VI - Schlussbetrachtung
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S c h l u s s b e t r a c h t u n g. Rückblicken wir noch einmal den ganzen Weg unserer
tate all der detaillierten Betrachtungen, so gelangen wir aus all dem zu der Erkenntnis, dass, solange wir Geldpolitik im Auge haben und nur die oder jene Währungsreform, wir kaum über eine histori- sche Beschreibung hinaus kommen werden. Wenn wir streiten über Metallismus oder Nominalismus, so wollen wir doch nicht vergessen, dass diese Namen eben nur Währungs f o r m e n sein sollen, und wir wissen nicht einmal, in welch' hohem Maasse sie durch die äusseren Bedingtheiten der Wirtschaftsordnung der Gesellschaft der Technik und der Entwicklung jeweils bedingt sind. Ist es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass irgendeine kommende Zeit unser heutiges Geld mit den gleichen Augen be- trachtet, wie wir heute dasjenige alter, primitiver Völker, die Muscheln, Salz, Felle oder dergl. als solches verwandten? Müssen wir nicht, wenn wir den Naturaltausch, wenn wir das allein herr- schende, vollwertige Metallgeld, wenn wir das reine Papiergeld untersuchen, müssen wir da nicht xx uns in die Zeit heinein stel- len, aus der wir die zu betrachtende Geldform entnehmen und sollten wir da nicht erkennen, dass hier eine dauernde Fortent- wicklung notwendig dauernd neue Formen des Geldes schaffen muss? Können wir unsere heutige Wirtschaft und ihren Kreislauf | ![]() |
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begreifen wollen, ohne eine lange vorhergehende.... Ent- wicklung? Und wenn wir diese zu ihrem Begriffe für ... ansehen, müssen wir dann sie nicht auch dem Gelde zugestehen? Das ist ja wohl ohne weiteres deutlich, dass das Geld die Wirtschaft in jeder Entwicklung, sie sei wie immer sie will, begleitet als ihr treuester Diener, aber nicht als ihr Herr. Das ist wohl das Wesent- liche, was heute die Lehrmeinungen scheidet, dass die einen glau- ben, was ehedem einmal wirksam war, das müssen wir auch heute an- erkennen und muss uns unverändert Regel sein; – das sind die strengen Metallisten, die einen Stoffwert des Geldes verlangen. Ihnen gegenüber die anderen, die da sagen: Was in der Historie zurücklag, ist in unsere Wirtschaft übergegangen, die ja alle die- se Phasen durchmaass, und wie ihre Entwicklung, so auch mit ihr die des Geldes. Wenn, um vom Einzelindividuum zur Gemeinschaft, um vom Einzeltausch, vom Zufälligen zur Wirtschaft und zum Markt- mässigen zu gelangen, ehedem ein reales Gut nötig war, so ist, das zu beschreiben, Angelegenheit der Entwicklungsgeschichte und es ist dadurch noch keineswegs bewiesen, dass wir auch heute noch im Gelde eines solchen realen Gutes bedürfen. Alle weiteren Aus- führungen sund [sic] uns ja bekannt. Wenn wir die heutige Wirtschaft zu Grunde legen und wenn
wir sie über das chartale Geld hinaus ausdehnen, denn dieses ist nur Bestandteil eines übergeordneten Sammelbegriffs, das kaufkräf- tigen und – berechtigten Einkommens oder wir müssen unter Geld | ![]() |
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schlechthin als Technik verstehen, die dessen Bestandteile mobil macht. Das ganze Problem ist doch in jeder Wirtschaft, – das ist unverrückbar – roh ausgedrückt dieses: die von einer Gruppe er- zeugten Güter nach irgendeinem Schlüssel wieder unter sie zu verteilen; in unserem Falle, die in arbeitsteiliger Produktion erstellten Waren gemäss den Prinzipien der kapitalistischen Wirtschaft als ganzes unter die Einzelglieder aufzuteilen. Das Geld ist das Instrument der Distribution. Wo eine Verteilung not- wendig wird, gleich in welcher Wirtschaftsordnung das wäre, da muss Geld in diesem Sinne, und wäre es nur ein blosses Abrechnungsver- fahren in Funktion treten. Erscheint es nicht sinnlos, über den Stoff des Geldes zu streiten da, wo es in dem, dem Sprachgebrauch nach angewandten Sinne des chartalen Geldes nur eine Untergruppe des wirklich wirksamen, weit reichenden gedanklichen «Geldes» be- deutet? Und doch, auch wenn wir dieses grosse «Geld» in eine einzi- ge Bewegungsform zusammenfassen könnten, auch dann wäre wohl der Stoff nicht von so weittragender Bedeutung. Im Gelde aber lebt die Idee der Wertei nheit, es lautet auf solche(und da ist nun wieder die Frage: Wenn schon der Stoff des Geldes nicht entschei- dend und unterscheidend sein soll, wie aber soll denn die Wert- einheit definiert werden; welches ist ihr Wert und mit ihr der des auf ihre Einheiten gestellten Geldes? Wenn die verschie- densten Währungen nebeneinander bestehen können, – hier haben wir reinen Metallismus und ausschliessliches Stoffgeld, dort huldigen wir dem Nominalismus und kennen nur Papier – wenn diese | ![]() |
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beide in sich durchaus stabil sind und stets das gleiche Ver- hältnis ( gleiche Wechselkurse ) zu einander aufweisen; ja wir könn- ten sogar ihre Wirtschaft als kongruent hinstellen, soll da wirk- lich in jedem einzelnen Falle die Werteinheit etwas grundsätz- lich verschiedenes darstellen und, wenn das der Fall wäre, könnte dann die Werteinheit überhaupt noch etwas wesentliches bedeuten? Es lautet nicht nur das Geld auf Werteinheiten, sondern
solchen ausdrückbar und durch sie vergleichbar wäre. Fügen wir dazu noch, was wir als Aufgabe des Geldes erkannt haben, die Güter- distribution durchzuführen, so kann uns nichts mehr den wahren In- halt der Werteinheit verschleiern. Die Grundlage jederbWirtschaft und jeder Konsummöglichkeit ist die vorher getätigte Arbeit; sie allein kann uns den toten Stoff der Natur in bedürfnisbefriedigen- de Güter umwandeln. All diess insgesamt, die Art der Produktion ist nebensächlich, sofern nur ein Zusammenarbeiten stattfand, unter die Erzeuger aufzuteilen, das ist Sache des Geldes. Die Güter unter sich, das geht daraus hervor, sind nur Verkörperung eines gewissen Arbeitsaufwandes und nur diese Menge allein bildet gegenseitiges Unterscheidungsmerkmal. Sollen wir(uns täuschen lassen dadurch, dass die GüternPreise haben, die uns nicht ohne weiteres den Zusammen- hang mit menschlicher Arbeit auch gleich äusserlich erkennen las- sen? Ist nicht das, was wir eben sagten, so primär, so unumstösslich fest, dass wir die Preise, die nur durch Zahl unterschiedenen Ein- heiten, dann eben auch nur als Ausdrücke einer gewissen Arbeits- | ![]() |
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menge begreifen müssen? Kann uns in diesem Falle eine histori- sche Tatsache, wie es der Preise und die in ihm wirksame Wertein- heit ist, dazu verführen, das Ursprünglichste nimmer zu erkennen. Wir bekümmern uns jetzt nicht darum, wie diese Einheit entstanden ist, welche Grösse sie verkörpert; wir begreifen nur, dass, wenn Güter auf solche Einheiten lauten und wenn die Zahl dieser Ein- heiten das Unterscheidungsmerkmal jener untereinander bedeuten, dann muss jede solche Einheit wenigstens gedanklich eine bestimm- te Menge Arbeit vorstellen. Um weiter, wenn wir den Stoff unserer angewandten Arbeit nimmer in Händen, vielmehr ihn hingegeben haben für eine gesellschaftlich garantierte Bescheinigung, für die wir dann wieder das gleiche Gut oder andere solche gleicher vergegen- ständlichter Arbeit erlangen können; ist es nicht selbstverständ- lich, dass die Bescheinigung gleichnamig sein muss mit den Gütern, muss sie nicht auf solche Einheiten lauten, in ihnen eben jene gleiche Menge Arbeit versinnbildlichen? Das letztere ist eine abgeleitete Erscheinung und logische Folge der unumstösslichen ewig bestehenden Tatsache, dass die Arbeit allein das Maass des Wertes bedeutet. Eine Geldpolitik, dem gegenüber eine moderne Er- scheinung, sie mag im Laufe der Zeiten und der Entwicklung sich wandeln noch weiter, als unsere Phantasie sich träumen lässt; nimmermehr wird sie, solange es ihrer Aufgabe obliegt, Güter zur Verteilung bringen, diese nach einem anderen Modus in Bewegung setzen und sie anders differenzieren können als nach dem Maasse der in ihnen vergegenständlichten Arbeit. | ![]() |
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Wenn wir nicht die Arbeits m e n g e als Einheit der
ten, sondern diese Menge noch verknüpften mit dem W e r t e der Arbeit, so bedeutet das nur einen Korrekturposten, dein [sic] einzusetzen uns die kapitalistische Wirtschaft zwingt, beruhend auf der Ver- schiebung der Einkommensarten untereinander. Die Güter selbst werden sich in ihrem wirklichen Arbeitswerte nicht zu sehr und nur selten entfernen können, die Nominaleinkommen dagegen, die in der reinen Oekonomie auch im einzelnen die genauen Gegengrössen zum einzelnen Arbeitsaufwand darstellen, sind in der kapitalisti- schen Wirtschaft auf Grund eines gesellschaftlichen Monopols zu Gunsten der Kapitalbesitzer verkürzt. Darum erkannten wir auch in der Definition auf Arbeits w e r t menge und verstehen dabei unter Wert eigentlich nur die falsche Wertung einer gewissen Wirtschaftsordnung. Es bedeutet einen Schönheitsfehler dieser Aera, der mit Ueberwindung derselben wenigstens in diese Form in Wegfall geraten würde. Alles Streben drängt zur reinen Oekonomie. Betrachten wir nun noch zuletzt die intervalutaren Ver-
Rauch; auch andere Namen von Werteinheiten geben uns doch keine neuen Inhalte. Auch hier wie überall walten diese besagten glei- chen Gesetze und auch von Land zu Land ist keine andere Bewegung der Güter möglich, kein anderes Vergleichsmaass gegeben, als die menschliche Arbeit. Was innerhalb der Staatsgrenzen die Wirt- schafts- und Gesellschaftsordnung erreicht, die Störung des reinen | ![]() |
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Tausches, dass muss im Verhältnis der Länder zu einander ihre Macht besorgen. Handelsverträge, einseitige? Meistbegünstigungs-? klauseln, Ausfuhrabgaben usw., das alles sind als ?dahin zielende? Versuche zu bewerten. Der Idealzustand freilich ist auch hier der der politischen und wirtschaftlichen Freiheit der Länder wie im nationalen Verband der der wirklichen Freiheit und Unab- hängigkeit des Einzelindividuums. Wenn das Tatsache ist, wenn die Tausche inner- und ausserwirtschaftlich in Reinheit sich voll- ziehen können, dann können wir die alles umspannende, die Einzel- und die Weltwirtschaft verbindende Einheit einfach als eine Arbeitsmenge schlechthin definieren; als e i n e, sagen wir, denn wir rechnen tatsächlich innerhalb der ganzen Welt mit einer durch die Valuten verbundenen und auf den gleichen Nenner, auf die gleiche Grösse gesetzten Einheit, mit dem Maass der von jeder Nationalität unabhängigen menschlichen Arbeit . _ _ _ _
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Q u e l l e n a n g a b e :
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Dr. Friedrich K n a p p : [00]
Franz Oppenheimer : [00]
Joseph S c h u m p e t e r : [00] Adam S m i t h : |
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Fußnoten:
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- [2]
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- [7]
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- [8]
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- [9]
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- [10]
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- [11]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/derzahlungsverke02schm/mode/2up
- [12]
- online verfügbar unter https://archive.org/details/archiv-fur-sozialwissenschaft-und-sozialpolitik-44/page/626/mode/2up
- [13]
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