Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / II





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8   __D i e L e h r m e i n u n g e n__
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10   Der M e t a l l i s m u s .
11   Der N o m i n a l i s m u s .
12  
13        Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht
14   bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir
15   das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-
16   het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort
17   nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-
18   sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei-
19   hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-
20   de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für
21   den allein richtigen vertritt.
22        Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem
23   Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer
24   Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses
25   theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und
26   ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,
27   dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus
28   ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch
29   Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.
30        In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit
31   sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon
32   staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,
33   als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur
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43   bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"
44   wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen
45   Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-
46   kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung
47   ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach
48   sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das
49   Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen
50   im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-
51   liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.
52        Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der
53   natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens
54   doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden
55   Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte
56   Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-
57   tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr
58   den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu
59   überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf-
60   fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-
61   ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs-
62   mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall -
63   (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten
64   Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem
65   Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten
66   erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das
67   kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das
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77   Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher
78   zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-
79   mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine
80   Genüsse vermehrt werden."
81        Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des
82   Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz
83   des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-
84   mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel
85   gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol
86   eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die
87   Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie
88   gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das
89   Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht
90   mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet
91   und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er
92   in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,
93   als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.
94   Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum
95   vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen
96   ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und
97   den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen
98   Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu
99   erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten
100   in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur
101   Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp
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111   als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.
112        Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-
113   wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-
114   greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-
115   te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung
116   nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,
117   das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank
118   der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss
119   das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende
120   Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-
121   trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.
122        Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,
123   haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären
124   und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-
125   hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann
126   sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System
127   gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und
128   Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem
129   bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.
130   Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.
131   Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-
132   strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen
133   Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente
134   Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek-
135   tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes
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145   der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.
146   Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.
147        Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen
148   Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses
149   des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden
150   Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen
151   Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-
152   hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-
153   brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt
154   rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur
155   Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse
156   ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.
157        Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-
158   regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff
159   notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr
160   fragwürdigen Formel begriffen wissen:
161   " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B.
162   dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "
163   Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-
164   ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären
165    liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-
166   tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den
167   Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-
168   um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen
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178   Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für
179   jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches
180   Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch
181   immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens
182   und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro-
183   gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von
184   dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh,
185   das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar
186   nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde
187   denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not
188   und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert
189   oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren.
190        1797 beispielsweise wurde in England infolge seines
191   Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.
192   22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit
193   grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein
194   real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,
195   den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-
196   lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-
197   flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-
198   lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer
199   bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung
200   der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen
201   dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich
202   schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel
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212   sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an
213   einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-
214   dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von
215   volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit
216   gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das
217   muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-
218   sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den
219   Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen
220   Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage
221   der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur
222   angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen
223   anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-
224   de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-
225   fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei
226   und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind
227   ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen
228   Verkehr beleuchten und beeinflussen können.
229        In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob
230   wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung
231   der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der
232   die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-
233   fachende Moment begriffen wissen will.
234        Während also bei den Metallisten die Erklärung
235   der Banknoten auf
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245   die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der
246   Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer
247   reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch,
248   wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen
249   die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was
250   die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt
251   bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,
252   in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent-
253   lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder
254   Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-
255   ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-
256   mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie
257   Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine
258   Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-
259   tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei
260   auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-
261   körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen
262   und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-
263   scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.
264        Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,
265   die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die
266   Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den
267   Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren
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277   in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,
278   dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-
279   wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu
280   jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für
281   jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind
282   schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im
283   Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-
284   renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber
285   aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-
286   strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse
287   kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-
288   stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-
289   mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von
290   ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger
291   und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus
292   muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,
293   wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur
294   die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn
295   die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-
296   sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst
297   heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-
298   rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert
299   in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,
300   verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir
301   auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-
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311   struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff
312   ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss
313   aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-
314   preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-
315   rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten
316   Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall
317   innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-
318   rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs
319   hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-
320   stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]
321   zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der
322   Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass
323   das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-
324   erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-
325   nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die
326   Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der
327   nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-
328   arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware
329   aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender
330   als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der
331   nominalen Einheit des Geldes.
332        Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen
333   um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine
334   Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-
335   sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik
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345   des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-
346   gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der
347   Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem
348   Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit
349   die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder
350   Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,
351   während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-
352   ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich
353   infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.
354        Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die
355   Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-
356   über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-
357   sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-
358   leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-
359   tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn
360   wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus
361   allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,
362   dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.
363   Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,
364   denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren
365   zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie
366   die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese
367   alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches
368   aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser
369   selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung
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379   der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-
380   lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-
381   jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-
382   schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-
383   fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven
384   Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-
385   zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-
386   genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-
387   schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-
388   heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-
389   schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert-
390   einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her
391   eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen
392   und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld-
393   schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass
394   man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-
395   kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-
396   gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,
397   bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen
398   die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch
399   quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-
400   net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen
401   alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in
402   Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf
403   den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot
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413   und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der
414   eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber
415   auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem
416   Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit
417   in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender
418   Ausführung nach ganz deutlich werden.
419        Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während
420   des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem
421   System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen
422   doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis-
423   senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-
424   charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und
425   wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es
426   nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in
427   den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,
428   kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der
429   Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das
430   Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-
431   kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer
432   Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont
433   sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,
434   weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja
435   durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-
436   ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war
437   an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-
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447   lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-
448   schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande
449   gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so
450   hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit
451   auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall
452   desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-
453   tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-
454   tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem
455   Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-
456   re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung
457   der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen
458   des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung
459   abgeschwächt hätte.
460        So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge-
461   rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht
462   wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,
463   sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss
464   hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den
465   Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und
466   zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen
467   werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.
468   Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt
469   in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht
470   etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst
471    die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber
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481   dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis
482   so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-
483   flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht
484    nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.
485   Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren,
486   wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen
487   des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-
488   keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung
489   dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als
490   die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben
491   wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-
492   ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu
493   leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-
494   ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung
495   Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.
496   Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell
497   zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend
498   weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die
499   gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–
500   ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-
501   sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben
502   müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-
503   se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke
504   die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern
505   auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor-
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515   dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–
516   lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr
517   gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-
518   listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber
519   es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes
520   bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,
521   Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn
522   ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen
523   eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des
524   Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass
525   allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-
526   zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -
527   sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für
528   dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem
529   Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-
530   hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im
531   Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja
532   der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser
533   letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,
534    dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist
535   gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die
536   Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation
537   hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-
538   legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-
539   preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling
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549   als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.
550        So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-
551   tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-
552   sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,
553   haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-
554   terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-
555   derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-
556   tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme
557   nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen
558   ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.
559  
560            Die
561        W a r e n w e r t t h e o r i e
562            des
563          G e l d e s .
564  
565        Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,
566   das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene
567   Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben
568   wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige
569   ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis-
570   ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-
571   zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie
572   vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-
573   lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes
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583   Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in
584   dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-
585   dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-
586   gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-
587   schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,
588   der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die
589   theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-
590   de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_
591   mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen
592   will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem
593   Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch
594   die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich
595   von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-
596   jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-
597   mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit
598   freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-
599   wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von
600   der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite
601   aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird.
602   Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier
603   wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-
604   theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.
605        Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-
606   ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-
607   duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht
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617   auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und
618   durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf
619   nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des
620   Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz,
621   sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des
622   Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,
623   die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-
624   aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-
625   titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage
626   nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene
627   statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive
628   Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus
629   das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war
630   im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-
631   se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht
632   vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser
633   dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-
634   person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine
635   objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen
636   Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der
637   Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-
638   lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser
639   Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen-
640   de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher
641   Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante
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651   metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders
652   gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,
653   wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-
654   delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische
655   Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre
656   des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-
657   tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-
658   dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft
659   und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum
660   müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass-
661   funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die
662   Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des
663   Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich
664   dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie
665   aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze
666   verwirklichen?
667        Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom
668   Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-
669   ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-
670   sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem
671   Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer
672   bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen
673   Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die
674   allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit
675   und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des
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685   Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.
686        Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch
687   und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer
688   aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss
689   auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware
690   sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine
691   an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-
692   tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird
693   zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,
694   dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit
695   eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-
696   bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den
697   Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-
698   heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-
699   schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos
700   hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold
701   ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,
702   sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-
703   mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-
704   deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-
705   derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es
706   aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-
707   bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-
708   maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon
709   vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das
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719   im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-
720   nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-
721   währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen
722   Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des
723   Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,
724   die sog. Geldkernwährung.
725        Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen
726   die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen
727   Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-
728   theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache
729   gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen
730   unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die
731   folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.
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736   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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750        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
751    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
  18      So lose auch bei nachlässigerer Betrachtung eine
  19  Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufs mit der Wertein-
752 20  heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
753 21  Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
754   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
  22 ist, so wird uns doch gerade aus dieser Avvnvvschauung, die eigentlich,
755 23 losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
756 24 schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
757 25 Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
758 26 chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
759   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
  27 nimmer dem Winke der Tvvhvveorie, die Werteinheit wandelt und formt
760 28 sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
761 29 Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
762 30 entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
763 31 Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
764 32 so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
765   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
  33 und ihr Sein in den fei**ns**ten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
766 34 spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
767   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
  35 die Sonde anlegen, um den Kern, den Ivvnvvhalt und den Geist der Wert-
768 36 einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
769 37      So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
770   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
  38 gutes war, den zufälligen Austausch von Wvvavvren zwischen Einzelper-
771 39 sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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782 50
783 51
784 52 kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
785 53 wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
786 54 die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
787   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
788   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
  55 war, sollte von dieser Svvevvite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
  56 so wird auch der schon hieraus erkennbare Gvvevvist der Werteinheit
789 57 gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
790 58 auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
791 59 rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
792   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
  60 verbindendes Bvvavvnd zu schlingen, mit anderen W**o**rten, dem ganzen
793 61 wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
794 62 lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
795   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
  63 sigen Abwicklung zu verhelfen. W**i**r sprechen in jener Zeit von Welt-
796 64 wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
797 65 nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
798 66 sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
799   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
  67 heit in die Evvrvvscheinung tritt. Uvvnvvd jede dieser Einheiten hat wieder-
800 68 um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
801 69 einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
802   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
803   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
  70 selbst schöpfen. Diese Kvvrvväfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
  71 relatives Mvvavvximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
804 72 einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
805   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
806   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
  73 teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kap**i**tal "
  74 erübrigt wird, diesen Mechanismus **i**nsgesamt wollen wir den Kreis-
807 75 lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
808 76 das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
809 77 wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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822   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
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  87
  88
  89
  90 noch von einer Tvvavvuschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
823 91 terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
824 92 Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
825 93 lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
828 96 losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
829 97 zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
830 98 schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
831   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
832   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
  99 einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
  100 zum Kvvovvnsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
833 101 Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
834 102 Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
835 103 lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
836 104 nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
837   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
  105 Auch wenn das Gvvevvld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
838 106 beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
839   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
  107 Ewiges darstellt und immer auf's neue gegen Genussgüter zu tau-
840 108 schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
841 109 gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
842 110 die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
843 111 ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
844   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
845   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
  112 denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Kvvovvnsums er-
  113 reicht ist. Von diesem Augenblick an ist das Geld begrifflich
846 114 nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
847 115 irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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857 125
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859 127
860 128 lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
861   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
862   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
  129 güter mittels jenes Geldes doch immer wieder gleich gross sein
  130 müsste. Vvvavvrianten mögen wohl im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
  131 heit möglich sein. Ivvnvv anderen Falle, wo das Geld in einem stoffwert-
863 132 losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
864 133 dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
865   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
866   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
  134 das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
  135 wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tvvavvusch zwischen Geld und
867 136 Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
868 137 chen werden.
869 138      Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
870 139 liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
871 140 schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
872   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
873   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
  141 men als Tvvavvuschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
  142 Aeuquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tvvavvusch zu legen, kann durch
874 143 Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
875   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
  144 bei der Betrachtung des Kvvrvveislaufs kann es nur darauf ankommen,
876 145 innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
877 146 Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
878 147 dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
880 149 ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
881 150 wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
882 151 liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
883   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
884   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
  152 Gesellschaft der Gvvlvveichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
  153 sahen--_--nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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897   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
898   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
899   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
  162      - 24 -
  163
  164
  165
  166 ni**c**ht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
  167 hat, dass die Svvpvvanne eine immer grössere zu werden vermag, je
  168 entfernter der W**i**rtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
900 169 den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
901   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
902   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
  170 ohne aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Fvvrvveiheit verlustig
  171 zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich --ed--definitiv nur
  172 gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
903 173 ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
904   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
  174 sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe. Die Schwie-
905 175 rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
906   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
  176 darin suchen, dass in der modernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
907 177 selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
908   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
909   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
  178 Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güter**e**ntnahme aus der
  179 Wirtschaft, am Kvvovvnsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
910 180 dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
911 181 den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
912 182 Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
913    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
914   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
  183  gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgänge
  184 **h**ier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
915 185 , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
916 186 gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
917 187      Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
918   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
  188 wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausführt:
919 189      "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
920 190 dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
921   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
  191 und zwar realiesieren sich Produktion und Verteilung durch den
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934   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
935   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
936   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
  200      - 25 -
  201
  202
  203
  204 Austausch von produktiven Lvvevvistungen sachlicher und persönlicher
  205 Natur gegen Gvvevvnussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
  206 Sozialprodukt. Die Pvvrvvoduktion ist wirtschaftlich nichts anderes
937 207  als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
938 208 sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
939   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
940   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
  209 gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Uvvnvvternehmer
  210 tauschen das Sozialprodukt gegen Bvvovvden- und Arbeitsleistungen und
941 211 gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
942   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
943   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
944   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
945   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
  212 sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
946 213 Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
947 214 aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
948 215 duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
951 218 Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
952 219 die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
953 220 die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
954   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
955   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
  221 in zwei Mvvävvrkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
  222 mer Nachfragende--n--, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
956 223 markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
957   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
958   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
959   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
  224 Geld gegen Genussgüter. Die Kvvovvnsumenten des Genussgütermarktes
  225 sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt alvvsvv Anbietende
  226 auftreten und können auf dem Gvvevvnussgütermarkt dasselbe Geld aus-
960 227 geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
961 228 wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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971 238
972 239
973 240
981 248      Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
982 249 wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
983 250 verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
984   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
  251 zum Kvvovvnsum öffnet, den finden wir im Einkommen. Der Konsumtrieb
985 252 ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
986 253 im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
987 254 und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
988 255 möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
989   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
990   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
991   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
  256 bunden sein. Eine Vvvorvvauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
  257 ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Kvvovvnsum
  258 abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme der
  259 Ware, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
992 260 dem Wesen nach eine Krise.
993 261      Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
994 262 einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
995   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
996   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
  263 die vom erfahrungsgemäss vorauserwartetem heutigen Kvvovvnsum vor-
  264 geschrieben wurde. Mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
997 265 fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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1007 275
1008 276
1009 277
1010 278 die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
1011   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
1012   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
1013   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
1014   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
  279 tvvervvstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
  280 Kvvovvnsumtion in gewissen Gvvrvvenzen sich die Wage halten müssen. Zwang-
  281 los finden wir hier die Erklärung mancher Krise: nämlich dann,
  282 wenn wir aus der Mvvüvvndung mehr Kvvovvnsumgüter erwarten, als diese uns
1015 283 für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
1016   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
1017   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
1018   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
  284 wir einen späteren Kvvovvnsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
  285 ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später
  286 realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
  287 langen. Hier der wirtschaftlichen Evvnvvtwicklung keine Fesseln anzu-
1019 288 legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
1020 289 Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
1021    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
1022   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
  290  Svvovvrgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
  291 auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank-- und beson-
1023 292 ders der Diskontopolitik.
1024 293      Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
1025 294 schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
1026 295 rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
1027 296 schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
1028 297 Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
1029   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
  298 einmal historisch--o--aus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
1030 299 eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
1031   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
  300 indes an dem Kern des Wert**g**ebr**i**ffes rütteln zu wollen, der als
1032 301 Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
1033 302 dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
1034 303
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1041 310 ||
1042 311
1043   - 28 -
  312      - 28 -
1044 313
1045 314
1046 315
1047 316 gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
1048 317 wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
1049   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
  318 mit gegebenen Grössen zu rechnen haben . Die Werteinheit hat die
1050 319 Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
1051   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
  320 aufzuzeigen. Wohl aber muss jedes Gvvuvvt seinen absoluten Wert aus
1052 321 dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
1053 322 so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
1054 323 ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
1055 324 wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
1056 325  die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
1057 326 ist das Einkommen der Nation.
1058        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
1059   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
  327      Die Kalkulation ist nichts weiter, als eine Addition von
  328 aufzuwendenden **P**roduktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
1060 329 stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
1061 330 in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
1062   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
  331 mit der starren oberen Gvvrvvenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
1063 332 uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
1064 333 die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
1065 334 zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
1066   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
  335 der Wirtschaft und insbesondere für das Erkennen des Wesens der
1067 336 Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
1068 337 Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
1069 338 griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
1071 340 nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
1072 341
1073 342
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1080 349
1081   - 29 -
  350      - 29 -
1082 351
1083 352
1084 353
1085 354 gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
1086 355 muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
1087   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
1088   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
  356 haben, die es ihm dennoch ermöglicht, den realen Wert seines Anteils,
  357 den er irgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
1089 358 auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
1090 359 einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
1091   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
  360 sönliche und Ivvnvvdividuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
1092 361 in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
1093 362 einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
1094 363 im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
1095   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
1096        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
  364 auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen s**u**chen.
  365      Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist uns das Nomi-
1097 366 naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
1098 367 wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
1099   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
1100   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
  368 der arbeitsteiligen Wvvivvrtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
  369 Nominaleinkommen muss insgesamt das Rvvevvaleinkommen vom Markte wie-
1101 370 der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
1102 371 Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
1103   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
  372 nung der Quantitätstheorie muss der Avvuvvsgleich von Einkommens-und
1104 373 Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
1105   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
  374 dass dieser* Endzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
1106 375 dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
1107 376 Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
1108 377 equilibrieren.
1109 378      Wir können sagen:
1110 379
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1112   ||
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  381 ||
  382 ||#
1114 383 ===30===
1115 384 #||
1116 385 ||
1117 386
1118   - 30 -
  387      - 30 -
1119 388
1120 389
1121 390
1122 391      Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
1123 392 gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
1124   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
  393 vvGvvültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
1125 394 ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
1126 395 System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
1127 396 ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
1128 397 dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
1129 398 einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
1130   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
1131   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
1132   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
  399 Relationen eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
  400 wertigem (Tauschgut ) doch Gvvlvveichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
  401 auf das Sozialprodukt den Lvvevvistenden zur Verfügung stellen. In
1133 402 jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
1134 403 und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
1135   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
1136   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
  404 das Vorherrschen der Werteinheit, die in Geld oder der Wirkung
  405 nach geldgleicher Fvvovvrm das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
1137 406 abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
1138   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
1139   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
  407 Gemeinschaft verbindet. Dvvovvch ist die Werteinheit eine ältere Er-
  408 scheinung und hat dort ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
1140 409 sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
1141 410 des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
1142 411 eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
1148 417
1149 418
1150 419
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1152   ||
1153   ||#
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  421 ||
  422 ||#
1154 423 ===31===
1155 424 #||
1156 425 ||
1157 426
1158   - 31 -
  427      - 31 -
1159 428
1160 429
1161 430
1162 431 Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
1163   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
  432 einkommen **u**nd den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
1164 433 uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
1165 434 der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
1166 435 wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
1167 436 wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
1168   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
  437 kein anderer Weg zur Pvvrvvoduktion als durch Aufwendungen von Arbeit
1169 438 und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
1170 439 zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
1171   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
  440 Evvrvvzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
1172 441 Anteile am gesamten Produktionsfond.
1173        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
1174   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
1175   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
  442      Wir sehen, dass in vvovvrdnungsmässigem Gang der Wirtschaft
  443 die Bvvivvndungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
  444 schem Avvuvvsschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
1176 445 nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
1177   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
1178   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
  446 und dasselbe. Die Gvvüvvterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
  447 gegebene Gvvrvvössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge**-**
1179 448 mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
1180 449 Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
1181   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
1182   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
1183   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
1184   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
  450 auf den Markt gelangen diesem Netz von Re**l**ationen ungefähr ein.
  451 Mit der Grösse der Produktion und den Pvvrvveisen wird als abhängige
  452 Grösse das Nominaleinkommen **i**n absolut gleicher Höhe geschaffen.
  453 Preiskampf und vvPvvreisrevolution kann begrifflich nicht möglich
1185 454 sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
1186 455 nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
1187 456
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1189   ||
1190   ||#
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1191 460 ===32===
1192 461 #||
1193 462 ||
1194 463
1195   - 32 -
1196  
1197  
1198  
1199   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
  464      - 32 -
  465
  466
  467
  468 das andre Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
1200 469 doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
1201 470 nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
1202   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
  471 seinen subjektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
1203 472 Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
1204   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
  473 herangezogen werden. Was aber in diesem Zvvuvvsammenhang mitbestimmt
1205 474 das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
1206 475 gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
1207   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
  476 und der Qualität der Pvvrvvoduktion beeinflusst und geändert werden.
1208 477  Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
1209 478 Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
1210 479 ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
1211   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
  480 beiter, Bauer, Beamter und freie B**e**rufe nicht willkürlich nebenein-
1212 481 ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
1213 482 gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
1214   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
1215   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
  483 dem Preisgebände oder besser mit dem Preisgebände ist auch das
  484 Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei **b**eiden
1216 485 eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
1217 486 menhang zu konstatieren ist.
1218        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
1219   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
  487      Der Kvvrvveislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
  488 blem gipfeln, die Evvivvnkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
1220 489 so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
1221 490 das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
1222 491 scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
1223 492 für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
1224 493
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1226   ||
1227   ||#
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  495 ||
  496 ||#
1228 497 ===33===
1229 498 #||
1230 499 ||
1231 500
1232   - 33 -
1233  
1234   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
1235   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
  501      - 33 -
  502
  503 aller, abe**r** auch alle Berufsgruppen teilen. Ivvnvv den Güterkalkulati-
  504 onen finden wir die Substanz für alle Evvivvnkommen.
1236 505      In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
1237 506 Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
1238 507 von Einkommen zu unterscheiden haben:
1240 509 1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
1241 510 güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
1242 511 Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
1243   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
  512 einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der **G**esell-
1244 513 schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
1245 514
1246 515 2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
1250 519
1251 520 3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
1252 521 aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
1253   machen können .
  522 machen können.
1254 523
1255 524 4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
1256 525 licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
1257 526
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1259   ||
1260   ||#
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  530 ===34===
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1264 534
1265 535 ===35===
1266 536 #||
1267 537 ||
1268 538
1269   - 35 -
1270  
1271        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
  539      - 35 -
  540
  541      Was an jeder bildlichen Dvvavvrstellung fehlerhaft sein
1272 542 muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
1273   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
  543 keit natürlich im organischen Fvvlvvusse befinden. Das müssen wir auch
1274 544 hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
1275 545 schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
1276 546 Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
1281 551 an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
1282 552 Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
1283 553 treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
1284   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
1285   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
  554 bleiben **i**hnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
  555 Kvvovvnsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
1286 556 Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
1287 557 Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
1288 558 heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
1289   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
  559 Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden pri**v**at-
1290 560 wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
1291   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
  561 das sich in sog. volkswirtschaftl**i**ch**e**m Kapital niedergeschlagen
1292 562 hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
1293 563 Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
1294 564 direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
1295 565 rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
1296 566
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1298   ||
1299   ||#
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1300 570 ===36===
1301 571 #||
1302 572 ||
1303 573
1304   - 36 -
  574      - 36 -
1305 575
1306 576 Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
1307 577 dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
1308 578 lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
1309 579 gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
1310 580 ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
1311   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
  581 leranteil **z**ugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
1312 582 bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
1313 583 sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
1314 584 wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
1315 585 läufen ausgleichen.
1316 586      Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
1317 587 der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
1318   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
  588 preise. Das ist nichts z**u**fälliges, sondern die notwendige Fol**g**e des
1319 589 Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
1320   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
  590 Wenn wir sagen, die Pvvrvveise und in ihnen die Idee der Werteinheit
1321 591 seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
1322 592 diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
1323 593 den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
1324 594 selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
1325 595 werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
1326 596 nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
1327   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
1328   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
1329   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
1330   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
1331  
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1333   ||
1334   ||#
  597 Nominaleinkommen sind das Spiegelbild der Preise und so können wir
  598 die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real-und Nominal-
  599 einkommen bezeichnen. Dass wir den Preisen die primäre Rolle ein-
  600 räumen, könnte als gegen die Tvvavvtsachen verstossend erschienen, denn
  601
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  603 ||
  604 ||#
1335 605 ===37===
1336 606 #||
1337 607 ||
1338 608
1339   - 37 -
  609      - 37 -
1340 610
1341 611 äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
1342   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
1343   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
  612 und nehmen möglichst an dem Pvvrvveise im einzelnen die letzte Kor-
  613 rektur vor; aber die Pvvrvveise sind nicht nur historisch gegenüber
1344 614 dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
1345 615 uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
1346 616 an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
1354 624 und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
1355 625 quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
1356 626 (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
1357   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
1358   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
  627 Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfalle wohl verschieden;
  628 sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat-
1359 629 tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
1360   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
1361   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
1362   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
  630 Einkommen z**u** erhalten**.** Während also Real- und Nominaleinkommen sich
  631 stets devvcvvken müssen, weil es nur verschiedene Ausdvvrvvücke gleicher
  632 vvSvvache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3. Aus-
1363 633 drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
1364   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
  634 griffe sein und kann nur in der Avvuvvsschliesslichkeit des Einkom-
1365 635 mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
1366 636 lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
1367 637
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1369   ||
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1371 641 ===38===
1372 642 #||
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1374 644
1375   - 38 -
  645      - 38 -
1376 646
1377 647 darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
1378 648 von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
1401 671 Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
1402 672
1403 673
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1405   ||
1406   ||#
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  675 ||
  676 ||#
1407 677 ===39===
1408 678 #||
1409 679 ||
1410 680
1411   - 39 -
  681      - 39 -
1412 682
1413 683 Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
1414 684 zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
1436 706 in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
1437 707 In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
1438 708
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1440   ||
1441   ||#
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  710 ||
  711 ||#
1442 712 ===40===
1443 713 #||
1444 714 ||
1445 715
1446   - 40 -
  716      - 40 -
1447 717
1448 718 der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
1449 719 Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
1472 742 die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
1473 743 eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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1484 754 kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
1485 755 sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
1508 778 einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
1509 779 Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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1520 790 austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
1521 791 wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
1529 799 auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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1543   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
1544   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
1545    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
1546   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
1547   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
1548   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
1549   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
1550   erhoffen liessen.
1551        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
1552   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
1553   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
1554   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
1555   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
1556   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
1557   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
1558   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
1559  
1560        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
1561   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
1562   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
1563   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
1564   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
1565   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
1566   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
1567   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
1568   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
1569   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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1582   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
1583   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
1584   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
1585   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
1586   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
1587   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
1588   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
1589   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
1590   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
1591   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
1592   ten.
1593  
1594        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
1595   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
1596   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
1597   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
1598   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
1599   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
1600   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
1601   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
1602   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
1603   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
1604   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
1605   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
1606   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
1607   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
1608   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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1621   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
1622   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
1623   von Edelmetallen.
1624        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
1625   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
1626   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
1627   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
1628   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
1629   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
1630   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
1631   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
1632   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
1633   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
1634   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
1635   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
1636   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
1637   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
1638   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
1639   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
1640   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
1641   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
1642   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
1643   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
1644   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
1645   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
1646   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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1659   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
1660   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
1661   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
1662   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
1663   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
1664   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
1665   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
1666   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
1667   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
1668   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
1669   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
1670   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
1671   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
1672   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
1673   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
1674   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
1675   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
1676   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
1677   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
1678   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
1679   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
1680   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
1681   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
1682   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
1683   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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1696   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
1697   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
1698   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
1699   stanz in sich birgt.
1700        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
1701   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
1702   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
1703   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
1704   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
1705   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
1706   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
1707   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
1708   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
1709   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
1710   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
1711   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
1712   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
1713   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
1714   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
1715   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
1716   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
1717   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
1718   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
1719   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
1720   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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1733   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
1734        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
1735   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
1736   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
1737   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
1738   erhalten.
1739        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
1740   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
1741   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
1742   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
1743   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
1744   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
1745   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
1746   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
1747   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
1748   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
1749        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
1750   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
1751   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
1752   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
1753   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
1754   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
1755   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
1756   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
1757   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
1758   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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1771   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
1772        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
1773   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
1774   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
1775   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
1776   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
1777   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
1778   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
1779   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
1780   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
1781   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
1782   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
1783   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
1784   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
1785   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
1786   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
1787   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
1788   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
1789   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
1790   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
1791   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
1792   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
1793   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
1794   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
1795   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
1796   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
1797   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
1798   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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1811   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
1812   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
1813   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
1814   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
1815   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
1816   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
1817   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
1818   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
1819   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
1820   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
1821   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
1822   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
1823   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
1824   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
1825   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
1826   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
1827        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
1828   lautete:
1829   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
1830   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
1831   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
1832   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
1833   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
1834   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
1835   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
1836   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
1837   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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1850   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
1851   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
1852        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
1853   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
1854   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
1855   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
1856   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
1857   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
1858   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
1859   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
1860   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
1861   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
1862   mal des Geldes bedeutete.
1863        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
1864   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
1865   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
1866   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
1867   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
1868   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
1869   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
1870   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
1871   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
1872   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
1873   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
1874   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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1887   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
1888   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
1889   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
1890   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
1891   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
1892   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
1893   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
1894   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
1895        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
1896   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
1897   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
1898   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
1899   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
1900   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
1901   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
1902   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
1903   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
1904   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
1905   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
1906   noch genügend zu lösen übrig.
1907          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
1908   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
1909   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
1910   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
1911   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
1912   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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1925   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
1926   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
1927   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
1928   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
1929   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
1930   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
1931   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
1932   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
1933   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
1934   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
1935   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
1936     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
1937   Entwicklung zu skizzieren.
1938       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
1939   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
1940   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
1941   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
1942   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
1943   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
1944   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
1945   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
1946   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
1947   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
1948   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
1949   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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1962   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
1963   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
1964   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
1965   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
1966   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
1967   sich üner den Stoff erhebt.
1968        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
1969   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
1970   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
1971   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
1972   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
1973   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
1974   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
1975   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
1976   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
1977   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
1978   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
1979   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
1980   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
1981   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
1982   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
1983   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
1984   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
1985   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
1986   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
1987   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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2000   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
2001   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
2002   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
2003   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
2004   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
2005   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
2006   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
2007   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
2008   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
2009   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
2010   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
2011   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
2012   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
2013   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
2014   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
2015   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
2016   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
2017   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
2018   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
2019   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
2020   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
2021   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
2022   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
2023   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
2024   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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2037   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
2038   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
2039   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
2040   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
2041   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
2042   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
2043   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
2044   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
2045   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
2046   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
2047   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
2048   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
2049        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
2050   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
2051   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
2052   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
2053   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
2054   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
2055   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
2056   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
2057   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
2058   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
2059   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
2060   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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2073   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
2074   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
2075   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
2076   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
2077   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
2078   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
2079   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
2080   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
2081   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
2082   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
2083   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
2084   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
2085   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
2086   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
2087   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
2088   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
2089   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
2090        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
2091   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
2092   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
2093   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
2094   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
2095   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
2096   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
2097   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
2098   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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2111   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
2112   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
2113   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
2114   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
2115   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
2116   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
2117   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
2118   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
2119   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
2120   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
2121   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
2122   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
2123   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
2124   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
2125   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
2126   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
2127   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
2128   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
2129   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
2130   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
2131   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
2132   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
2133   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
2134   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
2135   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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2148   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
2149   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
2150   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
2151   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
2152   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
2153   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
2154   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
2155   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
2156   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
2157   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
2158   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
2159   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
2160   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
2161   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
2162   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
2163   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
2164   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
2165   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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2183        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
2184    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
2185    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
2186    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
2187   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
2188   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
2189   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
2190   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
2191   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
2192   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
2193   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
2194   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
2195   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
2196   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
2197   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
2198   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
2199   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
2200   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
2201   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
2202        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
2203   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
2204   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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2217        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
2218   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
2219   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
2220   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
2221   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
2222   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
2223   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
2224   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
2225   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
2226        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
2227   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
2228   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
2229   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
2230   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
2231   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
2232   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
2233   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
2234   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
2235   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
2236   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
2237   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
2238   setzend.
2239        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
2240   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
2241   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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2259        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
2260    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
2261    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
2262    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
2263   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
2264   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
2265   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
2266   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
2267   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
2268   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
2269   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
2270   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
2271   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
2272   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
2273   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
2274   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
2275   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
2276   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
2277   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
2278        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
2279   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
2280   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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2293   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
2294   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
2295   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
2296   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
2297   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
2298   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
2299   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
2300   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
2301   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
2302   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
2303   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
2304   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
2305   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
2306   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
2307   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
2308   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
2309   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
2310   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
2311   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
2312   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
2313   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
2314   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
2315   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
2316   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
2317   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
2318   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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2331   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
2332   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
2333   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
2334   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
2335   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
2336   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
2337   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
2338   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
2339   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
2340   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
2341   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
2342   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
2343   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
2344   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
2345   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
2346   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
2347   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
2348   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
2349   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
2350   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
2351   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
2352   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
2353   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
2354   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
2355   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
2356   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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2369   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
2370   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
2371   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
2372   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
2373   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
2374   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
2375   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
2376   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
2377   chen werden.
2378        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
2379   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
2380   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
2381   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
2382   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
2383   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
2384   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
2385   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
2386   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
2387   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
2388        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
2389   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
2390   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
2391   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
2392   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
2393   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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2406   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
2407   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
2408   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
2409   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
2410   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
2411   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
2412   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
2413   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
2414   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
2415   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
2416   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
2417   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
2418   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
2419   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
2420   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
2421   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
2422    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
2423   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
2424   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
2425   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
2426        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
2427   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
2428        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
2429   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
2430   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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2443   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
2444   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
2445   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
2446    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
2447   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
2448   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
2449   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
2450   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
2451   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
2452   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
2453   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
2454   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
2455   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
2456   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
2457   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
2458   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
2459   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
2460   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
2461   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
2462   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
2463   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
2464   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
2465   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
2466   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
2467   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
2468   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
2469   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
2470   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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2483   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
2484   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
2485   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
2486   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
2487   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
2488   ersteren gelangt ist.""
2489                    Soweit Schumpeter.
2490        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
2491   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
2492   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
2493   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
2494   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
2495   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
2496   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
2497   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
2498   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
2499   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
2500   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
2501   dem Wesen nach eine Krise.
2502        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
2503   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
2504   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
2505   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
2506   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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2519   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
2520   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
2521   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
2522   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
2523   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
2524   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
2525   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
2526   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
2527   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
2528   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
2529   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
2530    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
2531   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
2532   ders der Diskontopolitik.
2533        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
2534   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
2535   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
2536   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
2537   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
2538   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
2539   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
2540   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
2541   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
2542   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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2556   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
2557   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
2558   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
2559   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
2560   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
2561   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
2562   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
2563   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
2564   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
2565    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
2566   ist das Einkommen der Nation.
2567        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
2568   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
2569   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
2570   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
2571   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
2572   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
2573   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
2574   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
2575   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
2576   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
2577   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
2578   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
2579   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
2580   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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2594   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
2595   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
2596   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
2597   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
2598   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
2599   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
2600   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
2601   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
2602   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
2603   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
2604   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
2605        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
2606   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
2607   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
2608   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
2609   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
2610   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
2611   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
2612   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
2613   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
2614   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
2615   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
2616   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
2617   equilibrieren.
2618        Wir können sagen:
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2631        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
2632   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
2633   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
2634   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
2635   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
2636   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
2637   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
2638   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
2639   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
2640   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
2641   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
2642   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
2643   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
2644   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
2645   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
2646   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
2647   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
2648   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
2649   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
2650   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
2651   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
2652        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
2653   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
2654   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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2671   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
2672   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
2673   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
2674   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
2675   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
2676   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
2677   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
2678   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
2679   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
2680   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
2681   Anteile am gesamten Produktionsfond.
2682        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
2683   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
2684   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
2685   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
2686   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
2687   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
2688   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
2689   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
2690   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
2691   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
2692   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
2693   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
2694   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
2695   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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2708   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
2709   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
2710   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
2711   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
2712   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
2713   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
2714   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
2715   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
2716   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
2717    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
2718   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
2719   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
2720   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
2721   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
2722   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
2723   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
2724   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
2725   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
2726   menhang zu konstatieren ist.
2727        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
2728   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
2729   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
2730   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
2731   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
2732   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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2743   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
2744   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
2745        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
2746   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
2747   von Einkommen zu unterscheiden haben:
2748  
2749   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
2750   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
2751   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
2752   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
2753   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
2754  
2755   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
2756   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
2757   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
2758   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
2759  
2760   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
2761   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
2762   machen können .
2763  
2764   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
2765   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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2780        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
2781   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
2782   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
2783   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
2784   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
2785   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
2786   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
2787   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
2788   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
2789   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
2790   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
2791   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
2792   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
2793   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
2794   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
2795   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
2796   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
2797   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
2798   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
2799   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
2800   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
2801   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
2802   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
2803   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
2804   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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2815   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
2816   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
2817   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
2818   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
2819   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
2820   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
2821   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
2822   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
2823   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
2824   läufen ausgleichen.
2825        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
2826   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
2827   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
2828   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
2829   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
2830   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
2831   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
2832   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
2833   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
2834   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
2835   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
2836   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
2837   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
2838   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
2839   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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2850   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
2851   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
2852   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
2853   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
2854   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
2855   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
2856   kalkulierten Preis.
2857        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
2858   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
2859   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
2860   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
2861   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
2862   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
2863   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
2864   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
2865   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
2866   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
2867   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
2868   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
2869   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
2870   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
2871   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
2872   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
2873   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
2874   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
2875   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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2886   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
2887   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
2888   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
2889   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
2890   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
2891   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
2892   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
2893   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
2894   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
2895   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
2896   fassung.
2897        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
2898   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
2899   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
2900   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
2901   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
2902   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
2903   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
2904   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
2905   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
2906   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
2907   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
2908   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
2909   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
2910   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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2922   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
2923   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
2924   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
2925   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
2926   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
2927   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
2928   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
2929   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
2930   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
2931   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
2932   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
2933   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
2934   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
2935   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
2936   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
2937   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
2938   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
2939   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
2940   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
2941   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
2942   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
2943   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
2944        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
2945   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
2946   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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2957   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
2958   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
2959   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
2960        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
2961   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
2962   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
2963   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
2964   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
2965   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
2966   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
2967   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
2968   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
2969   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
2970   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
2971   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
2972   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
2973   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
2974   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
2975   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
2976   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
2977   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
2978   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
2979   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
2980      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
2981   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
2982   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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2993   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
2994   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
2995   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
2996   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
2997   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
2998   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
2999   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
3000   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
3001   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
3002   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
3003   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
3004   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
3005   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
3006   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
3007   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
3008   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
3009   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
3010   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
3011   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
3012   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
3013   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
3014   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
3015   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
3016   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
3017   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
3018   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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3029   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
3030   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
3031   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
3032   Bild.
3033  
3034        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
3035   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
3036   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
3037   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
3038   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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3052   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
3053   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
3054    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
3055   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
3056   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
3057   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
3058   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
3059   erhoffen liessen.
3060        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
3061   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
3062   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
3063   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
3064   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
3065   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
3066   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
3067   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
3068  
3069        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
3070   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
3071   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
3072   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
3073   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
3074   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
3075   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
3076   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
3077   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
3078   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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3091   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
3092   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
3093   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
3094   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
3095   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
3096   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
3097   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
3098   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
3099   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
3100   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
3101   ten.
3102  
3103        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
3104   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
3105   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
3106   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
3107   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
3108   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
3109   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
3110   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
3111   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
3112   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
3113   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
3114   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
3115   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
3116   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
3117   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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3130   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
3131   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
3132   von Edelmetallen.
3133        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
3134   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
3135   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
3136   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
3137   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
3138   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
3139   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
3140   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
3141   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
3142   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
3143   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
3144   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
3145   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
3146   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
3147   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
3148   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
3149   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
3150   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
3151   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
3152   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
3153   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
3154   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
3155   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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3168   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
3169   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
3170   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
3171   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
3172   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
3173   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
3174   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
3175   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
3176   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
3177   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
3178   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
3179   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
3180   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
3181   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
3182   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
3183   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
3184   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
3185   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
3186   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
3187   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
3188   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
3189   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
3190   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
3191   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
3192   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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3205   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
3206   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
3207   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
3208   stanz in sich birgt.
3209        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
3210   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
3211   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
3212   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
3213   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
3214   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
3215   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
3216   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
3217   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
3218   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
3219   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
3220   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
3221   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
3222   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
3223   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
3224   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
3225   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
3226   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
3227   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
3228   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
3229   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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3242   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
3243        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
3244   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
3245   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
3246   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
3247   erhalten.
3248        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
3249   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
3250   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
3251   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
3252   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
3253   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
3254   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
3255   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
3256   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
3257   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
3258        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
3259   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
3260   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
3261   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
3262   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
3263   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
3264   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
3265   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
3266   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
3267   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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3280   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
3281        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
3282   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
3283   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
3284   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
3285   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
3286   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
3287   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
3288   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
3289   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
3290   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
3291   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
3292   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
3293   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
3294   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
3295   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
3296   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
3297   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
3298   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
3299   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
3300   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
3301   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
3302   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
3303   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
3304   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
3305   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
3306   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
3307   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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3320   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
3321   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
3322   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
3323   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
3324   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
3325   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
3326   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
3327   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
3328   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
3329   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
3330   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
3331   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
3332   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
3333   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
3334   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
3335   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
3336        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
3337   lautete:
3338   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
3339   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
3340   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
3341   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
3342   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
3343   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
3344   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
3345   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
3346   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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3359   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
3360   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
3361        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
3362   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
3363   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
3364   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
3365   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
3366   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
3367   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
3368   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
3369   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
3370   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
3371   mal des Geldes bedeutete.
3372        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
3373   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
3374   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
3375   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
3376   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
3377   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
3378   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
3379   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
3380   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
3381   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
3382   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
3383   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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3396   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
3397   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
3398   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
3399   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
3400   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
3401   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
3402   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
3403   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
3404        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
3405   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
3406   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
3407   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
3408   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
3409   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
3410   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
3411   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
3412   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
3413   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
3414   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
3415   noch genügend zu lösen übrig.
3416          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
3417   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
3418   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
3419   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
3420   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
3421   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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3434   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
3435   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
3436   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
3437   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
3438   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
3439   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
3440   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
3441   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
3442   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
3443   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
3444   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
3445     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
3446   Entwicklung zu skizzieren.
3447       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
3448   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
3449   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
3450   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
3451   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
3452   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
3453   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
3454   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
3455   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
3456   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
3457   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
3458   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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3471   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
3472   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
3473   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
3474   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
3475   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
3476   sich üner den Stoff erhebt.
3477        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
3478   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
3479   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
3480   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
3481   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
3482   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
3483   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
3484   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
3485   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
3486   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
3487   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
3488   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
3489   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
3490   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
3491   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
3492   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
3493   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
3494   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
3495   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
3496   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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3509   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
3510   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
3511   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
3512   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
3513   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
3514   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
3515   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
3516   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
3517   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
3518   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
3519   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
3520   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
3521   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
3522   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
3523   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
3524   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
3525   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
3526   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
3527   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
3528   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
3529   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
3530   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
3531   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
3532   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
3533   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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3546   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
3547   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
3548   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
3549   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
3550   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
3551   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
3552   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
3553   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
3554   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
3555   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
3556   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
3557   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
3558        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
3559   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
3560   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
3561   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
3562   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
3563   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
3564   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
3565   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
3566   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
3567   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
3568   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
3569   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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3582   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
3583   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
3584   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
3585   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
3586   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
3587   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
3588   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
3589   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
3590   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
3591   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
3592   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
3593   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
3594   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
3595   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
3596   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
3597   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
3598   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
3599        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
3600   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
3601   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
3602   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
3603   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
3604   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
3605   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
3606   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
3607   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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3620   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
3621   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
3622   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
3623   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
3624   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
3625   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
3626   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
3627   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
3628   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
3629   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
3630   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
3631   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
3632   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
3633   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
3634   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
3635   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
3636   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
3637   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
3638   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
3639   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
3640   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
3641   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
3642   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
3643   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
3644   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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3657   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
3658   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
3659   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
3660   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
3661   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
3662   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
3663   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
3664   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
3665   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
3666   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
3667   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
3668   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
3669   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
3670   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
3671   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
3672   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
3673   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
3674   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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3687   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
3688   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
3689   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
3690   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
3691   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
3692   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
3693   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
3694   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
3695   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
3696   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
3697   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
3698   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
3699   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
3700   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
3701   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
3702   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
3703   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
3704   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
3705   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
3706   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
3707   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
3708   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
3709   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
3710   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
3711   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
3712   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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3725   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
3726   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
3727   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
3728   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
3729   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
3730   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
3731   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
3732   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
3733   chen werden.
3734        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
3735   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
3736   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
3737   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
3738   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
3739   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
3740   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
3741   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
3742   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
3743   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
3744        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
3745   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
3746   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
3747   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
3748   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
3749   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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3762   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
3763   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
3764   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
3765   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
3766   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
3767   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
3768   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
3769   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
3770   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
3771   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
3772   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
3773   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
3774   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
3775   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
3776   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
3777   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
3778    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
3779   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
3780   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
3781   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
3782        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
3783   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
3784        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
3785   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
3786   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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3799   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
3800   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
3801   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
3802    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
3803   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
3804   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
3805   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
3806   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
3807   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
3808   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
3809   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
3810   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
3811   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
3812   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
3813   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
3814   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
3815   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
3816   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
3817   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
3818   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
3819   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
3820   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
3821   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
3822   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
3823   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
3824   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
3825   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
3826   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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3839   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
3840   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
3841   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
3842   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
3843   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
3844   ersteren gelangt ist.""
3845                    Soweit Schumpeter.
3846        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
3847   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
3848   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
3849   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
3850   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
3851   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
3852   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
3853   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
3854   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
3855   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
3856   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
3857   dem Wesen nach eine Krise.
3858        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
3859   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
3860   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
3861   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
3862   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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3875   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
3876   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
3877   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
3878   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
3879   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
3880   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
3881   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
3882   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
3883   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
3884   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
3885   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
3886    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
3887   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
3888   ders der Diskontopolitik.
3889        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
3890   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
3891   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
3892   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
3893   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
3894   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
3895   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
3896   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
3897   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
3898   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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3912   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
3913   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
3914   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
3915   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
3916   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
3917   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
3918   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
3919   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
3920   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
3921    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
3922   ist das Einkommen der Nation.
3923        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
3924   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
3925   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
3926   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
3927   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
3928   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
3929   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
3930   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
3931   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
3932   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
3933   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
3934   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
3935   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
3936   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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3950   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
3951   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
3952   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
3953   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
3954   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
3955   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
3956   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
3957   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
3958   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
3959   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
3960   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
3961        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
3962   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
3963   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
3964   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
3965   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
3966   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
3967   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
3968   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
3969   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
3970   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
3971   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
3972   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
3973   equilibrieren.
3974        Wir können sagen:
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3987        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
3988   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
3989   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
3990   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
3991   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
3992   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
3993   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
3994   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
3995   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
3996   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
3997   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
3998   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
3999   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
4000   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
4001   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
4002   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
4003   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
4004   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
4005   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
4006   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
4007   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
4008        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
4009   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
4010   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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4027   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
4028   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
4029   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
4030   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
4031   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
4032   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
4033   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
4034   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
4035   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
4036   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
4037   Anteile am gesamten Produktionsfond.
4038        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
4039   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
4040   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
4041   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
4042   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
4043   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
4044   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
4045   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
4046   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
4047   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
4048   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
4049   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
4050   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
4051   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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4064   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
4065   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
4066   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
4067   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
4068   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
4069   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
4070   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
4071   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
4072   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
4073    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
4074   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
4075   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
4076   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
4077   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
4078   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
4079   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
4080   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
4081   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
4082   menhang zu konstatieren ist.
4083        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
4084   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
4085   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
4086   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
4087   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
4088   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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4099   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
4100   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
4101        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
4102   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
4103   von Einkommen zu unterscheiden haben:
4104  
4105   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
4106   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
4107   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
4108   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
4109   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
4110  
4111   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
4112   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
4113   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
4114   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
4115  
4116   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
4117   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
4118   machen können .
4119  
4120   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
4121   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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4136        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
4137   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
4138   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
4139   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
4140   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
4141   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
4142   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
4143   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
4144   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
4145   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
4146   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
4147   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
4148   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
4149   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
4150   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
4151   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
4152   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
4153   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
4154   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
4155   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
4156   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
4157   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
4158   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
4159   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
4160   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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4171   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
4172   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
4173   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
4174   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
4175   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
4176   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
4177   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
4178   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
4179   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
4180   läufen ausgleichen.
4181        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
4182   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
4183   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
4184   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
4185   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
4186   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
4187   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
4188   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
4189   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
4190   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
4191   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
4192   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
4193   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
4194   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
4195   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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4206   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
4207   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
4208   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
4209   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
4210   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
4211   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
4212   kalkulierten Preis.
4213        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
4214   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
4215   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
4216   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
4217   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
4218   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
4219   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
4220   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
4221   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
4222   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
4223   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
4224   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
4225   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
4226   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
4227   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
4228   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
4229   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
4230   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
4231   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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4242   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
4243   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
4244   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
4245   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
4246   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
4247   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
4248   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
4249   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
4250   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
4251   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
4252   fassung.
4253        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
4254   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
4255   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
4256   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
4257   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
4258   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
4259   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
4260   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
4261   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
4262   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
4263   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
4264   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
4265   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
4266   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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4278   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
4279   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
4280   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
4281   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
4282   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
4283   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
4284   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
4285   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
4286   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
4287   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
4288   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
4289   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
4290   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
4291   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
4292   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
4293   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
4294   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
4295   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
4296   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
4297   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
4298   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
4299   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
4300        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
4301   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
4302   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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4313   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
4314   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
4315   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
4316        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
4317   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
4318   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
4319   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
4320   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
4321   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
4322   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
4323   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
4324   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
4325   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
4326   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
4327   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
4328   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
4329   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
4330   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
4331   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
4332   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
4333   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
4334   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
4335   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
4336      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
4337   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
4338   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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4349   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
4350   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
4351   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
4352   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
4353   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
4354   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
4355   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
4356   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
4357   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
4358   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
4359   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
4360   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
4361   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
4362   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
4363   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
4364   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
4365   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
4366   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
4367   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
4368   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
4369   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
4370   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
4371   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
4372   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
4373   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
4374   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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4385   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
4386   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
4387   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
4388   Bild.
4389  
4390        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
4391   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
4392   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
4393   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
4394   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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4408   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
4409   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
4410    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
4411   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
4412   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
4413   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
4414   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
4415   erhoffen liessen.
4416        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
4417   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
4418   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
4419   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
4420   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
4421   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
4422   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
4423   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
4424  
4425        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
4426   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
4427   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
4428   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
4429   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
4430   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
4431   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
4432   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
4433   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
4434   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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4447   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
4448   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
4449   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
4450   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
4451   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
4452   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
4453   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
4454   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
4455   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
4456   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
4457   ten.
4458  
4459        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
4460   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
4461   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
4462   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
4463   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
4464   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
4465   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
4466   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
4467   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
4468   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
4469   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
4470   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
4471   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
4472   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
4473   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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4486   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
4487   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
4488   von Edelmetallen.
4489        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
4490   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
4491   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
4492   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
4493   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
4494   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
4495   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
4496   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
4497   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
4498   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
4499   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
4500   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
4501   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
4502   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
4503   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
4504   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
4505   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
4506   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
4507   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
4508   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
4509   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
4510   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
4511   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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4524   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
4525   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
4526   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
4527   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
4528   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
4529   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
4530   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
4531   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
4532   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
4533   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
4534   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
4535   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
4536   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
4537   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
4538   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
4539   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
4540   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
4541   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
4542   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
4543   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
4544   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
4545   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
4546   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
4547   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
4548   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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4561   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
4562   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
4563   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
4564   stanz in sich birgt.
4565        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
4566   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
4567   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
4568   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
4569   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
4570   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
4571   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
4572   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
4573   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
4574   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
4575   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
4576   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
4577   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
4578   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
4579   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
4580   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
4581   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
4582   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
4583   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
4584   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
4585   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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4598   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
4599        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
4600   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
4601   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
4602   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
4603   erhalten.
4604        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
4605   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
4606   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
4607   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
4608   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
4609   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
4610   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
4611   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
4612   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
4613   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
4614        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
4615   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
4616   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
4617   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
4618   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
4619   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
4620   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
4621   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
4622   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
4623   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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4636   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
4637        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
4638   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
4639   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
4640   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
4641   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
4642   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
4643   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
4644   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
4645   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
4646   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
4647   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
4648   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
4649   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
4650   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
4651   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
4652   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
4653   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
4654   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
4655   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
4656   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
4657   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
4658   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
4659   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
4660   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
4661   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
4662   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
4663   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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4676   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
4677   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
4678   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
4679   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
4680   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
4681   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
4682   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
4683   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
4684   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
4685   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
4686   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
4687   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
4688   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
4689   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
4690   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
4691   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
4692        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
4693   lautete:
4694   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
4695   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
4696   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
4697   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
4698   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
4699   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
4700   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
4701   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
4702   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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4715   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
4716   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
4717        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
4718   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
4719   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
4720   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
4721   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
4722   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
4723   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
4724   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
4725   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
4726   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
4727   mal des Geldes bedeutete.
4728        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
4729   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
4730   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
4731   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
4732   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
4733   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
4734   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
4735   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
4736   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
4737   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
4738   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
4739   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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4752   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
4753   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
4754   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
4755   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
4756   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
4757   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
4758   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
4759   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
4760        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
4761   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
4762   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
4763   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
4764   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
4765   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
4766   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
4767   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
4768   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
4769   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
4770   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
4771   noch genügend zu lösen übrig.
4772          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
4773   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
4774   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
4775   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
4776   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
4777   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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4790   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
4791   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
4792   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
4793   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
4794   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
4795   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
4796   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
4797   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
4798   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
4799   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
4800   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
4801     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
4802   Entwicklung zu skizzieren.
4803       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
4804   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
4805   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
4806   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
4807   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
4808   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
4809   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
4810   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
4811   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
4812   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
4813   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
4814   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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4827   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
4828   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
4829   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
4830   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
4831   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
4832   sich üner den Stoff erhebt.
4833        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
4834   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
4835   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
4836   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
4837   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
4838   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
4839   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
4840   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
4841   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
4842   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
4843   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
4844   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
4845   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
4846   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
4847   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
4848   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
4849   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
4850   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
4851   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
4852   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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4865   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
4866   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
4867   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
4868   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
4869   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
4870   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
4871   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
4872   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
4873   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
4874   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
4875   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
4876   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
4877   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
4878   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
4879   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
4880   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
4881   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
4882   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
4883   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
4884   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
4885   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
4886   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
4887   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
4888   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
4889   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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4902   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
4903   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
4904   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
4905   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
4906   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
4907   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
4908   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
4909   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
4910   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
4911   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
4912   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
4913   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
4914        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
4915   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
4916   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
4917   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
4918   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
4919   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
4920   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
4921   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
4922   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
4923   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
4924   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
4925   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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4938   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
4939   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
4940   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
4941   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
4942   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
4943   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
4944   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
4945   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
4946   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
4947   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
4948   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
4949   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
4950   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
4951   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
4952   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
4953   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
4954   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
4955        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
4956   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
4957   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
4958   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
4959   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
4960   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
4961   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
4962   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
4963   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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4976   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
4977   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
4978   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
4979   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
4980   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
4981   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
4982   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
4983   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
4984   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
4985   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
4986   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
4987   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
4988   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
4989   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
4990   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
4991   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
4992   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
4993   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
4994   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
4995   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
4996   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
4997   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
4998   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
4999   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
5000   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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5013   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
5014   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
5015   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
5016   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
5017   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
5018   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
5019   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
5020   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
5021   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
5022   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
5023   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
5024   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
5025   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
5026   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
5027   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
5028   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
5029   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
5030   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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5048        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
5049    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
5050    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
5051    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
5052   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
5053   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
5054   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
5055   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
5056   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
5057   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
5058   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
5059   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
5060   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
5061   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
5062   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
5063   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
5064   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
5065   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
5066   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
5067        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
5068   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
5069   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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5082        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
5083   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
5084   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
5085   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
5086   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
5087   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
5088   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
5089   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
5090   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
5091        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
5092   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
5093   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
5094   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
5095   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
5096   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
5097   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
5098   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
5099   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
5100   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
5101   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
5102   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
5103   setzend.
5104        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
5105   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
5106   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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5124        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
5125    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
5126    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
5127    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
5128   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
5129   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
5130   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
5131   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
5132   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
5133   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
5134   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
5135   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
5136   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
5137   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
5138   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
5139   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
5140   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
5141   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
5142   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
5143        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
5144   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
5145   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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5158   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
5159   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
5160   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
5161   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
5162   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
5163   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
5164   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
5165   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
5166   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
5167   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
5168   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
5169   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
5170   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
5171   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
5172   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
5173   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
5174   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
5175   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
5176   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
5177   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
5178   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
5179   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
5180   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
5181   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
5182   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
5183   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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5196   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
5197   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
5198   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
5199   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
5200   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
5201   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
5202   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
5203   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
5204   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
5205   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
5206   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
5207   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
5208   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
5209   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
5210   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
5211   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
5212   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
5213   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
5214   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
5215   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
5216   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
5217   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
5218   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
5219   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
5220   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
5221   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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5234   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
5235   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
5236   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
5237   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
5238   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
5239   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
5240   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
5241   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
5242   chen werden.
5243        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
5244   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
5245   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
5246   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
5247   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
5248   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
5249   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
5250   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
5251   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
5252   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
5253        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
5254   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
5255   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
5256   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
5257   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
5258   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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5271   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
5272   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
5273   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
5274   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
5275   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
5276   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
5277   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
5278   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
5279   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
5280   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
5281   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
5282   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
5283   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
5284   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
5285   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
5286   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
5287    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
5288   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
5289   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
5290   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
5291        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
5292   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
5293        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
5294   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
5295   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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5308   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
5309   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
5310   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
5311    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
5312   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
5313   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
5314   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
5315   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
5316   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
5317   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
5318   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
5319   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
5320   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
5321   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
5322   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
5323   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
5324   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
5325   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
5326   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
5327   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
5328   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
5329   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
5330   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
5331   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
5332   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
5333   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
5334   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
5335   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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5348   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
5349   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
5350   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
5351   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
5352   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
5353   ersteren gelangt ist.""
5354                    Soweit Schumpeter.
5355        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
5356   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
5357   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
5358   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
5359   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
5360   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
5361   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
5362   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
5363   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
5364   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
5365   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
5366   dem Wesen nach eine Krise.
5367        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
5368   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
5369   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
5370   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
5371   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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5384   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
5385   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
5386   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
5387   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
5388   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
5389   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
5390   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
5391   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
5392   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
5393   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
5394   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
5395    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
5396   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
5397   ders der Diskontopolitik.
5398        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
5399   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
5400   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
5401   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
5402   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
5403   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
5404   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
5405   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
5406   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
5407   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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5421   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
5422   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
5423   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
5424   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
5425   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
5426   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
5427   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
5428   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
5429   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
5430    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
5431   ist das Einkommen der Nation.
5432        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
5433   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
5434   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
5435   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
5436   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
5437   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
5438   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
5439   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
5440   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
5441   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
5442   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
5443   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
5444   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
5445   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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5459   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
5460   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
5461   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
5462   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
5463   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
5464   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
5465   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
5466   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
5467   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
5468   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
5469   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
5470        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
5471   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
5472   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
5473   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
5474   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
5475   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
5476   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
5477   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
5478   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
5479   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
5480   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
5481   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
5482   equilibrieren.
5483        Wir können sagen:
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5496        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
5497   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
5498   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
5499   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
5500   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
5501   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
5502   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
5503   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
5504   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
5505   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
5506   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
5507   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
5508   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
5509   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
5510   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
5511   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
5512   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
5513   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
5514   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
5515   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
5516   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
5517        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
5518   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
5519   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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5536   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
5537   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
5538   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
5539   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
5540   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
5541   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
5542   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
5543   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
5544   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
5545   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
5546   Anteile am gesamten Produktionsfond.
5547        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
5548   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
5549   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
5550   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
5551   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
5552   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
5553   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
5554   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
5555   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
5556   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
5557   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
5558   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
5559   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
5560   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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5573   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
5574   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
5575   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
5576   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
5577   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
5578   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
5579   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
5580   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
5581   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
5582    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
5583   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
5584   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
5585   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
5586   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
5587   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
5588   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
5589   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
5590   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
5591   menhang zu konstatieren ist.
5592        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
5593   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
5594   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
5595   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
5596   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
5597   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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5608   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
5609   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
5610        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
5611   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
5612   von Einkommen zu unterscheiden haben:
5613  
5614   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
5615   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
5616   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
5617   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
5618   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
5619  
5620   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
5621   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
5622   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
5623   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
5624  
5625   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
5626   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
5627   machen können .
5628  
5629   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
5630   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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5645        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
5646   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
5647   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
5648   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
5649   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
5650   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
5651   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
5652   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
5653   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
5654   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
5655   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
5656   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
5657   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
5658   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
5659   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
5660   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
5661   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
5662   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
5663   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
5664   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
5665   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
5666   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
5667   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
5668   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
5669   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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5680   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
5681   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
5682   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
5683   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
5684   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
5685   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
5686   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
5687   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
5688   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
5689   läufen ausgleichen.
5690        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
5691   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
5692   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
5693   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
5694   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
5695   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
5696   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
5697   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
5698   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
5699   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
5700   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
5701   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
5702   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
5703   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
5704   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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5715   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
5716   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
5717   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
5718   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
5719   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
5720   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
5721   kalkulierten Preis.
5722        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
5723   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
5724   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
5725   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
5726   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
5727   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
5728   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
5729   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
5730   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
5731   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
5732   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
5733   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
5734   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
5735   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
5736   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
5737   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
5738   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
5739   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
5740   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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5751   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
5752   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
5753   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
5754   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
5755   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
5756   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
5757   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
5758   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
5759   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
5760   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
5761   fassung.
5762        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
5763   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
5764   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
5765   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
5766   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
5767   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
5768   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
5769   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
5770   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
5771   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
5772   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
5773   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
5774   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
5775   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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5787   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
5788   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
5789   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
5790   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
5791   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
5792   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
5793   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
5794   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
5795   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
5796   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
5797   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
5798   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
5799   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
5800   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
5801   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
5802   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
5803   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
5804   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
5805   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
5806   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
5807   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
5808   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
5809        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
5810   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
5811   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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5822   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
5823   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
5824   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
5825        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
5826   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
5827   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
5828   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
5829   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
5830   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
5831   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
5832   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
5833   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
5834   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
5835   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
5836   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
5837   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
5838   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
5839   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
5840   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
5841   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
5842   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
5843   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
5844   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
5845      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
5846   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
5847   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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5858   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
5859   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
5860   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
5861   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
5862   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
5863   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
5864   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
5865   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
5866   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
5867   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
5868   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
5869   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
5870   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
5871   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
5872   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
5873   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
5874   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
5875   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
5876   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
5877   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
5878   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
5879   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
5880   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
5881   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
5882   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
5883   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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5894   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
5895   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
5896   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
5897   Bild.
5898  
5899        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
5900   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
5901   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
5902   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
5903   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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5917   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
5918   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
5919    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
5920   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
5921   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
5922   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
5923   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
5924   erhoffen liessen.
5925        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
5926   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
5927   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
5928   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
5929   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
5930   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
5931   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
5932   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
5933  
5934        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
5935   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
5936   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
5937   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
5938   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
5939   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
5940   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
5941   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
5942   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
5943   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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5956   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
5957   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
5958   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
5959   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
5960   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
5961   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
5962   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
5963   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
5964   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
5965   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
5966   ten.
5967  
5968        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
5969   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
5970   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
5971   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
5972   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
5973   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
5974   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
5975   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
5976   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
5977   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
5978   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
5979   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
5980   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
5981   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
5982   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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5995   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
5996   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
5997   von Edelmetallen.
5998        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
5999   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
6000   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
6001   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
6002   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
6003   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
6004   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
6005   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
6006   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
6007   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
6008   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
6009   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
6010   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
6011   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
6012   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
6013   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
6014   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
6015   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
6016   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
6017   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
6018   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
6019   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
6020   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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6033   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
6034   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
6035   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
6036   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
6037   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
6038   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
6039   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
6040   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
6041   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
6042   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
6043   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
6044   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
6045   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
6046   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
6047   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
6048   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
6049   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
6050   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
6051   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
6052   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
6053   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
6054   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
6055   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
6056   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
6057   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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6070   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
6071   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
6072   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
6073   stanz in sich birgt.
6074        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
6075   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
6076   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
6077   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
6078   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
6079   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
6080   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
6081   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
6082   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
6083   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
6084   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
6085   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
6086   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
6087   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
6088   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
6089   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
6090   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
6091   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
6092   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
6093   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
6094   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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6107   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
6108        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
6109   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
6110   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
6111   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
6112   erhalten.
6113        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
6114   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
6115   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
6116   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
6117   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
6118   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
6119   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
6120   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
6121   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
6122   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
6123        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
6124   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
6125   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
6126   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
6127   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
6128   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
6129   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
6130   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
6131   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
6132   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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6145   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
6146        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
6147   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
6148   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
6149   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
6150   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
6151   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
6152   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
6153   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
6154   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
6155   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
6156   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
6157   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
6158   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
6159   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
6160   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
6161   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
6162   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
6163   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
6164   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
6165   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
6166   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
6167   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
6168   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
6169   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
6170   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
6171   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
6172   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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6185   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
6186   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
6187   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
6188   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
6189   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
6190   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
6191   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
6192   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
6193   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
6194   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
6195   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
6196   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
6197   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
6198   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
6199   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
6200   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
6201        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
6202   lautete:
6203   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
6204   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
6205   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
6206   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
6207   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
6208   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
6209   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
6210   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
6211   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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6224   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
6225   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
6226        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
6227   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
6228   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
6229   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
6230   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
6231   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
6232   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
6233   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
6234   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
6235   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
6236   mal des Geldes bedeutete.
6237        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
6238   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
6239   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
6240   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
6241   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
6242   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
6243   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
6244   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
6245   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
6246   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
6247   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
6248   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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6261   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
6262   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
6263   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
6264   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
6265   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
6266   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
6267   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
6268   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
6269        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
6270   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
6271   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
6272   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
6273   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
6274   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
6275   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
6276   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
6277   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
6278   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
6279   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
6280   noch genügend zu lösen übrig.
6281          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
6282   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
6283   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
6284   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
6285   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
6286   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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6299   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
6300   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
6301   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
6302   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
6303   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
6304   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
6305   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
6306   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
6307   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
6308   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
6309   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
6310     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
6311   Entwicklung zu skizzieren.
6312       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
6313   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
6314   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
6315   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
6316   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
6317   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
6318   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
6319   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
6320   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
6321   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
6322   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
6323   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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6336   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
6337   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
6338   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
6339   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
6340   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
6341   sich üner den Stoff erhebt.
6342        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
6343   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
6344   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
6345   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
6346   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
6347   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
6348   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
6349   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
6350   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
6351   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
6352   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
6353   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
6354   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
6355   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
6356   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
6357   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
6358   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
6359   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
6360   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
6361   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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6374   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
6375   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
6376   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
6377   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
6378   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
6379   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
6380   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
6381   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
6382   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
6383   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
6384   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
6385   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
6386   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
6387   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
6388   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
6389   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
6390   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
6391   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
6392   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
6393   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
6394   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
6395   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
6396   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
6397   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
6398   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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6411   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
6412   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
6413   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
6414   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
6415   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
6416   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
6417   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
6418   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
6419   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
6420   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
6421   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
6422   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
6423        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
6424   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
6425   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
6426   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
6427   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
6428   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
6429   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
6430   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
6431   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
6432   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
6433   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
6434   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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6447   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
6448   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
6449   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
6450   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
6451   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
6452   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
6453   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
6454   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
6455   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
6456   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
6457   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
6458   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
6459   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
6460   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
6461   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
6462   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
6463   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
6464        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
6465   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
6466   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
6467   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
6468   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
6469   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
6470   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
6471   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
6472   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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6485   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
6486   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
6487   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
6488   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
6489   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
6490   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
6491   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
6492   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
6493   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
6494   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
6495   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
6496   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
6497   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
6498   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
6499   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
6500   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
6501   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
6502   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
6503   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
6504   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
6505   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
6506   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
6507   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
6508   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
6509   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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6522   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
6523   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
6524   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
6525   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
6526   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
6527   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
6528   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
6529   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
6530   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
6531   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
6532   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
6533   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
6534   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
6535   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
6536   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
6537   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
6538   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
6539   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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6552   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
6553   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
6554   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
6555   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
6556   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
6557   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
6558   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
6559   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
6560   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
6561   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
6562   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
6563   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
6564   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
6565   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
6566   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
6567   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
6568   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
6569   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
6570   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
6571   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
6572   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
6573   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
6574   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
6575   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
6576   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
6577   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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6590   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
6591   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
6592   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
6593   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
6594   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
6595   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
6596   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
6597   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
6598   chen werden.
6599        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
6600   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
6601   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
6602   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
6603   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
6604   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
6605   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
6606   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
6607   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
6608   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
6609        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
6610   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
6611   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
6612   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
6613   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
6614   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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6627   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
6628   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
6629   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
6630   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
6631   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
6632   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
6633   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
6634   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
6635   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
6636   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
6637   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
6638   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
6639   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
6640   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
6641   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
6642   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
6643    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
6644   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
6645   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
6646   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
6647        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
6648   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
6649        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
6650   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
6651   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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6664   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
6665   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
6666   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
6667    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
6668   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
6669   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
6670   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
6671   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
6672   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
6673   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
6674   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
6675   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
6676   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
6677   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
6678   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
6679   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
6680   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
6681   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
6682   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
6683   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
6684   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
6685   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
6686   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
6687   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
6688   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
6689   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
6690   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
6691   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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6704   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
6705   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
6706   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
6707   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
6708   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
6709   ersteren gelangt ist.""
6710                    Soweit Schumpeter.
6711        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
6712   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
6713   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
6714   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
6715   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
6716   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
6717   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
6718   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
6719   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
6720   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
6721   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
6722   dem Wesen nach eine Krise.
6723        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
6724   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
6725   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
6726   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
6727   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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6740   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
6741   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
6742   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
6743   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
6744   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
6745   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
6746   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
6747   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
6748   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
6749   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
6750   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
6751    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
6752   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
6753   ders der Diskontopolitik.
6754        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
6755   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
6756   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
6757   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
6758   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
6759   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
6760   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
6761   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
6762   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
6763   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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6777   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
6778   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
6779   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
6780   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
6781   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
6782   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
6783   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
6784   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
6785   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
6786    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
6787   ist das Einkommen der Nation.
6788        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
6789   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
6790   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
6791   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
6792   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
6793   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
6794   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
6795   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
6796   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
6797   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
6798   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
6799   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
6800   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
6801   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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6815   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
6816   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
6817   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
6818   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
6819   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
6820   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
6821   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
6822   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
6823   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
6824   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
6825   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
6826        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
6827   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
6828   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
6829   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
6830   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
6831   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
6832   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
6833   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
6834   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
6835   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
6836   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
6837   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
6838   equilibrieren.
6839        Wir können sagen:
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6852        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
6853   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
6854   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
6855   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
6856   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
6857   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
6858   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
6859   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
6860   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
6861   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
6862   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
6863   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
6864   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
6865   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
6866   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
6867   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
6868   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
6869   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
6870   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
6871   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
6872   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
6873        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
6874   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
6875   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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6892   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
6893   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
6894   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
6895   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
6896   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
6897   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
6898   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
6899   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
6900   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
6901   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
6902   Anteile am gesamten Produktionsfond.
6903        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
6904   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
6905   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
6906   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
6907   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
6908   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
6909   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
6910   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
6911   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
6912   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
6913   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
6914   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
6915   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
6916   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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6929   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
6930   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
6931   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
6932   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
6933   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
6934   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
6935   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
6936   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
6937   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
6938    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
6939   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
6940   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
6941   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
6942   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
6943   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
6944   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
6945   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
6946   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
6947   menhang zu konstatieren ist.
6948        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
6949   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
6950   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
6951   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
6952   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
6953   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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6964   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
6965   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
6966        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
6967   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
6968   von Einkommen zu unterscheiden haben:
6969  
6970   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
6971   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
6972   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
6973   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
6974   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
6975  
6976   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
6977   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
6978   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
6979   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
6980  
6981   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
6982   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
6983   machen können .
6984  
6985   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
6986   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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7000  
7001        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
7002   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
7003   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
7004   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
7005   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
7006   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
7007   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
7008   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
7009   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
7010   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
7011   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
7012   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
7013   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
7014   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
7015   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
7016   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
7017   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
7018   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
7019   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
7020   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
7021   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
7022   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
7023   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
7024   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
7025   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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7035  
7036   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
7037   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
7038   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
7039   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
7040   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
7041   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
7042   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
7043   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
7044   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
7045   läufen ausgleichen.
7046        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
7047   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
7048   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
7049   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
7050   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
7051   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
7052   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
7053   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
7054   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
7055   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
7056   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
7057   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
7058   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
7059   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
7060   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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7070  
7071   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
7072   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
7073   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
7074   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
7075   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
7076   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
7077   kalkulierten Preis.
7078        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
7079   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
7080   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
7081   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
7082   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
7083   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
7084   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
7085   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
7086   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
7087   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
7088   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
7089   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
7090   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
7091   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
7092   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
7093   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
7094   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
7095   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
7096   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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7107   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
7108   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
7109   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
7110   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
7111   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
7112   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
7113   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
7114   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
7115   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
7116   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
7117   fassung.
7118        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
7119   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
7120   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
7121   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
7122   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
7123   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
7124   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
7125   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
7126   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
7127   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
7128   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
7129   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
7130   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
7131   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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7143   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
7144   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
7145   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
7146   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
7147   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
7148   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
7149   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
7150   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
7151   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
7152   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
7153   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
7154   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
7155   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
7156   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
7157   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
7158   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
7159   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
7160   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
7161   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
7162   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
7163   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
7164   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
7165        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
7166   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
7167   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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7178   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
7179   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
7180   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
7181        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
7182   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
7183   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
7184   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
7185   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
7186   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
7187   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
7188   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
7189   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
7190   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
7191   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
7192   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
7193   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
7194   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
7195   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
7196   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
7197   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
7198   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
7199   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
7200   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
7201      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
7202   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
7203   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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7214   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
7215   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
7216   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
7217   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
7218   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
7219   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
7220   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
7221   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
7222   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
7223   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
7224   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
7225   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
7226   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
7227   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
7228   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
7229   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
7230   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
7231   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
7232   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
7233   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
7234   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
7235   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
7236   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
7237   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
7238   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
7239   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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7250   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
7251   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
7252   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
7253   Bild.
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7255        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
7256   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
7257   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
7258   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
7259   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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7273   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
7274   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
7275    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
7276   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
7277   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
7278   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
7279   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
7280   erhoffen liessen.
7281        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
7282   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
7283   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
7284   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
7285   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
7286   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
7287   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
7288   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
7289  
7290        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
7291   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
7292   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
7293   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
7294   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
7295   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
7296   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
7297   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
7298   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
7299   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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7312   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
7313   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
7314   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
7315   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
7316   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
7317   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
7318   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
7319   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
7320   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
7321   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
7322   ten.
7323  
7324        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
7325   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
7326   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
7327   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
7328   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
7329   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
7330   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
7331   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
7332   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
7333   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
7334   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
7335   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
7336   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
7337   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
7338   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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7351   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
7352   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
7353   von Edelmetallen.
7354        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
7355   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
7356   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
7357   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
7358   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
7359   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
7360   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
7361   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
7362   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
7363   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
7364   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
7365   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
7366   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
7367   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
7368   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
7369   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
7370   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
7371   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
7372   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
7373   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
7374   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
7375   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
7376   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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7389   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
7390   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
7391   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
7392   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
7393   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
7394   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
7395   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
7396   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
7397   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
7398   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
7399   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
7400   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
7401   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
7402   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
7403   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
7404   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
7405   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
7406   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
7407   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
7408   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
7409   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
7410   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
7411   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
7412   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
7413   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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7426   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
7427   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
7428   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
7429   stanz in sich birgt.
7430        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
7431   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
7432   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
7433   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
7434   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
7435   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
7436   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
7437   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
7438   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
7439   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
7440   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
7441   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
7442   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
7443   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
7444   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
7445   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
7446   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
7447   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
7448   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
7449   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
7450   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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7463   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
7464        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
7465   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
7466   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
7467   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
7468   erhalten.
7469        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
7470   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
7471   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
7472   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
7473   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
7474   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
7475   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
7476   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
7477   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
7478   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
7479        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
7480   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
7481   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
7482   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
7483   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
7484   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
7485   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
7486   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
7487   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
7488   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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7501   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
7502        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
7503   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
7504   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
7505   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
7506   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
7507   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
7508   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
7509   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
7510   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
7511   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
7512   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
7513   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
7514   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
7515   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
7516   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
7517   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
7518   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
7519   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
7520   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
7521   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
7522   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
7523   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
7524   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
7525   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
7526   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
7527   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
7528   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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7541   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
7542   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
7543   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
7544   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
7545   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
7546   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
7547   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
7548   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
7549   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
7550   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
7551   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
7552   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
7553   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
7554   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
7555   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
7556   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
7557        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
7558   lautete:
7559   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
7560   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
7561   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
7562   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
7563   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
7564   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
7565   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
7566   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
7567   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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7580   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
7581   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
7582        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
7583   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
7584   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
7585   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
7586   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
7587   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
7588   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
7589   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
7590   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
7591   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
7592   mal des Geldes bedeutete.
7593        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
7594   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
7595   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
7596   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
7597   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
7598   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
7599   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
7600   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
7601   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
7602   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
7603   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
7604   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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7617   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
7618   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
7619   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
7620   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
7621   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
7622   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
7623   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
7624   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
7625        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
7626   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
7627   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
7628   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
7629   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
7630   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
7631   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
7632   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
7633   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
7634   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
7635   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
7636   noch genügend zu lösen übrig.
7637          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
7638   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
7639   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
7640   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
7641   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
7642   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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7655   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
7656   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
7657   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
7658   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
7659   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
7660   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
7661   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
7662   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
7663   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
7664   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
7665   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
7666     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
7667   Entwicklung zu skizzieren.
7668       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
7669   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
7670   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
7671   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
7672   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
7673   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
7674   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
7675   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
7676   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
7677   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
7678   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
7679   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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7692   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
7693   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
7694   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
7695   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
7696   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
7697   sich üner den Stoff erhebt.
7698        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
7699   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
7700   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
7701   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
7702   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
7703   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
7704   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
7705   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
7706   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
7707   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
7708   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
7709   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
7710   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
7711   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
7712   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
7713   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
7714   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
7715   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
7716   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
7717   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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7730   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
7731   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
7732   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
7733   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
7734   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
7735   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
7736   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
7737   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
7738   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
7739   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
7740   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
7741   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
7742   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
7743   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
7744   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
7745   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
7746   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
7747   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
7748   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
7749   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
7750   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
7751   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
7752   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
7753   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
7754   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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7767   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
7768   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
7769   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
7770   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
7771   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
7772   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
7773   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
7774   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
7775   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
7776   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
7777   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
7778   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
7779        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
7780   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
7781   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
7782   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
7783   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
7784   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
7785   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
7786   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
7787   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
7788   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
7789   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
7790   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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7803   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
7804   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
7805   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
7806   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
7807   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
7808   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
7809   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
7810   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
7811   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
7812   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
7813   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
7814   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
7815   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
7816   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
7817   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
7818   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
7819   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
7820        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
7821   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
7822   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
7823   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
7824   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
7825   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
7826   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
7827   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
7828   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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7841   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
7842   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
7843   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
7844   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
7845   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
7846   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
7847   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
7848   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
7849   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
7850   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
7851   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
7852   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
7853   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
7854   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
7855   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
7856   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
7857   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
7858   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
7859   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
7860   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
7861   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
7862   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
7863   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
7864   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
7865   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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7878   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
7879   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
7880   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
7881   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
7882   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
7883   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
7884   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
7885   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
7886   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
7887   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
7888   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
7889   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
7890   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
7891   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
7892   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
7893   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
7894   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
7895   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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7900   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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7908        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
7909   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
7910   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
7911   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
7912   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
7913   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
7914   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
7915   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
7916   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
7917        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
7918   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
7919   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
7920   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
7921   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
7922   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
7923   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
7924   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
7925   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
7926   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
7927   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
7928   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
7929   setzend.
7930        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
7931   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
7932   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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7936   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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7950        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
7951    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
7952    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
7953    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
7954   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
7955   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
7956   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
7957   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
7958   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
7959   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
7960   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
7961   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
7962   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
7963   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
7964   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
7965   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
7966   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
7967   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
7968   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
7969        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
7970   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
7971   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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7984   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
7985   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
7986   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
7987   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
7988   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
7989   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
7990   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
7991   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
7992   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
7993   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
7994   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
7995   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
7996   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
7997   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
7998   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
7999   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
8000   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
8001   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
8002   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
8003   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
8004   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
8005   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
8006   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
8007   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
8008   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
8009   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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8022   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
8023   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
8024   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
8025   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
8026   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
8027   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
8028   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
8029   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
8030   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
8031   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
8032   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
8033   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
8034   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
8035   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
8036   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
8037   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
8038   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
8039   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
8040   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
8041   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
8042   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
8043   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
8044   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
8045   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
8046   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
8047   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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8060   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
8061   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
8062   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
8063   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
8064   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
8065   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
8066   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
8067   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
8068   chen werden.
8069        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
8070   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
8071   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
8072   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
8073   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
8074   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
8075   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
8076   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
8077   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
8078   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
8079        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
8080   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
8081   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
8082   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
8083   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
8084   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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8097   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
8098   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
8099   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
8100   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
8101   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
8102   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
8103   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
8104   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
8105   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
8106   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
8107   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
8108   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
8109   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
8110   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
8111   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
8112   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
8113    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
8114   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
8115   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
8116   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
8117        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
8118   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
8119        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
8120   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
8121   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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8134   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
8135   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
8136   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
8137    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
8138   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
8139   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
8140   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
8141   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
8142   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
8143   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
8144   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
8145   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
8146   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
8147   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
8148   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
8149   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
8150   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
8151   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
8152   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
8153   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
8154   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
8155   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
8156   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
8157   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
8158   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
8159   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
8160   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
8161   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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8174   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
8175   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
8176   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
8177   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
8178   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
8179   ersteren gelangt ist.""
8180                    Soweit Schumpeter.
8181        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
8182   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
8183   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
8184   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
8185   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
8186   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
8187   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
8188   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
8189   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
8190   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
8191   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
8192   dem Wesen nach eine Krise.
8193        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
8194   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
8195   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
8196   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
8197   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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8210   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
8211   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
8212   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
8213   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
8214   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
8215   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
8216   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
8217   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
8218   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
8219   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
8220   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
8221    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
8222   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
8223   ders der Diskontopolitik.
8224        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
8225   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
8226   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
8227   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
8228   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
8229   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
8230   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
8231   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
8232   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
8233   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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8247   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
8248   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
8249   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
8250   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
8251   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
8252   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
8253   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
8254   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
8255   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
8256    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
8257   ist das Einkommen der Nation.
8258        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
8259   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
8260   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
8261   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
8262   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
8263   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
8264   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
8265   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
8266   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
8267   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
8268   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
8269   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
8270   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
8271   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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8285   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
8286   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
8287   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
8288   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
8289   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
8290   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
8291   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
8292   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
8293   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
8294   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
8295   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
8296        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
8297   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
8298   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
8299   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
8300   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
8301   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
8302   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
8303   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
8304   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
8305   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
8306   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
8307   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
8308   equilibrieren.
8309        Wir können sagen:
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8322        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
8323   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
8324   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
8325   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
8326   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
8327   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
8328   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
8329   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
8330   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
8331   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
8332   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
8333   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
8334   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
8335   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
8336   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
8337   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
8338   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
8339   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
8340   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
8341   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
8342   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
8343        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
8344   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
8345   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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8362   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
8363   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
8364   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
8365   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
8366   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
8367   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
8368   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
8369   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
8370   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
8371   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
8372   Anteile am gesamten Produktionsfond.
8373        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
8374   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
8375   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
8376   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
8377   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
8378   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
8379   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
8380   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
8381   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
8382   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
8383   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
8384   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
8385   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
8386   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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8399   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
8400   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
8401   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
8402   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
8403   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
8404   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
8405   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
8406   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
8407   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
8408    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
8409   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
8410   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
8411   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
8412   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
8413   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
8414   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
8415   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
8416   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
8417   menhang zu konstatieren ist.
8418        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
8419   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
8420   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
8421   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
8422   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
8423   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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8434   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
8435   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
8436        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
8437   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
8438   von Einkommen zu unterscheiden haben:
8439  
8440   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
8441   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
8442   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
8443   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
8444   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
8445  
8446   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
8447   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
8448   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
8449   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
8450  
8451   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
8452   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
8453   machen können .
8454  
8455   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
8456   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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8471        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
8472   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
8473   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
8474   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
8475   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
8476   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
8477   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
8478   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
8479   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
8480   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
8481   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
8482   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
8483   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
8484   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
8485   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
8486   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
8487   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
8488   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
8489   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
8490   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
8491   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
8492   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
8493   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
8494   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
8495   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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8506   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
8507   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
8508   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
8509   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
8510   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
8511   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
8512   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
8513   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
8514   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
8515   läufen ausgleichen.
8516        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
8517   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
8518   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
8519   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
8520   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
8521   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
8522   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
8523   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
8524   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
8525   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
8526   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
8527   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
8528   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
8529   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
8530   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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8541   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
8542   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
8543   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
8544   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
8545   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
8546   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
8547   kalkulierten Preis.
8548        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
8549   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
8550   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
8551   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
8552   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
8553   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
8554   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
8555   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
8556   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
8557   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
8558   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
8559   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
8560   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
8561   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
8562   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
8563   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
8564   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
8565   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
8566   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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8577   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
8578   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
8579   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
8580   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
8581   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
8582   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
8583   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
8584   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
8585   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
8586   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
8587   fassung.
8588        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
8589   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
8590   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
8591   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
8592   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
8593   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
8594   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
8595   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
8596   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
8597   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
8598   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
8599   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
8600   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
8601   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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8613   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
8614   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
8615   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
8616   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
8617   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
8618   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
8619   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
8620   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
8621   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
8622   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
8623   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
8624   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
8625   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
8626   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
8627   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
8628   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
8629   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
8630   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
8631   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
8632   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
8633   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
8634   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
8635        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
8636   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
8637   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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8648   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
8649   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
8650   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
8651        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
8652   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
8653   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
8654   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
8655   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
8656   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
8657   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
8658   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
8659   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
8660   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
8661   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
8662   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
8663   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
8664   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
8665   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
8666   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
8667   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
8668   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
8669   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
8670   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
8671      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
8672   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
8673   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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8684   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
8685   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
8686   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
8687   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
8688   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
8689   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
8690   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
8691   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
8692   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
8693   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
8694   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
8695   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
8696   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
8697   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
8698   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
8699   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
8700   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
8701   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
8702   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
8703   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
8704   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
8705   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
8706   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
8707   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
8708   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
8709   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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8720   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
8721   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
8722   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
8723   Bild.
8724  
8725        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
8726   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
8727   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
8728   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
8729   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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8743   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
8744   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
8745    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
8746   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
8747   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
8748   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
8749   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
8750   erhoffen liessen.
8751        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
8752   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
8753   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
8754   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
8755   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
8756   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
8757   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
8758   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
8759  
8760        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
8761   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
8762   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
8763   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
8764   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
8765   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
8766   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
8767   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
8768   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
8769   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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8782   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
8783   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
8784   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
8785   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
8786   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
8787   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
8788   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
8789   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
8790   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
8791   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
8792   ten.
8793  
8794        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
8795   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
8796   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
8797   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
8798   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
8799   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
8800   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
8801   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
8802   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
8803   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
8804   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
8805   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
8806   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
8807   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
8808   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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8821   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
8822   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
8823   von Edelmetallen.
8824        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
8825   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
8826   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
8827   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
8828   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
8829   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
8830   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
8831   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
8832   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
8833   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
8834   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
8835   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
8836   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
8837   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
8838   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
8839   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
8840   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
8841   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
8842   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
8843   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
8844   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
8845   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
8846   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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8858  
8859   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
8860   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
8861   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
8862   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
8863   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
8864   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
8865   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
8866   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
8867   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
8868   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
8869   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
8870   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
8871   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
8872   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
8873   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
8874   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
8875   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
8876   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
8877   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
8878   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
8879   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
8880   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
8881   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
8882   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
8883   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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8896   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
8897   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
8898   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
8899   stanz in sich birgt.
8900        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
8901   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
8902   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
8903   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
8904   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
8905   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
8906   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
8907   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
8908   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
8909   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
8910   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
8911   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
8912   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
8913   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
8914   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
8915   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
8916   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
8917   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
8918   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
8919   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
8920   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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8933   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
8934        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
8935   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
8936   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
8937   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
8938   erhalten.
8939        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
8940   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
8941   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
8942   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
8943   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
8944   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
8945   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
8946   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
8947   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
8948   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
8949        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
8950   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
8951   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
8952   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
8953   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
8954   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
8955   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
8956   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
8957   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
8958   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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8971   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
8972        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
8973   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
8974   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
8975   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
8976   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
8977   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
8978   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
8979   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
8980   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
8981   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
8982   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
8983   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
8984   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
8985   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
8986   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
8987   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
8988   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
8989   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
8990   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
8991   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
8992   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
8993   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
8994   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
8995   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
8996   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
8997   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
8998   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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9011   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
9012   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
9013   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
9014   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
9015   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
9016   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
9017   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
9018   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
9019   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
9020   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
9021   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
9022   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
9023   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
9024   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
9025   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
9026   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
9027        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
9028   lautete:
9029   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
9030   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
9031   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
9032   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
9033   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
9034   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
9035   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
9036   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
9037   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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9050   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
9051   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
9052        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
9053   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
9054   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
9055   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
9056   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
9057   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
9058   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
9059   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
9060   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
9061   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
9062   mal des Geldes bedeutete.
9063        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
9064   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
9065   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
9066   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
9067   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
9068   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
9069   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
9070   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
9071   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
9072   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
9073   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
9074   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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9087   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
9088   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
9089   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
9090   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
9091   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
9092   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
9093   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
9094   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
9095        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
9096   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
9097   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
9098   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
9099   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
9100   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
9101   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
9102   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
9103   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
9104   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
9105   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
9106   noch genügend zu lösen übrig.
9107          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
9108   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
9109   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
9110   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
9111   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
9112   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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9125   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
9126   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
9127   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
9128   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
9129   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
9130   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
9131   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
9132   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
9133   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
9134   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
9135   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
9136     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
9137   Entwicklung zu skizzieren.
9138       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
9139   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
9140   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
9141   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
9142   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
9143   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
9144   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
9145   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
9146   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
9147   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
9148   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
9149   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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9162   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
9163   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
9164   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
9165   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
9166   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
9167   sich üner den Stoff erhebt.
9168        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
9169   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
9170   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
9171   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
9172   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
9173   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
9174   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
9175   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
9176   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
9177   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
9178   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
9179   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
9180   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
9181   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
9182   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
9183   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
9184   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
9185   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
9186   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
9187   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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9200   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
9201   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
9202   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
9203   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
9204   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
9205   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
9206   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
9207   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
9208   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
9209   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
9210   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
9211   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
9212   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
9213   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
9214   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
9215   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
9216   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
9217   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
9218   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
9219   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
9220   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
9221   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
9222   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
9223   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
9224   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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9237   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
9238   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
9239   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
9240   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
9241   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
9242   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
9243   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
9244   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
9245   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
9246   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
9247   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
9248   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
9249        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
9250   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
9251   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
9252   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
9253   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
9254   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
9255   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
9256   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
9257   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
9258   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
9259   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
9260   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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9273   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
9274   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
9275   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
9276   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
9277   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
9278   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
9279   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
9280   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
9281   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
9282   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
9283   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
9284   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
9285   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
9286   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
9287   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
9288   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
9289   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
9290        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
9291   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
9292   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
9293   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
9294   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
9295   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
9296   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
9297   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
9298   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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9311   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
9312   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
9313   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
9314   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
9315   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
9316   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
9317   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
9318   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
9319   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
9320   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
9321   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
9322   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
9323   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
9324   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
9325   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
9326   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
9327   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
9328   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
9329   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
9330   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
9331   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
9332   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
9333   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
9334   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
9335   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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9348   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
9349   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
9350   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
9351   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
9352   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
9353   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
9354   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
9355   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
9356   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
9357   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
9358   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
9359   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
9360   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
9361   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
9362   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
9363   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
9364   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
9365   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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9378   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
9379   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
9380   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
9381   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
9382   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
9383   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
9384   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
9385   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
9386   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
9387   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
9388   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
9389   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
9390   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
9391   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
9392   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
9393   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
9394   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
9395   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
9396   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
9397   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
9398   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
9399   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
9400   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
9401   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
9402   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
9403   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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9416   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
9417   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
9418   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
9419   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
9420   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
9421   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
9422   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
9423   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
9424   chen werden.
9425        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
9426   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
9427   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
9428   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
9429   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
9430   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
9431   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
9432   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
9433   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
9434   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
9435        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
9436   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
9437   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
9438   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
9439   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
9440   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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9453   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
9454   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
9455   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
9456   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
9457   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
9458   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
9459   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
9460   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
9461   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
9462   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
9463   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
9464   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
9465   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
9466   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
9467   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
9468   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
9469    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
9470   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
9471   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
9472   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
9473        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
9474   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
9475        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
9476   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
9477   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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9490   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
9491   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
9492   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
9493    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
9494   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
9495   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
9496   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
9497   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
9498   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
9499   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
9500   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
9501   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
9502   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
9503   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
9504   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
9505   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
9506   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
9507   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
9508   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
9509   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
9510   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
9511   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
9512   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
9513   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
9514   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
9515   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
9516   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
9517   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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9530   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
9531   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
9532   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
9533   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
9534   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
9535   ersteren gelangt ist.""
9536                    Soweit Schumpeter.
9537        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
9538   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
9539   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
9540   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
9541   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
9542   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
9543   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
9544   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
9545   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
9546   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
9547   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
9548   dem Wesen nach eine Krise.
9549        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
9550   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
9551   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
9552   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
9553   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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9566   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
9567   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
9568   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
9569   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
9570   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
9571   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
9572   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
9573   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
9574   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
9575   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
9576   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
9577    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
9578   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
9579   ders der Diskontopolitik.
9580        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
9581   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
9582   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
9583   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
9584   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
9585   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
9586   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
9587   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
9588   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
9589   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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9603   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
9604   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
9605   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
9606   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
9607   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
9608   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
9609   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
9610   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
9611   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
9612    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
9613   ist das Einkommen der Nation.
9614        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
9615   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
9616   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
9617   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
9618   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
9619   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
9620   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
9621   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
9622   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
9623   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
9624   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
9625   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
9626   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
9627   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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9641   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
9642   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
9643   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
9644   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
9645   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
9646   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
9647   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
9648   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
9649   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
9650   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
9651   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
9652        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
9653   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
9654   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
9655   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
9656   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
9657   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
9658   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
9659   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
9660   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
9661   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
9662   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
9663   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
9664   equilibrieren.
9665        Wir können sagen:
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9678        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
9679   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
9680   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
9681   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
9682   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
9683   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
9684   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
9685   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
9686   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
9687   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
9688   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
9689   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
9690   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
9691   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
9692   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
9693   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
9694   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
9695   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
9696   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
9697   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
9698   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
9699        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
9700   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
9701   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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9718   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
9719   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
9720   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
9721   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
9722   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
9723   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
9724   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
9725   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
9726   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
9727   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
9728   Anteile am gesamten Produktionsfond.
9729        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
9730   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
9731   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
9732   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
9733   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
9734   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
9735   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
9736   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
9737   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
9738   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
9739   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
9740   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
9741   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
9742   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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9755   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
9756   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
9757   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
9758   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
9759   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
9760   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
9761   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
9762   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
9763   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
9764    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
9765   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
9766   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
9767   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
9768   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
9769   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
9770   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
9771   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
9772   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
9773   menhang zu konstatieren ist.
9774        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
9775   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
9776   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
9777   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
9778   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
9779   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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9790   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
9791   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
9792        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
9793   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
9794   von Einkommen zu unterscheiden haben:
9795  
9796   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
9797   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
9798   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
9799   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
9800   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
9801  
9802   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
9803   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
9804   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
9805   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
9806  
9807   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
9808   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
9809   machen können .
9810  
9811   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
9812   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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9827        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
9828   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
9829   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
9830   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
9831   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
9832   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
9833   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
9834   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
9835   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
9836   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
9837   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
9838   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
9839   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
9840   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
9841   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
9842   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
9843   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
9844   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
9845   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
9846   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
9847   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
9848   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
9849   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
9850   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
9851   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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9862   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
9863   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
9864   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
9865   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
9866   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
9867   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
9868   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
9869   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
9870   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
9871   läufen ausgleichen.
9872        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
9873   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
9874   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
9875   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
9876   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
9877   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
9878   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
9879   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
9880   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
9881   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
9882   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
9883   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
9884   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
9885   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
9886   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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9897   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
9898   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
9899   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
9900   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
9901   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
9902   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
9903   kalkulierten Preis.
9904        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
9905   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
9906   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
9907   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
9908   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
9909   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
9910   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
9911   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
9912   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
9913   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
9914   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
9915   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
9916   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
9917   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
9918   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
9919   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
9920   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
9921   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
9922   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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9933   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
9934   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
9935   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
9936   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
9937   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
9938   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
9939   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
9940   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
9941   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
9942   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
9943   fassung.
9944        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
9945   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
9946   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
9947   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
9948   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
9949   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
9950   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
9951   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
9952   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
9953   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
9954   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
9955   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
9956   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
9957   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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9969   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
9970   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
9971   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
9972   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
9973   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
9974   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
9975   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
9976   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
9977   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
9978   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
9979   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
9980   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
9981   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
9982   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
9983   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
9984   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
9985   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
9986   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
9987   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
9988   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
9989   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
9990   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
9991        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
9992   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
9993   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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10004   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
10005   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
10006   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
10007        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
10008   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
10009   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
10010   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
10011   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
10012   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
10013   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
10014   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
10015   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
10016   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
10017   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
10018   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
10019   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
10020   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
10021   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
10022   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
10023   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
10024   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
10025   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
10026   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
10027      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
10028   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
10029   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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10040   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
10041   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
10042   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
10043   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
10044   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
10045   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
10046   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
10047   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
10048   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
10049   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
10050   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
10051   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
10052   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
10053   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
10054   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
10055   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
10056   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
10057   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
10058   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
10059   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
10060   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
10061   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
10062   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
10063   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
10064   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
10065   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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10076   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
10077   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
10078   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
10079   Bild.
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10081        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
10082   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
10083   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
10084   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
10085   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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10099   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
10100   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
10101    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
10102   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
10103   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
10104   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
10105   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
10106   erhoffen liessen.
10107        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
10108   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
10109   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
10110   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
10111   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
10112   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
10113   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
10114   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
10115  
10116        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
10117   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
10118   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
10119   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
10120   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
10121   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
10122   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
10123   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
10124   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
10125   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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10138   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
10139   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
10140   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
10141   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
10142   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
10143   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
10144   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
10145   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
10146   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
10147   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
10148   ten.
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10150        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
10151   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
10152   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
10153   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
10154   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
10155   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
10156   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
10157   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
10158   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
10159   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
10160   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
10161   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
10162   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
10163   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
10164   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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10177   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
10178   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
10179   von Edelmetallen.
10180        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
10181   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
10182   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
10183   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
10184   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
10185   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
10186   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
10187   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
10188   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
10189   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
10190   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
10191   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
10192   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
10193   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
10194   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
10195   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
10196   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
10197   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
10198   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
10199   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
10200   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
10201   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
10202   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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10215   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
10216   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
10217   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
10218   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
10219   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
10220   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
10221   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
10222   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
10223   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
10224   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
10225   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
10226   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
10227   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
10228   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
10229   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
10230   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
10231   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
10232   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
10233   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
10234   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
10235   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
10236   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
10237   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
10238   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
10239   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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10252   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
10253   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
10254   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
10255   stanz in sich birgt.
10256        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
10257   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
10258   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
10259   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
10260   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
10261   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
10262   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
10263   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
10264   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
10265   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
10266   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
10267   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
10268   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
10269   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
10270   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
10271   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
10272   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
10273   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
10274   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
10275   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
10276   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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10289   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
10290        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
10291   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
10292   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
10293   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
10294   erhalten.
10295        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
10296   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
10297   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
10298   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
10299   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
10300   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
10301   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
10302   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
10303   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
10304   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
10305        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
10306   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
10307   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
10308   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
10309   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
10310   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
10311   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
10312   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
10313   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
10314   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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10327   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
10328        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
10329   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
10330   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
10331   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
10332   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
10333   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
10334   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
10335   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
10336   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
10337   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
10338   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
10339   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
10340   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
10341   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
10342   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
10343   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
10344   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
10345   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
10346   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
10347   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
10348   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
10349   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
10350   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
10351   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
10352   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
10353   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
10354   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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10367   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
10368   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
10369   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
10370   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
10371   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
10372   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
10373   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
10374   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
10375   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
10376   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
10377   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
10378   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
10379   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
10380   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
10381   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
10382   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
10383        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
10384   lautete:
10385   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
10386   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
10387   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
10388   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
10389   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
10390   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
10391   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
10392   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
10393   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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10406   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
10407   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
10408        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
10409   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
10410   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
10411   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
10412   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
10413   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
10414   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
10415   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
10416   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
10417   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
10418   mal des Geldes bedeutete.
10419        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
10420   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
10421   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
10422   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
10423   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
10424   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
10425   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
10426   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
10427   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
10428   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
10429   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
10430   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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10443   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
10444   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
10445   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
10446   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
10447   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
10448   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
10449   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
10450   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
10451        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
10452   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
10453   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
10454   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
10455   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
10456   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
10457   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
10458   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
10459   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
10460   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
10461   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
10462   noch genügend zu lösen übrig.
10463          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
10464   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
10465   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
10466   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
10467   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
10468   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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10481   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
10482   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
10483   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
10484   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
10485   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
10486   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
10487   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
10488   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
10489   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
10490   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
10491   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
10492     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
10493   Entwicklung zu skizzieren.
10494       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
10495   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
10496   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
10497   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
10498   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
10499   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
10500   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
10501   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
10502   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
10503   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
10504   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
10505   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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10518   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
10519   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
10520   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
10521   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
10522   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
10523   sich üner den Stoff erhebt.
10524        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
10525   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
10526   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
10527   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
10528   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
10529   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
10530   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
10531   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
10532   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
10533   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
10534   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
10535   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
10536   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
10537   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
10538   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
10539   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
10540   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
10541   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
10542   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
10543   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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10556   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
10557   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
10558   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
10559   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
10560   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
10561   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
10562   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
10563   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
10564   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
10565   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
10566   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
10567   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
10568   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
10569   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
10570   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
10571   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
10572   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
10573   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
10574   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
10575   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
10576   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
10577   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
10578   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
10579   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
10580   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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10593   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
10594   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
10595   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
10596   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
10597   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
10598   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
10599   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
10600   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
10601   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
10602   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
10603   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
10604   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
10605        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
10606   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
10607   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
10608   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
10609   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
10610   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
10611   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
10612   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
10613   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
10614   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
10615   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
10616   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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10629   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
10630   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
10631   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
10632   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
10633   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
10634   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
10635   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
10636   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
10637   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
10638   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
10639   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
10640   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
10641   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
10642   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
10643   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
10644   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
10645   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
10646        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
10647   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
10648   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
10649   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
10650   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
10651   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
10652   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
10653   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
10654   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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10667   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
10668   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
10669   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
10670   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
10671   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
10672   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
10673   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
10674   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
10675   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
10676   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
10677   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
10678   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
10679   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
10680   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
10681   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
10682   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
10683   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
10684   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
10685   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
10686   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
10687   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
10688   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
10689   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
10690   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
10691   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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10704   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
10705   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
10706   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
10707   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
10708   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
10709   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
10710   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
10711   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
10712   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
10713   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
10714   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
10715   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
10716   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
10717   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
10718   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
10719   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
10720   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
10721   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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10739        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
10740    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
10741    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
10742    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
10743   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
10744   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
10745   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
10746   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
10747   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
10748   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
10749   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
10750   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
10751   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
10752   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
10753   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
10754   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
10755   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
10756   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
10757   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
10758        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
10759   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
10760   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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10773        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
10774   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
10775   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
10776   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
10777   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
10778   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
10779   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
10780   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
10781   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
10782        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
10783   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
10784   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
10785   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
10786   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
10787   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
10788   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
10789   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
10790   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
10791   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
10792   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
10793   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
10794   setzend.
10795        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
10796   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
10797   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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10815        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
10816    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
10817    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
10818    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
10819   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
10820   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
10821   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
10822   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
10823   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
10824   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
10825   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
10826   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
10827   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
10828   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
10829   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
10830   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
10831   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
10832   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
10833   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
10834        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
10835   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
10836   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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10849   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
10850   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
10851   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
10852   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
10853   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
10854   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
10855   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
10856   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
10857   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
10858   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
10859   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
10860   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
10861   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
10862   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
10863   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
10864   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
10865   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
10866   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
10867   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
10868   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
10869   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
10870   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
10871   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
10872   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
10873   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
10874   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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10887   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
10888   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
10889   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
10890   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
10891   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
10892   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
10893   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
10894   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
10895   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
10896   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
10897   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
10898   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
10899   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
10900   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
10901   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
10902   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
10903   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
10904   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
10905   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
10906   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
10907   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
10908   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
10909   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
10910   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
10911   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
10912   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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10925   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
10926   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
10927   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
10928   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
10929   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
10930   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
10931   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
10932   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
10933   chen werden.
10934        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
10935   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
10936   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
10937   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
10938   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
10939   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
10940   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
10941   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
10942   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
10943   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
10944        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
10945   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
10946   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
10947   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
10948   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
10949   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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10962   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
10963   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
10964   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
10965   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
10966   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
10967   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
10968   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
10969   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
10970   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
10971   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
10972   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
10973   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
10974   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
10975   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
10976   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
10977   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
10978    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
10979   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
10980   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
10981   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
10982        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
10983   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
10984        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
10985   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
10986   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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10999   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
11000   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
11001   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
11002    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
11003   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
11004   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
11005   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
11006   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
11007   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
11008   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
11009   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
11010   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
11011   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
11012   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
11013   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
11014   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
11015   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
11016   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
11017   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
11018   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
11019   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
11020   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
11021   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
11022   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
11023   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
11024   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
11025   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
11026   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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11039   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
11040   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
11041   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
11042   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
11043   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
11044   ersteren gelangt ist.""
11045                    Soweit Schumpeter.
11046        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
11047   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
11048   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
11049   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
11050   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
11051   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
11052   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
11053   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
11054   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
11055   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
11056   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
11057   dem Wesen nach eine Krise.
11058        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
11059   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
11060   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
11061   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
11062   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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11075   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
11076   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
11077   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
11078   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
11079   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
11080   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
11081   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
11082   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
11083   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
11084   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
11085   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
11086    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
11087   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
11088   ders der Diskontopolitik.
11089        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
11090   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
11091   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
11092   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
11093   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
11094   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
11095   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
11096   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
11097   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
11098   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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11112   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
11113   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
11114   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
11115   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
11116   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
11117   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
11118   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
11119   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
11120   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
11121    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
11122   ist das Einkommen der Nation.
11123        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
11124   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
11125   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
11126   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
11127   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
11128   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
11129   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
11130   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
11131   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
11132   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
11133   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
11134   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
11135   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
11136   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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11150   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
11151   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
11152   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
11153   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
11154   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
11155   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
11156   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
11157   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
11158   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
11159   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
11160   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
11161        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
11162   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
11163   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
11164   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
11165   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
11166   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
11167   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
11168   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
11169   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
11170   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
11171   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
11172   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
11173   equilibrieren.
11174        Wir können sagen:
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11187        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
11188   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
11189   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
11190   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
11191   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
11192   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
11193   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
11194   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
11195   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
11196   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
11197   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
11198   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
11199   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
11200   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
11201   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
11202   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
11203   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
11204   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
11205   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
11206   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
11207   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
11208        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
11209   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
11210   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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11227   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
11228   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
11229   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
11230   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
11231   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
11232   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
11233   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
11234   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
11235   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
11236   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
11237   Anteile am gesamten Produktionsfond.
11238        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
11239   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
11240   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
11241   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
11242   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
11243   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
11244   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
11245   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
11246   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
11247   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
11248   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
11249   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
11250   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
11251   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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11264   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
11265   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
11266   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
11267   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
11268   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
11269   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
11270   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
11271   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
11272   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
11273    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
11274   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
11275   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
11276   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
11277   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
11278   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
11279   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
11280   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
11281   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
11282   menhang zu konstatieren ist.
11283        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
11284   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
11285   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
11286   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
11287   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
11288   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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11299   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
11300   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
11301        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
11302   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
11303   von Einkommen zu unterscheiden haben:
11304  
11305   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
11306   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
11307   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
11308   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
11309   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
11310  
11311   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
11312   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
11313   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
11314   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
11315  
11316   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
11317   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
11318   machen können .
11319  
11320   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
11321   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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11335  
11336        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
11337   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
11338   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
11339   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
11340   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
11341   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
11342   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
11343   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
11344   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
11345   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
11346   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
11347   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
11348   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
11349   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
11350   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
11351   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
11352   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
11353   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
11354   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
11355   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
11356   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
11357   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
11358   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
11359   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
11360   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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11371   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
11372   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
11373   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
11374   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
11375   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
11376   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
11377   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
11378   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
11379   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
11380   läufen ausgleichen.
11381        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
11382   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
11383   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
11384   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
11385   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
11386   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
11387   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
11388   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
11389   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
11390   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
11391   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
11392   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
11393   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
11394   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
11395   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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11405  
11406   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
11407   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
11408   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
11409   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
11410   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
11411   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
11412   kalkulierten Preis.
11413        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
11414   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
11415   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
11416   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
11417   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
11418   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
11419   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
11420   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
11421   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
11422   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
11423   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
11424   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
11425   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
11426   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
11427   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
11428   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
11429   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
11430   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
11431   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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11442   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
11443   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
11444   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
11445   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
11446   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
11447   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
11448   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
11449   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
11450   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
11451   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
11452   fassung.
11453        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
11454   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
11455   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
11456   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
11457   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
11458   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
11459   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
11460   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
11461   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
11462   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
11463   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
11464   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
11465   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
11466   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
11467  
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11478   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
11479   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
11480   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
11481   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
11482   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
11483   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
11484   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
11485   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
11486   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
11487   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
11488   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
11489   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
11490   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
11491   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
11492   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
11493   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
11494   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
11495   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
11496   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
11497   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
11498   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
11499   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
11500        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
11501   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
11502   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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11513   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
11514   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
11515   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
11516        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
11517   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
11518   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
11519   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
11520   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
11521   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
11522   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
11523   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
11524   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
11525   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
11526   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
11527   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
11528   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
11529   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
11530   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
11531   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
11532   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
11533   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
11534   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
11535   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
11536      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
11537   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
11538   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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11549   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
11550   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
11551   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
11552   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
11553   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
11554   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
11555   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
11556   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
11557   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
11558   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
11559   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
11560   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
11561   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
11562   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
11563   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
11564   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
11565   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
11566   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
11567   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
11568   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
11569   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
11570   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
11571   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
11572   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
11573   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
11574   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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11585   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
11586   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
11587   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
11588   Bild.
11589  
11590        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
11591   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
11592   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
11593   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
11594   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
11595  
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11608   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
11609   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
11610    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
11611   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
11612   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
11613   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
11614   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
11615   erhoffen liessen.
11616        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
11617   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
11618   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
11619   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
11620   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
11621   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
11622   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
11623   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
11624  
11625        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
11626   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
11627   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
11628   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
11629   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
11630   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
11631   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
11632   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
11633   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
11634   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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11647   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
11648   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
11649   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
11650   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
11651   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
11652   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
11653   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
11654   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
11655   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
11656   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
11657   ten.
11658  
11659        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
11660   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
11661   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
11662   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
11663   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
11664   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
11665   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
11666   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
11667   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
11668   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
11669   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
11670   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
11671   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
11672   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
11673   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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11686   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
11687   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
11688   von Edelmetallen.
11689        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
11690   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
11691   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
11692   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
11693   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
11694   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
11695   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
11696   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
11697   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
11698   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
11699   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
11700   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
11701   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
11702   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
11703   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
11704   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
11705   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
11706   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
11707   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
11708   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
11709   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
11710   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
11711   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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11724   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
11725   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
11726   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
11727   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
11728   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
11729   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
11730   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
11731   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
11732   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
11733   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
11734   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
11735   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
11736   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
11737   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
11738   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
11739   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
11740   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
11741   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
11742   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
11743   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
11744   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
11745   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
11746   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
11747   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
11748   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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11761   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
11762   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
11763   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
11764   stanz in sich birgt.
11765        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
11766   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
11767   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
11768   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
11769   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
11770   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
11771   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
11772   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
11773   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
11774   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
11775   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
11776   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
11777   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
11778   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
11779   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
11780   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
11781   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
11782   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
11783   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
11784   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
11785   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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11798   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
11799        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
11800   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
11801   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
11802   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
11803   erhalten.
11804        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
11805   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
11806   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
11807   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
11808   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
11809   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
11810   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
11811   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
11812   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
11813   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
11814        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
11815   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
11816   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
11817   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
11818   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
11819   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
11820   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
11821   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
11822   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
11823   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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11836   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
11837        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
11838   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
11839   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
11840   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
11841   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
11842   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
11843   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
11844   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
11845   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
11846   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
11847   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
11848   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
11849   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
11850   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
11851   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
11852   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
11853   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
11854   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
11855   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
11856   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
11857   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
11858   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
11859   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
11860   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
11861   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
11862   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
11863   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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11876   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
11877   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
11878   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
11879   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
11880   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
11881   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
11882   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
11883   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
11884   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
11885   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
11886   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
11887   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
11888   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
11889   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
11890   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
11891   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
11892        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
11893   lautete:
11894   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
11895   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
11896   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
11897   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
11898   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
11899   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
11900   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
11901   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
11902   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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11915   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
11916   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
11917        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
11918   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
11919   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
11920   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
11921   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
11922   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
11923   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
11924   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
11925   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
11926   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
11927   mal des Geldes bedeutete.
11928        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
11929   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
11930   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
11931   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
11932   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
11933   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
11934   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
11935   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
11936   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
11937   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
11938   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
11939   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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11952   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
11953   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
11954   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
11955   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
11956   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
11957   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
11958   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
11959   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
11960        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
11961   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
11962   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
11963   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
11964   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
11965   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
11966   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
11967   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
11968   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
11969   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
11970   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
11971   noch genügend zu lösen übrig.
11972          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
11973   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
11974   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
11975   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
11976   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
11977   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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11990   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
11991   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
11992   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
11993   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
11994   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
11995   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
11996   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
11997   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
11998   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
11999   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
12000   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
12001     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
12002   Entwicklung zu skizzieren.
12003       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
12004   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
12005   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
12006   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
12007   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
12008   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
12009   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
12010   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
12011   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
12012   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
12013   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
12014   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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12027   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
12028   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
12029   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
12030   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
12031   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
12032   sich üner den Stoff erhebt.
12033        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
12034   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
12035   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
12036   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
12037   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
12038   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
12039   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
12040   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
12041   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
12042   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
12043   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
12044   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
12045   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
12046   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
12047   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
12048   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
12049   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
12050   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
12051   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
12052   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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12065   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
12066   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
12067   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
12068   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
12069   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
12070   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
12071   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
12072   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
12073   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
12074   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
12075   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
12076   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
12077   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
12078   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
12079   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
12080   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
12081   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
12082   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
12083   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
12084   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
12085   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
12086   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
12087   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
12088   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
12089   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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12102   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
12103   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
12104   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
12105   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
12106   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
12107   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
12108   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
12109   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
12110   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
12111   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
12112   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
12113   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
12114        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
12115   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
12116   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
12117   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
12118   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
12119   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
12120   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
12121   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
12122   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
12123   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
12124   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
12125   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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12138   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
12139   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
12140   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
12141   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
12142   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
12143   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
12144   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
12145   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
12146   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
12147   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
12148   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
12149   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
12150   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
12151   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
12152   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
12153   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
12154   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
12155        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
12156   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
12157   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
12158   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
12159   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
12160   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
12161   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
12162   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
12163   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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12176   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
12177   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
12178   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
12179   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
12180   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
12181   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
12182   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
12183   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
12184   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
12185   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
12186   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
12187   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
12188   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
12189   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
12190   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
12191   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
12192   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
12193   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
12194   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
12195   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
12196   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
12197   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
12198   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
12199   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
12200   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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12213   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
12214   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
12215   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
12216   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
12217   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
12218   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
12219   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
12220   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
12221   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
12222   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
12223   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
12224   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
12225   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
12226   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
12227   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
12228   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
12229   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
12230   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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12243   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
12244   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
12245   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
12246   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
12247   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
12248   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
12249   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
12250   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
12251   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
12252   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
12253   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
12254   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
12255   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
12256   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
12257   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
12258   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
12259   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
12260   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
12261   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
12262   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
12263   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
12264   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
12265   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
12266   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
12267   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
12268   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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12281   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
12282   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
12283   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
12284   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
12285   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
12286   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
12287   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
12288   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
12289   chen werden.
12290        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
12291   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
12292   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
12293   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
12294   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
12295   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
12296   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
12297   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
12298   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
12299   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
12300        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
12301   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
12302   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
12303   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
12304   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
12305   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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12318   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
12319   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
12320   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
12321   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
12322   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
12323   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
12324   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
12325   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
12326   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
12327   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
12328   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
12329   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
12330   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
12331   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
12332   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
12333   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
12334    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
12335   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
12336   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
12337   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
12338        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
12339   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
12340        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
12341   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
12342   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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12355   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
12356   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
12357   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
12358    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
12359   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
12360   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
12361   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
12362   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
12363   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
12364   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
12365   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
12366   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
12367   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
12368   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
12369   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
12370   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
12371   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
12372   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
12373   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
12374   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
12375   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
12376   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
12377   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
12378   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
12379   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
12380   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
12381   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
12382   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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12395   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
12396   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
12397   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
12398   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
12399   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
12400   ersteren gelangt ist.""
12401                    Soweit Schumpeter.
12402        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
12403   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
12404   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
12405   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
12406   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
12407   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
12408   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
12409   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
12410   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
12411   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
12412   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
12413   dem Wesen nach eine Krise.
12414        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
12415   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
12416   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
12417   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
12418   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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12431   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
12432   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
12433   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
12434   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
12435   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
12436   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
12437   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
12438   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
12439   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
12440   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
12441   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
12442    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
12443   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
12444   ders der Diskontopolitik.
12445        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
12446   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
12447   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
12448   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
12449   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
12450   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
12451   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
12452   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
12453   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
12454   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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12468   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
12469   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
12470   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
12471   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
12472   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
12473   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
12474   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
12475   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
12476   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
12477    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
12478   ist das Einkommen der Nation.
12479        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
12480   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
12481   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
12482   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
12483   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
12484   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
12485   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
12486   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
12487   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
12488   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
12489   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
12490   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
12491   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
12492   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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12506   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
12507   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
12508   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
12509   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
12510   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
12511   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
12512   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
12513   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
12514   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
12515   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
12516   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
12517        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
12518   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
12519   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
12520   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
12521   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
12522   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
12523   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
12524   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
12525   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
12526   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
12527   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
12528   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
12529   equilibrieren.
12530        Wir können sagen:
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12543        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
12544   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
12545   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
12546   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
12547   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
12548   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
12549   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
12550   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
12551   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
12552   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
12553   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
12554   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
12555   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
12556   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
12557   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
12558   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
12559   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
12560   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
12561   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
12562   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
12563   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
12564        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
12565   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
12566   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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12583   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
12584   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
12585   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
12586   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
12587   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
12588   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
12589   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
12590   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
12591   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
12592   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
12593   Anteile am gesamten Produktionsfond.
12594        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
12595   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
12596   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
12597   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
12598   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
12599   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
12600   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
12601   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
12602   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
12603   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
12604   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
12605   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
12606   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
12607   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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12620   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
12621   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
12622   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
12623   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
12624   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
12625   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
12626   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
12627   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
12628   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
12629    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
12630   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
12631   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
12632   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
12633   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
12634   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
12635   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
12636   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
12637   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
12638   menhang zu konstatieren ist.
12639        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
12640   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
12641   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
12642   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
12643   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
12644   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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12655   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
12656   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
12657        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
12658   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
12659   von Einkommen zu unterscheiden haben:
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12661   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
12662   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
12663   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
12664   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
12665   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
12666  
12667   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
12668   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
12669   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
12670   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
12671  
12672   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
12673   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
12674   machen können .
12675  
12676   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
12677   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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12692        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
12693   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
12694   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
12695   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
12696   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
12697   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
12698   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
12699   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
12700   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
12701   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
12702   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
12703   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
12704   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
12705   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
12706   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
12707   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
12708   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
12709   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
12710   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
12711   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
12712   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
12713   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
12714   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
12715   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
12716   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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12727   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
12728   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
12729   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
12730   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
12731   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
12732   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
12733   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
12734   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
12735   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
12736   läufen ausgleichen.
12737        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
12738   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
12739   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
12740   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
12741   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
12742   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
12743   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
12744   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
12745   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
12746   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
12747   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
12748   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
12749   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
12750   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
12751   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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12762   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
12763   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
12764   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
12765   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
12766   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
12767   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
12768   kalkulierten Preis.
12769        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
12770   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
12771   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
12772   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
12773   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
12774   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
12775   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
12776   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
12777   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
12778   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
12779   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
12780   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
12781   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
12782   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
12783   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
12784   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
12785   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
12786   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
12787   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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12798   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
12799   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
12800   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
12801   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
12802   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
12803   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
12804   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
12805   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
12806   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
12807   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
12808   fassung.
12809        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
12810   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
12811   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
12812   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
12813   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
12814   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
12815   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
12816   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
12817   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
12818   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
12819   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
12820   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
12821   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
12822   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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12834   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
12835   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
12836   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
12837   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
12838   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
12839   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
12840   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
12841   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
12842   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
12843   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
12844   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
12845   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
12846   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
12847   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
12848   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
12849   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
12850   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
12851   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
12852   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
12853   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
12854   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
12855   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
12856        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
12857   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
12858   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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12869   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
12870   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
12871   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
12872        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
12873   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
12874   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
12875   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
12876   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
12877   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
12878   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
12879   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
12880   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
12881   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
12882   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
12883   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
12884   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
12885   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
12886   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
12887   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
12888   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
12889   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
12890   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
12891   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
12892      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
12893   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
12894   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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12905   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
12906   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
12907   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
12908   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
12909   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
12910   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
12911   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
12912   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
12913   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
12914   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
12915   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
12916   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
12917   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
12918   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
12919   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
12920   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
12921   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
12922   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
12923   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
12924   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
12925   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
12926   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
12927   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
12928   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
12929   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
12930   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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12941   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
12942   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
12943   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
12944   Bild.
12945  
12946        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
12947   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
12948   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
12949   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
12950   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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12964   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
12965   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
12966    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
12967   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
12968   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
12969   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
12970   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
12971   erhoffen liessen.
12972        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
12973   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
12974   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
12975   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
12976   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
12977   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
12978   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
12979   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
12980  
12981        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
12982   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
12983   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
12984   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
12985   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
12986   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
12987   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
12988   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
12989   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
12990   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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13003   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
13004   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
13005   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
13006   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
13007   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
13008   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
13009   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
13010   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
13011   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
13012   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
13013   ten.
13014  
13015        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
13016   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
13017   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
13018   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
13019   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
13020   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
13021   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
13022   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
13023   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
13024   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
13025   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
13026   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
13027   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
13028   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
13029   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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13042   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
13043   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
13044   von Edelmetallen.
13045        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
13046   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
13047   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
13048   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
13049   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
13050   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
13051   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
13052   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
13053   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
13054   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
13055   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
13056   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
13057   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
13058   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
13059   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
13060   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
13061   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
13062   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
13063   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
13064   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
13065   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
13066   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
13067   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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13080   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
13081   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
13082   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
13083   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
13084   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
13085   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
13086   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
13087   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
13088   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
13089   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
13090   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
13091   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
13092   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
13093   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
13094   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
13095   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
13096   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
13097   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
13098   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
13099   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
13100   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
13101   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
13102   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
13103   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
13104   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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13117   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
13118   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
13119   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
13120   stanz in sich birgt.
13121        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
13122   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
13123   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
13124   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
13125   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
13126   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
13127   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
13128   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
13129   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
13130   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
13131   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
13132   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
13133   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
13134   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
13135   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
13136   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
13137   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
13138   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
13139   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
13140   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
13141   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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13154   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
13155        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
13156   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
13157   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
13158   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
13159   erhalten.
13160        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
13161   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
13162   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
13163   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
13164   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
13165   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
13166   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
13167   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
13168   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
13169   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
13170        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
13171   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
13172   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
13173   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
13174   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
13175   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
13176   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
13177   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
13178   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
13179   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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13192   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
13193        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
13194   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
13195   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
13196   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
13197   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
13198   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
13199   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
13200   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
13201   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
13202   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
13203   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
13204   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
13205   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
13206   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
13207   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
13208   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
13209   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
13210   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
13211   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
13212   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
13213   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
13214   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
13215   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
13216   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
13217   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
13218   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
13219   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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13232   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
13233   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
13234   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
13235   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
13236   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
13237   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
13238   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
13239   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
13240   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
13241   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
13242   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
13243   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
13244   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
13245   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
13246   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
13247   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
13248        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
13249   lautete:
13250   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
13251   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
13252   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
13253   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
13254   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
13255   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
13256   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
13257   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
13258   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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13271   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
13272   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
13273        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
13274   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
13275   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
13276   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
13277   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
13278   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
13279   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
13280   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
13281   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
13282   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
13283   mal des Geldes bedeutete.
13284        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
13285   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
13286   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
13287   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
13288   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
13289   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
13290   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
13291   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
13292   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
13293   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
13294   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
13295   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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13308   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
13309   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
13310   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
13311   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
13312   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
13313   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
13314   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
13315   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
13316        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
13317   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
13318   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
13319   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
13320   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
13321   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
13322   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
13323   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
13324   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
13325   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
13326   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
13327   noch genügend zu lösen übrig.
13328          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
13329   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
13330   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
13331   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
13332   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
13333   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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13346   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
13347   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
13348   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
13349   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
13350   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
13351   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
13352   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
13353   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
13354   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
13355   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
13356   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
13357     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
13358   Entwicklung zu skizzieren.
13359       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
13360   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
13361   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
13362   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
13363   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
13364   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
13365   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
13366   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
13367   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
13368   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
13369   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
13370   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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13383   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
13384   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
13385   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
13386   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
13387   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
13388   sich üner den Stoff erhebt.
13389        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
13390   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
13391   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
13392   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
13393   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
13394   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
13395   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
13396   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
13397   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
13398   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
13399   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
13400   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
13401   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
13402   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
13403   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
13404   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
13405   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
13406   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
13407   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
13408   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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13421   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
13422   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
13423   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
13424   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
13425   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
13426   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
13427   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
13428   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
13429   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
13430   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
13431   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
13432   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
13433   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
13434   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
13435   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
13436   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
13437   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
13438   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
13439   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
13440   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
13441   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
13442   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
13443   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
13444   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
13445   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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13458   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
13459   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
13460   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
13461   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
13462   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
13463   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
13464   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
13465   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
13466   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
13467   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
13468   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
13469   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
13470        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
13471   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
13472   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
13473   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
13474   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
13475   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
13476   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
13477   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
13478   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
13479   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
13480   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
13481   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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13494   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
13495   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
13496   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
13497   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
13498   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
13499   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
13500   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
13501   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
13502   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
13503   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
13504   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
13505   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
13506   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
13507   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
13508   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
13509   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
13510   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
13511        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
13512   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
13513   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
13514   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
13515   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
13516   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
13517   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
13518   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
13519   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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13532   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
13533   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
13534   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
13535   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
13536   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
13537   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
13538   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
13539   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
13540   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
13541   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
13542   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
13543   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
13544   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
13545   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
13546   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
13547   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
13548   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
13549   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
13550   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
13551   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
13552   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
13553   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
13554   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
13555   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
13556   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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13569   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
13570   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
13571   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
13572   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
13573   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
13574   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
13575   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
13576   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
13577   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
13578   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
13579   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
13580   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
13581   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
13582   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
13583   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
13584   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
13585   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
13586   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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13598   __D i e L e h r m e i n u n g e n__
13599  
13600   Der M e t a l l i s m u s .
13601   Der N o m i n a l i s m u s .
13602  
13603        Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht
13604   bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir
13605   das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-
13606   het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort
13607   nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-
13608   sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei-
13609   hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-
13610   de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für
13611   den allein richtigen vertritt.
13612        Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem
13613   Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer
13614   Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses
13615   theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und
13616   ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,
13617   dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus
13618   ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch
13619   Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.
13620        In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit
13621   sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon
13622   staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,
13623   als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur
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13634   bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"
13635   wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen
13636   Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-
13637   kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung
13638   ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach
13639   sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das
13640   Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen
13641   im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-
13642   liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.
13643        Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der
13644   natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens
13645   doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden
13646   Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte
13647   Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-
13648   tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr
13649   den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu
13650   überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf-
13651   fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-
13652   ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs-
13653   mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall -
13654   (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten
13655   Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem
13656   Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten
13657   erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das
13658   kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das
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13669   Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher
13670   zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-
13671   mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine
13672   Genüsse vermehrt werden."
13673        Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des
13674   Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz
13675   des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-
13676   mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel
13677   gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol
13678   eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die
13679   Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie
13680   gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das
13681   Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht
13682   mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet
13683   und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er
13684   in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,
13685   als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.
13686   Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum
13687   vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen
13688   ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und
13689   den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen
13690   Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu
13691   erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten
13692   in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur
13693   Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp
13694  
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13704   als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.
13705        Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-
13706   wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-
13707   greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-
13708   te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung
13709   nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,
13710   das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank
13711   der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss
13712   das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende
13713   Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-
13714   trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.
13715        Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,
13716   haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären
13717   und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-
13718   hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann
13719   sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System
13720   gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und
13721   Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem
13722   bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.
13723   Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.
13724   Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-
13725   strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen
13726   Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente
13727   Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek-
13728   tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes
13729  
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13739   der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.
13740   Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.
13741        Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen
13742   Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses
13743   des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden
13744   Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen
13745   Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-
13746   hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-
13747   brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt
13748   rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur
13749   Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse
13750   ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.
13751        Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-
13752   regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff
13753   notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr
13754   fragwürdigen Formel begriffen wissen:
13755   " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B.
13756   dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "
13757   Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-
13758   ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären
13759    liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-
13760   tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den
13761   Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-
13762   um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen
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13773   Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für
13774   jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches
13775   Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch
13776   immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens
13777   und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro-
13778   gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von
13779   dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh,
13780   das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar
13781   nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde
13782   denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not
13783   und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert
13784   oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren.
13785        1797 beispielsweise wurde in England infolge seines
13786   Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.
13787   22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit
13788   grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein
13789   real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,
13790   den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-
13791   lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-
13792   flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-
13793   lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer
13794   bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung
13795   der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen
13796   dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich
13797   schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel
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13808   sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an
13809   einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-
13810   dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von
13811   volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit
13812   gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das
13813   muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-
13814   sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den
13815   Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen
13816   Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage
13817   der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur
13818   angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen
13819   anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-
13820   de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-
13821   fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei
13822   und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind
13823   ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen
13824   Verkehr beleuchten und beeinflussen können.
13825        In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob
13826   wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung
13827   der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der
13828   die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-
13829   fachende Moment begriffen wissen will.
13830        Während also bei den Metallisten die Erklärung
13831   der Banknoten auf
13832  
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13841  
13842   die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der
13843   Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer
13844   reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch,
13845   wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen
13846   die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was
13847   die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt
13848   bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,
13849   in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent-
13850   lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder
13851   Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-
13852   ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-
13853   mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie
13854   Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine
13855   Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-
13856   tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei
13857   auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-
13858   körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen
13859   und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-
13860   scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.
13861        Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,
13862   die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die
13863   Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den
13864   Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren
13865  
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13875   in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,
13876   dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-
13877   wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu
13878   jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für
13879   jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind
13880   schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im
13881   Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-
13882   renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber
13883   aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-
13884   strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse
13885   kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-
13886   stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-
13887   mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von
13888   ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger
13889   und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus
13890   muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,
13891   wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur
13892   die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn
13893   die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-
13894   sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst
13895   heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-
13896   rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert
13897   in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,
13898   verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir
13899   auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-
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13910   struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff
13911   ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss
13912   aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-
13913   preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-
13914   rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten
13915   Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall
13916   innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-
13917   rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs
13918   hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-
13919   stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]
13920   zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der
13921   Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass
13922   das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-
13923   erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-
13924   nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die
13925   Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der
13926   nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-
13927   arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware
13928   aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender
13929   als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der
13930   nominalen Einheit des Geldes.
13931        Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen
13932   um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine
13933   Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-
13934   sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik
13935  
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13945   des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-
13946   gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der
13947   Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem
13948   Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit
13949   die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder
13950   Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,
13951   während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-
13952   ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich
13953   infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.
13954        Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die
13955   Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-
13956   über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-
13957   sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-
13958   leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-
13959   tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn
13960   wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus
13961   allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,
13962   dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.
13963   Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,
13964   denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren
13965   zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie
13966   die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese
13967   alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches
13968   aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser
13969   selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung
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13980   der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-
13981   lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-
13982   jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-
13983   schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-
13984   fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven
13985   Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-
13986   zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-
13987   genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-
13988   schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-
13989   heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-
13990   schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert-
13991   einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her
13992   eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen
13993   und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld-
13994   schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass
13995   man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-
13996   kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-
13997   gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,
13998   bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen
13999   die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch
14000   quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-
14001   net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen
14002   alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in
14003   Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf
14004   den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot
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14015   und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der
14016   eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber
14017   auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem
14018   Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit
14019   in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender
14020   Ausführung nach ganz deutlich werden.
14021        Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während
14022   des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem
14023   System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen
14024   doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis-
14025   senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-
14026   charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und
14027   wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es
14028   nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in
14029   den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,
14030   kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der
14031   Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das
14032   Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-
14033   kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer
14034   Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont
14035   sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,
14036   weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja
14037   durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-
14038   ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war
14039   an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-
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14050   lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-
14051   schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande
14052   gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so
14053   hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit
14054   auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall
14055   desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-
14056   tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-
14057   tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem
14058   Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-
14059   re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung
14060   der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen
14061   des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung
14062   abgeschwächt hätte.
14063        So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge-
14064   rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht
14065   wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,
14066   sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss
14067   hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den
14068   Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und
14069   zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen
14070   werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.
14071   Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt
14072   in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht
14073   etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst
14074    die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber
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14085   dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis
14086   so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-
14087   flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht
14088    nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.
14089   Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren,
14090   wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen
14091   des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-
14092   keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung
14093   dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als
14094   die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben
14095   wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-
14096   ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu
14097   leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-
14098   ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung
14099   Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.
14100   Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell
14101   zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend
14102   weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die
14103   gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–
14104   ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-
14105   sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben
14106   müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-
14107   se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke
14108   die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern
14109   auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor-
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14120   dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–
14121   lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr
14122   gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-
14123   listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber
14124   es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes
14125   bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,
14126   Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn
14127   ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen
14128   eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des
14129   Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass
14130   allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-
14131   zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -
14132   sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für
14133   dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem
14134   Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-
14135   hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im
14136   Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja
14137   der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser
14138   letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,
14139    dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist
14140   gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die
14141   Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation
14142   hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-
14143   legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-
14144   preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling
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14155   als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.
14156        So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-
14157   tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-
14158   sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,
14159   haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-
14160   terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-
14161   derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-
14162   tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme
14163   nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen
14164   ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.
14165  
14166            Die
14167        W a r e n w e r t t h e o r i e
14168            des
14169          G e l d e s .
14170  
14171        Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,
14172   das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene
14173   Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben
14174   wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige
14175   ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis-
14176   ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-
14177   zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie
14178   vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-
14179   lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes
14180  
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14190   Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in
14191   dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-
14192   dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-
14193   gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-
14194   schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,
14195   der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die
14196   theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-
14197   de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_
14198   mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen
14199   will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem
14200   Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch
14201   die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich
14202   von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-
14203   jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-
14204   mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit
14205   freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-
14206   wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von
14207   der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite
14208   aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird.
14209   Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier
14210   wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-
14211   theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.
14212        Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-
14213   ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-
14214   duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht
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14225   auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und
14226   durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf
14227   nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des
14228   Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz,
14229   sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des
14230   Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,
14231   die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-
14232   aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-
14233   titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage
14234   nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene
14235   statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive
14236   Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus
14237   das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war
14238   im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-
14239   se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht
14240   vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser
14241   dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-
14242   person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine
14243   objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen
14244   Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der
14245   Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-
14246   lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser
14247   Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen-
14248   de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher
14249   Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante
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14260   metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders
14261   gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,
14262   wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-
14263   delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische
14264   Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre
14265   des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-
14266   tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-
14267   dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft
14268   und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum
14269   müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass-
14270   funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die
14271   Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des
14272   Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich
14273   dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie
14274   aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze
14275   verwirklichen?
14276        Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom
14277   Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-
14278   ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-
14279   sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem
14280   Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer
14281   bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen
14282   Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die
14283   allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit
14284   und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des
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14295   Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.
14296        Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch
14297   und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer
14298   aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss
14299   auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware
14300   sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine
14301   an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-
14302   tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird
14303   zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,
14304   dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit
14305   eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-
14306   bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den
14307   Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-
14308   heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-
14309   schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos
14310   hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold
14311   ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,
14312   sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-
14313   mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-
14314   deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-
14315   derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es
14316   aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-
14317   bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-
14318   maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon
14319   vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das
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14330   im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-
14331   nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-
14332   währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen
14333   Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des
14334   Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,
14335   die sog. Geldkernwährung.
14336        Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen
14337   die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen
14338   Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-
14339   theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache
14340   gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen
14341   unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die
14342   folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.
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