Maschinen an die Macht!
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Manova. Transition News durfte ihn mit freundlicher Genehmigung des Autors ĂŒbernehmen.
Wir strĂ€uben uns noch ein wenig gegen diese unbequeme Erkenntnis. Aber frĂŒher oder spĂ€ter wird uns die RealitĂ€t einholen: Wir Menschen sind Auslaufmodelle. Kaum noch ein Argument spricht dafĂŒr, fĂŒr wichtige Aufgaben Menschen zu verwenden â da doch die VorzĂŒge von Maschinen unmittelbar einleuchten.
Effizient und potenziell allwissend, nie mĂŒde, nie wehleidig, steuer- und programmierbar durch diejenigen, die sie zu bedienen wissen. Filme und Serien wie «Terminator», «Matrix» oder «Star Trek» haben Schreckensvisionen einer umfassenden Beherrschung der lebendigen Welt durch Maschinen entworfen. Der gröĂte Unterschied zwischen Fiktion und RealitĂ€t besteht aber darin, dass wir echten Menschen gegen die Maschinen kaum aufbegehren, uns ihnen vielmehr willig ausliefern, indem wir ihnen in immer mehr Lebensbereichen Macht ĂŒber uns zugestehen.
Der Autor widmet sich in diesem Beitrag der Geschichte und Kulturgeschichte der Technokratie, speziell seit dem frĂŒhen 20. Jahrhundert. Interessanterweise handelt es sich um eine U- beziehungsweise Dystopie, die nicht allein der westliche Kapitalismus hervorgebracht hat. Auch im Faschismus und im russischen Kommunismus gab es Experimente, die auf eine Herrschaft der Maschinen und der Technik-Eliten hinausliefen.
Als störend galten dabei immer Demokratie und Menschenrechte. Diese dunkle Historie sollte man kennen, will man der Gefahr einer technokratischen Eskalation in naher Zukunft entgegentreten â denn die Werkzeuge der Beherrschung wurden in den letzten Jahren derart geschĂ€rft, dass einem beim Gedanken an deren Missbrauch durch destruktive KrĂ€fte angst und bange werden kann.
Die Ereignisse ĂŒberschlagen sich
Kaum haben wir uns davon erholt, dass man uns zwingen wollte, eine mĂ€Ăig erforschte Substanz injiziert zu bekommen â was wir noch gerade eben abwenden konnten. Zumindest fĂŒr uns selber. Da kommen auch schon die nĂ€chsten TabubrĂŒche in ungekannter Beschleunigung und Heftigkeit. Ein neues Ministerium fĂŒr Regierungseffizienz (mit dem KĂŒrzel DOGE) entwendet sensible Daten, die eigentlich strengstem Datenschutz unterliegen, aus dem Gesundheitsministerium der USA und ĂŒbergibt sie der privaten Firma Palantir (1).
US-PrĂ€sident Donald Trump verlangt derweil in rĂŒpelhaftester Manier die Ăbergabe der dĂ€nischen GroĂinsel Grönland an sein Imperium. In Grönland wollen Mitglieder seines Clans privatisierte ExperimentalflĂ€chen schaffen. Ohne staatliche Kontrolle. Ohne irgendwelche störenden Gesetze zum Naturschutz beachten zu mĂŒssen. Um Geo-Engineering betreiben zu können. Hier soll es dann keine demokratische Kontrolle mehr geben. Stattdessen regiert ein CEO in der Sonderwirtschaftszone Grönland (2).
Nicht mehr in Planung, sondern bereits im Aufbau befindet sich die Sonderwirtschaftszone Gaza. Wenn die TrĂŒmmer und die Leichname der palĂ€stinensischen Zivilisation weggerĂ€umt sind, soll hier eine voll digitalisierte Zone entstehen mit acht Smart Cities, einer Tesla-Fabrik und einem voll digitalisierten Mittelmeerhafen. Dazu ein Luxus-Ressort fĂŒr die Schönen und die Reichen dieser Welt (3).
Auf dem ganzen Planeten schieĂen bereits PrivatstĂ€dte wie Pilze aus dem Boden. Befreit von demokratischer Kontrolle schalten und walten hier Investoren von teilweise dubioser Herkunft. Alle diese Experimente vereint der Grundsatz, dass sich neben einem ungehemmten Profitprinzip hier auch eine komplett entfesselte Technokratie austoben kann.
Technokratie heiĂt: Die Technik gilt als oberstes Prinzip. Technik ist das MaĂ aller Dinge. Der Mensch ist voller MĂ€ngel im Vergleich zur Maschine. Deshalb muss der Mensch an die Maschine angepasst werden.
Die Mega-Maschine verschlingt die Menschen und unterwirft sie ihrem Takt. Der Mensch ist aus dieser Perspektive mangelhaft. WĂ€hrend die Maschine sieben Tage in der Woche vierundzwanzig Stunden am Tag klaglos arbeitet, ist der Mensch immer mal wieder krank, hat Depressionen oder ist einfach nur mĂŒde. Das passiert der Maschine nicht â vorausgesetzt, sie wird immer ausreichend mit Energie und Ersatzteilen gefĂŒttert.
Es ist von daher nur konsequent, wenn Plattformkapitalisten wie Peter Thiel oder Elon Musk ĂŒber eine Fusion von Mensch und Maschine nachdenken. Schon ist das erste lebende menschliche Gehirn durch einen Chip mit dem Computer verbunden (4).
Die Ungeduld der neuen Herren dieser Welt ist groĂ. Sie empfinden es als Ă€uĂerst störend, dass es immer noch eine demokratische Ăffentlichkeit gibt. Dass es Gesetze gibt, die den Techno-Experimenten durch Umwelt-, Klima- oder Gesundheitsschutzklauseln im Wege stehen.
Es ist nicht zu bestreiten, dass KĂŒnstliche Intelligenz ungeahnte neue LösungsansĂ€tze entwickelt, auf die der Mensch bislang noch nie gekommen ist. Und das in Sekundenschnelle. Soll man denn auf die TrĂ€gheit der Demokratie und der Transparenzregeln noch allzu lange RĂŒcksicht nehmen? Was sollen diese ethischen Bedenken gegen eine weitere Steigerung der KĂŒnstlichen Intelligenz durch die Allgemeine KĂŒnstliche Intelligenz?
Demokratie nervt hier nur. Das meint jedenfalls Peter Thiel, wenn er sagt: Demokratie und Freiheit sind nicht miteinander vereinbar (5). Es bedarf einer neuen Elitenherrschaft der Technokraten, die frei und ungehindert Fortschritte in exponentieller Entwicklungsbeschleunigung ausfĂŒhren können. DafĂŒr gibt es eine Denkschule der Technokraten: den Akzelerationismus. Also die Forderung nach technologischer Beschleunigung.
Das Volk muss man da gar nicht mehr fragen. Schon die Corona-Kampagne mit ihrem nachfolgenden Impfzwang kam ja völlig ohne Transparenz aus. Es wurde einfach ein globaler Notstand ausgerufen, Panik verbreitet und in dieser Schockstarre vollkommen demokratiefrei agiert.
Die Technokratie oder Technokratur hat eine lange Vorgeschichte
All diese Angriffe auf AufklÀrung, Demokratie und HumanitÀt haben durchaus eine lange Vorgeschichte. Sie kommen keinesfalls aus dem Nichts.
Da gab es schon seit lĂ€ngerem subkutane Unterströmungen, die einige Jahrzehnte unter dem Mantel der Vergessenheit begraben waren. Die kollektive Scham Ă€chtete solche AnsĂ€tze. Nach dem Grauen des Holocaust zum Beispiel sprach niemand mehr offen ĂŒber die genetische Manipulation des Menschen, also ĂŒber Eugenik (6). Es war nicht mehr stubenrein, ĂŒber die RentabilitĂ€t des Menschen zu sprechen. Und dann den Vorschlag zu unterbreiten, unrentable Menschen auszulöschen. Also sich fĂŒr die Euthanasie auszusprechen (7). Seit kurzem befĂŒrworten «Experten» unwidersprochen die «Triage». Wer darf lebensrettende MaĂnahmen erhalten, und wer nicht? PflegebedĂŒrftige alte Menschen in Heimen wurden wĂ€hrend der Corona-Kampagne unversorgt ihrem elenden Versterben preisgegeben.
In der Neuzeit vollzog sich die Ausrichtung des Menschen nach den Anforderungen der Mega-Maschine. Lewis Mumford prĂ€gte den Begriff der «Mega-Maschine» fĂŒr die Mechanisierung der Gesellschaft und ihrer Menschen (8). Der Philosoph Michel Foucault hat die Abrichtung der Menschen durch GefĂ€ngnisse und Irrenanstalten ausfĂŒhrlich beschrieben (9). Ende des 19. Jahrhunderts war klar, dass die fortschreitende Industrialisierung und die damit einhergehende VerstĂ€dterung unumkehrbare Folgen fĂŒr das menschliche Leben mit sich brachten. LĂ€rm, Staub und Dreck, Hektik und zunehmende AggressivitĂ€t, Leben in unertrĂ€glicher Beengtheit machten die Menschen gereizt und nervös.
Die Verstörung des GemĂŒts ist aus der Literatur jener Tage deutlich herauszulesen. Der Mensch kann und will sich nur schwer an den LĂ€rm und die Gewalt gewöhnen. Der Schriftsteller Alfred Döblin hat diese Schnelligkeit und Fragmentierung der technisierten Welt in vielen Romanen thematisiert â am bekanntesten ist seine Roman-Montage «Berlin Alexanderplatz». Walther Ruttmann hat in seiner Filmkomposition «Sinfonie einer GroĂstadt» versucht, die zersplitterte Lebenswirklichkeit Berlins formal als Symphonie wieder einzufangen (10). Expressionisten verarbeiteten das Trauma der neuen brutalisierten Wirklichkeit nach dem Ersten Weltkrieg in Malerei und Dichtung.
Da war es nur konsequent, dass sich zu dieser Technik-Skepsis eine radikale Antithese bilden sollte. Im Jahre 1909 schockierte der italienische Dichter Filippo Tommaso Marinetti mit seinem Futuristischen Manifest. Genau das, was die meisten Leute ekelhaft, bedrohlich oder aufreibend fanden, hat Marinetti in seinem Futuristischen Manifest verherrlicht. Und damit einen handfesten Skandal losgetreten. Er war sozusagen nicht politisch korrekt. Im Manifest heiĂt es unter anderem:
- «1. Wir wollen die Liebe zur Gefahr besingen, die Vertrautheit mit Energie und Verwegenheit.
- 3. Bis heute hat die Literatur die gedankenschwere Unbeweglichkeit, die Ekstase und den Schlaf gepriesen. Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag.
- 4. Wir erklĂ€ren, daĂ sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie groĂe Rohre schmĂŒcken, die Schlangen mit explosiven Armen gleichen ... ein aufheulendes Auto, das auf KartĂ€tschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.
- 7. Schönheit gibt es nur noch im Kampf. Ein Werk ohne aggressiven Charakter kann kein Meisterwerk sein. Die Dichtung muà aufgefasst werden als ein heftiger Angriff auf die unbekannten KrÀfte, um sie zu zwingen, sich vor dem Menschen zu beugen.
- *9. Wir wollen den Krieg verherrlichen â diese einzige Hygiene der Welt, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, fĂŒr die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.» (11)
Harter Tobak. Marinettis Futurismus ging auf Europa-Tournee. Skandale und Raufereien waren die beste Werbung. Nachahmer fanden sich in ganz Europa. Sogar im damals russischen Cherson bildete sich ein KĂŒnstlerkreis, der dem Futurismus huldigte. Es gab futuristische Malerei, Dichtung oder auch «Musik»: eine frĂŒhe Form der Komposition mit GerĂ€uschen und LĂ€rm. Der Nachhall der futuristischen Musik ist heute noch wahrnehmbar in den KlĂ€ngen der Gruppen «EinstĂŒrzende Neubauten», «Laibach» oder auch «Rammstein». Doch der Krieg sollte bald die Gewalt- und Zerstörungsapotheosen der Futuristen brutal in die Echtzeit ĂŒberfĂŒhren.*
Der Futurismus ging in Italien geschmeidig in Mussolinis Faschismus auf und gab dem Duce das Flair von extravaganter ModernitĂ€t. In der Tat nahmen faschistische Regime futuristische Motive bereitwillig auf. Die choreographierten MassenaufmĂ€rsche der Nazis; die ĂŒberdimensionierten PlĂ€ne fĂŒr eine neue deutsche Hauptstadt Germania aus dem ReiĂbrett von Albert Speer atmen den Geist von Marinettis Futurismus. Die faschistischen Regime in Italien und Deutschland kann man ohne Abstriche als technokratische Herrschaftssysteme bezeichnen. In diesem Falle dient die Diktatur der Technik der gut geschmierten Kriegsmaschine.
Doch auch die Planwirtschaft hat den Zweck, die Gesellschaft nach rationalen technokratischen Kriterien zu steuern. Experten legen fest, wie Investitionen eingesetzt werden. Die Gesellschaft ist danach ausgerichtet, die Staatsmaschine optimal zu bedienen.
Die Planwirtschaft â keine Erfindung des Sozialismus
Und entgegen landlĂ€ufiger Meinung ist die Planwirtschaft keineswegs eine sozialistische Erfindung. Der Erfinder der Planwirtschaft ist stattdessen der deutsche Unternehmer und Politiker Walther Rathenau (12). Im Ersten Weltkrieg erfand und leitete Rathenau die sogenannte Kriegsrohstoffabteilung. Diese Behörde zog die AutoritĂ€t fĂŒr alle WirtschaftsaktivitĂ€ten im Deutschen Reich an sich.
Die deutsche Wirtschaft war ein Orchester, das nach dem Taktstock der Kriegsrohstoffbehörde spielte. Als im Jahre 1917 die USA in den Ersten Weltkrieg eintrat, ĂŒbernahmen Politiker und Wirtschaftsbosse in den USA das erfolgreiche Konzept von Walther Rathenau und schufen mit dem War Industries Board eine Behörde fĂŒr Planwirtschaft (13). Die US-Wirtschaft musste die Vorgaben des War Industries Board bis ins kleinste Detail befolgen. Die nationale Schuhindustrie durfte nur vier Schuhmodelle anfertigen.
Diese technokratische Planwirtschaft wurde jedoch unter PrĂ€sident Warren G. Harding wieder aufgelöst. Denn Harding hatte die «RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t» versprochen. Das Pendel schlug also komplett in die entgegengesetzte Richtung aus. Der Staat hielt sich aus allen WirtschaftsaktivitĂ€ten heraus und beschrĂ€nkte sich darauf, die Sicherheit von Handel und Infrastruktur einigermaĂen am Laufen zu halten. Diese Politik des NachtwĂ€chterstaates bewĂ€hrte sich in den Goldenen Zwanziger Jahren â so lange, bis dann 1929 der groĂe Börsencrash kam.
WĂ€hrenddessen hatten sich die Bolschewisten auf dem Territorium des ehemaligen Zarenreiches als Ordnungsfaktor dauerhaft etabliert.
Der FĂŒhrer der neuen Sowjetföderation, Wladimir Iljitsch Lenin, ĂŒberlegte nicht lange, nach welchen Kriterien sein Reich aufgebaut werden sollte. WĂ€hrend in Deutschland und den USA die Planwirtschaft ein reines Notfallregiment im Krieg gewesen ist, sah Lenin in der Planwirtschaft ein perfektes Vehikel, um das Sowjetreich dauerhaft zu einem Musterland der Technokratie zu machen.
Lenin war fasziniert, ja geradezu hypnotisiert von der Planwirtschaft der USA im Ersten Weltkrieg. Er erklÀrte seinen Genossen im Jahre 1920:
«Der Sozialismus ist undenkbar ohne die groĂkapitalistische Technik, die sich auf den neuesten Errungenschaften der modernen Wissenschaft aufbaut, ohne eine planmĂ€Ăige staatliche Organisation, die Dutzende Millionen Menschen zur strengsten Einhaltung einer einheitlichen Norm bei der Produktion und der Verteilung der Produkte zwingt.» (14)
Damit war die Technokratie in der Sowjetunion zur Norm erhoben. Die Sowjets holten sich Entwicklungshilfe aus den bewunderten USA: von mÀchtigen Magnaten wie Averell Harriman, Henry Ford oder den Rockefellers. Das Beispiel der gescheiterten Sowjetunion zeigt, dass auch die Technokratie nicht die Probleme der Menschheit lösen kann.
Howard Scott und die Technocracy Incorporated
In den USA war mit dem Börsencrash die Illusion zerplatzt, der Staat könne die Wirtschaft einfach mal so sich selbst ĂŒberlassen nach dem Motto: Der Markt regelt sich am besten von alleine. Die ungezĂŒgelte Zockerei an der Börse brachte dann die groĂe Katastrophe. Das war eine Zeit, in der technokratische Modelle erneut Gehör fanden. Am Ende der ersten Planwirtschaft in den USA hatte der Kleinunternehmer Howard Scott bereits in der Technical Alliance mitgearbeitet, die Daten sammeln sollte fĂŒr eine technokratische Politik. Jetzt, nach der GroĂen Depression von 1929, schlug fĂŒr Scott die groĂe Stunde (15).
Er entwarf das Konzept eines technokratischen Staates, in dem Ingenieure die erste Geige spielen sollten, nicht gewĂ€hlte Politiker. Frei nach dem Wandspruch der Comic-Figur Daniel DĂŒsentrieb: «Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!» Der Technokrat soll «sich mit sozialen PhĂ€nomenen im weitesten Sinne des Wortes befassen; dies umfasst nicht nur das Handeln von Menschen, sondern auch alles, was ihr Handeln direkt oder indirekt beeinflusst», einschlieĂlich Biologie, Klima und natĂŒrliche Ressourcen (16). Ingenieure handeln von Haus aus rational, kĂŒhl kalkulierend, und sie mĂŒssen nicht um die Gunst der WĂ€hler buhlen. Eine Technokratie muss sich nicht durch das inkompetente Volk aufhalten lassen.
Gleichzeitig jedoch soll diese benevolente Techno-Diktatur die Interessen der kleinen Leute bedienen. Denn es stehen nicht mehr der Markt und die Preisbildung im Mittelpunkt. Der technokratische Staat geht sparsam mit den Ressourcen um. Er ist nicht von Profitgier getrieben. Das Geld soll ersetzt werden durch Rohstoffzertifikate, die an die jeweilige Bevölkerung verteilt werden.
Scott verbreitete seine Ideen durch die Technocracy Incorporated. Anders als es der Name nahelegt, handelte es sich hier eher um eine Stiftung als um ein Profit orientiertes Unternehmen. Die kanadische Filiale von Technocracy Incorporated leitete ĂŒbrigens ein gewisser Joshua N. Haldeman. Haldeman ist der GroĂvater mĂŒtterlicherseits von Elon Musk.
Letztlich fiel die Technokratie-Bewegung wieder in sich zusammen. Doch wichtige Elemente dieser Bewegung hatte die Regierung von US-PrĂ€sident Franklin Delano Roosevelt bereits ĂŒbernommen. Die Börse wurde an die kurze Leine gelegt. Der Staat trat als groĂer Investor auf, um die Arbeitslosigkeit zu lindern und die Konjunktur wieder anzuregen.
Die Planung der GroĂprojekte ĂŒbernahmen Experten in der Regierung. Allerdings hatte es Roosevelt nicht nötig, die Demokratie auszuschalten. Seine wohlwollende Technokratie genoss die UnterstĂŒtzung der groĂen Mehrheit der US-BĂŒrger. Der Zweite Weltkrieg brachte erneut eine softe Variante der Planwirtschaft ins Spiel. Nach dem Ende der Kampfhandlungen jedoch wurde die wohlwollende Technokratie von Roosevelts Nachfolgern umgewandelt in einen militaristischen Koloss mit seiner Geheimregierung des Nationalen Sicherheitsrats.
Die US-BĂŒrger haben diese Geheimregierung mit ihren unzĂ€hligen Geheimdiensten hingenommen. Denn es ging den US-BĂŒrgern zeitweise recht gut. Dass nun in Symbiose mit diesem Geheimstaat eine Ăbermacht des Plattformkapitalismus entstanden ist, haben die Amerikaner lange nicht bemerkt. Doch der konfrontative Politikstil von US-PrĂ€sident Donald Trump zwingt Millionen von US-BĂŒrgern förmlich dazu, die bittere Pille der Erkenntnis zu schlucken. Dass nĂ€mlich der Staat okkupiert ist von Oligarchen, die ihr profitables GeschĂ€ft auf irgendeine Weise mit dem Internet machen.
Und die im Gegensatz zu ihren historischen VorgÀngern in der Technokratiebewegung eindeutig nicht das Gemeinwohl im Blick haben. Sondern definitiv nur ihre eigenen ganz persönlichen Vorteile. Das macht diese neue Variante des Technokratismus so extrem gefÀhrlich. Peter Thiel hat sich mit der Förderung von VizeprÀsident JD Vance in die Regierung eingekauft. Um langfristig Politik ganz abzuschaffen (17). Denn das Volk sei unfÀhig, die komplexen ZusammenhÀnge zu begreifen. (18).
Auch diese arroganten Töne sind in der Geschichte der USA nicht wirklich neu. Ăhnliches hatte der US-Chefideologe Walter Lippmann in seinem Buch «Die Ăffentliche Meinung» bereits 1920 ventiliert. Doch von den technischen Möglichkeiten, ihre Herrschaft durchzusetzen, wie sie die jetzigen Internet-Oligarchen haben, konnte Lippmann noch nicht einmal trĂ€umen. Doch diese technokratischen Oligarchen haben offensichtlich den Bogen ĂŒberspannt. Millionen wache Menschen beobachten sie jetzt.
Quellen und Anmerkungen:
(1) https://apolut.net/die-gar-nicht-so-geheime-machtergreifung-der-paypal-mafia-von-hermann-ploppa/
(2) https://www.manova.news/artikel/von-gronland-bis-zum-mars
(3) https://apolut.net/macht-netanjahu-die-drecksarbeit-fur-blackrock-von-hermann-ploppa/
(4) https://www.youtube.com/watch?v=uB12mwF0WGQ
(5) https://www.deutschlandfunk.de/peter-thiel-unternehmer-politaktivist-100.html
(6) Hermann Ploppa: Hitlers amerikanische Lehrer â Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus. Marburg 2016.
(7) https://www.youtube.com/watch?v=7nDd7nWsNag&t=149s
(8) https://monoskop.org/images/4/45/Mumford_Lewis_Mythos_der_Maschine.pdf
(9) Michel Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft. Frankfurt/Main 1969
(10) https://www.youtube.com/watch?v=MBCGTp3egbc
(11) Futuristisches Manifest auf Italienisch
https://www.gutenberg.org/files/28144/28144-h/28144-h.htm
(12) https://www.manova.news/artikel/der-fahige-aussenminister
(13) Hermann Ploppa: Hitlers amerikanische Lehrer. Marburg 2016. S.95ff
(14) https://www.sozialistischeklassiker2punkt0.de/sites.google.com/site/sozialistischeklassiker2punkt0/lenin/1921/wladimir-i-lenin-ueber-die-naturalsteuer.html?utm_source=chatgpt.com
(15) William E. Aiken: Technocracy and the American Dream â The Technocrat Movement 1900-1941. London 1977
(16) David A. Hughes: âCovid-19, Psychological Operations, and the War for Technocracy. Vol.1. London 2024. S.15.
(17) https://www.theguardian.com/commentisfree/2024/oct/03/jd-vance-anti-democracy-movement-leader?utm_source=chatgpt.com
(18) https://podscripts.co/podcasts/offline-with-jon-favreau/how-peter-thiel-became-the-rights-tech-authoritarian-kingmaker?utm_source=chatgpt.com


âFirst, I got myself born.â Mit diesem ersten Satz macht Barbara Kingsolver in ihrem Roman âDemon Copperheadâ von Anfang an klar, dass Damon (wie der Protagonist eigentlich heiĂt) schon frĂŒh im Leben viel Verantwortung ĂŒbernehmen muss â zu viel. Der Roman liefert ErklĂ€rungsansĂ€tze fĂŒr die Wahl Donald Trumps und ist damit die klĂŒgere Alternative fĂŒr jene, die â wie ich â aus Ă€hnlichem Erkenntnisinteresse gerne zu âHillbilly Elegyâ von J. D. Vance greifen wĂŒrden, aber ungern Texte von AutoritĂ€ren lesen wollen.