Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / IV




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Struktur der modernen Wirtschaft drängt zum Export sowohl als
auch zum Import. Ob wir nun das eine oder andere in den Vorder-
grund schieben, ist gleichgültig; immer aber müssen wir den unbe=
dingt notwendigen Import mit Export decken. Beides sind Grössen
aus Menge mal Preis. Preis gibt es auf dem Weltmarkt nur einen
einzigen, den alles untertanen Weltmarktpreis. Was wir importieren
können, ist uns also umgekehrt durch den Export vorgeschrieben,
die beide in dem Produkt aus Menge mal Preis gleiche Grössen
bilden müssen. So lange wir diesen Gleichgewichtszustand in der
natürlichen wirtschaftlichen Kraft finden, spielt die Goldwährung
obwohl sie gerade dann ihre segensreichen Wirkungen am meisten
uns spüren lässt, doch keinerlei Rolle, was das Gold als Metall
und Vergleichsmaass anlangt. Wirksam ist nur der Gedanke und
die Notwendigkeit der Einhaltung der in der Goldwährung gebunde-
nen und vergleichbaren universellen Weltmarktpreise und die
starre Bindung der Einkommen des einzelnen wie der der ganzen
Länder an diese. Wo das Gold anfängt als Metall eine wichtigere
Rolle zu spielen, wo es zur Begleichung von Saldis auf Grund
mangelnden Exports ( das Land hat zu wenig gearbeitet oder zu
teuer) auf die Dauer ins Ausland strömt, da wo das Geld allzu
stark sichtbar wird, da ist es nötig, dass der Staat einen War-
nungsruf an die Wirtschaft ertönen lässt und mit seinen gegebe-
nen Mitteln solcher Weiterentwicklung hemmend entgegenwirkt.
Häufig auch, wie bei der letzten Krise 1907 lag der Grund zu
Goldexport, zu dem wir gezwungen wurden, nicht in uns, obwohl
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damals gleichzeitig eine neue Aufschwungsperiode Deutschlands
viel Kapital investierte und zur fraglichen Zeit noch wenig ex-
portreife Produkte von jenen Neuunternehmungen auf dem Markte
waren, die dann allerdings in nachfolgender Periode den Verlust
zurückerwarben. Hier kam vielmehr der allgemeine Run von Amerika,
und darum konnte keone [sic] Diskontpolitik als das vorzüglicheste Mit-
tel zur Eindämmung überspannten Unternehmungsgeistes den Krisen-
herd treffen. In Ansehen unserer Darlegung müssen wir auch die
Handhabung der Diskontpolitik, wenn sie die gefährdete Golddek-
kung im Auge hat, ablehnen kritisieren und können die Berechtigung
der Anwendung nur dann erkennen, wenn wirklich der Warenausgleich
von Land zu Land des Goldes zur Deckung bedarf. Mit der Diskonter-
höhung wir [sic] nicht nur ein Anreiz zum Sparen gegeben, in dem Bank-
guthaben und Wertpapiere, diese auf dem Umwege über niederere No-
tierung, ihre Zinsvergütungen erhöhen, auch Wechseldiskontierungen
werden teurer und damit warden [sic] Gold und ausländische Waren
schwerer erreichbar. Der Notenumlauf kann uns in diesem Zusammen-
hang nicht interessieren, auch nicht der Goldumlauf im inneren
Verkehr, obwohl dieser geeignet ist, Diskontpolitik voreilig in
Anwendung bringen zu lassen, denn einmal vermindert er als fehlen-
des Deckungsmetall die mögliche Notenausgabe, zum anderen belibt [sic]
er der Kontrolle des Gesetzgebers entz[übertippt o]gen und kann von ihm unbe-
rück[übertippt s]ichtigt ins Ausland abströmen. Also auch hier ist das allzu
Sichtbarwerden des Goldes, so p[hands. durchgestrichen r]aradox es klingen man [sic], eine [übertippt G]efahr
für die Goldwährung. Das hat Heyn erkannt, wenn er die von ihm
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vorgeschlagene Goldkernwährung forderte.
Den Güteraustausch im Innern reibungslos zu gestalten –
in dem Preise und Einkommen gebunden sind – den Güteraustausch
nach aussen automatisch und selbstsicher sich vollziehen zu las-
sen, darin liegt die Bedeutung der Goldwährung. Was den inneren
Verkehr anlangt, so hat die Goldwährung damit, dass sie uns die
oberste mögliche Preisgrenze setzt, ihre Aufgabe erfüllt. Zur
Preisfixierung, sodass wir unsere Produkte am Gelde schätzten,
ist kein Raum mehr. Wir können jetzt ja die Einkommen, denn das
sind die Einzelproduktionsgrössen der uns vorgeschriebenen Preise
und sind mit diesen streng gebunden. Ob wir ein Gut produzieren
können, beruht nicht auf der Ueberlegung, ob das fertige Produkt
auf Grund unserer Wertschätzung am Golde einen Preis erhält, den
uns das Ausland noch zubilligen wird, sondern wir addieren unsere
Produktionskosten, die täglich neu gegeben sind und in vollendete
Produktionen immer wieder zurückreichen, und kommen so zu einem
Preise, der uns Aufschluss über Exportmöglichkeit gibt und der
dann nötigerweise unabhängig von der Goldwertung durch Verbes-
serungen und Einsparungen möglicherweise noch reduziert werden
muss. Ausschlaggebend für den Preis eines Produktes sind nur die
Herstellungskosten, die auch das Maass des Wertes bilden. In der
Goldwährung muss auch ohne weiteres das Problem der Uebereinstim-
mung von den Gesamtpreisen aller Produkte mit dem Nominaleinkommen
der Nation gelöst sein und das verlangt auch im einzelnen Ueber-
einstimmung des Arbeitsw e r [übertippt t] e s der Einkommem mit dem
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Arbeits w e r t der dafür erlangten Güter; nicht aber muss im
einzelnen die Parallelität sein in Bezug auf die absolute Ar-
beits m e n g e. Wiederu[übertippt m] müssen wir sagen, dass das Gold nur eine
Beziehung der Werteinheit ist, die im tiefsten Sinne ein bestimm-
tes Arbeitsquantum bedeutet und bei der Goldwährung, wenn sie
bei uns nicht ursprünglich ist, haben wir nun eine zweifache Wahl,
den historischen Ursprung der Basierung auf das wertvolle Gut
durch Gewinnung der Relationen zu suchen. Wir können einaml im
rekurrenten Anschluss rückwärts zu Silber und noch weiter gehen
und können die heutigen Preise begrifflich hier im Ursprunge
finden wollen; wir können auch auf das Land überwechseln, an des-
sen Währung wir uns anschlossen, weil wir sagen, von ihm ist uns
das Preisniveau vorgeschrieben, und darum müssen wir dort die ers-
ten Wertschätzungen und Beziehungen zum Stoffe finden. Was wir
ursprünglich von einem Lande zu sagen wussten, dass Arbeitswert-
mengen die Preise aufbauen und dass wir das absolute Grössenmaass
dieser Arbeitswerteinheit in allen Dingen der Aussenwelt, dabei
auch im Golde finden, das können wir nun ohne weiteres auf den
ganzen Verband der Goldwährungsländer anwenden. Auf dieser erwei-
terten Grundlage wird die Arbeitsteilung um ein übriges gestei-
gert, insofern nun auch die Nationen untereinander nach dem ökono-
mischen Prinzip des grössten Erfolges bei kleinstem Aufwand de[übertippt n]
zum Zug kommen lassen, der aus natür[übertippt l]ichen, produktionstechnischen
oder standortgegebenen Bedingungen zur billigsten Produktion in
der Lage ist. Dass ein Pfund Sterling, eine Mark, ein Franken
– 107 – [*Bemerkung: Seitennummer zweifach vergeben]
gleich X, Y, und Z gramm Gold seinen, darf uns nicht dazu verlei-
ten zu glauben, dass im Auslande unsere Preise am Golde abgewogen
würden. Die Bedeutung beruht vielmehr auf der Vergleichbarkeit der
Preise auf Grund des Münzfusses ohne Zuhilfenahme und ohne Kennt-
nis des Wechselkurses. Als Ergebnis des Vergleichs von Inlands-
und Auslandspreis erscheint uns als Resultat nur die Kenntnis
des billigeren Produzenten; mit dem Golde aber haben wir zum Pro-
dukte selbst keine Beziehung. Der Goldwährung haben wir so eminen-
te Bedeutung und so grossen praktischen Wert beigemessen, dass
diese Eigenschaft, die wir leugnen, demgegenüber nicht ins Gewicht
fällt. Was sie weiterhin an Vorteil gegenüber den Ländern mit
freier Währung bedeutet, bei denen wir ja auch durch die Valuta
stets denselben Vergleichsweg einschlagen können, das lag in der
Stabilität der Valuta jedes Goldwährungslandes, das nun auf weite
Sicht rechnen liess. Das alles aber sind Vorteile wohl der Gold-
währung als der Währung der stärksten Länder, nicht aber des Gol-
des als Metall, als Währungsbasis. Die wirkliche Währungsbasis
ist immer die menschliche produktive Arbeit; nur die Einheit, die
wir zu Grunde legen, ist jeweils verschieden und das[handsch. ergänzt (]ist der Grund,
waru[übertippt m] als tertium comparationis ein etwas in der Umrechnung von
Land zu Land dazwischen treten muss. Das findet in den Preisen
seinen sichtbaren Ausdruck. Wenn jedes gleiche Produkt den zwanzigsten Teil
kostet wie bei uns, so gehört es zur Selbstverständlichkeit, dass
bei Goldwährung die der Mark zu Grunde liegende Goldmenge ein
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Zwanzigstel des Pfund Sterlin sein muss. Dass durch währungs-
politische Massnahmen diese Sätze absolut fest begründet sind,
ist nichts, was in der Natur des Goldes begründet wäre, und ist
auch die Dauer auch nur durchführbar, wenn die Gesamtsumme aller
Preise oder sagen wir der Preisindex, gemessen von Land zu Land,
im selben Verhältnis bleibt. Wenn dieses auf dem allgemeinen
Preisniveau fussende, erst die Goldrelationen begründende Verhält-
nis ununterbrochen weiter besteht, dann wird Export und Import
und somit der Zahlungsausgleich von Land zu Land nicht aus dem
Gleichgewicht gebracht werden, und das intervalutare Pari wird
das Münzpari kaum verlassen können. Weil periodische Einzel-
schwankungen, so nebensächlich und geringfügig sie auch sein mö-
gen, auch bei den stärksten Ländern nicht zu vermeiden sind, und
das bei freien Währungen Unklarheit und Unsicherheit in die
Berechnungen der Kaufleute bringen müsste, darum ist die Gold-
währung mit dem mechanischen Zahlungsausgleich noch besonders
geeignet, den Vorrang vor anderen Währungen zugesprochen zu er-
halten.
Gold als ein in der Natur lagerndes Gut ist nun auch
allen Wechselfällen und Zufällen der Produktion ausgesetzt, sit
also in der Komparativen Statik gesehen nicht unbedingt wertkon-
stant. Das veranlasst uns, der Vollständigkeit halber zu prüfen,
wie im einzelnen z.B. bedeutende Goldfunde, neue technische Wege
der Gewinnung, wie etwas gar Herstellung auf synthetischem Wege
oder wie umgekehrt plötzliches Aufhöhren von Goldfunden auf die