Betrugsvorwürfe gegen Gates-Tochter
Im April 2025 brachten Bill Gates' Tochter Phoebe Gates und Sophia Kianni die KI-gestützte Shopping-Erweiterung Phia auf den Markt. Dabei handelt es sich um einen digitalen Einkaufsassistenten, der dabei hilft, Schnäppchen zu finden und Preise zu vergleichen. Die App war darauf ausgelegt, durch Affiliate-Provisionen Einnahmen zu erzielen, wenn Nutzer auf die darin enthaltenen Shopping-Links klickten.
Interne Mitteilungen und eine Untersuchung von Bloomberg deckten jedoch auf, dass die Erweiterung heimlich «Cookie-Stuffing» betrieb. Das bedeutet, dass Tracking-Cookies automatisch in die Browser der Nutzer eingefügt wurden, ohne deren Zustimmung, um sich unrechtmäßig Verkaufszahlen bei großen Einzelhändlern wie Nike, Gap und Nordstrom anzurechnen und somit Provisionen zu erhalten.
Bloomberg zufolge hat das Unternehmen am 8. Juli erklärt, das «Problem» erst 24 Stunden zuvor entdeckt zu haben. Aus internen Mitteilungen und Insider-Aussagen gehe jedoch hervor, dass Gates und Kianni ab Dezember Kenntnis der Funktion hatten.
Während diese Praxis die täglichen Einnahmen von Phia kurzzeitig auf 80.000 US-Dollar steigen ließ, führte die Deaktivierung der Funktion im Juli laut der Presseagentur zu einem drastischen Einbruch der Einnahmen.
Wie die New York Post erklärt, gilt Cookie Stuffing in den USA unter bestimmten Umständen als Betrug, auf den eine Freiheitsstrafe von maximal 20 Jahren sowie mögliche Geldstrafen steht.
Star Kashman, Gründungspartnerin der Anwaltskanzlei Cyber Law Firm, halte es allerdings für unwahrscheinlich, dass Gates als Ersttäterin die Maximalstrafe erhält. Die Staatsanwaltschaft müsse zudem zunächst nachweisen, dass sie wissentlich an einem Betrugsvorhaben beteiligt war. Phia habe Aspekte der Ergebnisse von Bloomberg bestritten und sei bislang nicht wegen einer Straftat angeklagt worden.
Gates und ihrem Start-up würden jedoch unmittelbar Zivilklagen, Forderungen nach Rückzahlung zu Unrecht gutgeschriebener Provisionen sowie Kontosperren durch Affiliate-Netzwerke drohen.
Nike, Gap und Nordstrom reagierten nicht auf Anfragen von Bloomberg nach einer Stellungnahme.