EU-Chatkontrolle: «Beispielloses Machtspiel» von ParlamentsprÀsidentin Metsola
Im Vorfeld der abschlieĂenden Trilog-Verhandlungen zur Chatkontrolle kommt es offenbar zu «beispiellosen Manövern» in letzter Minute. Zum einen versuche EU-ParlamentsprĂ€sidentin Roberta Metsola, die freiwillige «Chatkontrolle 1.0» wiederzubeleben, die das Parlament bereits im MĂ€rz abgelehnt hatte, berichten Politico und der ehemalige Europaabgeordnete Patrick Breyer.
Metsola setze sich ĂŒber die Abgeordneten hinweg, um das Vorhaben doch noch durchzudrĂŒcken und eine weitere (die dritte) Abstimmung des EuropĂ€ischen Parlaments zu erzwingen. Die Botschafter der EU-Regierungen sollten am Freitag eine «Einladung des PrĂ€sidenten des EuropĂ€ischen Parlaments zur Weiterverfolgung der ersten Lesung des Rates» prĂŒfen. Ăber mögliche Ergebnisse ist noch nichts bekannt.
Zum anderen finden am Montag die finalen Trilog-Verhandlungen zur permanenten «Chatkontrolle 2.0», der sogenannten CSAM-Verordnung, statt. Laut Breyer soll am Montagmorgen in einer Schattenberichterstatter-Sitzung ein neues Mandat des EuropÀischen Parlaments beschlossen werden. Auf dessen Grundlage könnten im Trilog mit dem Rat am selben Nachmittag fatale ZugestÀndnisse gemacht werden, so der Jurist.
Als «Doppelangriff auf das digitale Briefgeheimnis» bezeichnet Breyer diese AktivitĂ€ten. Er warnt, dass die aktive Einmischung der ParlamentsfĂŒhrung fĂŒr Montag ein Worst-Case-Szenario möglich mache:
- Das «freiwillige» Massenscannen privater Nachrichten komme wieder und werde zudem als durchsetzbare «RisikominderungsmaĂnahme» de facto verpflichtend fĂŒr alle Anbieter gemacht.
- Verpflichtende Scan-Anordnungen könnten beschlossen werden, die nicht auf TatverdÀchtige beschrÀnkt sind und keine vorherige richterliche Anordnung erfordern.
- Eine verpflichtende Altersverifikation fĂŒr Hosting- und Kommunikationsdienste drohe das Recht auf anonyme Kommunikation in Europa faktisch zu zerstören, weil dies die Identifikation erfordert.
Breyer unterstreicht, dass Kinderschutz im Internet möglich ist, ohne die PrivatsphĂ€re von 450 Millionen EuropĂ€ern zu zerstören. Angesichts der aktuellen Entwicklung sei auch die Kampagnenplattform fightchatcontrol.eu aktualisiert worden. DarĂŒber kann EU-Abgeordneten und Regierungsvertretern direkt eine E-Mail gesendet werden, welche die MĂ€ngel der aktuellen VorschlĂ€ge zusammenfasst und die Einhaltung der EU-Grundrechtecharta sowie der EuGH-Urteile einfordert.