b.) Der Saat mit freier(Papier- ) Währung

114

– 114 –

[01]

und Einkommen verankerte Grösse beibehalten. Würden wir die
Werteinheit als das Goldgut ansehen, dann wären die Relationen
darauf nunmehr falsch. Ist aber die Werteinheit nur ein Begriff,
der seinen Wert umgekehrt von dem Wert der Güter ableitet, dann
darf sogar der Münzfuss die einzig falsche Relation sein. In
der Beziehung zur Güterwelt tauschen sich mit den Werteinhei-
ten doch gleiche Arbeitswertmengen.

Das alles aber mildert die auf internationalem Gebiet
[02]

liegende Bedeutung der Goldwährung, der gemeinsamen Preise und
Einkommen verbindenden Währung nicht herab.


[03]

Papierwährung. Ein anderer Fall der staatlichen Monopolwährungnist die
Papierwährung, die wir unter diesem Gesichtspunkte zu betrach-
ten haben. An die obige Betrachtung anknüpfend, springt uns sofort
als die wesentliche Unterscheidung davon die absolute Stoff-
wertlosigkeit des Geldmaterials in die Augen. Damit entfällt so-
wohl die Basierung auf den Grundstoff als auch die zum eventu-
ellen Zahlungsausgleich notwendige Verwendungsmöglichkeit des
Geldes auf Grund seines Eigenwertes. Bei der absolut reinen
Goldwährung deckt sich bei Uebereignung der Goldmünzen nominel-
le Schuld gleichzeitig mit der realen, denn wir dürfen doch
annehmen, dass der Warenwert der Goldmünze dem nominellen In-
halt der Werteinheit, bezogen auf den Wert der übrigen Güter,
entspricht; es decken sich Inhalt und Form. Bei der Monopol-
goldwährung entsprach die nominelle Schuld nimmermehr dem



115

– 115 –

[04]

Wert der Münzen in gleicher Höhe, die dem Realgehalt nach über –
oder unterwertig waren. Wir müssen beispielsweise, um 1000 ℳ an
das Ausland zu zahlen, Goldmünzen hingeben in nomineller Höhe
von 5000 ℳ oder im letzteren Fall auch nur von 200 ℳ. Hauptsa-
che ist nur, dass das im Werte veränderte Gold von den Goldwäh-
rungsländern zur alten Relation angenommen wird. Das Verhältnis
der Valuten wird dadurch, ob die gleichen Währungsländer ihre
Werteinheit auf über-oder unterwertiges Metall basieren oder
besser gesagt, den Münzfuss unter oder über dem natürlichen
Wert festsetzen oder bei Wertänderung des Metalls und Belassung
des Münzfusses zum gleichen Ergebnis gelangen, – solange die
verschiedenen Ländern [sic] nur immer im gleichen Verhältnis zu ein-
ander bleiben, und das dürfen wir ohne weiteres als gegeben er-
achten, da das führende oder die führenden Länder die Politik
der anderen mitbestimmt, solange bleibt dieser Erscheinung der
nach dem wirtschaftlichen Werte des Währungsmetalles gemessenen
falschen Relationen ohne Bedeutung, das Verhältnis der Valuta
bleibt unberührt und immer noch sind die Preise von Land zu
Land und die Einkommen gebunden. Wie weit dieser Fall praktisch
ist oder werden könnte, steht hier nicht zur Diskussion, er ist
wohl möglich, ist hier aber nur als theoretische Abstraktion
gedacht.

Eine Unterscheidung von Papierwährungsländern ist in
[05]

allen genannten Fällen doch gegeben in der Notwendigkeit der
Goldwährungsländer, immer wieder in den intervalutaren Pari's



116

– 116 –

[06]

zu den Münzparis hinzustreben und in der Qualität, die mit der
Goldwährung ohne weiteres ausgesprochen ist. Was wir als so wesent-
lich schildern, die Vergleichbarkeit der Preise, dazu brauchen wir
an sich keinen Münzfuss, der uns Aufschluss gibt über das Ver-
hältnis. Selbst bei den Goldwährungen hatte der Münzfuss, eigent-
lich nur deklaratorische Bedeutung; das eigentliche wirkliche
Verhältnis der Valuten gab uns das intervalutare Pari, das beim
Papierwährungsland uns ebenso gegeben ist. An Stelle der Zugrunde-
legung einer Goldmenge proklamieren wir ein Verhältnis, das wir,
gleich als ob wir Goldwährungsland wären, mit allen Mitteln einzu-
halten bestrebt bleiben. So lange uns dies gelingt, haben wir auch
im Effekt tatsächlich den gleichen Zustand, als ob wir der Gold-
währung angeschlossen wären. Import und Export sind dann bei uns
ausgeglichen, Preise und Einkommen sind stabil und in den Welt-
markt eingegliedert; dann ist auchbdie Proklamation des gewünsch-
ten Verhältnisses zum Ausland und das damit zusammenfallende
intervalutare Pari gleich zu achten der Goldeingliederung. Unsere
Werteinheit verkörpert den gleichen ökonomischen Wert, wie es bei
Goldbindung der Fall wäre, die Preise würden genau sich decken mit
den Goldpreisen; – kurz überall das gleiche Verhältnis, und das
ist logisch selbstverständlich, denn die Werteinheit bedeutet
hier wie dort ein Arbeitswertquantum, bezogen auf die Güterwelt,
und aus ihr geboren, gleich so wie bei der reinen Goldwährung.
Wir betonen ausdrücklich, dass in unserem Falle dieser Staat mit
freier Währung als wirtschaftlich ebensonstark wie die ihm [sic]



117

– 117 -

[07]

umgebenden Goldwährungsländer anzusehen ist und füglich müssen
sich die wirtschaftlichen Vorgänge bei Ausserachtlassung der
hier eigentlich bedeutungslosen Währungsreform in druchaus [sic] gleich-
cher Weise abspielen. In jedem Falle ist das Wirtschaften ein
Haushalten mit dem erzeugten Gütervorrat. Das Einkommen ist nur
ein technisches Mittel zur Aufteilung derselben. Es finden in 
den Gütern Tausche zwischen den Arbeitsleistungen der verschie-
denen Berufe statt, dieser Preise sind Resultatvdieser einzelnen
Aufwendungen, die alle nach einem Maasse festgelegt sind, nach
einer bestimmten Grösse eines Arbeitswertes. Wir können inner-
halb unserer Wirtschaft jeder nur soviel verzehren, als wir
Arbeitswerte erzeugt haben, aber wir können unsere überschüssi-
gen realisierten Arbeitswerte austauschen mit gleichugrossen
solchen anderer Erwerbstätigen. Wir können also nur tauschen, wir
können uns nicht bereichern, denn intersubjektiv gemessen am 
Arbeitsaufwand sind alle Tauschgrössen gleich gross. Wir können
aber den Tausch noch fortsetzen über die Grenzen der Länder und
über die Meere, aber wir können eben nur tauschen und bezeichnen
die Summer all dieser Akte als Import und Export. Die Technik
spielt sich nicht in Zug um Zug Geschäften ab. Es wird vielmehr
gekauft und verkauft und erst in der gesamten Abrechnung muss
das Gleichgewicht wieder gewahrt sein. Der einzelne Importeur
und Exporteur kann naturgemäss nicht den Ueberblick über diesen
Markt gewinnen können; er führt immer nur einen Tauschakt zur
Hälte aus. Die Fälle der Kompensation auf privatem Wege sind



118

– 118 –

[08]

verhältnismassig [sic] selten. Was volkswirtschaftlich als Tausch in
Erscheinung tritt ist von einzelwirtschaftlicher Seite jeweils
Kauf und Verkauf, wofür fremdes Geld zu geben oder eigenes zu
empfangen ist. Die Goldwährung hat nun in der gemeinsamen Aner-
kennung und Wertung des Goldes ( Goldrelation ist gleich Preis-
relation der verschiedenen Länder ) den Vorteil, dass eine Zahlung
in Geld geleistet werden kann, dessen Gültigkeit nicht an den Gren-
zen des Staates endet, weil es hier eben nicht als staatliches
Geld auftritt, sondern als Forderung begründende Warenausfuhr auf
Grund eines gegebenen Wertes. So bleibt hier das intervalutare
Pari gewahrt, auch wenn die Tauschgesetze von Land zu Land in
privatem Warenaustausch vorübergehend einmal verletzt wurden.
Bei der freien Papierwährung ist eine Kompensation der Einfuhr
nur bis zur Höhe der Ausfuhr gegeben und darüber hinaus fehlt
nicht das Geld, sondern die im Ausland annehmbereite Ware, um den
Zahlungsausgleich sicher zu stellen und damit die alte und die
proklamierte Valuta unberührt zu lassen. Der Importeur kann(nicht
in Deutschland international in gleicher Weise gültiges von
Angebot und Nachfrage im Preise unabhängiges Gold kaufen, er muss
vielmehr als Käufer von englischem staatlichen Gelde auftreten,
dessen Preis steigern und in dafür erlegtem deutschen Gelde
nichts anderes als deutsche Waren, in diesem Falle nicht Gold,
sondern vom Ausland auswählbare Waren hingeben. Der Austausch
von Land zu Land hat nun wieder die Tendenz in die Ruhelage
zurückzukehren. Wir haben den Beweis, in der Goldwährung in der



119

– 119 -

[09]

Goldversendung, in der Papierwährung in der Verteurung der frem-
den Werteinheit, dass wir nicht mit dem von uns Erzeugten Haus
zu halten wussten. Unsere Einkommensbildung scheint in Unordnung
geraten zu sein, denn wir haben mehr verzehrt, als wir gearbeitet
haben. Wir können falsche Geldschöpfungspolitik getrieben haben
( dies bei beiden Währungsarten ), wir können auch Ansprüche
geltend machen haben wollen, die kein Gegenüber in Genussgütern
aufzuweisen hatten. Wir können auch beispielsweise fiktives Kapi-
tal aus Spekulationsgewinnen, Beträge aus Aktienrealisationen auf
dem Gütermarkte kaufend ausgegeben haben. Unsere Wirtschaftslage
kann aber auch so sein, dass der Zustand ein von uns bewusstv
herbeigeführter war und die Gegenwirkung in nächster Periode in
der erhöhten Produktion bereits einsetzt.

Die Werteinheit erfüllt in jedem Falle ihre Aufgabe, wenn
[10]

es ihr gelingt, Preise, und auf der anderen Seite die Einkommen
in Parallelität zu halten, denn das allein gibt uns die Gewähr,
dass der wirtschaftliche Haushalt bilanziert. Die Einkommen müs-
sen in den Preisen aufgehen, sie müssen sie – gemeint sind natür-
lich immer nur die Genussgüter – aufheben. In diesem Zusammen-
hange wir das dauernd kursierende staatliche Papiergeld bedeu-
tungslos gegenüber der ausgleichenden Wirkung der elastischen
Banknoten, die wir darum, wenn wir vom Gelde sprachen, immer als
durchaus gleichwertig in den Begriff einbezogen. Wir müssen diesen
Schritt vornehmen, wenn wir den Inhalt der Werteinheit auf die
Produktionsleistung zurückführen und mit ihr verknüpfen.



120

– 120 -

[11]

Einkommen und Preise müssen etwas gemeinsames haben. Können wir
aber Einkommen am Golde abschätzen und vor allem tun wir es
auch in der Goldwährung? Wer wird das bejahen wollen?

Wir können aber die Preise auf Grund ihres Arbeitswert-
[12]

gehaltes mit einander in Verbindung bringen und wir können das-
selbe auch mit den Einkommen unternehmen. Was auf der einen Seite
Preise schafft, bildet auf der anderen Einkommen. Der Charakter
der Arbeitswertmenge in der Werteinheit und im Aufbau der Wirt-
schaft scheint uns wohl kaum mehr strittig. Zu beachten wäre nur
noch ihre absolute Grösse, und hier werden die Metallisten sagen,
dass der Staat mit freier Währung im intervalutaren Pari den-
noch an die mächtigen Goldwährungsländer gebunden ist und in
diesem Kurse gleich so, als wie es beim Münzpari der Fall wäre,
seine Inlandspreise doch zum Golde in Beziehung stünden. Und
selbst die freiesten unter den freien Papierwährungsländern
geniessen die Freiheit nur scheinbar, in Wirklichkeit gravitie-
ren sie doch um das Gold und alle Dinge der Welt haben hier ihre
letzte Verankerung. In der Tat können wir in jedem solchen Papier-
währungslande die Beziehung seiner Werteinheit auf dem Umwege
über das intervalutare Pari zu seinem Quantum Gold gewinnen,
aber wir gewinnen dadurch nicht eine Erklärung für unsere Preis-
höhe, sicherlich keine wesentliche.

Nehmen wir beispielsweise an die Goldwährung A lege
[13]

ihrer Werteinheit 10 g Gold zu Grunde und die Papierwährung B
stünde laut intervalutaren [sic] Kurs dauernd auf [unleserlich getippt 1/2] des Wertes von A,



121

– 121 –

[14]

so steht es uns natürlich frei zu folgern, dass unsere anscheinen-
de Währung B dennoch auf dem Golde fusse und von ihm seinen
Wert herleitet. Der Wert sei auf Grund dieser Rechnung 10/2, ist
gleich 5 g Gold; der Wert aller Güter in den Preisen nur ein
Ausdruck des teil-oder vielfachen Wertes von 5 g Gold. Dieses
Scheinergebnis, dass wir in jedem Falle am Golde kleben, können
wir aber, sofern in den Goldwährungsländern das Gold keinen
Monopolpreis aufweist, schneller erlangen, wenn wir im freien Pa-
pierwährungslande B einfach uns den freien Goldpreis ansehen.
Der wird dann auch pro Einheit ausgedrückt genau 5 g Gold erge-
ben, und wir ersparen uns den Umweg über die Kursumrechnung .
Machen wir uns jenes eben kritisierte Argument zu eigen, dann
verwechseln wir die Bedeutung des Wechselkurses der Währungen
unter einander, der ja nicht entstanden ist, um für jene alle einen
gemeinsamen Stoff abzugeben, sondern die Währungen, so wie sie
sind und sich im eigenen Lande gebildet haben, untereinander ver-
gleichbar zu gestalten. Entstanden können sie sein in der Basie-
rung auf die verschiedensten Metalle, und auch ohne internationa-
len Verkehr können sie die einzelne Wirtschaft stabil gehalten
haben. Die Unterscheidung von Pfund Sterling und Mark besteht
nicht darin, dass eine Mark eben nur ein Zwanzigstel des Goldge-
wichtes von ein Pfund Sterling wäre, – das ist nicht der tiefste
Kern. Was damit gesagt sein soll, ist dies: In England legt die
Wirtschaft an die Güter zur Preis- und Einkommensgewinnung ein
Maass, das um das Zwanzigfache grösser sei als es inDeutschland



122

– 122 –

[15]

verwendet wird. Das Gold ist nur ein äusseres Zeichen und gibt
uns in ungefähr erkenntlicher Grösse wieder, welche absolute
Grösse das Maass verkörpert. Jeder andere Preis, die Nennung eines
Einkommensbezuges, könnte uns das vielleicht noch deutlicher sagen.
Die Güterpreise selbst können auch in der Relation auf ein ganz
anderes Metall entstanden sein, das Gold erst später aus der Güter-
welt herausgenommen und auf Grund seines Preises in ihr die neuen
Beziehungen errechnet worden sein. Das Gold hatvdann nur noch
laut staatlicher Vereinbarung den Vorzug, gewissermaassen über-
staatliches Geld zu sein.

So wie wir von Silberwährung zu Goldwährung übergehen und
[16]

den rekurrenten Anschluss während unser ganzes wirtschaftliches
Zahlengebäude umrechnen, so könnte es auch einmal im Sinne der
internationalen Geldpolitik liegen, sämtliche Währungen auf das
Verhältnis 1 : 1 zu stellen. Eine Werteinheit wäre soviel wert
wie die andere, jeder einzelnen läge die gleiche Menge von Ar-
beitswerten zu Grund, alle Güter würden nach den gleichen Maassen
gemessen, und alle gleichen Dinge müssten gleiche Preise erzielen.
Ist in diesem xxx Verbande ein Land Papierwährungsland, so misst
es doch, das sagen die gleichen Preise, seine Güter augenscheinlich
mit dem gleichen Maasse, obwohl es die Verankerung mit dem Golde
abgestreift oder sogar noch nie besessen hat. Wir folgern daraus,
dass der Sinn der Werteinheit unberührt davon bleibt, welche Art
der metallischen Bindung wir ihr zu Grunde legen, denn, ist die
Entwicklung einmal über die erste Phase der gemeinsamen Preis-



123

– 123 –

[17]

bildung hinausgekommen, dann bedeutet aus sich heraus, aus den
natürlichen ökonomischen Gründen für die Werteinheit, jedes Gut
gleich viel wie das Währungsgut; und ist das letztere nicht
auch gleichzeitig das primär angewandte, dann bedeutet es in der
Proklamierung der neuen Wertsetzung im Münzfuss überhaupt nur
eine Umgestaltung seines statischen Preises im erst entstandenen
Preisgebäude. Die im Aussenverkehr wurzelnde Bedeutung der Gold-
währung wurde ja schon genau untersucht und es erübrigt sich hier
ein weiterer Verfolg. In den gleichen Wechselkursen verschiedener
Währungsländer, wenn wir den konstruierten Fall beibehalten, erken-
nen wir die gesunde Wirtschaftsführung. Gleichklang von Import
und Export sind ein Beweis der gleich gebliebenen durchschnittli-
chen Preishöhe, gleich wie auch dessen, dass der Tausch inner-wie
ausserwirtschaftlich in Reinheit und ohne Störung durch wirt-
schaftliche oder geldpolitische Momente sich abwickeln konnte;
Der Tausch im Innenverkehr insofern, als die Nominaleinkommen ihr
genaues Gegenüber in den Genussgütern finden konnten und so jeder
als Einkommen sichtbare, einmal geleistet und von der Wirtschaft
akzeptierte Arbeitswert seine Auflösung im Konsumakt in einem
Güterpreise gleicher Dimension entgegenhielt. Im Aussenhandel
war eine Störung unmöglich, weil wir beim Wechselkurse 1:1 im
Güteraustausch gleicher nomineller Werte in den gleichen Preisen
jeweils auch nur gleiche Arbeitswertmengen zum Bewegen brachten.
Die Werteinheiten enthalten international gesehen gleiche Ar-
beitswertmengen, ja soweit nicht internationale Monopole bestehen,



124

– 124 [übertippt -]

[18]

können wir hier im Austausch über die Grenzen sogar nur von
Arbeitsmengen sprechen; hier streben die Tausche nach der Rein-
heit des Wertes gemäss den Gesetzen der reinen Oekonomie.

Also auch hier sehen wir wieder, dass gleich wie im ein-
[19]

zelnen uns die Werteinheit fundiert begegnet, ihre Wirkungen und
Funktionen doch dann immer die gleichen sein müssen und sein
können, wenn sie nur gleiche Arbeitswertmengen verkörpern und
Rechenmittel einer Wirtschaft sind, die mit dem ihren Haus zu
halten weiss. Wir könnten diese Währung als einen Schritt zur
Weltwährung betrachten, die Werteinheit mit immer gleichem öko-
nomischen Gehalt wäre die Weltwerteinheit, das Maass für den
Aufbau sämtlicher Weltmarktpreise und sämtlicher damit xxx vor-
kommenden Einkommensarten. Die Bindungen wären damit auf die
denkmöglichst weiteste Basis gestellt und die Bewusstseingrösse
der Werteinheit hätte in allen stofflichen Dingen der Welt das
notwendige reale Fundament. Goldwährung wäre der straffen Bin-
dung halber, die in den 1:1 Valuten kleine Ausschläge zu nivel-
lieren weiss, wohl erwünscht. Aber in der theoretischen Betrach-
tung der Werteinheit bleibt sie bedeutungslos. Bei Reinheit der
Preise ist der Wert des Goldes im Goldwährungsland und sein Aus-
druck in dessen Werteinheit gleich dem Preis desselben im freiem
Papierwährungsland. Solange alle Staaten von wirtschaftlichen
Nöten frei sind und sich nicht auf Kosten der anderen zu be-
reichern wünschen, solange haben wir dann nur eine Währung, können
uns als e i n Land fühlen, die Grenzen verwischen mehr und mehr,



125

– 125 –

[20]

die Verrechnung wäre so bedeutungslos, als ob sie überhaupt nicht
wäre. In Zeiten der Not aber, da wird der Trennungsstrich scharf
gezogen und die Valuta wird dann durch Schutzmauer der Länder,
zum Umrechnungskoheffizienten geänderter Preise und wacht darü-
ber, dass die Tauschgesetze gleiche Arbeitsmengen im internatio-
nalen Verkehr nicht ausser Uebung geraten, roh ausgedrückt –
wir sehen dabei wieder bewusst von anderen Einwirkungen sekun-
därer Natur ab – finden wir die Gleichung: Auslandspreis mal
Valuta ist gleich Inlandspreis. Die Valuta lässt die Preise be-
deutungslos werden und setzt sie auf einen, gleiche Arbeitswerte
enthaltenden Nenner.

Nun fragen wir weiter, was bedeutet es für den Inhalt
[21]

der Werteinheit allgemein, wenn beispielsweise die stärksten
Länder England und Amerika den historischen Boden der Goldwäh-
rung verlassen würden und ihre Werteinheiten als freie Papier-
währungen proklamierten mit der Kundgebung, dass der Wechselkurs
Pfund Sterling und Dollar im gleichen intervalutaren Wert unter-
einander wie auch zu den übrigen Valuten belassen werden sollen.
Es wird Metallisten geben, die da sagen, die Lösung der Währungen
vom Golde ist nur scheinbar, in Wirklichkeit wäre das lalte Preis-
und Kursniveau beibehalten, und das Gold ist doch nach wie vor,
wenn auch unsichtbar, der Wertmesser geblieben. Diese Erklärung
würde aber sofort gezwungen erscheinen, wenn, was diesen Ländern
durchaus frei stünde, auch eine neue Währung dem Namen und Inhal-
te nach zugleich mit der Loslösung vom Golde verbunden wäre.



126

– 126 –

[22]

Den Gesichtspunkt wollen wir aber fallen lassen und unseren
ersten Fall wieder betrachten, gleich konstatieren, dass das
Wertmaass bei blossem Uebergang zur Papierwährung tatsächlich
auch nach unserer Meinung dasselbe geblieben ist. Der ruhige,
ungestörte Fortlauf der Wirtschaft, das gleichbleibende Preis-
und Einkommensniveau, kurz die Stabilität der Wirtschaft sagt
es uns. Die Arbeitswertmenge des Pfund Sterlings oder Dollars, so-
weit sie Geld- und Einkommensform darstellen, ihr Gegenüber in
den Verbrauchsgütern haben, ist ihrem ökonomischen Werte nach
unverändert geblieben. Beachtung verdient dieser Vorgang nur
insofern diese beiden Währungen als die stärksten im Kreise der
übrigen Weltvaluten figurierten und diese alle zu jenen mächtigs-
ten hinstrebten und sich nach ihnen einstellten. Wir können ohne
weiteres annehmen, dass diese Uebung auch im weiteren Verlaufe
würde beibehalten werden, denn nicht der Goldschatz dieser Län-
der hat ihnen die wirtschaftliche Führerstellung erobert, son-
dern ihre wirtschaftliche Macht, und diese wird nichts nach
einer belanglosen Währungsänderung fragen und fortbestehen und
damit auch die alte Praxis Pfund Sterling oder Dollar als den
Mittelpunkt der Valuten und sie als absolut fest zu betrachten.
Ebenso dürfen wir bei jenen Wirtschaftsmächten die Einsicht
voraussetzen, dass sie nicht ihr Preisniveau, das Preisstandard
der ganzen Welt ohne zwingende Notwendigkeit zur Aenderung
bringen werden. Das an Naturgütern so reiche Amerika, England mit
seinen die Welt umspannenden Kolonialbesitz wären uns die beste



127

– 127 -

[23]

Legitimation für eine ruhig ungestörte Fortentwicklung des in-
ternationalen Handels, auch wenn jetzt in ihm das Gold als Ver-
gleichs- und als Bindemittel in Wegfall geriete. Die Valuten wür-
den sich nach der festen Weltmarktswährung einspielen, gleich als
ob hinter dieser Währung wörtlich ein reales Gut wie das Gold
stünde, wir sagen wörtlich, denn begrifflich wissen wir, steht
eine Realität, die ganze Güterwelt, zur Stützung hinter der Währung
der Länder. Weltwerteinheit ist die(gleiche geblieben in dem we-
sentlichen Sinn wie sie es immer war, nämlich in der engen Ver-
knüpfung mit der realen Güterwelt, ausdrückbar in einer Menge
von Arbeitswert, deren Grösse uns umso sicherer und bestimmter
gegeben ist, je weiter das Netz der Relationen spannt, je stärker
Handel und Verkehr.

Als Ergebnis all dieser Betrachtung pflücken wir als
[24]

reife Frucht die Erkenntnis, dass, wenn wir die erste in der
Vorzeit liegende Entwicklung als Datum in unser System einrei-
hen und das Stadium der ersten Relation- und Preisbildung als
überwunden hinnehmen, wir dann jede Währungsform als gleichbe-
rechtigt neben die andere zu stellen vermögen. Wenn wir uns aus
praktischen Gründen für diese oder jene Art entscheiden konnten,
so wäre das eine Ueberlegung, die fern der Theorie läge und ihr
Ergebnis nicht zu beeinflussen vermag. Das allerdings müssen wir
zugestehen, dass wir ein reales Gut als Grundlage benötigen, aber
das nur dann, wenn wir gewissermaassen erst vom Einzelindividium
zur Gemeinschaft kommen wollen.



128

– 128 -

[25]

Der ohne historische Erinnerung sich neu bildende Staat.
Wenn wir die eben angeführte gedankliche Abstraktion eines solchen
Staatsgebildes untersuchen wollen, dann können wir dem nicht das
Papiergeld als technisches Mittel des Verkehrs in die Hand geben.
Der hätte tatsächlich in ihm kein Maass, nach dem er die Dinge der
Aussenwelt abstecken könnte. Hier müssen wir von einem bekannten,
realen Ding zu allem übrigen gelangen und in Teil oder Vielheit
seines realen Wertes die Ausdüxxe [sic] für die Güterwelt finden. Das
ist zu bekannt, als dass wir es noch schildern müssten. Der Inhalt
der Werteinheit ist der gleiche, wie wir ihn später in jeder Wäh-
rungsreform erkannten, aber nur in dem einen praktisch nimmer vor-
kommenden Fall müssen wir die Währung auf ein reales Gut gründen;
späterhin können wir immer von der Menge der Güter zurückgehend
auf den Inhalt und den ökonomischen Gehalt der Werteinheit erken-
nen, denn gerade in der Menge der Güter, in der Vielheit der Ein-
kommen gewinnt der Begriff Werteinheit Form, Inhalt und Leben.
Wäre das neue Staatsgebilde etwa der sozialistische Zukunftsstaat,
so könnten wir Arbeit gleich Arbeit setzen, den Erfolg dargestellt
im Gut liessen wir unberücksichtigt und wir könnten als das Maass
und den Ausdruck der Werte einfach die angewandte Arbeitszeit in
Ansatz bringen. Arbeitsstunde beispielsweise wäre die Werteinheit
und damit die Strktur [sic] für Preise und Einkommen. Was wir in der mo-
dernen Wirtschaft als Werteinheit erkannten, ist streng genommen
eben dieser gleiche Inhalt übertragen von der reinen auf die po-
litische Oekonomie.



129

– 129 =
[26]


Begrifflich wäre es denkbar, dass wir sogar in den Be-
[27]

rufstätigkeiten dem Werte nach eine Gliederung vornehmen würden.
Wir könnten die verschiedenen Arbeitsleistungen in Beziehung zu
einander setzen, könnten die Werteinheit auf irgendeine, die uns
als am konstantesten erscheint, beziehen und wir hätten damit
auch die Möglichkeit der Preis- und Einkommensbildung und -bindung.
Die Wahrscheinlichkeit dieser Fälle spielt keine Rolle; es ist
uns nur wesentlich, dass auch in allen nur gedanklich möglichen
Fällen immer wieder je nach Stufe der gesellschaftlichen Ent-
wicklung, Arbeit der Zeit, der Menge und dem Werte nach das Maass
der Güter und als deren Ausdruck der ökonomische Inhalt der Wert-
einheit sein muss.


[28]

Der autarke Staat ohne internationale Beziehungen. Es sei dies der 
letzte zu untersuchende Fall, der uns freilich nach all dem Ge-
sagten ekeine [sic] wesentlichen, neuen Gesichtspunkte bieten wird.
Er wäre gleich zu achten dem wirtschaftlich so starken Land, das
seine Valuta unverändert belassen kann. Die Bedürfnisse der Innen-
wirtschaft können vollauf aus ihrer eigenen Erzeugung befrie-
digt werden. Eine Valutafrage besteht für dieses autarke Staats-
gebilde in keiner Weise. In(der Wahl seiner Währung, d.h. der
Proklamierung seiner Werteinheit hat es völlig freie Wahl, ja
hier wird diese Ueberlegung zur blossen Aeusserlichkeit und Ne-
bensächlichkeit. Der Name autarke Staat bürgt uns dafür, dass hier
der Güteraustausch reibungslos sich vollzieht und der wirtschaft-
liche Haushalt bilanziert. Unsere ganze Ueberlegung müssen wir



130

– 130 -

[29]

bei ihm auf die Einkommensbildung richten, dass diese im Einklang
mit der Genussgüterproduktion sich vollziehen. Nachbwelchem Maasse
wir aufbauen, ob es vom Staate gebundenes oder ob es ein histo-
risch entstandenes, in der Wirtschaft um uns lebendes und in den
überlieferten Preisen fixiertes Maass ist, bleibt ohne Belang; –
entscheidend ist nur der Gleichlauf. Und tritt eine Störung
hierin ein, so muss sie ihre Quelle in einem falschen Vertei -
lungsprinzip haben, denn Wirkungen von ausserhalb sich [sic?] nicht gege –
ben. Wir kennen keine Valuta und die Preishöhe an sich bleibt
eben so wirkungs- und bedeutungslos. Alle theoretische Ueberlegung
gipfelt in der Verhütung und Ueberwindung einer Inflation. Die
Bindung der Werteinheit an ein Gut ist Möglichkeit, solange wir
ihrer nicht bedürfen, solange das Gleichgewicht gewahrt ist, und
die Bindung ist nimmer möglich, wenn dieses gestört ist, und die
Güterpreise aus den alten Relationen herausfallen. Angebot und
Nachfrage müssen sich bilanzieren. Ist unbefriedigte Nachfrage
darüber hinaus vorhanden, so wird Preissteigerung Platz greifen,
gleich ob die Werteinheit bis dahin gebunden oder ungebunden war.
Wir berühren hier die Frage der Inflation, die aber einer beson-
deren Untersuchung vorbehalten sein soll.

Wir wollen nur noch ausführen, dass wir die ganze Welt,
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als Einheit betrachtet, als ein solches autarkes Gebilde anspre-
chen können, in dem aus der Natur bedingten Gründen diese Autarkie
nicht gesprengt werden kann. Des weiteren ist damit bedingt,
dass in ihr die Gesetze des Tausches von gleichen Arbeitswerten



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sich mit zwingender Notwendigkeit durchsetzen müssen, solange den
Einzelindividuen nicht die physische Lebensmöglichkeit geraubt
ist. Die Nationen sind hier nur Zwischenstaaten, unter denen der
reale Tausch die einzige Güterbewegungsform bildet. Die Differen-
zierung zwischen wirklich geleisteter Arbeitsmenge und erkanntem
Arbeitswert besteht innerhalb der Staatsgrenzen und ist durch
gesellschaftliche Kategorien bedingt. Im System der ganzen Welt
aber herrscht das Gesetz des Tausches in der Ureigenschaft
gleicher, objektiver Werte.

Wir fragen nichts mehr nach Währungsform und Währungsme-
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tall. Wir erkennen die Bedeutungslosigkeit all dieser Fragen und
sehen nur noch auf das Gedankliche und auf das Güterwirtschaft-
liche. Alle Geldpolitik scheint so in eine Frage der Technik ein-
zumünden. Mit der Technik verbinden wir nur irrtümlich den Geist,
der über dem Geld als Stoff steht und der die Wirtschaft zu
laufen und zu kreisen antreibt, das ist allein die menschliche
Arbeitskraft.