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- 90 -
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uns die Preise nicht vertraut sind, und haben wir hier Gelüste
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zum Tausch. Von welchem Gesichtspunkt mag unser Handeln wohl ge-
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leitet sein? Es werden die gleichen sein, die einmal die Relation-
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nen im eigenen Lande zum Entstehen brachten und wir können im Geis-
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te der objektiven Wertlehre antworten, dass es auch hier der geron-
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nene Arbeitswert sein muss. Auf Grund der voon beiden Parteien an-
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gestellten Evvrvvwägungen wird dann bei Uebereinstimmung der Tausch
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zustande kommen. Wir haben sonderbarer Weise dabei nach keinem
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Preise gefragt; - er konnte uns ja auch nichts sagen. Dann aber,
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wenn unsere Wertschätzung, auf Grund des Arbeitswertes, die wir
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einem Dinge zuerkennen, beendet ist, und wir wissen, dass unsere
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Ware zehn Einheiten unserer Währung, die fremde Ware, die wir gegen-
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51 |
ta[übertippt u]schen, fünf Einheiten der fremden Währung gleichkommt, so scheint
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52 |
es, dass unsere Währung einen um die Hälfte niederen Maasstab angelegt,
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als es drüben über der Grenze geschieht. Nicht nur die Werteinhei-
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54 |
ten A und die fünf Werteinheiten B. Verdichten sich die Tausche,
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so wird die Wahrscheinlichkeitszahl zwischen den beiden Währungen
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zur immer festeren und bestimmteren Grösse. Das Beispiel ist na-
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turgemäss auf das möglichst einfache Maass reduziert und es ist
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58 |
im Verlauf der Betrachtung der Goldwährung zu beweisen, dass auch
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be[übertippt i]m modernst organisierten internationalen Handel die Gescheh-
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60 |
nisse im Grunde die gleichen bleiben. Die Fäden des Austausches
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61 |
hält nun der Staat in der Hand, der es unternommen hat, das Geld-
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62 |
wesen und das ganz besonders im Verhältnis nach aussen zu ordnen
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70 |
- 91 -
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71 |
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72 |
und zu regeln. Mit diesem Tun hemmt er keineswegs den Unterneh-
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73 |
mungsgeist des Einzelnen, dem ja nicht am Tausche, sondern nur am
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74 |
Kaufe oder Verkaufe gelegen ist. Importeur und Exporteur verrich-
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75 |
ten jeweils nur eine Hälfte des volkswirtschaftlichen Austausches.
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76 |
So entstehen, gesehen von der Perspektive der gesamten V
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77 |
Volkswirtschaft, Forderungen und Gegenforderungen, die bis zur
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78 |
gleichen Höhe der Werte sich aufheben und ökonomisch bedeutungs-
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79 |
los bleiben. Den Stand des Wechselkurses bestimmen vielmehr je-
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80 |
weils Mehrheit oder Minderheit der Forderungen nach den Gesetzen
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81 |
von Angebot und Nachfrage. Wir sahen, dass das Verhältnis der Wech-
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82 |
selkurse primär abhängig ist von der Preishöhe der jeweiligen
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83 |
Länder. Dies bildet ja auch den Anreiz zu Import oder von Seiten
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84 |
der anderen zu Export. Sind wir mit Export im Rückstande geblieb-
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85 |
ben, so können wir daraus entnehmen entweder, dass Waren bei uns
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86 |
nicht abgesetzt sind oder gar, dass wir infolge falscher Geld-
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87 |
schöpfung wirtschaftlich ungerechtfertigt über eine Gütermenge
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88 |
verfügt haben, die wir, da wir importieren, zum Export hätten be-
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89 |
reit halten müssen. Wir können aber den ausländischen Kvvovvnsum auf
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90 |
unseren Vorteil hin nicht schmälern, wir müssen vielmehr für den
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91 |
Mankoposten der überzähligen Einfuhr als Käufer von fremder Va-
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92 |
luta auftraten und den Preis dieser damit in die Höhe treiben,
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93 |
was gleichbedeutend einem Sinken der Mark zu werten ist. Handelt
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94 |
es sich hier um eine vorübergehnde Störung, so wird das veränder-
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95 |
te Kursniveau unsere Exporttätigkeit in einem Maasse erhöhen (Prei-
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96 |
se sind gleich geblieben - Valuta ist egsunken), dagegen die
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104 |
- 92 -
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105 |
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106 |
Importmöglichkeit uns in einem hohen Maasse genommen sein, dass
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107 |
die nachfolgende.Bilanz wieder in die alte Kursrelation einneh-
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108 |
men wird. Die Disparität der Wvvävvhrungen liefert so aus sich selbst
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109 |
heraus den Gegendampf. In der Währungspolitik werden in solchem
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110 |
Falle Mittel gefunden werden, um die schädlichen Schwankungen
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111 |
zu vermeiden, sei es nun bei gleichen Währungen Export des Wäh-
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112 |
rungsmetalls oder Stundung der Fvvovvrderung.
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113 |
Anders aber, wenn aus innerwirtschaftlichen Gründen das
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114 |
Preisniveau anarchisch geworden ist und sich durchaus von seiner
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115 |
alten Basis entfernt hat. Dvvavvs Ausland wird nimmer geneigt sein,
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116 |
für unser Geld und unsere Devisen, das Spiegelbild der Warenprei-
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117 |
se, den Betrag in eigener Währung hinzugeben nach dem Verhältnis
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118 |
wie es zu den alten Relationen geschah. Wenn wir Preise nicht auf
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119 |
Grund einer Produktionsänderung und Verteuerung in ihrer Gesamt-
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120 |
heit erhöhen, so bringen wir damit zum Ausdruck, dass wir einen
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121 |
Arbeitsaufwand von bestimmter Grösse nominell höher bewerten[m übertippt mit ,]
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122 |
d.h. den Ivvnvvhalt der einzelnen Einheit herabmindern. Da nun der
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123 |
überstaatliche Austausch immer nur ein solcher von gleichem Ar-
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124 |
beitsaufwand sein kann, und in den Devisen als der Parallele der
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125 |
Waren zum Ausdruck kommt, da muss der Uvvmvvrechnungskoeffizient Valu-
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126 |
ta das Gvvlvveichgewicht wieder herstellen, da wir uns nicht auf Kos-
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127 |
ten anderer bereichern können.
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128 |
Der nämliche Vorgang, der aber keine Svvcvvhlüsse auf die
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129 |
Qualität seiner Valuta ziehen lässt, ist dann gegeben, wenn ein
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130 |
Land aus freiem Entschluss eine Währungsänderung vornimmt. Die
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138 |
- 93 -
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139 |
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140 |
Umrechnung der Valuta wird sich ganz genau mathematisch hier
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141 |
vollziehen. Auch bei den sog.festen Valuten, den Goldwährungen,
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142 |
sind immerhin in den Grenzen der Tvvrvvansportkosten kleine Schwan-
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143 |
kungen um das Münzparie möglich, die noch gar die feinsten
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144 |
Schwankungen der Wirtschaft uns künden. Ivvnvv jedem Falle müssen die
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145 |
Devisenkurse so stehen, dass die aus einem momentanen Preisniveau
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146 |
sich ergebenden Antriebe zu Import und Export und damit Störung
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147 |
der Zahlungsbilanz durch die Valuta paralysiert werden.
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148 |
Das zeigt uns auch, dass die Valuten primäre nur von innen
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149 |
heraus erschüttert werden können, von solchen Erscheinungen, die
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150 |
als Endergebnis eine Wirkung auf die Preise zeitigen. Nach aussen
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151 |
ist das staatliche Geld eine Ware, nicht in der Eigenschaft als
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152 |
das körperliche Geld, sondern eine Ware, insofern sie das Gegenüber
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153 |
oder die Anweisung auf die Güter bedeutet. Der erzielte Wechsel-
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154 |
kurs ist in letzter Zvvuvvrückverfolgung nicht der Preis des Geldes,
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155 |
sondern der Preis der Waren, die hinter dem Gelde stehen, und die
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156 |
im Verhältnis zur eigenen Währung teurer, gleich geblieben oder
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157 |
billiger geworden sind. Gvvavvnz gleich so verhält es sich mit Zins-
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158 |
erträgen aus im Ausland arbeitenden Kapital und mit Versicherungs-
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159 |
prämien, die notwendig als Aktivposten in der Bilanz erscheinen
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160 |
müssen wie Güterausfuhr, weil auch diese Pvvovvsten sich auf kostende
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161 |
Leistungen zurückführen lassen, ja nur auf solche zurückgeführt
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162 |
werden können [ergänzt handschriftlich , [?]genau[?]] wie physische Gegenstände selbst. Wir können hier
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163 |
aber nicht die Wirkungen auf die Valuta erschöpfend behandeln;
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164 |
wir wollen v[übertippt i]elmehr die uns wichtigen, mit der Werteinheit im
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172 |
- 94 -
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173 |
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174 |
Innenverkehr zusammenhän[übertippt g]enden Berührungspunkte aufzeigen. Die
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175 |
letzte Entscheidung spricht immer die Zahlungsbilanz, aber der
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176 |
wesentlichste Faktor der Zahlungsbilanz ist wiederum die Handels-
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177 |
bilanz, und sie eben ist bedingt durch die Preishöhe.
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178 |
Wir fassen noch einmal zusammen: Die Aufgabe der Valuta
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179 |
besteht darin, dort, wo der überstaatliche Tausch nicht mehr sich
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180 |
zwischen gleichen verkörperten Arbeitswelten abspielt, den als
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181 |
tertium comparationis der Werteinheit geschalteten intervaluta-
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182 |
ren Kurs so umzuändern, dass der Tausch zwischen objektiv glei-
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183 |
chen [g übertippt mit G]rössen wieder verwirklicht ist. Weiter sollte unsere Betrach-
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184 |
tung vorläufig nicht führen. Es sollte nur kurz dargetan sein,
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185 |
dass auch der internationale Verkehr über die Grenzen der ver-
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186 |
schiedensten Währungsländer hinaus keine Brechung der von uns er-
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187 |
klärten Sätze bedeutet und der Begriff der Werteinheit keine
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188 |
Biegung dadurch erfährt. Was im einzelnen über die [übertippt V]aluten noch
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189 |
zu sagen sein wird, das sei jetzt bei der Betrachtung der Währungs-
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190 |
formen ergänzt.
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191 |
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192 |
Die W ä h r u n g s f o r m e n .
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193 |
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194 |
__Goldwährung:__ Es könnte scheinen, als ob wir in der Kritik des
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195 |
Metallismus damit auch gleichzeitig die Goldwährung schlechthin
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196 |
negieren wollten. Das aber ist nicht der Fall; - wir anerkennen
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197 |
vielmehr die ungeheuer praktische Bedeutung, die der Goldwährung
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198 |
innewohnte und erkennen ihre Segnung im vollen Maasse an.
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206 |
- 95 -
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207 |
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208 |
Nur, und das trennt uns trotz scheinbaren Gleichlauts vom
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209 |
Metallismus, suchen wir aus ihr nicht die Stützen metallisti-
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|
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210 |
scher Lehre zu gewinnen. Was jenen das A und O bedeutet, ist in
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211 |
unserer Avvnvvschauungsweise erstvsekundärer Natur; uns interessiert
|
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212 |
in diesem Zusammenhange weder die Notendeckung noch innerer Gold-
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213 |
umlauf, wir fragen nichts nach der Basierung der Werteinheit Mark
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214 |
au`f das Gold, soweit sie zur Erklärung des Eigenwertes dienlich
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215 |
sein soll. Wir betrachten einmal die Goldwährung als die von den
|
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216 |
wirtschaftlich führenden Ländern angewandte Währung, werden dabei
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217 |
vielen gemeinsam bindenden Gesichtspunkten auf die Spur kommen
|
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218 |
und auf diesem Wege von aussen nach innen endlich auch die wirt-
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219 |
schaftliche Bedeutung der Gvvovvldwährung im Innenverkehr würdigen.
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220 |
Das den Weltmarkt beherrschende und mit Industrieproduk-
|
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221 |
ten versorgende Land war England. Hier müssen wir unseren Betrach-
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222 |
tung aufnehmen . In England herrschte die Goldwährung vor, d.h. es
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223 |
wurde proklamiert, dass ein Pfund Sterling einer Gewichtsmenge
|
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224 |
Feingoldes gleich zu werten und jederzeit in Gold umzutauschen
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225 |
sei. Die Geldpreise waren in diesem System ohne weiteres Goldprei-
|
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226 |
se, denn einmall hatte das Pfund Sterling eine natürliche Beziehung
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227 |
zum Golde, wie sie die zu allen anderen Gütern auch hatte, und dann
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228 |
aus geldpolitischen Gründen noch eine besondere auf die Dauer
|
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229 |
mit jener notwendig übereinstimmende Bindung zu diesem Edelmetall,
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230 |
nämlich den Münzfuss. England war wirtschaftlich so gut fundiert,
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231 |
dass es trotz dreimaliger Suspendierung der Peelsacte, der Ein-
|
|
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232 |
stellung der Goldeinlösepflicht, doch keine nennenswerten
|
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240 |
- 96 -
|
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241 |
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242 |
Preisrevolutionen zu erleiden hatte, uns [sic] es konnte immer wieder,
|
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243 |
denn es war nach wie vor das stärkste Land, und es war die Zeit
|
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244 |
des ausschliessliche geltenden Metallismus, die Bindungen des
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245 |
Pfund Sterling zum Golde neu begründen. Wenn wir, wenn andere ihre
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246 |
Stimme auf dem Weltmarkte laut werden lassen wollten, so war es
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|
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247 |
tunlich, dem allein herrschenden Pfund Sterling ein gleichwerti-
|
|
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248 |
ges und jederzeit vergleichbares entgegen zu setzen. Was ein Pfund
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249 |
Sterling bedeutete, das wusste man ohne weiteres; alles konzen-
|
|
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250 |
tr[hand durchgestrichen --e--]ierte sich ja darauf hin. Diese Selbstherrlichkeit zeigt sich
|
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251 |
heute noch in der englischen Kursnotierung, die als einzige das
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252 |
Pfund Sterling in den Mittelpunkt stellt. Wenn wir unsere Produk-
|
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253 |
te zum Weltmarkte bringen, so müssen wir unsere Währung zum Pfund
|
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254 |
Sterling in Vergleich setzen, und, um den Verkehr zu erleich-
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255 |
tern, ein mögli[h übertippt mit c]hst stabiles Verhältnis zu erreichen suchen. Hat
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256 |
nun beispielsweise Deutschalnd [sic] Silber-, England die Goldwährung,
|
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257 |
so ist diese Verhältniszahl zischen beiden Währungen den
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258 |
verschiedensten Schwankungen ausgesetzt. Einmal ist es die[handsch (]nominel-
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259 |
le Preishöhe schlechthin, die wirksam wird, dann aber vor allem die
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260 |
Wechselwirkungen von dem Münzfuss des Silbers in Deutschland
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261 |
und dem freien Metallpreis des Silbers auf dem englischen Mark-
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262 |
te in englischer Währung ausgedrückt. Aus Produktionsbewegungen
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263 |
der Metalle, wobei das Gold als das immer Starre belassen wird,
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264 |
muss sich jeder golche [sic] Aenderung als ein Schwanken des Silber-
|
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265 |
wertes bemerkbar machen und die valutarischen Verhältnisse be-
|
|
|
266 |
einflussen. So wird der Staat, der die Kraft fühlt, Englands
|
|
|
274 |
- 97 -
|
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275 |
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|
276 |
Konkurrent auf dem Wletmarkte zu werden, aus praktischen Gründen
|
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277 |
notwendig zur Goldwährung getrieben. Dass bei solcher Währungsän-
|
|
|
278 |
derung nichts Grundlegendes geschieht, sondern lediglich ein Rechen-
|
|
|
279 |
exempel zur Ausführung gelangt, das kann uns jeder Wirklich-
|
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280 |
keit entnommene Fall deutlich machen. Ivvnvv Ansehen der schon geschil-
|
|
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281 |
derten Punkte galt das Pfund Sterling in deutschem Silbergeld
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282 |
6,81 Taler. Ein Taler sei drei Mark, ergibt durch Multiplikation
|
|
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283 |
3 mal 6,81 ist gleich 20,43 ℳ für ein Pfund Sterling. Damit ist
|
|
|
284 |
uns nun noch der Goldgehalt der Mark genauest vorgeschrieben und
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285 |
wir haben den Anschluss an den Weltmarkt erreicht. Die Goldwährung
|
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|
286 |
ist das gemeinsame Band, das die Weltmarktkonkurrenten aneinander-
|
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287 |
schweisst [, übertippt mit .] Nicht, dass ein Pfund Sterling, eine Mark und ein Schwei-
|
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288 |
zer Franken gleiche y und z gramm [sic] Gold wären [handsch ,] und jede Wirtschaft
|
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289 |
an dieser jeweiligen Gewichtsmenge ihre Werte messe; nein, dass wir
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|
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290 |
jetzt unter den konkurrierenden Nationen in jedem Augenblick im
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291 |
Münzfuss ei[übertippt n] Vergleichsmaass haben, das den Leistungsfähigsten zum
|
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292 |
Zuge kommen lässt, und zudem noch die Preishöhe auf die wirklich
|
|
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293 |
notwendigen Herstellungskosten herabzudrücken geeignet ist, -
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294 |
das ist der erste wesentliche Inhalt, den wir in die Goldwährung
|
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295 |
legen wollen. Die Goldwährung gab uns Auskunft über die Qualität
|
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296 |
eines Landes, denn Goldwährungsland sein, heisst, die Kraft aufzu-
|
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297 |
bringen, ihr Tempo mitzuleben. Der billigste Preis trägt auf dem
|
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|
298 |
weltmarkt den Sieg davon. Wer, - sei es aus natürlichen oder ge-
|
|
|
299 |
sellschaftlichen bedingten Gründen, nicht fähig ist, mit den anderen
|
|
|
300 |
Schritt zu halten, der kann auf die Dauer nicht Goldwährung be-
|
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308 |
- 98 -
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309 |
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310 |
sitzen. Die Bedingungen werden nicht in [übertippt j]edem Lande die gleichen
|
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311 |
sein. Das aber gilt nach aussen gleich. Zur Nivellierung müssen
|
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|
312 |
möglicherweise dann im Innern Opfer gebracht werden, sei es an
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|
|
313 |
verminderter Lebenshaltung, sei es an erhöhter Arbeitsleistung.
|
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314 |
Die Goldwährung schraubte also die Preise auf dem Weltmarkt
|
|
|
315 |
mit zwingender Notwendigkeit bei strafe des Währungsverfalls
|
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316 |
eng aneinander. Bvvevvi Rohproduktion tritt das am stärksten zu Tage,
|
|
|
317 |
aber auch die Fertigfabrikate waren in allerdings locke-
|
|
|
318 |
ren Banden eingehängt. Die Fvvrvvage, wieviel Geld ein Land zur Siche-
|
|
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319 |
rung siner Währung an Edelmetall vorrätig halten müsse, ist in
|
|
|
320 |
diesem Zusammenhang weder eine solche, die von der Golddeckung
|
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321 |
der Noten abhängig wäre und mit der umlaufenden Notenmenge in
|
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322 |
Verbindung gebracht werden müsse, sie ist überhaupt keine Erör-
|
|
|
323 |
terung, welche die Theorie angeht, sondern ausschliesslich eine
|
|
|
324 |
Machtfrage. Wir können sagen, dass, je enger ein Land mit der Gold-
|
|
|
325 |
währung verflochten ist, je grössere Rolle es in diesem Verbande
|
|
|
326 |
spielt, desto weniger Gold hat es begrifflich nötig, und mag es auch
|
|
|
327 |
im Innenverkehr den grössten Notenumlauf haben, mag dem Gesetz
|
|
|
328 |
nach die volle Deckung vorgeschrieben sein. Ja, wenn wir rein theo-
|
|
|
329 |
retisch sprechen wollen, so müssen die Goldwährungsländer ohne
|
|
|
330 |
jeglichen Goldschatz ihr [sic] Währung behaupten können. Wo die Zahlungs-
|
|
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331 |
bilanz dauernd eine passive ist, das ist dort, wo Import nicht
|
|
|
332 |
durch Export oder sonstige Aktivposten gedeckt ist, da muss jede
|
|
|
333 |
Goldwährung in absehbarer Zvvevvit aufhören; vorübergehende Saldie
|
|
|
334 |
aber könnten buchhaltungsmässig gestundet werden, da sie bei Auf-
|
|
|
342 |
- 99 -
|
|
|
343 |
|
|
|
344 |
rechterhaltung der Goldwährung notwendigerweise wieder abgetragen
|
|
|
345 |
werden müssen. Die Goldwährung ist nur das Äusserste Ventil,
|
|
|
346 |
das der Währungspolitik zum halten des intervalutaren Paris
|
|
|
347 |
zur Verfügung steht. Praktisch waren es die Gold[übertippt p]unkte, -die Ver-
|
|
|
348 |
sendungskosten von Land zu Land, die das [übertippt i]ntervalutare Pari mit
|
|
|
349 |
dem Münzpari eng verbanden.
|
|
|
350 |
Die alten Fäden wieder aufnehmend, können wir sagen, dass
|
|
|
351 |
als Folge der absoluten Vergleichbarkeit die Goldwährung unser
|
|
|
352 |
ganzes Preisniveau auf dem Uvvmvvwege üder [sic] den Weltmarkt von aussen
|
|
|
353 |
herein beeinflusst habe, so dass jede Stimme wohl gehört wird, aber
|
|
|
354 |
doch immer alle gegen einen stehen und dessen Wirtschaft beein-
|
|
|
355 |
flussen. Was aber ist mit diesem Ereignis weiter gewonnen? Zunächst
|
|
|
356 |
einmal: eine allgemeine Preisänderung kann nur statthaben in Ge-
|
|
|
357 |
meinsamkeit mit dem ganzen Weltmarkt. Wir können unsere Produktions
|
|
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kosten in der Gesamthöhe, soweit sie den Preis bestimmen, nicht än-
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dern, ohne dass dies allgemeine Regel wäre, und dazu liegen noch
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hemmend die Bindungen an das Gold vor, dessen Gebrauchswert sich
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bei Innehaltung des alten Münzfusses gegenüber dem erhöhten Preis-
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niveau auflehnen würde. Schwanken können also nur die einzelnen
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Produktionsgrössen, das sind die Einkommen untereinander. Von ihnen
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können wir wohl sagen, dass in längeren Zeitabläufen genommen durch
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die gegenseitige Konkurrenz und abwanderung, Stabilität sowohl im
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allgemeinen, alsnauch in ihrem gegenseitigen Verhältnis obwaltet.
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Das Real- und das Nominaleinkommen in der Nation sind nur verschie-
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dene Namen zur Versinnbildlichung eines Vorrates an Gütern, ersteres
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- 100 -
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ist die periodisch erzeugte Gütermenge als Masse, letzteres ist
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eine gesellschaftliche Kategorie, bedingt dur[übertippt c]h arbeittsteilige
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Produktion und Privatwirtschaft, - der Anspruch der einzelnen
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insgesamt auf jenen Vorrat. Mit den Preisen sind die Einkommen
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gebunden, denn Einkommen sind nichts anderes wie Preise, Preise
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für geleistet Arbeit, die zusammengenommen in den Warenpreisen
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das notwendige Gegenüber finden müssen. Das ist der Weg, auf dem
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die Goldwährung über die Preisbildung und -bindung ihren Weg
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bis zu den Einkommen findet. Das aber ist etwas durchaus verschie-
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denes der Bedeutung, die Metallisten dem Gelde imputieren. Wir
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aber gehen auf unserem Wege noch weiter. !!Es ist klar, dass das
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Nominaleinkommen der Nation nur geändert werden kann und darf im
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Einklang mit der Produktionsleistung.!! Nie kann es geändert werden
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pro Anteil am Produkt, sondern immer nur pro Zahl. So können wir
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die Fvvrvvage der Arbeitszeit, der Beamtengehälter, denn das sind aus
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der Produktion geleistete Steuern; wir können das Maass, wie weit
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soziale Einrichtungen in der Goldwährung möglich sind, begrifflich
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beantworten. Wir müssen nur immer von aussen nach innen sehen, wir
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müssen kalkulieren, gewissermaassen von oben nach unten, denn das
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Oben ist uns durch die Goldwährung gegeben. In jenem fest begrenz-
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ten Raume muss sich unser Wirtschaftsleben bewegen und einrich-
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ten und die angeschnittenen Fragen sind as diesen Gesichtspunk-
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ten heraus zu prüfen und zu beantworten. Während wir auf den Preis
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kaum einen Einfluss haben, bleibt uns doch als Regulator unserer
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Einkommen die Höhe der Produktion vorbehalten. Mit beiden gegebenen
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- 101 -
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Grössen haben wir auch die Notenproduktion in die Klammer ein-
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gezogen. Wir brauchen nur von der Banknote rückwärts zu schreiten
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über Wechsel zur Forderung, um die Verknüpfung der Note mit der
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Ware und, was die Höhe und Menge ihres Umlaufs anlangt, mit dem
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durch den Weltmarkt und Goldwährung uns vorgeschriebenem Preis-
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niveau gewahr zu werden. Das liegt durchaus im Rahmen der im
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Kreislauf der Wirtschaft von uns vorgetragenen Auffassung. Mit
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diesem Eegebnis haben wir eine Waffe gegen die Einlösepflicht
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und die Deckungsfrage der Noten in der Hand. Lehrt uns der Me-
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tallismus nicht, dass das Gold als Wertmaass real vorhanden sein
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müsse und dass die Banknote nur deshalb wie Gold kursiere, weil
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sie in solches u[übertippt m]wandelbar ist? Wurde uns nicht besonders im
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Kriege die Dritteldeckung als die Bremse gegen die Inflation
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hingestellt, um allerdings praktisch in der Art und Weise, wie
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sie gehandhabt wurde, in der Einbeziehung der assignatenmässig
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gedeckten Darlehenskassenscheins als Deckungsgrundlage, einen
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sinnfälligen, wirtschaftlichen Betrug zu begehen. Aus unserer
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Betrachtung erkennen wir, dass, so lange wir an die G[übertippt ol]dwährung
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angeschlossen waren, bis zu dessen Höhe, obgleich sie das die
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Deckung beträchtlich überschreiten würde, eine Notenausgabe ge-
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fahrlos und von geldtheoretischer Seite nicht zu beanstanden
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wäre. Der Fall des Maximums an Noten läge da, wo alle Leistungen
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