Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / IV




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265 265 wertes bemerkbar machen und die valutarischen Verhältnisse be-
266 266 einflussen. So wird der Staat, der die Kraft fühlt, Englands
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  276 Konkurrent auf dem Wletmarkte zu werden, aus praktischen Gründen  
  277 notwendig zur Goldwährung getrieben. Dass bei solcher Währungsän-  
  278 derung nichts Grundlegendes geschieht, sondern lediglich ein Rechen-  
  279 exempel zur Ausführung gelangt, das kann uns jeder Wirklich-  
  280 keit entnommene Fall deutlich machen. Ivvnvv Ansehen der schon geschil-  
  281 derten Punkte galt das Pfund Sterling in deutschem Silbergeld  
  282 6,81 Taler. Ein Taler sei drei Mark, ergibt durch Multiplikation  
  283 3 mal 6,81 ist gleich 20,43 ℳ für ein Pfund Sterling. Damit ist  
  284 uns nun noch der Goldgehalt der Mark genauest vorgeschrieben und  
  285 wir haben den Anschluss an den Weltmarkt erreicht. Die Goldwährung  
  286 ist das gemeinsame Band, das die Weltmarktkonkurrenten aneinander-  
  287 schweisst [, übertippt mit .] Nicht, dass ein Pfund Sterling, eine Mark und ein Schwei-  
  288 zer Franken gleiche y und z gramm [sic] Gold wären [handsch ,] und jede Wirtschaft  
  289 an dieser jeweiligen Gewichtsmenge ihre Werte messe; nein, dass wir  
  290 jetzt unter den konkurrierenden Nationen in jedem Augenblick im  
  291 Münzfuss ei[übertippt n] Vergleichsmaass haben, das den Leistungsfähigsten zum  
  292 Zuge kommen lässt, und zudem noch die Preishöhe auf die wirklich  
  293 notwendigen Herstellungskosten herabzudrücken geeignet ist, -  
  294 das ist der erste wesentliche Inhalt, den wir in die Goldwährung  
  295 legen wollen. Die Goldwährung gab uns Auskunft über die Qualität  
  296 eines Landes, denn Goldwährungsland sein, heisst, die Kraft aufzu-  
  297 bringen, ihr Tempo mitzuleben. Der billigste Preis trägt auf dem  
  298 weltmarkt den Sieg davon. Wer, - sei es aus natürlichen oder ge-  
  299 sellschaftlichen bedingten Gründen, nicht fähig ist, mit den anderen  
  300 Schritt zu halten, der kann auf die Dauer nicht Goldwährung be-  
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  310 sitzen. Die Bedingungen werden nicht in [übertippt j]edem Lande die gleichen  
  311 sein. Das aber gilt nach aussen gleich. Zur Nivellierung müssen  
  312 möglicherweise dann im Innern Opfer gebracht werden, sei es an  
  313 verminderter Lebenshaltung, sei es an erhöhter Arbeitsleistung.  
  314 Die Goldwährung schraubte also die Preise auf dem Weltmarkt  
  315 mit zwingender Notwendigkeit bei strafe des Währungsverfalls  
  316 eng aneinander. Bvvevvi Rohproduktion tritt das am stärksten zu Tage,  
  317 aber auch die Fertigfabrikate waren in allerdings locke-  
  318 ren Banden eingehängt. Die Fvvrvvage, wieviel Geld ein Land zur Siche-  
  319 rung siner Währung an Edelmetall vorrätig halten müsse, ist in  
  320 diesem Zusammenhang weder eine solche, die von der Golddeckung  
  321 der Noten abhängig wäre und mit der umlaufenden Notenmenge in  
  322 Verbindung gebracht werden müsse, sie ist überhaupt keine Erör-  
  323 terung, welche die Theorie angeht, sondern ausschliesslich eine  
  324 Machtfrage. Wir können sagen, dass, je enger ein Land mit der Gold-  
  325 währung verflochten ist, je grössere Rolle es in diesem Verbande  
  326 spielt, desto weniger Gold hat es begrifflich nötig, und mag es auch  
  327 im Innenverkehr den grössten Notenumlauf haben, mag dem Gesetz  
  328 nach die volle Deckung vorgeschrieben sein. Ja, wenn wir rein theo-  
  329 retisch sprechen wollen, so müssen die Goldwährungsländer ohne  
  330 jeglichen Goldschatz ihr [sic] Währung behaupten können. Wo die Zahlungs-  
  331 bilanz dauernd eine passive ist, das ist dort, wo Import nicht  
  332 durch Export oder sonstige Aktivposten gedeckt ist, da muss jede  
  333 Goldwährung in absehbarer Zvvevvit aufhören; vorübergehende Saldie  
  334 aber könnten buchhaltungsmässig gestundet werden, da sie bei Auf-  
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  344 rechterhaltung der Goldwährung notwendigerweise wieder abgetragen  
  345 werden müssen. Die Goldwährung ist nur das Äusserste Ventil,  
  346 das der Währungspolitik zum halten des intervalutaren Paris  
  347 zur Verfügung steht. Praktisch waren es die Gold[übertippt p]unkte, -die Ver-  
  348 sendungskosten von Land zu Land, die das [übertippt i]ntervalutare Pari mit  
  349 dem Münzpari eng verbanden.  
  350      Die alten Fäden wieder aufnehmend, können wir sagen, dass  
  351 als Folge der absoluten Vergleichbarkeit die Goldwährung unser  
  352 ganzes Preisniveau auf dem Uvvmvvwege üder [sic] den Weltmarkt von aussen  
  353 herein beeinflusst habe, so dass jede Stimme wohl gehört wird, aber  
  354 doch immer alle gegen einen stehen und dessen Wirtschaft beein-  
  355 flussen. Was aber ist mit diesem Ereignis weiter gewonnen? Zunächst  
  356 einmal: eine allgemeine Preisänderung kann nur statthaben in Ge-  
  357 meinsamkeit mit dem ganzen Weltmarkt. Wir können unsere Produktions  
  358 kosten in der Gesamthöhe, soweit sie den Preis bestimmen, nicht än-  
  359 dern, ohne dass dies allgemeine Regel wäre, und dazu liegen noch  
  360 hemmend die Bindungen an das Gold vor, dessen Gebrauchswert sich  
  361 bei Innehaltung des alten Münzfusses gegenüber dem erhöhten Preis-  
  362 niveau auflehnen würde. Schwanken können also nur die einzelnen  
  363 Produktionsgrössen, das sind die Einkommen untereinander. Von ihnen  
  364 können wir wohl sagen, dass in längeren Zeitabläufen genommen durch  
  365 die gegenseitige Konkurrenz und abwanderung, Stabilität sowohl im  
  366 allgemeinen, alsnauch in ihrem gegenseitigen Verhältnis obwaltet.  
  367 Das Real- und das Nominaleinkommen in der Nation sind nur verschie-  
  368 dene Namen zur Versinnbildlichung eines Vorrates an Gütern, ersteres  
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  378 ist die periodisch erzeugte Gütermenge als Masse, letzteres ist  
  379 eine gesellschaftliche Kategorie, bedingt dur[übertippt c]h arbeittsteilige  
  380 Produktion und Privatwirtschaft, - der Anspruch der einzelnen  
  381 insgesamt auf jenen Vorrat. Mit den Preisen sind die Einkommen  
  382 gebunden, denn Einkommen sind nichts anderes wie Preise, Preise  
  383 für geleistet Arbeit, die zusammengenommen in den Warenpreisen  
  384 das notwendige Gegenüber finden müssen. Das ist der Weg, auf dem  
  385 die Goldwährung über die Preisbildung und -bindung ihren Weg  
  386 bis zu den Einkommen findet. Das aber ist etwas durchaus verschie-  
  387 denes der Bedeutung, die Metallisten dem Gelde imputieren. Wir  
  388 aber gehen auf unserem Wege noch weiter. !!Es ist klar, dass das  
  389 Nominaleinkommen der Nation nur geändert werden kann und darf im  
  390 Einklang mit der Produktionsleistung.!! Nie kann es geändert werden  
  391 pro Anteil am Produkt, sondern immer nur pro Zahl. So können wir  
  392 die Fvvrvvage der Arbeitszeit, der Beamtengehälter, denn das sind aus  
  393 der Produktion geleistete Steuern; wir können das Maass, wie weit  
  394 soziale Einrichtungen in der Goldwährung möglich sind, begrifflich  
  395 beantworten. Wir müssen nur immer von aussen nach innen sehen, wir  
  396 müssen kalkulieren, gewissermaassen von oben nach unten, denn das  
  397 Oben ist uns durch die Goldwährung gegeben. In jenem fest begrenz-  
  398 ten Raume muss sich unser Wirtschaftsleben bewegen und einrich-  
  399 ten und die angeschnittenen Fragen sind aus diesen Gesichtspunk-  
  400 ten heraus zu prüfen und zu beantworten. Während wir auf den Preis  
  401 kaum einen Einfluss haben, bleibt uns doch als Regulator unserer  
  402 Einkommen die Höhe der Produktion vorbehalten. Mit beiden gegebenen  
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  412 Grössen haben wir auch die Notenproduktion in die Klammer ein-  
  413 gezogen. Wir brauchen nur von der Banknote rückwärts zu schreiten  
  414 über Wechsel zur Forderung, um die Verknüpfung der Note mit der  
  415 Ware und, was die Höhe und Menge ihres Umlaufs anlangt, mit dem  
  416 durch den Weltmarkt und Goldwährung uns vorgeschriebenem Preis-  
  417 niveau gewahr zu werden. Das liegt durchaus im Rahmen der im  
  418 Kreislauf der Wirtschaft von uns vorgetragenen Auffassung. Mit  
  419 diesem Eegebnis haben wir eine Waffe gegen die Einlösepflicht  
  420 und die Deckungsfrage der Noten in der Hand. Lehrt uns der Me-  
  421 tallismus nicht, dass das Gold als Wertmaass real vorhanden sein  
  422 müsse und dass die Banknote nur deshalb wie Gold kursiere, weil  
  423 sie in solches u[übertippt m]wandelbar ist? Wurde uns nicht besonders im  
  424 Kriege die Dritteldeckung als die Bremse gegen die Inflation  
  425 hingestellt, um allerdings praktisch in der Art und Weise, wie  
  426 sie gehandhabt wurde, in der Einbeziehung der assignatenmässig  
  427 gedeckten Darlehenskassenscheins als Deckungsgrundlage, einen  
  428 sinnfälligen, wirtschaftlichen Betrug zu begehen. !!Aus unserer  
  429 Betrachtung erkennen wir, dass, so lange wir an die G[übertippt ol]dwährung  
  430 angeschlossen waren, eine Inflation als ausgeschlossen anzuse-  
  431 hen war.!! Wir können das Maass der Noten in der Goldwährung in  
  432 der Zahl gewiss nicht fixieren, aber wir können ohne weiteres  
  433 das Maximum angeben, bis zu dessen Höhe, obgleich sie das die  
  434 Deckung beträchtlich überschreiten würde, eine Notenausgabe ge-  
  435 fahrlos und von geldtheoretischer Seite nicht zu beanstanden  
  436 wäre. Der Fall des Maximums an Noten läge da, wo alle Leistungen  
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  446 zu Forderungen, diese alle zu Wechseln und endlich zu Banknoten  
  447 führen würden. Wir wissen aber auch, dass Kompensationen, Natural-  
  448 empfang, Wechselzahlung, Barzahlung, Gutschrift auf Girokonto, das  
  449 alles technische Modifikationen sind, die eine einzige Grösse  
  450 darunter wie die Banknoten, ihrerseits in der Höhe beinflussen  
  451 müssen. Jedenfalls erkennen wir die Bedeutungslosigkeit jeglicher  
  452 Deckungsvorschrift in diesem Zusammenhang.  
  453      Es ist charackteristisch, dass wir mit dem Metallismus  
  454 zu scheinbar gleichen Ergebnissen gelangen. Wir haben dabei  
  455 bisher allerdings bewusst von den Krisen abstrahiert, in der Annahme,  
  456 dass in einem Goldwährungsverband als Ganzem, eben weil ihm die  
  457 sträksten Wirtschaftsmächte angehören, Krisen sich nicht durch-  
  458 setzen können. Das einzelne Land, von ihr befallen, muss automa-  
  459 tisch aus dieser Gruppe ausscheiden, ohna dass an der Bedeutung  
  460 und dem Ivvnvvhalt der Goldwährung in diesem Sinne etwas geändert  
  461 wurde. So lange nun eine Macht besteht, die, ein ruhender Pol mit  
  462 allgemein gültigen Werten operiert, so lange ist die metallistisch  
  463 geforderte Funktion des Goldes, Maasstab für Wertgrösse im Einzel-  
  464 nen zu sein nach unserer Darlegung nicht vonnöten. Nur wenn wir  
  465 annehmen, dass ein Land in sich ohne Anlehnung an die Weltwirt-  
  466 schaft, die als ganzes praktisch immer krisenfrei sein muss, aus  
  467 einer alle Werte umlagernden Krise gesunden will, dann wird eine  
  468 Materie, sagen wir das Gold als Maass vonnöten, dann allerdings  
  469 müssen wir von neuem aufbauen auf Arbeitswerten, wie sie sich  
  470 in der Beschaffung ergeben. Ob in einer modernen Wirtschafts-  
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  480 verfassung eine solche Grundlegung der Werte sich reibungslos  
  481 vollziehen kann ist eine Fvvrvvge für sich. Praktischer erscheint  
  482 uns auch in diesem Falle die Anlehnung an [übertippt i]internationale Währun-  
  483 gen als das nächstliegende. Bliebe noch übrig, dass wirklich eine  
  484 Weltkrise in den Bereich der Möglichkeit zu ziehen wäre; dann  
  485 allerdings könnten wir einer objektiv messbaren Grösse als Maass  
  486 für alle anderen Dinge um uns nicht mehr eintraten. Wenn wir wo  
  487 die Krise fast bis zur wirtschaftlichen Revolution unseres Plane-  
  488 ten ausdehnen, dann triumphiert der Stoff allein, dann ist das  
  489 Gold als Metall in Herrschaft so lange bis die Entwicklung wie-  
  490 der historische gültige Werte schafft.  
  491      Späterhin wird dieser Gedanke nochmals gestreift werden  
  492 und nun zurück zur Betrachtung der Goldwährung in unserem be-  
  493 schriebenen Gedankengang: Sie wirkt hier zwar vollkommen als der  
  494 Stabilisator der Wirtschaft, aber das nicht aus der Preisfixierung  
  495 durch Vergleich mit dem Golde, das sich in allen Geistern gleicher  
  496 Wertschätzung erfreut, im Ivvnvvlande sowohl als auch im Auslande; auch  
  497 nicht deshalb erhält es die Wirtschaft im stabilen, gesunden Zu-  
  498 stande, weil es in der Deckung überschüssiger Notenausgabe, Preis-  
  499 steigerung und Inflation entgegensteuert, sondern deshalb, weil `es  
  500 zum straffen Svvtvvabilisator aller Goldwährungsländer, weil es in  
  501 der Gemeinsamkeit der Bindung, in der Kvvovvnkurrenz der Stärksten  
  502 jeweils die Spitzenleistungen mit den relativ geringsten Erzeu-  
  503 gungskosten als Mvvavvass und Richtpunkt hinstellt, nach dem alle an-  
  504 deren, wollen sie exportfähig bleiben, hinstreben müssen. Die ganze  
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