Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / IV




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    208 Nur, und das trennt uns trotz scheinbaren Gleichlauts vom
    209 Metallismus, suchen wir aus ihr nicht die Stützen metallisti-
    210 scher Lehre zu gewinnen. Was jenen das A und O bedeutet, ist in
    211 unserer Avvnvvschauungsweise erstvsekundärer Natur; uns interessiert
    212 in diesem Zusammenhange weder die Notendeckung noch innerer Gold-
    213 umlauf, wir fragen nichts nach der Basierung der Werteinheit Mark
    214 au`f das Gold, soweit sie zur Erklärung des Eigenwertes dienlich
    215 sein soll. Wir betrachten einmal die Goldwährung als die von den
    216 wirtschaftlich führenden Ländern angewandte Währung, werden dabei
    217 vielen gemeinsam bindenden Gesichtspunkten auf die Spur kommen
    218 und auf diesem Wege von aussen nach innen endlich auch die wirt-
    219 schaftliche Bedeutung der Gvvovvldwährung im Innenverkehr würdigen.
    220      Das den Weltmarkt beherrschende und mit Industrieproduk-
    221 ten versorgende Land war England. Hier müssen wir unseren Betrach-
    222 tung aufnehmen . In England herrschte die Goldwährung vor, d.h. es
    223 wurde proklamiert, dass ein Pfund Sterling einer Gewichtsmenge
    224 Feingoldes gleich zu werten und jederzeit in Gold umzutauschen
    225 sei. Die Geldpreise waren in diesem System ohne weiteres Goldprei-
    226 se, denn einmall hatte das Pfund Sterling eine natürliche Beziehung
    227 zum Golde, wie sie die zu allen anderen Gütern auch hatte, und dann
    228 aus geldpolitischen Gründen noch eine besondere auf die Dauer
    229 mit jener notwendig übereinstimmende Bindung zu diesem Edelmetall,
    230  nämlich den Münzfuss. England war wirtschaftlich so gut fundiert,
    231 dass es trotz dreimaliger Suspendierung der Peelsacte, der Ein-
    232 stellung der Goldeinlösepflicht, doch keine nennenswerten
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    242 Preisrevolutionen zu erleiden hatte, uns [sic] es konnte immer wieder,
    243 denn es war nach wie vor das stärkste Land, und es war die Zeit
    244 des ausschliessliche geltenden Metallismus, die Bindungen des
    245 Pfund Sterling zum Golde neu begründen. Wenn wir, wenn andere ihre
    246 Stimme auf dem Weltmarkte laut werden lassen wollten, so war es
    247 tunlich, dem allein herrschenden Pfund Sterling ein gleichwerti-
    248 ges und jederzeit vergleichbares entgegen zu setzen. Was ein Pfund
    249 Sterling bedeutete, das wusste man ohne weiteres; alles konzen-
    250 tr[hand durchgestrichen --e--]ierte sich ja darauf hin. Diese Selbstherrlichkeit zeigt sich
    251 heute noch in der englischen Kursnotierung, die als einzige das
    252 Pfund Sterling in den Mittelpunkt stellt. Wenn wir unsere Produk-
    253 te zum Weltmarkte bringen, so müssen wir unsere Währung zum Pfund
    254 Sterling in Vergleich setzen, und, um den Verkehr zu erleich-
    255 tern, ein mögli[h übertippt mit c]hst stabiles Verhältnis zu erreichen suchen. Hat
    256 nun beispielsweise Deutschalnd [sic] Silber-, England die Goldwährung,
    257 so ist diese Verhältniszahl zischen beiden Währungen den
    258 verschiedensten Schwankungen ausgesetzt. Einmal ist es die[handsch (]nominel-
    259 le Preishöhe schlechthin, die wirksam wird, dann aber vor allem die
    260 Wechselwirkungen von dem Münzfuss des Silbers in Deutschland
    261 und dem freien Metallpreis des Silbers auf dem englischen Mark-
    262 te in englischer Währung ausgedrückt. Aus Produktionsbewegungen
    263 der Metalle, wobei das Gold als das immer Starre belassen wird,
    264 muss sich jeder golche [sic] Aenderung als ein Schwanken des Silber-
    265 wertes bemerkbar machen und die valutarischen Verhältnisse be-
    266 einflussen. So wird der Staat, der die Kraft fühlt, Englands
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    276 Konkurrent auf dem Wletmarkte zu werden, aus praktischen Gründen
    277 notwendig zur Goldwährung getrieben. Dass bei solcher Währungsän-
    278 derung nichts Grundlegendes geschieht, sondern lediglich ein Rechen-
    279 exempel zur Ausführung gelangt, das kann uns jeder Wirklich-
    280 keit entnommene Fall deutlich machen. Ivvnvv Ansehen der schon geschil-
    281 derten Punkte galt das Pfund Sterling in deutschem Silbergeld
    282 6,81 Taler. Ein Taler sei drei Mark, ergibt durch Multiplikation
    283 3 mal 6,81 ist gleich 20,43 ℳ für ein Pfund Sterling. Damit ist
    284 uns nun noch der Goldgehalt der Mark genauest vorgeschrieben und
    285 wir haben den Anschluss an den Weltmarkt erreicht. Die Goldwährung
    286 ist das gemeinsame Band, das die Weltmarktkonkurrenten aneinander-
    287 schweisst [, übertippt mit .] Nicht, dass ein Pfund Sterling, eine Mark und ein Schwei-
    288 zer Franken gleiche y und z gramm [sic] Gold wären [handsch ,] und jede Wirtschaft
    289 an dieser jeweiligen Gewichtsmenge ihre Werte messe; nein, dass wir
    290 jetzt unter den konkurrierenden Nationen in jedem Augenblick im
    291 Münzfuss ei[übertippt n] Vergleichsmaass haben, das den Leistungsfähigsten zum
    292 Zuge kommen lässt, und zudem noch die Preishöhe auf die wirklich
    293 notwendigen Herstellungskosten herabzudrücken geeignet ist, -
    294 das ist der erste wesentliche Inhalt, den wir in die Goldwährung
    295 legen wollen. Die Goldwährung gab uns Auskunft über die Qualität
    296 eines Landes, denn Goldwährungsland sein, heisst, die Kraft aufzu-
    297 bringen, ihr Tempo mitzuleben. Der billigste Preis trägt auf dem
    298 weltmarkt den Sieg davon. Wer, - sei es aus natürlichen oder ge-
    299 sellschaftlichen bedingten Gründen, nicht fähig ist, mit den anderen
    300 Schritt zu halten, der kann auf die Dauer nicht Goldwährung be-
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    310 sitzen. Die Bedingungen werden nicht in [übertippt j]edem Lande die gleichen
    311 sein. Das aber gilt nach aussen gleich. Zur Nivellierung müssen
    312 möglicherweise dann im Innern Opfer gebracht werden, sei es an
    313 verminderter Lebenshaltung, sei es an erhöhter Arbeitsleistung.
    314 Die Goldwährung schraubte also die Preise auf dem Weltmarkt
    315 mit zwingender Notwendigkeit bei strafe des Währungsverfalls
    316 eng aneinander. Bvvevvi Rohproduktion tritt das am stärksten zu Tage,
    317 aber auch die Fertigfabrikate waren in allerdings locke-
    318 ren Banden eingehängt. Die Fvvrvvage, wieviel Geld ein Land zur Siche-
    319 rung siner Währung an Edelmetall vorrätig halten müsse, ist in
    320 diesem Zusammenhang weder eine solche, die von der Golddeckung
    321 der Noten abhängig wäre und mit der umlaufenden Notenmenge in
    322 Verbindung gebracht werden müsse, sie ist überhaupt keine Erör-
    323 terung, welche die Theorie angeht, sondern ausschliesslich eine
    324 Machtfrage. Wir können sagen, dass, je enger ein Land mit der Gold-
    325 währung verflochten ist, je grössere Rolle es in diesem Verbande
    326 spielt, desto weniger Gold hat es begrifflich nötig, und mag es auch
    327 im Innenverkehr den grössten Notenumlauf haben, mag dem Gesetz
    328 nach die volle Deckung vorgeschrieben sein. Ja, wenn wir rein theo-
    329 retisch sprechen wollen, so müssen die Goldwährungsländer ohne
    330 jeglichen Goldschatz ihr [sic] Währung behaupten können. Wo die Zahlungs-
    331 bilanz dauernd eine passive ist, das ist dort, wo Import nicht
    332 durch Export oder sonstige Aktivposten gedeckt ist, da muss jede
    333 Goldwährung in absehbarer Zvvevvit aufhören; vorübergehende Saldie
    334 aber könnten buchhaltungsmässig gestundet werden, da sie bei Auf-
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    344 rechterhaltung der Goldwährung notwendigerweise wieder abgetragen
    345 werden müssen. Die Goldwährung ist nur das Äusserste Ventil,
    346 das der Währungspolitik zum halten des intervalutaren Paris
    347 zur Verfügung steht. Praktisch waren es die Gold[übertippt p]unkte, -die Ver-
    348 sendungskosten von Land zu Land, die das [übertippt i]ntervalutare Pari mit
    349 dem Münzpari eng verbanden.
    350      Die alten Fäden wieder aufnehmend, können wir sagen, dass
    351 als Folge der absoluten Vergleichbarkeit die Goldwährung unser
    352 ganzes Preisniveau auf dem Uvvmvvwege üder [sic] den Weltmarkt von aussen
    353 herein beeinflusst habe, so dass jede Stimme wohl gehört wird, aber
    354 doch immer alle gegen einen stehen und dessen Wirtschaft beein-
    355 flussen. Was aber ist mit diesem Ereignis weiter gewonnen? Zunächst
    356 einmal: eine allgemeine Preisänderung kann nur statthaben in Ge-
    357 meinsamkeit mit dem ganzen Weltmarkt. Wir können unsere Produktions
    358 kosten in der Gesamthöhe, soweit sie den Preis bestimmen, nicht än-
    359 dern, ohne dass dies allgemeine Regel wäre, und dazu liegen noch
    360 hemmend die Bindungen an das Gold vor, dessen Gebrauchswert sich
    361 bei Innehaltung des alten Münzfusses gegenüber dem erhöhten Preis-
    362 niveau auflehnen würde. Schwanken können also nur die einzelnen
    363 Produktionsgrössen, das sind die Einkommen untereinander. Von ihnen
    364 können wir wohl sagen, dass in längeren Zeitabläufen genommen durch
    365 die gegenseitige Konkurrenz und abwanderung, Stabilität sowohl im
    366 allgemeinen, alsnauch in ihrem gegenseitigen Verhältnis obwaltet.
    367 Das Real- und das Nominaleinkommen in der Nation sind nur verschie-
    368 dene Namen zur Versinnbildlichung eines Vorrates an Gütern, ersteres
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    378 ist die periodisch erzeugte Gütermenge als Masse, letzteres ist
    379 eine gesellschaftliche Kategorie, bedingt dur[übertippt c]h arbeittsteilige
    380 Produktion und Privatwirtschaft, - der Anspruch der einzelnen
    381 insgesamt auf jenen Vorrat. Mit den Preisen sind die Einkommen
    382 gebunden, denn Einkommen sind nichts anderes wie Preise, Preise
    383 für geleistet Arbeit, die zusammengenommen in den Warenpreisen
    384 das notwendige Gegenüber finden müssen. Das ist der Weg, auf dem
    385 die Goldwährung über die Preisbildung und -bindung ihren Weg
    386 bis zu den Einkommen findet. Das aber ist etwas durchaus verschie-
    387 denes der Bedeutung, die Metallisten dem Gelde imputieren. Wir
    388 aber gehen auf unserem Wege noch weiter. !!Es ist klar, dass das
    389 Nominaleinkommen der Nation nur geändert werden kann und darf im
    390 Einklang mit der Produktionsleistung.!! Nie kann es geändert werden
    391 pro Anteil am Produkt, sondern immer nur pro Zahl. So können wir
    392 die Fvvrvvage der Arbeitszeit, der Beamtengehälter, denn das sind aus
    393 der Produktion geleistete Steuern; wir können das Maass, wie weit
    394 soziale Einrichtungen in der Goldwährung möglich sind, begrifflich
    395 beantworten. Wir müssen nur immer von aussen nach innen sehen, wir
    396 müssen kalkulieren, gewissermaassen von oben nach unten, denn das
    397 Oben ist uns durch die Goldwährung gegeben. In jenem fest begrenz-
    398 ten Raume muss sich unser Wirtschaftsleben bewegen und einrich-
    399 ten und die angeschnittenen Fragen sind aus diesen Gesichtspunk-
    400 ten heraus zu prüfen und zu beantworten. Während wir auf den Preis
    401 kaum einen Einfluss haben, bleibt uns doch als Regulator unserer
    402 Einkommen die Höhe der Produktion vorbehalten. Mit beiden gegebenen
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    412 Grössen haben wir auch die Notenproduktion in die Klammer ein-
    413 gezogen. Wir brauchen nur von der Banknote rückwärts zu schreiten
    414 über Wechsel zur Forderung, um die Verknüpfung der Note mit der
    415 Ware und, was die Höhe und Menge ihres Umlaufs anlangt, mit dem
    416 durch den Weltmarkt und Goldwährung uns vorgeschriebenem Preis-
    417 niveau gewahr zu werden. Das liegt durchaus im Rahmen der im
    418 Kreislauf der Wirtschaft von uns vorgetragenen Auffassung. Mit
    419 diesem Eegebnis haben wir eine Waffe gegen die Einlösepflicht
    420 und die Deckungsfrage der Noten in der Hand. Lehrt uns der Me-
    421 tallismus nicht, dass das Gold als Wertmaass real vorhanden sein
    422 müsse und dass die Banknote nur deshalb wie Gold kursiere, weil
    423 sie in solches u[übertippt m]wandelbar ist? Wurde uns nicht besonders im
    424 Kriege die Dritteldeckung als die Bremse gegen die Inflation
    425 hingestellt, um allerdings praktisch in der Art und Weise, wie
    426 sie gehandhabt wurde, in der Einbeziehung der assignatenmässig
    427 gedeckten Darlehenskassenscheins als Deckungsgrundlage, einen
    428 sinnfälligen, wirtschaftlichen Betrug zu begehen. !!Aus unserer
    429 Betrachtung erkennen wir, dass, so lange wir an die G[übertippt ol]dwährung
    430 angeschlossen waren, eine Inflation als ausgeschlossen anzuse-
    431 hen war.!! Wir können das Maass der Noten in der Goldwährung in
    432 der Zahl gewiss nicht fixieren, aber wir können ohne weiteres
    433 das Maximum angeben, bis zu dessen Höhe, obgleich sie das die
    434 Deckung beträchtlich überschreiten würde, eine Notenausgabe ge-
    435 fahrlos und von geldtheoretischer Seite nicht zu beanstanden
    436 wäre. Der Fall des Maximums an Noten läge da, wo alle Leistungen
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    446 zu Forderungen, diese alle zu Wechseln und endlich zu Banknoten
    447 führen würden. Wir wissen aber auch, dass Kompensationen, Natural-
    448 empfang, Wechselzahlung, Barzahlung, Gutschrift auf Girokonto, das
    449 alles technische Modifikationen sind, die eine einzige Grösse
    450 darunter wie die Banknoten, ihrerseits in der Höhe beinflussen
    451 müssen. Jedenfalls erkennen wir die Bedeutungslosigkeit jeglicher
    452 Deckungsvorschrift in diesem Zusammenhang.
    453      Es ist charackteristisch, dass wir mit dem Metallismus
    454 zu scheinbar gleichen Ergebnissen gelangen. Wir haben dabei
    455 bisher allerdings bewusst von den Krisen abstrahiert, in der Annahme,
    456 dass in einem Goldwährungsverband als Ganzem, eben weil ihm die
    457 sträksten Wirtschaftsmächte angehören, Krisen sich nicht durch-
    458 setzen können. Das einzelne Land, von ihr befallen, muss automa-
    459 tisch aus dieser Gruppe ausscheiden, ohna dass an der Bedeutung
    460 und dem Ivvnvvhalt der Goldwährung in diesem Sinne etwas geändert
    461 wurde. So lange nun eine Macht besteht, die, ein ruhender Pol mit
    462 allgemein gültigen Werten operiert, so lange ist die metallistisch
    463 geforderte Funktion des Goldes, Maasstab für Wertgrösse im Einzel-
    464 nen zu sein nach unserer Darlegung nicht vonnöten. Nur wenn wir
    465 annehmen, dass ein Land in sich ohne Anlehnung an die Weltwirt-
    466 schaft, die als ganzes praktisch immer krisenfrei sein muss, aus
    467 einer alle Werte umlagernden Krise gesunden will, dann wird eine
    468 Materie, sagen wir das Gold als Maass vonnöten, dann allerdings
    469 müssen wir von neuem aufbauen auf Arbeitswerten, wie sie sich
    470 in der Beschaffung ergeben. Ob in einer modernen Wirtschafts-
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    480 verfassung eine solche Grundlegung der Werte sich reibungslos
    481 vollziehen kann ist eine Fvvrvvge für sich. Praktischer erscheint
    482 uns auch in diesem Falle die Anlehnung an [übertippt i]internationale Währun-
    483 gen als das nächstliegende. Bliebe noch übrig, dass wirklich eine
    484 Weltkrise in den Bereich der Möglichkeit zu ziehen wäre; dann
    485 allerdings könnten wir einer objektiv messbaren Grösse als Maass
    486 für alle anderen Dinge um uns nicht mehr eintraten. Wenn wir wo
    487 die Krise fast bis zur wirtschaftlichen Revolution unseres Plane-
    488 ten ausdehnen, dann triumphiert der Stoff allein, dann ist das
    489 Gold als Metall in Herrschaft so lange bis die Entwicklung wie-
    490 der historische gültige Werte schafft.
    491      Späterhin wird dieser Gedanke nochmals gestreift werden
    492 und nun zurück zur Betrachtung der Goldwährung in unserem be-
    493 schriebenen Gedankengang: Sie wirkt hier zwar vollkommen als der
    494 Stabilisator der Wirtschaft, aber das nicht aus der Preisfixierung
    495 durch Vergleich mit dem Golde, das sich in allen Geistern gleicher
    496 Wertschätzung erfreut, im Ivvnvvlande sowohl als auch im Auslande; auch
    497 nicht deshalb erhält es die Wirtschaft im stabilen, gesunden Zu-
    498 stande, weil es in der Deckung überschüssiger Notenausgabe, Preis-
    499 steigerung und Inflation entgegensteuert, sondern deshalb, weil `es
    500 zum straffen Svvtvvabilisator aller Goldwährungsländer, weil es in
    501 der Gemeinsamkeit der Bindung, in der Kvvovvnkurrenz der Stärksten
    502 jeweils die Spitzenleistungen mit den relativ geringsten Erzeu-
    503 gungskosten als Mvvavvass und Richtpunkt hinstellt, nach dem alle an-
    504 deren, wollen sie exportfähig bleiben, hinstreben müssen. Die ganze
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    514 Struktur der modernen Wirtschaft drängt zum Export sowohl als
    515 auch zum Import. Ob wir nun das eine oder andere in den Vorder-
    516 grund schieben, ist gleichgültig; immer aber müssen wir den unbe=
    517 dingt notwendigen Import mit Export decken. Beides sind Grössen
    518 aus Menge mal Preis. Preis gibt es auf dem Weltmarkt nur einen
    519 einzigen, den alles untertanen Weltmarktpreis. Was wir importieren
    520 können, ist uns also umgekehrt durch den Export vorgeschrieben,
    521 die beide in dem Produkt aus Menge mal Preis gleiche Grössen
    522 bilden müssen. So lange wir diesen Gleichgewichtszustand in der
    523 natürlichen wirtschaftlichen Kvvrvvaft finden, spielt die Goldwährung
    524 obwohl sie gerade dann ihre segensreichen Wirkungen am meisten
    525 uns spüren lässt, doch keinerlei Rolle, was das Gold als Metall
    526 und Vergleichsmaass anlangt. Wirksam ist nur der Gedanke und
    527 die Notwendigkeit der Einhaltung der in der Goldwährung gebunde-
    528 nen und vergleichbaren universellen Weltmarktpreise und die
    529 starre Bindung der Einkommen des einzelnen wie der der ganzen
    530 Länder an diese. Wo das Gold anfängt als Metall eine wichtigere
    531 Rolle zu spielen, wo es zur Begleichung von Saldis auf Grund
    532 mangelnden Exports ( das Land hat zu wenig gearbeitet oder zu
    533 teuer) auf die Dauer ins Ausland strömt, da wo das Geld allzu
    534 stark sichtbar wird, da ist es nötig, dass der Staat einen War-
    535 nungsruf an die Wirtschaft ertönen lässt und mit seinen gegebe-
    536 nen Mitteln solcher Weiterentwicklung hemmend entgegenwirkt.
    537 Häufig auch, wie bei der letzten Krise 1907 lag der Grund zu
    538 Goldexport, zu dem wir gezwungen wurden, nicht in uns, obwohl
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    548 damals gleichzeitig eine neue Aufschwungsperiode Deutschlands
    549 viel Kapital investierte und zur fraglichen Zeit noch wenig ex-
    550 portreife Produkte von jenen Neuunternehmungen auf dem Markte
    551 waren, die dann allerdings in nachfolgender Periode den Verlust
    552 zurückerwarben. Hier kam vielmehr der allgemeine Run von Amerika,
    553 und darum konnte keone [sic] Diskontpolitik als das vorzüglicheste Mit-
    554 tel zur Eindämmung überspannten Unternehmungsgeistes den Krisen-
    555 herd treffen. In Ansehen unserer Darlegung müssen wir auch die
    556 Handhabung der Diskontpolitik, wenn sie die gefährdete Golddek-
    557 kung im Auge hat, ablehnen kritisieren und können die Berechtigung
    558  der Anwendung nur dann erkennen, wenn wirklich der Warenausgleich
    559 von Land zu Land des Goldes zur Deckung bedarf. Mit der Diskonter-
    560 höhung wir [sic] nicht nur ein Anreiz zum Sparen gegeben, in dem Bank-
    561 guthaben und Wertpapiere, diese auf dem Umwege über niederere No-
    562 tierung, ihre Zinsvergütungen erhöhen, auch Wechseldiskontierungen
    563 werden teurer und damit warden [sic] Gold und ausländische Waren
    564 schwerer erreichbar. Dvvevvr Notenumlauf kann uns in diesem Zusammen-
    565 hang nicht interessieren, auch nicht der Goldumlauf im inneren
    566 Verkehr, obwohl dieser geeignet ist, Diskontpolitik voreilig in
    567 Anwendung bringen zu lassen, denn einmal vermindert er als fehlen-
    568 des Deckungsmetall die mögliche Notenausgabe, zum anderen belibt [sic]
    569 er der Kontrolle des Gesetzgebers entz[übertippt o]gen und kann von ihm unbe-
    570 rück[übertippt s]ichtigt ins Ausland abströmen. Also auch hier ist das allzu
    571 Sichtbarwerden des Goldes, so p[hands. durchgestrichen --r--]aradox es klingen man [sic], eine [übertippt G]efahr
    572 für die Goldwährung. Dvvavvs hat Heyn erkannt, wenn er die von ihm
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    582 vorgeschlagene Goldkernwährung forderte.
    583      Den Gvvüvvteraustausch im Innern reibungslos zu gestalten -
    584 in dem Preise und Einkommen gebunden sind - den Güteraustausch
    585 nach aussen automatisch und selbstsicher sich vollziehen zu las-
    586 sen, darin liegt die Bedeutung der Goldwährung. Was den inneren
    587 Verkehr anlangt, so hat die Goldwährung damit, dass sie uns die
    588 oberste mögliche Preisgrenze setzt, ihre Aufgabe erfüllt. Zur
    589 Preisfixierung, sodass wir unsere Produkte am Gelde schätzten,
    590 ist kein Raum mehr. Wir können jetzt ja die Einkommen, denn das
    591 sind die Einzelproduktionsgrössen der uns vorgeschriebenen Preise
    592 und sind mit diesen streng gebunden. Ob wir ein Gut produzieren
    593 können, beruht nicht auf der Ueberlegung, ob das fertige Produkt
    594 auf Grund unserer Wertschätzung am Golde einen Preis erhält, den
    595 uns das Ausland noch zubilligen wird, sondern wir addieren unsere
    596 Produktionskosten, die täglich neu gegeben sind und in vollendete
    597 Produktionen immer wieder zurückreichen, und kommen so zu einem
    598 Preise, der uns Aufschluss über Exportmöglichkeit gibt und der
    599  dann nötigerweise unabhängig von der Goldwertung durch Verbes-
    600 serungen und Einsparungen möglicherweise noch reduziert werden
    601 muss. Ausschlaggebend für den Preis eines Produktes sind nur die
    602 Herstellungskosten, die auch das Maass des Wertes bilden. In der
    603 Goldwährung muss auch ohne weiteres das Problem der Uebereinstim-
    604 mung von den Gesamtpreisen aller Produkte mit dem Nominaleinkommen
    605 der Nation gelöst sein und das verlangt auch im einzelnen Ueber-
    606 einstimmung des Arbeitsw e r [übertippt t] e s der Einkommem mit dem
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    616 Arbeits w e r t der dafür erlangten Güter; nicht aber muss im
    617 einzelnen die Parallelität sein in Bezug auf die absolute Ar-
    618 beits m e n g e. Wiederu[übertippt m] müssen wir sagen, dass das Gold nur eine
    619 Beziehung der Werteinheit ist, die im tiefsten Sinne ein bestimm-
    620 tes Arbeitsquantum bedeutet und bei der Goldwährung, wenn sie
    621 bei uns nicht ursprünglich ist, haben wir nun eine zweifache Wahl,
    622 den historischen Ursprung der Basierung auf das wertvolle Gut
    623 durch Gewinnung der Relationen zu suchen. Wir können einaml im
    624 rekurrenten Anschluss rückwärts zu Silber und noch weiter gehen
    625 und können die heutigen Preise begrifflich hier im Ursprunge
    626 finden wollen; wir können auch auf das Land überwechseln, an des-
    627 sen Währung wir uns anschlossen, weil wir sagen, von ihm ist uns
    628 das Preisniveau vorgeschrieben, und darum müssen wir dort die ers-
    629 ten Wertschätzungen und Beziehungen zum Stoffe finden. Was wir
    630 ursprünglich von einem Lande zu sagen wussten, dass Arbeitswert-
    631 mengen die Preise aufbauen und dass wir das absolute Grössenmaass
    632 dieser Arbeitswerteinheit in allen Dingen der Aussenwelt, dabei
    633 auch im Golde finden, das können wir nun ohne weiteres auf den
    634 ganzen Verband der Goldwährungsländer anwenden. Auf dieser erwei-
    635 terten Grundlage wird die Arbeitsteilung um ein übriges gestei-
    636 gert, insofern nun auch die Nationen untereinander nach dem ökono-
    637 mischen Prinzip des grössten Erfolges bei kleinstem Aufwand de[übertippt n]
    638 zum Zug kommen lassen, der aus natür[übertippt l]ichen, produktionstechnischen
    639 oder standortgegebenen Bedingungen zur billigsten Produktion in
    640 der Lage ist. Dass ein Pfund Sterling, eine Mark, ein Franken
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    650 Zwanzigstel des Pfund Sterlin sein muss. Dass durch währungs-
    651 politische Massnahmen diese Sätze absolut fest begründet sind,
    652 ist nichts, was in der Natur des Goldes begründet wäre, und ist
    653 auch die Dauer auch nur durchführbar, wenn die Gesamtsumme aller
    654 Preise oder sagen wir der Preisindex, gemessen von Land zu Land,
    655 im selben Verhältnis bleibt. Wenn dieses auf dem allgemeinen
    656 Preisniveau fussende, erst die Goldrelationen begründende Verhält-
    657 nis ununterbrochen weiter besteht, dann wird Export und Import
    658 und somit der Zahlungsausgleich von Land zu Land nicht aus dem
    659 Gleichgewicht gebracht werden, und das intervalutare Pari wird
    660 das Münzpari kaum verlassen können. Weil periodische Einzel-
    661 schwankungen, so nebensächlich und geringfügig sie auch sein mö-
    662 gen, auch bei den stärksten Lvvävvndern nicht zu vermeiden sind, und
    663 das bei freien Währungen Uvvnvvklarheit und Unsicherheit in die
    664 Berechnungen der Kvvavvufleute bringen müsste, darum ist die Gold-
    665 währung mit dem mechanischen Zahlungsausgleich noch besonders
    666 geeignet, den Vorrang vor anderen Währungen zugesprochen zu er-
    667 halten.
    668      Gold als ein in der Natur lagerndes Gut ist nun auch
    669 allen Wechselfällen und Zvvuvvfällen der Produktion ausgesetzt, sit
    670 also in der Komparativen Statik gesehen nicht unbedingt wertkon-
    671 stant. Das veranlasst uns, der Vollständigkeit halber zu prüfen,
    672 wie im einzelnen z.B. bedeutende Goldfunde, neue technische Wege
    673 der Gewinnung, wie etwas gar Herstellung auf synthetischem Wege
    674 oder wie umgekehrt plötzliches Aufhöhren von Goldfunden auf die
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