Machiavelli. Discorsi. Gedanken über Politik und Staatsführung

Machiavelli, Niccolò: Discorsi : Gedanken über Politik und Staatsführung. Stuttgart: Kröner, 1977.
Niccolò Machiavelli Discorsi Gedanken über Politik und Staatsführung.

Ausgewählte Zitate

Hunger und Armut machen die Menschen arbeitsam, Gesetze machen sie gut. Wo von selbst ohne Gesetz gut gehandelt wird, sind Gesetze nicht nötig; Hört aber die gute Gewohnheit auf, so ist sogleich das Gesetz nötig.

Weitere Informationen

https://archive.org/details/ma[...]discorsi-berlin-1922

Dateien (1)

Kommentare

  1. Entwicklung des Milizsystems in der Schweiz

    Ein Freund von mir:

    Der Grundgedanke blieb über die Jahrhunderte konstant: Die finanzielle
    Unabhängigkeit der Amtsträger von staatlichen Gehältern soll eine
    unparteiische Entscheidungsfindung im Sinne der partizipativen
    Demokratie sichern. Das System versteht sich als republikanische
    Identität, bei der die Übernahme öffentlicher Aufgaben durch die Bürger
    selbst als Gegenstück zur professionellen Bürokratie steht.



    Die Entwicklung des Milizsystems in der Schweiz ist ein historischer
    Prozess, der vom militärischen Kontext auf die gesamte politische und
    gesellschaftliche Struktur übergriff.

    ## 1. Begriffliche Herkunft und ideengeschichtliche Wurzeln
    Der Ausdruck «Milizsystem» ist eine spezifisch schweizerische Prägung,
    die sich vom lateinischen militia (Kriegsdienst) ableitet.
    Ursprünglich im 17. Jahrhundert entlehnt, bezeichnete er primär das
    Volksheer im Gegensatz zum stehenden Heer. Die ideengeschichtlichen
    Wurzeln reichen jedoch weiter zurück in die attische Demokratie und
    die römische Republik, wo die Einheit von Bürger und Soldat sowie
    die Ausübung ziviler Ämter durch wehrfähige Bürger als Ideal galten.

    Philosophen der Aufklärung wie Jean-Jacques Rousseau und Niccolò
    Machiavelli sahen in der alten Eidgenossenschaft die Wiederkehr dieses
    römischen Prinzips. Rousseau betonte 1772 explizit den positiven
    Zusammenhang zwischen einer Milizarmee und einem freien Staat, wobei er
    warnte, dass Berufssoldaten eine Gefahr für die Freiheit darstellten.

    ## 2. Vom Militär zum politischen Prinzip (Ancien Régime bis 1798)
    Die praktische Umsetzung begann im Spätmittelalter mit den
    Aufgeboten der eidgenössischen Orte. Bereits im Ancien Régime (vor
    1798) wurde das Prinzip von der militärischen Verteidigung auf den
    politischen Bereich ausgeweitet: Das Recht auf Mitbestimmung war
    untrennbar mit der Pflicht verbunden, das Gemeinwesen zu verteidigen und
    Ämter zu übernehmen.

    Ein entscheidender Wendepunkt war die **Helvetische Verfassung von
    1798**. Orientiert an den französischen und amerikanischen
    Revolutionsarmeen, legte sie in Artikel 25 erstmals für die gesamte
    Schweiz fest: «Jeder Bürger ist ein geborner Soldat des Vaterlands».
    Dies kodifizierte das Prinzip der Bürgerarmee auf Verfassungsebene.

    ## 3. Institutionalisierung im Bundesstaat (ab 1830)
    Während der Regeneration (ab 1830) übertrugen die neu gestalteten
    Kantonsverfassungen das Milizprinzip explizit auf die Gemeinden
    und die lokale Selbstverwaltung. Bürger wurden aufgefordert, in allen
    öffentlichen Angelegenheiten Verantwortung zu übernehmen.

    Mit der Gründung des modernen Bundesstaates wurde das Prinzip in den
    Bundesverfassungen von 1848 und 1874 verankert. Diese anerkannten
    die allgemeine Wehrpflicht und untersagten dem Bund, stehende Truppen zu
    halten. Während dieser Phase der Demokratisierung setzte sich das
    Milizsystem als tragende Säule der politischen Architektur auf allen
    Ebenen (Gemeinde, Kanton, Bund) durch, etwa in Parlamenten, Schulpflegen
    und als Laienrichter.

    ## 4. Verfassungsrechtliche Verankerung und heutige Bedeutung
    Obwohl das Milizsystem seit dem 19. Jahrhundert gelebte Praxis und Teil
    des ungeschriebenen Verfassungsbrauchtums war, wurde der Begriff
    «Milizsystem» für die Armee erst 1999 explizit in Artikel 58 der
    revidierten Bundesverfassung aufgenommen: «Die Schweiz hat eine Armee.
    Diese ist grundsätzlich nach dem Milizprinzip organisiert.»

    Der Grundgedanke blieb über die Jahrhunderte konstant: Die **finanzielle
    Unabhängigkeit** der Amtsträger von staatlichen Gehältern soll eine
    unparteiische Entscheidungsfindung im Sinne der **partizipativen
    Demokratie** sichern. Das System versteht sich als republikanische
    Identität, bei der die Übernahme öffentlicher Aufgaben durch die Bürger
    selbst als Gegenstück zur professionellen Bürokratie steht.
    • Gast







Bitte schreibe das Wort welches du im Bild lesen kannst Neues Captcha