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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s139.png [S. 139]))!! raschen Entschluss. Wir wissen es, dass der Staat aus eigener Kraft keine Mittel schaffen kann, dass er die Posten fĂŒr seine Ausgaben auf dem Wege ĂŒber Steuern, Zölle, Einnahmen aus Verwaltung, Bahn und Post usw. zu gewinnen suchen muss, die Ausgaben des Staates sind also Unkostenfaktoren in der Produktion und Opfer fĂŒr jeden Beruf; in jedem Falle aber Abtretung eines Anspruches auf den GĂŒtervorrat der Nation. Im Kreislauf der Wirtschaft wurde dargetan, wie alle Einkommen in Geld oder geldgleicher Form aus der GenussgĂŒterproduktion hervorgehen, wie sie Bestandteile des Preises jener Produkte sind und wiederum die Gesamteinkommen als Masse in der GĂŒtermasse aufgehen, diese im Konsum aufheben mĂŒssen. Das sagt soviel, dass das Nominaleinkommen gleich ist dem Realeinkommen, ausgedrĂŒckt in der Preissumme. Jedes in der Vorkriegswirtschaft und in jeder stabilen Wirtschaft in Erscheinung getretene Einkommen und jeder Teil eines solchen hatte seine volle Deckung und GegenĂŒber im GĂŒtervorrat des Landes, jeder Markbetrag, der zur letzten Konsumtion ( Beschaffung zum Zwecke der WeiterverĂ€usserung blieb wirtschaftlich irrelevant ) auf dem Markte kaufkrĂ€ftig wurde, hatte die wirtschaftliche Berechtigung dazu, ja die GĂŒter warteten geradezu auf sein Kommen und auf ihre Abnahme. Die im Gelde verkörperte oder die im kaufkrĂ€ftigen Einkommen, auch wenn es abstrakter Natur wie das Girokonto ist, ruhende Werteinheit bedeutet somit auch etwas durchaus reales, nĂ€mlich die Arbeitsleistung angewandt auf ein Naturgut, die es zum Entstehen hat bringen lassen und dann alle die gleichwertigen GĂŒter |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s140.png [S. 140]))!! %%(math)die dafĂŒr erhĂ€ltlich sind. Wir sagten ja schon, dass die Einkommen mit einander wohl in Beziehung stĂŒnden; wenn wir unser Einkommen in GĂŒtern anlegen, so mag uns im Vergleich dieser dafĂŒr erlangten Menge mit unserer Leistung und im weiteren Vergleich mit der Konsummöglichkeit anderer Berufe die VerhĂ€ltnismĂ€ssigkeit der Einkommen unter einander wohl deutlich werden. Wenn Abweichungen in der Bewertung der Einkommen von der wirklichen Leistung gegeben sind, dann liegen sie an der Quelle, wo das Einkommen bezogen wird, und es ist dann gewissenmaassen eine bewusste Tarifierung, es ist das Ergebnis der von gesellschaftlichen Momenten beeinflussten Wirtschaftsordnung. Wenn wir aber die bezogenen Einkommen ihrer Höhe nach aufteilen in GĂŒtermengen mal Preis, so erhalten wir die Zahl eins; d.h. soviel, als dass jedes Einkommen eine reale Parallele im GĂŒtervorrat besitzt und jeder, wenn auch nicht das Equivalent seiner Leistung, sicher aber doch das Equivalent seines Einkommens auf dem Markte erreichen kann. In der stabilen WĂ€hrung muss der ökonomische Inhalt der Werteinheit gleich sein, bezogen auf den Arbeitswert jedes einzelnen Gutes, gemessen auch am Arbeitsaufwand jeder einzelnen TĂ€tigkeit, muss ferner gleich sein dem Extrakt aus der ganzen Wirtschaft in der Form \( {Realeinkommen \over Nominaleinkommen} \) und bei reiner GoldwĂ€hrung endlich gleich dem Arbeitswerte, der der Einheit zu Grunde liegenden Goldmenge. Wo wir auch das Maass anlegen, wir mĂŒssen immer die gleiche Grösse finden. %% |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s141.png [S. 141]))!! als wir die Steuerpolitik des Staates unter geregelten wirtschaftlichen VerhĂ€ltnissen ins Auge fassten und die Bindungen nun bis zur letzten Konsequenz verfolgten. Nun haben wir die Kriegsfinanzierung im Auge und sind dabei auf dem Wege, dem Wesen der unstabilen WĂ€hrung nĂ€her zu kommen. Der Staat schuf KaufkrĂ€fte, ohne die vorhandenen seiner BĂŒrger vorhergehend zu schwĂ€chen. Das ist der grosse Unterschied der vom Staate ausgegebenen diskontierten Schatzwechsel von dem Kaufmannswechsel, dass der PrĂ€sentant des letzteren mit dem Schein eine Quittung ĂŒber eine Leistung, und zwar eine von der Wirtschaft akzeptierte Leistung in HĂ€nden hĂ€lt, wĂ€hrend der Staat mit seinem Wechsel nicht Banknoten, sondern aus dem Nichts geschaffenes Papiergeld, aber das mit gleicher Wirkung in Verkehr bringt. Damit fand er eine neue Form der Steuererhebung, denn auch dadurch mussten die Anteile der einzelnen geschmĂ€lert werden. Es ist in der Wirkung gleichgĂŒltig, ob ich freiwillig einem bestimmten Konsum entsage oder ob andere neben mir nicht durch Vorleistung legitimierte Einkommen genau so wie die rechtmĂ€ssigen zu kaufen vermögen; nur die Methode ist brutaler, da sie die einzelnen ohne Unterschied besteuert und eben darum nicht jedermann im gleichen Maasse trifft. Vom Standpunkt des Staates allerdings betrachtet, erweist sich diese Form als die denkbar einfachste, denn er ist durch das ad hoc geschaffene Geld auch schon im Besitze der Steuer. Er muss sie nicht eintreiben, sondern wir mĂŒssen sie ĂŒber uns ergehen lassen. Es sei gesagt, dass wir hier |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s142.png [S. 142]))!! %%(math)kritiklos diese Entwicklung nur schildern wollen. WĂ€hrend wir in der stabilen Wirtschaft ein gleichzeitiges und gleichnamiges VerlĂ€ngern sowohl der Einkommens als auch der GĂŒtergrösse erkennen, sodass wir, wenn wir den Preis als eine Indexzahl nehmen, sagen können: Preis ist gleich \( {Realeinkommen \over Nominaleinkommen} \) also \( {100 \over 10}{20 \over 2}{30 \over 3}{50 \over 5}\) und so immer die Preishöhe in gleicher Lage ruhen bleibt erleben wir nun eine sich in entgegengesetzter Richtung verĂ€ndernde Reihe. Da Einkommen nur in KonsumgĂŒtern Verwendung finden, dĂŒrfen wir die ungeheuren realen Arbeitswerte der Kriegsindustrie nicht mit in Ansatz bringen und unsere Gleichung schreitet mit zunehmender Entwicklung etwa so fort: Preis ist gleich \( {100 \over -10}{ \over -}{20 \over 2}{ \over -}{30 \over 1}{ \over -}{50 \over 1}{100 \over ....}{1000 \over ....}\) Das ist nicht so aufzufassen, als ob nun keinerlei KonsumgĂŒter mehr erzeugt worden wĂ€ren und diese schliesslich bis auf 0 anlangten; es soll damit vielmehr nur ausgedrĂŒckt sein, dass die Nominaleinkommen stetig anschwollen, wĂ€hrend die GĂŒtermenge stĂ€ndig die Tendenz zur Verringerung aufwies. Periodisch gesehen, war es vielleicht folgendermassen: \( {100 \over 10}\) dann \({200 \over 9}\) dann \({300 \over 9}\) dann \({300 \over 8}\) usf. mit immerwĂ€hrender Vergrösserung des ZĂ€hlers. Wir wollen ja aus diesen schematischen Darstellungen weiter nichts gewinnen als eine ErklĂ€rung fĂŒr die Preissteigerung, die nicht, wie von metallistischer Seite wir hören können, auf dem Misstrauen zum Papiergelde beruht und gar auf dem Wege ĂŒber die schlechtere Valutabewertung des Auslandes eben infolge des Misstrauens zu unserem Gelde zur Wirkung gelangte und was dergleichen sinnfĂ€llige TĂ€uschungen der Kriegserscheinung mehr sind. Die Preissteigerung hat vielmehr einen %% |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s143.png [S. 143]))!! ganz natĂŒrlichen Hintergrund und es bedarf keines Misstrauens, auch nicht des rein mechanisch quantitativen Einwirkens der Papiergeldmenge aus sich selbst heraus auf die Preise, um ErklĂ€rungen fĂŒr die Erscheinung zu finden. Wir könnten analog unserer bisherigen AusfĂŒhrungen folgendermaassen erklĂ€ren: Die alten Preise waren der Ausdruck einer in den rechtmĂ€ssigen Einkommen gegebenen Arbeitsleistung, nunmehr treten Einkommen ohne solche Arbeitsleistung hinzu, und der schliessliche Erfolg muss der sein, dass die Preise nominell steigen, denn die Werteinheiten, die gĂŒterheischend am Markte erscheinen, verkörpern nun in ihrer Mischung von rechtmĂ€ssigem und unrechtmĂ€ssigem Einkommen zusammengenommen auch als einzelne Einheit einen geringeren Arbeitswert und darum mĂŒssen mehr solche Einheiten fĂŒr ein Gut gegeben werden, d.h. die Preise mĂŒssen steigen. Es werden dadurch wieder alle befriedigt, denn eine Unterscheidung der kaufkrĂ€ftigen Werteinheiten nach der Berechtigung ihrer Entstehung ist nicht möglich als auch nicht statthaft. Weiterhin wesentlich ist noch der Umstand, dass die Preissteigerung nicht alle gleichmĂ€ssig betrifft, sondern abgestuft je nach der Entfernung des Berufes vom GĂŒterbesitz und der GĂŒterproduktion, etwa in der Reihenfolge Erzeuger, HĂ€ndler, Agenten, Makler, Arbeiter, Angestellte, Beamte und schliesslich Rentner, wobei im einzelnen vorĂŒbergehende Verschiebungen natĂŒrlich durchaus möglich sind. Im allgemeinen können wir sagen, dass eben die beweglichsten Einkommen sich wiederum am schnellsten den wechselnden VerhĂ€ltnissen anpassen konnten. Jede Erhöhung des Unternehmergewinnes hat die |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s144.png [S. 144]))!! Tendenz die Löhne zu erhöhen und das fort zu Angestellten und wieder weiter bis alle Berufsgruppen erhöhtes Nominaleinkommen bezogen haben. Es ist wie wenn durch einen Steinwurf die konzentrischen Ringe auf der WasserflĂ€che sich mehr und mehr erweitern. Mit einem Preise hĂ€ngen alle Preise zusammen und ziehen sich gegenseitig gleich wie auch die Einkommen nach. Zwar herrschte auf der Angebotsseite immer wieder das Streben nach Preiserhöhung und Anpassung an den jeweiligen gerechtfertigten Stand, auf den der Ausgleich zwischen Einkommen und GĂŒtern gegeben wĂ€re, aber Inflationwelle auf Welle lĂ€sst den Ruhezustand nie eintreten. Bei einer einmaligen VerrĂŒckung und nachheriger automatischer Anpassung hĂ€tte die Werteinheit wohl wieder stabil sein können; â ein immerwĂ€hrendes und sich immer wiederholendes VerĂ€ndern bedingte den bekannten Zustand der dauernden UnstabilitĂ€t. AllmĂ€hlich lĂ€sst sich Ursache und Wirkung nicht mehr als primĂ€r und sekundĂ€r scheiden. In der immerwĂ€hrenden Wechselwirkung zeigt sich die vergebliche Jagd nach dem eigenen Schaffen. Die beiden Pole der Wirtschaft, Einkommen und Preise, vordem durch die GoldwĂ€hrung gebunden, sind nun völlig frei und streiten sich um die PrioritĂ€t. Dass die Politik der Höchstpreise zusammenbrechen musste, ist uns selbstverstĂ€ndlich und das ganz besonders, wenn diese nur auf bestimmte GĂŒterarten angewandt werden sollen. Die Erzeuger der HöchstpreisgĂŒter erhalten ihr Einkommen ja in Preisen ihres Produktes abzĂŒglich ihrer Unkosten. Da kann es praktisch vorkommen, dass die Unkosten ĂŒber den Produktpreis zu stehen kommen; in jedem Falle |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s145.png [S. 145]))!! aber muss sich das fragliche Einkommen auflehnen gegen die ĂŒbrigen, die ringsherum sich frei entfalten. Es wird gleichartige Arbeit nach verschiedenem Maasse gewertet und gerade das Bestehen und Anwenden des gleichen Maasstabs derart, dass die Erzeuger gleicher Arbeitswerte gleiches Einkommen beziehen, das ist das Kriterium der gesunden Wirtschaft. |
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Wenn wir nun, wie vordem bei der stabilen Wirtschaft die gedankliche Division des Nominaleinkomens in die Gesamtpreishöhe der KonsumgĂŒter vornehmen, so ergibt sich nimmer die Zahl eins. DarĂŒber oder darunter bietet sie den Anreiz zu Preis- oder Einkommenserhöhung. Jede Einkommenserhöhung ohne erhöhte Leistung ist als Versuch zu bewerten, GĂŒtermengen, die einem bestimmten Stande zufliessen sollen, sich selbst anzueignen. Dieses Bestreben wurde zur dauernden Uebung ohne dass die teils sich dadurch selbst schĂ€digenden Parteien die tatsĂ€chliche Wirkung gewahr wurden. Jede Kalkulation als Preis- und Einkommensgrundlage erfuhr im Laufe des Herstellungsprozesses so vielfache Verschiebungen, dass wir darin auch mit den verschiedensten Wertgrössen rechneten. Der so entstandene Preis war ein Mittelpreis einer gewissen Zeitspanne, ebenso die dafĂŒr erstatteten Einkommen. Gut und Einkommen gelangen nicht gleichzeitig auf den Markt, zudem stand es von papiernen Gesetzen abgesehen frei, die GĂŒterpreise von der vorhergehenden nominellen Kalkulation zu lösen und darum finden auch die Grössen, die sich negieren sollen, sich als gleichnamig nicht vor. |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s146.png [S. 146]))!! Die stabile WĂ€hrung hat aufgehört in jedem Augenblick, wo das Gleichgewicht des ersten GĂŒteraustausches gestört wurde und weiter fortwirkt. Da also, wo Werteinheiten, die auf der Einkommenseite wirksam wurden, auf der GĂŒterseite kein GegenĂŒber hatten und durch damit bedingten, notwendigen Preissteigerungen anderen berechtigten GlĂ€ubigern der Wirtschaft ihre AnsprĂŒche schmĂ€lerten. Hier wurde das in Preisen und Einkommen angewandte einheitliche Maass, fĂŒr das die Werteinheit in Geldform nur das Bewegungsmittel war, weil es eben als Nominaleinkommen der Produktion auf dem Fusse folgte, ausser Kurs gesetzt. Die Werteinheit stand nur als Gedanke zwischen den Preisen und Einkommen und schien wert, weil sie hier und dort auf ein wirkliches reales Gut projeziert werden kann und sich hier und dort auf einen gleich dimensionalen Wert, auf eine Arbeitsleistung oder, was das gleiche ist, auf den verkörperten Arbeitswert stĂŒtzen kann und zwar, was wesentlich ist, in jedem Falle und nach jeder Seite auf einen in der Grösse immer gleichen Wert. Durch neu geschaffenes Einkommen ist die Werteinheit entthront worden und ihren Wert können wir jetzt im immerwĂ€hrend Auf und Ab der Gegenseite, im Wechsel von Angebot und Nachfrage uns nicht mehr verdeutlichen;- wir können ihn auf nichts mehr beziehen. Darum können wir auch nicht mehr am Gelde schĂ€tzen, können ihm Warencharakter nicht zuerkennen und ebenso auch nicht die Funktion des Wertmessers. |
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Wenn wir unter WÀhrung einen Masswert uns vorstellen, so können wir bei unstabiler Wirtschaft das Bestehen einer WÀhrung |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s147.png [S. 147]))!! ĂŒberhaupt verneinen. Die GĂŒter- und Dienstleistungen in der Wirtschaft wurden infolge des nie zur Ruhe Kommens dadurch auch immer nur in den verschiedensten WĂ€hrungen ausgedrĂŒckt; d.h. der immer gleich genannten Werteinheit wurde stets ein anderer ökonomischer Inhalt imputiert. Die Mark von gestern war etwas grundsĂ€tzlich anderes wie die von heute und jeder dazwischen liegenden Stunde. Was unserer WĂ€hrung fehlte, um als solche angesprochen zu werden, war das Fehlen des rekurrenten Anschlusses an die WĂ€hrung von gestern zur Umrechnung auf die neue und auf die einheitliche Einheit. Bei einer aus freien StĂŒcken gewĂ€hlten WĂ€hrungsĂ€nderung muss das Preisnivenau sich ebenfalls umstellen, aber diese Umrechnung erfolgt in einem Zuge, und es bestehen dann die gleichen Relationen auf anderer Grundlage doch genau wie vordem. Bei unserer immerwĂ€hrenden, nie zur Ruhe gelangenden Umrechnung waren Deklassierung, Krisen und KlassenkĂ€mpfe die notwendigen Folgen. Wenn die Inflation sich darin erschöpft hĂ€tte wirtschaftlich ungerechtfertigte, nicht durch Vorleistung erworbene Kaufkraft erzeugt zu haben, so wĂ€re diese Wirkung allein, wenn sie jedermann gleichmĂ€ssig und unentrinnbar getroffen hĂ€tte, eine notwendige Erscheinung gewesen. Die schlimmste Wirkung aber brachte sie uns in der Verschiebung der Einkommen. |
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Dass auch der Stand der Valuta in diesem Zusammenhange nichts wesentliches bedeutet, ist uns wohl klar geworden. Wir haben es hier mit einer durchaus innerwirtschaftlichen Erschei- |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s148.png [S. 148]))!!nung zu tun und die Valuta lĂ€sst nur das Chaos der Wirtschaft in besonders grellem Lichte erscheinen. Ebenso wenig dĂŒrfen wir glauben, fehlende Werte vom Ausland gestellt zu erhalten. Die ganze Wirkung muss sich im Lande selbst kundtun. In erster Linie umgewĂ€lzt wurde alles, was mit einer Forderung oder Schuld in irgendeiner Form zusammen hing. Was das Einkommen anlangt, so sagten wir davon bei der stabilen WĂ€hrung, dass wir mit ihm gleichzeitig im Besitze des Equivalents hiezu sind und eine Auswahl gleicher Werte auf dem Markte uns zur VerfĂŒgung steht. Bei der gestörten Wirtschaft ist das Einkommen schon einmal in der Spanne, in der es dem einzelnen zur VerfĂŒgung gelangt, nur mehr oder weniger dasjenige einer WĂ€hrung niedrigeren und verschiedensten Wertes; nĂ€mlich eines solchen, der auf dem GĂŒtermarkte bereits in der Vergangenheit in Anwendung gebracht wurde. Dagegen könnte es möglicherweise auch ein Einkommen sein mit einer Wertmaass-Zugrundelegung, die auf dem GĂŒtermarkte erst spĂ€terhin Regel wird; â auf der einen Seite also ein Einkommen, das nicht annĂ€hernd das Equivalent der Arbeitsleistung und â das ist wesentlich â auch nicht das des Einkommens am Tage der Leistung und auch nicht an dem des Bezuges darstellt, auf der anderen Seite wieder ein solches, das sofort ausgegeben, den KĂ€ufer in den Besitz grösserer GĂŒtermengen setzt, als er an Werten der Wirtschaft beigesteuert hat oder bei Vorauszahlung nach leisten wird. Die meisten wirtschaftlichen Fragen waren nicht mehr solche der Ueberlegung und die einer Kalkulation, sondern Machfragen der Berufsorganisationen. |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s149.png [S. 149]))!! Betrachten wir auf der anderen Seite die HĂ€ndler auf dem Markte. Befolgten sie wirklich die Gesetze der Behörden betreff Preisfixierung, dann gĂ€ben sie gegen die Werteinheiten in Geldform in ihren Waren kein Equivalent gleichen Wertes hin, sondern ein Vielfaches davon. Dieser wirkliche Verlust bedeutet wieder Gewinn fĂŒr den Konsumenten. Ebenso stand es mit der Stundung von Schulden im Verkaufe auf Kredit. Je nach der den VerhĂ€ltnissen Rechnung tragenden und sie erkennenden Einstellung konnten auch hier wiederum private Gewinne oder Verluste eine Folgeerscheinung der Inflation sein. Der Fabrikant konnte auf der einen Seite im Export Valutagewinne erzielen, die im Innenhandel möglicherweise vergrössert, möglicherweise aber auch vielleicht gar aufgezehrt werden konnten. Wir denken daran, dass andere Berufsarten, besonders die freien Berufe, wie KĂŒnstler, Schriftsteller usw. fast völlig einkommenslos wurden, dass die Höhe der Entlohnung nicht mehr das Equivalent der QualitĂ€t der Arbeit bedeutet, dass ungelernte Arbeit nahezu gleich gesetzt wurde mit individuellster, kĂŒnstlerischer Handarbeit. Mit der Verschiebung der Einkommen ging auch die Verschiebung der Berufe Hand in Hand. Ganz neue Existenzen machten sich breit, ein Heer von ZwischenhĂ€ndlern, Agenten und KommissionĂ€ren, die ihr Einkommen lediglich in der AusnĂŒtzung von Preisspannungen bezogen. Wir erlebten die Vergrösserung der Beamtenapparate die Schaffung bisher unbekannter Aemter; â es war im ganzen ein Abwandern von der unmittelbar produktiven TĂ€tigkeit. |
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Wir wissen von den Börsenspekulationen, der Möglichkeit |
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!!((https://eony.org/WesenUndInhaltDerWerteinheit/SCAN/file?get=wesenundinhaltderwerteinheit_s150.png [S. 150]))!! der Geldbeschaffung auf den Wechsel hin, von Spekulationen Ă la hausse auf weite Sicht. Nicht vergessen wollen wir die mögliche Ausnutzung der verschiedenen Kurssetzungen auf den WeltmarktplĂ€tzen. Ueberlegen wir auch, dass das, was wir mehr verzehrten, als wir erzeugten, Gewinn bedeutet fĂŒr die Konsumenten und Verlust sein muss fĂŒr die Besitzer der KapitalgĂŒter, mit denen der Ausgleich hat bewerkstelligt werden mĂŒssen. |
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Ueberall sehen wir, wie die Inflation alle Fesseln sprengte, wie sie die Einkommen revolutionieren liess, vor allem deshalb, weil sie in der Neuschaffung von solchen kein einheitliches Arbeitswertmaass mehr anwenden liess, weil sie die Bindung zwischen Einkommen und Preisen zerstörte. Was in langer Entwicklung gewachsen war, was das Fundament eines Staates, was die Struktur der Gesellschaft bedeutet, das wurde durcheinander geschĂŒttelt und kann nur schwer zur Ruhelage kommen. |
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Dass die ganze Entwicklung nur möglich war in einer so viel und weit verzweigten modernen arbeitsteiligen Wirtschaft wissen wir. Im Lande mit realem Austausch liegen Produktion und Verbrauch zu nahe beisammen und sind zu eng gebunden, als dass wir den Versuch machen könnten, Opfer von uns auf andere abzuwĂ€lzen und umgekehrt von anderer Leute Arbeit zu schmarotzen. Wir dĂŒrfen aber deswegen wohl kaum dem Gelde als einer Erscheinungsform der modernen Wirtschaft die Schuld an ihrem Chaos zuschreiben und auch nicht dem Papiergelde als der notwendigen und der einzig möglichen Form der wirtschaftlich ungesunden Entwicklung. |
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