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Radio MĂŒnchen · Argumente gegen die Herrschaft der Angst - Dr. Wolfgang Wodarg im GesprĂ€ch


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Feed Titel: Transition News


Jeffrey Sachs: Deutschland mitverantwortlich fĂŒr Ukraine-Krieg

Am 24. Februar jĂ€hrte sich zum vierten Mal der Einmarsch der russischen Armee mit schĂ€tzungsweise 150.000 Mann ins Nachbarland Ukraine. Aus dem jahrelangen Konflikt in und um das Land wurde ein Krieg, bei dem inzwischen beide Seiten mehrere Hunderttausend Soldaten einsetzen sowie viele ihr Leben ließen.

Bereits vor zwölf Jahren, am 22. Februar 2014, wurde die Lunte dafĂŒr gelegt und angezĂŒndet: Mit dem US-geförderten Staatsstreich, der das zuvor ausgehandelte Abkommen zwischen PrĂ€sident Wiktor Janukowitsch und der Maidan-Opposition fĂŒr einen friedlichen Übergang ignorierte – trotz der Mitwirkung des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier und dessen polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski sowie von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. Sie schwiegen dann dazu.

Die westliche Politik und die mit ihr verbundenen Mainstreammedien sowie die von ihnen unterstĂŒtzten herrschenden KrĂ€fte in Kiew begingen das traurige JubilĂ€um erwartungsgemĂ€ĂŸ mit Durchhalteparolen im Kampf gegen Russland und neuen Ideen fĂŒr die Fortsetzung des Krieges bis zum letzten Ukrainer.

Die herrschenden KrĂ€fte in Kiew um Wolodymyr Selenskyj, der 2019 fĂŒr sein Friedensversprechen gewĂ€hlt wurde, berufen sich bei der Fortsetzung des Krieges auf das Verteidigungsrecht und geben vor, zurĂŒckerobern zu wollen, was russische Truppen besetzt haben. Sie fĂŒhren einen Krieg, unterstĂŒtzt von mehr als 40 westlichen LĂ€ndern, um Gebiete, deren friedliche Wiedereingliederung in das politische und wirtschaftliche System des Landes sie seit 2015 trotz der ukrainischen Verpflichtungen nach den Minsker Vereinbarungen verweigert hatten. Darauf hatte der ungarische Diplomat György Varga unter anderem im MĂ€rz 2025 bei einem Vortrag in Berlin aufmerksam gemacht.

Auch die Friedenschance vom April 2022, als beide Seiten unter anderem in Istanbul verhandelten, wurde auf Druck aus dem Westen von Kiew ausgeschlagen. Den Preis fĂŒr den Stellvertreterkrieg des Westens gegen Russland auf ukrainischem Boden zahlen die Ukrainer mit ihrem Leben, ihrer Existenz und ihrer Sicherheit. Und es scheint kein Frieden fĂŒr sie in Sicht.

WĂ€hrend in Deutschland vor allem alte Feindbilder gepflegt werden, kĂŒnden Stimmen aus den USA von einem nĂŒchternen Blick auf den andauernden Krieg und seine Ursachen. Zu ihnen gehört der Ökonom Jeffrey Sachs, der sich in einem am Montag veröffentlichten GesprĂ€ch mit dem norwegischen Politologen Glenn Diesen dazu Ă€ußerte.

Er sieht den Ausgangspunkt des Krieges in der «Wahnvorstellung» der fĂŒhrenden US-Kreise nach dem Ende des Kalten Krieges, dass die USA die Welt regieren wĂŒrden und sich alle ihnen unterzuordnen haben, einschließlich Russland, das zu einer «drittklassigen Macht» degradiert werden sollte. Dabei hĂ€tten sie geglaubt, dass es deshalb niemals zu einem Krieg kommen wĂŒrde.

Doch Russland sei den Forderungen aus den USA nicht nachgekommen und habe den westlichen Angriffen widerstanden, so Sachs. Es habe bewiesen, «dass die Macht des Westens geringer war als angenommen». Dies sei fĂŒr die westlichen Politiker zum notwendigen Grund geworden, weiterzukĂ€mpfen.

Sachs und Diesen bezeichneten den Ukraine-Krieg als «Katastrophe» vor allem fĂŒr die Ukraine, aber auch fĂŒr Europa, die zugleich alle einem Atomkrieg nĂ€herbringe. Beide machten auch auf den US-geförderten Staatstreich in Kiew aufmerksam, der zur Vorgeschichte des Krieges gehöre. Mit Blick auf das Geschehen seit 2022 sagte Sachs:

«Boris Johnson, einer der wahren Verbrecher in dieser ganzen Angelegenheit, ein echter Schuldiger dieses Krieges, sagte in einem Interview, dass er nicht zulassen könne, dass die Ukraine im FrĂŒhjahr 2022 ein Friedensabkommen mit Russland unterzeichne, da dies eine Bedrohung fĂŒr die westliche Vorherrschaft darstellen wĂŒrde.»

Den westlichen Politikern gehe es nicht um die Sicherheit der USA oder Europas, sondern «in erster Linie um die Vorherrschaft der USA und dann um die Vorherrschaft Europas», stellte der Ökonom klar. Über die europĂ€ische Politik sagte er:

«Die EuropĂ€er finden immer noch keinen Ausweg, weil sie selbst der Wahnvorstellung verfallen sind, dass sie, wenn nicht die Vereinigten Staaten die westliche Vorherrschaft durchsetzen, dies selbst tun werden. Und so ist es ein Rachefeldzug Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens gegen Russland, der sich hinzieht.»

Die fĂŒhrenden europĂ€ischen Politiker seien «erbĂ€rmliche FĂŒhrer», die ihren Völkern nicht die Wahrheit sagen wĂŒrden, dass dies von Anfang an «eine schlechte Idee war und dass sie beendet werden sollte und dass das Beste fĂŒr die Ukraine die NeutralitĂ€t der Ukraine und ein Ende dieses Krieges ist».

Deutschland im Mittelpunkt

FĂŒr den US-Ökonomen liegt der SchlĂŒssel fĂŒr die Lösung des Konfliktes in Deutschland. Dessen «schlechte FĂŒhrung» sei der Grund fĂŒr den Ausbruch des Krieges und dafĂŒr, dass er weitergeht. Sachs verwies auf die Rolle der Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die 2008 dem US-Druck, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, letztendlich nachgegeben habe.

Ihr Nachfolger Olaf Scholz sei «einfach unglaublich schwach und verwirrt» gewesen. Ebenso sei Friedrich Merz eine «große EnttĂ€uschung». Dieser habe nach der AmtsĂŒbernahme «vom ersten Moment an nur noch die Kriegstrommeln gerĂŒhrt». Er hĂ€tte stattdessen Putin kontaktieren sollen, um gemeinsam eine Lösung zu suchen.

Deutschland stehe «in vielerlei Hinsicht wirklich im Mittelpunkt dieser Geschichte», so Sachs. Er erinnerte daran, dass die Sowjetunion ohne die ihr gegebenen Zusagen – wenn auch nur mĂŒndlich –, die NATO werde nicht nach Osten ausgedehnt, der deutschen Wiedervereinigung nicht zugestimmt hĂ€tte. Doch Deutschland habe Moskau «in großem Stil betrogen», gemeinsam mit den USA, indem beide ab 1993 auf eine Erweiterung der NATO drĂ€ngten.

Sachs verwies zudem auf die Rolle der USA und Deutschlands beim Maidan-Putsch 2014. Sie hÀtten die dadurch an die Macht Gekommenen sehr schnell anerkannt und nicht gegen den Bruch des am Tag zuvor ausgehandelten Abkommens mit Janukowitsch protestiert.

Den nĂ€chsten Betrug habe Deutschland 2015 begangen, nachdem die neuen Kiewer Machthaber den Krieg gegen die eigene Bevölkerung in der Ostukraine begonnen hatten. Es sei gemeinsam mit Frankreich Garant des Minsk-II-Abkommens gewesen, habe aber Kiew nicht gedrĂ€ngt, die eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten. Stattdessen sei das Abkommen laut Merkel als Möglichkeit genutzt worden, der Ukraine Zeit zum AufrĂŒsten zu verschaffen.

«Meiner Meinung nach trĂ€gt Deutschland als grĂ¶ĂŸtes Land der EuropĂ€ischen Union, das seit 1990 im Mittelpunkt dieser Geschichte stand und in entscheidenden Momenten seiner politischen Verantwortung nicht gerecht wurde, die grĂ¶ĂŸte Verantwortung.»

Der Ökonom, der osteuropĂ€ische Regierungen ebenso wie die russische beraten hat, erinnerte rĂŒckblickend daran, dass Russland nach dem Untergang der Sowjetunion als «normales Land» Teil von Europa werden und Frieden wollte.

«Aber die Vereinigten Staaten wollten keinen Frieden. Die USA wollten Hegemonie. Das ist ein Unterschied.»

Frieden bedeute, dass das GegenĂŒber mit Respekt behandelt und ihm notfalls auch geholfen werde. Hegemonie bedeute, «dass man seine GegenĂŒber vernichtet, weil man sie dominieren will». Deshalb sei die NATO erweitert worden, obwohl Russland keine Bedrohung gewesen sei. Es habe selbst der NATO beitreten wollen und eine gemeinsame europĂ€ische Sicherheit angestrebt.

Sachs sieht den Ukraine-Krieg im Zusammenhang mit den VerĂ€nderungen der Weltordnung, bei denen sich die USA als Tyrann zeige. Europa verhalte sich als Vasall, der «völlig verwirrt, demoralisiert und gespalten» sei. Das eigentlich natĂŒrliche und beiderseitig nĂŒtzliche VerhĂ€ltnis zwischen Europa, insbesondere Deutschland, und Russland sei vom Westen zerstört worden, unter anderem durch bereits 20 Sanktionspakete der EU.

Sachs sieht Chancen fĂŒr den Kontinent, wieder aufzublĂŒhen, wenn er «seiner pathologischen Russophobie» entkomme und sich eingestehe, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Die notwendige Antwort sei:

«Wir mĂŒssen unseren Kontinent sicher machen, auf der Grundlage kollektiver Sicherheit.»

Epstein-Files belegen ausgefeilte «Pandemie»-Finanzarchitektur

Sayer Ji vom Portal GreenMedInfo hat sich eingehend mit der «Pandemie»–Finanzarchitektur beschĂ€ftigt, die durch die Freigabe der Epstein-Files sichtbar geworden ist. Auch ging er der Frage nach, welche Rolle der vermeintliche Philanthrop Bill Gates in diesem Netzwerk spielte. Sein Ergebnis: Das System war vielschichtig und Epstein war der zentrale Knotenpunkt.

FĂŒr den GrĂŒnder des alternativen Medizinjournals ist nach Sichtung der Files auch klar, dass Gates nicht nur an Treffen mit Epstein teilgenommen hat, sondern Strukturen genehmigte. Und wĂ€hrend sich seine Stiftung in der Öffentlichkeit vom SexualstraftĂ€ter distanzierte, koordinierte sich sein PrivatbĂŒro mit Epstein – und Gates lenkte die Ressourcen der Stiftung in wichtige KanĂ€le der «Pandemie»-Finanzinfrastruktur. «Diese Doppelmoral ist dokumentiert», konstatiert Ji.

Gates hat diese enge Beziehung zu Epstein zuerst abgestritten, sie aber nun bestĂ€tigt. Am 25. Februar 2026 teilte er den Mitarbeitern seiner Stiftung mit, dass er jahrelang nach Epsteins Verurteilung Treffen mit ihm gehabt habe, in dessen Privatjet geflogen sei, und zwei außereheliche AffĂ€ren mit zwei Russinnen – einer Bridgespielerin und einer Atomphysikerin – gehabt habe, von denen Epstein gewusst hĂ€tte. Dass Epstein kompromittierende Informationen ĂŒber Gates hatte, darĂŒber berichtet nicht nur Ji, sondern beispielsweise auch das Wall Street Journal oder CNBC (hier und hier).

All dies verleiht einem E-Mail-Entwurf Epsteins erhebliche GlaubwĂŒrdigkeit. In diesem hatte dieser geschrieben, er sei Gates rechte Hand gewesen, auch hatte er dessen AffĂ€ren erwĂ€hnt und behauptet, von Gates zu Handlungen «am Rande der LegalitĂ€t» gedrĂ€ngt worden zu sein. Bisher war dieser Briefentwurf von vielen Analysten entweder als FĂ€lschung oder Erpressungsversuch eingestuft worden. Und ein Gates-Sprecher hatte dessen Inhalt als «absolut absurd und völlig falsch» bezeichnet, doch nun hat Gates selbst die Geschehnisse zugegeben.

Doch die AffÀren seien nicht der Kern der Geschichte, betont Ji, es sei die zugrundeliegende Struktur. Er schreibt:

«Die Epstein-Akten enthĂŒllen ein System, keinen Skandal. Acht Untersuchungen und Tausende von EFTA-nummerierten Dokumenten zeigen, dass das Muster nicht in einem kompromittierten MilliardĂ€r mit Fehlentscheidungen liegt. Es handelt sich vielmehr um eine operative Infrastruktur – Finanzinstrumente, GeheimdienstkanĂ€le, diplomatischer Zugang, Personaleinsatz und die Kontrolle der öffentlichen Meinung. Diese war so strukturiert, dass der Einfluss auf Pandemievorsorge, Impfstofffinanzierung und globale Gesundheitspolitik konzentriert wurde.»

Epstein war laut Ji zwar der zentrale Knotenpunkt, doch solche zentralen Knotenpunkte wĂŒrden einem Netzwerk folgen. Und die aktiven Knotenpunkte seien diejenigen, die zur Rechenschaft gezogen werden mĂŒssten. Diese Verantwortung reiche weit ĂŒber Gates hinaus. So habe die Clinton Foundation, die maßgeblich an globalen Impfprogrammen beteiligt ist, Gelder mit Verbindungen zu Epstein erhalten. Hinzu komme, dass diese Stiftung unter direkter Beteiligung von Chislaine Maxwell mitgegrĂŒndet worden sei.

Das hĂ€tten Epsteins AnwĂ€lte wĂ€hrend seiner Verhandlungen rund um seine Sexualstraftaten im Jahr 2007 bestĂ€tigt. Die Infrastruktur des intransparenten Geldflusses – Arabella Advisors, die Tides Foundation und die Open Society Foundations – hĂ€tten den «Pandemie»-Zensurapparat finanziert, der ein Ziel gehabt hĂ€tte: Die öffentliche Untersuchung dieser Verbindungen zu unterdrĂŒcken. Allein 2020 habe beispielsweise Arabella Advisors 3,7 Milliarden Dollar eingenommen.

Die Zensur habe eine bestimmte Agenda verfolgt, erklÀrt Ji und betont:

«Der â€čDesinformation Dozenâ€ș-Bericht, die ISD-Berichte, die Bewertungen von NewsGuard [globaler Experte fĂŒr angeblich zuverlĂ€ssige Informationen; Anm. d. Redaktion] – all dies seien keine Reaktionen auf Randgruppen von Verschwörungstheoretikern gewesen, sondern Instrumente, die eingesetzt wurden, um die öffentliche Hinterfragung einer Finanzarchitektur zu verhindern, deren Existenz die Epstein-Dokumente nun bestĂ€tigen.»

Die durch diese Machenschaften diskreditierten Pandemie-Kritiker hĂ€tten Millionen von Menschen reprĂ€sentiert, die berechtigte Fragen gestellt hĂ€tten, so Ji. Die Frage sei nicht mehr, ob diese Architektur existierte. Sie laute, wer den Schutz um sie herum errichtet habe – und warum. Denn fĂŒr Ji ist eines klar: Die noch lebenden Beteiligten tragen die Verantwortung fĂŒr diese Machenschaften – und mĂŒssten dafĂŒr zur Verantwortung gezogen werden.

Lesen Sie hier den gesamten spannenden und gut recherchierten Artikel von Ji (auf Englisch).

Ukraine-Krieg: «Der Frieden rĂŒckt immer weiter in die Ferne»

«WĂ€hrend der Krieg in Osteuropa in sein fĂŒnftes Jahr geht, scheint eine friedliche Lösung nicht nĂ€her zu sein als vor einem Jahr, als Trump seine zweite Amtszeit mit dem Versprechen eines raschen Endes des Konflikts begann. Wenn ĂŒberhaupt, scheint der Frieden sogar immer weiter in die Ferne zu rĂŒcken.»

Dies stellt der italienische Journalist Thomas Fazi in einem aktuellen Text im Online-Magazin Unherd fest. Es zeige sich unter anderem an den festen und unvereinbaren Positionen Moskaus und Kiews, die zu einer Pattsituation bei den territorialen Fragen gefĂŒhrt hĂ€tten. Doch dahinter stecke eine «tiefere RealitĂ€t»:

«Im Kern handelt es sich hierbei seit jeher um einen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den Vereinigten Staaten – einen Krieg, der nur durch eine Vereinbarung zwischen den beiden MĂ€chten gelöst werden kann. Schließlich wird das ukrainische MilitĂ€r von Washington effektiv am Leben erhalten, insbesondere durch die SatellitenaufklĂ€rung, die fĂŒr die moderne DrohnenkriegsfĂŒhrung unverzichtbar geworden ist.»

Moskau und Washington seien sich dessen bewusst und hĂ€tten deshalb bilaterale GesprĂ€che gefĂŒhrt – ohne die Ukraine und die NATO-VerbĂŒndeten. Der Gipfel zwischen Putin und Trump im vergangenen August in Anchorage habe den Höhepunkt der neuen Entspannung zwischen den USA und Russland markiert, so Fazi.

Der Inhalt der GesprĂ€che sei nie offiziell bekannt gegeben worden, aber die Symbolik sei «unmissverstĂ€ndlich» gewesen. Von der BegrĂŒĂŸung auf dem roten Teppich bis hin zu Trumps Anrede Putins mit seinem Vornamen sei alles darauf ausgerichtet worden, einen Wendepunkt in den Beziehungen zu signalisieren. Diese seien seit 2022 auf ein seit dem Kalten Krieg nicht mehr gesehenes Niveau der Feindseligkeit gesunken.

Moskau spreche immer wieder vom «Geist von Anchorage», um den Rahmen der angeblich zwischen den beiden Staatschefs erzielten VerstÀndigung zu beschreiben. Fazi vermutet, dass damit der Hang von US-PrÀsident Donald Trump zu «Deals» mit dem Beharren des russischen PrÀsidenten Wladimir Putin auf der Notwendigkeit, die «primÀren Ursachen des Konflikts» anzugehen, in Einklang gebracht werden sollen: «nÀmlich die Notwendigkeit einer neuen Sicherheitsvereinbarung in Europa».

Beide Seiten wĂŒrden Anchorage «zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen» beimessen. Aus Moskauer Sicht gehe es «um nichts weniger als eine grundlegende Neuverhandlung der Regeln, die der europĂ€ischen und globalen Sicherheit zugrunde liegen». Washington dagegen sehe nur einen konkreten Konflikt, der bewĂ€ltigt und eingedĂ€mmt werden mĂŒsse, «ohne die allgemeine internationale Machtstruktur zu stören, die Washington sehr gut passt».

Russland habe versucht, diese Spannungen durch einen zweigleisigen Ansatz zu bewĂ€ltigen: Kirill Dmitriev – ein in Harvard ausgebildeter Ökonom, der den russischen Staatsfonds leitet – solle ein großangelegtes Wirtschaftsabkommen mit den USA aushandeln. Gleichzeitig wĂŒrden hochrangige Diplomaten um Außenminister Sergej Lawrowan einer umfassenderen geopolitischen Einigung arbeiten.

«Dieser Ansatz hat bislang keine konkreten Ergebnisse gebracht, was die Diplomaten dazu veranlasst hat, ihren rhetorischen Druck auf Washington zu verstÀrken.»

Das deutlichste Zeichen dafĂŒr ist laut Fazi Lawrows Interview mit dem Sendernetzwerk TV BRICS vom 9. Februar, in dem der russische Außenminister «in beispiellos scharfen Worten» Trumps Politik kritisierte. Er habe offen in Frage gestellt, dass die USA auf die Schaffung eines Kooperationsrahmens hinarbeiten, der aus den GesprĂ€chen in Anchorage hervorgehen sollte.

Russland habe die VorschlÀge Washingtons zur Beilegung des Krieges in der Ukraine akzeptiert, so Lawrow, wÀhrend die USA in der Praxis davon Abstand nahmen. Der Minister in dem Interview:

«Sie haben ein Angebot gemacht, wir haben zugestimmt – das Problem hĂ€tte gelöst sein mĂŒssen. Nachdem wir ihre VorschlĂ€ge angenommen hatten, glaubten wir, die Aufgabe der Lösung der Ukraine-Frage erfĂŒllt zu haben und zu einer umfassenden, weitreichenden und fĂŒr beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit ĂŒbergehen zu können. Aber in der Praxis sieht alles genau umgekehrt aus.»

Lawrow habe den USA vorgeworfen, keine konkreten Schritte unternommen zu haben, um Kiew zu zĂŒgeln, so Fazi. Das sei eine implizite Anspielung auf die anhaltenden Drohnenangriffe der Ukraine auf russisches Territorium, die ohne die UnterstĂŒtzung des US-Geheimdienstes und von Satelliten nicht durchgefĂŒhrt werden könnten.

Zudem habe der russische Außenminister festgestellt, dass die USA den Wirtschaftskrieg gegen Moskau noch intensivieren. Die neuen Sanktionen, die Angriffe auf russische Tanker in internationalen GewĂ€ssern und der Druck auf Indien und andere, kein russisches Öl zu kaufen, zeugen laut Lawrow davon, dass das eigentliche Ziel der USA nach wie vor darin bestehe, «wirtschaftliche Vorherrschaft zu erlangen». Er erklĂ€rte:

«Der Westen ist nicht bereit, seine ehemals dominante Position aufzugeben (...) Mit dem Amtsantritt der Trump-Regierung ist dieser Kampf um die EinschrÀnkung der Konkurrenten besonders offensichtlich und deutlich geworden.»

Aus Sicht von Fazi bleibe unklar, ob Lawrows Äußerungen auf eine echte Spaltung in Moskau und im VerhĂ€ltnis zu den USA hindeuten. Sie könnten seiner Meinung nach auch Ausdruck eines zweigleisigen Ansatzes sein: «Hinterzimmerdiplomatie gepaart mit kalkuliertem öffentlichem Druck».

FĂŒr den italienischen Journalisten ist klar, dass die derzeitige Pattsituation die «Hardliner» innerhalb des russischen Sicherheitsapparats ermutigt. Er verweist dabei auf einen aktuellen Beitrag des russischen Politologen Sergej Karaganow, Leiter des einflussreichen Thinktanks «Rat fĂŒr Außen- und Verteidigungspolitik».

Karaganow kritisiere offen die «verhaltenen Reaktionen des Kremls auf offene Aggressionen» des Westens, insbesondere der EuropĂ€er: Die bisherige Â«ĂŒbermĂ€ĂŸige ZurĂŒckhaltung» Russlands – seine Weigerung, gegen die NATO wegen der vom Westen unterstĂŒtzten Angriffe auf russisches Territorium zurĂŒckzuschlagen oder gezielte Angriffe gegen die politischen und militĂ€rischen Kommandozentralen in Kiew zu starten – habe das Risiko eines totalen Krieges zwischen Russland und der NATO sogar erhöht. Der Westen werde damit ermutigt, sowohl in praktischer als auch in rhetorischer Hinsicht weiter zu eskalieren.

Europa bereite sich laut Karaganow auf eine zukĂŒnftige Konfrontation mit Russland vor und werde demnach dabei wahrscheinlich die wiederaufgebauten Überreste der ukrainischen Armee einsetzen. Der einzige Weg, dies zu verhindern, besteht aus Sicht des russischen Politologen darin, «dass Russland eine echte Bereitschaft zeigt, die Kommandozentralen, die Infrastruktur und die MilitĂ€rstĂŒtzpunkte derjenigen europĂ€ischen LĂ€nder anzugreifen, die am aktivsten an Operationen gegen Russland beteiligt sind».

Sollten sich konventionelle Angriffe als unzureichend erweisen, mĂŒsse Russland bereit sein, zu strategischen Atomwaffen zu greifen, gibt Fazi Karaganows Aussagen wieder. Nach dessen Meinung wĂŒrden die EuropĂ€er bisher nur vorgeben, Russland zu fĂŒrchten, um ihre militĂ€rische StĂ€rke auszubauen. Der russische Politologe schreibt:

«Aber eigentlich sollten sie uns fĂŒrchten. Sie sollten Angst vor uns haben. Sie sollten verstehen, dass eine Eskalation oder sogar Fortsetzung des Konflikts ihre unmittelbare physische Vernichtung riskiert und dass eine militĂ€rische AufrĂŒstung sinnlos ist, da sie eine vernichtende nukleare Reaktion nach sich ziehen wĂŒrde.»

Laut Fazi könnte es sich dabei um «bloße SĂ€belrasselei» handeln, «aber allein die Tatsache, dass diese Szenarien in Russland offen diskutiert werden, dĂŒrfte jedem EuropĂ€er einen Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagen». In Konflikten hĂ€tten radikale Randideen die Tendenz, sich zu etablieren, wenn diese sich hinzögen und die Frustration wachse.

Der italienische Journalist weist außerdem auf die «tiefere Gefahr» hin, dass in Folge der zunehmenden Spannungen mit Moskau «eine einzige FehleinschĂ€tzung» einen massiven Krieg auslösen könnte. Das könnte eine Kette von Ereignissen auslösen, die kein einzelner Akteur mehr aufhalten könnte.

«Die schwersten Kriege der Geschichte haben nicht immer mit bewussten Entscheidungen begonnen, sondern mit VorfĂ€llen, die außer Kontrolle geraten sind. Diese Möglichkeit wird mit jeder Woche, in der der Konflikt ungelöst bleibt, realer.»

Neben dem Verhalten Russlands kritisiert Fazi die europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs, die «leichtsinnig» handeln wĂŒrden. Auf der jĂŒngsten MĂŒnchner Sicherheitskonferenz hĂ€tten die versammelten BrĂŒsseler Eliten und ihre Begleiter abwechselnd die Kriegsstimmung geschĂŒrt, «indem sie ihre eigene aggressive Rhetorik verschĂ€rften, ohne dabei ernsthafte strategische Überlegungen anzustellen».

Fazi bezeichnet es als «zutiefst beunruhigend, dass die politische Klasse Europas Kriegshysterie schĂŒrt, wĂ€hrend sie scheinbar gleichgĂŒltig gegenĂŒber den möglichen Folgen dieser Hysterie bleibt». Das sei «besonders beunruhigend» vor dem Hintergrund des anhaltenden industriellen Niedergangs Europas.

«Man könnte erwarten, dass ein schwĂ€cher werdender Kontinent nach einer Einigung und Deeskalation strebt. Stattdessen denken die europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs weiterhin in starren unipolaren Kategorien, lehnen die Sicherheitsbedenken Russlands als unberechtigt ab und verschließen die Augen vor der materiellen RealitĂ€t einer Welt, die sich rasch zu einer multipolaren Welt entwickelt – eine VerĂ€nderung, die sich bereits in der wirtschaftlichen und geopolitischen Marginalisierung Europas niederschlĂ€gt.»

Damit wĂŒrden die europĂ€ischen Politiker lediglich die allgemeine Haltung Washingtons widerspiegeln. Fazi konstatiert «eine hybride und zutiefst instabile geopolitische Situation». Er verweist dabei auf die entsprechende EinschĂ€tzung des indischen Strategen C. Raja Mohan in der US-Zeitschrift Foreign Affairs. Demnach ist die aktuelle Situation durch eine zunehmende MultipolaritĂ€t in wirtschaftlicher Hinsicht gekennzeichnet, aber in militĂ€rischer Hinsicht jedoch weitgehend unipolar geblieben.

Die USA seien weiterhin «in einzigartiger Weise» in der Lage, ihre Macht ungestraft weltweit auszuĂŒben. Der Aufstieg der wirtschaftlichen MultipolaritĂ€t Washington habe laut Mohan eher dazu ermutigt, die ZwĂ€nge, die einst sein Verhalten mĂ€ĂŸigten, abzulegen und seine Macht noch aggressiver auszuĂŒben – eine Dynamik, die die Trump-Regierung deutlicher denn je zum Ausdruck gebracht habe. Aus Sicht von Fazi wirft das «schwierige Fragen auf:

«Kann eine Welt, in der die USA weiterhin ungehindert wiederholte militĂ€rische und wirtschaftliche Aggressionen begehen können – ohne von anderen MĂ€chten kontrolliert zu werden –, wirklich als multipolar im eigentlichen Sinne bezeichnet werden? Und kann ein Übergang zu einer echten multipolaren Ordnung, in der die uneingeschrĂ€nkte militĂ€rische Vorherrschaft der USA einer Welt weicht, die auf der souverĂ€nen Gleichheit aller basiert, stattfinden, ohne dass die Welt zuvor eine Phase akuter und potenziell katastrophaler Konfrontationen durchlĂ€uft?»

FĂŒr den italienischen Journalisten sind das «keine abstrakten theoretischen RĂ€tsel». Angesichts der Entwicklung der Ereignisse in der Ukraine und darĂŒber hinaus wĂŒrden sie zu den «drĂ€ngendsten Fragen unserer Zeit» gehören.

Schumer: «US-Justizministerium vertuscht massiv, um Trump und Leute aus dem Epstein-Umfeld zu schĂŒtzen»

Inmitten anhaltender politischer Turbulenzen steht Donald Trump erneut im Zentrum von Debatten ĂŒber seine Verbindungen zu Jeffrey Epstein, dem verstorbenen Finanzier und verurteilten SexualstraftĂ€ter. Republikanische Senatoren wie John Kennedy, Susan Collins, Chuck Grassley und Thom Tillis drĂ€ngen das Justizministerium unter Pam Bondi, alle Epstein-Akten freizugeben, die Trump erwĂ€hnen, gemĂ€ĂŸ dem Epstein Files Transparency Act. Senator John Kennedy forderte energisch, wie etwa The Hill berichtet:

«Veröffentlicht die Dokumente. Redigiert die Namen der Opfer. Veröffentlicht keine Fotos, ob nackt oder anderweitig, von MinderjÀhrigen. Veröffentlicht die Dokumente. Das wird nicht verschwinden, bis es volle Offenlegung gibt.»

Sie kritisieren die ZurĂŒckhaltung von Dokumenten als besorgniserregend und betonen, dass das amerikanische Volk das Recht habe zu wissen, wer Epstein Frauen zugefĂŒhrt haben könnte und warum keine Verfolgung stattfand.

Dies folgt auf Berichte, wonach das Justizministerium FBI-Memos von 2019 zurĂŒckhielt, die Interviews mit einer Frau zusammenfassen, die Trump und Epstein sexuellen Missbrauchs an ihr als MinderjĂ€hrige in den 1980er Jahren vorwirft. Demokraten, angefĂŒhrt von Chuck Schumer, werfen der Regierung einen Vertuschungsversuch vor, um Trump zu schĂŒtzen. Schumer geht sogar so weit und erklĂ€rt:

«Das Gesetz verpflichtet das Justizministerium zur Herausgabe aller Akten, nicht nur einiger weniger, nicht nur derjenigen, die es willkĂŒrlich auswĂ€hlt. Um es ganz deutlich zu sagen: Im Justizministerium findet eine massive Vertuschung statt, um Donald Trump und Personen aus dem Umfeld von Jeffrey Epstein zu schĂŒtzen.

Wir werden nicht ruhen, es ist eine umfassende Überwachungsmaßnahme. Wir werden jeder Hinweisspur nachgehen. Wir werden mit Whistleblowern sprechen. Pam Bondi sollte gut zuhören, die Wahrheit wird ans Licht kommen. Die Demokraten werden Pam Bondi und alle Beteiligten im Justizministerium fĂŒr diese Vertuschung zur Rechenschaft ziehen.»

Eine Gruppe von Senatsdemokraten plane, in den kommenden Tagen zum Justizministerium zu reisen, um die ungeschwÀrzten Epstein-Akten einzusehen. Und Schumer ergÀnzte, die Demokraten arbeiteten mit den AnwÀlten der Opfer und mit Rechtsexperten zusammen, um die Freigabe weiterer Dokumente zu erreichen.

Die Demokraten planen Übersichten unredigierter Dateien sowie Untersuchungen. Dies scheint auch ĂŒberfĂ€llig, wenn man bedenkt, dass Epstein-Opfer kĂŒrzlich sogar Trumps Amtsenthebung gefordert hatten sowie Untersuchungen gegen Bondi und FBI-Direktor Kash Patel wegen der verzögerten oder zensierten Freigabe von Akten. Sie konstatierten:

«Wir werden unsere eigene Epstein-Liste erstellen und Gerechtigkeit suchen.»

Sie fĂŒhlen sich von der Trump-Administration «komplett im Stich gelassen». Kritiker sehen hier ein Muster von Machtmissbrauch, einschließlich der Privilegien fĂŒr Ghislaine Maxwell in Haft, die als «FĂŒnf-Sterne-Erlebnis» beschrieben werden.

Tief in den «Epstein-Sumpf» reichen auch VorwĂŒrfe zu Trumps Teilnahme an Model-Wettbewerben mit MinderjĂ€hrigen. Trump war langjĂ€hriger Freund Epsteins, den er, wie Dokumente belegen, als «besten Kumpel» und auch als «den GrĂ¶ĂŸten» bezeichnete. Trump lobte Epstein auch wie folgt:

«Epstein ist ein toller Kerl (...) Man sagt sogar, er stehe genauso auf schöne Frauen wie ich, und viele von ihnen sind eher jĂŒnger.»

Als Juror beim «Look of the Year»-Wettbewerb 1991, organisiert von John Casablancas' Elite Model Management, bewertete Trump Teilnehmerinnen im Alter von durchschnittlich 15 Jahren, einige erst 14, in BadeanzĂŒgen. Ein Bericht beschreibt:

«Donald Trump ist bei diesem Schönheitswettbewerb von 1991 zu sehen (...) Die kleinen MĂ€dchen kamen in den Raum, die meisten von ihnen minderjĂ€hrig, einige von ihnen erst 14. Sie kamen in BadeanzĂŒgen in den Raum, sehr spĂ€rlich bekleidet, und er saß dort und bewertete sie und entschied, ob sie in die nĂ€chste Runde kommen wĂŒrden.»

Von 1996 bis 2015 besaß er die Miss Universe Organization, inklusive Miss Teen USA, und beanspruchte in einem Interview mit Howard Stern 2005 das Recht, UmkleiderĂ€ume zu betreten, um nackte Teilnehmerinnen zu «inspizieren»:

«Nun, das Lustigste daran ist, dass ich vor einer Show hinter die BĂŒhne gehe, wo sich alle ankleiden und fertig machen. Und wissen Sie, es sind keine MĂ€nner da, und ich darf hineingehen, weil ich der Veranstalter des Schönheitswettbewerbs bin und daher alles inspiziere. Ich inspiziere alles. Ich möchte sicherstellen, dass alles in Ordnung ist (...) â€čIst alles in Ordnung?â€ș Und sie stehen dann dort ohne Kleidung. [Ich frage nochmal.] â€čSind alle ok?â€ș Und du siehst diese unglaublich gut aussehenden Frauen. Und so komme ich irgendwie mit derlei Dingen durch.»

Nicht zu vergessen auch: Die Model-Industrie, eng mit Epstein verknĂŒpft, wird mit systemischem Missbrauch assoziiert. Laut der Branchenvereinigung Model Alliance geben 87 Prozent der Models an, dass sie ohne Vorwarnung aufgefordert wurden, sich auszuziehen, 30 Prozent haben unangemessenes Verhalten am Arbeitsplatz erlebt und 28 Prozent wurden bei der Arbeit zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Trumps Vorliebe fĂŒr «jĂŒngere» Frauen, wie er Epstein lobte, wirft Fragen zu seinem Wissen ĂŒber Epsteins Verbrechen auf, obwohl keine direkten Beweise fĂŒr Trumps Beteiligung vorliegen.

Die Trump-Administration spielte Epstein-Details herunter, was entsprechend Spekulationen ĂŒber Vertuschungen nĂ€hrt. Diese EnthĂŒllungen unterstreichen anhaltende Skepsis gegenĂŒber Trumps Umgang mit Transparenz und Ethik, wĂ€hrend Opfer und Politiker weiterhin Druck ausĂŒben.

Gerd Reuther: «Es hat noch nie eine Pandemie gegeben, das waren alles Erfindungen»

Gerd Reuther ist nicht nur Radiologe, Medizinhistoriker und einer der bekanntesten Kritiker der «VirusjĂ€ger» in Deutschland, auch ist er Buchautor. Sein neuestes Werk trĂ€gt den Titel «Riskanter Schutz». Darin hat er 300 Jahre Impfgeschichte akribisch und kritisch aufgearbeitet. Kernthese: «Vergessen Sie alles, was sie ĂŒber die Vergangenheit des Impfens zu wissen glauben.» Transition TV und Transition News haben ihn dazu interviewt, und zwar etwa zu folgenden Themenfeldern:

  • Wie kam es, dass er als Mediziner mit einer klassischen Ausbildung bereits lange vor der «Corona-Zeit» Impfungen kritisch gegenĂŒberstand?
  • Hatte er damit gerechnet, dass die «VirusjĂ€ger» COVID so knallhart durchziehen wĂŒrden – mit Lockdowns, einer Maskenpflicht sogar fĂŒr Kinder und einer de-facto- Impfpflicht?
  • Warum jetzt dieses Buch «Riskanter Schutz», wo es doch schon so viele kritische BĂŒcher ĂŒbers Impfen gibt, in denen die Sinnhaftigkeit von Impfungen mal mehr, mal weniger fundamental in Frage gestellt wird?
  • Wenn die Menschen an schreckliche Viruskrankheiten denken, kommen Ihnen wohl am ehesten neben der Pest, der Spanischen Grippe und Polio die Pocken in den Sinn. Dazu schreibt Reuther in seinem Buch, sie hĂ€tten «zu keinem Zeitpunkt und in keinem Land die Allgemeinheit gefĂ€hrdet». Auch sei die hohe MortalitĂ€t statistisch fragwĂŒrdig. RKI und WHO gehen aber davon aus, dass Pocken ĂŒber Jahrhunderte eine der tödlichsten Infektionskrankheiten waren – mit teils hohen Sterblichkeitsraten, besonders bei Kindern. Was hĂ€lt Reuther dem entgegen?
  • Auch die offizielle Sicht zu Polio greift er fundamental an. So heißt es in seinem Buch, bei Polio habe «nichts fĂŒr eine Infektion» gesprochen, und Polio sei auch ohne Impfung verschwunden. Doch wie substanziell kann dies sein, wo selbst Donald Trump, der immerhin den Impfkritiker Robert F. Kennedy als Gesundheitsminister installiert hat, im Herbst 2025 eine regelrechte Lobeshymne auf den Polio-Impfstoff sang und sogar Michael Palmer, Mediziner und Mitglied der Gesellschaft der Mediziner und Wissenschaftler fĂŒr Gesundheit, Freiheit und Demokratie (MWGFD), bei Polio fest an das Virus-Dogma und die Sinnhaftigkeit der Impfung glaubt (worĂŒber TN mit ihm einen ausfĂŒhrlichen Disput gefĂŒhrt hat)?
  • Reuther beruft sich auch auf Gerhard Buchwald und dessen Buch «Impfen: Das GeschĂ€ft mit der Angst». Daraus geht hervor, dass die sogenannten Infektionskrankheiten bereits um 99 Prozent zurĂŒckgegangen waren, bevor die Massenimpfungen eingefĂŒhrt wurden. Medizinhistoriker halten dem aber entgegen, dass zwar Hygiene, ErnĂ€hrung und WohnverhĂ€ltnisse die MortalitĂ€t gesenkt hĂ€tten, nicht jedoch zwingend die Inzidenz – und dass Impfungen vor allem schwere VerlĂ€ufe verhinderten.
  • KĂŒrzlich erschien ein Werk auf Deutsch mit dem Titel: «Ist eine ErkĂ€ltung ansteckend?» Darin legt ein gewisser Daniel Roytas ausfĂŒhrlich dar, was Kritiker der Keimtheorie bereits umfassend beleuchtet haben: Historische Ansteckungsversuche scheiterten durchweg, sogar bei der sogenannten Spanischen Grippe, und die Annahme viraler Ansteckung sei empirisch unhaltbar. Reuther blĂ€st ins gleiche Horn. Auf welcher Grundlage?
  • Ein nicht unerheblicher Teil der Kritikerszene gehört zur «No-Virus-Proof-Fraktion» oder kann zumindest dem Gedanken etwas abgewinnen, dass bestimmte Viren oder gar Viren generell als «böse» und von außen attackierende, potenziell tödliche Partikel nie nachgewiesen worden sind (siehe hier, hier und hier). Damit ließen sich auch viele Ungereimtheiten der Hypothese von den sinnvollen Impfungen erklĂ€ren. Wie sieht Reuther das?
  • Reuther spricht von «Impfstoffen als â€čBlack Boxâ€ș». Impfungen seien ein «Blindflug» und voller biologischer und chemischer Verunreinigungen. Moderne Impfstoffe unterliegen jedoch strengen regulatorischen PrĂŒfungen, etwa durch das Paul-Ehrlich-Institut oder die European Medicines Agency (EMA). Unterstellt er hier systematisches Versagen der Kontrollinstanzen – und sieht er strukturelle Interessenkonflikte im System?
  • Wie wird es seiner Ansicht nach weitergehen? Werden die «VirusjĂ€ger» weiterhin ihre Interessen durchsetzen und so etwas wie Corona nochmal durchziehen können – oder werden die Kritiker, nicht zuletzt mit Robert F. Kennedy Jr. im RĂŒcken, so etwas zu verhindern wissen?

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MissverstÀndnisse zur Mietpreisbremse

Mit Beschluss vom 8. Januar 2026 hat das BVerfG die VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse fĂŒr verfassungsgemĂ€ĂŸ erklĂ€rt. Damit bestĂ€tigt es eine Entscheidung aus 2019, in der es bereits die – zunĂ€chst zeitlich befristete – EinfĂŒhrung der Mietpreisbremse gebilligt hatte. Auf den ersten Blick scheint die bloße BestĂ€tigung der frĂŒheren Entscheidung kaum der Rede wert. Wie so oft teilt Karlsruhe die relevanten Nachrichten aber nicht im Tenor, sondern zwischen den Zeilen mit. Bei genauerem Hinsehen rĂ€umt das Gericht nĂ€mlich mit einer Reihe von MissverstĂ€ndnissen auf, fĂŒr die seine frĂŒhere Entscheidung Anlass gegeben haben mag.

Unwirksam und doch grundrechtsverletzend?

Die Mietpreisbremse des § 556d Abs. 1 BGB begrenzt die maximale Miethöhe bei Vertragsschluss auf 10 % ĂŒber der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete. Dabei gilt die Begrenzung nicht flĂ€chendeckend, sondern nur in Regionen, die die jeweilige Landesregierung als Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt deklariert hat (§ 556d Abs. 2 Satz 1 BGB), was inzwischen die meisten GroßstĂ€dte betrifft. In der Theorie soll so gewĂ€hrleistet werden, dass Mietpreise in urbanen Regionen nicht mehr ungehindert steigen können. In der Praxis hat die Mietpreisbremse allerdings gleich in doppelter Hinsicht einen schlechten Ruf. So kritisieren die einen, dass die Mietpreisbremse Vermieter*innen in ihrer Eigentumsfreiheit zu stark einschrĂ€nke und eigentlich erwĂŒnschte Investitionen in den Wohnungsmarkt unattraktiv mache. Die anderen beklagen dagegen, dass sie nicht geeignet sei, den drastisch steigenden Mieten entgegenzuwirken. Trotz der Mietpreisbremse stiegen die Mieten in den letzten zehn Jahren in deutschen GroßstĂ€dten nĂ€mlich um durchschnittlich 47,55 %; in Berlin sogar um 81,06 %. Die GrĂŒnde hierfĂŒr liegen auch in den zahlreichen Ausnahmen und Umgehungsmöglichkeiten der Mietpreisbremse, die die Bundesjustizministerin Hubig nun zum Teil adressieren will: Schon von Gesetzes wegen sind sĂ€mtliche GebĂ€ude ausgenommen, die nach 2014 errichtet oder umfassend modernisiert wurden (§ 556f Satz 1 BGB). Zudem lĂ€sst die Regelung MöblierungszuschlĂ€ge zur Miete zu. Vor allem aber schreckt die ganz ĂŒberwiegende Mehrheit der Mieter*innen davor zurĂŒck, AnsprĂŒche durchzusetzen, sodass die Anzahl der geltend gemachten AnsprĂŒche im Promillebereich liegt.

Verfassungsrechtliche Altlasten

Gegen die EinfĂŒhrung der Mietpreisbremse hatte die zustĂ€ndige Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts keine Bedenken. Die Verfassungsbeschwerde einer Vermieterin aus Berlin nahm es 2019 nicht zur Entscheidung an. Warum also musste das Gericht ĂŒberhaupt erneut ĂŒber die Mietpreisbremse entscheiden? Die Mietpreisbremse durch Erlass einer Rechtsverordnung anzuwenden, war von Beginn an nur zeitlich befristet möglich, was bereits zweimal verlĂ€ngert wurde (derzeit gemĂ€ĂŸ § 556d Abs. 2 Satz 4 BGB bis Ende 2029). Gegen die erste VerlĂ€ngerung wendete sich nun die BeschwerdefĂŒhrerin.

Dass auch gegen die VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse Verfassungsbeschwerde(n) erhoben werden wĂŒrde(n), hat das Gericht möglicherweise selbst verursacht: In seinem Beschluss von 2019 stĂŒtzte es die VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit des Gesetzes unter anderem darauf, dass der Eingriff in seiner IntensitĂ€t dadurch gemildert wĂŒrde, dass die Mietpreisbremse nur fĂŒr den zunĂ€chst festgesetzten Zeitraum von fĂŒnf Jahren gelte (2019, Rn. 86). Daraus folgerten manche, das Gericht habe eine lĂ€ngerfristig geltende Mietpreisbremse fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. In der Reform von 2024 begrĂŒndete Marco Buschmann die vermeintliche Notwendigkeit einer Eingrenzung des Anwendungsbereichs mit der zeitlich zunehmenden EingriffsintensitĂ€t. Auch Vermietervereinigungen warnten vor Grundrechtsverletzungen. Hieraus entstand auch in der Rechtswissenschaft das Narrativ, das BVerfG habe entschieden, dass die Mietpreisbremse nur als vorĂŒbergehende Maßnahme verfassungsgemĂ€ĂŸ sei (bspw. Kreuter-Kirchhof, DÖV 2021, 103 (107)). Eine VerlĂ€ngerung intensiviere den Grundrechtseingriff, sodass er nicht mehr zu rechtfertigen sei (dazu schon kritisch auf diesem Blog).

Erinnerung an vergessen MaßstĂ€be

Die neue Entscheidung kann als Absage an jene Argumente verstanden werden. Deshalb nahm das BVerfG die Verfassungsbeschwerde bereits nicht zur Entscheidung an (§ 93b Satz 1 BVerfGG). Gleichzeitig hob es aber hervor, dass es die VerlĂ€ngerung fĂŒr verfassungsgemĂ€ĂŸ hĂ€lt und bediente sich dazu einer fĂŒr NichtannahmebeschlĂŒsse untypisch langen BegrĂŒndung. Die BegrĂŒndung nutzt das Gericht, um bisherige MaßstĂ€be zu rekapitulieren, wegen derer Preiseingriffe wie jene der Mietpreisbremse keine Verletzung der Eigentumsgarantie der Vermieter*innen darstellen. Darin liegt eine willkommene Erinnerung, werden diese im politischen Diskurs doch allzu oft vergessen.

So stellt das BVerfG erneut klar, dass Art. 14 Abs. 1 GG von vornherein nicht die eintrĂ€glichste Nutzung des Eigentums schĂŒtzt (2026, Rn. 45, zuvor schon BVerfGE 91, 294, Rn. 60). Art. 14 Abs. 1 GG schĂŒtzt aus Sicht des BVerfG zwar grundsĂ€tzlich die freie Nutzung des Eigentums, aber nicht die Erwartung auf maximalen Profit, beispielsweise aus dessen Vermietung. Diesem eigenen Obersatz kommt das BVerfG allerdings in der Folge nicht konsequent nach. Denn nimmt man das Gericht beim Wort, so lĂ€ge in einer Begrenzung der maximalen Renditeerwartung eigentlich schon kein Eingriff in Art. 14 Abs. 1 GG: Was nicht vom Schutzbereich umfasst ist, darin lĂ€sst sich schon nicht eingreifen.

Das Gericht bejaht dennoch einen Eingriff durch die Mietpreisbremse in „die Freiheit, aus der vertraglichen Überlassung des Eigentums zur Nutzung durch andere den Ertrag zu ziehen, der zur finanziellen Grundlage fĂŒr die eigene Lebensgestaltung beitrĂ€gt“ (2026, Rn. 26). Hier hĂ€tte die Chance gelegen, auf das hinzuweisen, was mit Blick auf die Eigentumsgarantie hĂ€ufig untergeht: Das Grundgesetz schĂŒtzt das Eigentum nicht als vorgefundenes Naturrecht. Erst die Rechtsordnung bestimmt den Inhalt des Eigentums (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG); sie legt fest, was als schutzwĂŒrdiges Eigentum anerkannt und welcher Gebrauch geschĂŒtzt wird. Bei konsequenter Anwendung der eigenen MaßstĂ€be hĂ€tte das Gericht eigentlich keinen Eingriff in das Eigentumsgrundrecht nach Art. 14 Abs. 1 GG, sondern in die von der allgemeinen Handlungsfreiheit umfasste Privatautonomie prĂŒfen mĂŒssen.

Der in der Begrenzung der Höchstmiete liegende Eingriff ist nach stĂ€ndiger Rechtsprechung (2019, Rn. 69 sowie BVerfGE 91, 294, Rn. 60) des BVerfG allerdings erst dann nicht mehr verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig, wenn die Miethöhenregulierung auf Dauer zu Verlusten fĂŒr die Vermieter*innen oder zu einer SubstanzgefĂ€hrdung der Mietsache fĂŒhrt (2026, Rn. 42). Vor dem Hintergrund dieses Maßstabs hĂ€tte das Gericht eigentlich nicht viel mehr sagen mĂŒssen. Dass eine 10 % oberhalb der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete liegende Miete nicht geeignet wĂ€re, die Instandhaltungskosten zu tragen oder dass sie dauerhafte Verluste verursachen wĂŒrde, dĂŒrfte praktisch ausgeschlossen sein. Dass das Gericht dennoch in eine AbwĂ€gung einsteigt, relativiert den Maßstab wieder.

Mietenbegrenzung als legitime Reaktionsform

Auf Grundlage der ausfĂŒhrlichen EntscheidungsgrĂŒnde dĂŒrften nun jedenfalls einige MissverstĂ€ndnisse der Entscheidung aus 2019 aus der Welt geschafft sein: Das darin noch angefĂŒhrte Argument, die zeitlich vorĂŒbergehende Ausgestaltung mindere die EingriffsintensitĂ€t (2019, Rn. 87), sucht man in dieser neuen Entscheidung jedenfalls vergeblich. Dass die Mietpreisbremse nur als befristete Maßnahme verfassungskonform sein soll, lĂ€sst sich auch im Übrigen nicht mehr aus der aktuellen Entscheidung herauslesen. So betont das Gericht, dass sich auf angespannten MĂ€rkten Preise bilden können, die „im Hinblick auf die soziale Funktion des Eigentumsobjekts nicht mehr angemessen“ sind. Es sei daher verfassungsrechtlich legitim, „die Nutzung nicht völlig dem freien Spiel der KrĂ€fte und dem Belieben der Einzelnen zu ĂŒberlassen“ und regulierend in den Preismechanismus einzugreifen (2026, Rn. 32). Zwar kann nach dieser Argumentation ein entsprechender Eingriff nur gerechtfertigt sein, solange der Wohnungsmarkt unter (großer) Anspannung steht. Dass dies durch eine Befristung der Mietpreisbremse selbst sichergestellt werden muss, gibt das Gericht aber gerade nicht vor. Vielmehr deutet es an, dass der Verordnungsgeber schon durch die vorgegebene Maximalgeltungsdauer der Mietenbegrenzungsverordnungen die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit ausreichend regelmĂ€ĂŸig prĂŒft (2026, Rn. 47). Dem Gesetzgeber stĂŒnde es also frei, die derzeit in § 556d Abs. 2 Satz 4 BGB vorgesehene Befristung bis Jahresende 2029 aufzuheben und es stattdessen dem Verordnungsgeber zu ĂŒberlassen, regelmĂ€ĂŸig zu ĂŒberprĂŒfen, ob und wie lange eine (erneute) Mietenbegrenzung erforderlich ist.

Auch wenn es sich schon aus der Grenze der dauerhaften Verluste ergibt, sieht sich das Gericht hinsichtlich der konkreten Mietobergrenzen zu einem obiter dictum im Detail veranlasst. In einem Nebensatz fĂŒhrt es aus, dass Art. 14 Abs. 1 GG keine Orientierung der Mieten am unregulierten Markt (2026, Rn. 49) vorgebe. Hier deutet das Gericht (in Form der Kammer) zumindest an, dass es auch gegenĂŒber einer stĂ€rkeren Regulierung, etwa in Form eines Mietendeckels oder einer Wohnraumbewirtschaftung, keine grundlegenden materiell-verfassungsrechtlichen Bedenken hĂ€tte.

Dass gesetzliche Mietobergrenzen nicht zwingend am Markt orientiert sein mĂŒssen, entkrĂ€ftet auch einen weiteren Einwand, der gegen VerlĂ€ngerungen der Mietpreisbremse vorgebracht wurde: Mit fortschreitender Zeit unterfĂ€llt ein wachsender Anteil an MietvertrĂ€gen der Mietpreisbremse, sodass der Mietspiegel zunehmend von den bereits regulierten Mieten beeinflusst ist und dadurch seinerseits weniger stark ansteigt. Dass dieser Mechanismus wegen der kurzen Dauer noch nicht griff, diente 2019 noch als weiterer Grund fĂŒr die VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit (2019, Rn. 84 f.). Das Argument greift sieben Jahre spĂ€ter zwar weniger – muss es aber auch nicht, wenn die Mieten ohnehin nicht zwingend am Markt orientiert sein mĂŒssen. Jedenfalls die Möglichkeit der zehnprozentigen Überschreitung wiegt aus neuerlicher Sicht des Gerichts den Eingriff auf (2026, Rn. 50).

Finanzialisierung statt Gentrifizierung

Der vielleicht grĂ¶ĂŸte Unterschied zwischen beiden BeschlĂŒssen liegt aber gerade in dem, was das Gericht nun nur noch am Rande heranzieht: Der frĂŒhere Beschluss stĂŒtzte sich maßgeblich auf die Verhinderung von Gentrifizierung als Rechtfertigungsgrund fĂŒr die Begrenzung der Mieten. WĂ€hrend zweifelsfrei Gentrifizierung eine Rolle in der Mietentwicklung spielt, stellt die jĂŒngere stadtsoziologische Forschung deren Bedeutung in Frage. Wichtiger sei die Finanzialisierung, d. h. die wachsende Bedeutung von Immobilien als Objekte des Finanzmarktes. Mieten steigen danach vor allem aufgrund von Bodenspekulation und renditegetriebener Profitmaximierung. Eine Begrenzung der Mieten kann hier Abhilfe schaffen, indem sie zugleich Immobilien als Anlageobjekt weniger attraktiv macht. Das spricht das BVerfG zwar nicht ausdrĂŒcklich aus, aber zwischen den Zeilen an: Es stĂŒtzt seine Argumentation primĂ€r auf die allgemein problematische Wirkung steigender Mieten mit Blick auf soziale Ungleichheitslagen (insbesondere 2026, Rn. 31); Gentrifizierung tritt lediglich als ergĂ€nzendes Argument daneben (2026, Rn. 53). Die Mietpreisbremse ist also nicht erst gerechtfertigt, wenn Bevölkerungsteile verdrĂ€ngt werden, sondern bereits dann, wenn die Mieten fĂŒr alle in problematischem Ausmaß steigen. Sie verfolgt schlicht das Ziel, „drastische Mietanstiege einzudĂ€mmen und Mieterinnen und Mieter vor den negativen Effekten zu schĂŒtzen, die damit einhergehen, dass auf angespannten MietmĂ€rkten Vermieterinnen und Vermieter ErtrĂ€ge realisieren können, die mit der Sozialgebundenheit ihres Eigentums im Sinne des Art. 14 Abs. 2 GG nicht in Einklang stehen“ (Rn. 57). So rĂŒckt das BVerfG die problematische Mietpreisentwicklung an sich in den Vordergrund, ohne auf stadtpolitisch orientierte Hilfsargumente zurĂŒckgreifen zu mĂŒssen.

Rechtspolitische Folgen

Dass die VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse verfassungsgemĂ€ĂŸ ist, dĂŒrfte nur wenige ĂŒberraschen. Der Beschluss erinnert aber darĂŒber hinaus an die gesetzgeberischen SpielrĂ€ume im Mietpreisrecht. KĂŒnftige rechtspolitische Diskussionen sollten nicht erneut den MissverstĂ€ndnissen des frĂŒheren Beschlusses unterliegen. Dass Jan-Marco Luczak in der Entscheidung nun eine „klare Absage an ĂŒberbordende Regulierungsfantasien“ sieht, kann eigentlich nur als bewusste und interessengeleitete Fehlinterpretation der Entscheidung verstanden werden. Denn Karlsruhe lĂ€sst keinen Zweifel daran, dass eine Mietpreisbremse jedenfalls so lange zulĂ€ssig ist, wie die Lage auf den WohnungsmĂ€rkten in Ballungsgebieten derart angespannt ist. Mehr noch: Unter diesen Bedingungen kann der Gesetzgeber sogar darĂŒber hinausgehen, etwa mit einem Mietendeckel auf Bundesebene.

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“Muskism Proposes Something More Like Social War”

Elon Musk’s influence extends far beyond business. From his attempts to intervene in national elections to the deep reliance of governments on his companies, his power is felt across a wide range of public life – and it continues to grow. But to understand how powerful and how potentially dangerous for democracy Musk’s empire truly is, one has to examine the worldview that made his rise possible. In their new book, the historian Quinn Slobodian and the writer Ben Tarnoff trace the ascent of the self-styled “Technoking” and the idea of fusing human beings with machines. We spoke with them about Musk’s relationship with the state, “cyborg conservatism,” and whether anything can still counter the fusion of political and digital power.

1. Elon Musk is not only the richest person in the world; he has also become a major political force worldwide, with influence that extends even into the dynamics of war. In your book, you suggest that instead of asking who Musk is, the more interesting question is what he is a symptom of. So let’s start there: what kind of worldview lies behind his rise?

We treat Muskism the same way previous thinkers have treated Fordism: not as a worldview articulated in advance by a singular innovator-genius, but as a way of organizing production processes and social relations that offered both a novel model of accumulation and a novel form of social stabilization. Musk’s wealth has always hinged on his capacity to surf the vanguard of new means of enrichment – whether by tapping capital markets, finding commercial uses for the state-funded research network of the Internet, sniffing out new consumer niches as tastes change, or, time and again, aligning his own enterprises with government priorities.

The challenge, as we see it, is that his system has an adaptive economic logic but it often has difficulty finding its social complement. Whereas Fordism, at least ideally, was a system of social peace – reconciling workers to wage labor through rising incomes and intragenerational chances for mobility – Muskism proposes something more like social war, compensating for inequality through a language of violent exclusion and the vilification of outsiders.

Musk makes machines – and, famously, the machines that make the machines – but he also needs to make meaning-making machines. Hence, his interest in social media and, more recently, generative AI. Part of what drives Muskism is the quest for the equivalent of what Louis Althusser called “ideological state apparatuses”: institutions that can inculcate a particular set of values and beliefs in the broader population.

2. Many people associate Musk with an especially hardline version of libertarianism. You argue that this label misses the mark. Why?

Like all capitalists, Musk seeks to evade, dilute, and dismantle laws or regulations that threaten to constrain his freedom to accumulate. But it would be a mistake to suggest that he wants to shrink the state. On the contrary, Musk has always been keenly attuned to the advantages to be gained by partnering with the state and using its resources to his advantage.

We call this dynamic “state symbiosis,” and we trace its development from Musk’s early days as a dot-com entrepreneur in Silicon Valley in the 1990s. Perhaps its clearest expression is to be found in SpaceX, whose control of the orbital launch market – in 2025, the company was responsible for 95 percent of all U.S. orbital launches and more than half of all launches globally – has made many governments around the world, including and especially the US government, deeply reliant on Musk. The satellite service of the company, Starlink, owns over 70 percent of the satellites currently circling the earth.

SpaceX doesn’t want its client-governments to be weak. It wants them to be strong enough to assert their sovereignty – so long as the assertion of their sovereignty requires deepening their dependence on private providers like SpaceX. In this sense, Muskism is about increasing state capacity through private means. We call this “sovereignty as a service.”

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The ICJ’s Advisory Opinion on Climate Change
Edited by Maria Antonia Tigre, Maxim Bönnemann & Antoine De Spiegeleir

“The ICJ opinion is the most definitive statement ever made about international law and climate change. However, it is lengthy and complex. In this volume, the editors have assembled some of the world‘s leading scholars in the field to unravel the opinion and probe the subtleties of what it did and didn‘t say.”

– Michael Gerrard, Columbia Law School

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3. You place considerable weight on the influence of apartheid-era South Africa on Muskism, particularly on what you call “fortress futurism.” What do you mean by that?

Fortress futurism is the belief that technology can strengthen self-reliance and sovereignty in a hostile or unstable world. It presents itself as a successor ideology to the system of multilateralism that dominated the decades after the fall of the Berlin Wall. It is also a predecessor ideology, in the sense that we trace its origins to apartheid South Africa, where Musk grew up. The leaders of the apartheid regime saw themselves as an embattled garrison state surrounded by enemies, and to ensure the survival of their state, they had to embrace high technology and economic self-sufficiency. They pursued a model of militarized, modernizing isolation.

We can see fortress futurism as a theme surfacing throughout Musk’s career. One of its clearest expressions was in his early – and, at the time, deeply unfashionable – emphasis on vertical integration. Musk started SpaceX in 2002 and became CEO of Tesla in 2008. At both companies, he pushed to reduce his reliance on external suppliers and to concentrate production as much as possible within the walls of the firm. These decisions cut deeply against the globalizing currents of the 2000s, which positioned the factory as a node within an international production network woven together through global supply chains. Think of how Apple assembles its iPhones, for instance: “designed in California, assembled in China.” By contrast, Musk envisioned the factory as an enclave.

His industrial philosophy may have been out of step with the 2000s, but it would come in handy in the 2010s and 2020s, as SpaceX and Tesla navigated the tariffs, geopolitical tensions, and supply chain shocks of a deglobalizing world, not to mention the dislocations of the Covid-19 pandemic. As policy uncertainty multiplies, and export controls and license bans become part of the workaday repertoire of advanced industrial states rather than exceptions, fortress futurism has increasingly become mainstream.

4. Let me come back to Musk’s relationship with the state. You argue that Muskism no longer sees sovereignty mainly as a matter of territory, but of infrastructure. Why is that shift so significant?

Scholars like Frank Pasquale have argued that our increased reliance on digital platforms and technologies has produced a gap between what he calls “territorial sovereignty” and “functional sovereignty.” Although states may still retain the final say over traditional matters of defense in legal terms, they are nevertheless functionally reliant on private companies to realize their own ambitions, often even at the most basic level.

Our argument is that one critical component of Muskism is the acceleration of the state’s dependency on private service providers. This is why, for example, in the book’s final chapter, we do not frame the DOGE initiative as primarily an austerity or cost-cutting effort, but rather as a means of opening up and integrating sections of government that were previously siloed from one another, making them interoperable and accessible to data and systems integrators like Palantir. In many cases, states have willingly gone along with this rise of functional sovereignty; for example, by using websites like X as official portals for information. Musk’s decision to turn off internet connectivity to Ukrainian forces in the early months of the Russian conflict shows how high the stakes can be for this loss of functional sovereignty.

The twist we identify in Muskism, however, is that it promotes sovereignty not just at the national level, but at the household and individual level. Tesla offers an entire ecosystem of products around a vision of energy autonomy: not just cars, but battery storage and solar panels for your home. Lately, the still-rising valuation of Tesla is premised on the displacement of the automobile as its primary product by the humanoid robot Optimus, which Musk promises will become the best-selling product of all time. Here, individual sovereignty is augmented in a long-standing, even premodern way: through a servant, a laborer, a soldier and, as he has repeatedly promised, an on-demand sexual companion. Yet, as we make clear through many examples, what is sold as autonomy is in fact a deepened dependency on the systems Musk provides – systems that can be turned off at the press of a button, or subjected to new and higher subscription rates.

Scholars have long understood sovereignty to be not just a formal and legal category but a question of a state’s capacity to fulfill its aims. Muskism presents itself as an enabler of both individual and state sovereignty while in practice producing asymmetric dependency on himself and his products.

5, As you describe it, Muskism is also about machine power gradually displacing democratically legitimized forms of rule. Is there any realistic way to push back against the growing fusion of political authority and digital power?

Traditionally, scholars and activists have critiqued algorithmic systems for being depoliticizing. By giving the appearance of neutrality and impartiality, such systems conceal their fundamentally political character – that is, the fact that they both reflect and reinforce a particular distribution of social power. So, for example, when a government agency begins using software to help make certain choices – to evaluate people’s eligibility for social services, say, or to determine the length of a prison sentence – it looks “less political” even if politics is still at work.

What’s distinctive about Muskism is that, while it is eager to substitute machines for humans, it embraces technology as a political force. Musk’s DOGE initiative made reference to increasing the efficiency of government and reducing the federal deficit, but its main agenda was to purge Washington of “wokeness,” and, toward that end, replaced human workers with software wherever possible. Similarly, Grok represents Musk’s attempts to develop an “anti-woke” AI, in order to counter what he sees as the liberal bias of the tech industry. AI’s automation of human labor, in this view, goes hand in hand with the automated dissemination of “anti-woke” politics.

Understanding this aspect of Muskism helps us understand how its fusion of political authority and digital power might be resisted. It’s not that we need to insist on the fact that Musk’s technological ventures are political – he already insists that they are. It’s that they have the wrong kind of politics: they are explicitly designed to intensify social inequality and strengthen social hierarchies. He propagates what we call cyborg conservatism. Contra Donna Haraway and many others, under Muskism fusion with the machine should not scramble and rewrite traditional categories of gender, race, and national identity but buttress and harden them.

One response would be to say that the use of AI should be restricted. Certain spheres of human activity should be reserved for human deliberation and decision-making, especially when it comes to choices that are likely to affect the lives of millions. Equally important, however, is that we see politics not as a kind of “programming” coordinated from above – which is how Musk sees it – but rather as a process of collective intelligence and creativity that arises from below. Such politics can make use of digital technologies, of course, but for very different ends than those sought by Musk and Muskism.

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Editor’s Pick

by MARGARITA IOV

Man Soo, the protagonist of “No Other Choice” by Park Chan-wook, appears to have it all: a wife, two children, a beautiful house. But when he suddenly loses his job at the paper factory after 25 years, his status, security, and sense of self are at stake. If he does not find work soon, the house will have to be sold. In a desperate attempt to reclaim his place in the world, he begins to eliminate his competitors for a promising position at another paper factory, one by one. In each of them, he recognizes his own reflection. With dark humor and deep compassion, the film explores the meaning of work in late-stage capitalism and the fragility of social security. In the end, who will succeed in securing the very last spot in this new, depopulated world of work — and at what cost?

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The Week on Verfassungsblog

summarised by EVA MARIA BREDLER

Not just states, but all of us have become deeply dependent on private Big Tech companies: ChatGPT’s search function now reaches an average of 120.4 million users per month in the EU (and many of them likely trust the search results more than their own judgement – or even fall in love with them, but that’s another story). The European Commission is currently assessing whether ChatGPT can be classified as a “Very Large Online Search Engine” under the Digital Services Act. This is primarily a politically and economically sensitive question. JACOB SCHAAL, MAXIMILIAN LENNER, and TUNMISE AKINYEMI (ENG) make a case for a functional interpretation of the DSA, which would bring ChatGPT under EU regulatory oversight.

Big Tech regulation was also in the spotlight last week amid a proposed social media ban for minors. While Germany is still debating the issue, France has already put forward a draft law. LUC VON DANWITZ (GER) examines the French Council of State’s opinion on the law and draws lessons for constitutional and EU law that could inform similar regulation in Germany.

Aside from social media, young people spend most of their time in school (often mixing the two). Almost a decade ago, research at the Berlin Social Science Center sparked a debate over the increasing social selectivity of private schools in Germany. Yesterday, the Berlin House of Representatives passed a reform to make private school funding fairer, including tuition tables and social supplements. MICHAEL WRASE and FELIX WIRTH HANSCHMANN (GER) defend the reform as constitutional.

Money also governs the funding of democracy projects. Increasingly, the German government seeks to steer this funding directly towards specific policy aims. JANNIK JASCHINSKI and KLAAS MÜLLER (GER) warn that this threatens the sustainable work of civil society in support of the liberal democratic basic order.

A subtler threat comes from the return of the extremism clause, which obliges democracy project sponsors to affirm their commitment to the liberal-democratic order. MAXIMILIAN PICHL (GER) explains how democracy projects operate and why the AfD’s new extremism clauses could play into their hands.

Parity debates have returned as well: following a push from SPD and CDU politicians, gender-balanced electoral lists are once again on the political agenda. DANA-SOPHIA VALENTINER (GER) notes that the discussion is dominated by extreme positions and instead emphasises the room for manoeuvre available to policymakers.

At the EU level, the room for manoeuvre may be a little too wide: EU heads of state and government met on 12 February at Alden Biesen Castle. Under the banner of “simplification”, they approved reforms that could fundamentally reshape EU law-making. ALBERTO ALEMANNO (ENG) criticises what he calls the “castle method”: treaty-level change via informal summitry, bypassing Article 48 TEU and undermining institutional balance.

The EU has also engaged in global informal diplomacy: Commissioner Dubravka Ơuica’s participation in the inaugural meeting of Trump’s “Board of Peace” in Washington has drawn significant criticism. While several Member States questioned whether she even had any mandate to participate in such a politically contested initiative, the Commission defended her presence on the grounds of the EU’s direct interest in Gaza’s reconstruction. PETER VAN ELSUWEGE (ENG) highlights the serious EU law concerns this raises.

The institutional design of the African Union also raises concerns. Burundi has now assumed the AU’s rotating presidency, even as violence escalates in eastern Democratic Republic of Congo and thousands of Burundian troops are deployed there. The AU does not regulate how participation in an armed conflict affects the chairmanship. For HAKIM NKENGURUTSE (ENG), this exposes a structural tension at the heart of the Union’s peace mandate.

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Musk, Power, and the EU: Can EU Law Tackle the Challenges of Unchecked Plutocracy?
Alberto Alemanno & Jacquelyn D. Veraldi (eds.)

At a time when calls for the EU to respond to Musk’s actions are multiplying, the question of whether, why, and how the EU may react remains largely unanswered. What makes Musk’s conduct problematic under EU law? Is it a matter of disinformation, electoral integrity, foreign influence, unprecedented market concentration, or possible abuse of power? This edited volume unpacks whether and how (EU) law may tackle the existence and exercise of unprecedented plutocratic power.

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In July last year, we made numerous, until-then largely unpublished memoranda and letters from Israeli international law scholars on the Gaza war publicly available, introduced and analysed by KAI AMBOS. We now present an updated version, including a further letter on the ground offensive in Gaza City and the “widespread bombing of residential buildings,” as well as a document on the duty to investigate war crimes.

The US intervention in Venezuela violated the UN Charter’s prohibitions on the use of force and non-intervention. At the same time, it created political space: Venezuela has recently adopted an amnesty law. KAI AMBOS and GUSTAVO URQUIZO (ENG) explain why the sweeping amnesty may entrench executive control over justice rather than promote reconciliation.

No amnesty was granted in South Korea: on 19 February, the Seoul Central District Court sentenced former President Yoon Suk Yeol to life imprisonment for leading an insurrection. His supporters refuse to recognise the verdict. JOSEPHINA LEE (ENG) argues that this delegitimisation of judicial decisions only deepens polarisation.

Italy, too, remains polarised. The latest symptom is the two “Security Decrees” issued by the Meloni government, restructuring the criminal justice system. FILIPPO VENTURI (ENG) traces how Italian populism has evolved into a punitive governance style that curtails protest and expands state coercion.

Space for dissent was also on the agenda at the Bavarian Administrative Court, which confirmed that far-right activist Björn Höcke may speak in municipal halls. RALF MICHAELS (ENG) describes Bavaria’s attempt to exclude certain political events from public venues – and why it conflicts with the Basic Law.

In a few decades, we may look back almost fondly on the headaches once caused by analogue public spaces. Or we may have closed digital spaces and fought for a fairer use of public space, where Optimus offers us clusters of grapes. Anything is possible if, as QUINN SLOBODIAN and BEN TARNOFF suggest above, politics is understood not as programming but “as a process of collective intelligence and creativity that arises from below”. Creativity is not a gift bestowed on a few geniuses by divine providence, but our everyday, instinctive way of living in this world: the bread we are baking at the weekend, the way we spread butter on it – even if the recipe is courtesy of ChatGPT.

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That’s it for this week. Take care and all the best!

Yours,

the Verfassungsblog Team

 

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„Muskismus setzt eher auf sozialen Krieg“

Elon Musks Macht reicht weit ĂŒber die Wirtschaft hinaus. Ob er sich in nationale Wahlen einmischt oder Staaten von seinen Unternehmen abhĂ€ngig macht – Musks Macht nimmt viele Formen an. Und sie nimmt zu. Um zu verstehen, wie gefĂ€hrlich Musks Imperium fĂŒr die Demokratie tatsĂ€chlich ist, muss man das dahinterstehende WeltverstĂ€ndnis in den Blick nehmen. In ihrem neuen Buch zeichnen der Historiker Quinn Slobodian und der Autor Ben Tarnoff den Aufstieg des selbsternannten „Technoking“ nach und analysieren seine Idee einer Verschmelzung von Mensch und Maschine. Wir haben mit ihnen ĂŒber Musks VerhĂ€ltnis zum Staat gesprochen, ĂŒber „Cyborg-Konservativismus“ – und ĂŒber die Frage, ob sich der Symbiose von politischer und digitaler Macht noch etwas entgegensetzen lĂ€sst.

1. Elon Musk ist nicht nur der reichste Mensch der Welt; er ist auch zu einem globalen politischen Machtfaktor geworden, der sogar Kriege beeinflusst. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die interessante Frage aber nicht sei, wer Musk als Person ist, sondern wofĂŒr er ein Symptom ist. Welche Weltanschauung steht hinter dem Aufstieg Musks?

Wir behandeln den Muskismus so, wie frĂŒhere Denker den Fordismus behandelt haben: nicht als ein im Voraus ausformuliertes Weltbild eines genialen Einzelunternehmers, sondern als eine Weise, Produktionsprozesse und soziale Beziehungen zu organisieren. Ein Modell, das zugleich neue Formen der Kapitalakkumulation und der gesellschaftlichen Stabilisierung hervorgebracht hat. Musks Vermögen beruhte stets darauf, sich an die Spitze neuer Bereicherungsquellen zu setzen – sei es durch Zugriff auf die KapitalmĂ€rkte, die kommerzielle Nutzung des staatlich finanzierten Forschungsnetzwerks Internet, das AufspĂŒren neuer Konsumnischen oder die stete Neuausrichtung seiner Unternehmen an PrioritĂ€ten der Regierung.

Das Problem ist aus unserer Sicht: Dieses System verfĂŒgt ĂŒber eine adaptive ökonomische Logik, findet aber oft kein soziales GegenstĂŒck. Der Fordismus versprach – zumindest idealtypisch – sozialen Frieden. Steigende Löhne und Aufstiegschancen innerhalb einer Generation sollten die Arbeiterschaft mit der Lohnarbeit versöhnen. Der Muskismus dagegen setzt eher auf sozialen Krieg. Ungleichheit wird nicht eingehegt, sondern rhetorisch zugespitzt – durch Ausgrenzung und die Abwertung von „Außenseitern“.

Musk baut Maschinen – und bekanntlich Maschinen, die Maschinen bauen. Doch er braucht auch Maschinen zur Sinnproduktion. Daher sein Interesse an sozialen Medien und zuletzt an generativer KI. Ein Motor des Muskismus ist die Suche nach dem, was Louis Althusser „ideologische Staatsapparate“ nannte: Institutionen, die bestimmte Werte und Überzeugungen in der Gesellschaft verankern.

2. Viele verbinden Musk mit einer besonders radikalen Form des Libertarismus. Sie halten diese Zuschreibung fĂŒr irrefĂŒhrend. Warum?

Wie jeder Kapitalist versucht Musk, Gesetze und Regulierung zu umgehen, abzuschwĂ€chen oder abzubauen, wenn sie seine Akkumulationsfreiheit einschrĂ€nken. Doch es wĂ€re falsch zu glauben, er wolle den Staat schrumpfen. Im Gegenteil: Musk hat stets genau verstanden, welche Vorteile sich aus einer Partnerschaft mit dem Staat ziehen lassen – und wie man staatliche Ressourcen fĂŒr die eigenen Zwecke nutzt.

Wir beschreiben diese Konstellation als „Symbiose mit dem Staat“. Ihre Wurzeln reichen zurĂŒck in Musks AnfĂ€nge als Dotcom-Unternehmer im Silicon Valley der 1990er Jahre. Am deutlichsten zeigt sich das bei SpaceX. Das Unternehmen kontrolliert den Markt fĂŒr orbitale Raketenstarts in einem Ausmaß, das Regierungen weltweit – insbesondere die USA – in eine tiefe AbhĂ€ngigkeit von Musk gestĂŒrzt hat. 2025 war SpaceX fĂŒr 95 Prozent aller orbitalen Raketenstarts aus den USA verantwortlich und fĂŒr mehr als die HĂ€lfte aller Starts weltweit. 70 Prozent aller Satelliten, die gerade ihre Bahnen um die Erde ziehen, gehören Starlink.

SpaceX hat kein Interesse an schwachen staatlichen Kunden. Das Unternehmen will starke Staaten, deren SouverĂ€nitĂ€t aber darauf angewiesen ist, ihre AbhĂ€ngigkeit von privaten Anbietern wie SpaceX zu vertiefen. Muskismus bedeutet in diesem Sinne, staatliche HandlungsfĂ€higkeit durch private Mittel auszubauen. Wir nennen das „SouverĂ€nitĂ€t als Dienstleistung“.

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The ICJ’s Advisory Opinion on Climate Change
Edited by Maria Antonia Tigre, Maxim Bönnemann & Antoine De Spiegeleir

“The ICJ opinion is the most definitive statement ever made about international law and climate change. However, it is lengthy and complex. In this volume, the editors have assembled some of the world‘s leading scholars in the field to unravel the opinion and probe the subtleties of what it did and didn‘t say.”

– Michael Gerrard, Columbia Law School

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3. Sie messen der Apartheid-Ära SĂŒdafrikas großen Einfluss auf den Muskismus bei, insbesondere ĂŒber einen sogenannten „Festungsfuturismus“. Was meinen Sie damit?

Festungsfuturismus bezeichnet den Glauben, dass Technologie EigenstĂ€ndigkeit und SouverĂ€nitĂ€t in einer feindlichen oder instabilen Welt stĂ€rken kann. Er versteht sich als eine Art Nachfolgeideologie des Multilateralismus, der die Jahrzehnte nach dem Fall der Berliner Mauer geprĂ€gt hat. Zugleich ist er eine VorlĂ€uferideologie: Wir fĂŒhren seine UrsprĂŒnge auf die Apartheid-Ära SĂŒdafrikas zurĂŒck, in der Musk aufgewachsen ist. Die FĂŒhrer des Apartheid-Regimes sahen sich als belagerter Garnisonsstaat, umgeben von Feinden. Um das Überleben des Staates zu sichern, setzten sie auf Hochtechnologie und wirtschaftliche Autarkie. Ihr Modell war eine militarisierte, modernisierende Isolation.

Das Motiv des Festungsfuturismus zieht sich wie ein roter Faden durch Musks Karriere. Besonders deutlich wurde das, als er schon frĂŒh und gegen den Trend auf vertikale Integration in der Produktion Wert legte. Musk grĂŒndete SpaceX im Jahr 2002 und wurde 2008 CEO von Tesla. In beiden Unternehmen drĂ€ngte er darauf, die AbhĂ€ngigkeit von externen Zulieferern zu verringern und möglichst viele Produktionsschritte innerhalb der eigenen Unternehmensmauern zu bĂŒndeln. Das lief den Globalisierungstrends der 2000er Jahre deutlich zuwider, die die Fabrik als Knotenpunkt in einem internationalen Produktionsnetzwerk verstanden – verknĂŒpft durch globale Lieferketten. Man denke nur an Apple: „Designed in California, assembled in China.“ Musk hingegen dachte die Fabrik als Enklave.

Anfang der 2000er mochte seine industriepolitische Philosophie aus der Zeit gefallen wirken. Doch in den 2010er- und 2020er-Jahren erwies sie sich als Vorteil – als SpaceX und Tesla Zölle, geopolitische Spannungen und Schocks in den Lieferketten einer sich entglobalisierenden Welt bewĂ€ltigen mussten, ganz zu schweigen von den Verwerfungen der Covid-19-Pandemie.

Mit wachsender politischer Unsicherheit, Exportkontrollen und Lizenzverboten, die in fortgeschrittenen Industriestaaten vom Ausnahmefall zum alltÀglichen Instrument geworden sind, ist der Festungsfuturismus zunehmend im Mainstream angekommen.

4. Lassen Sie mich noch einmal auf Musks VerhĂ€ltnis zum Staat zurĂŒckkommen. Sie schreiben, dass der Muskismus SouverĂ€nitĂ€t nicht mehr primĂ€r territorial, sondern als Infrastruktur versteht. Warum ist dieser Wandel so bedeutsam?

Wissenschaftler wie Frank Pasquale haben darauf hingewiesen, dass die wachsende AbhĂ€ngigkeit von digitalen Plattformen und Technologien eine LĂŒcke zwischen dem erzeugt hat, was er „territoriale SouverĂ€nitĂ€t“ und „funktionale SouverĂ€nitĂ€t“ nennt. Staaten mögen rechtlich weiterhin das letzte Wort in klassischen Fragen der Verteidigung haben. Faktisch jedoch sind sie zur Verwirklichung ihrer eigenen Ziele – oft schon auf elementarer Ebene – auf private Unternehmen angewiesen.

Wir meinen, dass ein zentraler Bestandteil des Muskismus in der Beschleunigung dieser staatlichen AbhĂ€ngigkeit von privaten Dienstleistern liegt. Deshalb deuten wir im Schlusskapitel des Buches die DOGE-Initiative nicht in erster Linie als Spar- oder Kostensenkungsprogramm, sondern als Versuch, bislang voneinander abgeschottete Teile des Staatsapparats zu öffnen, miteinander zu vernetzen und fĂŒr Daten- und Systemintegratoren wie Palantir zugĂ€nglich zu machen. In vielen FĂ€llen haben Staaten diese Entwicklung funktionaler SouverĂ€nitĂ€t bereitwillig mitvollzogen – etwa indem sie Plattformen wie X als offizielle Informationsportale nutzen. Musks Entscheidung, in den ersten Monaten des russischen Angriffs auf die Ukraine die Internetverbindung fĂŒr ukrainische StreitkrĂ€fte abzuschalten, zeigt, wie hoch der Preis eines solchen Verlusts funktionaler SouverĂ€nitĂ€t sein kann.

Die Pointe des Muskismus besteht jedoch darin, dass er SouverĂ€nitĂ€t nicht nur auf nationaler, sondern auch auf Ebene der Individuen und Haushalte propagiert. Tesla bietet ein ganzes Ökosystem an, das rund um die Vision energetischer Autonomie kreist: nicht nur Autos, sondern auch Batteriespeicher und Solarpaneele fĂŒr das eigene Zuhause. Zuletzt stĂŒtzte sich die weiterhin steigende Unternehmensbewertung von Tesla auf die Annahme, dass das Auto als Hauptprodukt durch den humanoiden Roboter Optimus ersetzt wird, den Musk als das kĂŒnftig meistverkaufte Produkt aller Zeiten anpreist. Individuelle SouverĂ€nitĂ€t wird hier in einer alten, beinahe vormodernen Logik erweitert: durch einen Diener, einen Arbeiter, einen Soldaten und – wie Musk wiederholt angekĂŒndigt hat – einen jederzeit verfĂŒgbaren Sexualpartner. Doch wie wir anhand zahlreicher Beispiele zeigen, ist das, was als Autonomie verkauft wird, tatsĂ€chlich eine vertiefte AbhĂ€ngigkeit von den von Musk bereitgestellten Systemen, die sich per Knopfdruck abschalten oder mit neuen, höheren AbonnementgebĂŒhren belegen lassen.

In der Forschung wird SouverÀnitÀt schon lange nicht nur als formale und rechtliche Kategorie verstanden, sondern als Frage der tatsÀchlichen HandlungsfÀhigkeit eines Staates. Der Muskismus inszeniert sich als Ermöglicher individueller und staatlicher SouverÀnitÀt, produziert in der Praxis jedoch asymmetrische AbhÀngigkeiten von Musk und seinen Produkten.

5. Sie zeigen, dass es dem Muskismus auch darum geht, demokratisch legitimierte Herrschaftsformen schrittweise durch Maschinenmacht zu ersetzen. Gibt es ĂŒberhaupt noch einen realistischen Weg, dieser wachsenden Verschmelzung von politischer und digitaler Macht etwas entgegenzusetzen?

Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen haben algorithmische Systeme traditionell dafĂŒr kritisiert, dass sie entpolitisierend wirken. Sie erwecken den Anschein von NeutralitĂ€t und Unparteilichkeit, verdecken dabei jedoch ihren zutiefst politischen Charakter. Mit anderen Worten: die Tatsache, dass sie eine bestimmte Verteilung gesellschaftlicher Macht widerspiegeln und zugleich festschreiben.

Wenn eine Behörde etwa Software einsetzt, um Entscheidungen zu unterstĂŒtzen – bei der PrĂŒfung von SozialleistungsansprĂŒchen oder bei der Festlegung der LĂ€nge einer Haftstrafe –, wirkt das „weniger politisch“, obwohl politische Wertungen weiterhin eine Rolle spielen.

Das Spezifische am Muskismus ist nun, dass er zwar darauf drĂ€ngt, Maschinen an die Stelle von Menschen zu setzen, Technologie aber ausdrĂŒcklich als politische Kraft begreift. Musks DOGE-Initiative sprach von effizienterer Verwaltung und der Reduzierung des Haushaltsdefizits. Ihr eigentliches Ziel war jedoch, Washington von „Wokeness“ zu sĂ€ubern – und in diesem Zuge menschliche ArbeitskrĂ€fte, wo immer möglich, durch Software zu ersetzen. Auch Grok steht fĂŒr Musks Versuch, eine „anti-woke“ KI zu entwickeln, um dem aus seiner Sicht liberalen Bias der Tech-Industrie entgegenzutreten. Die Automatisierung menschlicher Arbeit durch KI geht in diesem VerstĂ€ndnis Hand in Hand mit der automatisierten Verbreitung „anti-woker“ Politik.

Wer diesen Aspekt des Muskismus versteht, erkennt auch, wie sich seine Verschmelzung politischer und digitaler Macht angreifen lĂ€sst. Immer wieder zu betonen, dass Musks technologische Projekte politisch sind, genĂŒgt nicht – das tut er ja selbst. Das Problem ist die Art von Politik, die sie verkörpern: Sie sind ausdrĂŒcklich darauf angelegt, soziale Ungleichheit zu verschĂ€rfen und gesellschaftliche Hierarchien zu festigen. Musk propagiert, wie wir es nennen, einen Cyborg-Konservatismus. Anders als bei Donna Haraway und vielen anderen soll die Verschmelzung von Mensch und Maschine unter dem Muskismus traditionelle Kategorien von Geschlecht, „Rasse“ und nationaler IdentitĂ€t nicht auflösen oder neu schreiben, sondern stabilisieren und verhĂ€rten.

Eine mögliche Antwort wĂ€re, den Einsatz von KI stĂ€rker zu begrenzen. Bestimmte Bereiche sollten menschlicher Beratung und Entscheidung vorbehalten bleiben – insbesondere dort, wo Entscheidungen das Leben von Millionen betreffen. Ebenso wichtig ist jedoch ein anderes PolitikverstĂ€ndnis: Politik nicht als eine Art „Programmierung“ von oben, wie Musk sie denkt, sondern als Prozess kollektiver Intelligenz und KreativitĂ€t von unten. Eine solche Politik kann digitale Technologien durchaus nutzen – aber zu grundlegend anderen Zwecken als denen, die Musk und der Muskismus verfolgen.

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Editor’s Pick

von MARGARITA IOV

Man Soo, der Protagonist von „No Other Choice“ von Park Chan-wook, hat scheinbar alles erreicht: Frau, zwei Kinder, ein schönes Haus. Doch als er nach 25 Jahren plötzlich seinen Job in der Papierfabrik verliert, stehen auch Status, Sicherheit und SelbstverstĂ€ndnis auf dem Spiel. Wenn er nicht bald Arbeit findet, muss das Haus verkauft werden. Im verzweifelten Versuch, sich seinen Platz in der Welt zurĂŒckzuerobern, beginnt er seine Konkurrenten fĂŒr eine aussichtsreiche Stelle in einer anderen Papierfabrik einen nach dem anderen auszuschalten. In jedem von ihnen erkennt er sein eigenes Spiegelbild. Mit schwarzem Humor und großer Menschenzugewandtheit erzĂ€hlt der Film von der Bedeutung von Arbeit im Endzeitkapitalismus und der FragilitĂ€t sozialer Sicherheiten. Wer schafft es am Ende, sich den allerletzten Platz in dieser neuen menschenleeren Arbeitswelt zu erkĂ€mpfen – und um welchen Preis?
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Die Woche auf dem Verfassungsblog

zusammengefasst von EVA MARIA BREDLER

Nicht nur Staaten, sondern wir alle sind in eine tiefe AbhĂ€ngigkeit von privaten Big-Tech-Unternehmen hineingeraten: Die Suchfunktion von ChatGPT erreicht in der EU durchschnittlich 120,4 Millionen monatliche Nutzer*innen (und viele davon dĂŒrften dem Suchergebnis mehr vertrauen als ihrem eigenen Verstand, oder sich gar in das Suchergebnis verlieben, aber das ist eine andere Geschichte). Die EU-Kommission prĂŒft nun, ob ChatGPT als „Very Large Online Search Engine“ im Sinne des Digital Services Act eingestuft werden kann. Das ist vor allem eine geopolitisch und wirtschaftlich delikate Frage. JACOB SCHAAL, MAXIMILIAN LENNER und TUNMISE AKINYEMI (EN) plĂ€dieren fĂŒr eine funktionale Interpretation des DSA, die ChatGPT der unionsrechtlichen Regulierung öffnet.

Die Regulierung von Big Tech beschĂ€ftigte uns auch letzte Woche, als es um ein Social-Media-Verbot fĂŒr Jugendliche ging. WĂ€hrend Deutschland noch diskutiert, hat Frankreich schon einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. LUC VON DANWITZ (DE) hat sich das Gutachten des französischen Staatsrats dazu angesehen und zieht daraus verfassungs- und unionsrechtliche Lehren fĂŒr eine deutsche Regulierung.

Neben Social Media verbringen Jugendliche die meiste Zeit in der Schule (und kombinieren gerne beides). Vor fast zehn Jahren hatten Forschungen am Wissenschaftszentrum Berlin fĂŒr Sozialforschung eine breite Debatte darĂŒber ausgelöst, dass das Privatschulwesen in Deutschland sozial selektiver wird. Gestern hat das Berliner Abgeordnetenhaus nun die Reform fĂŒr eine gerechtere Privatschulfinanzierung beschlossen, u.a. mit Schulgeldtabelle und SozialzuschlĂ€gen. MICHAEL WRASE und FELIX WIRTH HANSCHMANN (DE) verteidigen die Reform als verfassungsgemĂ€ĂŸ. 

Geld regiert auch die Demokratieförderung. Nun versucht die Bundesregierung immer hĂ€ufiger, diese gezielt inhaltlich zu steuern. JANNIK JASCHINSKI und KLAAS MÜLLER (DE) warnen, dass dies die nachhaltige Arbeit der Zivilgesellschaft im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gefĂ€hrdet.

Eine weitere Gefahr fĂŒr Demokratieprojekte kommt unscheinbarer daher: Die Extremismusklausel ist zurĂŒck und verpflichtet TrĂ€ger von Demokratieprojekten, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu bekennen. MAXIMILIAN PICHL (DE) erklĂ€rt, wie Demokratieprojekte arbeiten und warum die neuen Extremismusklauseln der AfD in die HĂ€nde spielen könnten.

ZurĂŒck ist auch die ParitĂ€tsdebatte: Nach einem Vorstoß von SPD- und CDU-Politikerinnen sind paritĂ€tische Wahllisten wieder auf der politischen Agenda. DANA-SOPHIA VALENTINER (DE) sieht die Debatte von Extrempositionen dominiert und betont stattdessen den Gestaltungsspielraum der Politik.

Etwas zu viel Gestaltungsspielraum öffnet sich auf EU-Ebene: Die EU-Staats- und Regierungschefs trafen sich am 12. Februar auf Schloss Alden Biesen. Unter dem Schlagwort der „Vereinfachung“ billigten die Staats- und Regierungschefs Reformen, die das EU-Gesetzgebungsverfahren grundlegend umgestalten könnten. ALBERTO ALEMANNO (EN) kritisiert, was er „castle method“ nennt: VertragsĂ€nderung durch informelle Gipfeldiplomatie – vorbei an Artikel 48 EUV und zulasten des institutionellen Gleichgewichts.

Die EU beteiligte sich auch an globalen Formen informeller Diplomatie: Die Teilnahme von Kommissarin Dubravka Ć uica am Auftakttreffen von Trumps „Board of Peace“ in Washington hat erhebliche Kritik ausgelöst. WĂ€hrend mehrere Mitgliedstaaten bezweifeln, dass sie ĂŒberhaupt ein Mandat fĂŒr die Mitwirkung an einer politisch so hoch umstrittenen Initiative hatte, verteidigt die Kommission ihre Teilnahme mit dem unmittelbaren Interesse der EU am Wiederaufbau Gazas. PETER VAN ELSUWEGE (EN) erklĂ€rt die erheblichen unionsrechtlichen Bedenken.

Bedenklich wirkt auch das institutionelle Design der Afrikanischen Union. Deren Vorsitz ĂŒbernimmt nun Burundi – wĂ€hrend die Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo eskaliert und tausende burundische Soldaten dort im Einsatz sind. Die Afrikanische Union regelt nicht, wie sich Kriegsbeteiligung auf den Vorsitz auswirkt. FĂŒr HAKIM NKENGURUTSE (EN) offenbart dies eine strukturelle Spannung im Herzen ihres Friedensmandats.

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Musk, Power, and the EU: Can EU Law Tackle the Challenges of Unchecked Plutocracy?
Alberto Alemanno & Jacquelyn D. Veraldi (eds.)

At a time when calls for the EU to respond to Musk’s actions are multiplying, the question of whether, why, and how the EU may react remains largely unanswered. What makes Musk’s conduct problematic under EU law? Is it a matter of disinformation, electoral integrity, foreign influence, unprecedented market concentration, or possible abuse of power? This edited volume unpacks whether and how (EU) law may tackle the existence and exercise of unprecedented plutocratic power.

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Im Juli vergangenen Jahres haben wir zahlreiche bis dato weitgehend unveröffentlichte Memoranden und Schreiben israelischer Völkerrechtler*innen zum Gaza-Krieg zugĂ€nglich gemacht – eingeordnet und analysiert von KAI AMBOS. Nun liegt eine aktualisierte Fassung vor, die unter anderem ein weiteres Schreiben zur Bodenoffensive in Gaza-Stadt und zu den „flĂ€chendeckenden Bombardierungen von WohngebĂ€uden“ enthĂ€lt sowie ein Dokument zur Pflicht, Kriegsverbrechen zu untersuchen.

Die US-Intervention in Venezuela verletzte das Gewalt- und Interventionsverbot der UN-Charta. Zugleich eröffnete sie politischen Handlungsspielraum: KĂŒrzlich verabschiedete Venezuela ein Amnestiegesetz. KAI AMBOS und GUSTAVO URQUIZO (EN) zeigen, warum die weitreichende Amnestie statt zu versöhnen eher die exekutive Kontrolle der Justiz verstĂ€rken könnte.

Von Amnestie wollte das Bezirksgericht Seoul nichts wissen und verurteilte am 19. Februar den ehemaligen PrĂ€sidenten SĂŒdkoreas, Yoon Suk Yeol, wegen Aufstands zu lebenslanger Haft. Seine AnhĂ€nger*innen weigern sich, das Urteil anzuerkennen. JOSEPHINA LEE (EN) argumentiert, dass die Delegitimierung gerichtlicher Entscheidungen die Polarisierung weiter verschĂ€rft.

Auch Italien ist polarisiert. JĂŒngstes Symptom sind die zwei „Sicherheitsdekrete“ der Meloni-Regierung, die das Strafrechtssystem umbauen. FILIPPO VENTURI (EN) zeichnet nach, wie sich der italienische Populismus zu einem punitiven Regierungsstil verdichtet, der Protest beschneidet und Strafgewalt ausweitet.

Um Raum fĂŒr Dissens ging es auch vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Dieser bestĂ€tigte nun, dass der Rechtsextremist Björn Höcke auch in stĂ€dtischen Hallen auftreten darf. RALF MICHAELS (DE) beschreibt den Versuch Bayerns, den Anspruch auf die Nutzung öffentlicher Einrichtungen fĂŒr bestimmte politische Veranstaltungen auszuschließen – und warum das dem Grundgesetz widerspricht.

In ein paar Jahrzehnten werden wir es vielleicht fast rĂŒhrend finden, dass uns die Nutzung des analogen öffentlichen Raums mal solche Kopfschmerzen bereitet hat. Oder wir werden die digitalen RĂ€ume geschlossen und uns eine gerechtere Nutzung des öffentlichen Raums erkĂ€mpft haben, wo uns Optimus Traubenrispen anreicht. Alles ist möglich, wenn man – wie QUINN SLOBODIAN und BEN TARNOFF oben vorschlagen – Politik nicht als Programmierung, „sondern als Prozess kollektiver Intelligenz und KreativitĂ€t von unten“ denkt. KreativitĂ€t ist nichts, was manchen Genies von Gotteshand verliehen wurde, sondern unsere alltĂ€gliche und instinktive Art, zu leben. Etwa, wenn wir am Wochenende Brot backen, oder wie wir die Butter aufs Brot streichen – selbst wenn das Brotrezept von ChatGPT stammt.

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Das war’s fĂŒr diese Woche.

Ihnen alles Gute!

Ihr

Verfassungsblog-Team

 

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