Globalbridge: Russische Historikerin Natalja Tanschina: âRussophobie ist eine Form des Rassismusâ
Kaum beachtet von der Weltöffentlichkeit, bahnt sich der erste internationale Strafprozess gegen die Verantwortlichen und Strippenzieher der CoronaâP(l)andemie an. Denn beim Internationalem Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wurde im Namen des britischen Volkes eine Klage wegen âVerbrechen gegen die Menschlichkeitâ gegen hochrangige und namhafte Eliten eingebracht. Corona-Impfung: Anklage vor Internationalem Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit! â UPDATE
Feed Titel: Transition News
Bei TN haben wir bereits detailliert ĂŒber explosive Aussagen berichtet, die den ehemaligen US-PrĂ€sidenten Bill Clinton direkt mit Jeffrey Epsteins berĂŒchtigtem Jet in Verbindung bringen. In einem Interview mit Piers Morgan Uncensored im Juni 2024 zum Beispiel erklĂ€rte Schauspieler Kevin Spacey, er sei 2002 gemeinsam mit Clinton auf einer humanitĂ€ren Afrikareise mit Epsteins Maschine geflogen â und es seien «junge MĂ€dchen an Bord» gewesen.
Clinton soll zwischen 2001 und 2003 insgesamt 26 Mal mit dem sogenannten «Lolita Express» unterwegs gewesen sein, darunter elf FlĂŒge innerhalb weniger Tage durch Afrika.
Noch brisanter sind die EnthĂŒllungen eines ehemaligen Ermittlers des US-Justizministeriums. Glenn Prager, der mehr als 20 Jahre im Ministerium tĂ€tig gewesen war und Opfer befragt hatte, erklĂ€rte in einem Undercover-Interview:
«Vergewaltigungen fanden statt, wĂ€hrend Clinton in Epsteins Flugzeug saĂ.»
Er bezeichnete Epstein zudem als «CIA-Agenten», der sowohl fĂŒr die USA als auch fĂŒr Israel gearbeitet habe. Opfer seien mit Zahlungen zwischen 150.000 und 500.000 Dollar zum Schweigen gebracht worden. Das US-Justizministerium wies die VorwĂŒrfe als «unwahr» zurĂŒck.
Nun liefert ein exklusiver Bericht der New York Post weitere erschĂŒtternde Einblicke in genau jenes Flugzeug, das im Zentrum dieser VorwĂŒrfe steht. Die einst luxuriöse Boeing 727 mit dem Kennzeichen N909JE â bekannt als «Lolita Express» â liegt seit fast zehn Jahren als verrottendes Wrack auf einem Flugzeugfriedhof in Brunswick, Georgia.
Auf einem FreigelĂ€nde der Stambaugh Aviation, einem der gröĂten unabhĂ€ngigen Anbieter von Wartungs-, Reparatur-, Modifikations- und Ăberholungsdienstleistungen sowie Flugzeuglagerung fĂŒr Verkehrsflugzeuge in den Vereinigten Staaten, rostet der Jet vor sich hin, eingekeilt zwischen Maschinen von John Travolta und dem in Ungnade gefallenen Mode-Mogul Peter Nygard. Die weiĂe AuĂenhaut ist von dunklen Korrosionsstreifen ĂŒberzogen, im Inneren wuchern Schimmel und Insekten, und ein muffiger Gestank durchzieht die Kabine. Die drei Triebwerke fehlen, Strom gibt es keinen mehr. Besitzer Scott Stambaugh sagt klar:
«Er befindet sich in einem erheblich degradierten Zustand. Er steht dort seit 10 Jahren, er hat keine Motoren (âŠ) Jedes Flugzeug in diesem degradierten Zustand wĂŒrde nie wieder fliegen.»
Eine Reparatur wĂ€re «monumental» teuer. Das Flugzeug, das Epstein 2001 ĂŒber seine Firma JEGE Inc. erwarb und fast 20 Jahre lang nutzte, diente nachweislich dem Transport junger Opfer um die ganze Welt. Virginia Giuffre, eine der bekanntesten KlĂ€gerinnen, die im April 2025 verstarb, berichtete, sie sei an Bord vergewaltigt worden (siehe auch den TN-Artikel «Das PĂ€dophilie-Problem der Windsors: Nicht nur Andrew, sondern der ganze Thron ist verseucht», in dem es heiĂt, dass Giuffre von Prinz Andrew, der seit kurzem Andrew Albert Christian Edward Mountbatten-Windsor heiĂt und jetzt sogar verhaftet worden ist, missbraucht wurde).
Giuffre steht damit nicht allein da. So beklagte die Epstein-Ăberlebende Liz Stein, sie sei ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren sexuell missbraucht, vergewaltigt und in einem Sexhandelsnetzwerk von Jeffrey Epstein und seiner «rechten Hand» Ghislaine Maxwell gefangen gehalten worden.
Was den «Lolita-Express» angeht, so finden sich, wie die Post weiter berichtet, im Inneren bis heute makabre Spuren: ein Kingsize-Bett mit weiĂer Bettdecke, darĂŒber drei Notfall-Sauerstoffmasken, gepolsterte Böden in der Kabine â ideal fĂŒr Sex wĂ€hrend des Flugs, wie Zeugen beschrieben. Drei Sitzbereiche mit rotem Samt, halbmondförmige Sofas, SpiegelwĂ€nde, eine KĂŒche mit noch gestapelten schwarzen Servietten und eine Nasszelle, in der neben Schimmel und alten ZahnbĂŒrsten Johnson's Baby-Lotion und Babypuder stehen â stumme Zeugen der mutmaĂlichen Missbrauchsfahrten.

Zu diesem Foto schreibt die New York Post: «Beunruhigenderweise entdeckte die Washington Post Babylotion und Babypuder der Marke Johnson's in BadezimmerschrĂ€nken an Bord des ehemaligen âčLolita Expressâș»; Quelle: Christopher Oquendo/New York Post
Dazu veröffentlicht die New York Post auch Fotos, auf denen zu sehen ist, wie Bill Clinton an Bord des «Lolita-Express» eine (unkenntlich gemachte) junge Lady umarmt:

Der ehemalige US-PrÀsident Bill Clinton an Bord des Lolita Express mit einer jungen Lady in seinem Arm; Quelle: Christopher Oquendo/New York Post
Servietten und HandtĂŒcher tragen das Kennzeichen des Jets («N909JE»), ein zerlegtes Satellitentelefon lag versteckt im Nachttisch. Epstein verkaufte die Maschine erst im Dezember 2018 â wenige Monate vor seiner Verhaftung â still und heimlich weiter. Seit Juli 2016 steht sie nun in Georgia.
ZunĂ€chst sollte sie verschrottet werden, doch die PlĂ€ne Ă€nderten sich. Stambaugh blickt dem endgĂŒltigen Ende gelassen entgegen: «Irgendwann wird sie verschrottet.» Der verrottende Rumpf des «Lolita Express» ist damit nicht nur ein trauriges Relikt aus Epsteins Ăra, sondern ein greifbares Symbol fĂŒr all die offenen Fragen, die bis heute nicht beantwortet sind â ĂŒber die FlĂŒge mit Clinton, die Aussagen von Spacey und Prager und die dunkle Vergangenheit eines der berĂŒchtigtsten Privatjets der Welt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit seiner Forderung nach Klarnamen im Netz eine hitzige Debatte ausgelöst. Am politischen Aschermittwoch in Trier erklÀrte er am 18. Februar 2026:
«Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer da sich zu Wort meldet (sic).»
Die Aussage, die tags darauf von der Tagesschau aufgegriffen wurde, trifft auf massive Kritik â auch aus liberal-konservativen Kreisen. In einem scharfen Kommentar bezeichnet die Neue ZĂŒrcher Zeitung (NZZ) die Forderung als «fatales Signal». Autor Sebastian Lange ist der Auffassung, Merz' Gleichsetzung von Regierenden und Regierten zeuge von «Chuzpe», also Unverfrorenheit.
Denn wĂ€hrend Politiker mit ihrem Namen in der Ăffentlichkeit stĂŒnden, hĂ€tten Kritiker bei einer Klarnamenpflicht Repressalien zu befĂŒrchten. «Die AnonymitĂ€t im Netz dient ja gerade dazu, angstfrei am öffentlichen Diskurs teilhaben zu können», betont Lange und verweist auf Whistleblower, iranische Regimekritiker oder andere, die ohne AnonymitĂ€t ihre Familie oder ihren Job riskieren wĂŒrden. Eine solche Pflicht sei nicht nur rechtlich fragwĂŒrdig, sondern auch politisch unklug â das Bundesverfassungsgericht habe bereits 1983 im VolkszĂ€hlungsurteil vor einem Klima der permanenten Ăberwachung gewarnt.
Besonders deutlich positioniert sich auch der Jurist und Verfassungsrechtler Martin Schwab. In einem Telegram-Beitrag vom 20. Februar 2026 gesteht er zunĂ€chst ein, frĂŒher einer Klarnamenpflicht durchaus etwas abgewonnen haben zu können:
«Die fortschreitende Verrohung des Diskurses fĂŒhrte ich auch darauf zurĂŒck, dass jeder die Chance hat, unter dem Schleier der AnonymitĂ€t ĂŒbelste Entgleisungen zu verbreiten.»
Heute sehe er das jedoch «völlig anders». Schwab lehnt die Pflicht «entschieden ab» â und begrĂŒndet dies mit einer schonungslosen Analyse des aktuellen Zustands der Meinungsfreiheit in Deutschland. Der 58-JĂ€hrige:
«Eine solche Pflicht könnte man ĂŒberhaupt nur dann in Betracht ziehen, wenn man sich darauf verlassen könnte, dass die Akteure staatlicher Gewalt die Meinungsfreiheit so, wie sie durch das Grundgesetz und die darauf aufbauende jahrzehntelange Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts konfiguriert wurde, verlĂ€sslich akzeptieren. Eben dies ist indes gegenwĂ€rtig nicht der Fall.»
Er listet dabei eine ganze Reihe staatlicher Eingriffe auf: Strafverfahren und Hausdurchsuchungen wegen angeblicher Beleidigung von Politikern, geheimdienstliche Beobachtung legitimer Regierungskritik durch den Verfassungsschutz unter dem Vorwand der «Delegitimierung des Staates», Denunziationsstellen, staatlicher Druck auf Social-Media-Plattformen und sogar die «Ăchtung» von Personen auf Russland-Sanktionslisten (wie dem in BrĂŒssel lebenden und seit Dezember von der EU sanktionierten Schweizer Oberst a.D. Jacques Baud).
Besonders kritisiert er das «zweierlei MaĂ»: WĂ€hrend RegierungsbefĂŒrworter selbst NS-Vergleiche und -Symbole ungestraft verwenden dĂŒrften, werde Kritik â selbst satirische â gnadenlos verfolgt. Schwab warnt eindringlich vor den praktischen Folgen:
«AuĂerdem fragt sich, wer die Klarnamen-Pflicht ĂŒberprĂŒfen soll und mit welchen Mitteln. Die Sorge liegt auf der Hand, dass der Zugang zum öffentlichen Diskurs im Internet eines Tages nur noch durch eine verpflichtende digitale IdentitĂ€t erschlossen werden kann.»
Eine solche IdentitĂ€t wĂŒrde dem Staat «weitreichende Möglichkeiten der Ăberwachung des menschlichen Individuums auch abseits des Aktionsfeldes öffentlicher Meinungskundgabe» eröffnen. Wer in einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie leben wolle, mĂŒsse sich dem «Eintritt in einen digitalen Ăberwachungsstaat» entgegenstellen. Schwab:
«Alles spricht klar gegen eine Klarnamen-Pflicht im Internet. Es muss vielmehr möglich und zulÀssig bleiben, weiterhin die eigene Meinung zu veröffentlichen, sich dann aber solchen offensichtlich demokratiefeindlichen Repressalien durch AnonymitÀt zu entziehen.»
Die Debatte zeigt: Was als vermeintliches Mittel gegen «Hass und Hetze» verkauft wird, wird von Kritikern wie Lange und Schwab als gefĂ€hrlicher Angriff auf die Meinungsfreiheit gesehen â in einer Zeit, in der diese Freiheit ohnehin unter Druck steht. Ob die Forderung Merz' tatsĂ€chlich in Gesetzesform gegossen wird, bleibt abzuwarten. Die Warnungen der beiden Autoren machen jedoch eines deutlich: Eine Klarnamenpflicht wĂ€re nicht der Schutzschild der Demokratie, sondern ihr potenzielles Ende.
Transition News: Herr Professor Buchner, Sie sind nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker. Können Sie bitte kurz etwas zu Ihrer Person und zu Ihrem Werdegang sagen?
Klaus Buchner: Ich habe von klein an gewusst, dass ich Physik studieren will und bin nach wie vor begeistert davon. Allerdings ursprĂŒnglich mit Betonung auf mathematische Physik. Ich bin als Physiker gebeten worden, Ausbreitungsrechnungen fĂŒr eine Chemiefirma zu machen, und wir hatten bei den Anwohnern sichtbare SchĂ€den festgestellt.
So bin ich mit meinen Physikkenntnissen zur Politik gekommen, und ich habe so gut es ging BĂŒrgerinitiativen geholfen. Im Jahr 1998 bin ich auf Mobilfunk angesprochen worden, und seither lĂ€sst mich dieses Thema nicht mehr los.
Ich sollte vielleicht noch erwĂ€hnen, dass ich politisch aktiv bin und zwar in der ĂDP, der Ăkologisch Demokratischen Partei. Weil das die einzige Partei war, die sich damals um diese Probleme gekĂŒmmert hat, und das ist bis heute so. Von 2003 bis 2010 war ich Bundesvorsitzender der ĂDP und von 2014 bis 2020 fĂŒr die ĂDP im EU-Parlament.
Sie beschĂ€ftigen sich also seit fast 30 Jahren mit dem Thema Mobilfunk. Manche meinen, Funkstrahlung gebe es doch schon so lange, fĂŒr Radio und Fernsehen zum Beispiel, deswegen mĂŒsse doch auch Mobilfunk ungefĂ€hrlich sein?
Funkstrahlung ist nicht gleich Funkstrahlung. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts durchgefĂŒhrt. Und eine Arbeit, auf die man sich heute noch gut beziehen kann, stammt von Erwin Schliephake aus dem Jahr 1932. Dort sind praktisch alle SchĂ€den, die wir heute beobachten, beschrieben. Das ist alles nichts Neues, sondern war von Anfang an bekannt. Schliephake hatte logischerweise noch keinen Mobilfunk, es ging damals um Kurzwellentherapie.
Bedeutet das, dass Funkstrahlung fĂŒr Radio und Fernsehen auch nicht ganz ungefĂ€hrlich ist und die Gefahren nur missachtet wurden?
Sie ist deswegen relativ ungefĂ€hrlich, weil die FeldstĂ€rken, die bei uns von den Sendern ankommen, in den meisten FĂ€llen minimal sind. Leider muss ich sagen: «in den meisten FĂ€llen». Es gibt in der NĂ€he von groĂen Sendern zum Beispiel HĂ€ufungen von LeukĂ€miefĂ€llen. Es gab Probleme mit Fernsehsendern, die eine Zeitlang mitten in Dörfern und StĂ€dten aufgebaut wurden. Diese Zeiten sind zum GlĂŒck vorbei.
Heute sind in den allermeisten FÀllen die FeldstÀrken von Rundfunk und Fernsehen gering, sodass man sie nicht besonders beachten muss. Aber wie gesagt, es gibt Ausnahmen.
Und warum sind Mobilfunkbasisstationen und die Strahlung, die davon ausgeht, fĂŒr Menschen sehr wohl bedenklich?
Das liegt an der StĂ€rke der Strahlung. Die Strahlung von Mobilfunkbasisstationen, aber auch zu Hause zum Beispiel von WLAN-Modems oder Schnurlostelefonen, ist um ein Vielfaches stĂ€rker. Vielfaches heiĂt tausend-, zehntausendmal und noch mehr. Und dann wird es natĂŒrlich gefĂ€hrlich.
Ăbrigens, die ersten Beobachtungen wurden in der US-amerikanischen Botschaft in Moskau gemacht. Von Anfang der 1950er Jahren bis Mitte der 1970er Jahre wurde die Botschaft mit FeldstĂ€rken bestrahlt, die heute im Bereich dessen liegen, was wir beim Mobilfunk haben. Die Folgen der Bestrahlung damals waren fĂŒrchterlich. Das ist sogar offiziell anerkannt worden.
Um wie viel höher ist die Strahlung fĂŒr Mobilfunk im Vergleich zu Radio und Fernsehen?
Bei Radio und Fernsehen reicht etwa ein Mikrowatt pro Quadratmeter. Bei Mobilfunk wĂŒrde das zum Telefonieren auch völlig genĂŒgen. Aber aktuell mit 5G wird versucht, mit besonders hohen FeldstĂ€rken zu senden, um die Zeiten fĂŒr das Herunterladen von Videos zum Beispiel zu verkĂŒrzen.
Ich habe selber in MĂŒnchen im Untergeschoss des Marienplatzes 800.000 Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen. Wie gesagt, weit weniger als ein Mikrowatt, also ein Bruchteil davon, reicht fĂŒr die SprachverstĂ€ndigung aus, aber nicht fĂŒr schnelles Downloaden von Filmen.
Die offiziellen Grenzwerte liegen etwa bei zehn Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter.
Welche Frequenzen werden fĂŒr Mobilfunk verwendet?
Die niedrigsten Frequenzen, die verwendet werden, sind 700 MHz, also 700 Millionen Schwingungen pro Sekunde. Und es geht heute hinauf bis 3600, 3700 MHz, also 3,6 Milliarden Schwingungen pro Sekunde. Das nĂ€chste Band soll fĂŒr 26 Gigahertz, also 26 Milliarden Schwingungen pro Sekunde, freigegeben werden. In den USA wird das schon probeweise eingesetzt.
«Pulsung» und «Millimeterwellen» sind zwei weitere Begriffe, die im Zusammenhang mit Mobilfunk genannt werden. Könnten Sie die bitte noch erklÀren?
Ab 30 Milliarden Schwingungen in der Sekunde sprechen wir von «Millimeterwellen». Unsere Behörden vertreten die Ansicht, dass diese sehr kurzen elektromagnetischen Wellen völlig harmlos seien, weil sie nicht in das Gewebe eindringen und die Strahlung an der OberflĂ€che der Haut absorbiert wĂŒrde.
Erstens ist das Argument in sich unsinnig: Wenn die ganze Leistung in einer sehr dĂŒnnen Schicht absorbiert wird, dann erhitzt sich diese natĂŒrlich, und das kann durchaus biologische Probleme bringen. Zweitens vergessen diese Leute, dass Sommerfeld und Brillouin schon vor gut 100 Jahren in MĂŒnchen entdeckt haben, dass bei kurzen Pulsen die Strahlung sehr viel tiefer ins Gewebe eindringt. FĂŒr die Physiker: Das hĂ€ngt damit zusammen, dass die Absorption der Strahlung mit dem Einschwingen des Materials zu tun hat und diese EinschwingvorgĂ€nge brauchen eine gewisse Zeit. Pulse, die kĂŒrzer sind, erlauben eben dieses Einschwingen nicht, werden daher nicht absorbiert und dringen sehr tief ein.
Zur Pulsung: Die deutschen Grenzwerte beziehen sich auf Durchschnittswerte. Biologisch wirken aber die Spitzenwerte. Das heiĂt also, hier können Grenzwerte mit den Spitzen problemlos ĂŒberschritten werden. Warum biologisch die Spitzenwerte relevant sind, können wir uns folgendermaĂen plausibel machen: Was ist Ihnen lieber? Wenn Ihr Partner beziehungsweise Ihre Partnerin Sie eine Viertelstunde lang lieb streichelt oder wenn Sie zwei krĂ€ftige Ohrfeigen bekommen? Der Durchschnittswert des Drucks auf die Haut ist derselbe, aber der biologische Effekt ist doch sehr unterschiedlich. Und so reagieren auch unsere Zellen.
Und wozu dient die Pulsung?
UrsprĂŒnglich, bei den alten Standards, waren das Zeitschlitze, in denen ein Handy senden konnte. Das heiĂt, eine Ăbertragungsfrequenz konnte mehr Information ĂŒbermitteln, als man fĂŒr ein GesprĂ€ch gebraucht hat. Und weil die zugeteilten Frequenzen viel Geld kosten, wurden einfach Zeitschlitze gebildet â damals 217 in einer Sekunde und die wurden in acht Teile aufgeteilt. Einer von diesen acht Teilen diente der Steuerung des ganzen Systems, die anderen konnten von sieben unterschiedlichen Telefonen fĂŒr GesprĂ€che genutzt werden. Da ging es um reine Ăkonomie, Sparsamkeit von Frequenzen.
Beim modernen Mobilfunk wird mit Kombinationen aus verschiedenen Modulationen gearbeitet. Dabei spielen Pulse eine Rolle, aber auch Frequenzverschiebungen, Phasenverschiebungen und vieles mehr.
Bevor wir zum Thema 5G kommen: Sie haben auch schon zu Zeiten von 3G und 4G an Studien mitgewirkt. Könnten Sie darauf kurz eingehen?
Bei der ersten Studie ging es um Neurotransmitter, unter anderem Adrenalin, Noradrenalin und Phenylethylamin â ĂŒber diesen Stoff wird selten gesprochen, obwohl er fĂŒr das Verhalten von Kindern sehr wichtig ist. Aber er kann nicht medikamentös gegeben werden. Der Ersatzstoff ist Ritalin. Es ist allgemein bekannt, was passiert, wenn es an Phenylethylamin mangelt.
Wir Menschen reagieren also auch psychisch auf die Strahlung. Denn das Ergebnis war, dass nur bei sehr schwacher Strahlung, wie sie heute kaum noch irgendwo zu finden ist, die Neurotransmitter-Werte normal geblieben sind. Und bei stÀrkerer Strahlung sind diese Werte rapide gesunken.
Solche Versuche können heute gar nicht mehr durchgefĂŒhrt werden, weil es keine Menschen gibt, die noch so einer schwachen Strahlung ausgesetzt sind. Wird heute ein neuer Sender installiert, dann lagen die FeldstĂ€rken bereits vorher viel höher. Es gibt also keine Kontrollgruppe mehr.
Bei meiner zweiten Studie ging es um ErbschĂ€den und Fruchtbarkeitsstörungen in einem Schweinezuchtbetrieb. Fruchtbarkeitsstörungen durch Funk sind allgemein im Tierreich bekannt und sind ĂŒbrigens auch bei Menschen ganz klar zu beobachten. Eine der bestnachgewiesenen SchĂ€den bei Menschen sind SpermienschĂ€den und Hormonprobleme.
Mich persönlich haben die Missbildungen interessiert. Bezogen auf etwa 8.000 Tiere hatten 0,9 Prozent der Ferkel Missbildungen, bei einer Bestrahlung, die weit unter dem lag, was heute allgemein ĂŒblich ist. Wir setzen diese Untersuchung jetzt mit anderen Rassen und anderen VerhĂ€ltnissen fort.
Rund ein Prozent der Tiere hatten Missbildungen. Wo liegt der Normalwert?
In der NÀhe von null. Die Zahlen sind vernachlÀssigbar.
Und zu diesen Missbildungen bei Ferkeln ist es schon vor 5G gekommen?
Das war vor 5G, bei einer relativ schwachen Strahlung. Wir konnten das sowohl statistisch als auch biologisch sehr gut dokumentieren. Wir haben nur die Ă€uĂerlich sichtbaren Missbildungen gezĂ€hlt. Denn die Missbildungen der inneren Organe gehen als Totgeburt oder Tod nach der Geburt in die Statistik ein. Die sichtbaren SchĂ€den erinnern sehr an «Contergan». Und die Wirkung ist durchaus vergleichbar.
Als Wissenschaftler interessiert mich natĂŒrlich, ob das SchĂ€den sind, die an die nĂ€chsten Generationen vererbt werden, oder ob sie wĂ€hrend der TrĂ€chtigkeit der Tiere, bei Menschen wĂ€hrend der Schwangerschaft, bei der Zellteilung entstehen. Und die traurige Antwort ist: Beides spielt eine Rolle.
2021 erschien Ihr Buch «5G Wahn(sinn)», das Sie gemeinsam mit Monika Krout geschrieben haben. Damals ging das mit 5G erst los. Was hat sich inzwischen bei der Strahlung, Stichwort «Beamforming», verÀndert?
Die Strahlung ist sehr viel stĂ€rker geworden. Das ist erschreckend. Meine Messung von 800.000 Mikrowatt in MĂŒnchen ist kein Einzelfall, Kollegen haben Ăhnliches gemessen. Dabei bezieht sich das auf die niedrigen Frequenzen, die rundum strahlen.
Bei den hohen Frequenzen ĂŒber drei Gigahertz, also drei Milliarden Schwingungen pro Sekunde, gibt es «Beamforming», auf Deutsch gesagt, Bleistiftstrahlen. Dabei wird nicht mehr in die ganze Umgebung gesendet, sondern ein relativ dĂŒnner Strahl tastet die ganze Umgebung ab, etwa 50 Mal in der Sekunde. Und wenn er auf ein GerĂ€t trifft, das auf Empfang geschaltet ist, dann merkt er sich das und ĂŒbermittelt die entsprechenden Informationen.
Das heiĂt also, die Zeitdauer, die so ein Strahl auf einem GerĂ€t ist, ist sehr kurz, sie liegt im Bereich von Millisekunden. Aber der Strahl muss natĂŒrlich entsprechend stark sein, damit er in dieser kurzen Zeit die Informationen ĂŒbertragen kann.
Was gibt es denn dagegen einzuwenden?
Denken Sie an den Vergleich mit der Ohrfeige weiter oben. Falls die Strahlung weit ĂŒber zehn Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter geht, wenn auch nur kurz, ist das fĂŒr den Körper, fĂŒr die Zellen sehr schlecht, weil so die physikalischen VerhĂ€ltnisse geĂ€ndert werden.
Es wird ja von den deutschen BundesÀmtern behauptet, eine Mobilfunkstrahlung könne gar nicht gefÀhrlich sein, weil die Energie zu gering sei, um chemische Verbindungen aufzulösen. Wie wenn SchÀden nur durch direktes, unmittelbares Auflösen von chemischen Bindungen entstehen könnten!
In meinem Buch habe ich sieben verschiedene Mechanismen beschrieben. Bei einem geht es darum, dass die Form der komplizierten MolekĂŒle eine biologische Wirkung hat. Und diese Form wird von den Van-der-Waals-KrĂ€ften gehalten. Das sind sehr schwache elektrische Anziehungen zwischen bestimmten Teilen eines MolekĂŒls.
Und diese Bindungsenergie liegt genau im Energiebereich der Mobilfunkstrahlung. Das ist auch experimentell sehr gut nachgewiesen. Denken Sie an die Versuche von Henrik und Jacob Bohr, die festgestellt haben, wie solche MolekĂŒle bei starker Strahlung schwingen, ihre Form verlieren und damit biologisch völlig andere Reaktionen auslösen können. Stichpunkt: KalziumkanĂ€le. Damit kann eine ganze Kette von chemischen Reaktionen ausgelöst werden, ohne dass die Strahlung direkt wirkt. Unsere Behörden halten uns fĂŒr dumm.
Könnten Sie das mit den KalziumkanÀlen nÀher erklÀren?
Eine Zelle hat eine Zellmembran, die sie chemisch und auch elektrisch von der Umgebung trennt. Innerhalb der Zellmembran haben wir ein negatives Potenzial, auĂen ein positives. Und das positive Potenzial auĂen wird durch positiv geladene Teilchen, zum Beispiel Kalzium-Ionen, Kalium-Ionen und andere erzeugt.
Wenn eine Zelle aktiv wird, zum Beispiel wenn sie einen Nervenimpuls weiterleitet oder wenn sich eine Muskelzelle zusammenzieht, dann werden kleine Löcher in der Zellmembran geöffnet, das Kalzium strömt ein und verĂ€ndert nicht nur die elektrischen VerhĂ€ltnisse in der Zelle, sondern auch die chemischen. Und dann passiert die Reaktion, die eben diese Zelle ausfĂŒhren soll, entweder eine Muskelkontraktion oder Weiterleitung von Nervenimpulsen und so weiter.
Dieses Einströmen von Kalzium ist ein wichtiger Effekt, damit Zellen ihre Aufgabe erfĂŒllen können. Und jetzt haben wir festgestellt, dass Funkstrahlung die KalziumkanĂ€le öffnet. Das ist durch sehr viele Experimente nachgewiesen.
Man kann inzwischen sogar auch nachrechnen, wie das passiert. Diese KalziumkanÀle werden durch sehr komplizierte Proteine verschlossen, die vier spiralförmige Teile haben. Und diese spiralförmigen Teile werden, wie oben erwÀhnt, durch Van-der-Waals-KrÀfte zusammengehalten. Die Bindungsenergie liegt dabei genau im Bereich der Mobilfunkstrahlung.
Das bedeutet, unter Einstrahlung lösen sich diese Bindungen, die Proteine verlieren ihre Steifigkeit und können die Löcher nicht mehr verschlieĂen, sondern machen sie fĂŒr Kalzium durchlĂ€ssig. Und dann kontrahiert sich eine Muskelzelle oder eine Nervenzelle leitet einen Impuls weiter.
Das erklÀrt wohl, warum einige Menschen tatsÀchlich Schmerzen empfinden, wenn sie Mobilfunkstrahlung ausgesetzt sind.
Aber der springende Punkt ist, dass biologisch gesehen diese Impulse nur kurze Zeit dauern dĂŒrfen. Ein Muskel, wenn er sich stĂ€ndig zusammenzieht, verkrampft. Dauerhaft einwirkende Mobilfunkstrahlung wirkt sich also nicht nur auf die Chemie der Zelle aus, sondern auch auf ihre biologische Funktion, die nicht auf Dauer ausgelegt ist.
AuĂerdem entstehen besonders aggressive Verbindungen, Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, die unter anderem die Erbsubstanz angreifen. Und so ist chemisch sehr gut nachgewiesen, wie die DNA zerstört wird.
Zu diesen SchÀdigungen kommt es bei allen Menschen, die der Mobilfunkstrahlung ausgesetzt sind?
Die Versuche deuten darauf hin, dass das bei allen so stattfindet, aber die Reaktionen unterschiedlich sind. Wir wissen nicht, muss ich offen zugeben, warum manche Menschen und auch manche Tiere empfindlicher sind als andere.
2024, also nach dem Erscheinen Ihres Buches, wurde «ATHEM 3» veröffentlicht, eine Langzeitstudie in Deutschland, die den oxidativen Stress und die genetische InstabilitÀt bei Anwohnern in der NÀhe von Mobilfunk-Basisstationen bewertet.
Vielleicht kurz die Vorgeschichte: Wir wissen seit langem, dass reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen innerhalb kurzer Zeit DNA-SchÀden verursachen. Es gab dann das sogenannte «Reflex-Projekt», eine von der EU finanzierte internationale Studie, die das ebenfalls bestÀtigt hat.
Das Reflex-Ergebnis ist eine von mehreren Dutzend Studien, die das nachgewiesen haben. Ich erzÀhle das deswegen, weil die an der Studie beteiligten Wissenschaftler vonseiten der Industrie unglaublich verleumdet worden sind. Es wurde behauptet, sie hÀtten geschwindelt und gelogen. Es kam zu Gerichtsprozessen, bei denen der wichtigste Industrievertreter, der diese Verleumdungen verbreitet hat, mehrfach gerichtlich verurteilt wurde.
Jetzt darf Alexander Lerchl, lange Zeit einer der höchstrangigen Berater der Bundesregierung fĂŒr SchĂ€den durch Funk, ganz offiziell «LĂŒgengeschichten-ErzĂ€hler» und «GefĂ€lligkeitsforscher» genannt werden. So viel zum Zustand unserer Demokratie.
Aber jetzt weiter zu ATHEM 3: Ăhnlich wie bei Untersuchungen von RadioaktivitĂ€t wurde eine Gruppe von stĂ€rker durch Mobilfunk bestrahlten Personen mit einer nur schwach bestrahlten verglichen. Dabei wurde viel Sorgfalt darauf verwendet, dass sich die Menschen in beiden Gruppen so wenig wie möglich unterscheiden, auĂer bei der Funkstrahlung an und in ihrer Wohnung. Das Ergebnis war, dass die stĂ€rker bestrahlte Gruppe gravierende ChromosomenschĂ€den hatte. Dabei war die Strahlung nicht einmal besonders stark.
Was bedeutet starke Bestrahlung? Um welche GröĂenordnung geht es dabei?
Es waren 619 Mikrowatt pro Quadratmeter, das war der durchschnittliche Volllastwert.
Die Auswertung der ChromosomenschĂ€den geschah in einem Institut in der Slowakei, dessen Chef bei Tschernobyl von den Sowjets beauftragt worden war, die ErbschĂ€den zu untersuchen. Er hat also groĂe Erfahrung und ist heute international eine wichtige GröĂe. Er hat darauf hingewiesen, dass eine bestimmte Art von ChromosomenschĂ€den, die sogenannten dizentrischen Chromosomen, natĂŒrlich kaum vorkommen. Und deswegen kann an ihrer Anzahl festgestellt werden, welche radioaktive Dosis eine Person abbekommen hat. Es gibt nĂ€mlich einen Zusammenhang zwischen der Anzahl dieser ChromosomenschĂ€den und der radioaktiven Dosis.
Wir haben berechnet, welche radioaktive Dosis die von uns beobachteten ChromosomenschĂ€den verursachen wĂŒrde. Das Ergebnis ist eine Dosis von etwa 70 Millisievert. Ich darf daran erinnern, dass in Deutschland der Grenzwert fĂŒr RadioaktivitĂ€t eben wegen der ChromosomenschĂ€den bei einem Millisievert pro Jahr liegt. Die Bewohner wurden dieser Mobilfunkstrahlung vor der Messung etwa ein Jahr ausgesetzt.
WĂ€ren also die beobachteten ChromosomenschĂ€den durch RadioaktivitĂ€t entstanden, wĂ€ren die Grenzwerte um ein Vielfaches ĂŒberschritten. Aber dieselben ChromosomenschĂ€den durch Mobilfunk sind erlaubt. Die Bundesregierung nimmt also Krebserkrankungen und ErbschĂ€den in den kommenden Generationen bewusst in Kauf.
Wie kann es sein, dass Regierung und Behörden all diese Studien und somit das Vorsorgeprinzip missachten?
Fast wöchentlich kommen neue Studien zu den Gefahren des Mobilfunks heraus. Das ist ein Gebiet, das zurzeit wissenschaftlich sehr gut beackert wird. Wir wussten aber schon von Anfang an, dass ErbschÀden auftreten. Das war um das Jahr 2008 herum schon bekannt. Aber unsere Behörden versuchen, wissenschaftlichen Ergebnisse zu umgehen.
Als der Mobilfunk entwickelt wurde, hat sich eine industriefreundliche Gruppe gebildet, die sich darum gekĂŒmmert hat, dass nicht zu strenge Grenzwerte erlassen werden. Das war zuerst eine Abteilung einer internationalen Strahlenschutzgruppe und spĂ€ter ist daraus die ICNIRP, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung, geworden. Dabei handelt es sich um eine Lobbygruppe der Mobilfunkindustrie.
Ich habe selber zusammen mit einer Kollegin im EU-Parlament eine groĂe Studie veranlasst, die zum damaligen Zeitpunkt fast allen Mitgliedern von ICNIRP direkte Beziehungen zur Industrie nachgewiesen hat. Sie ignorieren einfach wissenschaftliche Ergebnisse, die ihnen nicht passen, und produzieren manchmal selbst «wissenschaftliche» Untersuchungen, die fĂŒr sie ungĂŒnstige Ergebnisse ĂŒbersehen.
Ich darf zum Beispiel an das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm erinnern. Dabei wurden mit Absicht alle Langzeitversuche abgelehnt, weil sehr deutlich herausgekommen wÀre, wo die SchÀden liegen. Und bei kurzfristigen Bestrahlungen können die Versuchsanordnungen immer so gestaltet werden, dass keine SchÀden zu sehen sind. Die Ergebnisse werden einfach manipuliert, das muss ich so sagen.
Der Chef der MĂŒnchner Zweigstelle des Bundesamts fĂŒr Strahlenschutz hat seit langer Zeit gleichzeitig einen sehr hohen Posten bei dieser Lobbygruppe ICNIRP. Und weil es praktisch ist, betreibt ICNIRP sein BĂŒro mietfrei im Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz und wird von der Bundesregierung finanziell unterstĂŒtzt. Diese Verflechtungen der Industrie mit Bundesbehörden sind fĂŒr mich grauenhaft.
Welche Parteien beanstanden diese Verflechtungen oder die Gesundheitsrisiken?
Im EU-Parlament nur die ĂDP. Im Bundestag gibt es nur halbherzige AntrĂ€ge anderer Parteien.
Es sind immer mehr Mobilfunkbasisstationen zu sehen. Wer entscheidet eigentlich, wo und von wem in Deutschland Mobilfunkanlagen aufgestellt werden dĂŒrfen?
Das entscheiden die Mobilfunkbetreiber selbst. Sie stellen einen Antrag bei der Bundesnetzagentur, die sogenannte «SchutzabstĂ€nde» ausrechnet. Aber wie gesagt, der hohe Grenzwert von zehn Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter bietet ĂŒberhaupt keinen Schutz.
Und wer verdient denn damit?
Die Frage ist aktueller als viele Leute denken: Die Gesellschaften stellen ihre Masten auf und verdienen an den TelefongesprÀchen, international geht das in die Billionen.
Aber ich wurde auch von einer BĂŒrgerinitiative um Hilfe gebeten, als ein 40 Meter hoher Mast aufgestellt wurde, der einen Ortsteil mit 120 Bewohnern und ein StĂŒck einer StaatsstraĂe, auf der praktisch niemand fĂ€hrt, versorgt. Die Betreiber haben selbst zugegeben, der Mast lohnt sich finanziell nicht. Die Regierung hat trotzdem groĂen Wert darauf gelegt, dass der Betreiber diesen Mast baut, da das MilitĂ€r 5G nutzt. Ein GroĂteil der Kommunikation im MilitĂ€r lĂ€uft ĂŒber 5G.
Und 5G ist mit dem «Internet der Dinge» eng verknĂŒpft. Das ist zunĂ€chst fĂŒr die Industrie interessant. So eine typische Nachricht, die Sie dann auf Ihr Handy bekommen, könnte lauten: «Sie essen doch freitags gerne Fisch. Heute haben Sie aber keinen Fisch mehr im KĂŒhlschrank. Im Discounter XY gibt es Fisch fĂŒr 5,99 Euro.» Diese Art von Werbung funktioniert heute noch nicht, wird aber aufgebaut. Das ist der harmlosere Teil.
Der kritischere Teil ist natĂŒrlich die Ăberwachung. Die Ăberwachung, die bei der Elektronik im Auto beginnt, ĂŒber Staubsauger, die melden, wann Sie wo was machen, und die bis zum Spielzeug reicht, das auch ein Mikrofon hat. All diese Daten werden zentral gesammelt.
Ich war im EU-Parlament der Berichterstatter fĂŒr die Gesetzgebung zu Exporten von Ăberwachungstechnik in autoritĂ€re LĂ€nder. Ich bin also mit dieser Technik leider vertraut. Und die detaillierte Ăberwachung setzt 5G voraus.
Soweit ich weiĂ, durchdringt die hochfrequente 5G-Strahlung Mauern oder auch Glas nicht so gut. Deswegen muss das Signal stĂ€rker sein. Was wird denn dabei aus der Unverletzlichkeit der Wohnung? Sehen Sie da einen Ansatz, sich zu wehren und zu klagen?
Ganz klar. Dieser Artikel in unserem Grundgesetz wird strikt verletzt.
Es laufen mehrere Prozesse international, einer der wichtigsten derzeit in den USA, wo endlich auch deutsche und österreichische Gutachter zugelassen sind. Es lĂ€uft einer in Flamen, also im flĂ€mischen Teil von BrĂŒssel und im flĂ€mischen Teil von Belgien. Und es sind zwei Prozesse in Deutschland in Vorbereitung, ĂŒber die ich noch nicht so viel erzĂ€hlen will.
Es gibt juristisch gesehen eigentlich völlig klare AnsĂ€tze. Aber bisher war die Meinung der Gerichte, sie seien nur dazu da, zu ĂŒberprĂŒfen, ob die Gesetze eingehalten werden. Und die Gesetze erlauben diese hohe Strahlung â eben auch von auĂen in die Wohnungen hinein. Dass es dabei nachgewiesene GesundheitsschĂ€den und sogar TodesfĂ€lle gibt, das interessiert die Gerichte bisher nicht.
Kennen Sie BĂŒrgerinitiativen, die sich erfolgreich gegen das Aufstellen von Mobilfunkanlagen wehren konnten?
Ja, die gibt es, aber leider nicht wegen erwiesener GesundheitsschÀden, sondern weil der Denkmalschutz oder bauliche Vorschriften missachtet worden sind.
Wie kann denn die Bevölkerung dem Gesetzgeber klarmachen, dass sie vor diesen Belastungen und den Risiken geschĂŒtzt werden muss?
Das Ganze hĂ€ngt ja auch mit dem Marktgeschehen zusammen â die militĂ€rischen Zwecke und die Ăberwachung sind eine andere Sache â, aber finanziert wird das Ganze durch unsere MobilfunkgesprĂ€che und das Downloaden von Dateien. Und darin liegt die Marktmacht der Bevölkerung.
Es gibt technische Alternativen im Nahbereich, also innerhalb von Wohnungen, BĂŒros oder â ganz wichtig â Schulen. Hier kann Lichttechnik verwenden werden, die sogar höhere DatenflĂŒsse erlaubt als Funktechnik und nach heutigem Wissen völlig ungefĂ€hrlich ist.
FĂŒr lange Strecken gibt es Modelle fĂŒr den Aufbau eines Funknetzes, das auf einzelne hohe TĂŒrme verzichtet, die sehr stark strahlen und in der Umgebung natĂŒrlich die entsprechenden SchĂ€den verursachen, und stattdessen sehr viele kleine schwache Sender verwendet. Das wird auch als «St. Gallener Modell» bezeichnet. Dabei wird nur die Leistung abgestrahlt, die auf der StraĂe in nĂ€chster Umgebung gebraucht wird.
Ganz wichtig ist, vom Prinzip der sogenannten Indoor-Versorgung wegzugehen und die Wohnungen nicht mehr von auĂen so stark zu bestrahlen. Niemand braucht in der zweiten Tiefgaragenebene noch guten Empfang, um Filme runterzuladen. Das ist Unsinn.
Wenn wir wirklich aus Sicherheits- oder anderen GrĂŒnden in Tiefgaragen Empfang haben wollen, können wir auf WLAN zurĂŒckgreifen. Es gibt ganz billige kleine WLAN-VerstĂ€rker, GröĂenordnung 100 Euro, die in Tiefgaragen die Funkversorgung gewĂ€hrleisten können.
Es ist ĂŒberhaupt nicht nötig, von auĂen mit solcher Macht loszudonnern, um in die zweite Tiefgaragenebene zu senden. Das Ganze mĂŒsste man verbieten. Und in St. Gallen haben sich kleine schwache Sendeanlagen gut bewĂ€hrt. Wenn wir wollen, dann gibt es also weniger riskante Lösungen.
Hier in Schweden zum Beispiel ist DatenĂŒbertragung ĂŒber Lichtsignale, die sogenannte LI-FI-Technologie, fĂŒr private Haushalte noch nicht verfĂŒgbar. Also zurĂŒck zum Netzwerkkabel?
Ich verwende selber zu Hause wieder LAN. In der Wohnung brauche ich keinen Funk. FĂŒr Laptops, Tablets und Handys gibt es Adapter fĂŒr Netzwerkkabel. Zumindest sollte das WLAN-Modem nachts ausgeschaltet sein. Es gibt auch Schnurlos-Telefone mit «Ăko-Modus», die so eingestellt werden können, dass sie nicht dauernd funken.
Aber zunĂ€chst mĂŒssen wir mehr Menschen klarmachen, dass Mobilfunk negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Ein GroĂteil der Bevölkerung sieht hier noch gar keine Gefahr. Die Falschmeldungen und die Unwahrheiten der Regierungseinrichtungen mĂŒssen richtiggestellt werden. Das hat fĂŒr mich oberste PrioritĂ€t.
Das Interview fĂŒhrte Sophia-Maria Antonulas. Sie ist selbst betroffen.
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