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V - Die Stabile und unstabile Währung


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Seite 132

– 132 –

[01]

Die s t a b i l e und u n s t a b i l e W ä h r u n g;

Das W e s e n d e r I n f l a t i o n.
[02]


Jede Wirtschaft muss ihrem wahren Wesen nach eigentlich
[03]

eine stabile sein, denn Wirtschaften als Zeitwort heisst für das
Einzelindivifuum Einkommen und Verbrauch in Gleichklang bringen.
Das will bedeuten in der Periode der Naturalwirtschaft die Er-
zeugung der für das Leben des Einzelnen oder der Falilie notwen-
digen Bedarfsgüter, und auf weiterer Stufe kommt hinzu noch ein
gelegentlicher Tausch darüber hinaus. Wo Erzeugung und Verbauch
von so kleinem Kreise, möglicherweise gar von der Arbeit und dem
Konsum ein und derselben Person getätigt wird, wo Ort der Erzeu-
gung und der des Verbrauchs Zusammenfallsen, da erscheint uns das
Wirtschaften, wenn wir von der Art und Weise der Bedarfsbefriedi-
gung absehen, nur als der Ablauf eines sich immerfort wiederholen-
den Naturgesetzes. Eine unstabile Währung kann nicht existieren,
wo nur ein Verzehren des selbst Erarbeiteten stattfindet und an-
deres ist uns dort nicht erreichbar. Mit der modernen Entwicklung,
ganz besonders der der Arbeitsteilung, müssen wir unsere Produkte
nunmehr auf den MArkt bringen, der an den Einzelpreisen die letz-
ten Korrekturen trifft und der uns die Güter anbietet, gleichdi-
mensionale Dinge, unter denen wir nach freier Wahl unsere Bedürf-
nisse de[übertippt c]ken können. Der Marktmechanismus schuf das Geld im Charak-

ter des Zauschgutes als auch späterhin in dem des Tauschmittel[übertippt z].

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Seite 133

[04]


Die beiden ewig kreisenden Pole der Wirtschaft, Erzeugung und 
Verbauch, sind nun weit auseinander gerissen und doch sollen,
wie im allerprimitivsten Verhältnis beide in Parallelität ge-
bracht werden, sollen durch das Dazwischntreten [sic] des Marktes, des
Konkurrenzkampfes, durch die immer grösseren Ausmaasse [durchgestr. handschr.
(--] der Ge-
meinschaften, durch die ganze Art der Einkommenschichtung und
-verteilung in Form von in Geld ausgefrückten Nominaleinkommen,
die Ha[übertippt r]monie der gerechten Güteraufteilung auf Grund des geleis-
teten Beitrages nicht gestört werden.

Im Verhältnis nach aussen tritt jedes wirtschaftliche
[05]

Gebilde, das in sich und im Zusammenwirken aller den Weg von Er-
zeugung zu Verbrauch durchmisst, anderen gleich inhaltlichen For-
men als eine selbständige, den Werten nach sich selbst genügende
und gleichwertige Grösse entgegen. Damit ist nicht ausgedrückt,
dass innerhalb der Gemeinschaft der gerechte Güteraustausch und
Einkommensbezug auf Grund des wirklich realen Inhalts jeder
Leistung garantiert wäre. In einer i[übertippt r]gendiwe verbundenen Gruppe
kann das Sozialprodukt bei Verausgabung aller Einkommen wohl
restlos aufgezehrt sein und die Wirtschaft als Einheit genommen
erscheint gesund und ausbalanziert; trotzdem kann damit in der 
Art der Verteilung jeweils ungleiches zu gleichem werden. Denken
wir beispielsweise an einen selbständigen Haushalt mit Sklaven-
arbeit. Deren Wahren Equivalent wäre meist die ganze Erzeugung;
statt dessen erhalten die Sklaven das physische Existenzminimum
und der Rest ist arbeitsloses Herreneinkommen. Wer aber wird


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– 134 –

[06]

sagen, dieser Haushalt sei nicht im Gleichgewicht? Nehmen wir
den Mehrwert der kapitalistischen Wirtschaft, der einer Klasse
an ihrem wahren Einkommen abgezogen wird und der anderen als
«Kapitalprofit» zuzuwachsen; Wir denken noch an Monopolgewinne,
wo sie auftreten und dennoch – das Gleichgewicht der Wirtschaft
als ganzes braucht dadurch nicht gestört zu werden. Wir können
endlich wieder die ganze Welt als e i n e Wirtschaft ansehen,
in der Die Nationen die Rolle der Einzelindividuen spielen -.
Bilanziert dieses Weltwirtschaftsgebilde nicht auch in dem Sinne,
dass es sich selbst genügt und mit seinen Mitteln haushält und
sind nicht auch hier die einzelnen Mitglieder, die abhängigen
Kolonialländer wie dort durch gesellschaftliche, hier durch macht-
politische Momente im wahren Einkommen auf Grund ihrer wirklichen
realen Leistung oftmals und möglicher Weise gekürzt, um dem Mutter-
lande Kolonialgewinne zu ermöglichen .

Alle die erwähnten Fälle aber sind solche, wo es sich
[07]

um eine Verteilungsfrage handelt, immer aber eine Verteilungsfrage
innerhalb der gegebenen wirtschaftliche Möglichkeiten nur auf
Grund des vorhandenen Vorrats, und da spielt der Grad, in dem ge-
sellschaftliche oder machtpolitische, vielleicht in langer histo--
rischer, immer aber in organischer Entwicklung entstanden[handschr. durchgestr. d]e und
in dem Wesen des modernen Einkommensbezugs in Geldform wie in
der Struktur der Wirtschaft liegenden Momente die Reinheit der
Oekonomik zu trübern vermögen, keine Rolle. Ganz besonders ist die
Schichtung der Einkommen auf Grund ihrer Entlohnung in sich genau


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Seite 135

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[08]

ausgeschwungen, ist der Eigenart und Besonderheit des Landes ange-
passt und somit als nichts Willkürliches anzusehn. Ein einheitli-
ches Geldwesen ist der sichtbare Ausdruck des engen Verkettetseins

vieler, zu einander sich gegenseitig ergänzenden und bedingenden
[09]

Wirtschaft und zeigt uns klar die Grenzen dieser Wirtschaftsein-
heit auf. Die Länder, die Währungen unter sich, kennen keine solida-
rische Haftung und müssen darum in sich selbst die Lebensmöglich-
keit zu finden wissen. Ist nun das Resultat unserer Untersuchung
nicht dies, dass jedes selbständige Land mit eigener Währung als
der Beweis der wirtschaftliche Einheit im Verhältnis nach aussen
immer stabil sein muss? D.h. hier, es muss sich selbst genügen
können und die Güterwerte für seinen Kosum [sic?] selbst sich erarbeiten.

Die Valuta ist die Schutzmauer der Einzelländer vor Ueber-
[10]

griffen der anderen. Eine wirtschaftliche Krise muss innerhalb
der Währungsgrenze zum Austrage kommen und kann nach aussen nur
mittelbar über den Weltmarkt, wie durch Absatzkrisen und dergl.
auch für anderen Nationen fühlbar werden. Durch die Valuta werden
die Störungen in einem Lande auf ihren Wert begrenzt, aber gerade-
aus diesem Grunde muss sie den anderen gegenüber schwankend sein.
Der Stand der Valuta sagt uns darum auch nichts über die Güte
einer solchen, denn der Wevchselkurs ist ja nur der Umrechnungskohe-
fizient zwischen verschiedenen gewählten Wertmessgrössen;. Das Schwan-
ken der Valuta sagt uns auch nichts näheres über die Art der Stö-
rung, die wir im inneren Wirtschaftsleben aufdecken müssen und
nicht dort, wo sie wohl sinnfällig, aber erst in sekundärer Folge


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Seite 136

– 136 -

[11]

in die Erscheinung tritt. Zu jeder Zeit, wir mögen gesunde oder
gestörte Wirtschaftsverhältnisse zu Grunde legen, müssen wir un-
seren Konsum mit gleichen werten bezahlt machen. Der normale
Fall ist wohl der, dass wir die Menge selbst erzeugen und dann
aus diesem Vorrat heraus den Austausch der überschüssigen Produk-
te gegen solche anderer Länder bewerkstelligen. Gerät aber der
zum Tausch benötigte Ueberschuss unserer Produkte in Wegfall, und
können oder wollen wir trotzdem auf die Einfuhr nicht verzichten,
so bleibt uns dadurch die Zahlung an das Ausland doch nicht er-
spart. Wo wir keine Konsumgüter als Exportgrössen zur Verfügung
haben, da müssen wir Geld und als dieses doch wieder Konsumgüter
oder auch, wenn diese nicht zu erlangen oder durch Ausfuhrverbote
gesperrt sind, die Verfügung und Nutzniessung über Kapitalwerte,
d.h. in zurückliegenden Perioden ersparte und hergestellte
«Beschaffungsgüter» aus unserem Nationalvermögen abtreten.
Wir können also auch bis zu einem gewissen Grade von vorgetaner
Arbeit zehren und können unsere Gläubiger an unseren Einkommen
partizipieren lassen. Auf kurze Sicht gesehen, ist es uns wohl
möglich mehr zu verzehren, als wir erzeugen, aber das Ausland wird
uns nicht aus Menschenfreundlichkeit Geschenke darbringen. Für
den Wert unsere Einfuhr, einer Additionsgrösse aus den stati-
schen Preisden der Konsumgüter, geben wir, soweit unser Export
reicht, Gleichnamiges hin. Den fehlenden Wert darüber hinaus, den
wir mit Kapitalgütern zu decken haben, berechnen wir nicht nach
dem statischen Preis der Produktivmittel, sondern nach dem durch


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Seite 137

– 137 –

[12]

Kapitalisierung zu erlangenden, privatwirtschaftlichen Preis.
Das scheinbare plus aber, das wir hier erringen, insofern wir ge-
ringere Mengen verkörperter Arbeit hingeben, um zur Bilanz zu
kommen, wird wett gemacht eben durch den damit verbundenen dau-
ernden Einkommensverlust unserer Wirtschaft. Wir sehen also,
dass das, was wir unter unstabiler Währung verstehen, wohl nach
aussen sichtbar wird, aber nicht nach aussen wirken kann. Wir se-
hen auch, dass wir die Umlagerung cer wirk[übertippt l]ichen Einkommen auf
Grund des Bestehens von Klassen-oder Personalmonopol nicht als
das Kriterium jener unstabilen Währung deuten können. Was also
ist Ursache und Wirkung der unstabilen Währung, welche Regeln
müssen wir befolgen, um die stabile Währung uns zu erhalten?
Wir werden sehen, dass diese Betrachtung nicht aus dem Rahmen un-
serer Untersuchung fällt, und ebenso werden sich neue Gesichts-
punkte fürndie Erklärung der Inflation ergeben.

Wir müssen zu diesem Behufe zurückgehen zu dem Zeitpunk-
[13]

te, da wir 1914 die Bahnen der Goldwährung verliessen, nicht um
damit bewusst aus der Weltwirtschaft auszuscheiden. Aber an Wirt-
schaft und Finanzen wurden Forderungen gestellt dergestalt, dass
wirnicht hoffen konnten, Preise und Goldrelation unberührt zu
belassen. Da zeugte es wohl von richtiger theoretischer Erkennt-
nis, den Schnitt von den übrigen Goldwährungsländern aus freiem
Willen und Entschluss zu machen, denn ein unbedingtes Haltenwol-
len des Münzparis hätte uns nur unseres Goldes beraubt und wir
hätten doch nicht gegen die Naturnotwendigkeit der Loslösung


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[14]

ankämpfen können. U[übertippt n]ter der Herrschaftvder Goldwährung war 
die ganze Volkswirtschaft zu intensiver Arbeitsleistung gezwun-
gen aus eigenem Streben heruas und gezwungen durch die gleich
handelnden Nachbarländer. Die Zahl der Beamten, der Angestellten,
der freien Berufe, der Rentner, Berufe, die scheinbar alle frei
erwählbar sind, wurden in Menge im Verhältnis doch diktiert von
der Zahl der gütererstellenden Arbeiter und von der Intensität
ihrer Arbeitsleistung. Wir müssen die Berufsgliederung und die
Einkommensschichtung, die Art der Gütererzeugung( wie z.B.die
Menge der Konsum- und die der Gütererzeugung ) als etwas in jedem
Lande durchaus spezifisches in langer Entwicklung der Kriegsumlagerung
ermessen. Millionen von Produzenten ersten Grades wurden mit
einem Schlage ausschliessliche Konsumenten und nicht nur solche
von Genussgütern, darüber hinaus auch Konsumenten von Heeresbe-
darf wie Munition, Uniform usw. Es konnten darum die in der Pro-
dukion verbliebenen Kräfte nicht durchwegs in den Dienst der
Konsumgütererzeugung gestellt werden; vielmehr mussten Werkan-
lagen zum Teil in kostspieliger Umstallung dem Heeresbedarfe
nutzbar gemacht werden. Dazu kam als weiteres, dass wir vom Aus-
lande fast völlig abgeschnittennwaren und also doch die rein
physisch notwendigen Güter in unserem Lande gewinnen mussten.
Die Kriegsindustrie musste finanziert, das Millionenheer musste
entlohnt werden, und zwar traten alle diese neuen Anforderungen
an den Staat mit zwingender Gewalt heran und forderten dringend


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Seite 139

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[15]

raschen Entschluss. Wir wissen es, dass der Staat aus eigener Kraft
keine Mittel schaffen kann, dass er die Posten für seine Ausgaben
auf dem Wege über Steuern, Zölle, Einnahmen aus Verwaltung, Bahn
und Post usw. zu gewinnen suchen muss, die Ausgaben des Staates
sind also Unkostenfaktoren in der Produktion und Opfer für je-
den Beruf; in jedem Falle aber Abtretung eines Anspruches auf den
Gütervorrat der Nation. Im Kreislauf der Wirtschaftnwurde darge-
tan, wie alle Einkommen inGeld oder geldgleicher Form aus der
Genussgüterproduktion hervorgehen, wie sie Bestandteile des Preis-
ses jener Produkte sind und wiederum die Gesamteinkommen als
Masse in der Gütermasse aufgehen, diese im Konsum aufheben müssen.
Das sagt soviel, dass das Nominaleinkommen gleich ist dem Realein-
kommen, ausgedrückt in der Preissumme. Jedes in der Vorkriegswirt-
schaft und in jeder stabilen Wirtschaft in Erscheinung getretene
Einkommen und jeder Teil eines solchen hatte seine volle Dek-
kung und Gegenüber im Gütervorrat des Landes, jeder Marktbetrag,
der zur letzten Konsumtion( Beschaffung zum Zwecke der Weiter-
veräusserung blieb wirtschaftlich irrelevant ) auf dem Markte
kaufkräftig wurde, hatte die wirtschaftliche Berechtigung dazu,
ja die Güter warteten geradezu auf sein Kommen und auf ihre Ab-
nahme. Die im Gelde verkörperte oder die im kaufkräftigen Ein-
kommen, auch wenn es abstrakter Natur wie das Girokonto ist, ruhen-
de Werteinheit bedeutet somit auch etwas durchaus reales, nämlich
die Arbeitsleistung angewandt auf ein Nautrgut, die es zum Ent-
stehen hat bringen lassen und dann alle die gleichwertigen Güter


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[16]

die dafür erhältlich sind. Wir sagten ja schon, dass die Ein-
kommen mit einander wohl in Beziehung stünden; wenn wir unser
Einkommen in Gütern anlegen, so mag uns im Vergleich dieser
dafür erlangten Menge mit unserer [schlecht leserlich übertippt Lei]stung und im weiteren Ver-
gleich mit der Konsummöglichkeit anderer Berufe die Verhält-
nismässigkeit der Einkommen unter einander wohl deutlich wer-
den. Wenn Abweichungen in der Bewertung der Einkommen von der
wirklichen Leistung gegeben sind, dann liegen sie an der Quelle,
wo das Einkommen bezogen wird, und es ist dann gewissenmaassen
eine bewusste Tarifisierung, es ist das Ergebnis der von gesellsch =
schaftlichen Momenten beeinflussten Wirtschaftsordnung. Wenn
wir aber die be[übertippt z]ogenen Einkommen ihrer Höhe nach aufteilen
in Gütermengen mal Preis, so erhalten wir die Zahl eins; d.h. so-
viel, als dass jedes Einkommen eine reale Parallele im Güter-
vorrat besitzt und jeder, wenn auch nicht das Equivalent seiner
Leistung, sicher aber doch das Equivalent seines Einkommens auf
dem Markte erreichen kann. In der stabilen Währung muss der
ökonomische Inhalt der Werteinheit gleich sein, bezogen auf den
Arbeitswert jedes einzelnen Gutes, gemessen auch am Arbeitsauf-
wand jeder einzelnen Tätigkeit, muss ferner gleich sein dem Ex-
trakt aus der ganzen Wirtschaft in der Form

\( {Realeinkommen \over Nominaleinkommen} \)
[17]

und bei reiner Goldwährung endlich gleich dem Arbeitswerte,
der der Einheit zubGrunde liegenden Goldmenge. Wo wir auch das
Maass anlegen, wir(müssen immer die gleiche Grösse finden.

Wir wurden veranlasst zu diese abweichenden Betrachtungg,

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[18]

als wir die Steuerpolitik des Staates unter geregelten wirt-
schaftlichen Verhältnissen ins Auge fassten und die Bindungen
nun bis zur letzten Konsequenz verfolgten. Nun haben wir die
Kriegsfinanzeirung der unstabilen Währung näher zu kommen. Der Staat schuf
Kaufkräfte, ohne die vorhandenen seiner Bürger vorhergehend zu
schwächen. Das ist der grosse Unterschied der vom Staate aus-
gegebenen diskontierten Schatzwechsel von dem Kaufmannswechsel,
dass der Präsentant des letzteren mit dem Schein eine Quittung
über eine Leistung, und zwar eine von der Wirtschaft akzeptierte
Leistung in Händen hält, während der Staat mit seinem Wechsel
nicht Banknoten, sondern aus dem Nichts geschaffenes Papiergeld,
aber das mit gleicher Wirkung in Verkehr bringt. Damit fand
er eine neue Form der Steuererhebung, denn auch dadurch mussten
die Anteile der einzelnen geschmälert werden. Es ist in der 
Wirkung gleichgültig, ob ich freiwillig einem bestimmten Konsum
entsage oder ob anders neben mit nicht durch Vorleistung legi-
timierte Einkommen genau so wie die rechtmässigen zu kaufen
vermögen; nur die Methode ist brutaler, da sie die einzelnen
ohne Unterschied besteuert und eben darum nicht jedermann im 
gleichen Maasse trifft. Vom Standpunkt des Staates allerdings
betrachtet, erweist sich diese F[übertippt o]rm als die denkbar einfachste,
denn er sit durch das ad hoc geschaffene Geld auch schom in[übertippt =]
Besitze der Steuer. Er muss sie nicht eintreiben, sondern wir
müssen sie über uns ergehen lassen. Es sei gesagt, dass wir hier


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[19]

kritiklos diese Entwicklung nur schildern wollen. Während wir in 
der stabilen Wirthscaft ein gleichzeitiges und gleichnamiges Ver-
längern sowohl der Einkommens-als auch der Gütergrösse erkennen,
sodaass wir, wenn wir den Preis als eine Indexzahl nehmen, sagen


können: Preis ist gleich \( {Realeinkommen \over Nominaleinkommen} \) also \( {100 \over 10}{20 \over 2}{30 \over 3}{50 \over 5}\)
[20]

und so immer die Preishöhe in gleicher Lage ruhen bleibt erleben
wir nun eine sich in entgegengesetzter Richtung verändernde Rei-
he. Das Einkommen nur in Konsumgütern Verwendung finden, dürfen wir
die ungeheuren realen Arbeitswerte der Kriegsindustire nicht mit
in Ansatz bringen und unsere Gleichung schreitet mit zunehmender
Entwicklung etwa so fort: Preis ist gleich

\( {100 \over -10}{ \over -}{20 \over 2}{ \over -}{30 \over 1}{ \over -}{50 \over 1}{100 \over ....}{1000 \over ....}\)
[21]

Das ist nicht so aufzufassen, als ob nun keinerlei Konsumgüter mehr
erzeugt worden wären und diese schliesslich bis auf 0 anlangten;
es soll damit vielmehr nur ausgedrückt sein, dass die Nominalein-
kommen stetig anschwollen, während die Gütermenge ständig die Ten-
denz zur Verringerung aufwies. Periodisch gesehen, war es vielleicht
folgendermassen:

\( {100 \over 10}\) dann \({200 \over 9}\) dann \({300 \over 9}\) dann \({300 \over 8}\)
[22]

usf. mit
immerwährender Vergrösserung des Zählers. Wir wollen ja aus diesen
schematischen Darstellungen weiter nichts gewinnen als eine Er-
klärung für die Preissteigerung, die nicht, wie von metallistischer
Seite wir hören können, auf dem Misstrauen zum Papiergelde beruht
und gar auf dem Wege über die schlechtere Valutaabwertung des
Auslandes eben infolge des Misstrauens zu unserem Gelde zur Wir-
kung gelangte und was dergleichen sinnfällige Täuschungen der
Kriegserscheinung mehr sind. Die Preissteigerung hat vielmehr einen


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Seite 143

– 143 –

[23]

ganz natürlichen Hintergrund und es bedarf keines Misstrauens,
auch nicht des rein mechanisch quantitativen Einwirkens der Pa-
pergeldmenge aus sich selbst heraus auf die Preise, um Erklärun-
gen für die Erscheinung zu finden. Wir könnten analog unserer bis-
herigen Ausführungen folgendermaassen erklären: Die alten Preise
waren der Ausdruck einer in den rechtmässigen Einkommen gegebenen
Arbeitsleistung, nunmehr treten Einkommen ohne solche Arbeitsleis-
tung hinzu, und der schliessliche Erfolg muss der sein, dass die
Preise nominell steigen, denn die Werteinheiten, die güterheischend
am Markte erscheinen, verkörpern nun in ihrer Mischung von recht-
mässigem und unrechtmässigem Einkommen zusammengenommen auch als
einzelne Einheit einen geringeren Arbeitswert und darum müssen
mehr solche Einheiten für ein Gut gegeben werden, d.h. die Preise
müssen steigen. Es werden dadurch wieder alle befriedigt, denn eine
Unterschiedung der kaufkräftigen Werteinheiten nach der Berechti-
gung ihrer Entstehung ist nicht möglich als auch nicht statthaft.
Weiterhin wesentlich ist noch der Umstand, dass die Preissteigerung
nicht alle gleichmässig betrifft, sondern abgestuft je nach der
Entfernung des Berufes vom Güterbesitz und der Güterproduktion,
etwas in der Reihenfolge Erzeuger, Händler, Agenten, Makler, Arbei-
ter, Angestellte, Beamte und schliesslich Rentner, wobei im einzel-
nen vorübergehende Verschiebungen natürlich durchaus möglich sind.
Im allgemeinen können wir sagen, dass das eben die beweglichsten Ein-
kommen sich wiederum am schnellsten den wechselnden Verhältnissen
anpassen konnten. Jede Erhöhung des Unternehmenrgewinnes hat die


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Seite 144

– 144 -

[24]

Tendenz die Löhne zu erhöhen und das fort zu Angestellten und
wieder weiter bis alle Berufsgruppen erhöhes Nominaleinkommen
bezigen haben. Es ist wie wenn durch einen Steinwurf die konzen-
trischen Ringe auf der Wasserfläche sich mehr und mehr erweitern.
Mit einem Preise hängen alle Preise zusammen und ziehen sich ge-
genseitig gleich wie auch die Einkommen nach. Zwar [übertippt h]errschte auf
der Angebotsseite immer wieder das Streben nach Preiserhöhung und
Anpassung an den jeweiligen gerechtfertigten Stand, auf den der
Ausgleich zwischen Einkommen und Gütern gegeben wäre, aber Infla-
tionwelle auf Welle lässt den Ruhezustand nie eintreten. Bei einer

einmaligen Verrückung und nachheriger automatischer Anpassung
[25]

hätte die Werteinheit wohl wieder stabil sein können; – ein immer-

währendes und sich immer wiederholendes Verändern bedingte den
[26]

bekannten Zustand der dauernden Unstabilität. Allmählich lässt
sich Ursache und Wirkung nicht mehr als primär und sekundär schei-

  1. In der immerwährenden Wechselwirkung zeigt sich die vergeb-
[27]

liche Jagd nach dem eigenen Schaffen. Die beiden Pole der Wirt-
schaft, Einkommen und Preise, vordem durch die Goldwährung gebunden,
sind nun völlig frei und streiten sich u[übertippt m] die Priorität. Dass die
Politik der Höchstpreise zusammenbrechen musste, ist uns selbstver-
ständlich und das ganz besonders, wenn diese nur auf bestimmte
Güterarten angewandt werden sollen. Die Erzeuger der Höchstpreis-
g[übertippt ebühr] güter erhalten ihr Einkommen ja in Preisen ihres Produktes
abzüglich ihrer Unkosten. Da kann es praktisch vorkommen, dass die
Unkosten über den Produktpreis zu stehen kommen; in jedem Falle


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[28]

aber muss sich das fragliche Einkommen auflehnen gegen die übrigen,
die ringsherum sich frei entfalten. Es wird gleichartige Arbeit
nach verschiedenem Maasse gewertet und gerade das Bestehen und
Anwenden des gleichen Maasstabs derart, dass die Erzeuger [übertippt g]leich-
cher Arbeitswerte gleiches Einkommen beziehen, das ist das Krite-
rium der gesunden Wirtschaft.

Wenn wir nun, wie vordem bei der stabilen Wirtschaft die
[29]

gedankliche Division des Nominaleinkomens in die Gesamtpreishöhe
der Konsumgüter vornehmen, so ergibt sich nimmer die Zahl eins.
Darüber oder darunter bietet sie den Anreiz zu Preis-oder Ein-
kommenserhöhung. Jede Einkommenserhöhung ohne erhöhte Leistung
ist als Versuch zu bewerten, Gütermengen, die einem bestimmten Stan-
de zufliessen sollen, sich selbst anzueignen. Dieses Bestreben wurde
zur dauernden Uebung ohne dass die teils sich dadurch selbst schä-
digenden Parteien die tatsächliche Wirkung gewahr wurden. Jede
Kalkulation als Preis-und Einkommensgrundlage erfuhr im Laufe des
Herstellungsprozessen so vielfache Verschiebungen, dass wir darin
auch mit den verschiedensten Wertgrössen rechneten. Der so entstan-
dene Preis war ein Mittelpreis einer gewissen Zeitspanne, ebenso
die dafür erstatteten Einkommen. Gut und Einkommen gelangen nicht
gleichzeitig auf den Markt, zudem stand es von papiernen Gesetzen
abgesehen frei, die Güterpreise von der vorhergehenden nominellen
Kalkulation zu lösen und darum fiden auch die Grössen, die sich
negieren sollen, sich als gleichnamig nicht vor.


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[30]


Die stabile Währung hat aufgehört in jedem Augenblick,
[31]

wo das Gleichgewicht des ersten Gütertausches gestört wurde
und weiter fortwirkt. Da also, wo Werteinheiten, die auf der Ein-
kommensseite wirksam wurden, auf der Güterseite kein Gegenüber
hatten und durch damit bedingten, notwendigen Preissteigerungen
anderen berechtigten Gläubigern der Wirtschaft ihre Ansprüche
schmälerten. Hier wurde das in Preisen und Einkommen angewandte
einheitliche Maass, für das die Werteinehit in Geldform nur das
Bewegungsmittel war, weil es eben als Nominaleinkommen der Pro-
duktion auf dem Fusse folgte, ausser Kurs gesetzt. Die Werteinheit
stand nur als Gedanke zwischen den Preisen und Einkommen und
schient wert, weil sie hier und dort auf ein wirkliches reales
Gut projeziert werden kann und sich hier und dort auf einen gleich
dimensionalen Wert, auf eine Arbeitsleistung oder, was das gleiche
ist, auf den verkörperten Arbeitswert stützen kann und zwar, was
wesentlich ist, in jedem Falle und nach jeder Seite auf einen
in der Grösse immer gleichen Wert. Durch neu geschaffenes Einkom-
men ist die Werteinheit entthront worden und ihren Wert können
wir jetzt im immerwährend Auf und Ab der Gegenseite, im Wechsel
von Angebot und Nachfrage uns nicht mehr verdeutlichen;– wir
können ihn auf nichts mehr beziehen. Darum können wir auch nicht
mehr am Gelde schätzen, können ihm Warencharakter nicht zuerken-
nen und ebenso auch nicht die Funktion des Wertmessers.

Wenn wir unter Währung einen Masswert uns vorstellen, so
[32]

können wir bei unstabiler Wirtschaft das Bestehen einer Währung


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überhaupt verneinen. Die Güter-und Dienstleistungen in der Wirt-
schaft wurden infolge des nie zur Ruhe Kommens dadurch auch
immer nur in den verschiedensten Währungen ausgedrückt; d.h. der
immer gleich genannten Werteinehit wu[übertippt r]de stets ein anderer
ökonomischer Inhalt imputiert. Die Mark von gestern war etwas
grundsätzlich anderes wie die von heute und jeder dazwischen
liegenden Stunde. Was unserer Währung fehlte, um als solche an-
gesprochen zu werden, war das Fehlen des rekurrenten Anschlusses
an die Währung von gestern zur Umrechnung auf die neue und auf
die einheitliche Einheit. Bei einer aus freien Stücken gewähl-
ten Währungsänderung muss das Preisniveau sich ebenfalls um-
stellen, aber diese Umrechnung erfolgt in einem Zuge, und es be-
stehen dann die gleichen Relationen auf anderer Grundlage doch
genau wie vordem. Bei unserer immerwährenden, nie zur Ruhe ge-
langenden Umrechnung waren Deklassierung, Krisen und Klassen-
käm[übertippt p]fe die notwendigen Folgen. Wenn die Inflation sich darin
erschöpft hätte wirtschaftlich ungerechtfertigte, nicht durch
Vorleistung erworbene Kaufkraft erzeugt zu haben, so wäre diese
Wirkung allein, wenn sie jedermann gleichmässig und unentrinn-
bar getroffen hätte, eine notwendige Erscheinung gewesen. Die
schlimmste Wirkung aber brachte sie uns in der Verschiebung
der Einkommen.

Dass auch der Stand der Valuta in diesem Zusammenhange
[34]

nichts wesentliches bedeutet, ist uns wohl klar geworden. Wir
haben es hier mit einer durchaus innerwirtschaftlichen Erschei-


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nung zu tun und die Valuta lässt nur das Chaos der Wirtschaft
in besonders grellem Lichte erscheinen. Ebenso wenig dürfen wir
glauben, fehlende Werte vom Ausland gestellt zu erhalten. Die ganze
Wirkung muss sich im Lande selbst kundtun. In erster Linie umge.=
waälzt wurde alles, was mit einer Forderung oder Schuld in irgend-
einer Form zusammen [übertippt h]ing. Was das Einkommen anlangt, so sagten wir
davon bei der stabieln Währung, dass wir mit ihm gleichzeitig im
Besitze des Equivalente hiezu sind und eine Auswahl gleicher
Werte auf dem Markte uns zur Verfügung steht. Bei der gestörten
Wirtschaft ist das Einkommen schon einmal in der Spanne, in der
es dem einzelnen zur Verfügung gelangt, nur mehr oder weniger
dasjenige einer Währung niedrigeren und verschiedensten Wertes;
nämlich eines solchen, der auf dem Gütermarkte bereits in der Ver-
gangenheit in Anwendung gebracht wurde. Dagegen könnte es mögli-
cherweise auch ein Einkommen sein mit einer Wertmaass-Zugrunde-
legung, die auf dem Gütermarkte erst späterhin Regel wird; – auf
der einen Seite also ein Einkommen, das nicht annähernd das Equi-
valent der Arbeitsleistung und – das ist wesentlich – auch nicht
das des Einkommens am Tage der Leistung und auch nicht an dem 
des Bezuges darstellt, auf der anderen Seite wieder ein solches,
das sofort ausgegeben, den Käufer in den Besitz grösserer Güter-
mengen setzt, als er an Werten der Wirtschaft beigesteuert hat oder
bei Vorauszahlung nach leisten wird. Die meisten wirtschaftlichen
Fragen waren nicht mehr solche der Ueberlegung und die einer
Kalkulation, sondern Machfragen der Berufsorganisationen .


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Betrachten wir auf der anderen Seite die Händler auf dem
Ma[übertippt r]kt[übertippt e]. Befolgten sie wirklich die Gesetze der Behörden betreff
Preisfixierung, dann gäben sie gegen die Werteinheiten in Geldform
in ih[übertippt r]en Waren kein Equivalent gleichen Wertes hin, sondern ein 
Vielfaches davon. Dieser wirkliche Verlust bedeutet wieder Gewinn
für den Konsumenten. Ebenso stand es mit der Stundung von Schulden
im Verkaufe auf Kredit. Je nach der den Verhältnissen Rechnung
tragenden und sie erkennenden Einstellung konnten auch hier wie-
derum private Gewinne oder Verluste eine Folgeerscheinung der
Inflation sein. Der Fabrikant konnte auf der einen Seite im Export
Valutagewinne erzielen, die im Innenhandeln möglicherweise vergrös-
sert, möglicherweise aber auch vielleichthgar aufgezehrt werden
konnten. Wir denken daran, dass andere Berufsarten, besonders die 
freien Berufe, wie Künstler, Schriftsteller usw.fast völlig ein-
kommenslos wurden, dass die Höhe der Entlohnung ncicht mehr das 
Equi[übertippt v]alent der Qualität der Arbeit bedeutet, dass ungelernte Ar-
beit nahezu gleich gesetzt wurde mit individueller, künstleri-
scher Handarbeit. Mit der Verschiebung der Einkommen ging auch die
Verschiebung der Berufe Hand in Hand. Ganz neue Existenzen machten
sich breit, ein Heer von Zwischenhändlern, Agenten und Kommissionä-
ren, die ihr Einkommen lediglich in der Ausnützung von Preisspan-
nungen bezogen. Wir erlebten die Vergrösserung der Beamtenapparate
die Schaffung bisher unbekannter Aemter; . es war im ganzen ein
Abwandern von der unmittelbar produktiven Tätigkeit.

Wir wissen von den Börsenspekulationen, der Möglichkeit

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[37]

der Geldbeschaffung auf den Wechsel hin, von Spekulationen à la
hausse auf weite Sicht. Nicht vergessen wollen wir die mögliche
Ausnutzung der verschiedenen Kurssetzungen auf den Weltmarkt-
plätzen. Ueberlegen wir auch, dass das, was wir mehr verzehrten, als
wir erzeugten, Gewinn bedeutet für die Konsumenten und Verlsut
sein muss für die Besitzer der Kapitalgüter, mit denen der Aus-
gleich hat bewerkstelligt werden müssen.

Ueberall sehen wir, wie die Inflation alle Fesseln spreng-
[38]

te, wie sie die Einkommen revolutionieren liess, vor allem deshalb,
weil sie in der Neuschaffung von solchen kein einheitliches
Arbeitswertmaass mehr anwenden liess, weil sie die Bindung zwi-
schen Einkommen und Preisen zerstörte. Was in lenger Entwicklung
gewachsen war, was das Fundament eines Staates, was die Struktur
der Gesellschaft bedeutet, das wurde durcheinander geschüttelt
und kann nur schwer zur Ruhelage kommen.

Dass die ganze Entwicklung nur möglich war in einer
[39]

so viel und weit verzweigten moernen arbeitsteiligen Wirtschaft
wissen wir. Im Lande mit realem Austausch liegen Produktion und
Verbrauch zu nahe beisammen und sind zu eng gebunden, als dass
wir den Versuch machen können, Opfer von uns auf andere abzuwäl-
zen und umgekehrt von anderer Leute Arbeit zu schmarotzen. Wir
dürfen aber deswegen wohl kaum dem Gelde als einer Erscheinungs-
form der modernen Wirtschaft die Schuld an ihrem Chaos zuschreiben
und auch nicht dem Papiergelde als der notwendigen und der einzig
möglichen Form der wirtschaftlich gesunden Entwicklung.


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[40]

Dass wir in der modernen Wirtschaft die Opfer, die wir notwendig
bringen mussten, nicht gleich als solche für den einzelnen ver-
spürten und nicht verspühren wollten, dass uns die Scheinmöglichkeit
belassen wurde, sie auf andere abzuwälzen, ohne dass die Volks-
wirtschaft als ganzes Schaden nehme, dass liess den Kampf und die
Verschiebung der Einkommen Folge werden. Wir erkennen also, nicht
die Preissteigerung, auch nicht der Stand der Valuta ist das Ent-
scheidende und Schädigende der Inflation und beides ist kein
Gradmesser, sowohl nicht unseres Wohlergehens, als unseres Elends.
Beides könnte die Wirtschaft wohl ertragen ohne nennenswerte Stö-
rung. Das tief greifende und schwer zu heilende Uebel der Infla-
tion, das ist die Verschiebung der Einkommen, entstanden durch
die verschiedenartige Bewertung der Leistung als der realen Güter
und notwendig bedingt durch ständig neu geschaffene Einkommens-
wellen, die jegliches Ausgleichsbestreben von neuem überfluteten
und jegliches Vergleichsmaass uns raubten. Das Vergleichsmaass
Arbeit war im Nominaleinkommen nicht mehr heraus zu lesen, weil
es die Beziehung zu den Preisen und den durch Arbeitsaufwand
erzeugten Gütern verloren hatte.

Das Charakteristikum der stabilen Währung ist Paralleli-
[00]

tät in der Entstehung und die Kongruenz der beiden Wirtschafts-
pole, Einkommen und Preise, aufgebaut auf Arbeitswertgrössen, in
nur jeweils anderer Zusammenfügung; das restlose Aufgehen der Wer-
te beim Gütertausch. Das Merkmal der unstabilen Währung bedeutet
das Brechen dieser Grundsätze und damit das Zerstören des doppelt
gebundenen Maasses der Arbeit. Der Boden, auf dem die unstabile


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[00]

Währung Raum hat, ist die wirtschaftliche Not; die Inflation war
gewissermassen nur ein mit Notwendigkeit ausbrechendes Mittel,
sie uns fühlbar werden zu lassen, und sie hatte im Gefolge die
wirtschaftliche und gesellschaftliche Schädigung, wie wir sie bei
unserer Betrachtung kennen lernten.

Haben wir mit diesem letzten Abschnitt anscheinend den
[00]

Boden der Theorie verlassen und unser Augenmerk auf eine tatsäch-
liche und praktische Erscheinung gerichtet, so geschah es, um diè
Wahrheit der vorher entwickelten Sätze hier zu erhärten. Wir stell-
ten diese Betrachtung an den Schluss, weil wir sie für den Aufbau
unserer Gedanken nicht benötigten, weil wir nicht rückwärts von
den Tatsachen ableiten, sondern diese auf eine theoretische Mei-
nung projekzieren.


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