648 |
- 107 - [*Bemerkung: Seitennummer zweifach vergeben] |
649 |
|
650 |
gleich X, Y , und Z gramm Gold seinen, darf uns nicht dazu verlei- |
651 |
ten zu glauben, dass im Auslande unsere Preise am Golde abgewogen |
652 |
würden. Die Bedeutung beruht vielmehr auf der Vergleichbarkeit der |
653 |
Preise auf Grund des Münzfusses ohne Zuhilfenahme und ohne Kennt- |
654 |
nis des Wechselkurses. Als Ergebnis des Vergleichs von Inlands- |
655 |
und Auslandspreis erscheint uns als Resultat nur die Kenntnis |
656 |
des billigeren Produzenten; mit dem Golde aber haben wir zum Pro- |
657 |
dukte selbst keine Beziehung. Der Goldwährung haben wir so eminen- |
658 |
te Bedeutung und so grossen praktischen Wert beigemessen, dass |
659 |
diese Eigenschaft, die wir leugnen, demgegenüber nicht ins Gewicht |
660 |
fällt. Wvvavvs sie weiterhin an Vorteil gegenüber den Ländern mit |
661 |
freier Währung bedeutet, bei denen wir ja auch durch die Valuta |
662 |
stets denselben Vergleichsweg einschlagen können, das lag in der |
663 |
Stabilität der Vvvavvluta jedes Goldwährungslandes, das nun auf weite |
664 |
Sicht rechnen liess. Das alles aber sind Vorteile wohl der Gold- |
665 |
währung als der Währung der stärksten Länder, nicht aber des Gol- |
666 |
des als Metall, als Währungsbasis. Die wirkliche Währungsbasis |
667 |
ist immer die menschliche produktive Arbeit; nur die Einheit, die |
668 |
wir zu Grunde legen, ist jeweils verschieden und das[handsch. ergänzt (]ist der Grund, |
669 |
waru[übertippt m] als tertium comparationis ein etwas in der Uvvmvvrechnung von |
670 |
Land zu Land dazwischen treten muss. Das findet in den Preisen |
671 |
seinen sichtbaren Ausdruck. Wenn jedes gleiche Produkt den zwanzigsten Teil |
672 |
kostet wie bei uns, so gehört es zur Selbstverständlichkeit, dass |
673 |
bei Goldwährung die der Mark zu Grunde liegende Goldmenge ein |
681 |
- 108 - |
682 |
|
683 |
Zwanzigstel des Pfund Sterlin sein muss. Dass durch währungs- |
684 |
politische Massnahmen diese Sätze absolut fest begründet sind, |
685 |
ist nichts, was in der Natur des Goldes begründet wäre, und ist |
686 |
auch die Dauer auch nur durchführbar, wenn die Gesamtsumme aller |
687 |
Preise oder sagen wir der Preisindex, gemessen von Land zu Land, |
688 |
im selben Verhältnis bleibt. Wenn dieses auf dem allgemeinen |
689 |
Preisniveau fussende, erst die Goldrelationen begründende Verhält- |
690 |
nis ununterbrochen weiter besteht, dann wird Export und Import |
691 |
und somit der Zahlungsausgleich von Land zu Land nicht aus dem |
692 |
Gleichgewicht gebracht werden, und das intervalutare Pari wird |
693 |
das Münzpari kaum verlassen können. Weil periodische Einzel- |
694 |
schwankungen, so nebensächlich und geringfügig sie auch sein mö- |
695 |
gen, auch bei den stärksten Lvvävvndern nicht zu vermeiden sind, und |
696 |
das bei freien Währungen Uvvnvvklarheit und Unsicherheit in die |
697 |
Berechnungen der Kvvavvufleute bringen müsste, darum ist die Gold- |
698 |
währung mit dem mechanischen Zahlungsausgleich noch besonders |
699 |
geeignet, den Vorrang vor anderen Währungen zugesprochen zu er- |
700 |
halten. |
701 |
Gold als ein in der Natur lagerndes Gut ist nun auch |
702 |
allen Wechselfällen und Zvvuvvfällen der Produktion ausgesetzt, sit |
703 |
also in der Komparativen Statik gesehen nicht unbedingt wertkon- |
704 |
stant. Das veranlasst uns, der Vollständigkeit halber zu prüfen, |
705 |
wie im einzelnen z.B. bedeutende Goldfunde, neue technische Wege |
706 |
der Gewinnung, wie etwas gar Herstellung auf synthetischem Wege |
707 |
oder wie umgekehrt plötzliches Aufhöhren von Goldfunden auf die |
715 |
- 1 [übertippt 0]9 - |
716 |
|
717 |
Währung wirken müsste. Es ist nebensächlich, welchen Prozentsatz |
718 |
der möglichkeiten unsere Fälle in sich schliessen. Die ersten |
719 |
beiden Evvrvvwä[übertippt g]ungen scheinen sogar von wirklich praktischer Bedeu- |
720 |
tung. Nach immer grösseren Opfern für die Währungsbanken kommt |
721 |
endlichh auch einmal der Punkt des Unvermögens, weiterhin mehr |
722 |
Gold aufzunehmen. Schliessen sich in diesem Augenblicke nicht |
723 |
weitere Länder der Goldwährung an und treten dabei mit neuem Be- |
724 |
darfe auf, so sind die Goldwährungsstaaten gezwungen, die freie |
725 |
Prägbarkeit aufzugeben, nachdem die Besitzer der Goldgruben in |
726 |
der ganzen vorhergehenden Zeit dynamischer Entwicklung infolge |
727 |
der Förderung Monopolgewinne über den wirklichen Herstellungs- |
728 |
wert hinaus vereinnahmen und inflationistisch das Preisniveau |
729 |
beeinflussen konnten. Gegenüber einer so vermehrten und verbillig- |
730 |
ten Goldpruduktion könnte der Staat und vor allem der führende |
731 |
Wirtschaftsstaat in seiner Geldpolitik nicht untätig verharren, |
732 |
denn in seiner vorgeschriebenen Prägepflicht wechselt er nicht |
733 |
nur 1 kg ungeprägtes Gold in 1 kg geprägtes Gold um. er wechselt |
734 |
nicht nur die Form, sondern er stempelt in einer gegebenen Form |
735 |
das Gols zu seinem nominellen Gelde, das historisch verankert, |
736 |
vor allem in einem anderen, höheren Goldwert verankert [sic] Gemeinbesitz |
737 |
aller menschlichen Handlung, ihrer gesamten Denk - und Rechenope- |
738 |
rationen geworden ist. Das in Münze geprägte Gold ist ein anderes |
739 |
als das Gewichtsgold; die "charta" ist mit Knapp zu sprechen |
740 |
das entscheidende. Hvvivver hat nicht ein Privatmann dem Gold eine |
741 |
Form gegeben, wie der Juwelier einen Ring fertigt; hier hat der |
749 |
- 110 - |
750 |
|
751 |
Staat dem Golde einen gesellschaftlich gültigen Wert gegeben, |
752 |
der sich vom wirtschaftlichen Wert des Goldes auf Grund seiner |
753 |
Produktionskosten trennt. Der Staat darf hier aber nicht als |
754 |
selbstherrlicher Autokrat betrachtet sein, sondern er ist hier |
755 |
nur Ausdruck und Funktion einer Vielheit, nämlich der wirtschaf- |
756 |
tenden Gesellschaft und diese[handsch. durchgestrichen --r--] wird nicht willens sein ihr Ein- |
757 |
kommen schmälern zu lassen zum Vorteil einer verschwindenden Min- |
758 |
derheit oder überhaupt einer anderen Wirtschaftsgemeinschaft; |
759 |
sie wird sich gegen die Unwahrheit der Tauschakte zur Wehr setzen |
760 |
und das heisst hier in seiner Wirkung; sie wird die Prägepflicht |
761 |
aufheben. [handsch. geändert , und handsch. ergänzt zumindest so lange bis ?der Restwert? wieder stabil geworden ist . ] |
762 |
So könnte wohl die Mvvövvglichkeit bestehen, dass die erste |
763 |
Wirtschaftsmacht sich vom Golde löst, dabei diese Vormachtstel- |
764 |
lung hält und auch weiterhin ruhender Pol in der Währungen Spiel |
765 |
und Schwanken bleibt, eben weil diese [hands. geändert Großschreibung L]andesallmächtige Währung |
766 |
die Preise praktisch so fest als das objektiv messbare Geld zu |
767 |
binden vermag. Wäre es denkbar, dass solches Land das gesamte Gold |
768 |
in seinen Gvvrvvenzen und nur i[übertippt n] eigener Regie fördere, dann wäre es |
769 |
wohl auch in der Lage, dem Golde einen über seinen wirtschaftli- |
770 |
chen Herstellungswert gelegenen Preis zubgeben und in seiner |
771 |
Münze zu statuieren. Andere Svvtvvatten würden praktisch, wenn auch |
772 |
mit wirtschaftlichen Opfern die gleiche Währung annehmen und so |
773 |
bietet sie bisher gesehen auch alle Segnungen einer Goldwährung |
774 |
mit wirtschaftlich wahrem Inhalt. |
775 |
Eine Einschränkung allerdings, die geeignet ist, aus dieser |
776 |
theoretischen Möglichkeit eine fast praktische Unmöglichkeit |