Jens Wernicke
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Feed Titel: Rubikon
Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freundinnen und Freunde des Rubikon,
die letzten zwei Jahre bin ich durch meine persönliche Hölle gegangen: Ich war angeblich unheilbar krank, brach unter epileptischen AnfĂ€llen auf offener StraĂe zusammen, wĂ€re mehrfach fast gestorben und verlor ⊠einmal wirklich alles.
Doch dann nahmen mich fremde Menschen bei sich auf und pflegten mich gesund, fand ich Wohlwollen und UnterstĂŒtzung, schenkte man mir WertschĂ€tzung und Ermutigung und folgte ich schlieĂlich dem Ruf meiner Seele und begab mich auf meinen sehr persönlichen Heilungsweg. Auf dieser Reise traf ich auch jene Menschen, Profis in ihrem jeweiligen Bereich, mit denen ich nun zusammen Neues schaffen werde. Kurzum: Das Universum meinte es gut mit mir.
Daher ist es nun auch endlich soweit, dass ich mein vor lĂ€ngerer Zeit gegebenes Versprechen einlösen kann: der Rubikon, das Magazin, das wie kein zweites in der Corona-Zeit fĂŒr Wahrheit und Besonnenheit warb und Millionen Menschen berĂŒhrte, kehrt zurĂŒck.
Warum, fragen Sie? Weil in Zeiten globaler Dauerkrisen lĂ€ngst nicht nur der regulĂ€re, sondern auch der freie Medienbetrieb, wo er denn ĂŒberhaupt noch existiert, allzu oft in Voreingenommenheit oder einer Begrenztheit der Perspektive versinkt â und wir der Meinung sind, dass es die letzten Reste der Presse- und Meinungsfreiheit sowie von PluralitĂ€t und offenem Diskurs bedingungslos zu verteidigen gilt. Ganz im Sinne Bertolt Brechts: âWenn die Wahrheit zu schwach ist, sich zu verteidigen, muss sie zum Angriff ĂŒbergehen.â
Gerade jetzt braucht es ein Medium, das ausspricht, was andere nicht einmal zu denken wagen. Das die wirklich wichtigen Fragen stellt und genau den Richtigen argumentativ einmal ordentlich auf die FĂŒĂe tritt. Das Alternativen aufzeigt und Propaganda entlarvt. Als Korrektiv fĂŒr Massenmedien und Politik. Sowie auch und vor allem als Sprachrohr fĂŒr jene, die man â unter dem Vorwand alternativloser SachzwĂ€nge â entmenschlicht, entwĂŒrdigt, ausgrenzt, abhĂ€ngt und verarmt. Als Plattform fĂŒr eben ihre Utopien. Einer besseren, menschlichen und gerechteren Welt. Eine starke, unzensierbare Stimme der Zivilgesellschaft.
Rubikon wird die wahren HintergrĂŒnde politischer Entwicklungen aufdecken. Analysen, EnthĂŒllungen und Hintergrundrecherchen veröffentlichen. LĂŒgen und Korruption entlarven. Der allgemeinen Reiz- und InformationsĂŒberflutung mit Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche begegnen. Das weltweite Geschehen ĂŒberschaubar abbilden. Und BrĂŒcken bauen: Zwischen TĂ€tern und Opfern, Freunden und Feinden, âlinksâ und ârechtsâ, Wissenschaft und SpiritualitĂ€t. Denn die neue, bessere Welt, die wir alle uns wĂŒnschen, entsteht nur jenseits von Krieg, Kampf, Trauma und Schuld. Entsteht in Verbundenheit, Kooperation, Hingabe und Verantwortung.
Versiert recherchiert und ohne ideologische oder parteipolitische Scheuklappen, frei von Zensur und Einflussnahme Dritter werden wir das aktuelle politische Geschehen im deutschsprachigen Raum, in Europa und der Welt abbilden, und so unseren Leserinnen und Lesern ermöglichen, sich ihre eigene, wirklich unabhĂ€ngige Meinung zu bilden. Das machen wir mit den besten freien Journalisten weltweit. Auf frei zugĂ€nglicher Basis. Ohne Werbung, Bezahlschranken und Abo-Modelle. Sowie regelmĂ€Ăig mit gesellschaftspolitischen BeitrĂ€gen hochkarĂ€tiger Fachpersonen garniert.
Dabei sind wir einzig der Wahrheit verpflichtet und verstehen uns nicht als Konfliktpartei, wollen keinen Druck oder Gegendruck erzeugen, Lager bilden oder andere von unserer Weltsicht ĂŒberzeugen, sondern einzig und allein ausgewogen und fundiert berichten. Informieren statt bevormunden. ErmĂ€chtigen statt belehren. UnterstĂŒtzen statt vereinnahmen.
Nach nunmehr fast zwei Jahren der Vorbereitung mit sicherer Infrastruktur aus der Schweiz und also einem Land, in dem die Pressefreiheit noch etwas zĂ€hlt. Mit regelmĂ€Ăigen BeitrĂ€gen gewichtiger Stimmen aus Wissenschaft und Gesellschaft wie Dr. Wolfgang Wodarg, Prof. Michael Meyen, Marcus Klöckner, Michael Ballweg, Ivan Rodionov, Jens Lehrich und vielen anderen mehr.
Als Chefredakteur konnten wir mit Dr. Philipp Gut einen der renommiertesten Journalisten der Schweiz gewinnen, der bis Dezember 2019 Inlandchef und stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche war.
Um unsere Utopie real werden zu lassen, haben wir soeben unter www.rubikon.news unser Crowdfunding gestartet. Denn fĂŒr unseren Neustart benötigen wir Zuwendungen ĂŒber die bereits von mir in GrĂŒndung und Vorbereitungen investierten gut 100.000 Schweizer Franken hinaus. Ăber jene Mittel also hinaus, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, mir dankenswerterweise einst spendeten, als ich vor knapp drei Jahren fĂŒr die Idee eines neuen, mutigen Rubikon jenseits europĂ€ischer Zensurbestrebungen, jenseits also von Internetsperren, -kontrollen und so vielem mehr warb.
Konkret benötigen wir heute 140.000 Schweizer Franken fĂŒr den Start. 60.000 hiervon fĂŒr die Entwicklung unserer Webseite und 80.000 fĂŒr unseren operativen Betrieb, also fĂŒr die Administration, Redaktion sowie die Honorare freier Mitarbeiter fĂŒr die ersten Monate, um auch fĂŒr diese Verbindlichkeit zu schaffen.
Meine Bitte heute an Sie lautet: Bitte unterstĂŒtzen Sie nach KrĂ€ften den Neustart unseres Magazins, verbreiten Sie unseren Aufruf und weisen gern auch publizistisch auf unsere Spendenaktion hin.
Mit Dank und herzlichen GrĂŒĂen fĂŒr ein glĂŒckliches, gesundes, friedliches Jahr 2025:
Ihr
Jens Wernicke
Warum es jetzt Rubikon braucht!
Medien verschmelzen mit der Regierungsmacht und schreiben alle mehr oder weniger dasselbe. Gleichzeitig versucht die supranationale EU europaweit durch gesetzliche Massnahmen die kritische Berichterstattung weiter zu erschweren. Auch der Schweizer Bundesrat will die Information steuern. Höchste Zeit also fĂŒr «Rubikon» â das mutige und freie Magazin fĂŒr freie Menschen.Â
Als Chefredaktor stehe ich fĂŒr unabhĂ€ngigen, kritischen Journalismus ohne Scheuklappen, der Meinungsvielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Voraussetzung einer lebendigen demokratischen Ăffentlichkeit begreift. «Rubikon» weitet das Feld fĂŒr den sportlichen Wettkampf der Ideen und Argumente. In Zeiten von «Cancel Culture», «Kontaktschuld» und der Verschmelzung von Staats- und Medienmacht braucht es dringend eine intellektuelle Frischzellenkur. Wir liefern sie.Â
Ich freue mich schon jetzt auf eine Reihe namhafter nationaler und internationaler Autoren von Format, die mit gut recherchierten Artikeln und Analysen unerschrocken HintergrĂŒnde und Zeitgeschehen beleuchten und Fragen stellen, die andere nicht zu stellen wagen.Â
Wir werden ein Magazin sein, dass mit maximaler Vielfalt Inhalte fĂŒr eine gepflegte politische und gesellschaftliche Debatte liefert. FĂŒr Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen wollen, was sie denken und sagen dĂŒrfen, sondern die zu eigenen Standpunkten und Meinungen kommen.Â
Wir schreiben fĂŒr kritische Leserinnen und Leser ĂŒberall auf der Welt, unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft und politischen Couleur.Â
Unseren Erfolg messen wir am Feedback unserer Leser und an der Zahl der Zugriffe auf unsere Seite.Â
Unser Konzept der ausschliesslich spendenbasierten Finanzierung macht uns unabhĂ€ngig und verpflichtet uns nur gegenĂŒber unseren Leserinnen und Lesern. Das soll auch so bleiben, denn nur wenn wir unabhĂ€ngig sind, können wir frei berichten.
In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt auf Sie, liebe Leserin, lieber Leser.
HerzlichÂ
IhrÂ
Dr. Philipp GutÂ
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Feed Titel: Wissenschaft - News und HintergrĂŒnde zu Wissen & Forschung | NZZ
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Feed Titel: Verfassungsblog
Over the weekend, Italians resoundingly rejected the Meloni governmentâs constitutional reform on the overhaul of the judiciary via referendum. With the âNoâ side receiving 53.2% of the popular support, with an unexpectedly high turnout at 55.7%, this is Meloniâs first political defeat since becoming Prime Minister in 2022. The consequences of the referendum show that Italian checks and balances are stronger than one might have feared, despite the fact that, on the eve of the referendum, V-Dem listed Italy as an autocratizer for the first time amid a series of illiberal policies implemented by the sitting government. However, this is not the last challenge for Italian democracy. As Meloni is likely to adjust her strategy, and with new electoral reforms on the horizon, Italian democratic resilience will soon face another real test.
In broad strokes, the reform proposed by the government (and passed through the two houses of Parliament without a single amendment), can be broken down into three parts. Firstly, the separation of career paths within the judiciary, going from the more general umbrella career path for âmagistratesâ, to one distinguishing between âjudgesâ and âprosecutorsâ. Secondly, and connected with the former, the separation of the unitary self-governance body, the High Judicial Council (Consiglio Superiore della Magistratura or CSM), into three distinct bodies: a CSM for judges; a CSM for prosecutors; and a new High Disciplinary Court, with rules to be defined via ordinary legislation. The third and final change pertained to the appointment to the three bodies, switching from election by peers, to sortition (for more commentary on its merits, see here).
Supporters of the âYesâ vote welcomed these changes as heralds of greater judicial independence, especially in light of scandals related to political âcurrentsâ or âfactionsâ within the magistracy that had suggested lack of impartiality within the CSM. Moreover, they saw this as an opportunity to reduce phenomenon of judges leaning in favour of prosecutors, a problem that criminal defence lawyers have long decried, and the reason why a majority of them campaigned in favour of the reform.
The âNoâ side, on the other hand, highlighted the broader rule of law consequences of the reform, including a greater politicisation of the judiciary by fundamentally weakening the CSM through the new election process, but also potentially drawing the prosecution service closer to the executive. Furthermore, the lack of clarity on the legislation needed to actualise the reform â e.g. defining the parameters for compiling the lists from which to draw lots, new rules on disciplinary proceedings, etc â raised fears about potential abuse by the political class.
As many commentators pointed out, the judicial overhaul proposed by the government bore an undeniable resemblance to illiberal moves witnessed in countries like Poland or Romania, introducing a new disciplinary regime for judges and new rules that would undermine judicial self-governance potentially running afoul of European standards (see the new Venice Commission rule of law checklist) and EU values (as per established CJEU case law). Therefore, as an immediate outcome of the vote, it would appear that the spectre of autocratic decay has been vanquished, at least momentarily. Nonetheless, I would argue that this referendum offers more opportunities for reflection beyond the obvious.
The data emerging from the referendum itself paints an interesting picture. Only three mainstream (opposition) parties campaigned for âNoâ, representing a minority of voters at the previous parliamentary as well as at the last European Parliament elections, and this despite the political turn that the âYesâ campaign took in the final days. The result nevertheless suggests a sharp inversion in the trend of support Giorgia Meloni has enjoyed since the beginning of her mandate. The fact that voters did not follow party lines speaks to a continued trust and belief in the robustness of Italyâs post-fascist Constitution, and the solidity of the checks and balances it created. According to YouTrend data, 61% of âNoâ voters were motivated by a desire to not amend, and thus preserve, the Constitution, presumably out of concern that the reform would overall weaken the text.
At the same time, it is worth noting that this result is broadly in line with other referendums of this kind. Out of five constitutional referendums in the history of the Republic, only two have succeeded â in 2001 and in 2020. Moreover, an abrogative referendum to overhaul the judiciary was attempted as recently as 2022, but it failed to pass the turnout threshold with only 20.5% of eligible citizens casting a vote. Arguably, the lack of a turnout threshold for the 2026 referendum should have benefited the proponents of the reform, as mobilisation was not an imperative. However, the final turnout registered was the second highest this century, only below the even more controversial and politically charged referendum on the overhaul of the political system proposed by the Renzi government in 2016. As a whole, this can be seen as a good sign for Italian democracy, and a strong response against the populist rhetoric promoted by the government â including high-ranking officials within the Ministry for Justice stating that their objective was to âget rid of the judiciaryâ, equating it to âfiring squadsâ.
While checks and balances have proven solid in this instance, expecting the referendum to fold future attempts to skew the separation of powers in favour of the executive would be naĂŻve. The Meloni government has already eroded the rule of law significantly outside the realm of judicial independence, including by undermining the public sphere, restricting the rights of marginalised groups, and weakening the anti-corruption framework (see here for a comprehensive overview). Despite enjoying widespread popular support and having achieved nearly unprecedented stability, what the government lacks is a strong enough majority in Parliament to amend the Constitution freely (2/3 majority required). This reform, beyond its content, was the governmentâs first opportunity to test its consensus, before proposing more far-reaching reforms that would have a much costlier political impact.
Unlike Renzi in 2016, or David Cameron with Brexit, Meloni was careful not to link the referendum to her political survival, never suggesting she would resign in the event of a loss. Only in the last days of the campaign she appeared more visible in the media, to no avail. This experience will provide a good indication of whether there is scope to attempt a referendum again in the last year of her mandate, before the new elections expected in 2027 may redraw the Parliamentâs composition.
Perhaps it is no coincidence that âthe mother of all reformsâ, a constitutional amendment introducing the direct election of the Prime Minister and revolutionising the system of government accordingly, has been effectively put on hold. Instead, last month, the government presented a bill to amend ordinary electoral legislation. The main objective would be that of granting an automatic parliamentary majority (potentially up to 60%) to any coalition winning more than 40% of the vote, in order to increase stability and a governmentâs ability to legislate. This measure, if approved by the legislature and if indeed in line with previous jurisprudence of the Italian Constitutional Court, would open new political scenarios. A more powerful executive could perhaps amend the Constitution more easily and more frequently, with potential consequences for democracy and the rule of law. This is especially evident now, as the latest referendum showed that the electorate is not always aligned with their representatives on systemic reforms changing the constitutional text.
Lastly, it is important to acknowledge that although the electorate has demonstrated its support for and trust in the magistracy as an institution, the Italian judicial system is far from flawless or above reform. As the 2025 Rule of Law Report highlights, persistent staffing shortages and the length of judicial proceedings remain serious problems. Moreover, complaints put forward by criminal defence lawyers, including regarding the high number of unfounded criminal prosecutions and requests for precautionary measures, low level of scrutiny in preliminary and pre-trial hearings, and subsequently the high number of appeals, should not be ignored. Nevertheless, this reform has not effectively addressed these particular issues, despite the claims in the referendum campaign suggesting otherwise. Indeed, even the government itself admitted that the reform would not allocate much needed resources or otherwise address these concerns. It rather obfuscated these problems with populist claims that the reform would stop judges from fostering immigration and that, with a âNoâ win at the referendum, magistrates would âfree rapists and paedophilesâ. Therefore, as badly as a reform of the justice system is needed, this proposal was far from the answer.
The popular rejection of Giorgia Meloniâs judicial overhaul is ultimately a good sign for Italian checks and balances, as it, perhaps surprisingly, constitutes her first set back since 2022. This is good news for Italian checks and balances in the short term. However, the government may become better in the future at executing its autocratic playbook that seeks to undermine the judiciary. Meloni continues to enjoy a large majority to pass ordinary legislation, which she has consistently used to undermine the rule of law, and the momentum is unlikely to stop in the final year before the general elections. If anything, I would argue, this referendum was more of a test for the Italian people (and civil society), than for the government. The electorate responded, but this just means that Meloni will change her strategy and act accordingly from now on (see: the various referendums called and lost by Orban, before he simply stopped using them as a tool to test consensus). With new electoral legislation on the horizon, the true resilience of Italian democracy will soon be tested yet again.
The post No, Grazie appeared first on Verfassungsblog.
Veto threats are ordinary currency in Brussels. A veto against an agreed compromise, used to force concessions on an unrelated dispute and to stage a domestic election campaign, is not. The events of 19 March 2026 were serious not only because Viktor OrbĂĄn blocked money for Ukraine, but because he did so after having promised in December 2025 not to stand in the way. This time OrbĂĄn went too far â if the other leaders fail to respond effectively, they will be teaching everyone that the most profitable strategy is blackmail.
The European Council is an unusual institution. It does not legislate in the ordinary sense. Under Article 15 of the TEU, it sets the Unionâs general political directions and priorities. Yet because it gathers the heads of state or government, its conclusions carry exceptional political weight. Formally, the European Council decides mostly by consensus. Practically, that means outcomes are built through negotiation, bilateral contacts, and brokerage by the President rather than by visible votes.
Veto threats are therefore not an aberration. They are part of the system. National leaders use them to signal domestic red lines, to demand clarifications, or to improve their bargaining position. Sometimes a government threatens to block sanctions until a technical exemption is secured. Sometimes it resists a paragraph in summit conclusions until wording is softened. Much of this belongs to the normal repertoire of intergovernmental politics. The mere use of a veto threat is not yet sabotage.
What makes the system work is something more fragile than treaty text. The European Council relies on informal norms: trust that commitments made in the room will still bind tomorrow; reciprocity among leaders who know they will need one another on the next file; and a compromise culture that discourages pressing every formal right to its absolute limit. Those norms allow unanimity to function without turning every summit into institutional paralysis.
That is also why there is a line between hard bargaining within a file and holding unrelated files hostage. A veto can be legitimate even when it is politically costly. But it remains legitimate only if it is embedded in self-restraint. Once a member treats consensus not as a method of joint problem-solving but as a resource to be monetized again and again, the institutionâs informal foundations begin to erode. The problem is then not only delay. It is the loss of confidence that compromise will stick.
Seen against that background, OrbĂĄnâs conduct on Ukraine is not an isolated outburst. It is the latest episode in a longer strategy of illegitimate issue linkage. Linkage as such is not unusual in European Council politics. Package deals are often necessary, and some issues are genuinely connected. The difficulty arises when consent on one matter is made conditional on concessions in another matter that is only weakly related or entirely unrelated, and when that tactic is used not to solve a policy problem but to exploit unanimity for leverage.
Hungary has repeatedly moved in that direction. In 2022, OrbĂĄn blocked an EU loan for Ukraine while fighting Brussels over frozen funds tied to rule-of-law concerns, and it also held up the EUâs implementation of the global minimum corporate tax. In June 2023, both Hungary and Poland refused to sign off on European Council language on migration after being outvoted on migration rules elsewhere. In late 2023 and early 2024, Orban again blocked a major Ukraine package while arguments raged over the release of EU funds to Budapest. And in February and March 2026, Hungary tied both a new sanctions package on Russia and the implementation of the âŹ90bn loan for Ukraine to the restoration of Russian oil flows through the Druzhba pipeline.
This matters because it imposes real institutional costs. It creates blockade. It consumes summit time and diplomatic energy. It distracts the European Council from its strategic role by forcing it into permanent damage control. And it harms the institutionâs reputation. European Council conclusions matter because they signal reliability to partners, markets, and adversaries. If solemn summit bargains can be reopened at will for unrelated side-payments, the credibility of the Unionâs highest political forum suffers.
There is also a deeper asymmetry here. Consensus only works if accommodation runs in all directions over time. OrbĂĄnâs method reverses that logic. The 26 national leaders accommodate, while one government repeatedly converts accommodation into leverage for the next fight. If that tactic is normalized, others might learn from it. The result is not simply one more difficult European Council summit. It is a degraded decision-making environment in which free-riding and grandstanding become rational strategies.
The events of 19 March 2026 were serious not only because OrbĂĄn blocked money for Ukraine, but because he did so after having promised in December 2025 not to stand in the way. The European Council had already agreed in December to provide a âŹ90bn loan to Ukraine for 2026 and 2027. The design of that package mattered politically. It was based on EU borrowing backed by budget headroom, and the December agreement explicitly ensured that the mobilization of EU budget resources would not affect the financial obligations of Hungary, Czechia, and Slovakia. In other words, OrbĂĄn had secured an opt-out from financial liability. Hungary was not being asked to shoulder the cost.
By February 2026, the EU had advanced the legal framework for implementing that December agreement. OrbĂĄn then used the next European Council to reopen a deal he had already accepted. His public justification was a dispute over the Druzhba pipeline. After a Russian attack damaged pipeline infrastructure in January, Hungary demanded guarantees that oil flows through Ukraine would resume and would not be interrupted again. But whatever the merits of Hungarian energy concerns, this was not an objection to the design of the Ukraine loan itself. It was an unrelated dispute pressed into service as leverage.
That is what makes this episode qualitatively different from ordinary veto politics. OrbĂĄn did not discover a hidden burden on Hungary. He did not point to a newly revealed legal defect in the loan instrument. He took a settled bargain, one already tailored to shield Hungary from direct liability, and converted it into a pressure tool in a separate conflict. The move was therefore not simply hard bargaining. It was bad-faith reneging on his own word.
The domestic motive is not hard to infer. OrbĂĄn faces national elections in Hungary on 12 April 2026. For years, his political method has relied on the construction of external adversaries â âBrusselsâ, migrants, and more recently Ukraine â in order to mobilize domestic voters around a sovereignty narrative. The March veto fits that script perfectly. It lets him present himself as the defender of Hungarian households against foreign pressure and turns the European Council into a stage for domestic campaign politics. That is why AntĂłnio Costa, the European Council president, is right to say that a deal is a deal and that nobody should be allowed to blackmail this institution. Germanyâs chancellor Friedrich Merz was right, too, to call Orbanâs conduct a grave disloyalty among EU member states. Trust is a governance resource in this institution. If leaders no longer believe that a December compromise still means something in March, the willingness to compromise at all begins to collapse.
The other national leaders should now stop treating this as one more nuisance to be managed through patient appeasement. That approach has been tried for years, and it has taught OrbĂĄn that the short-term costs of obstruction are low while the domestic political rewards can be high. If that incentive structure remains unchanged, repetition is likely.
First, national leaders should escalate rhetorically and openly call out what happened. Members of the European Council usually do not antagonize one of their own in public. Under ordinary conditions, that instinct is understandable. But norm enforcement sometimes requires visible disapproval. Public naming changes the reputational calculus and clarifies that this is not a legitimate disagreement over policy design but a breach of trust.
Second, they should do what they normally avoid doing: build intergovernmental solutions outside the usual EU framework when one member abuses unanimity to block urgent action. Enhanced cooperation is one route within the treaties; ad hoc intergovernmental arrangements among willing states are another. The crucial point is that delivery to Ukraine cannot remain hostage to one individual domestic campaign strategy.
Third, leaders should increase pressure on OrbĂĄn both financially and politically. That means stricter use of existing rule-of-law conditionality, refusal to release funds as the price of tactical cooperation, and renewed seriousness about Article 7 TEU to eventually suspend Hungaryâs voting rights. It also means refusing to normalize issue linkage by rewarding it. The broader lesson is stark. Unanimity can coexist with frequent veto threats. It cannot coexist with systematic bad faith. On 19 March 2026, OrbĂĄn crossed that line. If the other leaders fail to respond more confrontationally now, they will not be defending European unity. They will be teaching everyone that the most profitable strategy in the European Council is blackmail.
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Der technologische Wandel wird das Jura-Studium grundlegend verĂ€ndern. KĂŒnstliche Intelligenz hat bereits heute erhebliche Auswirkungen auf die Lehre und Ausbildung. UniversitĂ€ten, Hochschulen und JustizprĂŒfungsĂ€mter mĂŒssen darĂŒber nachdenken, ĂŒber welche FĂ€higkeiten und Kompetenzen Absolvent:innen juristischer StudiengĂ€nge in der nahen Zukunft verfĂŒgen sollen. Dazu gehören neben juristischen Kernkompetenzen und spezifischen KI-Kompetenzen auch soziale, kommunikative und kritisch-reflexive FĂ€higkeiten.
JĂŒngste Szenarioanalysen sagen einen Strukturwandel des Arbeitsmarktes durch KI-Systeme voraus, der sogar Expert:innen- und Spezialist:innentĂ€tigkeiten ersetzen könnte. Das könnte einerseits dazu fĂŒhren, dass einige von Jurist:innen ausgefĂŒhrte TĂ€tigkeiten obsolet werden. Andererseits kann diese Entwicklung zu einem verstĂ€rkten Bedarf genuiner juristischer Kompetenzen fĂŒhren, gerade weil sie das Potenzial hat, das Anforderungsprofil juristischer Berufe grundlegend zu verĂ€ndern. Welche dieser Entwicklungen inwieweit zur RealitĂ€t werden, hĂ€ngt auch von der Gestaltung der juristischen Ausbildung ab.
Auf Initiative der Bucerius Law School fand, gemeinsam mit der FakultĂ€t fĂŒr Rechtswissenschaft der UniversitĂ€t Hamburg, im Dezember 2025 ein Workshop statt, an dem Lehrpersonen, Forscher:innen, Student:innen sowie Vertreter:innen aus PrĂŒfungsĂ€mtern, Justiz, anwaltlicher Praxis und Legal-Tech-Unternehmen teilnahmen. In einem partizipativen Format wurden Kompetenzprofile, Lehrformate und PrĂŒfungsformen fĂŒr die juristische Ausbildung der Zukunft entwickelt. Methodisch basierte der Workshop auf dem in der Hochschuldidaktik etablierten Zugang des Constructive Alignment: ZunĂ€chst wurden Lernziele und Kompetenzen identifiziert, um darauf abgestimmte Lehrveranstaltungen sowie PrĂŒfungsinhalte und -formate zu entwickeln.
Aus diesem Workshop ist das von uns drei als Autor:innen verfasste âHamburger Protokoll-KI-Editionâ hervorgegangen. In dieser â mit Hilfe von Claude Opus 4.6 (Cowork) â deutlich gekĂŒrzten Fassung wollen wir die zentralen Inhalte des Papiers vorstellen. Wir haben den Text auf Basis des gemeinsamen Workshops, aber in eigener Verantwortung erarbeitet und bringen ihn mit unserem Namen in die öffentliche Diskussion ein.
Das Hamburger Protokoll: KI-Edition nimmt die in der Didaktik formulierte Sorge vor einem drohenden âDeskillingâ ernst: Eine unreflektierte Delegation von Aufgaben an KI-Systeme kann die Ausbildung und Erhaltung zentraler kognitiver FĂ€higkeiten gefĂ€hrden â das Lesen komplexer Texte, die eigenstĂ€ndige Problemlösung und die kritische Auseinandersetzung mit Texten und LösungsansĂ€tzen. Gerade deswegen entscheidet sich das Protokoll bewusst gegen einen vollstĂ€ndigen Ausschluss der Technologie aus der Lehre. Es setzt auf einen reflektierten Umgang, der die Chancen nutzt und gleichzeitig FreirĂ€ume schafft, in denen Student:innen ihre methodischen FĂ€higkeiten unabhĂ€ngig von technischer UnterstĂŒtzung schĂ€rfen können. Wir plĂ€dieren gegen ein WettrĂŒsten mit KI-Systemen und fĂŒr die selbstbewusste Ausbildung genuiner humaner und zur Maschine komplementĂ€rer FĂ€higkeiten. Als ein Ziel der juristischen Ausbildung sehen wir die FĂ€higkeit, dass Absolvent:innen als werteorientierte Gestalter:innen der Rechtsordnung KI-Systeme sinnvoll einsetzen und regulieren können.
Das Ziel rechtswissenschaftlicher StudiengĂ€nge ist es, Jurist:innen auszubilden, die als verantwortungsvolle Gestalter:innen und Entscheider:innen rechtlicher Fragestellungen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft tĂ€tig sind. Dies erreicht die juristische Ausbildung, wenn sie den Student:innen drei miteinander verzahnte Kompetenzbereiche vermittelt: juristische Kernkompetenzen, reflexive Technologiekompetenzen und KommunikationsfĂ€higkeiten. KI kann als Katalysator wirken, damit wir uns auf die zentralen FĂ€higkeiten besinnen, ĂŒber die Jurist:innen verfĂŒgen mĂŒssen. Dazu gehört insbesondere die Verifikations- und Diskurskompetenz: Juraabsolvent:innen mĂŒssen die Belastbarkeit von Tatsachenbehauptungen und Argumenten zutreffend einschĂ€tzen können, unabhĂ€ngig davon, ob diese Aussagen von Menschen, Maschinen oder Mensch-Maschine-Kooperationen erzeugt wurden.
Juristische Kernkompetenzen bilden das unverzichtbare Fundament professioneller Rechtsarbeit. Sie setzen sich aus einem soliden rechtlichen Fachwissen und einer Bandbreite an methodischen und kritisch-reflexiven Kompetenzen zusammen. Zu einem Mindestbestand an rechtlichem Fachwissen gehören die GrundzĂŒge der dogmatischen FĂ€cher (Zivilrecht, Strafrecht, Ăffentliches Recht). Hinzu kommt ein Kernwissensbestand in den Grundlagendisziplinen sowie ein ausgeprĂ€gtes StrukturverstĂ€ndnis des Rechtssystems. Das alles bleibt unverzichtbar und muss â was die beiden letzten Punkte betrifft â verstĂ€rkt in den Blick genommen werden. Im Zuge der digitalen Transformation verliert die bloĂe Wissensreproduktion an Bedeutung. DemgegenĂŒber gewinnen Methodenkompetenz, analytische und kritische FĂ€higkeiten, argumentative und kreative Kompetenzen sowie ein stabiler Wertebezug an Gewicht. Die kreative und rechtsstaatlich eingebettete Problemlösung lĂ€sst sich nicht an Maschinen delegieren. Grundlage der Methodenkompetenz ist die FĂ€higkeit zur systematischen WissenserschlieĂung, zum prĂ€zisen LeseverstĂ€ndnis komplexer Texte und zur fundierten eigenen Textarbeit. Jurist:innen mĂŒssen fĂ€hig sein, eigenstĂ€ndig und in Alternativen zu denken sowie begrĂŒndete Kritik zu ĂŒben und sich einer solchen auch selbst konstruktiv auszusetzen. Angesichts KI-generierter Texte avanciert die Verifikations- und Diskurskompetenz zum entscheidenden SchlĂŒsselfaktor: Nur ein solides QuellenverstĂ€ndnis ermöglicht es, Informationen und maschinelle Ergebnisse sicher zu ĂŒberprĂŒfen. Juristisches Handeln muss in der Demokratie- und Rechtsstaatsresilienz verankert sein; eine humanistische und partizipative Perspektive stellt sicher, dass die Rechtsgestaltung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird.
Reflexive Technologiekompetenzen befĂ€higen Jurist:innen zum souverĂ€nen und kritischen Umgang mit digitalen Werkzeugen, der deutlich ĂŒber reine Anwenderkenntnisse hinausgeht. Den Ausgangspunkt bildet ein solides GrundverstĂ€ndnis ĂŒber Design, Funktion und Limitierungen digitaler Systeme, verknĂŒpft mit einem GrundverstĂ€ndnis ĂŒber Systeme des maschinellen Lernens. Damit sichern wir die digitale MĂŒndigkeit (Digital Literacy) der Student:innen (und Lehrpersonen). Darauf aufbauend integriert eine praktische KI-Anwendungskompetenz die sinnvolle und reflektierte Einbindung von KI in juristische Arbeitsprozesse, gestĂŒtzt auf Basiswissen ĂŒber die rechtlichen Rahmenbedingungen. Von zentraler Bedeutung ist erneut die FĂ€higkeit, Ergebnisse kritisch zu validieren und zu verifizieren. Ein reflektierter Umgang schlieĂt zudem das Bewusstsein fĂŒr die gesellschaftlichen Machtdimensionen und die ökologischen Auswirkungen von KI-Systemen ein.
Kommunikationskompetenzen gewinnen in einer zunehmend KI-geprĂ€gten Arbeitswelt noch mehr an Wert. Darin liegt ein SchlĂŒssel fĂŒr die Weiterentwicklung des juristischen Kompetenzprofils. Die FĂ€higkeiten zum Diskurs und zur Interaktion in unterschiedlichen sozialen Kontexten sind auszubauen. Jurist:innen mĂŒssen insbesondere eine ausgeprĂ€gte ĂbersetzungsfĂ€higkeit zwischen Fach- und Alltagssprache sowie zwischen den Anforderungen von Recht und Technik zeigen. Die FĂ€higkeit, hochkomplexe juristische und technische Sachverhalte verstĂ€ndlich zu erklĂ€ren, rundet dieses Profil ab. Gerade weil in Zukunft Partikularwissen leichter auch von KI-Systemen wiedergegeben werden kann, kommt es fĂŒr die Jurist:innen auf die menschliche InteraktionsfĂ€higkeit an. Empathie und TeamfĂ€higkeit werden in einem durch Technologie transformierten Umfeld zu zentralen Erfolgsfaktoren.
Bei der Wahl des geeigneten Didaktikmodells fĂŒr die Integration dieser Kompetenzen stellen sich drei Herausforderungen: Wie können diese Lernziele in ein zu volles Curriculum integriert werden? Wie können Studierende zur Teilnahme motiviert werden? Und wie kann die interdisziplinĂ€re Kompetenz der Lehrpersonen sichergestellt werden?
Das Protokoll diskutiert mehrere LösungsansĂ€tze, die sich auf einer Skala von minimalinvasiven bis zu weitreichenden Ănderungen verorten lassen: das Integrationsmodell, das Technologiekompetenzen in bestehende Lehrveranstaltungen einbettet; das Ringvorlesungs- bzw. SchlĂŒsselqualifikationsmodell, das Expert:innen die Verzahnung in einer semesterĂŒbergreifenden Veranstaltungsreihe vermitteln lĂ€sst; sowie das PropĂ€deutikumsmodell, das Technologiekompetenzen in einem verpflichtenden eigenen Format verankert. Allen Varianten ist gemein, dass UniversitĂ€ten curriculare Entscheidungen treffen mĂŒssen, wie sie den Zielkonflikt zwischen examensgetriebenen Ausbildungserwartungen und der Vermittlung von Zukunftskompetenzen ausgleichen.
Als besonders ambitionierter Ansatz setzt das Spiralenmodell darauf, die reflexiven Technologiekompetenzen und die juristischen Kompetenzen parallel zur juristischen Lernkurve aufzubauen. Es löst den Zielkonflikt zugunsten dieser Zukunftskompetenzen und zu Lasten des examensorientierten Wissenszugangs. Im ersten Studienjahr werden rechtswissenschaftliche Grundlagen und Technologiekompetenzen (Digital Literacy) vermittelt und von einer Lehrveranstaltung zur EinfĂŒhrung in das rechtswissenschaftliche Arbeiten ergĂ€nzt. Diese könnte das 3-P-Modell (Prozess-Produkt-PrĂ€sentation) implementieren, um innovative Lehr- und PrĂŒfungsformen zu erproben. Im zweiten Jahr ergĂ€nzen SchlĂŒsselqualifikationen im Bereich Technologie das Curriculum, wĂ€hrend die juristischen Kompetenzen idealerweise in kleineren Formaten Textarbeit (auch unter Einsatz von KI-Systemen) kritisch schulen. Im dritten Studienjahr betont ein interdisziplinĂ€res Workshopformat die gesellschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierung und KI. Im vierten Jahr werden die Kernkompetenzen und Kommunikationskompetenzen parallel zur Examensvorbereitung in Gruppenformaten vertieft, in denen die juristische Gestaltungskompetenz in Zusammenarbeit mit der Praxis eingeĂŒbt wird.
Die didaktische Aufgabe von PrĂŒfungsformaten liegt darin, die identifizierten drei Kompetenzbereiche erwartungssicher abzufragen. Unter besonderen Druck scheinen Formate wie die klassische Hausarbeit oder die wissenschaftliche Seminararbeit zu geraten, weil der nicht nachprĂŒfbare Einsatz von generativer KI mittlerweile teils brauchbare Produkte liefert. Das greift zu kurz. Bei der Diskussion um kompetenzbasierte PrĂŒfungsformate kann es nicht um die Eliminierung von KI-Nutzung gehen, sondern darum, verlĂ€sslich nachweisen zu können, dass die im Lernziel angelegten Kompetenzen individuell erworben wurden. DafĂŒr kommt es darauf an, welche FĂ€higkeiten man mit welchem Format abprĂŒfen möchte. Die möglichen PrĂŒfungsformate lassen sich â wie in der Debatte um juristisches PrĂŒfen bereits angeregt â dreidimensional strukturieren: nach PrĂŒfungszeitrĂ€umen, PrĂŒfungsgegenstĂ€nden (Produkt, Prozess, PrĂ€sentation) und der Form der Leistungserbringung (mĂŒndlich, schriftlich, kombiniert).
Ad-hoc-Formate (20 Minuten bis 5 Stunden): Die Aufsichtsarbeit (Klausur ohne Hilfsmittel) bleibt geeignet, um Fachwissen und methodische Fertigkeiten unter Zeitdruck abzuprĂŒfen. Die Anzahl der dominierenden gutachterlichen Falllösungsklausuren sollte reduziert werden; zum Gegenstand sollte auch die kritische Auseinandersetzung mit anderen juristischen Textgattungen werden â etwa Urteile, wissenschaftliche AufsĂ€tze oder die Fehlerfindung in KI-Erzeugnissen. Zu Studienbeginn sollten Pass/Fail-Klausuren vorgesehen werden. Die mĂŒndliche PrĂŒfung ermöglicht eine breite PrĂŒfung aller drei Kompetenzbereiche. ErhĂ€lt sie kĂŒnftig gröĂere Bedeutung, mĂŒssen PrĂŒfer:innen fĂŒr kognitive Verzerrungen sensibilisiert und PrĂŒfungskommissionen diverser zusammengesetzt werden.
Tagesformate (10 bis 24 Stunden): Hierzu zĂ€hlen schriftliche und mĂŒndliche PrĂŒfungsarbeiten unter Verwendung von Hilfsmitteln, darunter Hybrid- oder KI-Klausuren. Besonders eignen sich Formate, die Prozess-Produkt-PrĂ€sentation kombinieren: PrĂŒflinge erhalten einen Fall, dessen Lösung sie prĂ€sentieren â etwa im klassischen Aktenvortrag. Hackathons eignen sich besonders gut, um alle drei Kompetenzfelder abzuprĂŒfen. Mit Blick auf die Kommunikationskompetenzen bieten sich auch Gruppenarbeiten an, wobei durch Beobachtung und Zurechnung von Leistungselementen an einzelne PrĂŒflinge sichergestellt werden kann, dass individuelle PrĂŒfungsleistungen vorliegen.
Wochenformate (1 bis 12 Wochen): Die hĂ€usliche Arbeit und die wissenschaftliche Seminararbeit bleiben geeignet, bestimmte Kompetenzen abzuprĂŒfen. So lĂ€sst sich mit der zu pauschal in Verruf geratenen Hausarbeit weiterhin die in der Praxis wichtige FĂ€higkeit prĂŒfen, ob die Student:in in der Lage ist, eine juristisch brauchbare Falllösung vorzulegen, fĂŒr die sie die Verantwortung ĂŒbernehmen muss. Will man dagegen feststellen, ob die Student:in eigenstĂ€ndiges wissenschaftliches Arbeiten und Argumentieren ohne Hilfsmittel beherrscht, muss man Seminararbeiten mit einer mĂŒndlichen Verteidigung (Kolloquium) ergĂ€nzen. Dabei sollte der mĂŒndliche Teil mit mindestens 50 % veranschlagt werden; er könnte aber auch deutlich darĂŒber liegen. Selbst ein vollstĂ€ndiges Abstellen auf die mĂŒndliche Leistung entwertet die schriftliche Arbeit nicht, weil diese das zwingend notwendige âDurchgangsstadiumâ und damit die Grundlage fĂŒr ein sinnvolles PrĂŒfungsgesprĂ€ch ist. Mit dieser Komponente kann die PrĂŒfungsperson sicherstellen, dass das schriftliche Produkt eigenstĂ€ndig verantwortet werden kann. ErgĂ€nzend sind PortfolioprĂŒfungen sinnvoll, bei denen Studierende ihren Arbeitsprozess ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum dokumentieren.
Neue Formate wie Peer-Feedback, Tutorials, Moot Courts und Law Clinics zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur das Endprodukt bewerten, sondern den gesamten Lern- und Entwicklungsprozess in den Blick nehmen. Peer-Feedback und Tutorial-Formate bringen Student:innen (unter fachlicher Begleitung) in die Rolle der Lehrenden und erzielen so nachhaltige Lerngewinne. Moot Courts simulieren Gerichtsverfahren und trainieren argumentative FÀhigkeiten. Law Clinics verbinden akademisches Lernen mit praktischer Rechtsberatung und schulen so alle drei Kompetenzfelder. Diese prozessorientierten Formate sind besonders geeignet, den individuellen Kompetenzerwerb auch bei zunehmender KI-Nutzung verlÀsslich nachzuweisen.
Der Einsatz von KI in Lehr- und PrĂŒfungsformaten ist wichtig und sinnvoll. Zugleich sehen wir gravierende Herausforderungen. Erstens wirft der Einsatz von KI-Systemen erhebliche Chancengleichheitsprobleme auf: Spezialisierte juristische KI-Anwendungen sind fĂŒr die Hochschulen auf absehbare Zeit aufgrund der damit verbundenen Kosten voraussichtlich nicht dauerhaft zugĂ€nglich. Wir mĂŒssen aber damit rechnen, dass Student:innen aus besser gestellten Familien oder mit beruflichen Kontakten Zugang zu Premium-Systemen haben können. Diese digitale Kluft muss bei der Gestaltung von PrĂŒfungsformaten berĂŒcksichtigt werden. Zweitens ist der Ressourcenbedarf bei neuen Lehr- und PrĂŒfungsformaten erheblich â in einer Zeit, die von KĂŒrzungen im Hochschulbereich gekennzeichnet ist. Drittens muss die juristische Ausbildung die Frage der digitalen SouverĂ€nitĂ€t in den Blick nehmen: Europa ist aktuell bei den digitalen Produkten und Dienstleistungen in groĂem MaĂe von auĂereuropĂ€ischen, insbesondere US-amerikanischen Anbieter:innen abhĂ€ngig. Wenn die juristische Ausbildung und Praxis unkritisch auf solche Systeme setzen, zementiert dies die bestehende technologische AbhĂ€ngigkeit auch fĂŒr die nĂ€chste Generation. Die Ausbildung sollte europĂ€ische Alternativen und Open-Source-Lösungen einbeziehen und fĂŒr die geopolitischen Risiken technologischer AbhĂ€ngigkeiten sensibilisieren. Diese Herausforderungen zu benennen ist Voraussetzung fĂŒr eine realistische Reformstrategie.
Das Hamburger Protokoll: KI-Edition plĂ€diert fĂŒr einen reflektierten Umgang, der KI als Werkzeug begreift und zugleich jene genuinen menschlichen FĂ€higkeiten schĂ€rft, die Jurist:innen von ihren digitalen Hilfsmitteln unterscheiden. Die Verifikationskompetenz â die FĂ€higkeit, Aussagen ĂŒber das Recht unabhĂ€ngig von ihrer Quelle kritisch zu prĂŒfen â avanciert dabei zur zentralen Schnittstellenkompetenz zwischen juristischem und technologischem Wissen.
Das dreisĂ€ulige Kompetenzmodell bietet einen konzeptionellen Rahmen, der ĂŒber punktuelle Anpassungen hinausgeht. Die vorgeschlagenen Lehrmodelle eröffnen den FakultĂ€ten GestaltungsspielrĂ€ume, die den unterschiedlichen institutionellen Voraussetzungen Rechnung tragen. Bei den PrĂŒfungsformaten setzt das Protokoll auf eine Weiterentwicklung bestehender und die Integration neuer Formate. Diese Vielfalt ermöglicht es, alle drei Kompetenzfelder valide zu prĂŒfen und dem individuellen Kompetenzerwerb auch bei zunehmender KI-Nutzung gerecht zu werden.
Das Protokoll versteht sich als Einladung zum Dialog. Sein Ziel ist es, einen Diskurs anzustoĂen, der Lehrende und Studierende, FakultĂ€ten, PrĂŒfungsĂ€mter, Justiz, Behörden, Unternehmen und Anwaltschaft zusammenfĂŒhrt. DafĂŒr braucht es den Mut zur VerĂ€nderung â und die institutionellen RĂ€ume, um diese VerĂ€nderung zu gestalten. Die juristische Ausbildung steht vor der Aufgabe, Absolvent:innen auf eine Berufswelt vorzubereiten, in der der kompetente Umgang mit KI zentral sein wird â ohne dabei die erkĂ€mpften Werte des demokratischen Rechtsstaats, die unverzichtbaren Kernkompetenzen kritischen juristischen Denkens oder den Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Das Hamburger Protokoll: KI-Edition ist in der ungekĂŒrzten Fassung hier erhĂ€ltlich. Diese gekĂŒrzte Fassung ist von den Autor:innen unter Einsatz von Claude Opus 4.6 im Co-Workmodus auf der Grundlage der ungekĂŒrzten Fassung erstellt worden.
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Feed Titel: Wissenschaft - News und HintergrĂŒnde zu Wissen & Forschung | NZZ
Feed Titel: Rubikon
Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freundinnen und Freunde des Rubikon,
die letzten zwei Jahre bin ich durch meine persönliche Hölle gegangen: Ich war angeblich unheilbar krank, brach unter epileptischen AnfĂ€llen auf offener StraĂe zusammen, wĂ€re mehrfach fast gestorben und verlor ⊠einmal wirklich alles.
Doch dann nahmen mich fremde Menschen bei sich auf und pflegten mich gesund, fand ich Wohlwollen und UnterstĂŒtzung, schenkte man mir WertschĂ€tzung und Ermutigung und folgte ich schlieĂlich dem Ruf meiner Seele und begab mich auf meinen sehr persönlichen Heilungsweg. Auf dieser Reise traf ich auch jene Menschen, Profis in ihrem jeweiligen Bereich, mit denen ich nun zusammen Neues schaffen werde. Kurzum: Das Universum meinte es gut mit mir.
Daher ist es nun auch endlich soweit, dass ich mein vor lĂ€ngerer Zeit gegebenes Versprechen einlösen kann: der Rubikon, das Magazin, das wie kein zweites in der Corona-Zeit fĂŒr Wahrheit und Besonnenheit warb und Millionen Menschen berĂŒhrte, kehrt zurĂŒck.
Warum, fragen Sie? Weil in Zeiten globaler Dauerkrisen lĂ€ngst nicht nur der regulĂ€re, sondern auch der freie Medienbetrieb, wo er denn ĂŒberhaupt noch existiert, allzu oft in Voreingenommenheit oder einer Begrenztheit der Perspektive versinkt â und wir der Meinung sind, dass es die letzten Reste der Presse- und Meinungsfreiheit sowie von PluralitĂ€t und offenem Diskurs bedingungslos zu verteidigen gilt. Ganz im Sinne Bertolt Brechts: âWenn die Wahrheit zu schwach ist, sich zu verteidigen, muss sie zum Angriff ĂŒbergehen.â
Gerade jetzt braucht es ein Medium, das ausspricht, was andere nicht einmal zu denken wagen. Das die wirklich wichtigen Fragen stellt und genau den Richtigen argumentativ einmal ordentlich auf die FĂŒĂe tritt. Das Alternativen aufzeigt und Propaganda entlarvt. Als Korrektiv fĂŒr Massenmedien und Politik. Sowie auch und vor allem als Sprachrohr fĂŒr jene, die man â unter dem Vorwand alternativloser SachzwĂ€nge â entmenschlicht, entwĂŒrdigt, ausgrenzt, abhĂ€ngt und verarmt. Als Plattform fĂŒr eben ihre Utopien. Einer besseren, menschlichen und gerechteren Welt. Eine starke, unzensierbare Stimme der Zivilgesellschaft.
Rubikon wird die wahren HintergrĂŒnde politischer Entwicklungen aufdecken. Analysen, EnthĂŒllungen und Hintergrundrecherchen veröffentlichen. LĂŒgen und Korruption entlarven. Der allgemeinen Reiz- und InformationsĂŒberflutung mit Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche begegnen. Das weltweite Geschehen ĂŒberschaubar abbilden. Und BrĂŒcken bauen: Zwischen TĂ€tern und Opfern, Freunden und Feinden, âlinksâ und ârechtsâ, Wissenschaft und SpiritualitĂ€t. Denn die neue, bessere Welt, die wir alle uns wĂŒnschen, entsteht nur jenseits von Krieg, Kampf, Trauma und Schuld. Entsteht in Verbundenheit, Kooperation, Hingabe und Verantwortung.
Versiert recherchiert und ohne ideologische oder parteipolitische Scheuklappen, frei von Zensur und Einflussnahme Dritter werden wir das aktuelle politische Geschehen im deutschsprachigen Raum, in Europa und der Welt abbilden, und so unseren Leserinnen und Lesern ermöglichen, sich ihre eigene, wirklich unabhĂ€ngige Meinung zu bilden. Das machen wir mit den besten freien Journalisten weltweit. Auf frei zugĂ€nglicher Basis. Ohne Werbung, Bezahlschranken und Abo-Modelle. Sowie regelmĂ€Ăig mit gesellschaftspolitischen BeitrĂ€gen hochkarĂ€tiger Fachpersonen garniert.
Dabei sind wir einzig der Wahrheit verpflichtet und verstehen uns nicht als Konfliktpartei, wollen keinen Druck oder Gegendruck erzeugen, Lager bilden oder andere von unserer Weltsicht ĂŒberzeugen, sondern einzig und allein ausgewogen und fundiert berichten. Informieren statt bevormunden. ErmĂ€chtigen statt belehren. UnterstĂŒtzen statt vereinnahmen.
Nach nunmehr fast zwei Jahren der Vorbereitung mit sicherer Infrastruktur aus der Schweiz und also einem Land, in dem die Pressefreiheit noch etwas zĂ€hlt. Mit regelmĂ€Ăigen BeitrĂ€gen gewichtiger Stimmen aus Wissenschaft und Gesellschaft wie Dr. Wolfgang Wodarg, Prof. Michael Meyen, Marcus Klöckner, Michael Ballweg, Ivan Rodionov, Jens Lehrich und vielen anderen mehr.
Als Chefredakteur konnten wir mit Dr. Philipp Gut einen der renommiertesten Journalisten der Schweiz gewinnen, der bis Dezember 2019 Inlandchef und stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche war.
Um unsere Utopie real werden zu lassen, haben wir soeben unter www.rubikon.news unser Crowdfunding gestartet. Denn fĂŒr unseren Neustart benötigen wir Zuwendungen ĂŒber die bereits von mir in GrĂŒndung und Vorbereitungen investierten gut 100.000 Schweizer Franken hinaus. Ăber jene Mittel also hinaus, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, mir dankenswerterweise einst spendeten, als ich vor knapp drei Jahren fĂŒr die Idee eines neuen, mutigen Rubikon jenseits europĂ€ischer Zensurbestrebungen, jenseits also von Internetsperren, -kontrollen und so vielem mehr warb.
Konkret benötigen wir heute 140.000 Schweizer Franken fĂŒr den Start. 60.000 hiervon fĂŒr die Entwicklung unserer Webseite und 80.000 fĂŒr unseren operativen Betrieb, also fĂŒr die Administration, Redaktion sowie die Honorare freier Mitarbeiter fĂŒr die ersten Monate, um auch fĂŒr diese Verbindlichkeit zu schaffen.
Meine Bitte heute an Sie lautet: Bitte unterstĂŒtzen Sie nach KrĂ€ften den Neustart unseres Magazins, verbreiten Sie unseren Aufruf und weisen gern auch publizistisch auf unsere Spendenaktion hin.
Mit Dank und herzlichen GrĂŒĂen fĂŒr ein glĂŒckliches, gesundes, friedliches Jahr 2025:
Ihr
Jens Wernicke
Feed Titel: Vera Lengsfeld