Neutralitätsinitiative: Podiumsdiskussion mit Rimoldi abgesagt
Am 27. August wollte die Präsidentin der GLP Zollikon, Nicole Waechter, in ihrer Gemeinde eine Podiumsdiskussion über die Neutralitätsinitiative veranstalten. Doch dazu wird es voraussichtlich nicht kommen. Der Grund: Heftige Kritik, auch parteiintern, an der vorgesehenen Teilnahme des Präsidenten der Bewegung Mass-Voll, Nicolas Rimoldi.
Wie der Tages-Anzeiger berichtet, beabsichtigte Waechter nach eigenen Angaben, verschiedene Generationen und gegensätzliche politische Bewegungen zusammenzubringen. Besprochen werden sollten mögliche Maßnahmen angesichts des Ukraine-Krieges.
Neben Rimoldi hätten unter anderem auch Werner Gartenmann, Geschäftsführer von Pro Schweiz, Julius Felix von der Operation Libero sowie der Politologe Wolf Linder teilnehmen sollen.
Dem Tages-Anzeiger zufolge schrieb ein langjähriges GLP-Mitglied der Redaktion und beanstandete die Teilnahme eines Vertreters «einer Bewegung aus dem rechtsextremen Spektrum». Er habe klargestellt, dass dies der GLP schade und die Glaubwürdigkeit der Partei untergrabe – so wie es die Schüsse von Sanja Ameti auf ein Abbild der Muttergottes mit Kind getan hätten.
Waechter habe der Zeitung zudem mitgeteilt, dass mehrere GLP-Mitglieder gegenüber der Mutterpartei in Bern mit einem Austritt gedroht hätten. Und sie habe sogar persönliche Drohungen erhalten. Zudem hätten einige «Parteien und Organisationen» angekündigt, bei der Veranstaltung präsent sein zu wollen.
Die 30-Jährige könne diese Reaktionen nicht verstehen. Sie befürworte auch nicht immer Rimoldis Aussagen und Verhalten, doch er und Mass-Voll seien aus der Schweizer Politikszene nicht mehr wegzudenken. So hätten sie «erfolgreiche, friedliche Demonstrationen mit vielen Teilnehmenden» organisiert und seien «fleißig und engagiert bei ihrem Kampf gegen Corona-Maßnahmen oder gegen die EU».
Als gebürtige Russin stellte Waechter auch fest, dass Rimoldi für viele sofort als der «Böse» gilt, ähnlich wie Russland, wenn es um das Thema Neutralität geht. Es werde nichts mehr hinterfragt.
Neben der Einladung von Rimoldi stieß laut dem Tages-Anzeiger auch Waechters Positionierung auf Kritik. So habe sie sich in den sozialen Medien Anfang August klar für ein Ja zur Neutralitätsinitiative ausgesprochen, was ihre Teilnahme an der geplanten Podiumsdiskussion als neutrale Moderatorin beeinträchtigt hätte. Auch widerspreche ihre Ansicht der Haltung ihrer Partei, hätten Kritiker in den sozialen Netzwerken beanstandet.
Die Absage kam gemäß der Zeitung schließlich, nachdem die Operation Libero ihre Teilnahme an der Veranstaltung zurückzog und sowohl die GLP Kanton Zürich wie auch die GLP Schweiz ersuchten, den Anlass abzusagen.
Die 30-Jährige widerspricht dem Tages-Anzeiger zufolge dem Vorwurf, die Veranstaltung eigenmächtig organisiert zu haben. Rund zehn Vorstands- und andere Mitglieder der GLP Zollikon hätten darüber Bescheid gewusst. «Der Flyer mit der Einladung wurde am 17. Juli an alle Mitglieder verschickt. Daraufhin gab es keinerlei Reaktionen oder Rückmeldungen an mich», erklärte sie.
Nach zugenommener Kritik habe sich Waechter bei den Mitgliedern mehrmals schriftlich erkundigt, ob die Veranstaltung wirklich durchgeführt werden soll. Bis letzte Woche seien jeweils alle damit einverstanden gewesen. Zur offiziellen Absage habe sie sich dann «schweren Herzens» am Freitag entschieden.
Waechter zeigte sich weiterhin fest überzeugt, dass man sich mit allen politischen Lagern auseinandersetzen muss – trotz des «entstandenen Dramas». Nicolas Rimoldi kommentierte die Absage auf Facebook in zwei Posts folgendermaßen:
«Entsetzlich! Nicole Wächter, GLP Zollikon, wird von Linksextremisten bedroht, weil sie sich nicht den Mund verbieten lässt.»
«Frauenfeindliche Operation Libero, Antifa und GLP wollen starke Frauen wie Nicole Waechter mundtot machen! Sie hassen Grundrechte. Sie hassen Redefreiheit. Keinen Millimeter diesen Extremisten.»
Auch Waechter zeigte schließlich ihre Empörung über die Reaktionen. In einem emotionalen Instragram-Video unter dem Titel «Zirkus für Hobbylose» sprach sie sich unter anderem gegen den Krieg in der Ukraine aus und fragte:
«Häts euch eigentlich allne is Hirni gschisse?»
Laut dem Tages-Anzeiger räumte sie allerdings ein, es mit diesem Podium «etwas vermasselt» zu haben. Dies, weil sie sich im Vorfeld der Veranstaltung für die Initiative positioniert hat und somit «nicht mehr als neutrale Moderation angesehen» wurde. Die Neutralitätsinitiative sei ihr halt sehr wichtig, deshalb habe sie das getan.