Kaum beachtet von der Weltöffentlichkeit, bahnt sich der erste internationale Strafprozess gegen die Verantwortlichen und Strippenzieher der CoronaâP(l)andemie an. Denn beim Internationalem Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wurde im Namen des britischen Volkes eine Klage wegen âVerbrechen gegen die Menschlichkeitâ gegen hochrangige und namhafte Eliten eingebracht. Corona-Impfung: Anklage vor Internationalem Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit! â UPDATE
Jean-Luc Brunel, der einflussreiche französische Model-Agent und mutmaĂliche Serienvergewaltiger, war jahrzehntelang eine zentrale Figur im Epstein-Netzwerk. Laut einem detaillierten Bericht von The Gateway Pundit lieferte Brunel Dutzende minderjĂ€hrige MĂ€dchen an Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell, um sie fĂŒr sexuellen Missbrauch zu «nutzen».
Virginia Giuffre beschreibt in ihrem posthum veröffentlichten Werk «Nobody's Girl: Meine Geschichte von Missbrauch und dem Kampf um Gerechtigkeit», wie Brunel sie mehrmals in New York und auf Epsteins Insel vergewaltigte â und wie Epstein und Brunel die MĂ€dchen nebeneinander missbrauchten, wĂ€hrend sie «gegenseitiges malignes VergnĂŒgen an unserem UnglĂŒck» empfanden. Epstein selbst gab an, mit mehr als 1.000 von Brunels MĂ€dchen geschlafen zu haben.
Besonders brisant sind neu freigegebene DOJ-Unterlagen aus dem Jahr 2016: Brunel verhandelte damals heimlich mit AnwĂ€lten von Epsteins Opfern und bot belastende Fotos von Epstein im Tausch gegen ImmunitĂ€t an. Er wollte vor BundesstaatsanwĂ€lten in New York aussagen. Epstein erfuhr davon, schaltete die ehemalige Obama-White-House-AnwĂ€ltin Kathy Ruemmler ein und bot drei Millionen Dollar, um die Aussage zu verhindern. Die Verhandlungen brachen ab â Brunel sagte nie aus.
Auf den Tod von Brunel gehen wir auch in unserem kĂŒrzlich erschienenen Beitrag «Celia Farber ĂŒber âčEpstein-Sumpfâș: Das AusmaĂ der Verstrickung in der gesamten Gesellschaft lĂ€sst sich nicht ĂŒberschĂ€tzen» ein. Darin heiĂt es, Brunel sei «100-mal schlimmer als Maxwell» gewesen, wie es ein anonymes Opfer bereits 2021 dem Justizministerium mitgeteilt hatte.
Das Epstein-Opfer Thysia Huisman wiederum Ă€uĂert klare Zweifel am offiziellen Suizid-Szenario: Es sei «zu praktisch», genau wie bei Epstein selbst. Die mangelnde Ăberwachung in der Haft lasse den Verdacht einer systematischen Vertuschung aufkommen, um weitere EnthĂŒllungen zu verhindern.
Die Zweifel begrĂŒnden sich maĂgeblich auf folgendem Sachverhalt:
Mangelnde beziehungsweise angeblich unzureichende Ăberwachung: Brunel war allein in der Zelle. Er wurde zwischen zwei Kontrollrunden gefunden. Die GefĂ€ngnisgewerkschaft (FO) beteuerte sofort, es habe keine Pflichtverletzung gegeben. Skeptiker halten genau diese ErklĂ€rung fĂŒr suspekt: In einem Hochsicherheitsfall mit Epstein-Bezug hĂ€tte eine strengere Ăberwachung (Kameras, stĂ€ndige Beobachtung, Zellengenosse) erwartet werden mĂŒssen. Die «fehlende Ăberwachung» wird explizit als NĂ€hrboden fĂŒr Vertuschungsverdacht genannt.
Ein erfahrener Pariser Polizist sagte der New York Post damals: «Es war sehr praktisch und ja, verdÀchtig.» Im selben Artikel wird auch ein Pariser Fotograf, der mit Brunel gearbeitet hatte, mit der Aussage zitiert, das alles sei schon «seltsam».
Noch extremer und seltsamer wirken die UmstĂ€nde von Brunels Ableben, wenn man die UmstĂ€nde des Todes von Jeffrey Epstein betrachtet. So berichteten wir ĂŒber den renommierten Pathologen Michael Baden, der im Auftrag von Epsteins Familie als Beobachter bei der Autopsie am 11. August 2019 anwesend war. Baden stellte dann drei Frakturen im Halsbereich fest (Hyoidknochen links sowie rechter und linker Schildknorpel), Petechien in Gesicht, Augen und Zunge sowie eine asymmetrische, nicht umlaufende Ligaturfurche â alles Befunde, die «am wahrscheinlichsten» auf eine Strangulierung (Mord durch ErwĂŒrgen) hindeuten.
In seiner 50-jĂ€hrigen Karriere habe er noch nie einen Suizid durch ErhĂ€ngen mit dreifachem Genickbruch gesehen. Schon eine einzelne Fraktur erfordere eine Mordermittlung. Die offizielle Todesursache «Suizid durch ErhĂ€ngen», festgelegt von der New Yorker Chief Medical Examiner Barbara Sampson (die selbst nicht bei der Autopsie anwesend war), steht damit auf extrem wackeligen FĂŒĂen â um nicht zu sagen: sie hat faktisch keine belastbare Grundlage.
Hinzu kommen die ausgefallenen Kameras, die fehlenden KontrollgĂ€nge, die chaotische Tatortbearbeitung und eine mysteriöse orangefarbene Gestalt auf dem verbliebenen Video â alles Indizien, die den offiziellen Suizid-Bericht massiv infrage stellen.
Zusammengenommen zeigt sich ein erschreckendes Muster: Brunel und Epstein waren nicht nur TĂ€ter, sondern auch gefĂ€hrliche Kronzeugen, deren plötzliche Tode in Hochsicherheits-Haftanstalten unter dubiosen UmstĂ€nden erfolgten. WĂ€hrend die offiziellen Stellen bei beiden «Suizid» verkĂŒnden, sprechen die forensischen Fakten, die Opfer-Aussagen und die fehlende Ăberwachung eine völlig andere Sprache â eine Sprache der systematischen Vertuschung, die das gesamte AusmaĂ des Epstein-Sumpfes weiter im Dunkeln lĂ€sst.
«Verschwörungsideologisches Desinformationsportal» nennt die angeblich freie Online-EnzyklopĂ€die Wikipedia unser Nachrichtenportal Transition News, wie wir kĂŒrzlich bemerkt haben. Nun machte uns ein Leser darauf aufmerksam, dass diese Bezeichnung sowie der gesamte Satz, in dem sie enthalten ist, wortwörtlich von einem Belltower News-Artikel ĂŒbernommen wurden (auĂer einer kleinen Korrektur). Wikipedia fĂŒgt dabei zwar die Quelle an, kennzeichnet die Passage aber nicht als Zitat.
Brisant ist indes auch, dass Belltower News, das nach eigener Angabe «Journalismus gegen Hass & Hetze» liefert, von der berĂŒchtigten Amadeu Antonio Stiftung betrieben wird. Und die ist bekannt dafĂŒr, selbst gegen ihr unangenehme Medienschaffende zu hetzen. Die Stiftung kommt zudem in den Genuss von staatlichen Fördermitteln. Im November letzten Jahres hat die AfD deshalb einen Antrag gestellt, um diese Finanzierung zu beenden.
In dem erwĂ€hnten Belltower News-Beitrag geht es um ein Benefizkonzert in Berlin im Dezember 2024 unter dem Titel «Voices for Gaza». Der Begriff «Verschwörung» kommt darin ganze 18 Mal vor, in allen Variationen. So ist etwa Michael BrĂŒndel aka «Captain Future» ein «Verschwörungs-DJ». Von «Verschwörungsinfluencer*innen» wie der SĂ€ngerin und Songwriterin Nina Maleika ist die Rede. Kayvan Soufi-Siavash (vormals Ken Jebsen) sei hingegen ein «Verschwörungsguru». Und das Konzert wird als «Verschwörungsparty fĂŒr Gaza» bezeichnet. Realsatire pur. Aber auch eine Verhöhnung der Opfer des Krieges in der palĂ€stinensischen Enklave. Der Artikel ist zudem â wen wundert's â mit Gender-Stolpersternchen gespickt.
Die Amadeu Antonio Stiftung scheint sich auf Verschwörungen eingeschossen zu haben. So ist sie beispielsweise auch am «Beratungskompass Verschwörungsdenken» beteiligt, der laut dem Bundesministerium des Innern online und telefonisch eine «vertrauliche Beratung» fĂŒr «Betroffene und ihr Umfeld» anbietet, die sich von «VerschwörungserzĂ€hlungen» belĂ€stigt fĂŒhlen (wir berichteten).
Die Beratungsstelle ist Teil eines gemeinsam vom Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und vom BMI finanzierten und beauftragten Projekts, das seit MĂ€rz 2024 im Rahmen des Bundesprogramms «Demokratie leben!» lĂ€uft. DurchgefĂŒhrt wird das Projekt von der Amadeu Antonio Stiftung, dem Violence Prevention Network und modus â Zentrum fĂŒr angewandte Deradikalisierungsforschung.
Die Stiftung hat zudem an der Studie «Antisemitism and anti-vax discourse in Europe» (Antisemitismus und Impfgegner-Diskurs in Europa) mitgewirkt (wir berichteten). Passend zu all dem: Vorstandsvorsitzende von Amadeu Antonio war bis MĂ€rz 2022 Anetta Kahane, frĂŒhere Informantin der «Stasi», dem Staatssicherheitsdienst der DDR. Das schreibt selbst ... Wikipedia.
Die Definition von sogenanntem «Long COVID» besitzt nach wie vor in Medizinkreisen einen enormen Stellenwert. So klassifizieren WHO und CDC sie weiterhin als eigenstĂ€ndige «infektionsassoziierte chronische Erkrankung» mit mindestens dreimonatiger Dauer. Auch flieĂen weiterhin Hunderte Millionen Euro in Forschung und Versorgung; allein in Deutschland ist ein nationales Jahrzehnt gegen postinfektiöse Erkrankungen mit 500 Millionen Euro Förderung angelaufen. Und die Definition bestimmt Leitlinien, ICD-Codes, Impfempfehlungen sowie die tĂ€gliche Praxis von HausĂ€rzten und Fachkliniken (siehe auch hier).
Vor diesem Hintergrund gewinnt die fundamentale Kritik an dieser Definition eine besondere Brisanz. Solange diese vage Kategorie als medizinische RealitĂ€t behandelt wird, bleibt die Gefahr groĂ, dass Ressourcen fehlgeleitet, andere Erkrankungen ĂŒbersehen und gesellschaftliche Ăngste kĂŒnstlich am Leben gehalten werden.
Scharfe Kritik ĂŒbt jetzt der renommierte britische Pflegewissenschaftler und Biochemiker Roger Watson in einem auf Daily Sceptic erschienenen Beitrag. Darin beschreibt er «Long COVID» als «eine Krankheit auf der Suche nach einer Diagnose». Was als ernstzunehmende SpĂ€tfolge einer Corona-Infektion verkauft wurde, sei in Wahrheit nichts anderes als eine neu verpackte Sammlung unspezifischer Symptome, die sich kaum von bekannten postviralen Syndromen wie dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) unterscheiden lasse.
Watson moniert vor allem die extreme Dehnbarkeit der Definition. Mal reichten Symptome, die lĂ€nger als vier Wochen anhielten, mal mussten es drei Monate sein. Labornachweise einer Infektion? Oft ĂŒberflĂŒssig. Wer glaubte, COVID gehabt zu haben, konnte mit «Long COVID» diagnostiziert werden. Die Symptomliste schwoll auf Hunderte EintrĂ€ge an â von MĂŒdigkeit und «Brain Fog» ĂŒber Herzrasen bis hin zu Haarausfall und Gelenkschmerzen. Spezifisch ist dabei wohlgemerkt kein Symptom. All diese Beschwerden sind alltĂ€glich und kommen bei unzĂ€hligen anderen Erkrankungen, nach jeder Grippe oder einfach durch Stress, Bewegungsmangel oder Alterungsprozesse vor. Watson:
«Wenn jeder unter die Definition fÀllt, verliert die Kategorie jede Aussagekraft.»
Studien, die er zitiert, untermauern diese Skepsis: Eine australische Untersuchung aus Queensland fand keinen Unterschied in den Langzeitsymptomen zwischen Menschen mit und ohne nachgewiesene Corona-Infektion. Bei Jugendlichen berichtete fast die HÀlfte der angeblich von «Long COVID» Betroffenen, sie seien nicht einmal «positiv» getestet worden. Bemerkenswert ist hier auch, dass selbst die US-National Academies 2024 «Long COVID» als «infektionsassoziierte chronische Erkrankung» definierten, ohne dass ein «positives» Testergebnis erforderlich ist.
Watson spricht von einem «diagnostischen Schirm», unter dem sich alles Mögliche versammeln lasse, und warnt: Eine KrankheitsentitĂ€t, die keinen Beweis fĂŒr ihre Ursache brauche, passe schlecht in die evidenzbasierte Medizin.
Hier möge man sich auch nochmal vergegenwĂ€rtigen: Diese vage, fast beliebig erweiterbare Definition hatte fĂŒr die Corona-Politik eine enorme Bedeutung. Sie wurde zum zentralen Argument, um Ăngste auch nach dem akuten Pandemiegeschehen aufrechtzuerhalten. Solange «Millionen» an «Long-COVID»-FĂ€llen in den Medien kursierten, lieĂen sich Maskenpflichten, Impfkampagnen, Homeoffice-Regeln und gesellschaftliche EinschrĂ€nkungen leichter rechtfertigen. Die Angst vor lebenslangen Folgen trieb die Akzeptanz von MaĂnahmen, die ohne diese Bedrohungskulisse schwer durchsetzbar gewesen wĂ€ren.
«Long COVID» wurde zum politischen Joker: Wer dagegen argumentierte, galt schnell als Leugner von Leid. Gleichzeitig flossen Millionen an Fördergeldern in die Forschung â weit mehr als je fĂŒr das seit Jahrzehnten bekannte ME/CFS â, wĂ€hrend echte Differenzialdiagnosen oft unterblieben.
Die Kritik an der Behauptung, es gebe Long COVID und es könne auch klar diagnostiziert werden, ist derweil nicht neu. Im September 2023 zum Beispiel veröffentlichte das Fachmagazin The BMJ eine Analyse, die wir bei TN auch gewĂŒrdigt haben. Die Autoren der Arbeit stammen aus den USA, GroĂbritannien und DĂ€nemark, und sie kommen zu einem vernichtenden Urteil: Die offiziellen Definitionen von CDC, WHO und anderen Institutionen seien «fehlerhaft». Sie umfassten mehr als 200 Symptome, von denen keines spezifisch fĂŒr eine Corona-Infektion sei â nicht einmal der Verlust des Geruchssinns könne als spezifisch genannt werden.
Auch fehlten Kontrollgruppen in den meisten Studien, und «positive» Tests seien fĂŒr die Definition «wertlos», weil sie keine kausale Verbindung herstellten. Die Folgen dieser methodischen Schlamperei seien gravierend: gesellschaftliche Ăngste stiegen, Gesundheitsausgaben explodierten und andere behandelbare Krankheiten erhielten fĂ€lschlicherweise das Etikett «Long COVID» . Die The BMJ-Autoren forderten deshalb klar: Der Sammelbegriff «Long COVID» sollte in der Forschung kĂŒnftig vermieden werden.
Dass etwas faul ist im «Staate Long Covid», darĂŒber hatte sogar die Bild Anfang 2022 berichtet, als man schrieb: «Long-Covid ist bei Kindern nur Short-Covid.»
Und kurz davor, Ende 2021, konstatierte Fred Zepp, seinerzeit und immer noch Mitglied der StĂ€ndigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts, in der nano-Sendung «Corona-Impfung fĂŒr Kinder | HĂ€usliche Gewalt» (siehe hier Minute 7:48 - 8:12):
«Wir wissen gar nicht, ob es Long COVID gibt. Am Anfang dieser Woche ist eine Publikation herausgekommen, die erneut alle Studien zu Long COVID bei Kindern untersucht hat. Diese kam zu der Erkenntnis, dass Symptome wie MĂŒdigkeit und körperliche Abgeschlagenheit im Prinzip sowohl bei Kindern vorkommen, die keine Infektion hatten, als auch bei Kindern, die eine hatten. Und wir mĂŒssen uns fragen, ob diese Symptome nicht eher auf SchulschlieĂungen und diese ganzen EinschrĂ€nkungen zurĂŒckzufĂŒhren sind.»
Die Studie, auf die sich Zepp hier bezieht, trĂ€gt den Titel «âčLong covidâș or âčlong lockdownâș?».
Bei dem, was als «COVID-19» bezeichnet wird, verhĂ€lt es sich im Ăbrigen nicht anders. Auch hierfĂŒr gibt es keine spezifischen Symptome. Durch nichts, was damit in Verbindung gebracht wird â Fieber, trockener Husten, Schnupfen, Halsschmerzen oder auch der Verlust des Geruchs-/Geschmackssinns, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden (Ăbelkeit, Durchfall) usw. â kann COVID «exklusiv» beschrieben werden.
Kritisch anzumerken wĂ€re auch noch, dass niemand fĂŒr sogenanntes «Covid-19» spezifische Symptome benennen kann â selbst wenn man die Computertomografie (CT) zu Hilfe nimmt. So hielt sogar das Ărzteblatt fest (siehe auch hier):
«Die Befunde im CT sind (...) nicht spezifisch fĂŒr COVID-19, sondern können auch bei anderen viralen Pneumonien vorliegen.»
Und nicht nur das. Auch wenn etwa von Infektionen im Zusammenhang mit «COVID-19» gesprochen wird, so ist zu bedenken, dass man diese mittels PCR (Polymerase Chain Reaction) ermittelt.
Doch nicht nur der Erfinder der PCR, Kary Mullis, konstatierte, dass die PCR fĂŒr die Feststellung einer Infektion nicht taugt. Auch haben mein Redaktionskollege Konstantin Demeter und ich es in einem bereits Ende Juni 2020 beim OffGuardian erschienenen Beitrag aufgezeigt. Und auch aus einer am 19. November 2020 erschienenen Lancet-Studie geht diese hervor, heiĂt es doch darin wörtlich:
«RNA detection cannot be used to infer infectiousness» (Der RNA-Nachweis kann nicht zum RĂŒckschluss auf die InfektiositĂ€t herangezogen werden).
Und sogar Anthony Fauci, Ex-Chef des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), konzedierte dies am 30. Dezember 2021 in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender MSNBC, indem er sagte:
«Die PCR gibt keinen Hinweis darauf, ob jemand ein Virus ĂŒbertragen kann oder nicht (...) Der einzige Weg, um festzustellen, ob es ĂŒbertragbar ist, ist, wenn man nachweisen kann, dass man ein lebendes replizierendes Virus in sich trĂ€gt, und die Tests [= PCR + Antigen] messen das nicht.»
Nach dem versuchten Drohnenangriff auf die Residenz des PrĂ€sidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, erklĂ€rte AuĂenminister Sergej Lawrow, dass Russland seine Verhandlungsposition gegenĂŒber der Ukraine ĂŒberdenken werde. Welche Ănderungen wurden vorgenommen?
Wie Sie wissen, unternahm das Kiewer Regime in der Nacht zum 29. Dezember 2025 einen Angriff auf die staatliche Residenz des russischen PrĂ€sidenten in der Oblast Nowgorod unter Einsatz mehrerer Dutzend Langstrecken-Drohnen. GlĂŒcklicherweise konnten alle diese SchlĂ€ge abgewehrt werden. Dieser Ăberfall wurde in vielen LĂ€ndern verurteilt. Unsere Partner konnten sich erneut von der terroristischen Natur der Selenskyj-Junta ĂŒberzeugen. Das Bildmaterial ist eindeutig: Unsere MilitĂ€rangehörigen in Moskau haben den US-Amerikanern die Flugsteuerung einer der abgeschossenen ukrainischen Drohnen ĂŒbergeben, die auf die Residenz zielten. Entsprechende Schlussfolgerungen wurden gezogen â auch von jenen, die das Kiewer Regime sponsern. Unsere AntwortmaĂnahmen lieĂen, wie Sie ebenfalls wissen, nicht lange auf sich warten: MilitĂ€rischen Objekten im Westen der Ukraine wurde schwerer Schaden zugefĂŒgt. BezĂŒglich der Ănderungen in der Verhandlungsposition kann ich lediglich bestĂ€tigen, dass solche vorliegen. Ich möchte keine Details an die Ăffentlichkeit tragen, stelle jedoch fest, dass unsere verschĂ€rfte Position den Teilnehmern der Sitzung der Arbeitsgruppe fĂŒr Sicherheitsfragen im Format Russland-USA-Ukraine am 4. und 5. Februar in Abu Dhabi ĂŒbermittelt wurde. In Kiew muss man verstehen: Jede derartige Aktion verengt die SpielrĂ€ume fĂŒr eine Lösung des Konflikts mit politisch-diplomatischen Mitteln. Soweit wir das beurteilen können, erkennt dies auch das Team von USA-PrĂ€sident Donald Trump, dem die schwierige Aufgabe ĂŒbertragen wurde, das Kiewer Regime zum Frieden zu zwingen.
Glauben Sie, dass das Istanbuler Verhandlungsformat erschöpft ist? Sind die Konsultationen auf dieser Schiene vollstÀndig zum Erliegen gekommen? Wie schreiten die Ukraine-Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) voran?
Offiziell hat niemand das Istanbuler Format beendet; wir sind aus dem Prozess nicht ausgestiegen. Wie Sie sich erinnern, fanden dort im Jahr 2025 drei Konsultationsrunden statt (im Mai, Juni und Juli). Gleichzeitig erklĂ€rte das ukrainische AuĂenministerium im November 2025 öffentlich den einseitigen Abbruch der Verhandlungen in Istanbul â angeblich wegen mangelnden «spĂŒrbaren Fortschritts». Dies wirkt gelinde gesagt befremdlich. Unbeantwortet blieben zudem die russischen VorschlĂ€ge, den Verhandlungsprozess durch ein bilaterales Kontrollzentrum fĂŒr den Waffenstillstand zu flankieren. Auch die Initiative zur Bildung thematischer Arbeitsgruppen fĂŒr militĂ€rische, politische und humanitĂ€re Belange stieĂ in Kiew auf keinerlei Resonanz. Es erfolgte auch keine klare Reaktion auf unsere Bereitschaft, die Ebene der Delegationsleiter anzuheben. Unter dem Druck der USA und infolge von Niederlagen auf dem Schlachtfeld ist Kiew an den Verhandlungstisch zurĂŒckgekehrt. Am 23. und 24. Januar sowie am 4. und 5. Februar tagten in Abu Dhabi die Arbeitsgruppen im trilateralen Format. Die Teilnehmer vereinbarten, in einem «Modus der Stille» zu arbeiten und keine Details an die Ăffentlichkeit dringen zu lassen.
Wie bewertet Moskau die Chancen fĂŒr die DurchfĂŒhrung von Wahlen in der Ukraine im Jahr 2026? Welchen auslĂ€ndischen Partnern und internationalen Organisationen wĂŒrde die russische Seite im Kontext einer Wahlbeobachtung vertrauen?
Als Reaktion auf die sowohl extern als auch intern wachsenden begrĂŒndeten VorwĂŒrfe der MachtanmaĂung und totalen Korruption hat Wolodymyr Selenskyj im Dialog mit den USA, der EU, GroĂbritannien und im innenpolitischen Informationsraum damit begonnen, ĂŒber die Bereitschaft zu spekulieren, Wahlen oder gar ein Referendum zu «territorialen Fragen» zu organisieren. Die instabilen innenpolitischen Positionen Selenskyjs zwingen ihn bereits jetzt dazu, Manipulationen zu planen. Es ist unklar, wie mit den Binnenvertriebenen verfahren werden soll â das ist eine enorme Anzahl von Menschen. Es werden Ideen lanciert, das «moldauische Szenario» anzuwenden: den in Russland lebenden BĂŒrgern der Ukraine den Zugang zur Wahl zu verweigern und stattdessen die Stimmen der Diaspora in westlichen LĂ€ndern maximal zu nutzen. Es scheint, dass der illegitime oder, wie man auch sagt, «abgelaufene» PrĂ€sident Selenskyj Optionen fĂŒr seinen Selbsterhalt an der Macht ausarbeitet. Dabei versprach er den Ukrainern noch 2019 öffentlich, sich nur fĂŒr fĂŒnf Jahre wĂ€hlen zu lassen und alles dafĂŒr zu tun, dass in der Ukraine Frieden einkehrt. Was seine Versprechen wert sind, ist wohl ohne weitere Worte klar. Im Januar wurden dem ukrainischen Parlament (Werchowna Rada) Ăberlegungen der Zentralen Wahlkommission zu den ModalitĂ€ten der Organisation und DurchfĂŒhrung der Abstimmung vorgelegt. Dort wurde eine Arbeitsgruppe zur Wahlvorbereitung gebildet. Doch reale, praktische Schritte zu deren Organisation unternimmt niemand. Das Kriegsrecht, das Wahlen unmöglich macht, bleibt in Kraft. Folglich ist es auch verfrĂŒht, ĂŒber die Einbindung irgendwelcher Strukturen in das Wahlmonitoring zu spekulieren.
Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin erklĂ€rte zuvor, dass Moskau bereit sei, darĂŒber nachzudenken, die Angriffe tief in die Ukraine am Tag der Abstimmung einzustellen, falls dort Wahlen stattfinden. BehĂ€lt dieses Angebot angesichts der ukrainischen Drohnenangriffe auf russisches Territorium seine GĂŒltigkeit?
SelbstverstĂ€ndlich bleiben die ErklĂ€rungen des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin aktuell. Aber wie ich bereits ausfĂŒhrte, ist von einer praktischen Organisation der Abstimmung in der Ukraine derzeit nicht die Rede. Gleichzeitig möchte ich im Kontext der ukrainischen Drohnenangriffe auf russisches Territorium auf unsere Erfahrung hinweisen. Im MĂ€rz 2024 wurden in Russland PrĂ€sidentschaftswahlen durchgefĂŒhrt, wobei die Wahllokale â selbst unter BerĂŒcksichtigung der laufenden militĂ€rischen Spezialoperation â in unmittelbarer NĂ€he zum Kampfgebiet geöffnet waren. Kiew versuchte mit allen Mitteln, den Wahlprozess in den frontnahen Regionen zu stören, und schreckte dabei nicht vor terroristischen Methoden und Sabotageakten zurĂŒck. Es gelang ihm jedoch nicht, sein Ziel zu erreichen. Wir werden uns nicht auf das Niveau der Kiewer Praxis herabbegeben und werden den Menschen in der Ukraine ermöglichen, ihre verfassungsrechtlich verankerten Wahlrechte in vollem Umfang wahrzunehmen und die kĂŒnftige Entwicklung ihres Landes selbst zu bestimmen. Vorausgesetzt natĂŒrlich, dass das Kiewer Regime sich endlich zu diesem demokratischen Schritt entschlieĂt.
Wird die Ukraine nach dem Ende der Kampfhandlungen Elemente einer externen Verwaltung unter der Schirmherrschaft der UNO benötigen? Wie ist unsere Position zu dieser Frage?
Die Idee, eine externe Verwaltung der Ukraine unter der Schirmherrschaft der UNO nach Abschluss der Spezialoperation einzufĂŒhren, ist nicht neu. In diesem Zusammenhang möchte ich Folgendes anmerken: Im MĂ€rz 2025 erklĂ€rte der russische PrĂ€sident Wladimir Putin, dass im Falle der Ukraine die Einrichtung einer externen Administration unter UN-Schirmherrschaft eine der möglichen Optionen darstellt. Derartige PrĂ€zedenzfĂ€lle gab es bereits im Rahmen der Friedenssicherung der Weltorganisation. Insgesamt ist Russland bereit, mit den USA, europĂ€ischen und anderen LĂ€ndern die Möglichkeit der EinfĂŒhrung einer vorĂŒbergehenden externen Verwaltung in Kiew zu erörtern. Ein solcher Schritt wĂŒrde es ermöglichen, demokratische Wahlen in der Ukraine abzuhalten und eine handlungsfĂ€hige Regierung an die Macht zu bringen, mit der man einen vollwertigen Friedensvertrag und legitime Dokumente ĂŒber die kĂŒnftige Zusammenarbeit unserer beiden LĂ€nder unterzeichnen könnte. Gleichzeitig muss berĂŒcksichtigt werden, dass in der UNO formal kein einheitlicher Mechanismus fĂŒr die Schaffung temporĂ€rer internationaler Administrationen in Konfliktgebieten verankert ist. Eine Analyse der historischen Erfahrungen â etwa in Ostslawonien, der Baranja und West-Syrien, in Osttimor oder Kambodscha â zeigt: Die Ăbergabe von Gebieten unter UN-Verwaltung erfolgt ĂŒblicherweise in mehreren Etappen und erfordert die Einhaltung einer Reihe von Bedingungen. Der erste Schritt ist das Erzielen einer Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien â direkt oder ĂŒber Vermittler â ĂŒber die Ăbertragung der Befugnisse zur vorĂŒbergehenden Verwaltung an die UNO. Die Abfolge der weiteren Schritte und deren konkrete Ausgestaltung können Gegenstand von Verhandlungen der Parteien sein. Dabei wird die Idee einer externen Verwaltung der Ukraine unter UN-Schirmherrschaft im öffentlichen Raum derzeit faktisch nicht mehr diskutiert.
Wie kommentieren Sie die Absicht der EU, einen eigenen UnterhĂ€ndler fĂŒr den Dialog mit Moskau zur Ukraine zu ernennen? Ist das russische AuĂenministerium bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten? Worauf deutet diese AktivitĂ€t des Westens Ihrer Meinung nach hin?
Die Frage der Ernennung eines Sonderbeauftragten fĂŒr Verhandlungen mit Russland ĂŒber eine Ukraine-Regelung befindet sich innerhalb der EuropĂ€ischen Union noch im Diskussionsstadium. Bezeichnenderweise geht diese Initiative von einzelnen Politikern der EU-Mitgliedstaaten aus und nicht von EU-BĂŒrokraten. Die EU-Kommission in BrĂŒssel selbst steht der Idee eines Sonderbeauftragten nach den ErklĂ€rungen offizieller Vertreter sehr kĂŒhl gegenĂŒber, da dessen Erscheinen der russophoben Linie des EuropĂ€ischen AuswĂ€rtigen Dienstes und seiner Leiterin Kaja Kallas widerspricht, die auf eine Isolierung unseres Landes und die Minimierung jeglicher Kontakte zu Russland abzielt. Die EurobĂŒrokraten sind derzeit absolut unfĂ€hig zum Dialog. Sie operieren ausschlieĂlich mit Ultimaten und zielen darauf ab, Russland maximalen Schaden zuzufĂŒgen. Indem BrĂŒssel den direkten Dialog mit unserem Land verweigerte, hat es sich im Grunde selbst seines Platzes am Verhandlungstisch beraubt. Die ideologische Voreingenommenheit und offenkundige Inkompetenz derer, die in der aktuellen Phase fĂŒr die Gestaltung der auĂenpolitischen Leitlinien eines «vereinten Europas» verantwortlich sind, haben zu einer strategischen Fehlkalkulation gefĂŒhrt. Solange die EU-Vertreter nicht begreifen, dass eine ehrliche Diskussion ĂŒber die Grundursachen des Ukraine-Konflikts kein ZugestĂ€ndnis an Russland, sondern ein Beitrag zur langfristigen StabilitĂ€t und Sicherheit auf dem europĂ€ischen Kontinent ist, erscheint es verfrĂŒht, ĂŒber ihre Rolle bei einer friedlichen Regelung in welcher Eigenschaft auch immer zu sprechen.
Das Interview wurde gekĂŒrzt. Das gesamte Interview auf Russisch ist online hier zu lesen.
Das Parlament der EuropĂ€ischen Union (EU) ist «extrem pro Krieg» eingestellt. Das erklĂ€rte der BSW-Abgeordnete und frĂŒhere UNO-Diplomat Michael von der Schulenburg in einem am Freitag veröffentlichten Video-GesprĂ€ch. Das fĂŒhrte der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen mit ihm.
Von der Schulenburg kritisierte dabei deutlich die europĂ€ische Politik und forderte Verhandlungen mit Russland fĂŒr ein Kriegsende. GegenĂŒber Meyen sagte er, er habe in seinem ereignisreichen Leben noch nie solch eine AtmosphĂ€re und Sprache voller Hass wie im EU-Parlament erlebt. Selbst in den vielen Kriegen, in denen er als Vermittler eingesetzt war, sei es möglich gewesen, mit Einzelnen GesprĂ€che zu fĂŒhren â aber in BrĂŒssel und StraĂburg könne er «wirklich mit niemand reden».
Es gebe im EU-Parlament keinerlei VerstĂ€ndigung, die aber angesichts des Ukraine-Krieges umso wichtiger sei, betonte der Ex-Diplomat und heutige Abgeordnete. WĂ€hrend es nicht möglich sei, ĂŒber Frieden zu diskutieren und entsprechende Initiativen anzustoĂen, gebe es im Parlament «ganz viel Beifall, wenn es darum geht, die EU zum GroĂstaat zu machen».
«Man trĂ€umt ja von der EU als eine der GroĂmĂ€chte in der zukĂŒnftigen Weltordnung, also eine EuropĂ€ische Union, die vom Schwarzen Meer bis zum Atlantik geht, vom Mittelmeer bis zum Nordpol geht.»
Von der Schulenburg fĂŒgte hinzu: «Das wird natĂŒrlich nicht passieren.» Aber dennoch werde eine an den GroĂmachttrĂ€umen orientierte Politik betrieben. Die gleiche mit ihren Erweiterungsphantasien derjenigen des US-PrĂ€sidenten Donald Trump, der allerdings dafĂŒr kritisiert werde.
«Schockierende Sache»
Er habe gemeinsam mit anderen Abgeordneten versucht, eine Arbeitsgruppe zum Thema Frieden zusammenzubringen. Das sei nicht gelungen, weil nicht genĂŒgend Parlamentarier mitmachen wollten, berichtete er.
«Frieden ist offensichtlich im Parlament nicht so ein Thema. Und das ist doch eine schockierende Sache.»
Gleichzeitig sei Europa «von Kriegen umzingelt», stellte Von der Schulenburg fest und verwies auf die Konflikte und Kriege in Afrika, im Nahen Osten und eben in der Ukraine. Im GesprĂ€ch mit Meyen berichtete er, er habe gegen die Hilfsgelder in Höhe von 90 Milliarden Euro fĂŒr die Ukraine gestimmt. Er sei nicht gegen Geld fĂŒr den Wiederaufbau des Landes, aber nicht fĂŒr Gelder, «um sich weiter zerstören zu lassen, weil das der Politik unserer politischen Elite passt».
Der mit Kriegen und Konflikten erfahrene ehemalige UN-Diplomat verwies auf den kĂŒrzlich gemeinsam mit Ex-General Harald Kujat veröffentlichten «Mahnruf» zum 4. Jahrestag des Ukraine-Krieges. In dem wird von der EU eine Politik gefordert, die den Frieden auf dem europĂ€ischen Kontinent sichern hilft.
Er sieht als gröĂtes Hindernis fĂŒr Frieden in der Ukraine «die unglaublich geringe QualitĂ€t unserer Politiker», von Keir Starmer ĂŒber Ursula von der Leyen und Emmanuel Macron bis Friedrich Merz. Europa brauche «Mut zum Frieden», den diese Politiker aber nicht zeigten. Sie wĂŒrden immer nur von Krieg und AufrĂŒstung sprechen, wĂ€hrend der Krieg in der Ukraine verloren sei.
«Ukraine retten»
Europa befinde sich in der katastrophalen Situation, weil seine verantwortlichen Politiker meinen, sie mĂŒssten nicht mit dem Gegner reden. Das sei «blödsinnig», so der Ex-UN-Diplomat, der auf die UNO-Charta verwies, die fordere, gerade mit dem Gegner zu reden, um Konflikte zu lösen. Dagegen werde geglaubt, durch AufrĂŒstung der Nuklearmacht Russland Paroli bieten zu können.
Stattdessen mĂŒsse auch mit dem Gegner Russland gesprochen werden, um wieder Frieden in Europa herzustellen, so Von der Schulenburg. Das sei auch notwendig, um die Ukraine «in irgendeiner Form noch zu retten». Es gehe ihm nicht um Russland, sondern um den Erhalt der Ukraine als «funktionierender, souverĂ€ner, europĂ€ischer Staat» sowie um die Menschen dort, die betrogen worden seien.
Das mĂŒsse das erste Ziel der europĂ€ischen Politik sein. Hinzu komme die Sicherheit in Europa. Dem diene auch der Verhandlungsvorschlag, den er gemeinsam mit Kujat, dem ehemaligen Kanzlerberater Horst Teltschik, dem Historiker Peter Brandt und den Politologen Hajo Funke und Johannes Klotz Anfang Januar veröffentlicht hatte.
Es gehe um Verhandlungen nicht zwischen Verlierer und Gewinner, sondern zwischen zwei Seiten, die sich in ihrer Unterschiedlichkeit, aber auch in der gemeinsamen Verantwortung fĂŒr die Sicherheit in Europa anerkennen. Von der Schulenburg kritisierte, dass die europĂ€ische Politik stattdessen bisher Forderungen fĂŒr Verhandlungen an Russland stelle, die dessen Kapitulation bedeuten wĂŒrden. Die russischen Sicherheitsinteressen mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden, forderte er.
«Der Ukraine-Krieg ist jetzt lÀnger als unser Krieg mit der Sowjetunion. Und wir haben immer noch nicht irgendwelche GesprÀche. Es gibt von den EuropÀern keinen offiziellen Kontakt mit Russland.»
UNO-Charta missachtet
Er warf der westlichen Politik vor, im Zusammenhang mit der NATO-Osterweiterung die russischen Sicherheitsinteressen ignoriert zu haben. Es sei zum Ukraine-Konflikt nicht verhandelt worden, obwohl die UNO-Charta das einfordere. Als Moskau und Kiew im FrĂŒhjahr 2022 miteinander verhandelten, habe der Westen das boykottiert.
«Es ist also zu dem Krieg gekommen und jetzt wird der Krieg das entscheiden.»
HĂ€tte Russland verloren, «dann wĂ€re die Ukraine jetzt in der NATO, hĂ€tte Russland den Zugang zum Schwarzen Meer verloren, dann wĂ€re ein GroĂteil der pro-russischen Bevölkerung verdrĂ€ngt oder ausgewiesen worden oder geflohen», beschrieb der Ex-UN-Diplomat eine Alternative. Russland sehe sich als Gewinner, was aber abzuwarten sei, «bis der Krieg wirklich zu Ende ist».
Er erinnerte an die historische Erfahrung mit dem Ende des Ersten Weltkrieges. Deshalb mĂŒsse der Gewinner ein Interesse daran haben, dass die unterlegene Seite mit dem Ergebnis leben könne, «um das nicht wieder aufflammen zu lassen». Von der Schulenburg schĂ€tzt die Voraussetzungen fĂŒr eine Verhandlungslösung wie die von ihm und den anderen vorgeschlagene als «sehr schlecht» ein.
Auch die USA unter Trump seien kein «Vermittler», sondern Kriegsteilnehmer, stellte er klar. Zudem werde die UNO als mögliche Vermittlerin von den involvierten GroĂmĂ€chten ignoriert. Auch Deutschland könne keine Vermittler-Rolle ĂŒbernehmen, da Kanzler Friedrich Merz «sich in der FĂŒhrungsrolle Europas gegen Russland sieht».
Mit den AufrĂŒstungsplĂ€nen fĂŒr die Bundeswehr als «gröĂte Armee in Europa» und der AnkĂŒndigung, «Taurus»-Marschflugkörper an die Ukraine liefern zu wollen, habe Merz «eine FĂŒhrungsrolle im Krieg» ĂŒbernommen. Dabei wĂ€re es aus der Geschichte Deutschlands, das sich mehrfach schlecht gegenĂŒber Russland verhalten habe, und seiner geografischen Lage «sinnvoller, eine friedliche Lösung zu finden», betonte von der Schulenburg.
RĂŒckkehr zur Diplomatie
Ein Vermittler mĂŒsse die Welt anders sehen, als es die fĂŒhrenden westlichen Politiker tun, um einen Ausgleich zu finden und zu ermöglichen. Auf die Frage, ob er EinschĂ€tzungen zustimme, dass der Ukraine-Krieg im Sommer dieses Jahres zu Ende sein könne, erklĂ€rte der Ex-UN-Diplomat, es sei «nicht unbedingt sinnvoll» so etwas zu sagen. Die Frage sei, wann ein Krieg wirklich zu Ende ist. Dabei gehe derzeit «sehr viel durcheinander».
«Ist ein Waffenstillstand das Kriegsende? Ist der Friedensvertrag das Ende des Krieges? Wann macht man Waffenstillstand?»
Aus seiner Sicht geht es darum, «einen Frieden zu haben und dass dadurch die Waffen schweigen». Ein Waffenstillstand sei «doch ein bisschen was anderes», so der erfahrene Vermittler in Konflikten und Kriegen. Er forderte die RĂŒckkehr zur Diplomatie auf Grundlage der UNO-Charta.
In der Diplomatie gehe es um drei Grundprinzipien: Respekt voreinander zu haben, einander zuzuhören und zu versuchen, die andere Seite zu verstehen. Letzteres habe nichts mit «einverstanden sein» zu tun, betonte von der Schulenburg. Diese drei Prinzipien seien die Grundlage fĂŒr eine Vermittlerrolle.
Rubikon
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Peter Mayer
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Cane
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Mit der âKampfansage der SPD-Frauenâ und ebenfalls laut gewordenen Forderungen der Unions-Frauen sind paritĂ€tische Wahllisten wieder auf der politischen Agenda. Und damit auch das Argument, sie seien mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, sogar demokratiefeindlich. WĂ€hrend die Landesverfassungsgerichte aus Brandenburg und ThĂŒringen die dortigen ParitĂ€tsgesetze fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rten, hat das Bundesverfassungsgericht bisher nicht entschieden, ob ParitĂ€tsgesetze unter dem Grundgesetz möglich sind. Angedeutet haben die Karlsruher Richter:innen aber bereits, dass es auf einen gerechten Ausgleich zwischen Parteienfreiheit und den WahlrechtsgrundsĂ€tzen einerseits und der Gleichberechtigung der Geschlechter andererseits ankommen wird. Anstatt auf dieser Grundlage ĂŒber konkrete Regelungsmöglichkeiten zu diskutieren, dominieren jedoch Extrempositionen die ParitĂ€tsdebatte. Ein Grund mehr, die Debatte zu versachlichen: ParitĂ€t ist kein Systembruch mit der Verfassung, sondern eine politische Entscheidung.
Eingriffe in die Parteienfreiheit und die GrundsÀtze der freien und gleichen Wahl
Die ParitĂ€tsregelungen aus Brandenburg und ThĂŒringen haben in den vergangenen sechs Jahren nicht nur die Verfassungsgerichte beschĂ€ftigt, sondern auch mehrere Dissertationsschriften hervorgebracht (insb. Volk, GloĂner, Heimerl, Rabe, Lauenstein). Der verfassungsrechtliche Rahmen fĂŒr ParitĂ€tsregelungen auf Bundesebene ist damit verhĂ€ltnismĂ€Ăig gut ausgeleuchtet und gestaltet sich wie folgt: Regelungen, die eine paritĂ€tische Listenbesetzung im Wahlrecht vorschreiben, greifen in die Organisationsfreiheit der Parteien ein (Art. 21 GG), die fĂŒr das Verfahren der innerparteilichen Listenaufstellung verantwortlich sind. Sie greifen auch ein in die passive Wahlrechtsgleichheit der potentiell Kandidierenden (Art. 38 Abs. 1 GG), soweit sich fĂŒr sie die Chance auf einen Listenplatz auf die geschlechtsspezifisch passenden ListenplĂ€tze verengt. Zwar wird die Wahlfreiheit der WĂ€hlenden nicht ĂŒber den Eingriff, der mit der Ausgestaltung des Wahlsystems als Wahlkreis- und Listenwahl verbunden ist, hinaus beeintrĂ€chtigt. ParitĂ€tsregelungen stellen aber einen Eingriff in die Wahlvorschlagsfreiheit der Aufstellungsberechtigten dar (Art. 38 Abs. 1 GG). Einzelne Details mögen umstritten sein. Einigkeit besteht aber insoweit, dass paritĂ€tische Listenwahlen die Parteienfreiheit und die WahlrechtsgrundsĂ€tze beeintrĂ€chtigen.
Demokratische ReprÀsentation und der Stellenwert der Gleichberechtigung
Die EinfĂŒhrung von paritĂ€tischen Wahllisten ist damit in erster Linie eine politische Frage. Ihre Beantwortung hĂ€ngt zusammen mit dem DemokratieverstĂ€ndnis und dem Stellenwert, dem der Gleichberechtigung in der Demokratie beigemessen wird. Und hier gerĂ€t in der Debatte einiges durcheinander. Wenn Monika Polzin in der Welt zuspitzt, dass die EinfĂŒhrung der ParitĂ€t âdie vollstĂ€ndige Abschaffung der Demokratie [ermöglicht]â und dass es fĂŒr die âBewahrung unserer Demokratie [âŠ] elementarâ sei, âdass die Idee der ParitĂ€t aufgegeben [âŠ] wirdâ, dann bringt sie damit zum Ausdruck, dass sie ein spiegelbildliches ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnis ablehnt, das demokratische ReprĂ€sentation vermeintlich vorrangig oder sogar ausschlieĂlich ĂŒber die Zugehörigkeit zu (Geschlechts-)Gruppen realisieren will. Das dĂŒrften in der deutschen ParitĂ€tsdebatte wohl die wenigsten ernsthaft vertreten. Hiergegen stellt sie ein ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnis, das ausschlieĂlich formal auf staatsbĂŒrgerliche Gleichbehandlung blickt und tatsĂ€chlich bestehende Ungleichheiten vollstĂ€ndig ausblendet. Beides sind Extrempositionen.
Vertreter:innen eines streng formalistischen ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnisses argumentieren, ausgehend von dem etablierten Wahlsystem, dass mit ParitĂ€tsregelungen der Grundsatz der VolkssouverĂ€nitĂ€t durch eine geschlechtsbezogene GruppensouverĂ€nitĂ€t ersetzt werde. Parteien vorzugeben, wie sie ihre Wahllisten zu gestalten haben, wĂŒrde in einen undemokratischen StĂ€nde-Staat mĂŒnden, in dem sich demokratische ReprĂ€sentation ausschlieĂlich ĂŒber die Zugehörigkeit zu Gruppen realisiere. Materielle ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnisse wĂŒrden gruppenbezogene Mandatszuweisungen verfestigen, ohne dass die relevanten Gruppen ĂŒberhaupt klar abgrenzbar seien. Dies rĂŒcken Kritiker:innen jedoch als nicht hinnehmbar in den Mittelpunkt der eigenen Argumentation, ohne dabei die Risiken einer streng formalen Betrachtungsweise ernst zu nehmen. So droht eine Perpetuierung faktischer Ungleichheiten, die das Grundgesetz â insbesondere mit Art. 3 Abs. 2 GG â gerade ĂŒberwinden will. Dass Frauen nicht die gleichen Zugangschancen zu politischen Ămtern haben, und dies aus GrĂŒnden, die ĂŒber individuelle FĂ€higkeiten, PrĂ€ferenzen und Entscheidungen hinausgehen, erkennen aber selbst die Gegner:innen paritĂ€tischer Regelungen an. Eine formalistische Interpretation demokratischer ReprĂ€sentation, die strukturelle Gegebenheiten vollstĂ€ndig ausblendet, erlaubte dem Gesetzgeber nicht einmal dann geschlechtsspezifische AnknĂŒpfungen im Wahlvorschlagsrecht, wenn der Deutsche Bundestag mit 630 MĂ€nnern besetzt wĂ€re.
Keine Frage der VerfassungsidentitÀt
Vereinzelt wird das Argument formaler ReprĂ€sentation sogar so weit geschraubt, dass ParitĂ€tsregelungen die Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes aus Art. 79 Abs. 3 GG berĂŒhren und deshalb nicht einmal per VerfassungsĂ€nderung zulĂ€ssig sein sollen (so etwa Polzin und Volk). Dass ParitĂ€tsregelungen den Kern der VerfassungsidentitĂ€t berĂŒhren sollen, kann angesichts der Dogmatik und Genese zur Ewigkeitsgarantie nicht ĂŒberzeugen. Die Ewigkeitsgarantie entzieht die MenschenwĂŒrde und die Staatsstrukturprinzipien der VerfassungsĂ€nderung. Sie bietet aber â so das Bundesverfassungsgericht â âkeinen Bestandsschutz aller konkret verwirklichten AusprĂ€gungenâ dieser Prinzipien. So dĂŒrfe der verfassungsĂ€ndernde Gesetzgeber einzelne AusprĂ€gungen von Staatsstrukturprinzipien anpassen, soweit sie nicht deren prĂ€gende Bedeutung fĂŒr die Verfassungsordnung berĂŒhren. Dabei sei die Ewigkeitsgarantie restriktiv auszulegen. Das Grundgesetz legt die Ausgestaltung des Wahlsystems grundsĂ€tzlich in die HĂ€nde des einfachen Gesetzgebers, der sogar ĂŒber VerhĂ€ltnis- oder Mehrheitswahlsystem neu befinden könnte. Die WahlrechtsgrundsĂ€tze sind normgeprĂ€gte GrundsĂ€tze. Ein VerstoĂ gegen die Ewigkeitsgarantie wĂ€re erst dann denkbar, wenn fĂŒr eine mit dem Staatsstrukturprinzip â bei ParitĂ€tsregelungen mit dem Demokratieprinzip â vereinbare Auslegung ĂŒberhaupt kein Raum mehr besteht. Die Kernelemente des Demokratieprinzips, nĂ€mlich der Grundsatz der VolkssouverĂ€nitĂ€t, das Mehrheitsprinzip und die Möglichkeit gleichberechtigter Teilhabe aller BĂŒrger:innen an der politischen Willensbildung lassen sich aber nicht ausschlieĂlich ĂŒber ein streng formalistisches ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnis abbilden. Das Wahlrecht ist auf ein solches VerstĂ€ndnis nicht programmiert, es kann vielmehr bezweifelt werden, inwieweit es ĂŒberhaupt eine eigene ReprĂ€sentationstheorie vorweist. Schon in der Entwicklungsgeschichte des Grundgesetzes wurden Demokratie und Wahlsystem im Ăbrigen nicht ohne gleichberechtigte Teilhabe von Frauen gedacht â dies zeigt der Beitrag von Fabian Michl hinsichtlich der Debatten ĂŒber das Wahlsystem fĂŒr die Bundesrepublik im Parlamentarischen Rat.
Spiegelbildlichkeit und pluralistische Demokratie
Die diametral entgegengesetzte Position in der ParitĂ€tsdebatte knĂŒpft an ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnisse an, nach denen ParitĂ€tsregelungen notwendig sind, um eine spiegelbildliche ReprĂ€sentanz von Frauen und MĂ€nnern in den Parlamenten zu erwirken. Eine Variante vertritt Silke Laskowski, Prozessvertreterin der Bayerischen Popularklage, die ausgehend von der politischen Wirklichkeit fĂŒr ein ReprĂ€sentationsverstĂ€ndnis streitet, nach dem eine gleichberechtigte BerĂŒcksichtigung aller Anliegen des Volkes nur durch eine der Wirklichkeit Rechnung tragende Abbildung im Parlament möglich sei. Mit dieser Argumentation wird ParitĂ€t als Verwirklichung reprĂ€sentativer Demokratie selbst verstanden.
Einen anderen Aspekt betonen AnsĂ€tze politischer Gleichheit, die Parlamente als Orte gesellschaftlicher PluralitĂ€t begreifen, die diskriminierungsfrei ausgestaltet werden mĂŒssen, um den gleichen Zugang zu und gleiche Partizipationsmöglichkeiten an demokratischen Ăffentlichkeiten zu realisieren (Wapler, JöR nF 67 [2019], S. 427 ff.). Pluralistische DemokratieverstĂ€ndnisse beziehen strukturelle Ungleichheiten konzeptionell ein, sie reflektieren Diskriminierungs- und MarginalisierungsrealitĂ€ten (siehe auch Röhner). ParitĂ€tisch zu besetzende Wahllisten können in diesem Sinne (Hilfs-)Instrumente werden, um den Anspruch demokratischer Gleichheit einzulösen.
Politische Gleichberechtigung als Verfassungsauftrag
Aber auch ohne entsprechende theoretische Bezugnahmen lĂ€sst sich die AbwĂ€gung von Parteienfreiheit und WahlrechtsgrundsĂ€tzen mit dem Gleichberechtigungsgebot bestreiten. Ausgangspunkt ist die Ăberlegung, dass der Wahlgesetzgeber sich grundsĂ€tzlich fĂŒr ein Wahlsystem der reprĂ€sentativen Demokratie entscheiden kann, das dem Verfassungsziel der Gleichberechtigung der Geschlechter in seiner Ausgestaltung Rechnung trĂ€gt. Das Gleichberechtigungsgebot zielt darauf ab, Gleichberechtigung tatsĂ€chlich durchzusetzen und bestehende Nachteile zu beseitigen. Es folgt einem GleichheitsverstĂ€ndnis, das sich auf die gesellschaftliche Wirklichkeit erstreckt, mit dem Ziel, fĂŒr die Zukunft die Gleichberechtigung der Geschlechter durchzusetzen. Das Gleichberechtigungsgebot des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG gilt â wie oben gesehen â auch fĂŒr die SphĂ€re des Politischen und das Wahlrecht. Im Wahlrecht erfordert dies, die Bedingungen fĂŒr demokratischen Diskurs und Wahlen in den Blick zu nehmen und bestehende HĂŒrden zu adressieren. Ebenso wenig wie Art. 3 Abs. 2 GG auf schematische Ergebnisgleichheit gerichtet ist, geht es den BefĂŒrworter:innen von ParitĂ€tsregelungen um eine plumpe ReprĂ€sentation von Frauen um ihrer selbst willen. Die Forderung nach ParitĂ€t knĂŒpft vielmehr im Sinne des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG an den Befund struktureller Benachteiligung im Politischen an, die viele Ursachen hat und reale Auswirkungen: nĂ€mlich faktische Nachteile zu Lasten von Frauen und anderen marginalisierten Personen, die sich in einer UnterreprĂ€sentanz in den Parlamenten niederschlagen.
ParitĂ€tsregelungen suchen einen Umgang mit diesem realen Diskriminierungsproblem. Sie betreffen dabei nicht das Wahlsystem als solches, sondern einen Aspekt der Ausgestaltung des Wahlsystems. Sie zielen darauf, HĂŒrden abzubauen, die Frauen den Zugang zu politischen Ămtern erschweren. Das Instrument der Quotierung, das bei paritĂ€tischen Wahllisten zur Anwendung kommt, ist Hilfsmittel zur Zielerreichung, kein Selbstzweck. Indem bei der Listenaufstellung Frauen stĂ€rker als bisher berĂŒcksichtigt werden, sollen sich die Nachwuchs- und Nominierungsstrategien der Parteien Ă€ndern und sich eine Kultur der Gleichberechtigung etablieren. Freilich zunĂ€chst mit der Konsequenz, dass jene Parteien, die bisher wenig fĂŒr die Gleichberechtigung der Geschlechter getan haben, ihre Nominierungspraxis umgehend anpassen und gezielt Frauen rekrutieren mĂŒssen. Verfassungsrechtlich ist es vertretbar, wenn der Gesetzgeber die Parteien als Schaltzentralen der reprĂ€sentativen Demokratie in die Pflicht nimmt, damit der Gesetzgeber seiner Verpflichtung zur tatsĂ€chlichen Durchsetzung der Gleichberechtigung nachkommen kann. Es ist in Anerkennung dieser Funktion ebenfalls vertretbar, gerade denjenigen Parteien einen (höheren) Beitrag zu Gleichberechtigung der Geschlechter abzuverlangen, die den Verfassungsauftrag aus Art. 3 Abs. 2 GG bisher nicht in ihrer internen Organisation, z.B. im Satzungsrecht, berĂŒcksichtigt haben.
ParitÀt ist nicht gleich ParitÀt: Der Gesetzgeber ist gefragt
Bei einer paritĂ€tischen Gestaltung von Wahllisten kommt das Gleichberechtigungsgebot mit dem Ziel zur Anwendung, benachteiligende Strukturen aufzubrechen. Es geht nicht darum, eine irgendwie geartete Idee von spiegelbildlicher ReprĂ€sentanz durchzusetzen. Das Grundgesetz folgt keiner festgeschriebenen ReprĂ€sentationstheorie, die geschlechtsspezifische Ausgestaltungen des Wahlvorschlagsrechts von vornherein ausschlösse. Es kommt auf die AbwĂ€gung von Parteienfreiheit, WahlrechtsgrundsĂ€tzen und dem Versprechen der Gleichberechtigung der Geschlechter an. Innerhalb der verfassungsrechtlichen Grenzen hat der Gesetzgeber einen weiten Gestaltungsspielraum, den er sachgerecht ausfĂŒllen darf und muss. Dabei kommt es entscheidend auf die konkrete Ausgestaltung an: ParitĂ€t ist nicht gleich ParitĂ€t. ParitĂ€tische Wahllisten, gröĂere Wahlkreise mit Wahlkreis-Duos, Sanktionen bei der Parteienfinanzierung â hier ist vieles denkbar. Will der Gesetzgeber ganz sicher gehen â und bekommt er die notwendigen Mehrheiten organisiert, steht ihm neben der einfachgesetzlichen Lösung auch der Weg einer Absicherung von ParitĂ€t in der Verfassung offen. Einseitige Extrempositionen bringen die Diskussion ĂŒber Möglichkeiten und Wege nicht voran.
âUnsere Demokratie bedarf des alltĂ€glichen Engagements der BĂŒrger. Daher muss die Förderung von Initiativen gegen Rechtsextremismus von dem Gedanken des Vertrauens getragen sein.â Die Bedeutung dieses Vertrauens erklĂ€rten die SPD-Politiker Wolfgang Thierse und Sönke Rix 2012 nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden (VG Dresden, 25.04.2012 â 1 K 1755/11). In dem Verfahren ging es um die sogenannte Extremismusklausel, die die damalige Familienministerin Kristina Schröder einfĂŒhrte und die das Verwaltungsgericht Dresden in Teilen fĂŒr rechtswidrig hielt. Die Klausel sollte ZuwendungsempfĂ€nger und TrĂ€ger von Demokratieprojekten verpflichten, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung (fdGO) zu bekennen und dafĂŒr zu sorgen, dass auch die Partner der Projekte dies tun. Viele Vereine und TrĂ€ger politischer Bildung und sozialer Arbeit kritisierten dieses Misstrauen damals scharf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach von einer âGesinnungsprĂŒfungâ, der Zentralrat der Juden von einem âĂberprĂŒfungswahnâ. Derartige Klauseln seien geeignet, engagierte Menschen von Demokratiearbeit fernzuhalten. Doch das staatliche Misstrauen ist offenbar nicht abgeklungen und die Extremismusklausel erlebt aktuell ein Comeback. Sie bĂŒrdet Demokratieprojekten unerfĂŒllbare Pflichten auf und gefĂ€hrdet deren Ăberleben. Dabei nutzt sie einen Extremismusbegriff, der sich verselbststĂ€ndigt hat und nicht rechtssicher eingehegt werden kann.
Die RĂŒckkehr der Extremismusklausel
Auch nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden bringen verschiedene politische Akteure den zivilgesellschaftlichen TrĂ€gern Misstrauen entgegen und unterstellen, dass mit der Demokratieförderung bestimmte politische Ansichten und Strukturen gefördert werden. Die AfD-Bundestagsfraktion forderte im Jahr 2018 abermals die EinfĂŒhrung der Extremismusklausel. In der letzten Legislaturperiode entfachte der Entwurf fĂŒr ein Demokratiefördergesetz den Streit ĂŒber solche Klauseln erneut. Nach dem Kabinettsbeschluss forderten die oppositionelle CDU/CSU und die damals mitregierende FDP, dass eine solche Klausel aufgenommen wird â obschon § 5 Abs. 2 Nr. 1 des Entwurfs die ProjekttrĂ€ger verpflichtete, die Ziele des Grundgesetzes zu achten und zu fördern. Das Gesetz kam vor der Neuwahl nicht mehr zustande. Das Misstrauen in die Zivilgesellschaft Ă€uĂerte sich nicht zuletzt in der kleinen Anfrage von CDU/CSU, die mit ĂŒber 500 Fragen zahlreiche Initiativen ausleuchten wollte.
Nun ist die Extremismusklausel zurĂŒck â und das ohne jede AnkĂŒndigung oder parlamentarische Auseinandersetzung. Das CDU-gefĂŒhrte Familienministerium lieĂ ĂŒber das Bundesamt fĂŒr Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) Bescheide an ZuwendungsempfĂ€nger im Bundesprogramm âDemokratie leben!â verschicken. Jannik Jaschinski und Klaas MĂŒller sind auf dem Verfassungsblog grundsĂ€tzlich auf die problematische Förderpraxis eingegangen, die sich in diesen Schreiben zeigt. Die Schreiben beinhalten erneut vergleichbare, teils sogar weitergehende Klauseln. Ein Blick auf die Diskussion um diese Klauseln in der vergangenen Legislaturperiode legt nahe, dass so politische Debatten vermieden und ein Aufbegehren der geförderten Projekte unter dem Druck der ausstehenden Finanzierung verhindert werden soll.
Die âWeiteren Nebenbestimmungenâ verpflichten die EmpfĂ€nger nunmehr dazu, âsicherzustellen, dass eine UnterstĂŒtzung extremistischer Strukturen durch die GewĂ€hrung materieller Leistungen (hier: Fördermittel des Bundes) oder immaterieller Leistungen vermieden wird. Zu den immateriellen Leistungen gehört dabei zum Beispiel die aktive Teilnahme von Personen oder Organisationen aus extremistischen Strukturen im Sinne des § 4 Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG) an öffentlich geförderten Veranstaltungenâ (S. 3). Weiterhin sollen die ZuwendungsempfĂ€nger vor der âMittelweitergabe an andere TrĂ€gerâ, also etwa an Kooperationspartner oder Vertragspartner, âprĂŒfen, ob im Hinblick auf den Inhalt der beabsichtigten MaĂnahme mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich bei deren DurchfĂŒhrung eine BetĂ€tigung gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung ergeben kannâ (S. 3 f.). AuĂerdem sollen die Kooperationspartner dafĂŒr sorgen, dass eine UnterstĂŒtzung âextremistischer Strukturenâ vermieden wird. Bei Zweifeln sollen sich die ZuwendungsempfĂ€nger an das Bundesfamilienministerium oder das BAFzA wenden. Betroffen von diesen Klauseln sind sowohl direkt vom Bund geförderte zivilgesellschaftliche TrĂ€ger als auch die Landesdemokratiezentren der LĂ€nder, die die Förderung des Bundes zusammen mit Landesmitteln an TrĂ€ger auf Landesebene weitergeben. Die LĂ€nder sind durch die Bescheide des Bundes zum einen selbst als ZuwendungsempfĂ€nger von den Klauseln betroffen, sollen sie aber auch in ihren eigenen Bescheiden âregelnâ. Teilweise geben die LĂ€nder die Klauseln eins zu eins weiter.
Zur Kontur des fdGO-Begriffs
Der Staat hat bei der Leistungsverwaltung, worunter auch die Förderung der Demokratieprojekte fĂ€llt, durchaus einen groĂen Ermessensspielraum, ob und was er fördert. Aber auch die Leistungsverwaltung ist an rechtsstaatliche GrundsĂ€tze gebunden und muss insbesondere verfassungsrechtlichen Anforderungen genĂŒgen (siehe dazu auch Jaschinski/MĂŒller). Bereits die Bestimmtheit der alten Extremismusklausel von 2011 war fraglich. Der Erlass von Nebenbestimmungen steht nach § 36 Abs. 2 VwVfG im pflichtgemĂ€Ăen Ermessen, muss jedoch dem in § 37 VwVfG konkretisierten Bestimmtheitsgebot des Art. 20 Abs. 3 GG entsprechen.
Das Verwaltungsgericht Dresden befasste sich 2012 intensiv mit diesen Anforderungen an das Bestimmtheitsgebot und sah allein das Bekenntnis zur fdGO als hinreichend bestimmt an. Es sei ein âhĂ€ufig genannter und genutzter Terminus, der durch eine Vielzahl von obergerichtlichen Entscheidungen hinreichend prĂ€zise umrissen istâ. TatsĂ€chlich ist die fdGO nicht unproblematisch: Sie unterlag stets politischen Konjunkturen und wurde in der Vergangenheit ĂŒberwiegend als sicherheitspolitischer Begriff durch den Verfassungsschutz genutzt. Diese umkĂ€mpfte Geschichte hat Sarah Schulz in ihrer Grundlagenarbeit nachvollzogen.
Das Bundesverfassungsgericht hat im zweiten NPD-Parteiverbotsverfahren (BVerfG, Urt. v. 17.01.2017 â 2 BvB 1/13) versucht, den Begriff der fdGO engzufĂŒhren und zu konkretisieren. Das Gericht versteht ihn als Klammerbegriff fĂŒr die Grundprinzipien der MenschenwĂŒrde, des Demokratie- und des Rechtsstaatsprinzips. Damit trennt es ihn klar vom schwammigen Extremismusbegriff.
UmkÀmpfte fdGO
In der Praxis orientieren sich Sicherheitsbehörden und Instanzgerichte jedoch hĂ€ufig nicht an diesen MaĂstĂ€ben, was sich in einigen aktuellen Entscheidungen zeigt. Der Hamburger Verfassungsschutz erwĂ€hnte die Marxistische Abendschule (MASCH), die u.a. Marx-Lesekreise anbietet, in seinem Bericht. Das Verwaltungsgericht Hamburg sah durch den Lesekreis zwar nicht die Gefahr einer âaktiv-kĂ€mpferischenâ Ausrichtung belegt, argumentierte aber in einer illustren Entscheidung, die es auf eine Stichwortsuche in einem Online-Lexikon begrĂŒndete, wie gefĂ€hrlich der Marxismus fĂŒr die Demokratie sei (kritisiert wurde die Entscheidung hier). FĂŒr Aufregung sorgt aktuell, dass der Landkreis Rems-Murr dem Iraner Danial Bambadi, der sich bei der IG Metall seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, die EinbĂŒrgerung verweigerte. Das Verwaltungsgericht Stuttgart (Urt. v. 06.02.2026 â 4 K 797/24) bestĂ€tigte die verwehrte EinbĂŒrgerung und wirft ihm unter anderem vor, dass er âim Rahmen seines privaten und beruflichen Engagements gegen Rassismus, Populismus und rechtsextreme Entwicklungen in breit aufgestellten BĂŒndnissen jedenfalls auch mit lokalen gewaltorientierten linksextremistischen Gruppierungen zusammen[gewirkt]â habe und er daher Bestrebungen, die gegen die fdGO gerichtet seien, unterstĂŒtze.
Diese Beispiele â die Liste lieĂe sich ergĂ€nzen â zeigen, wie Behörden und Instanzgerichte den fdGO-Begriff in der Praxis hĂ€ufig von den engen verfassungsgerichtlichen MaĂstĂ€ben lösen und zu einem weit auslegbaren Staatsschutzbegriff machen (vgl. dazu die Kritik von Peer Stolle im Report âRecht gegen Rechtsâ 2020). FĂŒr Demokratieprojekte ist mit den neuen, teils verschĂ€rften Regelungen also unklar, wo Behörden und Verwaltungsgerichte die Grenze von âExtremismusâ ziehen (vgl. die grundsĂ€tzliche Kritik am Begriff Berendsen/Rhein/Uhlig 2019).
Verletzung des Bestimmtheitsgebots
Dieses Problem verschĂ€rfen die neuen Extremismusklauseln zusĂ€tzlich, weil sie anstelle des zumindest anhand der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts eingrenzbaren Begriffs der fdGO teilweise unjuristische und dadurch noch unbestimmtere Begriffe wie âextremistischâ anfĂŒhren. Bereits in der Debatte zum Demokratiefördergesetz in der vorherigen Legislaturperiode wies Tim Wihl in der SachverstĂ€ndigenanhörung darauf hin, dass der Extremismusbegriff, der aus dem sicherheitsbehördlichen Bereich stammt, in der wissenschaftlichen Demokratieforschung kein anerkanntes Konzept sei. Vielmehr drĂŒcke sich in ihm ein normativ-administratives Mischdenken aus. Er warnte aus rechtswissenschaftlicher Sicht explizit davor, ihn aufzunehmen.
Im Gegensatz zum fdGO-Bekenntnis fand das Verwaltungsgericht Dresden bereits in seiner Entscheidung von 2012 andere Aspekte der Nebenbestimmungen zu unbestimmt. Bei vielen Erwartungen der Fördermittelgeber sei ânicht klar und unzweideutig erkennbar, was von dem Zuwendungsnehmer verlangt wirdâ. Diese problematische Unbestimmtheit findet sich auch in der neuen Extremismusklausel. Insbesondere stechen hier die Formulierungen ins Auge, dass die ZuwendungsempfĂ€nger âsicherstellenâ mĂŒssen, âdass eine UnterstĂŒtzung extremistischer Strukturen [âŠ] vermieden wirdâ, und prĂŒfen mĂŒssen, âob im Hinblick auf den Inhalt der beabsichtigten MaĂnahme mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich bei deren DurchfĂŒhrung eine BetĂ€tigung gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung ergeben kann.â Ab wann die ZuwendungsempfĂ€nger mit VerstöĂen gegen die fdGO zu ârechnenâ haben, bleibt jedoch unklar. Die Nebenbestimmung enthĂ€lt eine unbestimmte Prognose, die einen sehr vagen Rahmen absteckt â ohne klare Handlungserfordernisse fĂŒr die EmpfĂ€nger. Sollen die TrĂ€ger alle Personen, die bei den Kooperationspartnern arbeiten, komplett durchleuchten? Alle eingeladenen Referent*innen und Teilnehmer*innen vor Veranstaltungen am Eingang von Mitarbeitenden des Verfassungsschutzes ĂŒberprĂŒfen lassen? Sollen alle Social-Media-Profile vorab durchgescannt werden, um die âMöglichkeitâ eines fdGO-VerstoĂes zu minimieren? Sollen Teilnehmende, Referierende und Mitarbeitende seitenweise Extremismusklauseln unterzeichnen, mit der Gefahr, dass diese ĂŒber parlamentarische Anfragen oder gar Regierungsbeteiligungen in den HĂ€nden von Rechtsextremen landen?
Selbst wenn diese Anforderungen praktisch durchfĂŒhrbar wĂ€ren: Auf welche Rechtsgrundlage kann die Bundesregierung die damit einhergehenden massiven Grundrechtseingriffe stĂŒtzen? Mitarbeiter*innen zu durchforschen, könnte ihre informationelle Selbstbestimmung tangieren, ZuwendungsempfĂ€nger dazu bringen, von umstrittenen Positionierungen Abstand zu nehmen und ihre Meinungsfreiheit einschrĂ€nken. Die Klauseln belegen die ZuwendungsempfĂ€nger mit Sicherstellungspflichten, die sie selbst gar nicht rechtmĂ€Ăig erfĂŒllen könnten.
Und sie missachten die RealitĂ€t der Arbeitspraxis von Demokratieprojekten. Ein Beispiel: Opferberatungsstellen arbeiten oft mit Dolmetscher*innen zusammen, um ihre Leistungen ĂŒberhaupt anbieten zu können. Wie sollen kleinere Projekte mit wenig Personal in der Lage sein, vorab eindeutig VerstöĂe gegen die fdGO durch die Zusammenarbeit mit Dolmetscher*innen in solchen Beratungssituationen auszuschlieĂen? Wie sollen Projekte der Ausstiegs- und Distanzierungsberatung ĂŒberhaupt rechtssicher mit ihren oftmals rechtsextremen oder islamistischen Klient*innen umgehen? Um rechtssicher agieren zu können, mĂŒssten die Beratungsstellen zugleich umfassend ihre VorsichtsmaĂnahmen dokumentieren. Das wĂ€re ein organisatorischer Mehraufwand, der massive Ressourcen fĂŒr die eigentliche Arbeit abziehen und diese de facto unmöglich machen wĂŒrde. Die ZuwendungsempfĂ€nger laufen damit permanent Gefahr, gegen die Nebenbestimmungen zu verstoĂen und letztlich mit Widerruf und RĂŒckforderung der Mittel konfrontiert zu sein. Eine rechtssichere Demokratiearbeit ist unter diesen Voraussetzungen nicht möglich. Man muss davon ausgehen, dass viele TrĂ€ger ihre Projekte dann nicht mehr fortfĂŒhren (können). Das Bundesprogramm âDemokratie leben!â könnte durch solche Nebenbestimmungen faktisch ausgehöhlt werden â ohne parlamentarische und demokratische Debatte, einfach per Verwaltungsakt.
Kampfressource fĂŒr die AfD
Die (Wieder-)EinfĂŒhrung der Extremismusklauseln unter den heutigen politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnissen ist nicht nur rechtsstaatlich problematisch, sondern auch politisch fatal. Sie symbolisieren ein generelles Misstrauen gegen diejenigen, die sich â obwohl nicht selten bereits massiven Bedrohungen durch Rechtsextreme ausgesetzt â auch im lĂ€ndlichen Bereich Ostdeutschlands fĂŒr Demokratie, Vielfalt und ein gleichberechtigtes Miteinander einsetzen. Rechte Desinformationsplattformen und die AfD im Bundestag, in den Landesparlamenten und in Kommunalvertretungen haben den Demokratieprojekten als vermeintlicher âNGO-Komplexâ den Kampf angesagt. Dies beschrĂ€nkt sich nicht nur auf verzerrende Berichterstattung und parlamentarische Anfragen, die Druck aufbauen sollen. Die AfD-Bundestagsfraktion hat gerade erst eine Stelle ausgeschrieben, um explizit die Arbeit von NGOs âauszuwertenâ. Mit den Extremismusklauseln hĂ€tte die AfD ein rechtliches Instrument in der Hand, um mit VorwĂŒrfen und Behauptungen Stimmung gegen Demokratieprojekte zu machen.
Eine bisher ĂŒberhaupt nicht beachtete Gefahr liegt zudem in den kommenden Landtagswahlen. Bei diesen droht, dass die rechtsextreme AfD eine Regierungsbeteiligung erhĂ€lt â und danach womöglich weisungsbefugt ĂŒber ein Landesamt fĂŒr Verfassungsschutz sein wird (derlei Szenarien werden bereits in der Innenministerkonferenz diskutiert). Wer in einem solchen Szenario ins Visier eines von Rechtsextremen gelenkten Geheimdienstes geraten wĂŒrde, ist unabsehbar. Die Informationsinfrastruktur der Verfassungsschutzbehörden nach § 6 BVerfSchG beruht bisher auf dem gemeinsamen Nachrichtendienstlichen Informationssystem. Organisationen, die in einem Land beobachtet werden, mĂŒssen auch bundesweit mit Folgen rechnen. Dies zeigte beispielsweise der zwischenzeitliche Entzug der GemeinnĂŒtzigkeit des Landesverbands der âVereinigung der Verfolgten des Naziregimes â Bund der Antifaschistenâ (VVN-BdA) in Berlin, nachdem der bayerische Verfassungsschutz den Bundesverband zwischenzeitlich beobachtet hatte. Der unbestimmte Extremismusbegriff und die verfassungsrechtlich oft nicht rĂŒckgebundene Bezugnahme auf die fdGO eröffnen es Akteuren wie der AfD, Angriffe auf zivilgesellschaftliche Projekte und Vereine durchzufĂŒhren und deren Arbeit lahmzulegen. Dadurch kann sich gleichzeitig die Macht der extremen Rechten festigen.
Demokratiearbeit braucht RĂŒckendeckung
Mit der WiedereinfĂŒhrung der Extremismusklausel hat die Bundesregierung einen gefĂ€hrlichen Weg beschritten. Angesichts der aktuellen politischen Lage wĂ€re es vielmehr geboten, Demokratieprojekte zu stĂ€rken und rechtlich abzusichern. Dazu liegen viele VorschlĂ€ge auf dem Tisch. Zentral bleibt eine dauerhafte Finanzierung der Demokratiearbeit, in der Mitarbeitende nicht von Jahr zu Jahr auf eine VerlĂ€ngerung ihrer VertrĂ€ge hoffen mĂŒssen. Sollten demnĂ€chst sogar Regierungsbeteiligungen der AfD in den BundeslĂ€ndern möglich werden, brauchen die lokalen Projekte eine gröĂtmögliche Absicherung. Eine staatliche Misstrauenskultur, die mit unbestimmten Rechtsbegriffen hantiert, erweist der Demokratie jedenfalls einen BĂ€rendienst. Die rechtlich unbestimmten Klauseln, die einem Misstrauensvotum gegen die Zivilgesellschaft gleichkommen, sollten daher durch das Bundesfamilienministerium und die LĂ€nder â so sie sie bereits an die Vereine in eigenen Bescheiden weitergegeben haben â unverzĂŒglich aufgehoben werden.
Commissioner for the Mediterranean DubravkaÂ Ć uica attended the inaugural meeting of the Board of Peace (BoP) in Washington. Her presence triggered significant criticism from several Member States and European Parliament groups, considering that she did not have a mandate to take part in such a politically contested initiative. The European Commission, on the other hand, defended her participation on the ground that the EU has a direct interest in the reconstruction of Gaza. As the biggest external provider of assistance to Gaza, it is deemed important to present the EUâs perspective without taking any formal role in the BoP.
The controversy surrounding CommissionerÂ Ć uicaâs presence in Washington illustrates â once again â the challenges of EU external representation. Apart from the political discussion whether it is opportune to take part in the controversial Board of Peace, her participation raises significant questions of EU law. Can the European Commissioner for the Mediterranean represent the Union on this matter? Is participation as a passive observer possible without a mandate from the Council?  What do the relevant EU Treaty provisions and the case law of the Court of Justice of the European Union say about this question?
Whereas the EUâs external action inherently requires a form of pragmatism and voluntarism, Commissioner Ć uicaâs attendance at the Board of Peace is problematic at different levels. It increases the legitimacy of a highly contested international organisation on an issue that, arguably, goes beyond the Commissionâs powers of external representation. Moreover, the questionable compliance between the Charter of the BoP and the EUâs obligations under Article 21 TEU are a matter of concern.
The Board of Peace: A Contested International Organisation
The European External Action Service (EEAS) identified significant legal concerns with the BoP Charter. In particular, the almost unlimited powers granted to Donald Trump as the organisationâs âinaugural chairmanâ and his presentation of the BoP as a potential alternative to the United Nations cannot easily be reconciled with the EUâs constitutional mandate. In accordance with Article 3 (5) and Article 21 TEU, the EUâs external action must be strictly based upon respect for the principles of the United Nations Charter.
Significantly, United Nations Security Council Resolution 2803 (2025) gives some legitimacy to the BoP initiative. The December 2025 European Council conclusions explicitly welcomed the adoption of this resolution and the establishment of a BoP. The conclusions even mention that the EU âwill actively engage with partners on the next stepsâ. The main problem, however, emerged when Donald Trump revealed the Charter of the BoP. At that time, it became clear that the ambitions and working methods of the BoP went beyond the mandate authorised by the United Nations Security Council. European Council President Costa expressed this concern after the informal European Council meeting of 22 January 2026.
It quickly turned out that the EU Member States were divided on their position towards the BoP. Where some members, such as France, Germany and Spain, explicitly rejected the offer to attend the first inaugural meeting in Washington, twelve member states finally attended as observers, whereas only Hungary and Bulgaria joined as full members of the board. For the Union, Commissioner Ć uica took part in talks related to the implementation of the peace plan in Gaza and the post-war reconstruction of the region.
A Matter of Common Foreign and Security Policy?
Whereas the European Commission is the âdefaultâ institution responsible for the external representation of the European Union (Art. 17 (1) TEU), specific rules apply with respect to matters falling within the scope of the Common Foreign and Security Policy (CFSP). In this field, the High Representative represents the Union with the support of the EEAS (Article 27 (2) and (3) TEU). The Court of Justice confirmed this division of tasks in its Gabon judgment on the signature of international agreements. Hence, the question arises whether the participation in the inaugural meeting of the BoP falls within the scope of the CFSP (and thus belongs to the High Representative and the EEAS) or to other fields of EU external action (and thus belongs to the Commission and its services).
Drawing a precise borderline between CFSP and non-CFSP external action is a difficult exercise. The European Commission stresses the EUâs role as a major donor of humanitarian aid and key actor in the post-war reconstruction of Gaza. Humanitarian aid (Art. 214 TFEU), development cooperation (Art. 208 TFEU) and assistance to third countries (Art. 212 TFEU) fall outside the scope of the CFSP and may, therefore, provide an explanation for sending Commissioner Ć uica to Washington. However, this interpretation of the Commissionâs role may well be contested. The Charter of the BoP clearly proceeds from a broad security and foreign policy logic. Its self-declared mission is âto promote stability, restore dependable and lawful governance, and secure enduring peace in areas affected or threatened by conflict.â Â Moreover, its more specific mandate under UN Security Council Regulation 2083 (2025) is part of a comprehensive plan to end the Gaza conflict. Taking into account this broader security context, it seems more logical that the High Representative and the EEAS, rather than the European Commissioner for the Mediterranean, would express the Unionâs position on this matter. At the very least, respect for the principle of consistency in the EUâs external action (Art. 21(3) TEU) presupposes close cooperation between the various institutions involved. Based upon the available public information on this matter, that does not seem to have happened before the decision was taken to send Commissioner Ć uica as the EUâs representative.
The Question of Inter-Institutional Balance and Sincere Cooperation
Apart from the question of whether Commissioner Ć uica was the appropriate person to speak on behalf of the Union, her contested participation touches upon the inter-institutional balance in the field of EU external action. Could she legally represent the Union without a specific mandate from the Council? This issue relates to the distinction between the task of external representation, on the one hand, and actual policy-making, on the other hand. The former belongs to the Commission (apart from the field of CFSP, as explained earlier), the latter to the Council. In the Swiss MoU case, the Court of Justice shed light on this distinction. The crucial criterion is the requirement of an âassessment of interestsâ. When such an assessment is required in view of the strategic guidelines laid down by the European Council and the principles and objectives of the Unionâs external action laid down in Article 21 (1) and (2) TEU, the Commission can only represent the Union upon the Councilâs prior approval.
Even though Commissioner Ć uicaâs attendance at the BoP meeting in Washington is of a different nature than the issue at stake in the Swiss MoU case, which concerned the Commissionâs signature of a non-binding agreement, the âassessment of interestsâ test is a relevant point of reference. Proceeding from this logic, a pure confirmation of an established position squarely falls within the EUâs external representation powers of the Commission (at least for issues outside the scope of the CFSP). Whenever an assessment of interests is at stake, a prior approval of the Council is necessary.
It seems that the Commission sees the participation of Commissioner Ć uica as part of its external representation powers and as an expression of the established EU position on the role of the BoP in the reconstruction of Gaza. This position could be derived from the December 2025 European Council conclusions and the Council conclusions on the Middle East Peace Process. The core issue, however, is that this position is based upon the envisaged role of the BoP as foreseen under UN Security Council Resolution 2803 (2025). It has been brought to the attention of the EU Member States that the Charter of the BoP goes well beyond the scope and mandate foreseen under this resolution. Arguably, the question whether under such circumstances participation in the BoP is appropriate in view of the principles and objectives of the Unionâs external action laid down in Article 21 (1) and (2) TEU requires an assessment of interests within the Council.
It is true that the Commissionâs participation does not bind the Union and is limited in scope, but the fact remains that this action has an impact on the reputation and credibility of the European Union at the international stage. As can be derived from the Courtâs case law, this constitutes a distinct legal interest protected by the duty of sincere cooperation. This duty not only applies to the Member States but also to the EU institutions (Art. 13(2) TEU). Given the questions surrounding the compatibility of the BoP Charter with the EUâs constitutional principles, the Commissionâs unilateral action is difficult to defend. At the very least, a consultation of the Council could have been expected. On the basis of the publicly available information, this does not seem to have happened.
The episode is part of a broader trend where the European Commission increasingly pursues a form of realpolitik at the international level. This is difficult to reconcile with the text and spirit of the EU Treaties. The Commissionâs assertive approach and broad interpretation of its external representative role create tensions with the Member States and other institutional actors. This is not new. It suffices to recall the Commission Presidentâs statements at the start of the Israel-Hamas war. The question of who speaks on behalf of the Union and how this affects the Unionâs reputation and credibility at the international stage cannot be ignored. It deserves an open and transparent debate, with full respect for the EUâs constitutional principles.