Neuer Film: «Genocide in a suit»
Die lettische Juristin Janis Plavins hat einen Dokumentarfilm gedreht, in dem sie sich mit den Vorstufen des Genozids beschäftigt. Viele von uns denken, dass dieser nur aus dem Moment des Massenmordes besteht, doch das ist, wie Plavins es in «Genocide in a suit» beschreibt, nur die 9. Stufe, die laut brutal – und nicht mehr zu ignorieren ist.
Lange davor gibt es andere acht Stufen, die still und kalkuliert sind – und oft hinter der Maske des Gesetzes verborgen werden. Ein Völkermord kommt im 21. Jahrhundert nicht immer mit Waffen oder Gaskammern daher, kündigt sich nicht mehr mit Uniformen, Lagern oder Massengräbern an.
Stattdessen trägt er einen Anzug und wird den Bürgern unter dem Deckmantel des Guten und des öffentlichen Interesses verkauft. Er schreitet still und leise voran, durch Politik, Fachsprache, moralische Rahmenbedingungen und sozialen Druck. Er verwendet die Sprache der öffentlichen Sicherheit, der nachhaltigen Entwicklung oder der Krisenreaktion.
Am Beispiel ihres Heimatlandes Lettland, einer kleinen baltischen Nation, die EU-Mitglied ist, hat Plavins dargestellt, wie die Stufen des Genozids vor dem Massenmord aussehen. Sie sind bürokratisch, erscheinen legal korrekt und werden schrittweise ausgeführt. Oft mit der stillen Zustimmung der Gesellschaft.
In ihrer Doku konzentrierte sich Plavins darauf, die Grenze zwischen Recht, Macht und Gewissen zu erforschen. Ihre Arbeit basiert «auf gelebter Erfahrung, langjähriger Beobachtung und der Weigerung, Schaden zu akzeptieren, der als Politik oder Moral getarnt ist». Sie beansprucht keine Zugehörigkeit und hat keine Genehmigung eingeholt.
Dieser Dokumentarfilm existiert laut Plavins, weil den meisten Menschen beigebracht wurde, Völkermord erst dann zu erkennen, wenn dieser unbestreitbar geworden ist. Dann sei es jedoch bereits zu spät. «Genocide in a Suit» decke die frühen Stadien auf – die psychologische Konditionierung, die bürokratische Normalisierung und die Gehorsamsmechanismen, die groß angelegten Schaden ohne offene Gewalt möglich machen.
Anhand von Beispielen aus der realen Welt und etablierten Rahmenwerken zeigt der Film, wie gewöhnliche Menschen dazu gebracht werden können, sich an Systemen zu beteiligen, sich ihnen zu fügen und sie sogar zu verteidigen, obwohl diese ihre eigene Freiheit, Gesundheit und Würde untergraben. Nicht allein durch Angst – sondern durch Appelle an Verantwortung, Sicherheit und Moral. Plavins schreibt:
«Dies ist kein Dokumentarfilm nur über Bösewichte – es geht um Systeme, die gewöhnliche Menschen lehren, Schaden zu akzeptieren, zu rechtfertigen und zu verteidigen. Diese Fallstudie zeigt das globale Muster auf, wer dieses erkennt, kann den Genozid überall stoppen.»
In der Ankündigung zum Film kommt Vera Sharav zu Wort, die als Kind den Nazi-Völkermord überlebt hat. Diese warnt:
«Wenn Regierungen und Unternehmen sich unter dem Banner der ‹öffentlichen Gesundheit› zusammenschließen, wird die Menschheit selbst zum Experiment, in dem Menschen wie Versuchskaninchen für das angebliche ‹höhere Wohl› geopfert werden.»
Unser Tipp: Schauen Sie sich diesen Film an, laden Sie ihn herunter und teilen Sie ihn. Dass er dem politischen System nicht gefällt, wurde allein dadurch deutlich, dass die YouTube-Version von «Genocide in a suit» innerhalb weniger Tage nach der Veröffentlichung von der Bildfläche verschwand.