierende Macht im Hintergrund. Militäreinsätze wie «Serval» und «Barkhane» wurden als Kampf gegen den Terrorismus legitimiert – doch sie konnten weder die Sicherheitslage nachhaltig verbessern noch das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen.

Stattdessen verfestigte sich der Eindruck, dass Paris vor allem eigene Interessen verfolgt: geopolitische Präsenz, Einflusszonen, wirtschaftliche Zugänge. Die wachsende Ablehnung Frankreichs in Mali ist kein Zufall, sondern das Ergebnis dieser Erfahrung. Der Bruch mit westlichen Partnern und die Hinwendung zu neuen Akteuren wie Russland, China oder der Türkei waren daher auch ein Akt politischer Emanzipation – wenn auch ein riskanter.

Dass Russland diese Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte, ist offensichtlich. Militärische Kooperation, etwa durch das Africa Corps, brachte keine nachhaltige Stabilität. Menschenrechtsvorwürfe, hohe Kosten und ausbleibende Infrastrukturprojekte zeigen die Grenzen dieses Ansatzes. Doch auch hier gilt: Moskau stößt auf ein System, das bereits zuvor tiefgreifende strukturelle Defizite aufwies.

Ein Blick in die Region macht deutlich, wie weit diese Problematik reicht. In Burkina Faso etwa ist die Entwicklung ähnlich: politische Instabilität, wachsende Gewalt und eine klare Abkehr von Frankreich. Historisch besonders prägend ist der Sturz von Thomas Sankara, der als Symbolfigur einer unabhängigen, antiimperialen Politik gilt. Seine Ermordung 1987 – unter bis heute umstrittenen Umständen und im Kontext internationaler Machtinteressen – markierte für viele in der Region einen Wendepunkt. Für nicht wenige steht sie sinnbildlich für die Grenzen politischer Eigenständigkeit im Einflussbereich Frankreichs.

Diese historische Erfahrung wirkt bis heute nach. Sie nährt das Misstrauen gegenüber Paris und verstärkt die Bereitschaft, neue Partner zu suchen – selbst wenn diese keine besseren Lösungen bieten. In Mali wie in Burkina Faso zeigt sich, dass es weniger um eine klare Hinwendung zu Russland geht, sondern um eine Abkehr von einem als bevormundend empfundenen System.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Debatte im Westen oft verkürzt. Die Kritik an Russland ist berechtigt, aber sie blendet aus, dass Frankreich über Jahrzehnte hinweg genau jene Strukturen mitgeprägt hat, die heute instabil sind. Weder wurden tragfähige staatliche Institutionen aufgebaut noch soziale und wirtschaftliche Grundlagen ausreichend gestärkt.

Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind die Menschen vor Ort. Sie erleben, wie ihr Land zum Schauplatz geopolitischer Konkurrenz wird – ohne dass sich ihre Lebensrealität grundlegend verbessert. Für Deutschland und die EU bleiben die Handlungsmöglichkeiten begrenzt. Kooperation kann angeboten werden, doch die Entscheidung liegt bei den Staaten der Region selbst.

Die eigentliche Lehre aus Mali – und aus dem Blick nach Burkina Faso – ist ernüchternd: Externe Mächte haben über Jahrzehnte Einfluss genommen, ohne nachhaltige Stabilität zu schaffen. Russland scheitert sichtbar an seinen eigenen Ansprüchen. Frankreich jedoch trägt eine tiefere Verantwortung – weil sein Einfluss die Ausgangsbedingungen bis heute prägt.


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