Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / II





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8   __D i e L e h r m e i n u n g e n__
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10   Der M e t a l l i s m u s .
11   Der N o m i n a l i s m u s .
12  
13        Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht
14   bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir
15   das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-
16   het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort
17   nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-
18   sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei-
19   hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-
20   de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für
21   den allein richtigen vertritt.
22        Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem
23   Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer
24   Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses
25   theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und
26   ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,
27   dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus
28   ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch
29   Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.
30        In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit
31   sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon
32   staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,
33   als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur
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43   bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"
44   wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen
45   Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-
46   kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung
47   ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach
48   sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das
49   Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen
50   im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-
51   liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.
52        Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der
53   natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens
54   doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden
55   Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte
56   Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-
57   tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr
58   den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu
59   überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf-
60   fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-
61   ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs-
62   mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall -
63   (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten
64   Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem
65   Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten
66   erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das
67   kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das
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77   Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher
78   zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-
79   mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine
80   Genüsse vermehrt werden."
81        Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des
82   Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz
83   des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-
84   mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel
85   gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol
86   eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die
87   Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie
88   gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das
89   Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht
90   mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet
91   und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er
92   in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,
93   als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.
94   Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum
95   vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen
96   ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und
97   den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen
98   Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu
99   erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten
100   in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur
101   Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp
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111   als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.
112        Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-
113   wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-
114   greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-
115   te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung
116   nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,
117   das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank
118   der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss
119   das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende
120   Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-
121   trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.
122        Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,
123   haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären
124   und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-
125   hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann
126   sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System
127   gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und
128   Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem
129   bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.
130   Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.
131   Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-
132   strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen
133   Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente
134   Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek-
135   tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes
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145   der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.
146   Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.
147        Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen
148   Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses
149   des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden
150   Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen
151   Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-
152   hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-
153   brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt
154   rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur
155   Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse
156   ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.
157        Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-
158   regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff
159   notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr
160   fragwürdigen Formel begriffen wissen:
161   " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B.
162   dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "
163   Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-
164   ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären
165    liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-
166   tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den
167   Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-
168   um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen
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178   Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für
179   jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches
180   Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch
181   immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens
182   und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro-
183   gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von
184   dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh,
185   das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar
186   nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde
187   denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not
188   und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert
189   oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren.
190        1797 beispielsweise wurde in England infolge seines
191   Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.
192   22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit
193   grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein
194   real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,
195   den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-
196   lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-
197   flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-
198   lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer
199   bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung
200   der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen
201   dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich
202   schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel
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212   sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an
213   einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-
214   dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von
215   volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit
216   gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das
217   muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-
218   sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den
219   Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen
220   Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage
221   der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur
222   angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen
223   anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-
224   de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-
225   fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei
226   und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind
227   ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen
228   Verkehr beleuchten und beeinflussen können.
229        In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob
230   wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung
231   der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der
232   die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-
233   fachende Moment begriffen wissen will.
234        Während also bei den Metallisten die Erklärung
235   der Banknoten auf
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245   die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der
246   Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer
247   reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch,
248   wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen
249   die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was
250   die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt
251   bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,
252   in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent-
253   lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder
254   Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-
255   ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-
256   mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie
257   Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine
258   Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-
259   tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei
260   auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-
261   körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen
262   und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-
263   scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.
264        Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,
265   die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die
266   Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den
267   Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren
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277   in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,
278   dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-
279   wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu
280   jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für
281   jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind
282   schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im
283   Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-
284   renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber
285   aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-
286   strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse
287   kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-
288   stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-
289   mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von
290   ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger
291   und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus
292   muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,
293   wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur
294   die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn
295   die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-
296   sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst
297   heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-
298   rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert
299   in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,
300   verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir
301   auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-
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311   struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff
312   ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss
313   aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-
314   preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-
315   rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten
316   Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall
317   innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-
318   rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs
319   hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-
320   stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]
321   zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der
322   Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass
323   das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-
324   erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-
325   nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die
326   Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der
327   nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-
328   arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware
329   aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender
330   als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der
331   nominalen Einheit des Geldes.
332        Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen
333   um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine
334   Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-
335   sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik
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345   des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-
346   gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der
347   Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem
348   Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit
349   die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder
350   Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,
351   während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-
352   ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich
353   infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.
354        Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die
355   Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-
356   über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-
357   sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-
358   leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-
359   tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn
360   wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus
361   allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,
362   dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.
363   Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,
364   denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren
365   zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie
366   die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese
367   alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches
368   aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser
369   selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung
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379   der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-
380   lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-
381   jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-
382   schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-
383   fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven
384   Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-
385   zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-
386   genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-
387   schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-
388   heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-
389   schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert-
390   einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her
391   eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen
392   und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld-
393   schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass
394   man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-
395   kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-
396   gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,
397   bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen
398   die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch
399   quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-
400   net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen
401   alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in
402   Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf
403   den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot
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413   und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der
414   eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber
415   auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem
416   Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit
417   in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender
418   Ausführung nach ganz deutlich werden.
419        Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während
420   des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem
421   System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen
422   doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis-
423   senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-
424   charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und
425   wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es
426   nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in
427   den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,
428   kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der
429   Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das
430   Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-
431   kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer
432   Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont
433   sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,
434   weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja
435   durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-
436   ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war
437   an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-
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447   lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-
448   schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande
449   gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so
450   hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit
451   auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall
452   desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-
453   tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-
454   tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem
455   Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-
456   re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung
457   der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen
458   des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung
459   abgeschwächt hätte.
460        So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge-
461   rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht
462   wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,
463   sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss
464   hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den
465   Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und
466   zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen
467   werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.
468   Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt
469   in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht
470   etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst
471    die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber
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481   dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis
482   so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-
483   flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht
484    nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.
485   Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren,
486   wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen
487   des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-
488   keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung
489   dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als
490   die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben
491   wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-
492   ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu
493   leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-
494   ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung
495   Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.
496   Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell
497   zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend
498   weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die
499   gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–
500   ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-
501   sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben
502   müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-
503   se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke
504   die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern
505   auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor-
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515   dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–
516   lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr
517   gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-
518   listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber
519   es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes
520   bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,
521   Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn
522   ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen
523   eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des
524   Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass
525   allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-
526   zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -
527   sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für
528   dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem
529   Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-
530   hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im
531   Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja
532   der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser
533   letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,
534    dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist
535   gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die
536   Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation
537   hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-
538   legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-
539   preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling
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549   als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.
550        So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-
551   tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-
552   sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,
553   haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-
554   terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-
555   derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-
556   tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme
557   nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen
558   ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.
559  
560            Die
561        W a r e n w e r t t h e o r i e
562            des
563          G e l d e s .
564  
565        Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,
566   das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene
567   Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben
568   wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige
569   ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis-
570   ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-
571   zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie
572   vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-
573   lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes
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583   Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in
584   dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-
585   dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-
586   gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-
587   schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,
588   der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die
589   theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-
590   de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_
591   mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen
592   will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem
593   Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch
594   die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich
595   von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-
596   jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-
597   mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit
598   freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-
599   wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von
600   der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite
601   aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird.
602   Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier
603   wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-
604   theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.
605        Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-
606   ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-
607   duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht
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617   auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und
618   durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf
619   nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des
620   Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz,
621   sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des
622   Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,
623   die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-
624   aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-
625   titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage
626   nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene
627   statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive
628   Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus
629   das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war
630   im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-
631   se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht
632   vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser
633   dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-
634   person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine
635   objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen
636   Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der
637   Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-
638   lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser
639   Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen-
640   de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher
641   Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante
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651   metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders
652   gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,
653   wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-
654   delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische
655   Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre
656   des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-
657   tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-
658   dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft
659   und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum
660   müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass-
661   funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die
662   Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des
663   Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich
664   dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie
665   aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze
666   verwirklichen?
667        Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom
668   Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-
669   ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-
670   sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem
671   Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer
672   bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen
673   Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die
674   allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit
675   und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des
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685   Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.
686        Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch
687   und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer
688   aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss
689   auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware
690   sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine
691   an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-
692   tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird
693   zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,
694   dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit
695   eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-
696   bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den
697   Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-
698   heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-
699   schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos
700   hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold
701   ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,
702   sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-
703   mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-
704   deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-
705   derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es
706   aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-
707   bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-
708   maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon
709   vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das
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719   im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-
720   nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-
721   währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen
722   Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des
723   Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,
724   die sog. Geldkernwährung.
725        Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen
726   die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen
727   Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-
728   theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache
729   gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen
730   unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die
731   folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.
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1002 267 ===27===
1003 268 #||
1004 269 ||
1005 270
1006   - 27 -
  271      - 27 -
1007 272
1008 273
1009 274
1035 300 |
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1037 302 ||
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  346      - 29 -
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1112 377 ||
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1150 415
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1187 452
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1189 454 ||
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  455 ||#
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1192 457 #||
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  460      - 32 -
1196 461
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1224 489
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1228 493 ===33===
1229 494 #||
1230 495 ||
1231 496
1232   - 33 -
  497      - 33 -
1233 498
1234 499 aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
1235 500 onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
1257 522
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1259 524 ||
1260   ||#
  525 ||#
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1261 527
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1266 532 #||
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1268 534
1269   - 35 -
  535      - 35 -
1270 536
1271 537      Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
1272 538 muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
1296 562
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1298 564 ||
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  565 ||#
1300 566 ===36===
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1303 569
1304   - 36 -
  570      - 36 -
1305 571
1306 572 Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
1307 573 dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
1331 597
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1333 599 ||
1334   ||#
  600 ||#
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1336 602 #||
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1338 604
1339   - 37 -
  605      - 37 -
1340 606
1341 607 äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
1342 608 und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
1367 633
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1369 635 ||
1370   ||#
  636 ||#
1371 637 ===38===
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1374 640
1375   - 38 -
  641      - 38 -
1376 642
1377 643 darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
1378 644 von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
1403 669
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1405 671 ||
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1410 676
1411   - 39 -
  677      - 39 -
1412 678
1413 679 Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
1414 680 zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
1438 704
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1440 706 ||
1441   ||#
  707 ||#
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1445 711
1446   - 40 -
  712      - 40 -
1447 713
1448 714 der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
1449 715 Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
1474 740
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1476 742 ||
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1480 746 ||
1481 747
1482   - 41 -
  748      - 41 -
1483 749
1484 750 kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
1485 751 sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
1510 776
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1512 778 ||
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1517 783
1518   - 42 -
  784      - 42 -
1519 785
1520 786 austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
1521 787 wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
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1533 799 ||
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1539   - 3 -  
1540    
1541    
1542    
1543   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
1544   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
1545    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
1546   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
1547   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
1548   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
1549   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
1550   erhoffen liessen.  
1551        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
1552   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
1553   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
1554   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
1555   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
1556   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
1557   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
1558   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
1559    
1560        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
1561   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
1562   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
1563   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
1564   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
1565   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
1566   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
1567   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
1568   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
1569   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
1570   |  
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1579    
1580    
1581    
1582   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
1583   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
1584   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
1585   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
1586   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
1587   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
1588   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
1589   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
1590   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
1591   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
1592   ten.  
1593    
1594        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
1595   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
1596   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
1597   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
1598   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
1599   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
1600   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
1601   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
1602   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
1603   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
1604   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
1605   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
1606   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
1607   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
1608   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
1609   |  
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1618    
1619    
1620    
1621   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
1622   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
1623   von Edelmetallen.  
1624        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
1625   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
1626   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
1627   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
1628   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
1629   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
1630   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
1631   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
1632   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
1633   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
1634   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
1635   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
1636   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
1637   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
1638   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
1639   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
1640   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
1641   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
1642   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
1643   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
1644   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
1645   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
1646   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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1658    
1659   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
1660   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
1661   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
1662   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
1663   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
1664   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
1665   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
1666   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
1667   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
1668   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
1669   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
1670   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
1671   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
1672   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
1673   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
1674   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
1675   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
1676   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
1677   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
1678   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
1679   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
1680   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
1681   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
1682   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
1683   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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1696   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
1697   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
1698   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
1699   stanz in sich birgt.  
1700        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
1701   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
1702   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
1703   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
1704   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
1705   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
1706   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
1707   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
1708   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
1709   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
1710   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
1711   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
1712   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
1713   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
1714   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
1715   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
1716   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
1717   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
1718   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
1719   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
1720   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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1733   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
1734        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
1735   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
1736   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
1737   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
1738   erhalten.  
1739        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
1740   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
1741   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
1742   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
1743   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
1744   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
1745   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
1746   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
1747   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
1748   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
1749        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
1750   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
1751   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
1752   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
1753   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
1754   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
1755   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
1756   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
1757   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
1758   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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1770    
1771   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
1772        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
1773   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
1774   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
1775   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
1776   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
1777   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
1778   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
1779   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
1780   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
1781   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
1782   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
1783   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
1784   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
1785   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
1786   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
1787   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
1788   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
1789   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
1790   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
1791   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
1792   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
1793   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
1794   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
1795   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
1796   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
1797   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
1798   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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1811   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
1812   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
1813   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
1814   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
1815   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
1816   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
1817   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
1818   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
1819   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
1820   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
1821   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
1822   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
1823   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
1824   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
1825   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
1826   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
1827        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
1828   lautete:  
1829   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
1830   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
1831   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
1832   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
1833   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
1834   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
1835   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
1836   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
1837   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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1850   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
1851   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
1852        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
1853   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
1854   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
1855   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
1856   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
1857   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
1858   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
1859   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
1860   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
1861   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
1862   mal des Geldes bedeutete.  
1863        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
1864   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
1865   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
1866   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
1867   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
1868   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
1869   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
1870   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
1871   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
1872   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
1873   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
1874   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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1887   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
1888   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
1889   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
1890   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
1891   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
1892   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
1893   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
1894   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
1895        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
1896   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
1897   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
1898   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
1899   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
1900   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
1901   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
1902   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
1903   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
1904   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
1905   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
1906   noch genügend zu lösen übrig.  
1907          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
1908   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
1909   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
1910   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
1911   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
1912   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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1925   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
1926   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
1927   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
1928   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
1929   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
1930   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
1931   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
1932   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
1933   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
1934   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
1935   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
1936     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
1937   Entwicklung zu skizzieren.  
1938       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
1939   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
1940   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
1941   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
1942   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
1943   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
1944   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
1945   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
1946   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
1947   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
1948   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
1949   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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1962   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
1963   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
1964   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
1965   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
1966   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
1967   sich üner den Stoff erhebt.  
1968        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
1969   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
1970   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
1971   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
1972   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
1973   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
1974   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
1975   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
1976   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
1977   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
1978   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
1979   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
1980   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
1981   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
1982   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
1983   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
1984   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
1985   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
1986   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
1987   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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2000   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
2001   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
2002   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
2003   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
2004   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
2005   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
2006   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
2007   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
2008   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
2009   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
2010   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
2011   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
2012   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
2013   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
2014   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
2015   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
2016   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
2017   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
2018   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
2019   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
2020   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
2021   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
2022   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
2023   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
2024   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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2037   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
2038   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
2039   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
2040   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
2041   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
2042   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
2043   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
2044   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
2045   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
2046   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
2047   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
2048   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
2049        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
2050   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
2051   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
2052   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
2053   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
2054   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
2055   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
2056   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
2057   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
2058   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
2059   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
2060   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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2073   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
2074   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
2075   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
2076   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
2077   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
2078   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
2079   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
2080   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
2081   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
2082   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
2083   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
2084   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
2085   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
2086   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
2087   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
2088   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
2089   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
2090        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
2091   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
2092   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
2093   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
2094   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
2095   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
2096   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
2097   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
2098   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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2111   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
2112   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
2113   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
2114   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
2115   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
2116   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
2117   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
2118   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
2119   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
2120   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
2121   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
2122   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
2123   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
2124   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
2125   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
2126   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
2127   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
2128   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
2129   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
2130   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
2131   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
2132   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
2133   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
2134   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
2135   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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2148   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
2149   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
2150   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
2151   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
2152   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
2153   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
2154   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
2155   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
2156   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
2157   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
2158   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
2159   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
2160   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
2161   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
2162   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
2163   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
2164   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
2165   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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2180    
2181    
2182    
2183        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
2184    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
2185    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
2186    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
2187   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
2188   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
2189   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
2190   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
2191   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
2192   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
2193   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
2194   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
2195   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
2196   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
2197   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
2198   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
2199   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
2200   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
2201   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
2202        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
2203   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
2204   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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2217        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
2218   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
2219   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
2220   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
2221   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
2222   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
2223   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
2224   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
2225   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
2226        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
2227   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
2228   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
2229   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
2230   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
2231   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
2232   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
2233   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
2234   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
2235   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
2236   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
2237   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
2238   setzend.  
2239        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
2240   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
2241   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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2254   __ D e r K r e i s l a u f d e r W i r t s c h a f t .__  
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2259        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
2260    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
2261    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
2262    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
2263   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
2264   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
2265   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
2266   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
2267   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
2268   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
2269   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
2270   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
2271   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
2272   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
2273   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
2274   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
2275   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
2276   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
2277   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
2278        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
2279   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
2280   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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2293   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
2294   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
2295   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
2296   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
2297   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
2298   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
2299   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
2300   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
2301   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
2302   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
2303   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
2304   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
2305   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
2306   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
2307   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
2308   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
2309   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
2310   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
2311   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
2312   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
2313   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
2314   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
2315   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
2316   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
2317   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
2318   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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2331   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
2332   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
2333   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
2334   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
2335   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
2336   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
2337   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
2338   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
2339   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
2340   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
2341   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
2342   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
2343   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
2344   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
2345   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
2346   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
2347   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
2348   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
2349   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
2350   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
2351   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
2352   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
2353   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
2354   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
2355   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
2356   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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2369   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
2370   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
2371   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
2372   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
2373   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
2374   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
2375   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
2376   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
2377   chen werden.  
2378        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
2379   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
2380   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
2381   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
2382   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
2383   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
2384   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
2385   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
2386   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
2387   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
2388        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
2389   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
2390   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
2391   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
2392   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
2393   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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2406   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
2407   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
2408   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
2409   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
2410   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
2411   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
2412   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
2413   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
2414   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
2415   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
2416   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
2417   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
2418   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
2419   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
2420   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
2421   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
2422    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
2423   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
2424   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
2425   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
2426        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
2427   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
2428        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
2429   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
2430   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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2443   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
2444   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
2445   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
2446    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
2447   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
2448   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
2449   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
2450   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
2451   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
2452   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
2453   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
2454   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
2455   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
2456   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
2457   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
2458   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
2459   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
2460   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
2461   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
2462   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
2463   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
2464   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
2465   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
2466   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
2467   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
2468   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
2469   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
2470   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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2483   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
2484   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
2485   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
2486   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
2487   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
2488   ersteren gelangt ist.""  
2489                    Soweit Schumpeter.  
2490        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
2491   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
2492   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
2493   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
2494   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
2495   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
2496   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
2497   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
2498   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
2499   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
2500   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
2501   dem Wesen nach eine Krise.  
2502        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
2503   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
2504   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
2505   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
2506   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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2519   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
2520   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
2521   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
2522   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
2523   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
2524   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
2525   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
2526   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
2527   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
2528   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
2529   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
2530    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
2531   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
2532   ders der Diskontopolitik.  
2533        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
2534   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
2535   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
2536   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
2537   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
2538   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
2539   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
2540   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
2541   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
2542   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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2556   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
2557   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
2558   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
2559   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
2560   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
2561   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
2562   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
2563   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
2564   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
2565    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
2566   ist das Einkommen der Nation.  
2567        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
2568   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
2569   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
2570   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
2571   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
2572   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
2573   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
2574   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
2575   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
2576   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
2577   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
2578   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
2579   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
2580   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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2594   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
2595   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
2596   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
2597   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
2598   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
2599   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
2600   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
2601   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
2602   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
2603   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
2604   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
2605        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
2606   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
2607   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
2608   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
2609   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
2610   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
2611   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
2612   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
2613   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
2614   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
2615   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
2616   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
2617   equilibrieren.  
2618        Wir können sagen:  
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2631        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
2632   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
2633   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
2634   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
2635   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
2636   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
2637   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
2638   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
2639   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
2640   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
2641   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
2642   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
2643   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
2644   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
2645   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
2646   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
2647   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
2648   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
2649   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
2650   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
2651   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
2652        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
2653   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
2654   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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2671   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
2672   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
2673   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
2674   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
2675   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
2676   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
2677   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
2678   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
2679   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
2680   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
2681   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
2682        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
2683   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
2684   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
2685   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
2686   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
2687   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
2688   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
2689   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
2690   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
2691   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
2692   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
2693   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
2694   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
2695   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
2696    
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2708   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
2709   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
2710   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
2711   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
2712   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
2713   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
2714   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
2715   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
2716   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
2717    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
2718   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
2719   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
2720   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
2721   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
2722   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
2723   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
2724   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
2725   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
2726   menhang zu konstatieren ist.  
2727        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
2728   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
2729   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
2730   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
2731   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
2732   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
2733    
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2743   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
2744   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
2745        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
2746   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
2747   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
2748    
2749   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
2750   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
2751   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
2752   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
2753   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
2754    
2755   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
2756   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
2757   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
2758   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
2759    
2760   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
2761   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
2762   machen können .  
2763    
2764   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
2765   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
2766    
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2780        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
2781   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
2782   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
2783   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
2784   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
2785   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
2786   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
2787   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
2788   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
2789   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
2790   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
2791   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
2792   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
2793   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
2794   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
2795   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
2796   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
2797   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
2798   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
2799   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
2800   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
2801   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
2802   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
2803   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
2804   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
2805    
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2815   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
2816   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
2817   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
2818   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
2819   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
2820   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
2821   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
2822   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
2823   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
2824   läufen ausgleichen.  
2825        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
2826   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
2827   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
2828   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
2829   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
2830   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
2831   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
2832   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
2833   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
2834   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
2835   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
2836   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
2837   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
2838   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
2839   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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2850   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
2851   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
2852   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
2853   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
2854   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
2855   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
2856   kalkulierten Preis.  
2857        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
2858   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
2859   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
2860   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
2861   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
2862   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
2863   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
2864   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
2865   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
2866   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
2867   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
2868   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
2869   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
2870   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
2871   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
2872   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
2873   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
2874   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
2875   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
2876    
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2886   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
2887   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
2888   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
2889   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
2890   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
2891   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
2892   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
2893   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
2894   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
2895   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
2896   fassung.  
2897        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
2898   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
2899   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
2900   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
2901   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
2902   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
2903   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
2904   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
2905   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
2906   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
2907   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
2908   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
2909   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
2910   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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2922   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
2923   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
2924   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
2925   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
2926   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
2927   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
2928   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
2929   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
2930   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
2931   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
2932   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
2933   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
2934   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
2935   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
2936   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
2937   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
2938   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
2939   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
2940   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
2941   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
2942   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
2943   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
2944        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
2945   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
2946   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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2957   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
2958   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
2959   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
2960        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
2961   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
2962   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
2963   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
2964   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
2965   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
2966   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
2967   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
2968   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
2969   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
2970   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
2971   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
2972   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
2973   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
2974   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
2975   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
2976   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
2977   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
2978   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
2979   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
2980      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
2981   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
2982   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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2993   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
2994   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
2995   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
2996   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
2997   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
2998   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
2999   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
3000   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
3001   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
3002   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
3003   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
3004   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
3005   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
3006   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
3007   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
3008   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
3009   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
3010   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
3011   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
3012   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
3013   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
3014   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
3015   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
3016   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
3017   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
3018   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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3029   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
3030   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
3031   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
3032   Bild.  
3033    
3034        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
3035   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
3036   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
3037   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
3038   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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3052   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
3053   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
3054    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
3055   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
3056   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
3057   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
3058   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
3059   erhoffen liessen.  
3060        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
3061   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
3062   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
3063   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
3064   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
3065   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
3066   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
3067   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
3068    
3069        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
3070   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
3071   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
3072   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
3073   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
3074   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
3075   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
3076   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
3077   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
3078   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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3091   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
3092   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
3093   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
3094   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
3095   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
3096   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
3097   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
3098   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
3099   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
3100   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
3101   ten.  
3102    
3103        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
3104   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
3105   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
3106   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
3107   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
3108   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
3109   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
3110   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
3111   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
3112   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
3113   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
3114   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
3115   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
3116   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
3117   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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3130   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
3131   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
3132   von Edelmetallen.  
3133        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
3134   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
3135   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
3136   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
3137   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
3138   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
3139   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
3140   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
3141   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
3142   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
3143   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
3144   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
3145   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
3146   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
3147   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
3148   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
3149   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
3150   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
3151   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
3152   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
3153   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
3154   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
3155   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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3168   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
3169   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
3170   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
3171   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
3172   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
3173   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
3174   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
3175   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
3176   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
3177   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
3178   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
3179   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
3180   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
3181   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
3182   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
3183   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
3184   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
3185   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
3186   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
3187   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
3188   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
3189   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
3190   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
3191   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
3192   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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3205   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
3206   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
3207   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
3208   stanz in sich birgt.  
3209        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
3210   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
3211   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
3212   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
3213   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
3214   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
3215   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
3216   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
3217   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
3218   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
3219   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
3220   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
3221   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
3222   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
3223   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
3224   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
3225   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
3226   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
3227   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
3228   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
3229   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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3242   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
3243        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
3244   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
3245   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
3246   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
3247   erhalten.  
3248        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
3249   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
3250   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
3251   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
3252   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
3253   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
3254   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
3255   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
3256   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
3257   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
3258        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
3259   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
3260   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
3261   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
3262   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
3263   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
3264   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
3265   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
3266   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
3267   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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3280   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
3281        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
3282   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
3283   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
3284   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
3285   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
3286   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
3287   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
3288   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
3289   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
3290   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
3291   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
3292   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
3293   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
3294   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
3295   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
3296   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
3297   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
3298   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
3299   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
3300   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
3301   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
3302   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
3303   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
3304   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
3305   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
3306   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
3307   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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3320   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
3321   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
3322   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
3323   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
3324   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
3325   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
3326   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
3327   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
3328   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
3329   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
3330   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
3331   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
3332   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
3333   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
3334   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
3335   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
3336        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
3337   lautete:  
3338   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
3339   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
3340   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
3341   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
3342   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
3343   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
3344   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
3345   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
3346   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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3359   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
3360   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
3361        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
3362   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
3363   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
3364   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
3365   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
3366   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
3367   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
3368   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
3369   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
3370   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
3371   mal des Geldes bedeutete.  
3372        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
3373   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
3374   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
3375   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
3376   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
3377   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
3378   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
3379   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
3380   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
3381   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
3382   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
3383   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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3396   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
3397   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
3398   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
3399   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
3400   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
3401   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
3402   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
3403   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
3404        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
3405   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
3406   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
3407   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
3408   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
3409   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
3410   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
3411   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
3412   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
3413   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
3414   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
3415   noch genügend zu lösen übrig.  
3416          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
3417   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
3418   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
3419   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
3420   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
3421   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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3434   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
3435   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
3436   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
3437   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
3438   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
3439   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
3440   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
3441   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
3442   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
3443   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
3444   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
3445     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
3446   Entwicklung zu skizzieren.  
3447       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
3448   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
3449   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
3450   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
3451   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
3452   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
3453   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
3454   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
3455   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
3456   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
3457   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
3458   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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3471   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
3472   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
3473   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
3474   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
3475   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
3476   sich üner den Stoff erhebt.  
3477        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
3478   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
3479   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
3480   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
3481   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
3482   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
3483   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
3484   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
3485   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
3486   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
3487   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
3488   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
3489   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
3490   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
3491   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
3492   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
3493   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
3494   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
3495   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
3496   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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3509   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
3510   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
3511   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
3512   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
3513   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
3514   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
3515   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
3516   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
3517   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
3518   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
3519   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
3520   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
3521   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
3522   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
3523   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
3524   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
3525   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
3526   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
3527   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
3528   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
3529   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
3530   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
3531   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
3532   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
3533   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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3546   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
3547   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
3548   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
3549   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
3550   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
3551   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
3552   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
3553   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
3554   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
3555   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
3556   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
3557   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
3558        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
3559   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
3560   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
3561   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
3562   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
3563   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
3564   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
3565   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
3566   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
3567   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
3568   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
3569   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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3582   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
3583   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
3584   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
3585   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
3586   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
3587   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
3588   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
3589   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
3590   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
3591   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
3592   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
3593   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
3594   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
3595   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
3596   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
3597   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
3598   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
3599        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
3600   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
3601   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
3602   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
3603   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
3604   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
3605   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
3606   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
3607   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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3620   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
3621   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
3622   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
3623   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
3624   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
3625   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
3626   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
3627   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
3628   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
3629   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
3630   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
3631   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
3632   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
3633   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
3634   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
3635   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
3636   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
3637   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
3638   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
3639   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
3640   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
3641   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
3642   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
3643   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
3644   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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3657   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
3658   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
3659   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
3660   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
3661   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
3662   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
3663   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
3664   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
3665   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
3666   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
3667   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
3668   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
3669   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
3670   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
3671   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
3672   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
3673   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
3674   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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3687   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
3688   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
3689   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
3690   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
3691   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
3692   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
3693   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
3694   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
3695   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
3696   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
3697   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
3698   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
3699   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
3700   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
3701   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
3702   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
3703   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
3704   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
3705   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
3706   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
3707   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
3708   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
3709   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
3710   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
3711   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
3712   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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3725   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
3726   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
3727   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
3728   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
3729   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
3730   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
3731   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
3732   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
3733   chen werden.  
3734        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
3735   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
3736   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
3737   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
3738   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
3739   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
3740   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
3741   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
3742   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
3743   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
3744        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
3745   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
3746   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
3747   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
3748   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
3749   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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3762   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
3763   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
3764   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
3765   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
3766   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
3767   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
3768   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
3769   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
3770   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
3771   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
3772   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
3773   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
3774   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
3775   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
3776   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
3777   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
3778    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
3779   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
3780   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
3781   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
3782        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
3783   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
3784        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
3785   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
3786   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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3799   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
3800   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
3801   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
3802    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
3803   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
3804   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
3805   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
3806   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
3807   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
3808   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
3809   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
3810   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
3811   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
3812   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
3813   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
3814   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
3815   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
3816   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
3817   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
3818   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
3819   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
3820   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
3821   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
3822   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
3823   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
3824   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
3825   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
3826   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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3839   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
3840   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
3841   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
3842   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
3843   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
3844   ersteren gelangt ist.""  
3845                    Soweit Schumpeter.  
3846        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
3847   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
3848   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
3849   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
3850   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
3851   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
3852   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
3853   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
3854   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
3855   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
3856   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
3857   dem Wesen nach eine Krise.  
3858        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
3859   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
3860   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
3861   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
3862   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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3875   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
3876   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
3877   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
3878   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
3879   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
3880   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
3881   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
3882   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
3883   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
3884   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
3885   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
3886    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
3887   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
3888   ders der Diskontopolitik.  
3889        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
3890   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
3891   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
3892   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
3893   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
3894   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
3895   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
3896   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
3897   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
3898   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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3912   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
3913   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
3914   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
3915   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
3916   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
3917   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
3918   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
3919   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
3920   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
3921    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
3922   ist das Einkommen der Nation.  
3923        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
3924   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
3925   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
3926   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
3927   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
3928   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
3929   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
3930   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
3931   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
3932   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
3933   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
3934   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
3935   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
3936   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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3950   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
3951   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
3952   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
3953   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
3954   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
3955   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
3956   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
3957   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
3958   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
3959   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
3960   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
3961        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
3962   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
3963   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
3964   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
3965   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
3966   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
3967   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
3968   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
3969   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
3970   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
3971   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
3972   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
3973   equilibrieren.  
3974        Wir können sagen:  
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3987        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
3988   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
3989   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
3990   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
3991   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
3992   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
3993   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
3994   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
3995   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
3996   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
3997   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
3998   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
3999   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
4000   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
4001   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
4002   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
4003   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
4004   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
4005   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
4006   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
4007   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
4008        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
4009   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
4010   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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4027   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
4028   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
4029   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
4030   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
4031   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
4032   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
4033   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
4034   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
4035   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
4036   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
4037   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
4038        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
4039   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
4040   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
4041   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
4042   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
4043   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
4044   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
4045   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
4046   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
4047   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
4048   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
4049   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
4050   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
4051   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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4064   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
4065   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
4066   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
4067   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
4068   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
4069   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
4070   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
4071   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
4072   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
4073    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
4074   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
4075   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
4076   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
4077   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
4078   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
4079   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
4080   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
4081   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
4082   menhang zu konstatieren ist.  
4083        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
4084   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
4085   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
4086   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
4087   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
4088   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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4099   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
4100   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
4101        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
4102   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
4103   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
4104    
4105   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
4106   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
4107   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
4108   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
4109   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
4110    
4111   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
4112   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
4113   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
4114   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
4115    
4116   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
4117   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
4118   machen können .  
4119    
4120   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
4121   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
4122    
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4135    
4136        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
4137   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
4138   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
4139   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
4140   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
4141   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
4142   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
4143   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
4144   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
4145   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
4146   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
4147   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
4148   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
4149   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
4150   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
4151   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
4152   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
4153   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
4154   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
4155   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
4156   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
4157   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
4158   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
4159   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
4160   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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4171   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
4172   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
4173   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
4174   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
4175   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
4176   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
4177   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
4178   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
4179   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
4180   läufen ausgleichen.  
4181        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
4182   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
4183   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
4184   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
4185   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
4186   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
4187   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
4188   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
4189   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
4190   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
4191   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
4192   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
4193   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
4194   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
4195   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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4205    
4206   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
4207   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
4208   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
4209   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
4210   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
4211   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
4212   kalkulierten Preis.  
4213        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
4214   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
4215   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
4216   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
4217   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
4218   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
4219   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
4220   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
4221   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
4222   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
4223   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
4224   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
4225   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
4226   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
4227   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
4228   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
4229   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
4230   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
4231   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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4241    
4242   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
4243   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
4244   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
4245   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
4246   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
4247   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
4248   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
4249   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
4250   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
4251   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
4252   fassung.  
4253        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
4254   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
4255   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
4256   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
4257   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
4258   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
4259   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
4260   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
4261   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
4262   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
4263   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
4264   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
4265   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
4266   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
4267    
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4278   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
4279   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
4280   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
4281   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
4282   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
4283   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
4284   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
4285   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
4286   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
4287   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
4288   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
4289   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
4290   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
4291   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
4292   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
4293   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
4294   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
4295   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
4296   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
4297   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
4298   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
4299   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
4300        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
4301   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
4302   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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4313   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
4314   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
4315   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
4316        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
4317   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
4318   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
4319   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
4320   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
4321   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
4322   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
4323   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
4324   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
4325   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
4326   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
4327   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
4328   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
4329   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
4330   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
4331   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
4332   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
4333   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
4334   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
4335   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
4336      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
4337   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
4338   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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4349   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
4350   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
4351   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
4352   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
4353   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
4354   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
4355   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
4356   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
4357   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
4358   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
4359   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
4360   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
4361   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
4362   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
4363   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
4364   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
4365   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
4366   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
4367   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
4368   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
4369   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
4370   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
4371   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
4372   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
4373   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
4374   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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4385   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
4386   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
4387   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
4388   Bild.  
4389    
4390        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
4391   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
4392   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
4393   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
4394   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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4408   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
4409   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
4410    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
4411   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
4412   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
4413   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
4414   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
4415   erhoffen liessen.  
4416        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
4417   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
4418   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
4419   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
4420   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
4421   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
4422   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
4423   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
4424    
4425        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
4426   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
4427   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
4428   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
4429   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
4430   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
4431   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
4432   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
4433   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
4434   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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4447   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
4448   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
4449   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
4450   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
4451   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
4452   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
4453   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
4454   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
4455   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
4456   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
4457   ten.  
4458    
4459        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
4460   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
4461   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
4462   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
4463   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
4464   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
4465   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
4466   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
4467   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
4468   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
4469   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
4470   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
4471   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
4472   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
4473   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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4486   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
4487   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
4488   von Edelmetallen.  
4489        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
4490   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
4491   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
4492   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
4493   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
4494   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
4495   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
4496   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
4497   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
4498   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
4499   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
4500   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
4501   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
4502   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
4503   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
4504   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
4505   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
4506   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
4507   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
4508   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
4509   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
4510   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
4511   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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4524   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
4525   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
4526   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
4527   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
4528   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
4529   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
4530   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
4531   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
4532   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
4533   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
4534   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
4535   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
4536   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
4537   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
4538   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
4539   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
4540   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
4541   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
4542   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
4543   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
4544   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
4545   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
4546   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
4547   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
4548   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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4561   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
4562   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
4563   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
4564   stanz in sich birgt.  
4565        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
4566   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
4567   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
4568   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
4569   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
4570   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
4571   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
4572   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
4573   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
4574   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
4575   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
4576   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
4577   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
4578   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
4579   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
4580   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
4581   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
4582   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
4583   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
4584   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
4585   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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4598   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
4599        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
4600   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
4601   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
4602   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
4603   erhalten.  
4604        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
4605   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
4606   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
4607   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
4608   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
4609   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
4610   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
4611   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
4612   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
4613   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
4614        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
4615   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
4616   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
4617   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
4618   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
4619   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
4620   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
4621   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
4622   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
4623   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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4636   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
4637        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
4638   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
4639   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
4640   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
4641   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
4642   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
4643   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
4644   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
4645   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
4646   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
4647   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
4648   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
4649   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
4650   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
4651   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
4652   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
4653   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
4654   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
4655   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
4656   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
4657   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
4658   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
4659   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
4660   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
4661   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
4662   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
4663   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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4676   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
4677   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
4678   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
4679   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
4680   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
4681   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
4682   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
4683   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
4684   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
4685   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
4686   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
4687   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
4688   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
4689   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
4690   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
4691   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
4692        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
4693   lautete:  
4694   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
4695   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
4696   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
4697   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
4698   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
4699   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
4700   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
4701   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
4702   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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4715   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
4716   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
4717        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
4718   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
4719   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
4720   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
4721   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
4722   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
4723   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
4724   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
4725   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
4726   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
4727   mal des Geldes bedeutete.  
4728        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
4729   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
4730   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
4731   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
4732   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
4733   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
4734   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
4735   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
4736   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
4737   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
4738   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
4739   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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4752   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
4753   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
4754   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
4755   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
4756   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
4757   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
4758   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
4759   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
4760        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
4761   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
4762   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
4763   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
4764   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
4765   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
4766   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
4767   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
4768   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
4769   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
4770   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
4771   noch genügend zu lösen übrig.  
4772          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
4773   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
4774   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
4775   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
4776   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
4777   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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4790   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
4791   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
4792   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
4793   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
4794   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
4795   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
4796   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
4797   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
4798   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
4799   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
4800   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
4801     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
4802   Entwicklung zu skizzieren.  
4803       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
4804   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
4805   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
4806   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
4807   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
4808   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
4809   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
4810   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
4811   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
4812   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
4813   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
4814   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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4827   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
4828   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
4829   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
4830   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
4831   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
4832   sich üner den Stoff erhebt.  
4833        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
4834   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
4835   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
4836   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
4837   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
4838   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
4839   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
4840   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
4841   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
4842   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
4843   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
4844   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
4845   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
4846   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
4847   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
4848   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
4849   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
4850   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
4851   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
4852   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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4865   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
4866   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
4867   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
4868   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
4869   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
4870   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
4871   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
4872   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
4873   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
4874   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
4875   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
4876   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
4877   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
4878   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
4879   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
4880   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
4881   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
4882   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
4883   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
4884   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
4885   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
4886   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
4887   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
4888   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
4889   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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4902   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
4903   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
4904   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
4905   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
4906   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
4907   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
4908   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
4909   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
4910   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
4911   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
4912   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
4913   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
4914        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
4915   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
4916   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
4917   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
4918   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
4919   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
4920   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
4921   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
4922   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
4923   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
4924   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
4925   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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4938   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
4939   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
4940   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
4941   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
4942   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
4943   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
4944   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
4945   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
4946   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
4947   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
4948   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
4949   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
4950   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
4951   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
4952   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
4953   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
4954   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
4955        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
4956   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
4957   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
4958   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
4959   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
4960   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
4961   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
4962   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
4963   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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4976   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
4977   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
4978   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
4979   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
4980   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
4981   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
4982   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
4983   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
4984   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
4985   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
4986   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
4987   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
4988   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
4989   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
4990   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
4991   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
4992   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
4993   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
4994   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
4995   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
4996   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
4997   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
4998   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
4999   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
5000   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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5013   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
5014   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
5015   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
5016   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
5017   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
5018   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
5019   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
5020   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
5021   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
5022   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
5023   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
5024   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
5025   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
5026   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
5027   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
5028   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
5029   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
5030   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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5048        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
5049    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
5050    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
5051    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
5052   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
5053   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
5054   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
5055   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
5056   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
5057   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
5058   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
5059   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
5060   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
5061   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
5062   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
5063   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
5064   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
5065   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
5066   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
5067        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
5068   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
5069   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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5074   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===  
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5082        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
5083   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
5084   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
5085   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
5086   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
5087   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
5088   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
5089   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
5090   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
5091        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
5092   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
5093   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
5094   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
5095   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
5096   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
5097   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
5098   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
5099   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
5100   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
5101   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
5102   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
5103   setzend.  
5104        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
5105   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
5106   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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5124        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
5125    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
5126    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
5127    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
5128   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
5129   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
5130   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
5131   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
5132   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
5133   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
5134   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
5135   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
5136   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
5137   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
5138   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
5139   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
5140   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
5141   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
5142   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
5143        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
5144   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
5145   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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5158   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
5159   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
5160   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
5161   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
5162   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
5163   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
5164   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
5165   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
5166   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
5167   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
5168   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
5169   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
5170   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
5171   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
5172   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
5173   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
5174   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
5175   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
5176   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
5177   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
5178   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
5179   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
5180   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
5181   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
5182   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
5183   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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5196   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
5197   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
5198   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
5199   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
5200   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
5201   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
5202   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
5203   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
5204   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
5205   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
5206   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
5207   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
5208   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
5209   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
5210   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
5211   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
5212   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
5213   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
5214   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
5215   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
5216   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
5217   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
5218   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
5219   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
5220   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
5221   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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5234   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
5235   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
5236   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
5237   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
5238   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
5239   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
5240   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
5241   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
5242   chen werden.  
5243        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
5244   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
5245   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
5246   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
5247   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
5248   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
5249   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
5250   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
5251   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
5252   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
5253        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
5254   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
5255   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
5256   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
5257   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
5258   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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5271   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
5272   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
5273   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
5274   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
5275   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
5276   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
5277   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
5278   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
5279   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
5280   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
5281   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
5282   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
5283   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
5284   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
5285   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
5286   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
5287    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
5288   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
5289   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
5290   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
5291        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
5292   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
5293        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
5294   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
5295   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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5308   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
5309   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
5310   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
5311    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
5312   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
5313   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
5314   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
5315   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
5316   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
5317   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
5318   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
5319   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
5320   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
5321   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
5322   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
5323   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
5324   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
5325   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
5326   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
5327   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
5328   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
5329   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
5330   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
5331   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
5332   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
5333   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
5334   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
5335   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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5348   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
5349   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
5350   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
5351   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
5352   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
5353   ersteren gelangt ist.""  
5354                    Soweit Schumpeter.  
5355        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
5356   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
5357   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
5358   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
5359   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
5360   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
5361   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
5362   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
5363   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
5364   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
5365   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
5366   dem Wesen nach eine Krise.  
5367        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
5368   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
5369   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
5370   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
5371   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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5384   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
5385   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
5386   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
5387   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
5388   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
5389   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
5390   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
5391   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
5392   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
5393   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
5394   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
5395    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
5396   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
5397   ders der Diskontopolitik.  
5398        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
5399   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
5400   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
5401   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
5402   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
5403   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
5404   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
5405   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
5406   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
5407   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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5421   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
5422   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
5423   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
5424   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
5425   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
5426   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
5427   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
5428   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
5429   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
5430    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
5431   ist das Einkommen der Nation.  
5432        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
5433   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
5434   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
5435   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
5436   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
5437   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
5438   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
5439   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
5440   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
5441   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
5442   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
5443   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
5444   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
5445   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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5459   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
5460   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
5461   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
5462   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
5463   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
5464   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
5465   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
5466   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
5467   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
5468   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
5469   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
5470        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
5471   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
5472   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
5473   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
5474   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
5475   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
5476   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
5477   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
5478   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
5479   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
5480   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
5481   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
5482   equilibrieren.  
5483        Wir können sagen:  
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5496        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
5497   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
5498   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
5499   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
5500   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
5501   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
5502   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
5503   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
5504   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
5505   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
5506   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
5507   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
5508   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
5509   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
5510   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
5511   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
5512   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
5513   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
5514   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
5515   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
5516   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
5517        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
5518   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
5519   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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5536   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
5537   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
5538   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
5539   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
5540   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
5541   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
5542   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
5543   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
5544   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
5545   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
5546   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
5547        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
5548   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
5549   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
5550   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
5551   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
5552   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
5553   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
5554   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
5555   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
5556   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
5557   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
5558   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
5559   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
5560   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
5561    
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5573   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
5574   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
5575   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
5576   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
5577   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
5578   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
5579   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
5580   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
5581   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
5582    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
5583   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
5584   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
5585   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
5586   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
5587   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
5588   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
5589   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
5590   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
5591   menhang zu konstatieren ist.  
5592        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
5593   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
5594   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
5595   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
5596   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
5597   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
5598    
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5608   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
5609   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
5610        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
5611   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
5612   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
5613    
5614   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
5615   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
5616   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
5617   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
5618   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
5619    
5620   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
5621   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
5622   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
5623   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
5624    
5625   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
5626   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
5627   machen können .  
5628    
5629   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
5630   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
5631    
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5645        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
5646   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
5647   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
5648   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
5649   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
5650   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
5651   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
5652   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
5653   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
5654   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
5655   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
5656   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
5657   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
5658   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
5659   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
5660   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
5661   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
5662   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
5663   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
5664   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
5665   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
5666   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
5667   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
5668   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
5669   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
5670    
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5680   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
5681   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
5682   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
5683   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
5684   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
5685   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
5686   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
5687   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
5688   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
5689   läufen ausgleichen.  
5690        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
5691   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
5692   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
5693   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
5694   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
5695   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
5696   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
5697   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
5698   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
5699   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
5700   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
5701   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
5702   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
5703   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
5704   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
5705    
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5715   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
5716   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
5717   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
5718   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
5719   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
5720   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
5721   kalkulierten Preis.  
5722        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
5723   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
5724   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
5725   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
5726   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
5727   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
5728   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
5729   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
5730   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
5731   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
5732   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
5733   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
5734   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
5735   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
5736   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
5737   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
5738   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
5739   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
5740   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
5741    
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5751   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
5752   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
5753   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
5754   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
5755   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
5756   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
5757   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
5758   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
5759   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
5760   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
5761   fassung.  
5762        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
5763   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
5764   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
5765   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
5766   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
5767   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
5768   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
5769   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
5770   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
5771   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
5772   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
5773   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
5774   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
5775   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
5776    
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5787   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
5788   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
5789   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
5790   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
5791   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
5792   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
5793   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
5794   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
5795   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
5796   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
5797   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
5798   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
5799   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
5800   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
5801   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
5802   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
5803   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
5804   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
5805   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
5806   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
5807   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
5808   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
5809        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
5810   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
5811   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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5822   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
5823   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
5824   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
5825        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
5826   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
5827   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
5828   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
5829   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
5830   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
5831   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
5832   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
5833   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
5834   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
5835   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
5836   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
5837   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
5838   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
5839   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
5840   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
5841   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
5842   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
5843   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
5844   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
5845      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
5846   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
5847   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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5858   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
5859   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
5860   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
5861   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
5862   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
5863   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
5864   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
5865   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
5866   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
5867   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
5868   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
5869   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
5870   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
5871   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
5872   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
5873   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
5874   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
5875   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
5876   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
5877   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
5878   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
5879   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
5880   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
5881   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
5882   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
5883   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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5893    
5894   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
5895   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
5896   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
5897   Bild.  
5898    
5899        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
5900   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
5901   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
5902   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
5903   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
5904    
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5917   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
5918   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
5919    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
5920   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
5921   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
5922   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
5923   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
5924   erhoffen liessen.  
5925        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
5926   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
5927   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
5928   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
5929   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
5930   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
5931   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
5932   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
5933    
5934        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
5935   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
5936   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
5937   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
5938   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
5939   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
5940   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
5941   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
5942   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
5943   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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5956   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
5957   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
5958   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
5959   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
5960   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
5961   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
5962   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
5963   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
5964   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
5965   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
5966   ten.  
5967    
5968        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
5969   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
5970   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
5971   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
5972   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
5973   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
5974   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
5975   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
5976   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
5977   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
5978   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
5979   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
5980   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
5981   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
5982   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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5995   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
5996   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
5997   von Edelmetallen.  
5998        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
5999   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
6000   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
6001   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
6002   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
6003   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
6004   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
6005   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
6006   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
6007   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
6008   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
6009   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
6010   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
6011   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
6012   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
6013   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
6014   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
6015   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
6016   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
6017   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
6018   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
6019   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
6020   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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6033   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
6034   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
6035   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
6036   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
6037   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
6038   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
6039   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
6040   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
6041   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
6042   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
6043   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
6044   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
6045   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
6046   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
6047   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
6048   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
6049   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
6050   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
6051   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
6052   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
6053   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
6054   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
6055   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
6056   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
6057   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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6070   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
6071   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
6072   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
6073   stanz in sich birgt.  
6074        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
6075   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
6076   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
6077   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
6078   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
6079   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
6080   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
6081   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
6082   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
6083   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
6084   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
6085   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
6086   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
6087   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
6088   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
6089   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
6090   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
6091   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
6092   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
6093   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
6094   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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6107   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
6108        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
6109   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
6110   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
6111   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
6112   erhalten.  
6113        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
6114   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
6115   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
6116   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
6117   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
6118   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
6119   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
6120   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
6121   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
6122   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
6123        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
6124   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
6125   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
6126   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
6127   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
6128   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
6129   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
6130   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
6131   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
6132   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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6145   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
6146        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
6147   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
6148   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
6149   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
6150   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
6151   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
6152   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
6153   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
6154   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
6155   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
6156   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
6157   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
6158   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
6159   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
6160   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
6161   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
6162   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
6163   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
6164   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
6165   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
6166   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
6167   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
6168   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
6169   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
6170   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
6171   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
6172   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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6185   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
6186   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
6187   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
6188   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
6189   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
6190   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
6191   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
6192   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
6193   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
6194   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
6195   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
6196   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
6197   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
6198   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
6199   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
6200   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
6201        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
6202   lautete:  
6203   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
6204   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
6205   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
6206   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
6207   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
6208   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
6209   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
6210   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
6211   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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6224   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
6225   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
6226        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
6227   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
6228   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
6229   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
6230   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
6231   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
6232   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
6233   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
6234   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
6235   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
6236   mal des Geldes bedeutete.  
6237        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
6238   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
6239   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
6240   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
6241   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
6242   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
6243   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
6244   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
6245   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
6246   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
6247   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
6248   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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6261   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
6262   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
6263   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
6264   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
6265   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
6266   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
6267   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
6268   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
6269        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
6270   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
6271   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
6272   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
6273   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
6274   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
6275   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
6276   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
6277   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
6278   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
6279   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
6280   noch genügend zu lösen übrig.  
6281          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
6282   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
6283   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
6284   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
6285   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
6286   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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6299   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
6300   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
6301   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
6302   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
6303   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
6304   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
6305   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
6306   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
6307   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
6308   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
6309   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
6310     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
6311   Entwicklung zu skizzieren.  
6312       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
6313   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
6314   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
6315   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
6316   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
6317   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
6318   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
6319   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
6320   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
6321   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
6322   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
6323   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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6336   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
6337   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
6338   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
6339   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
6340   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
6341   sich üner den Stoff erhebt.  
6342        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
6343   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
6344   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
6345   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
6346   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
6347   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
6348   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
6349   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
6350   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
6351   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
6352   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
6353   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
6354   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
6355   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
6356   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
6357   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
6358   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
6359   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
6360   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
6361   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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6374   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
6375   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
6376   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
6377   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
6378   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
6379   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
6380   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
6381   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
6382   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
6383   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
6384   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
6385   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
6386   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
6387   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
6388   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
6389   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
6390   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
6391   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
6392   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
6393   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
6394   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
6395   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
6396   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
6397   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
6398   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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6411   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
6412   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
6413   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
6414   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
6415   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
6416   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
6417   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
6418   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
6419   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
6420   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
6421   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
6422   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
6423        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
6424   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
6425   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
6426   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
6427   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
6428   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
6429   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
6430   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
6431   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
6432   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
6433   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
6434   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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6447   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
6448   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
6449   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
6450   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
6451   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
6452   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
6453   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
6454   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
6455   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
6456   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
6457   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
6458   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
6459   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
6460   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
6461   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
6462   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
6463   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
6464        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
6465   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
6466   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
6467   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
6468   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
6469   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
6470   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
6471   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
6472   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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6485   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
6486   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
6487   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
6488   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
6489   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
6490   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
6491   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
6492   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
6493   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
6494   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
6495   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
6496   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
6497   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
6498   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
6499   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
6500   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
6501   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
6502   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
6503   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
6504   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
6505   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
6506   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
6507   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
6508   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
6509   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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6522   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
6523   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
6524   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
6525   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
6526   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
6527   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
6528   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
6529   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
6530   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
6531   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
6532   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
6533   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
6534   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
6535   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
6536   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
6537   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
6538   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
6539   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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6552   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
6553   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
6554   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
6555   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
6556   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
6557   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
6558   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
6559   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
6560   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
6561   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
6562   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
6563   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
6564   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
6565   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
6566   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
6567   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
6568   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
6569   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
6570   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
6571   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
6572   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
6573   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
6574   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
6575   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
6576   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
6577   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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6590   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
6591   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
6592   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
6593   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
6594   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
6595   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
6596   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
6597   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
6598   chen werden.  
6599        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
6600   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
6601   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
6602   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
6603   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
6604   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
6605   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
6606   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
6607   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
6608   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
6609        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
6610   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
6611   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
6612   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
6613   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
6614   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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6627   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
6628   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
6629   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
6630   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
6631   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
6632   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
6633   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
6634   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
6635   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
6636   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
6637   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
6638   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
6639   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
6640   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
6641   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
6642   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
6643    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
6644   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
6645   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
6646   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
6647        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
6648   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
6649        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
6650   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
6651   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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6664   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
6665   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
6666   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
6667    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
6668   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
6669   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
6670   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
6671   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
6672   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
6673   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
6674   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
6675   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
6676   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
6677   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
6678   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
6679   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
6680   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
6681   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
6682   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
6683   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
6684   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
6685   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
6686   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
6687   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
6688   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
6689   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
6690   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
6691   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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6704   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
6705   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
6706   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
6707   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
6708   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
6709   ersteren gelangt ist.""  
6710                    Soweit Schumpeter.  
6711        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
6712   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
6713   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
6714   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
6715   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
6716   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
6717   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
6718   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
6719   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
6720   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
6721   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
6722   dem Wesen nach eine Krise.  
6723        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
6724   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
6725   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
6726   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
6727   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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6740   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
6741   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
6742   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
6743   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
6744   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
6745   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
6746   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
6747   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
6748   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
6749   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
6750   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
6751    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
6752   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
6753   ders der Diskontopolitik.  
6754        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
6755   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
6756   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
6757   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
6758   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
6759   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
6760   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
6761   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
6762   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
6763   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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6777   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
6778   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
6779   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
6780   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
6781   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
6782   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
6783   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
6784   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
6785   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
6786    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
6787   ist das Einkommen der Nation.  
6788        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
6789   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
6790   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
6791   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
6792   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
6793   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
6794   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
6795   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
6796   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
6797   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
6798   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
6799   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
6800   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
6801   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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6815   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
6816   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
6817   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
6818   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
6819   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
6820   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
6821   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
6822   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
6823   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
6824   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
6825   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
6826        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
6827   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
6828   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
6829   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
6830   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
6831   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
6832   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
6833   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
6834   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
6835   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
6836   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
6837   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
6838   equilibrieren.  
6839        Wir können sagen:  
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6852        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
6853   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
6854   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
6855   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
6856   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
6857   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
6858   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
6859   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
6860   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
6861   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
6862   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
6863   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
6864   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
6865   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
6866   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
6867   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
6868   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
6869   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
6870   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
6871   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
6872   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
6873        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
6874   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
6875   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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6892   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
6893   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
6894   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
6895   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
6896   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
6897   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
6898   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
6899   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
6900   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
6901   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
6902   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
6903        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
6904   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
6905   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
6906   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
6907   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
6908   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
6909   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
6910   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
6911   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
6912   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
6913   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
6914   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
6915   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
6916   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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6929   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
6930   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
6931   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
6932   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
6933   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
6934   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
6935   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
6936   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
6937   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
6938    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
6939   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
6940   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
6941   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
6942   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
6943   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
6944   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
6945   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
6946   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
6947   menhang zu konstatieren ist.  
6948        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
6949   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
6950   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
6951   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
6952   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
6953   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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6964   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
6965   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
6966        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
6967   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
6968   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
6969    
6970   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
6971   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
6972   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
6973   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
6974   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
6975    
6976   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
6977   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
6978   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
6979   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
6980    
6981   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
6982   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
6983   machen können .  
6984    
6985   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
6986   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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7000    
7001        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
7002   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
7003   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
7004   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
7005   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
7006   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
7007   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
7008   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
7009   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
7010   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
7011   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
7012   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
7013   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
7014   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
7015   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
7016   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
7017   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
7018   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
7019   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
7020   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
7021   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
7022   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
7023   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
7024   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
7025   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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7035    
7036   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
7037   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
7038   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
7039   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
7040   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
7041   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
7042   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
7043   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
7044   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
7045   läufen ausgleichen.  
7046        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
7047   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
7048   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
7049   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
7050   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
7051   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
7052   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
7053   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
7054   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
7055   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
7056   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
7057   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
7058   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
7059   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
7060   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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7070    
7071   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
7072   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
7073   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
7074   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
7075   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
7076   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
7077   kalkulierten Preis.  
7078        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
7079   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
7080   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
7081   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
7082   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
7083   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
7084   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
7085   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
7086   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
7087   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
7088   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
7089   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
7090   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
7091   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
7092   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
7093   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
7094   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
7095   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
7096   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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7106    
7107   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
7108   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
7109   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
7110   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
7111   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
7112   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
7113   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
7114   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
7115   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
7116   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
7117   fassung.  
7118        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
7119   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
7120   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
7121   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
7122   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
7123   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
7124   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
7125   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
7126   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
7127   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
7128   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
7129   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
7130   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
7131   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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7142    
7143   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
7144   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
7145   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
7146   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
7147   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
7148   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
7149   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
7150   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
7151   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
7152   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
7153   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
7154   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
7155   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
7156   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
7157   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
7158   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
7159   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
7160   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
7161   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
7162   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
7163   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
7164   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
7165        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
7166   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
7167   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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7178   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
7179   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
7180   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
7181        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
7182   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
7183   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
7184   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
7185   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
7186   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
7187   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
7188   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
7189   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
7190   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
7191   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
7192   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
7193   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
7194   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
7195   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
7196   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
7197   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
7198   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
7199   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
7200   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
7201      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
7202   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
7203   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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7214   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
7215   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
7216   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
7217   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
7218   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
7219   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
7220   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
7221   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
7222   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
7223   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
7224   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
7225   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
7226   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
7227   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
7228   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
7229   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
7230   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
7231   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
7232   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
7233   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
7234   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
7235   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
7236   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
7237   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
7238   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
7239   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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7250   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
7251   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
7252   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
7253   Bild.  
7254    
7255        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
7256   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
7257   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
7258   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
7259   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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7273   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
7274   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
7275    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
7276   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
7277   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
7278   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
7279   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
7280   erhoffen liessen.  
7281        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
7282   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
7283   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
7284   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
7285   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
7286   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
7287   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
7288   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
7289    
7290        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
7291   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
7292   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
7293   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
7294   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
7295   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
7296   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
7297   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
7298   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
7299   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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7312   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
7313   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
7314   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
7315   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
7316   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
7317   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
7318   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
7319   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
7320   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
7321   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
7322   ten.  
7323    
7324        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
7325   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
7326   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
7327   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
7328   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
7329   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
7330   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
7331   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
7332   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
7333   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
7334   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
7335   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
7336   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
7337   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
7338   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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7351   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
7352   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
7353   von Edelmetallen.  
7354        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
7355   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
7356   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
7357   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
7358   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
7359   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
7360   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
7361   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
7362   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
7363   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
7364   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
7365   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
7366   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
7367   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
7368   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
7369   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
7370   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
7371   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
7372   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
7373   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
7374   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
7375   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
7376   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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7389   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
7390   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
7391   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
7392   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
7393   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
7394   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
7395   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
7396   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
7397   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
7398   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
7399   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
7400   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
7401   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
7402   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
7403   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
7404   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
7405   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
7406   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
7407   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
7408   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
7409   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
7410   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
7411   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
7412   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
7413   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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7426   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
7427   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
7428   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
7429   stanz in sich birgt.  
7430        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
7431   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
7432   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
7433   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
7434   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
7435   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
7436   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
7437   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
7438   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
7439   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
7440   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
7441   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
7442   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
7443   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
7444   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
7445   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
7446   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
7447   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
7448   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
7449   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
7450   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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7463   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
7464        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
7465   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
7466   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
7467   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
7468   erhalten.  
7469        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
7470   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
7471   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
7472   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
7473   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
7474   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
7475   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
7476   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
7477   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
7478   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
7479        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
7480   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
7481   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
7482   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
7483   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
7484   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
7485   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
7486   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
7487   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
7488   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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7501   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
7502        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
7503   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
7504   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
7505   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
7506   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
7507   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
7508   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
7509   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
7510   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
7511   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
7512   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
7513   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
7514   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
7515   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
7516   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
7517   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
7518   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
7519   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
7520   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
7521   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
7522   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
7523   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
7524   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
7525   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
7526   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
7527   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
7528   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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7541   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
7542   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
7543   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
7544   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
7545   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
7546   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
7547   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
7548   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
7549   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
7550   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
7551   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
7552   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
7553   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
7554   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
7555   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
7556   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
7557        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
7558   lautete:  
7559   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
7560   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
7561   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
7562   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
7563   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
7564   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
7565   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
7566   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
7567   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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7580   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
7581   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
7582        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
7583   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
7584   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
7585   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
7586   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
7587   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
7588   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
7589   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
7590   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
7591   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
7592   mal des Geldes bedeutete.  
7593        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
7594   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
7595   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
7596   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
7597   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
7598   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
7599   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
7600   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
7601   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
7602   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
7603   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
7604   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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7617   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
7618   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
7619   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
7620   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
7621   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
7622   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
7623   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
7624   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
7625        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
7626   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
7627   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
7628   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
7629   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
7630   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
7631   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
7632   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
7633   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
7634   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
7635   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
7636   noch genügend zu lösen übrig.  
7637          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
7638   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
7639   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
7640   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
7641   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
7642   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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7655   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
7656   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
7657   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
7658   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
7659   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
7660   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
7661   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
7662   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
7663   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
7664   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
7665   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
7666     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
7667   Entwicklung zu skizzieren.  
7668       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
7669   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
7670   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
7671   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
7672   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
7673   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
7674   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
7675   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
7676   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
7677   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
7678   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
7679   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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7692   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
7693   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
7694   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
7695   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
7696   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
7697   sich üner den Stoff erhebt.  
7698        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
7699   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
7700   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
7701   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
7702   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
7703   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
7704   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
7705   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
7706   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
7707   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
7708   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
7709   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
7710   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
7711   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
7712   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
7713   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
7714   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
7715   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
7716   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
7717   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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7730   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
7731   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
7732   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
7733   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
7734   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
7735   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
7736   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
7737   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
7738   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
7739   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
7740   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
7741   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
7742   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
7743   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
7744   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
7745   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
7746   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
7747   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
7748   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
7749   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
7750   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
7751   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
7752   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
7753   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
7754   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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7767   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
7768   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
7769   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
7770   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
7771   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
7772   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
7773   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
7774   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
7775   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
7776   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
7777   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
7778   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
7779        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
7780   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
7781   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
7782   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
7783   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
7784   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
7785   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
7786   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
7787   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
7788   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
7789   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
7790   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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7803   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
7804   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
7805   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
7806   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
7807   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
7808   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
7809   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
7810   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
7811   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
7812   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
7813   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
7814   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
7815   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
7816   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
7817   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
7818   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
7819   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
7820        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
7821   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
7822   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
7823   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
7824   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
7825   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
7826   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
7827   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
7828   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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7841   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
7842   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
7843   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
7844   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
7845   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
7846   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
7847   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
7848   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
7849   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
7850   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
7851   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
7852   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
7853   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
7854   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
7855   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
7856   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
7857   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
7858   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
7859   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
7860   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
7861   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
7862   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
7863   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
7864   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
7865   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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7878   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
7879   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
7880   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
7881   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
7882   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
7883   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
7884   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
7885   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
7886   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
7887   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
7888   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
7889   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
7890   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
7891   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
7892   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
7893   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
7894   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
7895   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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7900   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===  
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7908        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
7909   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
7910   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
7911   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
7912   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
7913   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
7914   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
7915   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
7916   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
7917        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
7918   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
7919   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
7920   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
7921   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
7922   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
7923   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
7924   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
7925   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
7926   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
7927   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
7928   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
7929   setzend.  
7930        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
7931   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
7932   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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7936   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===  
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7950        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
7951    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
7952    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
7953    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
7954   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
7955   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
7956   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
7957   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
7958   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
7959   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
7960   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
7961   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
7962   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
7963   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
7964   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
7965   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
7966   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
7967   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
7968   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
7969        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
7970   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
7971   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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7984   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
7985   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
7986   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
7987   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
7988   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
7989   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
7990   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
7991   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
7992   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
7993   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
7994   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
7995   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
7996   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
7997   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
7998   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
7999   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
8000   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
8001   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
8002   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
8003   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
8004   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
8005   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
8006   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
8007   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
8008   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
8009   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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8022   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
8023   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
8024   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
8025   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
8026   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
8027   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
8028   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
8029   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
8030   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
8031   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
8032   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
8033   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
8034   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
8035   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
8036   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
8037   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
8038   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
8039   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
8040   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
8041   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
8042   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
8043   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
8044   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
8045   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
8046   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
8047   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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8060   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
8061   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
8062   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
8063   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
8064   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
8065   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
8066   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
8067   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
8068   chen werden.  
8069        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
8070   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
8071   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
8072   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
8073   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
8074   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
8075   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
8076   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
8077   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
8078   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
8079        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
8080   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
8081   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
8082   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
8083   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
8084   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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8097   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
8098   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
8099   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
8100   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
8101   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
8102   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
8103   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
8104   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
8105   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
8106   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
8107   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
8108   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
8109   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
8110   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
8111   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
8112   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
8113    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
8114   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
8115   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
8116   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
8117        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
8118   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
8119        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
8120   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
8121   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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8134   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
8135   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
8136   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
8137    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
8138   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
8139   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
8140   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
8141   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
8142   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
8143   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
8144   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
8145   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
8146   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
8147   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
8148   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
8149   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
8150   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
8151   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
8152   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
8153   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
8154   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
8155   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
8156   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
8157   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
8158   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
8159   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
8160   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
8161   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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8174   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
8175   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
8176   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
8177   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
8178   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
8179   ersteren gelangt ist.""  
8180                    Soweit Schumpeter.  
8181        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
8182   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
8183   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
8184   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
8185   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
8186   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
8187   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
8188   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
8189   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
8190   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
8191   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
8192   dem Wesen nach eine Krise.  
8193        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
8194   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
8195   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
8196   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
8197   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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8210   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
8211   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
8212   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
8213   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
8214   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
8215   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
8216   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
8217   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
8218   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
8219   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
8220   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
8221    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
8222   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
8223   ders der Diskontopolitik.  
8224        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
8225   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
8226   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
8227   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
8228   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
8229   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
8230   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
8231   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
8232   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
8233   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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8247   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
8248   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
8249   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
8250   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
8251   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
8252   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
8253   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
8254   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
8255   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
8256    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
8257   ist das Einkommen der Nation.  
8258        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
8259   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
8260   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
8261   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
8262   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
8263   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
8264   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
8265   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
8266   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
8267   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
8268   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
8269   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
8270   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
8271   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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8285   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
8286   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
8287   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
8288   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
8289   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
8290   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
8291   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
8292   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
8293   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
8294   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
8295   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
8296        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
8297   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
8298   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
8299   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
8300   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
8301   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
8302   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
8303   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
8304   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
8305   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
8306   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
8307   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
8308   equilibrieren.  
8309        Wir können sagen:  
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8322        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
8323   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
8324   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
8325   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
8326   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
8327   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
8328   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
8329   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
8330   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
8331   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
8332   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
8333   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
8334   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
8335   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
8336   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
8337   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
8338   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
8339   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
8340   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
8341   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
8342   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
8343        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
8344   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
8345   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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8362   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
8363   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
8364   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
8365   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
8366   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
8367   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
8368   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
8369   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
8370   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
8371   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
8372   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
8373        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
8374   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
8375   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
8376   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
8377   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
8378   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
8379   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
8380   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
8381   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
8382   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
8383   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
8384   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
8385   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
8386   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
8387    
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8399   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
8400   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
8401   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
8402   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
8403   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
8404   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
8405   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
8406   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
8407   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
8408    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
8409   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
8410   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
8411   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
8412   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
8413   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
8414   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
8415   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
8416   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
8417   menhang zu konstatieren ist.  
8418        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
8419   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
8420   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
8421   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
8422   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
8423   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
8424    
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8434   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
8435   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
8436        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
8437   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
8438   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
8439    
8440   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
8441   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
8442   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
8443   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
8444   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
8445    
8446   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
8447   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
8448   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
8449   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
8450    
8451   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
8452   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
8453   machen können .  
8454    
8455   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
8456   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
8457    
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8470    
8471        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
8472   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
8473   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
8474   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
8475   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
8476   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
8477   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
8478   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
8479   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
8480   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
8481   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
8482   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
8483   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
8484   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
8485   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
8486   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
8487   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
8488   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
8489   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
8490   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
8491   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
8492   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
8493   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
8494   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
8495   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
8496    
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8506   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
8507   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
8508   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
8509   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
8510   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
8511   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
8512   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
8513   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
8514   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
8515   läufen ausgleichen.  
8516        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
8517   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
8518   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
8519   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
8520   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
8521   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
8522   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
8523   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
8524   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
8525   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
8526   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
8527   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
8528   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
8529   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
8530   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
8531    
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8540    
8541   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
8542   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
8543   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
8544   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
8545   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
8546   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
8547   kalkulierten Preis.  
8548        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
8549   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
8550   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
8551   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
8552   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
8553   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
8554   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
8555   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
8556   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
8557   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
8558   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
8559   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
8560   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
8561   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
8562   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
8563   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
8564   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
8565   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
8566   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
8567    
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8577   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
8578   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
8579   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
8580   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
8581   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
8582   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
8583   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
8584   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
8585   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
8586   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
8587   fassung.  
8588        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
8589   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
8590   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
8591   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
8592   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
8593   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
8594   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
8595   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
8596   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
8597   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
8598   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
8599   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
8600   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
8601   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
8602    
8603    
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8613   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
8614   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
8615   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
8616   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
8617   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
8618   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
8619   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
8620   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
8621   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
8622   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
8623   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
8624   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
8625   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
8626   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
8627   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
8628   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
8629   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
8630   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
8631   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
8632   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
8633   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
8634   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
8635        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
8636   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
8637   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
8638    
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8648   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
8649   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
8650   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
8651        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
8652   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
8653   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
8654   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
8655   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
8656   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
8657   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
8658   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
8659   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
8660   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
8661   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
8662   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
8663   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
8664   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
8665   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
8666   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
8667   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
8668   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
8669   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
8670   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
8671      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
8672   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
8673   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
8674    
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8684   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
8685   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
8686   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
8687   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
8688   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
8689   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
8690   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
8691   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
8692   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
8693   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
8694   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
8695   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
8696   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
8697   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
8698   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
8699   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
8700   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
8701   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
8702   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
8703   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
8704   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
8705   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
8706   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
8707   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
8708   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
8709   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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8720   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
8721   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
8722   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
8723   Bild.  
8724    
8725        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
8726   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
8727   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
8728   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
8729   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
8730    
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8742    
8743   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
8744   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
8745    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
8746   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
8747   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
8748   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
8749   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
8750   erhoffen liessen.  
8751        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
8752   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
8753   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
8754   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
8755   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
8756   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
8757   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
8758   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
8759    
8760        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
8761   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
8762   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
8763   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
8764   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
8765   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
8766   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
8767   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
8768   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
8769   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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8782   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
8783   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
8784   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
8785   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
8786   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
8787   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
8788   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
8789   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
8790   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
8791   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
8792   ten.  
8793    
8794        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
8795   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
8796   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
8797   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
8798   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
8799   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
8800   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
8801   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
8802   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
8803   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
8804   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
8805   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
8806   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
8807   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
8808   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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8821   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
8822   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
8823   von Edelmetallen.  
8824        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
8825   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
8826   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
8827   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
8828   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
8829   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
8830   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
8831   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
8832   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
8833   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
8834   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
8835   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
8836   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
8837   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
8838   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
8839   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
8840   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
8841   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
8842   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
8843   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
8844   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
8845   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
8846   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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8859   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
8860   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
8861   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
8862   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
8863   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
8864   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
8865   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
8866   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
8867   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
8868   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
8869   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
8870   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
8871   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
8872   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
8873   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
8874   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
8875   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
8876   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
8877   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
8878   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
8879   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
8880   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
8881   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
8882   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
8883   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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8896   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
8897   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
8898   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
8899   stanz in sich birgt.  
8900        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
8901   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
8902   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
8903   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
8904   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
8905   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
8906   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
8907   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
8908   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
8909   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
8910   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
8911   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
8912   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
8913   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
8914   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
8915   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
8916   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
8917   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
8918   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
8919   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
8920   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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8933   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
8934        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
8935   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
8936   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
8937   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
8938   erhalten.  
8939        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
8940   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
8941   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
8942   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
8943   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
8944   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
8945   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
8946   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
8947   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
8948   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
8949        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
8950   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
8951   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
8952   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
8953   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
8954   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
8955   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
8956   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
8957   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
8958   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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8971   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
8972        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
8973   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
8974   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
8975   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
8976   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
8977   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
8978   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
8979   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
8980   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
8981   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
8982   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
8983   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
8984   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
8985   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
8986   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
8987   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
8988   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
8989   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
8990   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
8991   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
8992   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
8993   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
8994   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
8995   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
8996   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
8997   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
8998   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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9011   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
9012   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
9013   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
9014   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
9015   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
9016   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
9017   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
9018   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
9019   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
9020   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
9021   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
9022   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
9023   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
9024   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
9025   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
9026   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
9027        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
9028   lautete:  
9029   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
9030   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
9031   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
9032   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
9033   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
9034   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
9035   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
9036   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
9037   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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9050   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
9051   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
9052        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
9053   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
9054   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
9055   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
9056   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
9057   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
9058   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
9059   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
9060   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
9061   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
9062   mal des Geldes bedeutete.  
9063        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
9064   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
9065   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
9066   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
9067   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
9068   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
9069   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
9070   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
9071   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
9072   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
9073   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
9074   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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9087   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
9088   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
9089   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
9090   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
9091   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
9092   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
9093   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
9094   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
9095        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
9096   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
9097   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
9098   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
9099   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
9100   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
9101   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
9102   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
9103   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
9104   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
9105   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
9106   noch genügend zu lösen übrig.  
9107          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
9108   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
9109   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
9110   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
9111   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
9112   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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9125   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
9126   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
9127   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
9128   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
9129   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
9130   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
9131   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
9132   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
9133   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
9134   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
9135   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
9136     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
9137   Entwicklung zu skizzieren.  
9138       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
9139   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
9140   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
9141   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
9142   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
9143   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
9144   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
9145   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
9146   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
9147   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
9148   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
9149   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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9162   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
9163   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
9164   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
9165   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
9166   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
9167   sich üner den Stoff erhebt.  
9168        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
9169   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
9170   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
9171   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
9172   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
9173   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
9174   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
9175   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
9176   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
9177   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
9178   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
9179   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
9180   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
9181   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
9182   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
9183   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
9184   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
9185   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
9186   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
9187   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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9200   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
9201   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
9202   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
9203   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
9204   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
9205   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
9206   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
9207   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
9208   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
9209   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
9210   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
9211   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
9212   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
9213   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
9214   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
9215   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
9216   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
9217   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
9218   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
9219   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
9220   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
9221   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
9222   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
9223   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
9224   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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9237   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
9238   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
9239   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
9240   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
9241   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
9242   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
9243   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
9244   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
9245   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
9246   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
9247   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
9248   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
9249        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
9250   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
9251   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
9252   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
9253   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
9254   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
9255   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
9256   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
9257   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
9258   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
9259   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
9260   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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9273   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
9274   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
9275   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
9276   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
9277   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
9278   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
9279   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
9280   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
9281   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
9282   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
9283   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
9284   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
9285   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
9286   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
9287   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
9288   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
9289   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
9290        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
9291   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
9292   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
9293   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
9294   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
9295   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
9296   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
9297   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
9298   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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9311   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
9312   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
9313   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
9314   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
9315   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
9316   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
9317   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
9318   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
9319   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
9320   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
9321   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
9322   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
9323   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
9324   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
9325   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
9326   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
9327   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
9328   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
9329   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
9330   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
9331   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
9332   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
9333   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
9334   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
9335   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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9348   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
9349   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
9350   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
9351   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
9352   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
9353   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
9354   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
9355   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
9356   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
9357   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
9358   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
9359   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
9360   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
9361   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
9362   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
9363   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
9364   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
9365   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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9378   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
9379   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
9380   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
9381   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
9382   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
9383   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
9384   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
9385   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
9386   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
9387   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
9388   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
9389   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
9390   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
9391   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
9392   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
9393   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
9394   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
9395   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
9396   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
9397   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
9398   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
9399   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
9400   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
9401   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
9402   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
9403   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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9416   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
9417   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
9418   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
9419   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
9420   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
9421   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
9422   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
9423   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
9424   chen werden.  
9425        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
9426   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
9427   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
9428   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
9429   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
9430   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
9431   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
9432   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
9433   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
9434   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
9435        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
9436   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
9437   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
9438   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
9439   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
9440   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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9453   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
9454   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
9455   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
9456   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
9457   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
9458   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
9459   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
9460   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
9461   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
9462   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
9463   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
9464   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
9465   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
9466   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
9467   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
9468   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
9469    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
9470   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
9471   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
9472   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
9473        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
9474   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
9475        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
9476   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
9477   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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9490   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
9491   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
9492   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
9493    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
9494   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
9495   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
9496   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
9497   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
9498   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
9499   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
9500   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
9501   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
9502   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
9503   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
9504   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
9505   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
9506   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
9507   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
9508   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
9509   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
9510   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
9511   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
9512   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
9513   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
9514   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
9515   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
9516   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
9517   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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9530   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
9531   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
9532   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
9533   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
9534   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
9535   ersteren gelangt ist.""  
9536                    Soweit Schumpeter.  
9537        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
9538   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
9539   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
9540   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
9541   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
9542   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
9543   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
9544   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
9545   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
9546   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
9547   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
9548   dem Wesen nach eine Krise.  
9549        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
9550   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
9551   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
9552   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
9553   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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9566   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
9567   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
9568   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
9569   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
9570   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
9571   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
9572   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
9573   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
9574   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
9575   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
9576   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
9577    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
9578   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
9579   ders der Diskontopolitik.  
9580        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
9581   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
9582   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
9583   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
9584   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
9585   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
9586   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
9587   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
9588   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
9589   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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9603   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
9604   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
9605   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
9606   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
9607   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
9608   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
9609   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
9610   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
9611   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
9612    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
9613   ist das Einkommen der Nation.  
9614        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
9615   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
9616   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
9617   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
9618   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
9619   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
9620   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
9621   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
9622   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
9623   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
9624   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
9625   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
9626   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
9627   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
9628    
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9641   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
9642   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
9643   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
9644   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
9645   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
9646   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
9647   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
9648   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
9649   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
9650   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
9651   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
9652        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
9653   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
9654   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
9655   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
9656   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
9657   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
9658   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
9659   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
9660   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
9661   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
9662   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
9663   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
9664   equilibrieren.  
9665        Wir können sagen:  
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9678        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
9679   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
9680   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
9681   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
9682   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
9683   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
9684   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
9685   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
9686   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
9687   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
9688   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
9689   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
9690   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
9691   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
9692   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
9693   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
9694   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
9695   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
9696   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
9697   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
9698   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
9699        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
9700   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
9701   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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9718   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
9719   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
9720   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
9721   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
9722   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
9723   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
9724   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
9725   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
9726   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
9727   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
9728   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
9729        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
9730   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
9731   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
9732   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
9733   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
9734   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
9735   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
9736   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
9737   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
9738   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
9739   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
9740   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
9741   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
9742   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
9743    
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9755   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
9756   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
9757   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
9758   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
9759   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
9760   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
9761   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
9762   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
9763   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
9764    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
9765   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
9766   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
9767   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
9768   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
9769   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
9770   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
9771   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
9772   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
9773   menhang zu konstatieren ist.  
9774        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
9775   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
9776   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
9777   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
9778   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
9779   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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9790   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
9791   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
9792        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
9793   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
9794   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
9795    
9796   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
9797   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
9798   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
9799   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
9800   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
9801    
9802   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
9803   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
9804   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
9805   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
9806    
9807   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
9808   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
9809   machen können .  
9810    
9811   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
9812   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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9826    
9827        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
9828   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
9829   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
9830   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
9831   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
9832   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
9833   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
9834   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
9835   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
9836   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
9837   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
9838   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
9839   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
9840   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
9841   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
9842   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
9843   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
9844   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
9845   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
9846   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
9847   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
9848   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
9849   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
9850   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
9851   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
9852    
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9862   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
9863   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
9864   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
9865   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
9866   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
9867   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
9868   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
9869   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
9870   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
9871   läufen ausgleichen.  
9872        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
9873   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
9874   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
9875   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
9876   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
9877   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
9878   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
9879   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
9880   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
9881   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
9882   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
9883   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
9884   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
9885   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
9886   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
9887    
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9897   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
9898   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
9899   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
9900   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
9901   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
9902   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
9903   kalkulierten Preis.  
9904        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
9905   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
9906   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
9907   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
9908   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
9909   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
9910   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
9911   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
9912   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
9913   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
9914   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
9915   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
9916   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
9917   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
9918   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
9919   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
9920   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
9921   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
9922   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
9923    
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9933   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
9934   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
9935   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
9936   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
9937   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
9938   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
9939   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
9940   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
9941   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
9942   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
9943   fassung.  
9944        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
9945   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
9946   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
9947   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
9948   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
9949   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
9950   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
9951   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
9952   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
9953   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
9954   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
9955   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
9956   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
9957   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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9969   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
9970   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
9971   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
9972   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
9973   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
9974   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
9975   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
9976   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
9977   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
9978   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
9979   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
9980   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
9981   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
9982   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
9983   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
9984   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
9985   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
9986   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
9987   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
9988   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
9989   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
9990   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
9991        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
9992   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
9993   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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10003    
10004   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
10005   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
10006   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
10007        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
10008   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
10009   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
10010   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
10011   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
10012   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
10013   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
10014   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
10015   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
10016   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
10017   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
10018   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
10019   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
10020   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
10021   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
10022   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
10023   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
10024   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
10025   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
10026   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
10027      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
10028   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
10029   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
10030    
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10039    
10040   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
10041   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
10042   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
10043   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
10044   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
10045   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
10046   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
10047   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
10048   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
10049   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
10050   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
10051   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
10052   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
10053   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
10054   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
10055   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
10056   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
10057   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
10058   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
10059   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
10060   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
10061   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
10062   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
10063   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
10064   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
10065   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
10066    
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10076   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
10077   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
10078   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
10079   Bild.  
10080    
10081        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
10082   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
10083   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
10084   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
10085   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
10086    
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10099   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
10100   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
10101    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
10102   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
10103   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
10104   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
10105   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
10106   erhoffen liessen.  
10107        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
10108   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
10109   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
10110   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
10111   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
10112   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
10113   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
10114   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
10115    
10116        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
10117   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
10118   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
10119   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
10120   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
10121   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
10122   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
10123   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
10124   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
10125   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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10138   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
10139   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
10140   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
10141   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
10142   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
10143   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
10144   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
10145   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
10146   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
10147   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
10148   ten.  
10149    
10150        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
10151   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
10152   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
10153   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
10154   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
10155   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
10156   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
10157   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
10158   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
10159   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
10160   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
10161   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
10162   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
10163   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
10164   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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10177   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
10178   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
10179   von Edelmetallen.  
10180        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
10181   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
10182   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
10183   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
10184   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
10185   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
10186   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
10187   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
10188   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
10189   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
10190   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
10191   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
10192   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
10193   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
10194   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
10195   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
10196   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
10197   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
10198   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
10199   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
10200   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
10201   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
10202   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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10215   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
10216   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
10217   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
10218   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
10219   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
10220   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
10221   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
10222   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
10223   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
10224   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
10225   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
10226   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
10227   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
10228   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
10229   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
10230   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
10231   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
10232   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
10233   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
10234   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
10235   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
10236   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
10237   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
10238   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
10239   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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10252   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
10253   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
10254   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
10255   stanz in sich birgt.  
10256        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
10257   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
10258   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
10259   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
10260   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
10261   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
10262   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
10263   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
10264   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
10265   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
10266   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
10267   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
10268   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
10269   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
10270   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
10271   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
10272   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
10273   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
10274   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
10275   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
10276   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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10289   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
10290        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
10291   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
10292   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
10293   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
10294   erhalten.  
10295        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
10296   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
10297   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
10298   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
10299   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
10300   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
10301   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
10302   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
10303   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
10304   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
10305        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
10306   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
10307   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
10308   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
10309   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
10310   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
10311   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
10312   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
10313   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
10314   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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10327   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
10328        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
10329   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
10330   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
10331   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
10332   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
10333   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
10334   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
10335   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
10336   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
10337   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
10338   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
10339   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
10340   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
10341   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
10342   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
10343   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
10344   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
10345   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
10346   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
10347   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
10348   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
10349   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
10350   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
10351   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
10352   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
10353   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
10354   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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10367   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
10368   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
10369   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
10370   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
10371   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
10372   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
10373   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
10374   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
10375   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
10376   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
10377   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
10378   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
10379   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
10380   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
10381   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
10382   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
10383        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
10384   lautete:  
10385   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
10386   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
10387   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
10388   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
10389   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
10390   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
10391   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
10392   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
10393   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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10406   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
10407   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
10408        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
10409   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
10410   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
10411   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
10412   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
10413   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
10414   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
10415   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
10416   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
10417   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
10418   mal des Geldes bedeutete.  
10419        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
10420   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
10421   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
10422   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
10423   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
10424   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
10425   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
10426   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
10427   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
10428   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
10429   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
10430   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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10443   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
10444   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
10445   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
10446   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
10447   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
10448   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
10449   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
10450   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
10451        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
10452   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
10453   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
10454   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
10455   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
10456   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
10457   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
10458   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
10459   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
10460   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
10461   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
10462   noch genügend zu lösen übrig.  
10463          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
10464   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
10465   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
10466   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
10467   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
10468   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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10481   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
10482   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
10483   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
10484   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
10485   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
10486   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
10487   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
10488   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
10489   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
10490   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
10491   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
10492     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
10493   Entwicklung zu skizzieren.  
10494       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
10495   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
10496   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
10497   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
10498   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
10499   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
10500   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
10501   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
10502   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
10503   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
10504   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
10505   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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10518   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
10519   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
10520   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
10521   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
10522   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
10523   sich üner den Stoff erhebt.  
10524        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
10525   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
10526   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
10527   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
10528   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
10529   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
10530   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
10531   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
10532   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
10533   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
10534   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
10535   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
10536   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
10537   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
10538   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
10539   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
10540   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
10541   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
10542   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
10543   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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10556   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
10557   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
10558   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
10559   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
10560   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
10561   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
10562   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
10563   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
10564   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
10565   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
10566   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
10567   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
10568   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
10569   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
10570   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
10571   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
10572   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
10573   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
10574   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
10575   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
10576   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
10577   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
10578   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
10579   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
10580   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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10593   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
10594   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
10595   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
10596   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
10597   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
10598   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
10599   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
10600   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
10601   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
10602   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
10603   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
10604   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
10605        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
10606   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
10607   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
10608   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
10609   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
10610   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
10611   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
10612   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
10613   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
10614   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
10615   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
10616   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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10629   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
10630   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
10631   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
10632   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
10633   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
10634   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
10635   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
10636   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
10637   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
10638   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
10639   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
10640   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
10641   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
10642   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
10643   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
10644   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
10645   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
10646        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
10647   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
10648   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
10649   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
10650   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
10651   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
10652   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
10653   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
10654   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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10667   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
10668   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
10669   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
10670   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
10671   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
10672   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
10673   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
10674   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
10675   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
10676   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
10677   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
10678   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
10679   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
10680   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
10681   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
10682   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
10683   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
10684   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
10685   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
10686   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
10687   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
10688   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
10689   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
10690   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
10691   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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10704   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
10705   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
10706   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
10707   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
10708   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
10709   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
10710   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
10711   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
10712   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
10713   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
10714   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
10715   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
10716   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
10717   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
10718   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
10719   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
10720   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
10721   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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10739        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
10740    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
10741    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
10742    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
10743   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
10744   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
10745   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
10746   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
10747   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
10748   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
10749   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
10750   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
10751   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
10752   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
10753   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
10754   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
10755   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
10756   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
10757   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
10758        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
10759   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
10760   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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10765   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===  
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10773        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
10774   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
10775   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
10776   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
10777   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
10778   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
10779   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
10780   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
10781   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
10782        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
10783   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
10784   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
10785   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
10786   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
10787   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
10788   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
10789   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
10790   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
10791   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
10792   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
10793   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
10794   setzend.  
10795        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
10796   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
10797   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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10815        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
10816    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
10817    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
10818    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
10819   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
10820   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
10821   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
10822   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
10823   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
10824   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
10825   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
10826   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
10827   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
10828   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
10829   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
10830   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
10831   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
10832   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
10833   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
10834        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
10835   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
10836   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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10849   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
10850   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
10851   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
10852   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
10853   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
10854   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
10855   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
10856   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
10857   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
10858   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
10859   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
10860   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
10861   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
10862   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
10863   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
10864   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
10865   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
10866   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
10867   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
10868   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
10869   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
10870   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
10871   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
10872   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
10873   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
10874   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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10887   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
10888   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
10889   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
10890   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
10891   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
10892   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
10893   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
10894   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
10895   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
10896   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
10897   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
10898   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
10899   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
10900   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
10901   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
10902   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
10903   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
10904   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
10905   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
10906   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
10907   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
10908   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
10909   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
10910   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
10911   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
10912   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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10925   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
10926   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
10927   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
10928   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
10929   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
10930   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
10931   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
10932   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
10933   chen werden.  
10934        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
10935   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
10936   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
10937   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
10938   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
10939   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
10940   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
10941   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
10942   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
10943   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
10944        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
10945   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
10946   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
10947   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
10948   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
10949   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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10962   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
10963   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
10964   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
10965   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
10966   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
10967   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
10968   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
10969   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
10970   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
10971   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
10972   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
10973   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
10974   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
10975   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
10976   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
10977   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
10978    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
10979   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
10980   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
10981   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
10982        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
10983   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
10984        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
10985   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
10986   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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10999   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
11000   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
11001   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
11002    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
11003   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
11004   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
11005   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
11006   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
11007   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
11008   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
11009   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
11010   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
11011   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
11012   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
11013   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
11014   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
11015   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
11016   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
11017   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
11018   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
11019   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
11020   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
11021   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
11022   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
11023   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
11024   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
11025   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
11026   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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11039   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
11040   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
11041   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
11042   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
11043   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
11044   ersteren gelangt ist.""  
11045                    Soweit Schumpeter.  
11046        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
11047   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
11048   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
11049   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
11050   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
11051   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
11052   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
11053   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
11054   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
11055   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
11056   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
11057   dem Wesen nach eine Krise.  
11058        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
11059   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
11060   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
11061   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
11062   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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11075   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
11076   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
11077   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
11078   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
11079   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
11080   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
11081   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
11082   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
11083   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
11084   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
11085   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
11086    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
11087   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
11088   ders der Diskontopolitik.  
11089        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
11090   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
11091   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
11092   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
11093   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
11094   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
11095   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
11096   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
11097   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
11098   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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11112   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
11113   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
11114   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
11115   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
11116   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
11117   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
11118   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
11119   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
11120   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
11121    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
11122   ist das Einkommen der Nation.  
11123        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
11124   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
11125   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
11126   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
11127   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
11128   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
11129   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
11130   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
11131   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
11132   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
11133   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
11134   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
11135   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
11136   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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11150   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
11151   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
11152   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
11153   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
11154   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
11155   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
11156   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
11157   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
11158   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
11159   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
11160   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
11161        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
11162   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
11163   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
11164   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
11165   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
11166   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
11167   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
11168   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
11169   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
11170   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
11171   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
11172   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
11173   equilibrieren.  
11174        Wir können sagen:  
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11187        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
11188   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
11189   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
11190   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
11191   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
11192   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
11193   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
11194   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
11195   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
11196   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
11197   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
11198   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
11199   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
11200   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
11201   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
11202   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
11203   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
11204   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
11205   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
11206   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
11207   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
11208        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
11209   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
11210   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
11211    
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11227   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
11228   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
11229   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
11230   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
11231   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
11232   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
11233   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
11234   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
11235   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
11236   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
11237   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
11238        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
11239   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
11240   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
11241   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
11242   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
11243   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
11244   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
11245   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
11246   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
11247   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
11248   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
11249   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
11250   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
11251   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
11252    
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11264   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
11265   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
11266   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
11267   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
11268   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
11269   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
11270   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
11271   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
11272   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
11273    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
11274   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
11275   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
11276   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
11277   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
11278   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
11279   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
11280   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
11281   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
11282   menhang zu konstatieren ist.  
11283        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
11284   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
11285   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
11286   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
11287   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
11288   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
11289    
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11299   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
11300   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
11301        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
11302   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
11303   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
11304    
11305   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
11306   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
11307   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
11308   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
11309   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
11310    
11311   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
11312   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
11313   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
11314   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
11315    
11316   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
11317   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
11318   machen können .  
11319    
11320   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
11321   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
11322    
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11335    
11336        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
11337   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
11338   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
11339   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
11340   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
11341   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
11342   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
11343   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
11344   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
11345   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
11346   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
11347   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
11348   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
11349   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
11350   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
11351   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
11352   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
11353   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
11354   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
11355   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
11356   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
11357   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
11358   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
11359   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
11360   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
11361    
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11370    
11371   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
11372   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
11373   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
11374   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
11375   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
11376   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
11377   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
11378   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
11379   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
11380   läufen ausgleichen.  
11381        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
11382   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
11383   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
11384   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
11385   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
11386   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
11387   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
11388   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
11389   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
11390   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
11391   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
11392   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
11393   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
11394   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
11395   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
11396    
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11406   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
11407   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
11408   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
11409   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
11410   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
11411   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
11412   kalkulierten Preis.  
11413        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
11414   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
11415   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
11416   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
11417   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
11418   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
11419   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
11420   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
11421   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
11422   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
11423   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
11424   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
11425   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
11426   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
11427   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
11428   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
11429   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
11430   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
11431   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
11432    
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11442   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
11443   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
11444   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
11445   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
11446   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
11447   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
11448   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
11449   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
11450   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
11451   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
11452   fassung.  
11453        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
11454   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
11455   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
11456   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
11457   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
11458   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
11459   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
11460   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
11461   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
11462   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
11463   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
11464   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
11465   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
11466   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
11467    
11468    
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11478   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
11479   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
11480   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
11481   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
11482   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
11483   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
11484   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
11485   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
11486   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
11487   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
11488   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
11489   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
11490   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
11491   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
11492   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
11493   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
11494   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
11495   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
11496   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
11497   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
11498   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
11499   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
11500        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
11501   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
11502   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
11503    
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11513   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
11514   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
11515   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
11516        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
11517   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
11518   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
11519   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
11520   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
11521   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
11522   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
11523   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
11524   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
11525   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
11526   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
11527   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
11528   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
11529   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
11530   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
11531   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
11532   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
11533   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
11534   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
11535   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
11536      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
11537   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
11538   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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11549   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
11550   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
11551   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
11552   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
11553   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
11554   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
11555   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
11556   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
11557   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
11558   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
11559   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
11560   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
11561   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
11562   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
11563   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
11564   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
11565   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
11566   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
11567   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
11568   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
11569   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
11570   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
11571   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
11572   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
11573   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
11574   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
11575    
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11584    
11585   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
11586   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
11587   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
11588   Bild.  
11589    
11590        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
11591   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
11592   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
11593   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
11594   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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11608   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
11609   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
11610    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
11611   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
11612   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
11613   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
11614   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
11615   erhoffen liessen.  
11616        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
11617   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
11618   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
11619   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
11620   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
11621   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
11622   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
11623   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
11624    
11625        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
11626   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
11627   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
11628   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
11629   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
11630   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
11631   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
11632   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
11633   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
11634   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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11647   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
11648   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
11649   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
11650   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
11651   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
11652   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
11653   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
11654   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
11655   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
11656   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
11657   ten.  
11658    
11659        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
11660   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
11661   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
11662   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
11663   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
11664   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
11665   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
11666   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
11667   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
11668   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
11669   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
11670   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
11671   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
11672   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
11673   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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11686   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
11687   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
11688   von Edelmetallen.  
11689        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
11690   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
11691   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
11692   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
11693   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
11694   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
11695   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
11696   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
11697   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
11698   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
11699   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
11700   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
11701   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
11702   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
11703   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
11704   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
11705   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
11706   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
11707   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
11708   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
11709   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
11710   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
11711   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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11724   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
11725   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
11726   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
11727   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
11728   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
11729   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
11730   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
11731   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
11732   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
11733   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
11734   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
11735   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
11736   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
11737   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
11738   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
11739   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
11740   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
11741   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
11742   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
11743   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
11744   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
11745   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
11746   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
11747   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
11748   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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11761   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
11762   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
11763   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
11764   stanz in sich birgt.  
11765        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
11766   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
11767   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
11768   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
11769   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
11770   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
11771   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
11772   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
11773   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
11774   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
11775   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
11776   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
11777   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
11778   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
11779   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
11780   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
11781   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
11782   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
11783   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
11784   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
11785   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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11798   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
11799        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
11800   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
11801   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
11802   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
11803   erhalten.  
11804        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
11805   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
11806   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
11807   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
11808   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
11809   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
11810   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
11811   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
11812   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
11813   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
11814        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
11815   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
11816   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
11817   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
11818   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
11819   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
11820   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
11821   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
11822   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
11823   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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11836   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
11837        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
11838   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
11839   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
11840   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
11841   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
11842   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
11843   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
11844   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
11845   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
11846   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
11847   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
11848   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
11849   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
11850   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
11851   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
11852   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
11853   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
11854   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
11855   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
11856   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
11857   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
11858   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
11859   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
11860   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
11861   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
11862   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
11863   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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11876   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
11877   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
11878   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
11879   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
11880   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
11881   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
11882   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
11883   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
11884   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
11885   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
11886   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
11887   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
11888   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
11889   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
11890   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
11891   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
11892        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
11893   lautete:  
11894   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
11895   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
11896   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
11897   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
11898   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
11899   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
11900   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
11901   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
11902   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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11915   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
11916   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
11917        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
11918   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
11919   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
11920   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
11921   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
11922   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
11923   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
11924   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
11925   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
11926   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
11927   mal des Geldes bedeutete.  
11928        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
11929   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
11930   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
11931   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
11932   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
11933   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
11934   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
11935   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
11936   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
11937   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
11938   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
11939   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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11952   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
11953   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
11954   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
11955   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
11956   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
11957   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
11958   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
11959   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
11960        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
11961   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
11962   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
11963   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
11964   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
11965   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
11966   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
11967   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
11968   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
11969   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
11970   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
11971   noch genügend zu lösen übrig.  
11972          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
11973   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
11974   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
11975   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
11976   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
11977   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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11990   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
11991   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
11992   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
11993   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
11994   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
11995   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
11996   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
11997   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
11998   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
11999   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
12000   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
12001     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
12002   Entwicklung zu skizzieren.  
12003       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
12004   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
12005   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
12006   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
12007   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
12008   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
12009   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
12010   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
12011   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
12012   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
12013   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
12014   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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12027   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
12028   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
12029   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
12030   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
12031   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
12032   sich üner den Stoff erhebt.  
12033        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
12034   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
12035   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
12036   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
12037   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
12038   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
12039   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
12040   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
12041   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
12042   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
12043   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
12044   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
12045   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
12046   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
12047   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
12048   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
12049   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
12050   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
12051   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
12052   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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12065   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
12066   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
12067   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
12068   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
12069   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
12070   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
12071   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
12072   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
12073   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
12074   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
12075   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
12076   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
12077   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
12078   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
12079   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
12080   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
12081   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
12082   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
12083   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
12084   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
12085   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
12086   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
12087   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
12088   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
12089   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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12102   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
12103   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
12104   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
12105   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
12106   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
12107   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
12108   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
12109   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
12110   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
12111   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
12112   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
12113   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
12114        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
12115   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
12116   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
12117   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
12118   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
12119   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
12120   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
12121   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
12122   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
12123   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
12124   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
12125   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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12138   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
12139   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
12140   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
12141   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
12142   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
12143   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
12144   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
12145   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
12146   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
12147   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
12148   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
12149   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
12150   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
12151   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
12152   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
12153   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
12154   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
12155        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
12156   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
12157   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
12158   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
12159   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
12160   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
12161   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
12162   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
12163   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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12176   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
12177   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
12178   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
12179   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
12180   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
12181   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
12182   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
12183   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
12184   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
12185   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
12186   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
12187   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
12188   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
12189   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
12190   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
12191   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
12192   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
12193   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
12194   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
12195   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
12196   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
12197   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
12198   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
12199   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
12200   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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12213   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
12214   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
12215   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
12216   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
12217   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
12218   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
12219   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
12220   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
12221   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
12222   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
12223   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
12224   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
12225   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
12226   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
12227   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
12228   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
12229   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
12230   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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12243   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
12244   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
12245   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
12246   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
12247   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
12248   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
12249   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
12250   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
12251   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
12252   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
12253   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
12254   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
12255   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
12256   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
12257   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
12258   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
12259   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
12260   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
12261   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
12262   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
12263   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
12264   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
12265   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
12266   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
12267   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
12268   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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12281   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
12282   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
12283   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
12284   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
12285   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
12286   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
12287   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
12288   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
12289   chen werden.  
12290        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
12291   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
12292   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
12293   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
12294   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
12295   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
12296   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
12297   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
12298   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
12299   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
12300        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
12301   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
12302   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
12303   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
12304   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
12305   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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12318   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
12319   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
12320   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
12321   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
12322   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
12323   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
12324   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
12325   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
12326   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
12327   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
12328   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
12329   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
12330   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
12331   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
12332   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
12333   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
12334    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
12335   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
12336   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
12337   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
12338        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
12339   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
12340        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
12341   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
12342   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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12355   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
12356   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
12357   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
12358    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
12359   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
12360   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
12361   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
12362   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
12363   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
12364   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
12365   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
12366   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
12367   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
12368   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
12369   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
12370   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
12371   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
12372   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
12373   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
12374   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
12375   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
12376   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
12377   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
12378   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
12379   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
12380   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
12381   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
12382   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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12395   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
12396   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
12397   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
12398   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
12399   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
12400   ersteren gelangt ist.""  
12401                    Soweit Schumpeter.  
12402        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
12403   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
12404   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
12405   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
12406   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
12407   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
12408   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
12409   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
12410   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
12411   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
12412   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
12413   dem Wesen nach eine Krise.  
12414        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
12415   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
12416   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
12417   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
12418   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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12431   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
12432   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
12433   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
12434   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
12435   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
12436   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
12437   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
12438   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
12439   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
12440   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
12441   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
12442    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
12443   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
12444   ders der Diskontopolitik.  
12445        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
12446   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
12447   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
12448   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
12449   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
12450   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
12451   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
12452   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
12453   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
12454   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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12468   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
12469   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
12470   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
12471   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
12472   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
12473   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
12474   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
12475   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
12476   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
12477    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
12478   ist das Einkommen der Nation.  
12479        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
12480   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
12481   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
12482   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
12483   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
12484   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
12485   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
12486   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
12487   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
12488   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
12489   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
12490   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
12491   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
12492   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
12493    
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12506   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
12507   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
12508   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
12509   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
12510   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
12511   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
12512   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
12513   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
12514   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
12515   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
12516   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
12517        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
12518   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
12519   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
12520   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
12521   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
12522   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
12523   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
12524   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
12525   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
12526   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
12527   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
12528   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
12529   equilibrieren.  
12530        Wir können sagen:  
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12543        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
12544   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
12545   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
12546   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
12547   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
12548   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
12549   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
12550   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
12551   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
12552   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
12553   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
12554   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
12555   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
12556   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
12557   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
12558   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
12559   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
12560   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
12561   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
12562   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
12563   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
12564        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
12565   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
12566   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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12583   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
12584   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
12585   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
12586   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
12587   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
12588   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
12589   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
12590   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
12591   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
12592   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
12593   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
12594        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
12595   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
12596   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
12597   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
12598   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
12599   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
12600   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
12601   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
12602   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
12603   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
12604   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
12605   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
12606   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
12607   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
12608    
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12620   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
12621   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
12622   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
12623   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
12624   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
12625   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
12626   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
12627   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
12628   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
12629    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
12630   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
12631   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
12632   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
12633   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
12634   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
12635   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
12636   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
12637   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
12638   menhang zu konstatieren ist.  
12639        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
12640   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
12641   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
12642   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
12643   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
12644   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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12655   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
12656   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
12657        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
12658   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
12659   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
12660    
12661   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
12662   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
12663   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
12664   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
12665   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
12666    
12667   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
12668   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
12669   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
12670   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
12671    
12672   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
12673   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
12674   machen können .  
12675    
12676   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
12677   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
12678    
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12691    
12692        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
12693   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
12694   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
12695   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
12696   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
12697   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
12698   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
12699   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
12700   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
12701   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
12702   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
12703   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
12704   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
12705   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
12706   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
12707   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
12708   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
12709   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
12710   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
12711   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
12712   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
12713   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
12714   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
12715   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
12716   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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12727   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
12728   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
12729   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
12730   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
12731   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
12732   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
12733   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
12734   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
12735   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
12736   läufen ausgleichen.  
12737        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
12738   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
12739   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
12740   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
12741   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
12742   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
12743   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
12744   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
12745   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
12746   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
12747   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
12748   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
12749   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
12750   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
12751   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
12752    
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12762   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
12763   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
12764   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
12765   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
12766   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
12767   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
12768   kalkulierten Preis.  
12769        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
12770   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
12771   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
12772   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
12773   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
12774   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
12775   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
12776   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
12777   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
12778   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
12779   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
12780   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
12781   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
12782   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
12783   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
12784   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
12785   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
12786   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
12787   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
12788    
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12798   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
12799   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
12800   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
12801   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
12802   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
12803   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
12804   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
12805   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
12806   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
12807   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
12808   fassung.  
12809        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
12810   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
12811   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
12812   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
12813   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
12814   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
12815   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
12816   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
12817   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
12818   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
12819   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
12820   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
12821   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
12822   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
12823    
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12834   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
12835   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
12836   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
12837   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
12838   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
12839   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
12840   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
12841   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
12842   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
12843   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
12844   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
12845   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
12846   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
12847   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
12848   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
12849   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
12850   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
12851   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
12852   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
12853   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
12854   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
12855   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
12856        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
12857   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
12858   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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12869   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
12870   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
12871   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
12872        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
12873   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
12874   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
12875   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
12876   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
12877   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
12878   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
12879   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
12880   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
12881   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
12882   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
12883   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
12884   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
12885   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
12886   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
12887   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
12888   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
12889   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
12890   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
12891   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
12892      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
12893   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
12894   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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12905   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
12906   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
12907   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
12908   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
12909   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
12910   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
12911   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
12912   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
12913   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
12914   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
12915   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
12916   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
12917   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
12918   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
12919   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
12920   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
12921   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
12922   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
12923   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
12924   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
12925   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
12926   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
12927   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
12928   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
12929   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
12930   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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12941   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
12942   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
12943   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
12944   Bild.  
12945    
12946        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
12947   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
12948   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
12949   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
12950   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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12964   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
12965   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
12966    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
12967   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
12968   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
12969   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
12970   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
12971   erhoffen liessen.  
12972        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
12973   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
12974   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
12975   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
12976   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
12977   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
12978   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
12979   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
12980    
12981        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
12982   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
12983   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
12984   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
12985   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
12986   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
12987   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
12988   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
12989   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
12990   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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13003   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
13004   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
13005   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
13006   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
13007   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
13008   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
13009   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
13010   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
13011   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
13012   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
13013   ten.  
13014    
13015        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
13016   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
13017   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
13018   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
13019   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
13020   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
13021   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
13022   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
13023   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
13024   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
13025   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
13026   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
13027   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
13028   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
13029   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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13042   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
13043   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
13044   von Edelmetallen.  
13045        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
13046   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
13047   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
13048   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
13049   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
13050   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
13051   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
13052   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
13053   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
13054   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
13055   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
13056   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
13057   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
13058   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
13059   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
13060   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
13061   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
13062   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
13063   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
13064   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
13065   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
13066   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
13067   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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13080   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
13081   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
13082   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
13083   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
13084   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
13085   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
13086   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
13087   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
13088   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
13089   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
13090   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
13091   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
13092   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
13093   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
13094   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
13095   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
13096   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
13097   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
13098   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
13099   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
13100   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
13101   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
13102   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
13103   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
13104   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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13117   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
13118   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
13119   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
13120   stanz in sich birgt.  
13121        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
13122   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
13123   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
13124   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
13125   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
13126   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
13127   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
13128   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
13129   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
13130   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
13131   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
13132   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
13133   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
13134   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
13135   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
13136   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
13137   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
13138   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
13139   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
13140   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
13141   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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13154   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
13155        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
13156   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
13157   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
13158   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
13159   erhalten.  
13160        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
13161   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
13162   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
13163   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
13164   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
13165   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
13166   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
13167   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
13168   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
13169   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
13170        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
13171   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
13172   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
13173   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
13174   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
13175   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
13176   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
13177   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
13178   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
13179   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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13192   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
13193        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
13194   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
13195   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
13196   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
13197   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
13198   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
13199   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
13200   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
13201   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
13202   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
13203   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
13204   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
13205   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
13206   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
13207   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
13208   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
13209   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
13210   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
13211   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
13212   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
13213   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
13214   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
13215   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
13216   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
13217   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
13218   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
13219   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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13232   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
13233   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
13234   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
13235   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
13236   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
13237   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
13238   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
13239   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
13240   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
13241   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
13242   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
13243   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
13244   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
13245   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
13246   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
13247   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
13248        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
13249   lautete:  
13250   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
13251   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
13252   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
13253   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
13254   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
13255   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
13256   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
13257   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
13258   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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13271   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
13272   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
13273        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
13274   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
13275   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
13276   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
13277   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
13278   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
13279   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
13280   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
13281   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
13282   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
13283   mal des Geldes bedeutete.  
13284        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
13285   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
13286   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
13287   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
13288   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
13289   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
13290   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
13291   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
13292   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
13293   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
13294   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
13295   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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13308   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
13309   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
13310   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
13311   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
13312   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
13313   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
13314   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
13315   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
13316        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
13317   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
13318   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
13319   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
13320   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
13321   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
13322   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
13323   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
13324   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
13325   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
13326   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
13327   noch genügend zu lösen übrig.  
13328          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
13329   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
13330   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
13331   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
13332   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
13333   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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13346   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
13347   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
13348   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
13349   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
13350   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
13351   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
13352   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
13353   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
13354   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
13355   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
13356   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
13357     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
13358   Entwicklung zu skizzieren.  
13359       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
13360   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
13361   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
13362   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
13363   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
13364   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
13365   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
13366   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
13367   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
13368   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
13369   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
13370   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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13383   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
13384   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
13385   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
13386   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
13387   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
13388   sich üner den Stoff erhebt.  
13389        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
13390   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
13391   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
13392   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
13393   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
13394   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
13395   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
13396   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
13397   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
13398   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
13399   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
13400   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
13401   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
13402   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
13403   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
13404   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
13405   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
13406   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
13407   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
13408   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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13421   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
13422   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
13423   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
13424   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
13425   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
13426   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
13427   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
13428   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
13429   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
13430   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
13431   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
13432   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
13433   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
13434   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
13435   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
13436   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
13437   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
13438   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
13439   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
13440   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
13441   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
13442   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
13443   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
13444   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
13445   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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13458   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
13459   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
13460   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
13461   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
13462   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
13463   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
13464   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
13465   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
13466   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
13467   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
13468   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
13469   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
13470        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
13471   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
13472   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
13473   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
13474   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
13475   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
13476   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
13477   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
13478   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
13479   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
13480   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
13481   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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13494   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
13495   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
13496   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
13497   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
13498   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
13499   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
13500   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
13501   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
13502   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
13503   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
13504   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
13505   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
13506   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
13507   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
13508   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
13509   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
13510   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
13511        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
13512   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
13513   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
13514   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
13515   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
13516   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
13517   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
13518   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
13519   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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13532   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
13533   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
13534   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
13535   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
13536   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
13537   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
13538   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
13539   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
13540   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
13541   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
13542   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
13543   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
13544   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
13545   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
13546   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
13547   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
13548   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
13549   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
13550   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
13551   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
13552   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
13553   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
13554   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
13555   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
13556   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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13569   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
13570   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
13571   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
13572   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
13573   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
13574   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
13575   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
13576   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
13577   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
13578   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
13579   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
13580   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
13581   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
13582   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
13583   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
13584   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
13585   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
13586   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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13598   __D i e L e h r m e i n u n g e n__  
13599    
13600   Der M e t a l l i s m u s .  
13601   Der N o m i n a l i s m u s .  
13602    
13603        Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht  
13604   bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir  
13605   das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-  
13606   het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort  
13607   nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-  
13608   sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei-  
13609   hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-  
13610   de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für  
13611   den allein richtigen vertritt.  
13612        Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem  
13613   Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer  
13614   Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses  
13615   theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und  
13616   ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,  
13617   dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus  
13618   ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch  
13619   Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.  
13620        In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit  
13621   sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon  
13622   staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,  
13623   als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur  
13624    
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13634   bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"  
13635   wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen  
13636   Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-  
13637   kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung  
13638   ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach  
13639   sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das  
13640   Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen  
13641   im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-  
13642   liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.  
13643        Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der  
13644   natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens  
13645   doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden  
13646   Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte  
13647   Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-  
13648   tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr  
13649   den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu  
13650   überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf-  
13651   fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-  
13652   ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs-  
13653   mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall -  
13654   (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten  
13655   Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem  
13656   Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten  
13657   erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das  
13658   kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das  
13659    
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13669   Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher  
13670   zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-  
13671   mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine  
13672   Genüsse vermehrt werden."  
13673        Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des  
13674   Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz  
13675   des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-  
13676   mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel  
13677   gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol  
13678   eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die  
13679   Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie  
13680   gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das  
13681   Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht  
13682   mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet  
13683   und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er  
13684   in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,  
13685   als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.  
13686   Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum  
13687   vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen  
13688   ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und  
13689   den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen  
13690   Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu  
13691   erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten  
13692   in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur  
13693   Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp  
13694    
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13704   als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.  
13705        Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-  
13706   wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-  
13707   greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-  
13708   te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung  
13709   nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,  
13710   das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank  
13711   der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss  
13712   das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende  
13713   Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-  
13714   trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.  
13715        Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,  
13716   haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären  
13717   und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-  
13718   hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann  
13719   sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System  
13720   gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und  
13721   Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem  
13722   bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.  
13723   Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.  
13724   Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-  
13725   strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen  
13726   Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente  
13727   Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek-  
13728   tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes  
13729    
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13739   der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.  
13740   Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.  
13741        Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen  
13742   Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses  
13743   des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden  
13744   Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen  
13745   Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-  
13746   hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-  
13747   brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt  
13748   rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur  
13749   Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse  
13750   ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.  
13751        Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-  
13752   regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff  
13753   notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr  
13754   fragwürdigen Formel begriffen wissen:  
13755   " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B.  
13756   dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "  
13757   Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-  
13758   ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären  
13759    liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-  
13760   tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den  
13761   Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-  
13762   um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen  
13763    
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13773   Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für  
13774   jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches  
13775   Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch  
13776   immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens  
13777   und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro-  
13778   gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von  
13779   dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh,  
13780   das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar  
13781   nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde  
13782   denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not  
13783   und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert  
13784   oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren.  
13785        1797 beispielsweise wurde in England infolge seines  
13786   Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.  
13787   22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit  
13788   grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein  
13789   real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,  
13790   den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-  
13791   lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-  
13792   flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-  
13793   lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer  
13794   bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung  
13795   der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen  
13796   dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich  
13797   schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel  
13798    
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13808   sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an  
13809   einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-  
13810   dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von  
13811   volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit  
13812   gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das  
13813   muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-  
13814   sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den  
13815   Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen  
13816   Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage  
13817   der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur  
13818   angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen  
13819   anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-  
13820   de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-  
13821   fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei  
13822   und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind  
13823   ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen  
13824   Verkehr beleuchten und beeinflussen können.  
13825        In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob  
13826   wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung  
13827   der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der  
13828   die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-  
13829   fachende Moment begriffen wissen will.  
13830        Während also bei den Metallisten die Erklärung  
13831   der Banknoten auf  
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13842   die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der  
13843   Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer  
13844   reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch,  
13845   wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen  
13846   die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was  
13847   die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt  
13848   bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,  
13849   in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent-  
13850   lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder  
13851   Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-  
13852   ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-  
13853   mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie  
13854   Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine  
13855   Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-  
13856   tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei  
13857   auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-  
13858   körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen  
13859   und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-  
13860   scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.  
13861        Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,  
13862   die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die  
13863   Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den  
13864   Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren  
13865    
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13874    
13875   in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,  
13876   dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-  
13877   wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu  
13878   jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für  
13879   jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind  
13880   schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im  
13881   Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-  
13882   renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber  
13883   aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-  
13884   strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse  
13885   kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-  
13886   stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-  
13887   mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von  
13888   ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger  
13889   und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus  
13890   muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,  
13891   wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur  
13892   die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn  
13893   die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-  
13894   sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst  
13895   heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-  
13896   rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert  
13897   in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,  
13898   verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir  
13899   auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-  
13900    
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13910   struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff  
13911   ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss  
13912   aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-  
13913   preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-  
13914   rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten  
13915   Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall  
13916   innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-  
13917   rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs  
13918   hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-  
13919   stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]  
13920   zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der  
13921   Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass  
13922   das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-  
13923   erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-  
13924   nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die  
13925   Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der  
13926   nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-  
13927   arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware  
13928   aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender  
13929   als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der  
13930   nominalen Einheit des Geldes.  
13931        Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen  
13932   um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine  
13933   Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-  
13934   sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik  
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13945   des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-  
13946   gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der  
13947   Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem  
13948   Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit  
13949   die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder  
13950   Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,  
13951   während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-  
13952   ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich  
13953   infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.  
13954        Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die  
13955   Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-  
13956   über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-  
13957   sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-  
13958   leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-  
13959   tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn  
13960   wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus  
13961   allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,  
13962   dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.  
13963   Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,  
13964   denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren  
13965   zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie  
13966   die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese  
13967   alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches  
13968   aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser  
13969   selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung  
13970    
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13980   der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-  
13981   lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-  
13982   jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-  
13983   schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-  
13984   fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven  
13985   Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-  
13986   zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-  
13987   genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-  
13988   schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-  
13989   heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-  
13990   schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert-  
13991   einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her  
13992   eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen  
13993   und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld-  
13994   schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass  
13995   man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-  
13996   kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-  
13997   gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,  
13998   bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen  
13999   die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch  
14000   quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-  
14001   net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen  
14002   alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in  
14003   Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf  
14004   den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot  
14005    
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14015   und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der  
14016   eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber  
14017   auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem  
14018   Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit  
14019   in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender  
14020   Ausführung nach ganz deutlich werden.  
14021        Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während  
14022   des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem  
14023   System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen  
14024   doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis-  
14025   senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-  
14026   charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und  
14027   wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es  
14028   nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in  
14029   den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,  
14030   kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der  
14031   Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das  
14032   Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-  
14033   kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer  
14034   Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont  
14035   sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,  
14036   weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja  
14037   durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-  
14038   ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war  
14039   an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-  
14040    
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14050   lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-  
14051   schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande  
14052   gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so  
14053   hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit  
14054   auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall  
14055   desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-  
14056   tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-  
14057   tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem  
14058   Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-  
14059   re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung  
14060   der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen  
14061   des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung  
14062   abgeschwächt hätte.  
14063        So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge-  
14064   rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht  
14065   wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,  
14066   sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss  
14067   hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den  
14068   Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und  
14069   zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen  
14070   werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.  
14071   Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt  
14072   in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht  
14073   etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst  
14074    die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber  
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14085   dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis  
14086   so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-  
14087   flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht  
14088    nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.  
14089   Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren,  
14090   wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen  
14091   des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-  
14092   keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung  
14093   dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als  
14094   die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben  
14095   wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-  
14096   ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu  
14097   leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-  
14098   ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung  
14099   Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.  
14100   Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell  
14101   zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend  
14102   weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die  
14103   gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–  
14104   ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-  
14105   sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben  
14106   müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-  
14107   se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke  
14108   die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern  
14109   auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor-  
14110    
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14120   dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–  
14121   lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr  
14122   gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-  
14123   listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber  
14124   es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes  
14125   bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,  
14126   Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn  
14127   ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen  
14128   eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des  
14129   Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass  
14130   allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-  
14131   zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -  
14132   sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für  
14133   dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem  
14134   Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-  
14135   hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im  
14136   Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja  
14137   der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser  
14138   letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,  
14139    dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist  
14140   gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die  
14141   Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation  
14142   hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-  
14143   legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-  
14144   preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling  
14145    
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14155   als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.  
14156        So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-  
14157   tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-  
14158   sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,  
14159   haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-  
14160   terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-  
14161   derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-  
14162   tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme  
14163   nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen  
14164   ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.  
14165    
14166            Die  
14167        W a r e n w e r t t h e o r i e  
14168            des  
14169          G e l d e s .  
14170    
14171        Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,  
14172   das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene  
14173   Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben  
14174   wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige  
14175   ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis-  
14176   ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-  
14177   zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie  
14178   vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-  
14179   lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes  
14180    
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14190   Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in  
14191   dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-  
14192   dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-  
14193   gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-  
14194   schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,  
14195   der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die  
14196   theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-  
14197   de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_  
14198   mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen  
14199   will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem  
14200   Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch  
14201   die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich  
14202   von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-  
14203   jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-  
14204   mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit  
14205   freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-  
14206   wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von  
14207   der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite  
14208   aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird.  
14209   Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier  
14210   wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-  
14211   theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.  
14212        Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-  
14213   ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-  
14214   duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht  
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14225   auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und  
14226   durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf  
14227   nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des  
14228   Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz,  
14229   sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des  
14230   Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,  
14231   die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-  
14232   aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-  
14233   titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage  
14234   nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene  
14235   statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive  
14236   Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus  
14237   das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war  
14238   im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-  
14239   se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht  
14240   vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser  
14241   dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-  
14242   person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine  
14243   objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen  
14244   Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der  
14245   Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-  
14246   lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser  
14247   Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen-  
14248   de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher  
14249   Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante  
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14260   metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders  
14261   gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,  
14262   wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-  
14263   delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische  
14264   Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre  
14265   des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-  
14266   tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-  
14267   dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft  
14268   und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum  
14269   müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass-  
14270   funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die  
14271   Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des  
14272   Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich  
14273   dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie  
14274   aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze  
14275   verwirklichen?  
14276        Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom  
14277   Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-  
14278   ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-  
14279   sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem  
14280   Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer  
14281   bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen  
14282   Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die  
14283   allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit  
14284   und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des  
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14295   Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.  
14296        Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch  
14297   und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer  
14298   aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss  
14299   auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware  
14300   sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine  
14301   an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-  
14302   tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird  
14303   zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,  
14304   dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit  
14305   eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-  
14306   bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den  
14307   Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-  
14308   heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-  
14309   schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos  
14310   hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold  
14311   ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,  
14312   sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-  
14313   mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-  
14314   deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-  
14315   derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es  
14316   aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-  
14317   bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-  
14318   maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon  
14319   vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das  
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14330   im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-  
14331   nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-  
14332   währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen  
14333   Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des  
14334   Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,  
14335   die sog. Geldkernwährung.  
14336        Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen  
14337   die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen  
14338   Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-  
14339   theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache  
14340   gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen  
14341   unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die  
14342   folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.  
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