355 |
der stabilen Wirthscaft ein gleichzeitiges und gleichnamiges Ver-
|
360 |
der stabilen Wirthscaft ein gleichzeitiges und gleichnamiges Ver-
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356 |
längern sowohl der Einkommens-als auch der Gütergrösse erkennen,
|
361 |
längern sowohl der Einkommens-als auch der Gütergrösse erkennen,
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357 |
sodaass wir, wenn wir den Preis als eine Indexzahl nehmen, sagen
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362 |
sodaass wir, wenn wir den Preis als eine Indexzahl nehmen, sagen
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358 |
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363 |
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359 |
%%(math)
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364 |
%%(math)
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361 |
und so immer die Preishöhe in gleicher Lage ruhen bleibt erleben
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366 |
und so immer die Preishöhe in gleicher Lage ruhen bleibt erleben
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362 |
wir nun eine sich in entgegengesetzter Richtung verändernde Rei-
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367 |
wir nun eine sich in entgegengesetzter Richtung verändernde Rei-
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363 |
he. Das Einkommen nur in Konsumgütern Verwendung finden, dürfen wir
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he. Das Einkommen nur in Konsumgütern Verwendung finden, dürfen wir
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364 |
die ungeheuren realen Arbeitswerte der Kriegsindustire nicht mit
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369 |
die ungeheuren realen Arbeitswerte der Kriegsindustire nicht mit
|
365 |
in Ansatz bringen und unsere Gleichung schreitet mit zunehmender
|
370 |
in Ansatz bringen und unsere Gleichung schreitet mit zunehmender
|
367 |
Das ist nicht so aufzufassen, als ob nun keinerlei Konsumgüter mehr
|
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Das ist nicht so aufzufassen, als ob nun keinerlei Konsumgüter mehr
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368 |
erzeugt worden wären und diese schliesslich bis auf 0 anlangten;
|
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erzeugt worden wären und diese schliesslich bis auf 0 anlangten;
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369 |
es soll damit vielmehr nur ausgedrückt sein, dass die Nominalein-
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374 |
es soll damit vielmehr nur ausgedrückt sein, dass die Nominalein-
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370 |
kommen stetig anschwollen, während die Gütermenge ständig die Ten-
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kommen stetig anschwollen, während die Gütermenge ständig die Ten-
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371 |
denz zur Verringerung aufwies. Periodisch gesehen, war es vielleicht
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denz zur Verringerung aufwies. Periodisch gesehen, war es vielleicht
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|
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394 |
- 143 -
|
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395 |
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396 |
ganz natürlichen Hintergrund und es bedarf keines Mvvivvsstrauens,
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397 |
auch nicht des rein mechanisch quantitativen Einwirkens der Pa-
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398 |
pergeldmenge aus sich selbst heraus auf die Preise, um Erklärun-
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399 |
gen für die Erscheinung zu finden. Wir könnten analog unserer bis-
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400 |
herigen Ausführungen folgendermaassen erklären: Die alten Preise
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401 |
waren der Ausdruck einer in den rechtmässigen Einkommen gegebenen
|
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402 |
Arbeitsleistung, nunmehr treten Einkommen ohne solche Arbeitsleis-
|
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403 |
tung hinzu, und der schliessliche Erfolg muss der sein, dass die
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404 |
Preise nominell steigen, denn die Werteinheiten, die güterheischend
|
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405 |
am Markte erscheinen, verkörpern nun in ihrer Mischung von recht-
|
|
|
406 |
mässigem und unrechtmässigem Einkommen zusammengenommen auch als
|
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407 |
einzelne Einheit einen geringeren Arbeitswert und darum müssen
|
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408 |
mehr solche Einheiten für ein Gut gegeben werden, d.h. die Preise
|
|
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409 |
müssen steigen. Es werden dadurch wieder alle befriedigt, denn eine
|
|
|
410 |
Unterschiedung der kaufkräftigen Werteinheiten nach der Berechti-
|
|
|
411 |
gung ihrer Entstehung ist nicht möglich als auch nicht statthaft.
|
|
|
412 |
Weiterhin wesentlich ist noch der Uvvmvvstand, dass die Preissteigerung
|
|
|
413 |
nicht alle gleichmässig betrifft, sondern abgestuft je nach der
|
|
|
414 |
Entfernung des Berufes vom Güterbesitz und der Güterproduktion,
|
|
|
415 |
etwas in der Reihenfolge Erzeuger, Händler, Agenten, Makler, Arbei-
|
|
|
416 |
ter, Angestellte, Beamte und schliesslich Rentner, wobei im einzel-
|
|
|
417 |
nen vvvorvvübergehende Verschiebungen natürlich durchaus möglich sind.
|
|
|
418 |
Ivvmvv allgemeinen können wir sagen, dass das eben die beweglichsten Ein-
|
|
|
419 |
kommen sich wiederum am schnellsten den wechselnden Verhältnissen
|
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|
420 |
anpassen konnten. Jede Erhöhung des Unternehmenrgewinnes hat die
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421 |
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429 |
- 144 -
|
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430 |
|
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|
431 |
Tendenz die Löhne zu erhöhen und das fort zu Angestellten und
|
|
|
432 |
wieder weiter bis alle Berufsgruppen erhöhes Nominaleinkommen
|
|
|
433 |
bezigen haben. Es ist wie wenn durch einen Steinwurf die konzen-
|
|
|
434 |
trischen Ringe auf der Wvvavvsserfläche sich mehr und mehr erweitern.
|
|
|
435 |
Mit einem Preise hängen alle Preise zusammen und ziehen sich ge-
|
|
|
436 |
genseitig gleich wie auch die Einkommen nach. Zwar [übertippt h]errschte auf
|
|
|
437 |
der Angebotsseite immer wieder das Streben nach Preiserhöhung und
|
|
|
438 |
Anpassung an den jeweiligen gerechtfertigten Stand, auf den der
|
|
|
439 |
Ausgleich zwischen Einkommen und Gütern gegeben wäre, aber Infla-
|
|
|
440 |
tionwelle auf Welle lässt den Ruhezustand nie eintreten. Bei einer
|
|
|
441 |
einmaligen Verrückung und nachheriger automatischer Anpassung
|
|
|
442 |
hätte die Werteinheit wohl wieder stabil sein können; - ein immer-
|
|
|
443 |
währendes und sich immer wiederholendes Verändern bedingte den
|
|
|
444 |
bekannten Zvvuvvstand der dauernden Unstabilität. Allmählich lässt
|
|
|
445 |
sich Ursache und Wirkung nicht mehr als primär und sekundär schei-
|
|
|
446 |
den. In der immerwährenden Wechselwirkung zeigt sich die vergeb-
|
|
|
447 |
liche Jagd nach dem eigenen Schaffen. Die beiden Pole der Wirt-
|
|
|
448 |
schaft, Einkommen und Preise, vordem durch die Goldwährung gebunden,
|
|
|
449 |
sind nun völlig frei und streiten sich u[übertippt m] die Priorität. Dass die
|
|
|
450 |
Politik der Höchstpreise zusammenbrechen musste, ist uns selbstver-
|
|
|
451 |
ständlich und das ganz besonders, wenn diese nur auf bestimmte
|
|
|
452 |
Güterarten angewandt werden sollen. Die Erzeuger der Höchstpreis-
|
|
|
453 |
g[übertippt ebühr] güter erhalten ihr Einkommen ja in Preisen ihres Produktes
|
|
|
454 |
abzüglich ihrer Unkosten. Da kann es praktisch vorkommen, dass die
|
|
|
455 |
Unkosten über den Produktpreis zu stehen kommen; in jedem Falle
|
|
|
456 |
|
|
|
464 |
- 145 -
|
|
|
465 |
|
|
|
466 |
aber muss sich das fragliche Einkommen auflehnen gegen die übrigen,
|
|
|
467 |
die ringsherum sich frei entfalten. Es wird gleichartige Arbeit
|
|
|
468 |
nach verschiedenem Maasse gewertet und gerade das Bestehen und
|
|
|
469 |
Anwenden des gleichen Maasstabs derart, dass die Erzeuger [übertippt g]leich-
|
|
|
470 |
cher Arbeitswerte gleiches Einkommen beziehen, das ist das Krite-
|
|
|
471 |
rium der gesunden Wirtschaft.
|
|
|
472 |
Wenn wir nun, wie vordem bei der stabilen Wirtschaft die
|
|
|
473 |
gedankliche Division des Nvvovvminaleinkomens in die Gesamtpreishöhe
|
|
|
474 |
der Konsumgüter vornehmen, so ergibt sich nimmer die Zahl eins.
|
|
|
475 |
Darüber oder darunter bietet sie den Anreiz zu Preis-oder Ein-
|
|
|
476 |
kommenserhöhung. Jede Einkommenserhöhung ohne erhöhte Leistung
|
|
|
477 |
ist als Versuch zu bewerten, Gütermengen, die einem bestimmten Stan-
|
|
|
478 |
de zufliessen sollen, sich selbst anzueignen. Dieses Bestreben wurde
|
|
|
479 |
zur dauernden Uebung ohne dass die teils sich dadurch selbst schä-
|
|
|
480 |
digenden Parteien die tatsächliche Wirkung gewahr wurden. Jede
|
|
|
481 |
Kalkulation als Preis-und Einkommensgrundlage erfuhr im Laufe des
|
|
|
482 |
Herstellungsprozessen so vielfache Verschiebungen, dass wir darin
|
|
|
483 |
auch mit den verschiedensten Wertgrössen rechneten. Der so entstan-
|
|
|
484 |
dene Preis war ein Mittelpreis einer gewissen Zeitspanne, ebenso
|
|
|
485 |
die dafür erstatteten Einkommen. Gut und Einkommen gelangen nicht
|
|
|
486 |
gleichzeitig auf den Markt, zudem stand es von papiernen Gesetzen
|
|
|
487 |
abgesehen frei, die Güterpreise von der vorhergehenden nominellen
|
|
|
488 |
Kalkulation zu lösen und darum fiden auch die Grössen, die sich
|
|
|
489 |
negieren sollen, sich als gleichnamig nicht vor.
|
|
|
490 |
|
|
|
498 |
- 146 -
|
|
|
499 |
|
|
|
500 |
Die stabile Währung hat aufgehört in jedem Augenblick,
|
|
|
501 |
wo das Gleichgewicht des ersten Gütertausches gestört wurde
|
|
|
502 |
und weiter fortwirkt. Da also, wo Werteinheiten, die auf der Ein-
|
|
|
503 |
kommensseite wirksam wurden, auf der Güterseite kein Gegenüber
|
|
|
504 |
hatten und durch damit bedingten, notwendigen Preissteigerungen
|
|
|
505 |
anderen berechtigten Gläubigern der Wirtschaft ihre Ansprüche
|
|
|
506 |
schmälerten. Hvvivver wurde das in Preisen und Einkommen angewandte
|
|
|
507 |
einheitliche Maass, für das die Werteinehit in Geldform nur das
|
|
|
508 |
Bewegungsmittel war, weil es eben als Nvvovvminaleinkommen der Pro-
|
|
|
509 |
duktion auf dem Fvvuvvsse folgte, ausser Kurs gesetzt. Die Werteinheit
|
|
|
510 |
stand nur als Gedanke zwischen den Preisen und Einkommen und
|
|
|
511 |
schient wert, weil sie hier und dort auf ein wirkliches reales
|
|
|
512 |
Gut projeziert werden kann und sich hier und dort auf einen gleich
|
|
|
513 |
dimensionalen Wert, auf eine Arbeitsleistung oder, was das gleiche
|
|
|
514 |
ist, auf den verkörperten Arbeitswert stützen kann und zwar, was
|
|
|
515 |
wesentlich ist, in jedem Falle und nach jeder Seite auf einen
|
|
|
516 |
in der Grösse immer gleichen Wert. Durch neu geschaffenes Einkom-
|
|
|
517 |
men ist die Werteinheit entthront worden und ihren Wert können
|
|
|
518 |
wir jetzt im immerwährend Auf und Ab der Gegenseite, im Wechsel
|
|
|
519 |
von Angebot und Nachfrage uns nicht mehr verdeutlichen;- wir
|
|
|
520 |
können ihn auf nichts mehr beziehen. Darum können wir auch nicht
|
|
|
521 |
mehr am Gelde schätzen, können ihm Warencharakter nicht zuerken-
|
|
|
522 |
nen und ebenso auch nicht die Funktion des Wertmessers.
|
|
|
523 |
Wenn wir unter Währung einen Masswert uns vorstellen, so
|
|
|
524 |
können wir bei unstabiler Wirtschaft das Bestehen einer Währung
|
|
|
525 |
|
|
|
533 |
- 147 -
|
|
|
534 |
|
|
|
535 |
überhaupt verneinen. Die Güter-und Dienstleistungen in der Wirt-
|
|
|
536 |
schaft wurden infolge des nie zur Ruhe Kommens dadurch auch
|
|
|
537 |
immer nur in den verschiedensten Währungen ausgedrückt; d.h. der
|
|
|
538 |
immer gleich genannten Werteinehit wu[übertippt r]de stets ein anderer
|
|
|
539 |
ökonomischer Inhalt imputiert. Die Mark von gestern war etwas
|
|
|
540 |
grundsätzlich anderes wie die von heute und jeder dazwischen
|
|
|
541 |
liegenden Stunde. Was unserer Währung fehlte, um als solche an-
|
|
|
542 |
gesprochen zu werden, war das Fehlen des rekurrenten Anschlusses
|
|
|
543 |
an die Währung von gestern zur Umrechnung auf die neue und auf
|
|
|
544 |
die einheitliche Einheit. Bei einer aus freien Stücken gewähl-
|
|
|
545 |
ten Währungsänderung muss das Preisniveau sich ebenfalls um-
|
|
|
546 |
stellen, aber diese Uvvmvvrechnung erfolgt in einem Zuge, und es be-
|
|
|
547 |
stehen dann die gleichen Relationen auf anderer Grundlage doch
|
|
|
548 |
genau wie vordem. Bei unserer immerwährenden, nie zur Ruhe ge-
|
|
|
549 |
langenden Umrechnung waren Deklassierung, Krisen und Klassen-
|
|
|
550 |
käm[übertippt p]fe die notwendigen Folgen. Wenn die Inflation sich darin
|
|
|
551 |
erschöpft hätte wirtschaftlich ungerechtfertigte, nicht durch
|
|
|
552 |
Vorleistung erworbene Kaufkraft erzeugt zu haben, so wäre diese
|
|
|
553 |
Wirkung allein, wenn sie jedermann gleichmässig und unentrinn-
|
|
|
554 |
bar getroffen hätte, eine notwendige Erscheinung gewesen. Die
|
|
|
555 |
schlimmste Wirkung aber brachte sie uns in der __Verschiebung__
|
|
|
556 |
der Einkommen.
|
|
|
557 |
Dass auch der Stand der Valuta in diesem Zvvuvvsammenhange
|
|
|
558 |
nichts wesentliches bedeutet, ist uns wohl klar geworden. Wir
|
|
|
559 |
haben es hier mit einer durchaus innerwirtschaftlichen Erschei-
|
|
|
560 |
|
|
|
568 |
- 148 -
|
|
|
569 |
|
|
|
570 |
nung zu tun und die Valuta lässt nur das Chaos der Wirtschaft
|
|
|
571 |
in besonders grellem Lichte erscheinen. Ebenso wenig dürfen wir
|
|
|
572 |
glauben, fehlende Werte vom Ausland gestellt zu erhalten. Die ganze
|
|
|
573 |
Wirkung muss sich im vvLavvnde selbst kundtun. In erster vvLvvinie umge.=
|
|
|
574 |
waälzt wurde alles, was mit einer Forderung oder Schuld in irgend-
|
|
|
575 |
einer Form zusammen [übertippt h]ing. Was das Einkommen anlangt, so sagten wir
|
|
|
576 |
davon bei der stabieln Währung, dass wir mit ihm gleichzeitig im
|
|
|
577 |
Besitze des Equivalente hiezu sind und eine Auswahl gleicher
|
|
|
578 |
Werte auf dem Markte uns zur Verfügung steht. Bei der gestörten
|
|
|
579 |
Wirtschaft ist das Evvivvnkommen schon einmal in der Spanne, in der
|
|
|
580 |
es dem einzelnen zur Verfügung gelangt, nur mehr oder weniger
|
|
|
581 |
dasjenige einer Währung niedrigeren und verschiedensten Wertes;
|
|
|
582 |
nämlich eines solchen, der auf dem Gütermarkte bereits in der Ver-
|
|
|
583 |
gangenheit in Anwendung gebracht wurde. Dagegen könnte es mögli-
|
|
|
584 |
cherweise auch ein Einkommen sein mit einer Wertmaass-Zugrunde-
|
|
|
585 |
legung, die auf dem Gütermarkte erst späterhin Regel wird; - auf
|
|
|
586 |
der einen Seite also ein Einkommen, das nicht annähernd das Equi-
|
|
|
587 |
valent der Arbeitsleistung und - das ist wesentlich - auch nicht
|
|
|
588 |
das des Einkommens am Tage der Leistung und auch nicht an dem
|
|
|
589 |
des Bezuges darstellt, auf der anderen Seite wieder ein solches,
|
|
|
590 |
das sofort ausgegeben, den Käufer in den Besitz grösserer Güter-
|
|
|
591 |
mengen setzt, als er an Werten der Wirtschaft beigesteuert hat oder
|
|
|
592 |
bei Vorauszahlung nach leisten wird. Die meisten wirtschaftlichen
|
|
|
593 |
Fragen waren nicht mehr solche der Ueberlegung und die einer
|
|
|
594 |
Kalkulation, sondern Machfragen der Berufsorganisationen .
|
|
|
595 |
|
|
|
603 |
- 149 -
|
|
|
604 |
|
|
|
605 |
Betrachten wir auf der anderen Seite die Händler auf dem
|
|
|
606 |
Ma[übertippt r]kt[übertippt e]. Befolgten sie wirklich die Gesetze der Behörden betreff
|
|
|
607 |
Preisfixierung, dann gäben sie gegen die Werteinheiten in Geldform
|
|
|
608 |
in ih[übertippt r]en Waren kein Equivalent gleichen Wertes hin, sondern ein
|
|
|
609 |
Vielfaches davon. Dieser wirkliche Verlust bedeutet wieder Gewinn
|
|
|
610 |
für den Konsumenten. Ebenso stand es mit der Stundung von Schulden
|
|
|
611 |
im Verkaufe auf Kredit. Je nach der den Verhältnissen Rechnung
|
|
|
612 |
tragenden und sie erkennenden Einstellung konnten auch hier wie-
|
|
|
613 |
derum private Gewinne oder Verluste eine Folgeerscheinung der
|
|
|
614 |
Inflation sein. Der Fabrikant konnte auf der einen Seite im Export
|
|
|
615 |
Valutagewinne erzielen, die im Innenhandeln möglicherweise vergrös-
|
|
|
616 |
sert, möglicherweise aber auch vielleichthgar aufgezehrt werden
|
|
|
617 |
konnten. Wir denken daran, dass andere Berufsarten, besonders die
|
|
|
618 |
freien Berufe, wie Künstler, Schriftsteller usw.fast völlig ein-
|
|
|
619 |
kommenslos wurden, dass die Höhe der Entlohnung ncicht mehr das
|
|
|
620 |
Equi[übertippt v]alent der Qualität der Arbeit bedeutet, dass ungelernte Ar-
|
|
|
621 |
beit nahezu gleich gesetzt wurde mit individueller, künstleri-
|
|
|
622 |
scher Handarbeit. Mit der Verschiebung der Einkommen ging auch die
|
|
|
623 |
Verschiebung der Berufe Hand in Hand. Ganz neue Existenzen machten
|
|
|
624 |
sich breit, ein Heer von Zwischenhändlern, Agenten und Kommissionä-
|
|
|
625 |
ren, die ihr Einkommen lediglich in der Ausnützung von Preisspan-
|
|
|
626 |
nungen bezogen. Wir erlebten die Vergrösserung der Beamtenapparate
|
|
|
627 |
die Schaffung bisher unbekannter Aemter; . es war im ganzen ein
|
|
|
628 |
Abwandern von der unmittelbar produktiven Tätigkeit.
|
|
|
629 |
Wir wissen von den Börsenspekulationen, der Möglichkeit
|
|
|
630 |
|
|
|
638 |
- 150 -
|
|
|
639 |
|
|
|
640 |
der Geldbeschaffung auf den Wechsel hin, von Spekulationen à la
|
|
|
641 |
hausse auf weite Sicht. Nicht vergessen wollen wir die mögliche
|
|
|
642 |
Ausnutzung der verschiedenen Kurssetzungen auf den Weltmarkt-
|
|
|
643 |
plätzen. Ueberlegen wir auch, dass das, was wir mehr verzehrten, als
|
|
|
644 |
wir erzeugten, Gewinn bedeutet für die Kvvovvnsumenten und Verlsut
|
|
|
645 |
sein muss für die Besitzer der Kapitalgüter, mit denen der Aus-
|
|
|
646 |
gleich hat bewerkstelligt werden müssen.
|
|
|
647 |
Ueberall sehen wir, wie die Inflation alle Fesseln spreng-
|
|
|
648 |
te, wie sie die Einkommen revolutionieren liess, vor allem deshalb,
|
|
|
649 |
weil sie in der Neuschaffung von solchen kein einheitliches
|
|
|
650 |
Arbeitswertmaass mehr anwenden liess, weil sie die Bindung zwi-
|
|
|
651 |
schen Einkommen und Preisen zerstörte. Was in lenger Entwicklung
|
|
|
652 |
gewachsen war, was das Fundament eines Staates, was die Struktur
|
|
|
653 |
der Gesellschaft bedeutet, das wurde durcheinander geschüttelt
|
|
|
654 |
und kann nur schwer zur Ruhelage kommen.
|
|
|
655 |
Dass die ganze Entwicklung nur möglich war in einer
|
|
|
656 |
so viel und weit verzweigten moernen arbeitsteiligen Wirtschaft
|
|
|
657 |
wissen wir. Im vvLavvnde mit realem vvAuvvstausch liegen vvPrvvoduktion und
|
|
|
658 |
Verbrauch zu nahe beisammen und sind zu eng gebunden, als dass
|
|
|
659 |
wir den Versuch machen können, Ovvpvvfer von uns auf andere abzuwäl-
|
|
|
660 |
zen und umgekehrt von anderer Leute Arbeit zu schmarotzen. Wir
|
|
|
661 |
dürfen aber deswegen wohl kaum dem Gelde als einer Erscheinungs-
|
|
|
662 |
form der modernen Wirtschaft die Schuld an ihrem Chaos zuschreiben
|
|
|
663 |
und auch nicht dem Papiergelde als der notwendigen und der einzig
|
|
|
664 |
möglichen Form der wirtschaftlich gesunden Entwicklung.
|
|
|
665 |
|
|
|
673 |
- 151 -
|
|
|
674 |
|
|
|
675 |
Dass wir in der modernen Wirtschaft die Opfer, die wir notwendig
|
|
|
676 |
bringen mussten, nicht gleich als solche für den einzelnen ver-
|
|
|
677 |
spürten und nicht verspühren wollten, dass uns die Scheinmöglichkeit
|
|
|
678 |
belassen wurde, sie auf andere abzuwälzen, ohne dass die Volks-
|
|
|
679 |
wirtschaft als ganzes Schaden nehme, dass liess den Kampf und die
|
|
|
680 |
Verschiebung der Einkommen Folge werden. Wir erkennen also, nicht
|
|
|
681 |
die Preissteigerung, auch nicht der Stand der Valuta ist das Ent-
|
|
|
682 |
scheidende und Schädigende der Inflation und beides ist kein
|
|
|
683 |
Gradmesser, sowohl nicht unseres Wohlergehens, als unseres Elends.
|
|
|
684 |
Beides könnte die Wirtschaft wohl ertragen ohne nennenswerte Stö-
|
|
|
685 |
rung. Das tief greifende und schwer zu heilende Uebel der Infla-
|
|
|
686 |
tion, das ist die Verschiebung der Einkommen, entstanden durch
|
|
|
687 |
die verschiedenartige Bewertung der Leistung als der realen Güter
|
|
|
688 |
und notwendig bedingt durch ständig neu geschaffene Einkommens-
|
|
|
689 |
wellen, die jegliches vvAuvvsgleichsbestreben von neuem überfluteten
|
|
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und jegliches Vergleichsmaass uns raubten. Das Vergleichsmaass
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Arbeit war im Nominaleinkommen nicht mehr heraus zu lesen, weil
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es die Beziehung zu den Preisen und den durch Arbeitsaufwand
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erzeugten Gütern verloren hatte.
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Das Charakteristikum der stabilen Währung ist Paralleli-
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tät in der Entstehung und die Kongruenz der beiden Wirtschafts-
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pole, Einkommen und Preise, aufgebaut auf Arbeitswertgrössen, in
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nur jeweils anderer Zusammenfügung; das restlose Aufgehen der Wer-
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te beim Gütertausch. Das Merkmal der unstabilen Währung bedeutet
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das vvBrvvechen dieser Grundsätze und damit das Zerstören des doppelt
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gebundenen Maasses der Arbeit. Der Boden, auf dem die unstabile
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Währung Raum hat, ist die wirtschaftliche Not; die Inflation war
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gewissermassen nur ein mit Notwendigkeit ausbrechendes Mittel,
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sie uns fühlbar werden zu lassen, und sie hatte im Gefolge die
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wirtschaftliche und gesellschaftliche Schädigung, wie wir sie bei
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unserer Betrachtung kennen lernten.
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Haben wir mit diesem letzten Abschnitt anscheinend den
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Boden der Theorie verlassen und unser Augenmerk auf eine tatsäch-
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liche und praktische Erscheinung gerichtet, so geschah es, um diè
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Wahrheit der vorher entwickelten Sätze hier zu erhärten. Wir stell-
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ten diese Betrachtung an den Schluss, weil wir sie für den Aufbau
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unserer Gedanken nicht benötigten, weil wir nicht rückwärts von
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den Tatsachen ableiten, sondern diese auf eine theoretische Mei-
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nung projekzieren.
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