Verlag untersucht zwei weitere Studien zur Sicherheit von Glyphosat wegen Vorwürfen des Ghostwritings
Der Verlag Taylor & Francis untersucht derzeit zwei wissenschaftliche Studien, die in der Fachzeitschrift Critical Reviews in Toxicology veröffentlicht wurden und die die Sicherheit des Unkrautvernichtungsmittels «Roundup» belegen sollen. Wie Retraction Watch berichtet, geht die Untersuchung der Studien aus den Jahren 2013 und 2015 auf Vorwürfe zurück, dass die Artikel von Monsanto, dem ursprünglichen Entwickler des Herbizids, als Ghostwriter verfasst worden seien. Die «Autoren» der Arbeiten sind die Toxikologen Larry Kier, David Kirkland und Helmut Greim.
Interne Monsanto-Dokumente, die im Rahmen eines Rechtsstreits über die Sicherheit von Glyphosat veröffentlicht wurden, enthüllten nämlich einen E-Mail-Austausch, in dem ein Mitarbeiter des Unternehmens Folgendes vorschlug:
«Eine Möglichkeit wäre, Greim und Kier oder [David J.] Kirkland als Mitautoren hinzuzufügen, damit ihre Namen in der Veröffentlichung erscheinen, aber wir würden die Kosten niedrig halten, indem wir den Text selbst verfassen und sie sozusagen nur redigieren und ihre Namen darunter setzen. Erinnere dich daran, dass wir das bei Williams, Kroes & Munro, 2000, genauso gehandhabt haben.»
Die Wissenschaftler Alexander Kaurov, Jason MacLean und Naomi Oreskes haben laut Retraction Watch auf den Rückzug dieser Beiträge gedrängt und darauf hingewiesen, dass Aufsichtsbehörden wie die Environmental Protection Agency (EPA) diese genutzt haben, um die fortgesetzte Zulassung von Glyphosat zu rechtfertigen.
Die «Autoren» weisen die Vorwürfe demnach jedoch entschieden zurück. Sie würden betonen, dass sie die alleinige Verantwortung für die Abfassung trugen und über volle wissenschaftliche Unabhängigkeit verfügten. Bayer, das Monsanto im Jahr 2018 übernommen hatte, habe die Vorwürfe des Ghostwritings als absurd bezeichnet und sie als Versuch der Prozessindustrie eingestuft, fundierte Wissenschaft zu diskreditieren.
Retraction Watch weist darauf hin, dass diese laufende Untersuchung auf eine damit zusammenhängende Rücknahme einer separaten Übersichtsarbeit zu Glyphosat aus dem Jahr 2000 durch die Fachzeitschrift Regulatory Toxicology and Pharmacology im Dezember 2025 folgt. Dabei handelt es sich um die in der zitierten E-Mail erwähnten Arbeit von Gary Williams, Robert Kroes und Ian Munro. Sie sei zurückgezogen worden, nachdem acht Jahre zuvor aus gerichtlich freigegebenen E-Mails ebenfalls hervorging, dass sie von Monsanto-Mitarbeitern als Ghostwriter verfasst worden war.
Eine Gruppe von 66 Forschern trete derzeit dafür ein, diese frühere Rücknahme rückgängig zu machen, und argumentiere, es gebe keine Hinweise auf wissenschaftliche Mängel in der Arbeit. Martin van den Berg, Mitherausgeber der Zeitschrift, habe allerdings bestätigt, dass die Entscheidung bestehen bleibt.
Der Sachverhalt ist vor allem auch deswegen von Bedeutung, weil Glyphosat mit etlichen gesundheitlichen Schäden in Verbindung gebracht wird. So gibt eine neue US-Untersuchung Hinweise darauf, dass hormonwirksame Pestizide mit höheren Brustkrebsraten assoziiert sind. Besonders häufig zeigte sich ein Zusammenhang mit Phosphonaten wie Glyphosat.
Nicht weniger besorgniserregend ist das Ergebnis einer Ende 2024 erschienenen Arbeit, der zufolge Glyphosat eine Alzheimer-ähnliche Pathologie verursacht. Und damit nicht genug: Weitere Folgen können ein vorzeitiger Tod, ein angstähnliches Verhalten und eine Entzündung des Nervengewebes sein. Und auch Nierensteine soll der zentrale biologisch aktive Wirkstoff des Breitbandherbizids Roundup, das ursprünglich von Monsanto entwickelt wurde und heute von Bayer vermarktet wird, speziell bei bestimmten Personengruppen begünstigen (TN berichtete).