Belege fĂŒr MittĂ€ter im Epstein-Netzwerk verdichten sich
Der «Epstein-Sumpf» brodelt weiter â und die offiziellen Narrative stehen zunehmend auf tönernen FĂŒĂen. Ein markantes Beispiel liefert der renommierte Pathologe Michael Baden, der 2019 als Beobachter der Familie bei der Autopsie von Jeffrey Epstein anwesend war. In einem Interview mit The Telegraph erklĂ€rte der 91-JĂ€hrige kĂŒrzlich, Epsteins Tod sei am wahrscheinlichsten durch homizide Strangulierung (also Mord) verursacht worden â nicht durch Suizid.
Er begrĂŒndet dies mit drei Frakturen im Halsbereich (Hyoidknochen und Schildknorpel), die er in 50 Jahren Erfahrung bei HĂ€ftlingsobduktionen nie bei einem suizidalen ErhĂ€ngen gesehen habe, sowie asymmetrischen Strangmarken, Petechien und einer nicht passenden Schlinge. Baden fordert eine Neubewertung und widerspricht damit der offiziellen Todesursache «ErhĂ€ngen â Suizid», die New Yorks Chief Medical Examiner Barbara Sampson nur fĂŒnf Tage nach der Autopsie behauptet hatte.
Diese Zweifel passen in eine Kette jĂŒngster EnthĂŒllungen. So stufen jetzt UN-Experten die VorwĂŒrfe in den freigegebenen Akten als potenzielle «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» ein, wie Reuters berichtet. Die Verbrechen, so sagen sie, zeigten eine Kommerzialisierung und Entmenschlichung von Frauen und MĂ€dchen. Und weiter:
«Das AusmaĂ, die Art, der systematische Charakter und die transnationale Reichweite dieser GrĂ€ueltaten gegen Frauen und MĂ€dchen sind so schwerwiegend, dass einige von ihnen mit Fug und Recht die rechtliche Schwelle zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit erreichen könnten», erklĂ€rten die Experten in einer Stellungnahme.
Die in den Akten enthaltenen Anschuldigungen erforderten eine unabhĂ€ngige, grĂŒndliche und unparteiische Untersuchung zu dem «globalen kriminellen Unternehmen», so die Experten. Und es sollten auch Untersuchungen darĂŒber eingeleitet werden, wie es möglich war, dass solche Verbrechen ĂŒber einen so langen Zeitraum begangen werden konnten. Des Weiteren kritisieren sie SchwĂ€rzungen, die Opfer retraumatisieren.
Handhabung der Epstein-Dokumente durch US-Justizministerin «krasseste Form der Inkompetenz»
In den USA treibt vor allem der republikanische Abgeordnete Thomas Massie (Kentucky) die komplette Offenlegung der Akten voran â entgegen massivem Druck aus dem WeiĂen Haus. Im Interview mit Politico bezeichnete er die Handhabung der Epstein-Dokumente durch das Justizministerium unter Ministerin Pam Bondi als «die krasseste Inkompetenz, die ich je in der Regierung erlebt habe».
Als Beispiele nennt er: Das DOJ veröffentlichte versehentlich die vollstĂ€ndige Liste von Opfern, nachdem ein Anwalt explizit SchwĂ€rzungen gefordert hatte. AuĂerdem hatte das Justizministerium eine wichtige Textstelle geschwĂ€rzt, die andeuten könnte, dass FBI-Chef Kash Patel unter Eid gelogen hat. Nachdem Thomas Massie öffentlich darauf hingewiesen hatte, wurde diese SchwĂ€rzung innerhalb von nur 40 Minuten wieder entfernt und der Text sichtbar gemacht.
Die EntschwĂ€rzung dieser Passage in den Epstein-Akten â in der Leslie Wexner, US-MilliardĂ€r und GrĂŒnder des Unternehmens L Brands, das hinter Marken wie Victoria's Secret, Bath & Body Works und Pink steht, als möglicher Mitverschwörer im Sex-Trafficking-Netzwerk genannt wird â hat Kash Patel (FBI-Direktor) massiv unter Druck gesetzt. Grund: Sie steht im Widerspruch zu seiner Aussage unter Eid vor dem Kongress, wonach es keine glaubwĂŒrdigen Hinweise auf weitere Personen gebe, an die Epstein MinderjĂ€hrige vermittelt habe.
Bisher gibt es zwar keine formellen Konsequenzen fĂŒr Patel wie eine offizielle Untersuchung, Anklage wegen Meineids (Perjury), Impeachment-Verfahren oder RĂŒcktritt â Patel bleibt durch die republikanische Mehrheit und die Trump-Administration geschĂŒtzt, und Perjury-VorwĂŒrfe sind schwer nachzuweisen, solange keine wissentliche Falschaussage bewiesen ist. Dennoch hat das Thema in sozialen Medien und oppositionellen Kreisen enorme Wellen geschlagen, inklusive lauter Forderungen nach Untersuchung, Amtsenthebung oder sogar Haft (zum Beispiel auf X oder auch in Podcasts wie «Liberty Lockdown»). Nutzer und Kommentatoren brandmarken da Patel als LĂŒgner und sehen Massies EnthĂŒllung als Beweis fĂŒr Vertuschung.
Massie sieht unterdessen anhaltenden öffentlichen Druck als wirksamstes Mittel und prognostiziert, dass es mehr parteiinterne Abweichler geben werde, da viele Abgeordnete nach den Vorwahlen weniger Angst vor Trumps Repressalien hÀtten. Zudem betont er, das Thema sollte bewusst keinen parteipolitischen Anstrich bekommen, sprich weder Clinton- noch Trump-Nennungen sollten im Vordergrund stehen. Vielmehr sollte einfach Transparenz erzwungen werden. Bislang wurden bereits drei Millionen Dateien freigegeben, die auf Mitverschwörer hinweisen.
Parallel startete die State Legislature von New Mexico eine bipartisanische Untersuchung zu Epsteins abgeschiedener «Zorro Ranch», wie die New York Post schreibt. Die Kommission will dabei nicht nur klĂ€ren, ob dort Sex-Trafficking stattfand, warum Epstein nach seinem GestĂ€ndnis im Jahre 2008 (Anstiftung einer MinderjĂ€hrigen zur Prostitution) nicht als SexualstraftĂ€ter registriert wurde und ob Korruption unter AmtstrĂ€gern eine Rolle spielte. Auch forderte die demokratische Abgeordnete Marianna Anaya aus Albuquerque, Mitglied der Wahrheitskommission, gestern auf einer Pressekonferenz die Bevölkerung auf, Informationen ĂŒber jeglichen Missbrauch auf der Ranch im Zusammenhang mit Epstein und anderen Personen, die dies ermöglichten, preiszugeben. Dazu sagte sie:
«Der TĂ€ter konnte nicht allein handeln. Er konnte keinen Sexring allein betreiben, er konnte diese Art von Finanzverbrechen nicht allein begehen. Deshalb wissen wir als Kommission, dass auch die MittĂ€ter zur Rechenschaft gezogen werden mĂŒssen, gegebenenfalls auch der Staat selbst. Wenn Sie uns etwas mitteilen möchten, sind wir fĂŒr Sie da und behandeln Ihre Informationen vertraulich.»
Dazu passt, was zwei republikanische Abgeordnete, Lauren Boebert und Anna Paulina Luna, in den ungeschwĂ€rzten Akten entdeckten, nĂ€mlich weitere «Mitverschwörer». Sie fordern eine entsprechende PrĂŒfung sowie eine hĂ€rtere Haft fĂŒr Epsteins langjĂ€hrige «rechte Hand», Ghislaine Maxwell, die sie als «Monster» bezeichnen und deren VIP-Behandlung im GefĂ€ngnis (individuelle Mahlzeiten, Welpen) als «widerlich» kritisieren. Damit distanzieren sie sich demonstrativ von Trump, der Maxwell milde Bedingungen ermöglicht hat.