Ukrainische Seedrohne vor Lefkada: Athen schlägt Alarm
Der Fund einer mutmaßlich ukrainischen Seedrohne vor der griechischen Insel Lefkada entwickelt sich zu einem sicherheitspolitischen Eklat mit internationaler Sprengkraft. Griechenlands Verteidigungsminister Nikos Dendias bestätigte am Dienstag in Brüssel, dass das sichergestellte unbemannte Wasserfahrzeug aus ukrainischer Produktion stammt – und sprach von einem «extrem ernsten Thema».
«Die Präsenz dieses Seedrohnen-Systems beeinträchtigt die Freiheit und Sicherheit der Schifffahrt.»
Das erklärte Dendias am Rande des Treffens der EU-Verteidigungsminister. Besonders brisant: Das Objekt wurde nicht im Schwarzen Meer, in der Ägäis oder in einem Kriegsgebiet entdeckt, sondern auf der anderen Seite im Ionischen Meer, weit ab von ukrainischen und russischen Hoheitsgewässern und in unmittelbarer Nähe touristischer und ziviler Schifffahrtsrouten.
Nach griechischen Medienberichten war die Drohne mit militärischer Elektronik und mutmaßlich auch mit Sprengstoff ausgestattet. Spezialkräfte, Marineeinheiten und Kampfmittelräumer rückten an, um das System zu sichern. Der Vorfall löste hinter den Kulissen offenbar erhebliche Nervosität bei den griechischen Sicherheitsbehörden aus.
Die Reichweite und Herkunft der Drohne werfen dabei massive Fragen auf. Ukrainische Seedrohnen vom Typ MAGURA wurden bislang vor allem gegen russische Schiffe im Schwarzen Meer eingesetzt. Dass ein solches System plötzlich an der Westküste Griechenlands auftaucht, sorgt nun auch innerhalb der NATO für Unruhe. Offiziell hält sich Athen mit direkten Vorwürfen gegen Kiew zwar zurück, doch die Botschaft aus dem Verteidigungsministerium ist eindeutig: Derartige militärische Systeme haben in mediterranen Gewässern nichts verloren.
Auch Griechenlands Außenminister Georgios Gerapetritis sprach bereits von einer «besonders ernsten Entwicklung» und kündigte diplomatische Schritte an, sobald die technischen Untersuchungen abgeschlossen seien.
Der Vorfall könnte weitreichende Folgen haben. Denn sollte sich bestätigen, dass bewaffnete ukrainische Seedrohnen unkontrolliert oder verdeckt durch das Mittelmeer operieren, würde dies nicht nur die maritime Sicherheit Europas infrage stellen, sondern auch das Risiko schwerer Zwischenfälle drastisch erhöhen. Szenarien wie Angriffe auf Tanker, Kollisionen mit zivilen Schiffen oder Umweltkatastrophen gelten plötzlich nicht mehr als theoretisch.
Für Griechenland ist die Lage besonders heikel: Das Land unterstützt die Ukraine politisch, lebt aber zugleich von Tourismus, Handel und stabilen Seewegen. Außerdem sind in der Bevölkerung die Sympathien geteilt. Die Vorstellung, dass bewaffnete Kamikaze-Drohnen durch griechische Gewässer treiben könnten, dürfte in Athen für erheblichen politischen Druck sorgen.