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Corona Transition

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Feed Titel: Transition News


Weltbank investiert Milliarden in industrielle Massentierhaltung

Die Weltbank und andere große internationale Entwicklungsbanken erklären, dass sie nachhaltige Ernährungssysteme schaffen, die Biodiversität unterstützen, Armut reduzieren und den Klimawandel bekämpfen wollen. Ein neues Arbeitspapier zeigt jedoch, dass Entwicklungsbanken Milliarden Dollar mehr in die industrielle Massentierhaltung schleusen als in kleinere landwirtschaftliche Betriebe, die Ackerbau mit Viehzucht kombinieren und eine größere Vielfalt an Tierrassen halten. Darauf macht Sophie Kevany auf Sentient Media aufmerksam.

Während die Finanzierung durch Entwicklungsbanken in der Regel darauf abzielt, die Ernährungssicherheit in ärmeren Ländern zu erhöhen, warnt einer der drei Autoren der Studie davor, dass Bankkredite in mindestens einem Beispiel indirekt die Expansion von Fast-Food-Restaurants in einem reicheren Land unterstützen könnten – anstatt lediglich die Lebensmittelversorgung in einem ärmeren Land zu sichern.

In den fünf Jahren von 2020 bis 2024 leiteten demnach 16 Entwicklungsbanken gemeinsam rund 13 Milliarden US-Dollar an finanzieller Unterstützung in die industrielle Tierhaltung. Dem stehen laut dem neuen Arbeitspapier des International Accountability Project und des Critical Research on Industrial Livestock Systems Network lediglich etwa neun Milliarden US-Dollar zur Unterstützung kleinerer, diversifizierterer Viehbetriebe gegenüber.

Die verbleibenden sieben Milliarden US-Dollar, die in die Viehwirtschaft flossen, konnten aufgrund begrenzter Informationen nicht kategorisiert werden. Das Arbeitspapier wurde bisher nicht von einem wissenschaftlichen Fachjournal im Peer-Review-Verfahren geprüft, teilt Kevany mit.

Muster bei der Mittelvergabe, so das Papier, «deuten auf eine wachsende Präferenz unter den großen Entwicklungsinstitutionen hin, großflächige, kommerziell ausgerichtete Viehzuchtbetriebe zu unterstützen», während nicht-industrielle Systeme, die «oft Kleinbauern oder Kleinproduzenten repräsentieren», weniger erhalten.

«Wir wussten, dass es einen Trend gibt», nach dem Entwicklungsbanken industrielle Viehhaltungsbetriebe finanzieren, erklärte Mehroosh Tak, Mitautorin des Berichts und außerordentliche Professorin für Ökonomie an der SOAS University in London, gegenüber Sentient Media. Dies sei jedoch das erste Mal, dass Forscher diesen Trend quantifiziert haben, erklärte sie.

Kevany weist darauf hin, dass industrielle Massentierhaltung dokumentierte Schäden an der Umwelt, an Tieren und Menschen verursacht. Beispielsweise führe sie zur großflächigen Zerstörung von Wäldern und anderen Lebensräumen von Wildtieren, um riesige Monokulturen aus Soja, Mais und anderen Futtermitteln anzubauen.

Diese Monokulturen würden die Artenvielfalt verringern, die Bodenqualität verschlechtern und einen hohen Einsatz von Pestiziden erfordern. Die Industrie stütze sich zudem auf hochselektierte Zuchtrassen von Schweinen, Hühnern und anderem Vieh, um auf Kosten der Gesundheit der Tiere immer mehr Eier, Fleisch und Milch zu produzieren. Kevany weiter:

«Viele Tiere erleiden extreme Enge und die Entfernung von Körperteilen wie Schwänzen und Schnäbeln. In der Massentierhaltung werden so hohe Mengen an Antibiotika eingesetzt, dass die Betriebe als ideale Brutstätten für antibiotikaresistente Bakterien dienen, an denen jährlich insgesamt 1,27 Millionen Menschen sterben. Darüber hinaus setzt die Haltung die Anwohner einer Luft- und Wasserverschmutzung durch tierische Abfälle aus.»

Nachdem die Forscher nun einen Trend zur Bevorzugung industrieller Landwirte gegenüber Kleinbauern nachgewiesen haben, müssen Entwicklungsbanken laut Tak auf diejenigen hören, die sagen, dass «intensive und industrielle Landwirtschaft schlecht für unsere Gemeinschaft ist». Ihm zufolge sollten sich die Banken darauf konzentrieren, Kredite für egalitärere Modelle bereitzustellen, die integrierte landwirtschaftliche Projekte umfassen, anstatt industrielle Modelle zu unterstützen. Sie erläutert:

«Wenn man jemandem fünf Hühner gibt, kann diese Person einige Eier produzieren, die sie auf dem örtlichen Markt verkaufen kann, aber auch einige Eier für sich selbst behalten. Das ist ein sehr gutes Beispiel für ein integriertes Projekt.»

Der Bericht weist ferner auf eine «Fehlausrichtung» zwischen der Finanzierung der industriellen Tierhaltung durch Entwicklungsbanken und ihren erklärten Zielen in den Bereichen Klima, Biodiversität und Armutsbekämpfung hin.

Um den prozentualen Anteil der Finanzierung für verschiedene Viehhaltungssysteme zu quantifizieren, analysierten die Autoren die Investitionen von 16 Entwicklungsinstitutionen im Zeitraum von 2020 bis 2024 anhand von Daten des Factory Farming Finance Tracker, einer Initiative der Organisation Stop Financing Factory Farming. Zu den analysierten Entwicklungsbanken gehörten unter anderem die Weltbank, die Internationale Finanz-Corporation (IFC) und die Europäische Investitionsbank (EIB).

Ein weiteres Problem bei der Fokussierung der Entwicklungsbanken auf die Finanzierung industrialisierter Viehzuchtprojekte besteht laut Alessandro Ramazzotti, einem der Mitautoren des Berichts und Forscher beim International Accountability Project, darin, dass in mindestens einem Fall die Unterstützung durch eine Entwicklungsbank Fast-Food-Betriebe in einem reicheren Land (den USA) angetrieben haben könnte, anstatt sich rein auf die Ernährungssicherheit in einem ärmeren Land (Guatemala) zu konzentrieren.

Seit 2018 habe der guatemaltekische Lebensmittelkonzern CMI Alimentos verschiedene Finanzierungspakete im Gesamtwert von 725 Millionen US-Dollar über IDB Invest erhalten, einen Arm der Interamerikanischen Entwicklungsbank-Gruppe. Im selben Zeitraum habe das Unternehmen stark in die Expansion seiner US-amerikanischen Fast-Food-Kette Pollo Campero investiert.

Im Jahr 2022 habe das Unternehmen auf seiner Website den Plan angekündigt, 190 Millionen US-Dollar einzusetzen, um 100 Pollo Campero-Filialen in den USA zu eröffnen – ein Ziel, das nach Angaben des Unternehmens im Jahr 2024 erreicht wurde. Ein Beitrag aus dem Jahr 2023 habe das neue Ziel angekündigt, innerhalb von fünf Jahren 250 Pollo Campero-Standorte in den USA zu betreiben.

Obwohl kein direkter Kausalzusammenhang zwischen dem von IDB Invest geliehenen Geld und den für Fast-Food-Restaurants ausgegebenen Mitteln hergestellt werden kann, gibt es laut Ramazzotti eine indirekte Verbindung. Er ist der Ansicht, dass diese Gelder von Entwicklungsbanken «wahrscheinlich zweckgebunden sind». Das bedeutet, dass sie nur für Projekte verwendet werden dürfen, die in der Finanzierungsvereinbarung festgelegt sind. Aber selbst wenn die Mittel nur für einen bestimmten Zweck verwendet werden, bedeute dies, dass «das Unternehmen Kapital freisetzt, das es in seine US-Aktivitäten reinvestieren kann».

Ramazzotti weist darauf hin, dass die Situation der Ernährungssicherheit in Guatemala und der gesamten zentralamerikanischen Region unverändert bleibt – mit einer Unsicherheit im Bereich von 15 bis 35 Prozent der Bevölkerung –, obwohl CMI Alimentos seit 2018 Hunderte Millionen Dollar erhalten hat, verknüpft mit der Erwartung, zur Ernährungssicherheit in Zentralamerika beizutragen.

Darüber hinaus, so fügt er hinzu, hat eine indigene guatemaltekische Xinka-Gemeinschaft Anschuldigungen erhoben, dass eine intensive Hühnerfarm von CMI Alimentos Verschmutzung und Krankheiten gebracht habe. Die Gemeinschaft umfasse etwa 65 Familien. Ramazzotti:

«In Guatemala sagten uns die Gemeinden, die in der Nähe der Farm leben, dass ihre eigenen Hühner und Tiere krank wurden, weil die Umweltverschmutzung durch die Farm die Luftqualität, den Boden und das Wasser beeinträchtigt.»

Neben den unangenehmen physischen Auswirkungen, zu denen Geruchsbelästigung, Staub und Fliegenplagen gehören, trägt die Gemeinschaft laut Ramazzotti erhöhte Kosten für Medikamente, sauberes Wasser und Fliegenabwehrmittel.

Der Experte erklärte, die Gemeinschaft habe ihm mitgeteilt, dass sie nur eine geringe Entschädigung von den Eigentümern der Farm erhalten habe und vor dem Bau der intensiven Geflügelanlage nicht konsultiert worden sei.

«Eines Tages wurde ihnen einfach gesagt: ‹Ja, direkt neben eurem Haus wird eine große Farm gebaut.› Und sie konnten nicht Nein sagen», stellt er fest.

Sentient Media hat CMI Alimentos, IDB Invest, die Weltbank und die Internationale Finanz-Corporation vergeblich um eine Stellungnahme gebeten.

***

Sophie Kevany ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für The Guardian und Sentient Media. Zuvor arbeitete sie für Dow Jones sowie Agence France-Presse und hält einen Master-Abschluss in Journalismus der Dublin City University. Sie hat in Irland, den USA, Südafrika, Frankreich, Peru und Spanien gelebt und gearbeitet.

Ceuta: Der sich wandelnde Kurs der EU in der Migrationspolitik

Warnung: Es geschieht etwas. Die Ereignisse in Ceuta und Melilla Anfang August 2026 sind kein Zufall. Die vorläufige Zahl der Todesopfer liegt bei mindestens 72. Die Madrider Regierung stellte die Grenzkontrollen innerhalb von 48 Stunden wieder her und repatriierte fast alle, die illegal eingereist waren. Die politische Reaktion war jedoch unverhältnismäßig zu den tatsächlichen Fakten vor Ort.

22 Regierungschefs schrieben an Ursula von der Leyen, um Spanien ein Missmanagement der EU-Außengrenze vorzuwerfen. Pedro Sánchez antwortete mit einem Brief, in dem er die Reaktion seiner Partner als «asymmetrisch» bezeichnete und beklagte, dass die europäische Solidarität durch Vorurteile, Fehlinformationen und das Streben nach politischem Konsens ausgehöhlt worden sei. Ein chinesischer Kommentator, der in der Global Times schrieb, interpretierte die Episode als das Aufbrechen einer neuen Bruchlinie innerhalb der EU.

Das Bild eines Risses ist wirkungsvoll, aber es muss mit Vorsicht gehandhabt werden. Es beschreibt keine Migrationskrise; es beschreibt eine politische Krise, die Migration als Rohstoff nutzt. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie den Schwerpunkt der Analyse von den Migrationsströmen auf das Machtgefüge innerhalb der EU verlagert.

Daten versus Wahrnehmung

Am besten beginnt man mit den Zahlen, denn genau dort wird das Narrativ auf den Kopf gestellt. Frontex meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang der illegalen Grenzübertritte in die EU um 37 %. Die westliche Mittelmeerroute – diejenige, die die Straße von Gibraltar überquert – ist die einzige, die dem Trend trotzt: etwa 7.860 Aufgriffe, ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr, was primär auf die steigende Zahl von Überfahrten aus Algerien zurückzuführen ist. Dies bleibt jedoch ein winziger Bruchteil des Gesamtbildes. Die östliche und die zentrale Mittelmeerroute machen mit zusammen über 30.000 Aufgriffen weiterhin den Großteil der Ankünfte aus, wenn auch mit stark rückläufiger Tendenz.

Es gibt auch einen rechtlichen Aspekt, der Bedenken hinsichtlich der Freizügigkeit zerstreut. Ceuta unterliegt einem Sonderstatus innerhalb des Schengen-Raums: Jeder, der dort einreist, muss weiterhin Grenzkontrollen passieren, bevor er das Festland erreicht. Die spanischen Behörden haben bekräftigt – und die EU-Kommission hat bestätigt –, dass keine der illegalen Einreisen nach Ceuta zu einem Transit in den Rest der Union geführt hat. Die von den 22 Regierungen beschworene Sorge um die «Schengen-Sicherheit» bleibt, gemessen an diesen Fakten, ohne praktische Grundlage.

Dies führt zur ersten These dieses Papiers: Die Reaktion der europäischen Partner ist nicht proportional zur Bedrohung, sondern zur politischen Zweckmäßigkeit. Eine in quantitativer Hinsicht marginale Episode wurde als kontinentaler Notfall behandelt. Dies, weil Migration in Europa aufgehört hat, eine Frage des administrativen Managements zu sein, und zu einem Schlachtfeld geworden ist, das direkt mit Wahlen und dem Machtwechsel verknüpft ist.

Drei strukturelle Probleme

Bei der Krise in Ceuta im Spiel sind drei langfristige Spannungen. Die erste betrifft die Kluft zwischen der politischen Arena und der administrativen Wirksamkeit. Die europäische Migrationspolitik wird zunehmend von wahltaktischen Überlegungen und immer weniger von der Fähigkeit zur Problemlösung geprägt. Das italienische Beispiel ist lehrreich: Rom investierte erhebliches finanzielles und diplomatisches Kapital, um die Identifizierung und Festnahme von Asylsuchenden nach Albanien auszulagern, was trotz der vernachlässigbaren Zahl der tatsächlich bearbeiteten Personen Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen nach sich zog. Die Maßnahme fungierte als politisches Signal, nicht als Steuerungsmechanismus.

Die zweite Spannung stellt offene Binnengrenzen schlecht kontrollierten Außengrenzen gegenüber. Schengen ist eine der greifbarsten Errungenschaften der europäischen Integration: Arbeitsmobilität, kultureller Austausch und eine konkrete Erfahrung kontinentaler Bürgerschaft. Doch wenn die Last der Ankünfte ungleichmäßig auf die Grenzstaaten verteilt ist, wird genau der Raum, der die Union symbolisiert, zu ihrem Reibungspunkt. Der Pakt über Migration und Asyl, der 2026 mit einem einheitlichen Screening-Verfahren an den Außengrenzen in Kraft trat, sollte diese Last neu verteilen. Die Krise in Ceuta zeigt, wie fragil seine politische Stabilität nach wie vor ist.

Die dritte Spannung ist die zwischen proklamierten Werten und ihrer politischen Tragfähigkeit. Seit der Nachkriegszeit hat Europa einen Teil seiner Identität auf dem Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde aufgebaut. Das ist nicht bloß rhetorisch: In Spanien nahm dies eine spezifische rechtliche Form an, als der Tribunal Supremo im Juni 2026 entschied, dass pauschale Zurückweisungen (pushbacks) nicht auf diejenigen angewendet werden dürfen, die versuchen, Ceuta und Melilla auf dem Seeweg zu erreichen, womit das Standardverfahren vorgeschrieben wurde. Jedes Mal, wenn die Kosten für die öffentliche Ordnung und die Ressourcen steigen, vergrößert sich die Kluft zwischen moralischem Imperativ und realem Druck. Dadurch entsteht ein Raum, in dem Kräfte gedeihen, die versprechen, «die Tür zuzumachen».

Solidarität mit variabler Geometrie

Die politisch aufschlussreichste Tatsache ist nicht die Welle selbst, sondern wer die Welle wie genutzt hat. Der «Brief der 22» wurde von Giorgia Meloni und Mette Frederiksen koordiniert, zwei Führungspersönlichkeiten an ideologischen Gegenpolen, die bei einer restriktiven Linie konvergieren; beide beriefen sich auf Konsequenzen für Madrids Zusammenarbeit innerhalb des Schengen-Raums.

Ihnen gegenüber steht Sánchez' linke Regierung, die die Vorteile legaler Zuwanderung für die spanische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt anpreist. Sie sieht sich genau in dem Moment isoliert, in dem sie unter dem größten Druck steht. Europäische Solidarität wird, mit anderen Worten, je nach politischer Haltung derer, die sich auf sie berufen, entweder aktiviert oder ausgesetzt.

Es lohnt sich, das gegenteilige Argument zu testen. Man könnte argumentieren, dass die 22 Regierungen nicht aus Opportunismus gehandelt haben, sondern aus echter Sorge: Eine poröse Enklave würde einen Präzedenzfall schaffen, und präventive Härte wäre ein Akt der Verantwortung. Das Argument enthält ein Korn Wahrheit. Es greift jedoch in zwei überprüfbaren Punkten zu kurz. Ceutas Schengen-Sonderstatus macht die Angst vor einem Übergreifen auf die Halbinsel rechtlich unbegründet, und die Zahlen auf der westlichen Route bleiben im Vergleich zu den anderen marginal. Wenn die politische Reaktion dort am größten ist, wo das materielle Risiko minimal ist, lautet die einfachste Erklärung nicht strategische Vorsicht: Es ist der politische Gewinn, Strenge zur Schau zu stellen.

Es sei daran erinnert, dass diese Situation einen nahezu spiegelbildlichen Präzedenzfall hat. Im Mai 2021 reisten etwa 9.000 Menschen nach Ceuta ein, nachdem die marokkanische Polizei während einer Phase diplomatischer Spannungen zwischen Rabat und Madrid die Kontrollen vorsätzlich gelockert hatte. Das Europäische Parlament sprach damals von der Instrumentalisierung von Minderjährigen. Das Muster wiederholt sich: Marokko nutzt den Migrationsdruck als Verhandlungsmasse, während Europa nachgelagert an der heimischen Front reagiert, anstatt vorgelagert in seinen Beziehungen zum Transitland. Von der Leyen räumte dies durch die Blume ein, warnte davor, dass die Union die Nutzung von Migration als Druckmittel nicht dulden werde, und verschob die Frage auf eine strategische Diskussion im Oktober.

Szenarien am Horizont

Über die nächsten 12 bis 18 Monate zeichnen sich drei Entwicklungen ab. Die erste und wahrscheinlichste ist ein Patt ohne Lösung: Der Pakt tritt vollständig in Kraft, die Zahlen bleiben handhabbar, aber jeder einzelne Vorfall löst weiterhin Zusammenstöße zwischen den Mitgliedstaaten aus, weil das, was auf dem Spiel steht, nicht der Migrationsstrom ist, sondern der inländische Konsens. Ein zu beobachtender Indikator ist, ob die Oktober-Diskussion einen Mechanismus zur Lastenteilung oder lediglich eine Grundsatzerklärung hervorbringen wird.

Die zweite Entwicklung – weniger wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen – ist eine koordinierte Verschärfung der Positionen: Die restriktive Linie von Meloni und Frederiksen wird zum Mainstream. Die moderate Mitte übernimmt sie, um keine Stimmen zu verlieren. Und der Schutz von Rechten verkommt zu einer bloßen Formalität. Das dritte Szenario, das derzeit unwahrscheinlich ist, ist eine Neuausrichtung hin zu einem gemeinsamen Management – dies wäre nur möglich, wenn ein strukturelles Abkommen mit den Transitländern der Migration ihre Funktion als diplomatischer Hebel entziehen würde. Keiner der drei Wege beseitigt den Riss: Zwei vergrößern ihn, während einer ihn unter Kontrolle hält, ohne ihn zu schließen.

Die strategische Implikation ist, dass die Union das quantitative Problem, das sie 2015 überwältigte, weitgehend gelöst hat, nicht aber das politische Problem, das daraus erwuchs. Solange eine harte Linie mehr einbringt als Kooperation, wird Migration für Europa etwas bleiben, das seine Mitgliedstaaten nicht gemeinsam bewältigen müssen, sondern bei dem es in ihrem Interesse liegt, gespalten zu sein.

Aber es gibt noch mehr, und das ist weit gefährlicher: Dieses Ereignis könnte den Beginn von etwas wirklich Gefährlichem markieren, vielleicht sogar von etwas Epochemachendem – wie etwa eine europäische Revolution unter tiefer liegenden politischen Fraktionen oder, um eine den Amerikanern liebe Rhetorik zu verwenden, ein Kampf zwischen verschiedenen Arten des «Deep State». Was Ceuta und Melilla in Gang gesetzt haben, wird so schnell nicht enden.

***

Lorenzo Maria Pacini ist außerordentlicher Professor für Politische Philosophie und Geopolitik an der UniDolomiti Belluno. Er ist Berater für Strategische Analyse, Nachrichtendienstliche Erkenntnisse und Internationale Beziehungen tätig.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Strategic Culture Foundation erschienen. Er wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors übersetzt und übernommen.

Neutralitätsrat will der Schweiz eine unabhängige Stimme für das Völkerrecht geben

Mit der Gründung des Neutralitätsrates erhält die Debatte über die Schweizer Neutralität und das Völkerrecht eine neue Plattform. Zwölf Persönlichkeiten aus Diplomatie, Militär, Wissenschaft und Recht haben sich zusammengeschlossen, um Entwicklungen im internationalen Recht unabhängig zu analysieren und Empfehlungen für die Schweizer Neutralitätspolitik zu erarbeiten. Ziel des Gremiums ist es gemäß einer am Freitag verschickten Medienmitteilung, Verstöße gegen das Völkerrecht unabhängig von den beteiligten Akteuren zu benennen und damit einen Beitrag zu einer sachlichen öffentlichen Diskussion zu leisten.

Die Initianten vertreten die Auffassung, dass die Sicherheit der Schweiz langfristig nicht allein auf militärischer Stärke, sondern auf einer funktionierenden internationalen Rechtsordnung beruhe. Neutralität bedeute deshalb nicht Schweigen gegenüber Rechtsverletzungen, sondern eine unparteiische Anwendung des Völkerrechts. Entsprechend bekennt sich der Neutralitätsrat zur UN-Charta, zum Selbstbestimmungsrecht der Völker sowie zu einer konsequenten Orientierung an den Genfer Konventionen.

Seine erste Veröffentlichung widmet das Gremium dem sogenannten Heimtückeverbot nach Artikel 37 des Zusatzprotokolls I zu den Genfer Konventionen. Darin wird untersucht, unter welchen Voraussetzungen militärische Handlungen während laufender Friedens- oder Waffenstillstandsverhandlungen gegen das Völkerrecht verstoßen können. Anhand mehrerer internationaler Beispiele argumentiert der Rat, dass das Prinzip von Treu und Glauben in Friedensgesprächen zunehmend unter Druck gerate und deshalb stärker geschützt werden müsse.

Aus dieser Analyse leitet der Neutralitätsrat mehrere Empfehlungen an die Schweiz ab. So solle sich das Land als Depositarstaat der Genfer Konventionen verstärkt für den Schutz von Vermittlungsdelegationen einsetzen und mutmaßliche Verstöße gegen das Völkerrecht klar benennen – unabhängig davon, welche Konfliktpartei betroffen ist.

Der Neutralitätsrat wird logistisch und finanziell von der Bewegung für Neutralität unterstützt, versteht sich jedoch als unabhängiges Expertengremium. Künftig sollen regelmäßig Analysen zu aktuellen Fragen des Völkerrechts und der Schweizer Neutralitätspolitik veröffentlicht werden.

Die vollständige Medienmitteilung sowie der erste Bericht des Neutralitätsrates zum Heimtückeverbot nach Artikel 37 des Zusatzprotokolls I der Genfer Konventionen stehen auf der Website des Neutralitätsrates zur Verfügung.

Mann – Frau – Mann

Ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung identifiziert sich als transgeschlechtlich. Das sind Menschen, die sich mit ihrem Geschlecht nicht wohlfühlen und Eingriffe vornehmen, um es zu «ändern». Manche sind dann aber auch mit ihrem «neuen» Geschlecht nicht glücklich. So erging es «Billie», über die Manuela Klein im WDR berichtet. Offiziell heiße er noch William, aber eine Namensänderung sei auf dem Weg und sie wünsche, «Billie» genannt zu werden.

Geboren worden sei die 35-Jährige Kölnerin als Julia, wobei sie schon als Kind eher ein «Julian» gewesen sei, da sie männliche Hobbys und Freunde gehabt habe. Sie erklärt:

«Schon im Alter von vier Jahren wollte man mir nicht glauben, dass ich ein Mädchen bin. Und ich wurde gezwungen, meine Weiblichkeit zu zeigen.»

Julia sei sogar aus Frauentoiletten herausgezogen worden. Das alles habe sie dazu gebracht, mit 20 Jahren eine Hormontherapie zu beginnen. «Mein Gefühl sagte mir irgendwann: Ich bin ein Junge beziehungsweise ein Mann», meint sie. Daraufhin, mit 22, wurden ihr die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernt. «Das jedoch eher aus der Not geboren», so Klein, denn trotz der männlichen Hormone habe sie noch ihre Regel bekommen, mit starken Schmerzen. Die sogenannte Transition verlief aber völlig anders als gedacht:

«Eigentlich wollte ich Freiheit, als Mann unterwegs sein. Doch trotz der OPs hatte ich immer noch starke Regelschmerzen, keiner konnte mir helfen», erklärt Billie.

Jedenfalls habe «er» dann als Mann weitergelebt. Beruflich sei er erfolgreich als Software-Ingenieur, privat sei mit einer Frau verheiratet und habe ein Kind. Es seien aber gerade die Schwangerschaft und Geburt der Tochter gewesen, die «einen tiefen Bruch und tiefe Trauer ausgelöst» hätten.

«Mir wurde klar, dass ich nie selbst ein Kind haben kann. Dass die OPs vielleicht damals nicht der richtige Weg waren», so Billie.

Da sie sich als Mann nicht mehr wohlfühlte, habe sie sich entschlossen, «den Weg wieder zurückzugehen» und «wieder als Frau zu leben». Billie erinnert sich:

«Mir ist klar geworden, dass ich irgendwann wohl einfach selbst geglaubt habe, ich sei ein Junge. Schließlich haben es mir ständig alle gesagt.»

Klein stellt fest, dass das Thema der «Detransition» selbst unter «Transmenschen» ein Tabu ist. So möchte Billie diesem Thema mehr Sichtbarkeit geben. Deshalb schreibe sie gerade ein Buch über ihr Leben und teile ihre persönlichen Erfahrungen auf ihrer Website. Sie wolle damit anderen Menschen zeigen, dass der eingeschlagene Weg auch wieder rückgängig gemacht werden kann. Bille meint:

«Es ist nicht schlimm, sich im Leben auch wieder umzuentscheiden.»

Unklar ist laut Billie noch, wie genau die sogenannte Detransition ablaufen wird. Gegenwärtig lasse sie sich in vielen Sitzungen den Bart weglasern und denke über einen Brustaufbau nach. Sie erhalte Unterstützung von ihrer Ehefrau, für die der Mensch und nicht das Geschlecht wichtig sei. Klein schließt:

«Als Frau auf die Welt gekommen, akzeptiert Billie inzwischen, dass sie maskuline Züge hat und immer haben wird. Und dass sie früher vielleicht besser auf ihre eigene Stimme, statt auf die Beurteilungen der anderen gehört hätte. Nun geht es also den Weg vom Mann zur Frau wieder zurück – auch wenn dieser ganz sicher nicht einfach sein wird.»

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Irland: 26 Wochen bezahlter Mutterschaftsurlaub für «schwangere Männer»

Laut Leitlinien der irischen Gesundheitsbehörde Health Service Executive (HSE) haben Transgender-Beschäftigte, die rechtlich als männlich anerkannt sind, Anspruch auf 26 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub, wenn sie schwanger werden oder ein Kind zur Welt bringen. Darüber berichtet The European Conservative.

Um den Mutterschaftsurlaub beanspruchen zu können, müssen Beschäftigte über eine Bescheinigung zur Geschlechtsanerkennung nach dem irischen Gender Recognition Act 2015 verfügen, der es einer Frau erlaubt, ihr rechtliches Geschlecht in männlich zu ändern. Sie können außerdem unmittelbar nach Ablauf des bezahlten Zeitraums weitere 16 Wochen unbezahlten Mutterschaftsurlaub beanspruchen und haben weiterhin Ansprüche auf Rente, Jahresurlaub und Dienstalter – ebenso wie auf Stillpausen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Die Regelung lege einen auffälligen Widerspruch in Irlands Geschlechtergesetzen offen, befindet The European Conservative. Der Staat führe die beschäftigte Person offiziell als Mann, während er Mutterschaftsrechte auf Grundlage der ausschließlich weiblichen Realitäten von Schwangerschaft, Geburt und Stillen gewähre.

Die Vorschriften folgten auf Änderungen, die im Rahmen des Work Life Balance and Miscellaneous Provisions Act 2023 eingeführt wurden. Laut der irischen Anwaltskanzlei Byrne Wallace Shields wurde die Gesetzgebung geändert, um Transgender-Männern, die eine Bescheinigung zur Geschlechtsanerkennung erhalten und anschließend ein Kind zur Welt gebracht haben, in den Geltungsbereich der bestehenden Mutterschutzregelungen einzubeziehen.


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