Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / IV




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514 Struktur der modernen Wirtschaft drängt zum Export sowohl als
515 auch zum Import. Ob wir nun das eine oder andere in den Vorder-
516 grund schieben, ist gleichgültig; immer aber müssen wir den unbe=
517 dingt notwendigen Import mit Export decken. Beides sind Grössen
518 aus Menge mal Preis. Preis gibt es auf dem Weltmarkt nur einen
519 einzigen, den alles untertanen Weltmarktpreis. Was wir importieren
520 können, ist uns also umgekehrt durch den Export vorgeschrieben,
521 die beide in dem Produkt aus Menge mal Preis gleiche Grössen
522 bilden müssen. So lange wir diesen Gleichgewichtszustand in der
523 natürlichen wirtschaftlichen Kvvrvvaft finden, spielt die Goldwährung
524 obwohl sie gerade dann ihre segensreichen Wirkungen am meisten
525 uns spüren lässt, doch keinerlei Rolle, was das Gold als Metall
526 und Vergleichsmaass anlangt. Wirksam ist nur der Gedanke und
527 die Notwendigkeit der Einhaltung der in der Goldwährung gebunde-
528 nen und vergleichbaren universellen Weltmarktpreise und die
529 starre Bindung der Einkommen des einzelnen wie der der ganzen
530 Länder an diese. Wo das Gold anfängt als Metall eine wichtigere
531 Rolle zu spielen, wo es zur Begleichung von Saldis auf Grund
532 mangelnden Exports ( das Land hat zu wenig gearbeitet oder zu
533 teuer) auf die Dauer ins Ausland strömt, da wo das Geld allzu
534 stark sichtbar wird, da ist es nötig, dass der Staat einen War-
535 nungsruf an die Wirtschaft ertönen lässt und mit seinen gegebe-
536 nen Mitteln solcher Weiterentwicklung hemmend entgegenwirkt.
537 Häufig auch, wie bei der letzten Krise 1907 lag der Grund zu
538 Goldexport, zu dem wir gezwungen wurden, nicht in uns, obwohl
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548 damals gleichzeitig eine neue Aufschwungsperiode Deutschlands
549 viel Kapital investierte und zur fraglichen Zeit noch wenig ex-
550 portreife Produkte von jenen Neuunternehmungen auf dem Markte
551 waren, die dann allerdings in nachfolgender Periode den Verlust
552 zurückerwarben. Hier kam vielmehr der allgemeine Run von Amerika,
553 und darum konnte keone [sic] Diskontpolitik als das vorzüglicheste Mit-
554 tel zur Eindämmung überspannten Unternehmungsgeistes den Krisen-
555 herd treffen. In Ansehen unserer Darlegung müssen wir auch die
556 Handhabung der Diskontpolitik, wenn sie die gefährdete Golddek-
557 kung im Auge hat, ablehnen kritisieren und können die Berechtigung
558  der Anwendung nur dann erkennen, wenn wirklich der Warenausgleich
559 von Land zu Land des Goldes zur Deckung bedarf. Mit der Diskonter-
560 höhung wir [sic] nicht nur ein Anreiz zum Sparen gegeben, in dem Bank-
561 guthaben und Wertpapiere, diese auf dem Umwege über niederere No-
562 tierung, ihre Zinsvergütungen erhöhen, auch Wechseldiskontierungen
563 werden teurer und damit warden [sic] Gold und ausländische Waren
564 schwerer erreichbar. Dvvevvr Notenumlauf kann uns in diesem Zusammen-
565 hang nicht interessieren, auch nicht der Goldumlauf im inneren
566 Verkehr, obwohl dieser geeignet ist, Diskontpolitik voreilig in
567 Anwendung bringen zu lassen, denn einmal vermindert er als fehlen-
568 des Deckungsmetall die mögliche Notenausgabe, zum anderen belibt [sic]
569 er der Kontrolle des Gesetzgebers entz[übertippt o]gen und kann von ihm unbe-
570 rück[übertippt s]ichtigt ins Ausland abströmen. Also auch hier ist das allzu
571 Sichtbarwerden des Goldes, so p[hands. durchgestrichen --r--]aradox es klingen man [sic], eine [übertippt G]efahr
572 für die Goldwährung. Dvvavvs hat Heyn erkannt, wenn er die von ihm
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582 vorgeschlagene Goldkernwährung forderte.
583      Den Gvvüvvteraustausch im Innern reibungslos zu gestalten -
584 in dem Preise und Einkommen gebunden sind - den Güteraustausch
585 nach aussen automatisch und selbstsicher sich vollziehen zu las-
586 sen, darin liegt die Bedeutung der Goldwährung. Was den inneren
587 Verkehr anlangt, so hat die Goldwährung damit, dass sie uns die
588 oberste mögliche Preisgrenze setzt, ihre Aufgabe erfüllt. Zur
589 Preisfixierung, sodass wir unsere Produkte am Gelde schätzten,
590 ist kein Raum mehr. Wir können jetzt ja die Einkommen, denn das
591 sind die Einzelproduktionsgrössen der uns vorgeschriebenen Preise
592 und sind mit diesen streng gebunden. Ob wir ein Gut produzieren
593 können, beruht nicht auf der Ueberlegung, ob das fertige Produkt
594 auf Grund unserer Wertschätzung am Golde einen Preis erhält, den
595 uns das Ausland noch zubilligen wird, sondern wir addieren unsere
596 Produktionskosten, die täglich neu gegeben sind und in vollendete
597 Produktionen immer wieder zurückreichen, und kommen so zu einem
598 Preise, der uns Aufschluss über Exportmöglichkeit gibt und der
599  dann nötigerweise unabhängig von der Goldwertung durch Verbes-
600 serungen und Einsparungen möglicherweise noch reduziert werden
601 muss. Ausschlaggebend für den Preis eines Produktes sind nur die
602 Herstellungskosten, die auch das Maass des Wertes bilden. In der
603 Goldwährung muss auch ohne weiteres das Problem der Uebereinstim-
604 mung von den Gesamtpreisen aller Produkte mit dem Nominaleinkommen
605 der Nation gelöst sein und das verlangt auch im einzelnen Ueber-
606 einstimmung des Arbeitsw e r [übertippt t] e s der Einkommem mit dem
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616 Arbeits w e r t der dafür erlangten Güter; nicht aber muss im
617 einzelnen die Parallelität sein in Bezug auf die absolute Ar-
618 beits m e n g e. Wiederu[übertippt m] müssen wir sagen, dass das Gold nur eine
619 Beziehung der Werteinheit ist, die im tiefsten Sinne ein bestimm-
620 tes Arbeitsquantum bedeutet und bei der Goldwährung, wenn sie
621 bei uns nicht ursprünglich ist, haben wir nun eine zweifache Wahl,
622 den historischen Ursprung der Basierung auf das wertvolle Gut
623 durch Gewinnung der Relationen zu suchen. Wir können einaml im
624 rekurrenten Anschluss rückwärts zu Silber und noch weiter gehen
625 und können die heutigen Preise begrifflich hier im Ursprunge
626 finden wollen; wir können auch auf das Land überwechseln, an des-
627 sen Währung wir uns anschlossen, weil wir sagen, von ihm ist uns
628 das Preisniveau vorgeschrieben, und darum müssen wir dort die ers-
629 ten Wertschätzungen und Beziehungen zum Stoffe finden. Was wir
630 ursprünglich von einem Lande zu sagen wussten, dass Arbeitswert-
631 mengen die Preise aufbauen und dass wir das absolute Grössenmaass
632 dieser Arbeitswerteinheit in allen Dingen der Aussenwelt, dabei
633 auch im Golde finden, das können wir nun ohne weiteres auf den
634 ganzen Verband der Goldwährungsländer anwenden. Auf dieser erwei-
635 terten Grundlage wird die Arbeitsteilung um ein übriges gestei-
636 gert, insofern nun auch die Nationen untereinander nach dem ökono-
637 mischen Prinzip des grössten Erfolges bei kleinstem Aufwand de[übertippt n]
638 zum Zug kommen lassen, der aus natür[übertippt l]ichen, produktionstechnischen
639 oder standortgegebenen Bedingungen zur billigsten Produktion in
640 der Lage ist. Dass ein Pfund Sterling, eine Mark, ein Franken
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650 Zwanzigstel des Pfund Sterlin sein muss. Dass durch währungs-
651 politische Massnahmen diese Sätze absolut fest begründet sind,
652 ist nichts, was in der Natur des Goldes begründet wäre, und ist
653 auch die Dauer auch nur durchführbar, wenn die Gesamtsumme aller
654 Preise oder sagen wir der Preisindex, gemessen von Land zu Land,
655 im selben Verhältnis bleibt. Wenn dieses auf dem allgemeinen
656 Preisniveau fussende, erst die Goldrelationen begründende Verhält-
657 nis ununterbrochen weiter besteht, dann wird Export und Import
658 und somit der Zahlungsausgleich von Land zu Land nicht aus dem
659 Gleichgewicht gebracht werden, und das intervalutare Pari wird
660 das Münzpari kaum verlassen können. Weil periodische Einzel-
661 schwankungen, so nebensächlich und geringfügig sie auch sein mö-
662 gen, auch bei den stärksten Lvvävvndern nicht zu vermeiden sind, und
663 das bei freien Währungen Uvvnvvklarheit und Unsicherheit in die
664 Berechnungen der Kvvavvufleute bringen müsste, darum ist die Gold-
665 währung mit dem mechanischen Zahlungsausgleich noch besonders
666 geeignet, den Vorrang vor anderen Währungen zugesprochen zu er-
667 halten.
668      Gold als ein in der Natur lagerndes Gut ist nun auch
669 allen Wechselfällen und Zvvuvvfällen der Produktion ausgesetzt, sit
670 also in der Komparativen Statik gesehen nicht unbedingt wertkon-
671 stant. Das veranlasst uns, der Vollständigkeit halber zu prüfen,
672 wie im einzelnen z.B. bedeutende Goldfunde, neue technische Wege
673 der Gewinnung, wie etwas gar Herstellung auf synthetischem Wege
674 oder wie umgekehrt plötzliches Aufhöhren von Goldfunden auf die
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