Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / II
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===43=== - 43 - __D i e L e h r m e i n u n g e n__ Der M e t a l l i s m u s . Der N o m i n a l i s m u s . Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden- het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver- sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei- hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je- de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für den allein richtigen vertritt. Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen, dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung. In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes, als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 3.png - 44 - bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld" wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld- kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch- liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme- tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf- fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National- ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs- mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall - (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 4.png - 45 - Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs- mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine Genüsse vermehrt werden." Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim- mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen, als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren. Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 5.png - 46 - --l-- als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte. Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge- wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er- greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems- te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus, das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver- trauens dennoch Geldienste [sic] leisten. Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt, haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste- hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst. Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit. Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab- strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek- tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 6.png - 47 - der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen. Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener. Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste- hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge- brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist. Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge- regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr fragwürdigen Formel begriffen wissen: " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B. dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? " Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei- ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit- tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder- um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 7.png - 48 - Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro- gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh, das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren. 1797 beispielsweise wurde in England infolge seines Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen. 22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass, den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu- lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in- flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür- lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 8.png - 49 - sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra- dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas- sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen- de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu- fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen Verkehr beleuchten und beeinflussen können. In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an- fachende Moment begriffen wissen will. Während also bei den Metallisten die Erklärung der Banknoten auf | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 9.png - 50 die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch, wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen, in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent- lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite- ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis- mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak- tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver- körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr- scherin der Wirtschaft aufgeschwingen. Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff, die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 0.png - 51 - in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei, dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not- wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh- renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab- strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld- stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis- mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein, wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben- sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur- rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen, verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon- | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 1.png - 52 - struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld- preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh- rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh- rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be- stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic] zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander- erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech- nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge- arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der nominalen Einheit des Geldes. Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau- sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 2.png - 53 - des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich- gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat, während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa- ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen. Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen- über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben- sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts- leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak- tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet, dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen. Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an, denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 3.png - 54 - der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina- lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub- jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein- schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un- fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur- zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge- genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt- schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein- heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi- schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert- einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld- schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er- kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü- gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach, bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug- net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 4.png - 55 - und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender Ausführung nach ganz deutlich werden. Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis- senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld- charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend, kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein- kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation, weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi- ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund- | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 5.png - 56 -- lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt- schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis- tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes- tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande- re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung abgeschwächt hätte. So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge- rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt, sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze. Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 6.png - 57 - dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In- flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke. Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren, wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich- keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un- ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach- ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde. Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft– ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe- sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die- se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor- | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 7.png – 58 – dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge– lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal- listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist, Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent- zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die - sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver- hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit, dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge- legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz- preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 8.png - 59 - als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung. So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me- tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund- sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten, haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un- terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson- derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht- tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben. Die W a r e n w e r t t h e o r i e des G e l d e s . Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten, das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis- ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be- zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper- lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 9.png - 60 - Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei- dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun- gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi- schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre, der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel- de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_ mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub- jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla- mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold- wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird. Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts- theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen. Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach- ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro- duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 0.png - 61 - auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz, sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer, die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs- aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan- titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös- se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel- person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku- lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen- de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 1.png - 63 - metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen, wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han- delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek- tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen- dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass- funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze verwirklichen? Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal- ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau- sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 3.png - 64 - Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes. Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus- tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch, dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge- bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein- heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen- schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes, sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch- mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an- deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson- derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg- bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser- maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 4.png - 65 - im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter- nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren- währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel, die sog. Geldkernwährung. Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren- theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen. | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 5.png ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===20=== ===21=== - 21 - ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===20=== ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===19=== Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen, heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen- tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert. Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä- tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes- ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be- griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel- len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang setzend. Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich- keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s1.png ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===20=== ===21=== - 21 - ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===20=== ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===19=== Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen, heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen- tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert. Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä- tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes- ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be- griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel- len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang setzend. Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich- keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s1.png ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===20=== ===21=== - 21 - ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===19=== Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen, heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen- tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert. Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä- tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes- ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be- griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel- len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang setzend. Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich- keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s1.png ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===20=== ===21=== - 21 - ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===20=== ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===19=== Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen, heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen- tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert. Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä- tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes- ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be- griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel- len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang setzend. Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich- keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s1.png ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.=== ===20=== ===21=== - 21 - ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===22=== - 22 - ===23=== - 23 - ===24=== - 24 - ===25=== - 25 - ===26=== - 26 - ===27=== - 27 - ===28=== - 28 - ===29=== - 29 - ===30=== - 30 - ===31=== - 31 - ===32=== - 32 - ===33=== - 33 - ===35=== - 35 - ===36=== - 36 - ===37=== - 37 - ===38=== - 38 - ===39=== - 39 - ===40=== - 40 - ===41=== - 41 - ===42=== - 42 - ===3=== - 3 - alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt- schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich- keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad erhoffen liessen. Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten; lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch- handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus. Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb- flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö- tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt. Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png ===4=== - 4 - derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen- den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt- schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen, in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar- beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei- ten. Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil- bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar- keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei- ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen. Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge- mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s4.png ===5=== - 5 - schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung - von Edelmetallen. Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen- den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf, je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss- ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie- ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige, reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst- weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun- gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s5.png ===6=== - 6 - beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein- schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über- einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab- schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank- liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen: Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung: Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich- wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf- wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts- ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen, das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen, um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s6.png ===7=== - 7 - Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon- stanz in sich birgt. Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist. Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver- gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit, uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera- tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu- schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge- wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf- wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist, der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer- den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über- file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s7.png ===8=== - 8 - haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben. Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten? Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v erhalten. Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in- folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht, so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden. Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch- mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver- mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch- mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen. Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s8.png ===9=== - 9 - begrifflich nicht damit zusammenhängt. Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert- einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat- sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft- lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be- dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein- same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt. Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen; die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser- lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner- halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s9.png ===10=== - 10 - sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt- schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden. Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla- mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu- ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk- tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not- wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä- teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war. Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die lautete: 1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb- flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton- schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion: Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s10.pn g ===11=== - 11 - 2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten Tausches wieder eine weitere Gleichung: 2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g, mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ- licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech- ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be- sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein- richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe, dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk- mal des Geldes bedeutete. Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit, auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt- tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo. rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch- lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s11.pn g ===12=== - 12 - täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert- einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet. Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert- voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri- sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein- heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns noch genügend zu lösen übrig. Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt- schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt- schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s12.pn g ===13=== - 13 - am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol- lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom- mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu- rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel- chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite- re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der Entwicklung zu skizzieren. Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir, dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus- serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte, desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel- metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus- bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate- rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s13.pn g ===14=== - 14 - die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch- mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde, sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie sich üner den Stoff erhebt. Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann, der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist; dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet. Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl- ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt, wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens- ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich, denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek- tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak- tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s14.pn g ===15=== - 15 - finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab- gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh- rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul- digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi- ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti- nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen, dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates, file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s15.pn g ===16=== - 16 - sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels. Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat- lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor- schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In- stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt- schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit. Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet, können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs- verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein- nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe- ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch, kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen. Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s16.pn g ===17=== - 17 - Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s- Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied. Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht, das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat" der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt- schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist. Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden. Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick- lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung, nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl- lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per- sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For- derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s17.pn g ===18=== - 18 - Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol- che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs- ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig- net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s18.pn g ===19=== - 19 - des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh- her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert- einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri- bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg- lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt- schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam- menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell- ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen. file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s19.pn g ===43=== - 43 - __D i e L e h r m e i n u n g e n__ Der M e t a l l i s m u s . Der N o m i n a l i s m u s . Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden- het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver- sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei- hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je- de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für den allein richtigen vertritt. Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen, dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung. In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes, als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 3.png ===44=== - 44 - bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld" wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld- kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch- liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme- tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf- fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National- ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs- mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall - (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 4.png ===45=== - 45 - Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs- mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine Genüsse vermehrt werden." Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim- mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen, als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren. Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 5.png ===46=== - 46 - --l-- als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte. Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge- wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er- greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems- te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus, das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver- trauens dennoch Geldienste [sic] leisten. Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt, haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste- hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst. Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit. Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab- strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek- tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 6.png ===47=== - 47 - der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen. Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener. Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste- hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge- brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist. Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge- regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr fragwürdigen Formel begriffen wissen: " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B. dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? " Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei- ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit- tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder- um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 7.png ===48=== - 48 - Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro- gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh, das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren. 1797 beispielsweise wurde in England infolge seines Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen. 22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass, den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu- lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in- flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür- lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 8.png ===49=== - 49 - sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra- dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas- sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen- de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu- fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen Verkehr beleuchten und beeinflussen können. In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an- fachende Moment begriffen wissen will. Während also bei den Metallisten die Erklärung der Banknoten auf | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s4 9.png ===50=== - 50 die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch, wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen, in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent- lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite- ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis- mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak- tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver- körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr- scherin der Wirtschaft aufgeschwingen. Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff, die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 0.png ===51=== - 51 - in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei, dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not- wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh- renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab- strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld- stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis- mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein, wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben- sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur- rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen, verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon- | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 1.png ===52=== - 52 - struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld- preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh- rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh- rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be- stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic] zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander- erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech- nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge- arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der nominalen Einheit des Geldes. Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau- sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 2.png ===53=== - 53 - des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich- gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat, während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa- ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen. Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen- über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben- sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts- leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak- tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet, dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen. Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an, denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 3.png ===54=== - 54 - der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina- lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub- jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein- schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un- fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur- zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge- genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt- schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein- heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi- schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert- einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld- schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er- kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü- gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach, bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug- net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 4.png ===55=== - 55 - und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender Ausführung nach ganz deutlich werden. Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis- senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld- charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend, kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein- kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation, weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi- ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund- | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 5.png ===56=== - 56 -- lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt- schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis- tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes- tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande- re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung abgeschwächt hätte. So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge- rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt, sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze. Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 6.png ===57=== - 57 - dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In- flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke. Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren, wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich- keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un- ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach- ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde. Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft– ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe- sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die- se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor- | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 7.png ===58=== – 58 – dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge– lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal- listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist, Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent- zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die - sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver- hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit, dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge- legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz- preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 8.png ===59=== - 59 - als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung. So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me- tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund- sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten, haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un- terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson- derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht- tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben. Die W a r e n w e r t t h e o r i e des G e l d e s . Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten, das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis- ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be- zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper- lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s5 9.png ===60=== - 60 - Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei- dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun- gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi- schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre, der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel- de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_ mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub- jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla- mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold- wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird. Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts- theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen. Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach- ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro- duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 0.png ===61=== - 61 - auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz, sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer, die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs- aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan- titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös- se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel- person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku- lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen- de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 1.png ===63=== - 63 - metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen, wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han- delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek- tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen- dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass- funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze verwirklichen? Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal- ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau- sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 3.png ===64=== - 64 - Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes. Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus- tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch, dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge- bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein- heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen- schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes, sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch- mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an- deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson- derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg- bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser- maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 4.png ===65=== - 65 - im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter- nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren- währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel, die sog. Geldkernwährung. Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren- theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen. | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/III/wesenundinhaltderwerteinheit_s6 5.png