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Corona Transition

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Brauchen Sie «Transition News»? Falls ja, brauchen wir Sie!

Liebe Leserinnen und Leser

Seit über sechs Jahren gibt es nun Transition News. Als Corona Transition vom Zeitpunkt-Verleger Christoph Pfluger Anfang April 2020 gegründet, wurde es in kurzer Zeit zu einem wichtigen Informations- und Vernetzungsportal des Widerstands gegen die totalitären COVID-Maßnahmen. Diese spalteten die Gesellschaft und reichten bis in die Privatsphäre hinein. Sie gefährdeten oder zerstörten Existenzen. Die Spendenbereitschaft der Leserinnen und Leser war damals groß.

Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine verschob sich die mediale Aufmerksamkeit. Die «Pandemie» war plötzlich vorbei. Schon vorher war uns klar, das wir unser Informationsportal weiterführen und den Themenbereich ausweiten würden. Das Interesse der Leser bestand weiter, doch allmählich reduzierte sich die finanzielle Unterstützung. Mithilfe von Aufrufen zur finanziellen Unterstützung konnten wir aber immer wieder zumindest eine kleine Reserve aufbauen und uns so durch die letzten Jahre «hangeln».

Nun ist aber ein Novum eingetreten: Der letzte Aufruf hat zwar auch Wirkung gezeigt, doch erstmals haben die Einnahmen nicht für die laufenden Ausgaben gereicht. Die Existenz von Transition News ist somit bedroht.

Der neue Vorstand der Genossenschaft, bestehend aus Sophia-Maria Antonulas, Konstantin Demeter, Daniel Funk und Wiltrud Schwetje, wird drastische Einsparungen vornehmen müssen, auch personelle. Aber wir alle wissen, ein systemischer Widerstand, und dazu sind «alternative» Informationen unentbehrlich, kann nur gemeinsam geschehen. Jede und jeder muss dafür nach seinen Möglichkeiten Verantwortung übernehmen. Denn die Gegner sind mächtig und finanzstark.

Somit nochmals die im Titel gestellte Frage: Brauchen Sie Transition News? Sind Sie der Ansicht, dass dieses leserfinanzierte Portal weiterhin benötigt wird? Falls ja: Helfen Sie uns bitte beim Durchstarten und Zünden der nächste Stufe. Wir haben zwei Anliegen an Sie:

Erstens unsere dringliche Bitte, Transition News auch in dieser Phase der Erneuerung finanziell zu unterstützen. Besonders geschätzt sind regelmäßige Geldeingänge. Schon Beträge in Höhe von fünf CHF/Euro pro Monat helfen, unsere Arbeit zu finanzieren. Über jeden höheren Betrag freuen wir uns natürlich umso mehr.

Zweitens möchten wir von Ihnen erfahren, welche Schwerpunkte Transition News in Zukunft setzen soll. Sie können uns Ihre Wünsche dazu in einer E-Mail an info@transition-news.org mitteilen. Gerne würden wir auch mit Ihnen persönlich darüber sprechen. Falls Sie bereit sind, mit Sophia-Maria Antonulas oder Daniel Funk dazu zu telefonieren, teilen Sie uns das bitte mit. Wir würden dann einen Telefontermin vereinbaren.

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, uns zu unterstützen, darunter (siehe auch weiter unten):

  • Monatliche oder einmalige Zahlung (Betrag nach Wahl)
  • PayPal (Betrag nach Wahl, einmalig, monatlich oder jährlich)
  • Dauerauftrag oder Einzelspende per Überweisung (Spendenbetrag nach Wahl):
    Kontoinhaber: Genossenschaft Transition Media
    IBAN (CHF): CH15 0645 0600 3117 8466 0
    IBAN (Euro): CH64 0645 0600 3117 8465 1
  • Nicht automatisches Abo mit Erinnerungs-Mail (verschiedene vorgegebene Möglichkeiten)
  • Twint oder Kreditkarte

Herzlichen Dank!

Ihre Transition News-Redaktion


Wiltrud Schwetje


Susanne Schmieden


Konstantin Demeter


Lars Ebert


Torsten Engelbrecht


Daniel Funk


Tilo Gräser


Andreas Rottmann

Scharfe Kritik an Krebsvorsorge: «Sie ist aggressiv dreist, anmaßend und erdrückend»

Die Früherkennung von Krebs gehört zu den am stärksten beworbenen Maßnahmen der modernen Medizin. Regelmäßige Mammografien, Darmspiegelungen, PSA-Tests oder Lungenkrebs-Screenings sollen Tumore möglichst früh entdecken und dadurch Leben retten. Doch genau diese Annahme wird von Wissenschaftlern immer stärker in Zweifel gezogen. Jetzt hat der kanadische Arzneimittel- und Gesundheitspolitikforscher Alan Cassels in einem Beitrag für Brownstone.org dezidiert Kritik geübt. Titel: «The Trouble with Cancer Screening in Healthy Adults.»

Cassels stellt eine Frage, die für viele auf den ersten Blick nach wie vor irritierend wirken mag: Was passiert eigentlich, wenn man bei Menschen nach Krebs sucht, die keinerlei Beschwerden haben? Seine Antwort lautet, dass die Vorteile vieler Screeningprogramme deutlich geringer ausfallen könnten als gemeinhin angenommen wird, während die Risiken häufig unterschätzt werden.

Der Autor stützt sich dabei auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien und Übersichtsarbeiten zu den wichtigsten Krebsfrüherkennungsprogrammen. Seine zentrale Kritik richtet sich gegen die weit verbreitete Vorstellung, dass eine frühere Diagnose automatisch zu einer höheren Lebenserwartung führt. Tatsächlich werde in der öffentlichen Kommunikation häufig die Zahl der durch Screening entdeckten Tumore hervorgehoben. Entscheidend sei jedoch eine andere Frage: Leben Menschen durch die Untersuchungen tatsächlich länger?

Nach Darstellung von Cassels liefern zahlreiche große Studien hier keine eindeutige Bestätigung. Zwar könne die Zahl der Todesfälle durch eine bestimmte Krebsart in einzelnen Fällen sinken, doch bei der Gesamtsterblichkeit lasse sich häufig kein statistisch signifikanter Vorteil nachweisen. Mit anderen Worten: Menschen sterben möglicherweise seltener an einer bestimmten Krebsart, leben insgesamt aber nicht länger als Menschen, die nicht am Screening teilnehmen.

Besonders ausführlich geht Cassels auf das Mammografie-Screening zur Brustkrebsfrüherkennung ein. Die Mammografie wird seit Jahrzehnten als Paradebeispiel erfolgreicher Vorsorgeprogramme dargestellt. Der Autor verweist jedoch auf große randomisierte Studien, die zwar einen gewissen Rückgang der Brustkrebssterblichkeit zeigen, gleichzeitig aber keinen entsprechenden Rückgang der Gesamtsterblichkeit nachweisen konnten.

Für Cassels ist dies ein wichtiger Unterschied, weil letztlich nicht die Diagnose einer bestimmten Krankheit entscheidend sei, sondern die Frage, ob Menschen dadurch insgesamt länger und gesünder leben.

Überdiagnose und falsch-positive Ergebnisse

Ein zentrales Thema seines Artikels ist die sogenannte Überdiagnose. Darunter verstehen Mediziner die Entdeckung von Tumoren oder Zellveränderungen, die zwar die Kriterien einer Krebserkrankung erfüllen, aber zu Lebzeiten der Betroffenen niemals Beschwerden verursacht hätten. Da Ärzte bei einer Krebsdiagnose in der Regel handeln müssen, führen solche Befunde oft zu Operationen, Bestrahlungen oder medikamentösen Behandlungen – mit allen damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen. Cassels fasst dieses Problem in einem prägnanten Satz zusammen:

«Das Screening entdeckt frühe Krankheitszeichen, aber es produziert auch Patienten.»

Gemeint ist, dass Menschen durch die Diagnostik zu Kranken erklärt werden können, obwohl ihre Befunde möglicherweise niemals klinisch relevant geworden wären. Darüber hinaus beschreibt der Autor die Folgen falsch-positiver Befunde. Hierbei zeigt eine Untersuchung zunächst einen Verdacht auf Krebs an, obwohl sich später herausstellt, dass gar keine Erkrankung vorliegt. Für die Betroffenen bedeutet dies oftmals Wochen oder Monate der Angst, zusätzliche bildgebende Verfahren, Biopsien oder weitere invasive Untersuchungen. Die psychischen Belastungen solcher Fehlalarme würden in öffentlichen Informationskampagnen häufig nur am Rande erwähnt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Brownstone-Artikels ist die Kritik an der Art und Weise, wie Screeningprogramme kommuniziert werden. Nach Ansicht von Cassels werden mögliche Vorteile oft betont, während Risiken wie Überdiagnosen, Fehlalarme und unnötige Behandlungen vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten. Dadurch entstehe bei vielen Menschen der Eindruck, die Teilnahme an Vorsorgeprogrammen sei grundsätzlich und uneingeschränkt sinnvoll.


Quelle: Brownstone.org

Zur Unterstützung seiner Argumentation zitiert Cassels den britisch-kanadischen Mediziner David Sackett, einen der Begründer der evidenzbasierten Medizin. Bereits vor mehr als zwanzig Jahren habe Sackett in einem Artikel mit der Überschrift «Die Arroganz der Präventivmedizin», veröffentlicht im Canadian Medical Association Journal, vor einer übermäßigen Ausweitung präventivmedizinischer Maßnahmen gewarnt. Sackett schrieb:

«Die Präventivmedizin weist alle drei Elemente der Arroganz auf. Erstens ist sie in aggressiver Weise dreist, indem sie symptomlose Personen verfolgt und ihnen vorschreibt, was sie tun müssen, um gesund zu bleiben.

Zweitens ist die Präventivmedizin anmaßend, da sie davon ausgeht, dass die von ihr befürworteten Maßnahmen im Durchschnitt mehr Nutzen als Schaden für diejenigen bringen, die sie akzeptieren und befolgen.

Schließlich ist die Präventivmedizin erdrückend und greift diejenigen an, die den Wert ihrer Empfehlungen in Frage stellen.»

Cassels betont dabei ausdrücklich, dass er nicht gegen jede Form der Krebsfrüherkennung argumentiert. Vielmehr plädiert er für eine differenzierte Betrachtung. Menschen sollten vor einer Entscheidung umfassend über die tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten von Nutzen und Schaden informiert werden. Statt allgemeiner Werbebotschaften brauche es eine ehrliche Aufklärung darüber, wie groß der mögliche Nutzen tatsächlich ist und welche Risiken mit einer Untersuchung verbunden sein können.

Ärztezeitung: «Es ist Zeit für ein Umdenken»

Sogar ein orthodoxes Fachmedium wie die Deutsche Ärztezeitung schrieb Anfang des Jahres:

«Falsch-positive Ergebnisse, Überdiagnosen und geringe Teilnahmeraten: Die Kritik an etablierten Krebsfrüherkennungsprogrammen lässt nicht nach. Es ist Zeit für ein Umdenken.»

Ähnlich kritisch äußerte sich kürzlich der dänische Forscher Peter C. Gøtzsche (wir berichteten). Sein Fazit:

«Allgemeine Gesundheitschecks sind schädlich.»

Der dänische Facharzt für Innere Medizin und Medizinforscher sowie Mitbegründer der Cochrane Collaboration verweist auf große Cochrane-Analysen, nach denen allgemeine Gesundheitschecks bei beschwerdefreien Menschen die Gesamtsterblichkeit nicht messbar senken. Stattdessen könnten sie zusätzliche Diagnosen, weitere Untersuchungen und unnötige Behandlungen nach sich ziehen.

Gøtzsche ergänzt mit seinen Einlassungen also die Debatte um die Krebsvorsorgeuntersuchungen um einen grundsätzlicheren Aspekt: Nicht nur Krebs-Screenings, sondern auch breit angelegte Gesundheitschecks könnten dazu führen, dass bei gesunden Menschen Befunde entdeckt werden, die letztlich keinen gesundheitlichen Nutzen bringen. Das Risiko von Überdiagnosen und Überbehandlungen steht auch hier im Mittelpunkt der Diskussion.

Es wird damit nicht die Existenz von Krankheiten oder die Bedeutung medizinischer Hilfe infrage gestellt, sondern vor der Vorstellung gewarnt, dass mehr Diagnostik automatisch bessere Gesundheit bedeutet. Gerade bei Menschen ohne Beschwerden könne die intensive Suche nach Krankheiten unerwartete Folgen haben – von psychischer Belastung über unnötige Therapien bis hin zu medizinischen Eingriffen ohne nachweisbaren Nutzen.

Nicht oft genug kann dabei betont werden: Patienten sollten ihre Entscheidungen auf Grundlage vollständiger Informationen treffen können – und nicht allein aufgrund der Annahme, dass mehr Vorsorge zwangsläufig bessere Gesundheit bedeutet.

Israelische Armee nahm 2025 durchschnittlich auf 15 Artikel pro Tag Einfluss

Im Jahr 2024 erklärte der erfahrene israelische Reporter Gideon Levy in einer ZDF-Dokumentation, in der die Propaganda auf beiden Seiten des Konfliktes zwischen Israel und Palästina beleuchtet wird:

«Im Schnitt wissen die Deutschen viel mehr über Gaza als wir Israelis.»

Im vergangenen Jahr hat die israelische Militärzensur nun laut +972 Magazine die Veröffentlichung von durchschnittlich zwei Artikeln pro Tag durch Medien in Israel gestoppt und in den Inhalt von weiteren 13 Artikeln eingegriffen. Damit ist 2025 das Jahr mit der zweithöchsten Zahl an Fällen von Medienzensur in Israel seit Beginn der Erfassung durch das Portal vor 15 Jahren. Nur 2024 lag die Zahl noch höher.

Laut begrenzten Daten, die als Antwort auf einen Antrag auf Informationsfreiheit von +972 und vom Movement for Freedom of Information (Bewegung für Informationsfreiheit) bereitgestellt wurden, forderte die Zensurbehörde – eine Einheit innerhalb des israelischen Militärgeheimdienstes – im vergangenen Jahr die Schwärzung von 4.974 Nachrichtenbeiträgen. Das sei zwar ein Rückgang gegenüber den 6.265 Fällen des Vorjahres, liege aber deutlich über dem Durchschnitt von etwa 2.300 Fällen pro Jahr zwischen 2011 und 2023, so +972.

Zudem habe die Zensurbehörde die Veröffentlichung von 753 Nachrichtenbeiträgen vollständig untersagt – ein Rückgang gegenüber dem Rekordwert von 1.635 im Jahr 2024, aber immer noch über dem vorherigen Jahresdurchschnitt von rund 320.

Wie das Portal erklärt, verpflichtet das israelische Recht Medienunternehmen, Beiträge, die sich mit «Sicherheitsfragen» befassen, vor der Veröffentlichung der Zensurbehörde zur Prüfung vorzulegen. Dies geschehe gemäß den nach der Gründung Israels erlassenen «Notstandsverordnungen», die bis heute in Kraft seien. Die Gesamtzahl der Nachrichtenbeiträge, die Medienunternehmen im Jahr 2025 der Zensurbehörde vorgelegt haben, belief sich demnach auf 17.176, verglichen mit einem bisherigen Jahresdurchschnitt von knapp 12.000 und einem Allzeithoch von 20.770 im Jahr 2024.

Die Zensurbehörde dürfe nur dann eingreifen, wenn «nahezu sicher ist, dass der Sicherheit des Staates durch die Veröffentlichung eines Artikels tatsächlicher Schaden zugefügt wird». Die Liste der Themen, die unter die Definition der Zensurbehörde von «Sicherheit» fallen, sei jedoch umfangreich und umfasse Informationen über geheime Waffenverkäufe, Verwaltungshaft, nachrichtendienstliche Aktivitäten, Truppenstandorte und die Ziele von Raketenangriffen. +972 weiter:

«Das Gesetz räumt der Zensurbehörde die Befugnis ein, Journalisten anzuklagen und Medienunternehmen, die sich nicht daran halten, mit Geldstrafen zu belegen, zu suspendieren, zu schließen oder sogar strafrechtlich zu verfolgen. Es liegt in der Verantwortung der Redakteure der jeweiligen Medien, vor der Veröffentlichung zu entscheiden, was veröffentlicht wird, obwohl die Zensurbehörde auch nachträglich eingreifen und die Entfernung von Artikeln verlangen kann, die ohne ihre Genehmigung veröffentlicht wurden (wie dies beispielsweise im vergangenen Jahr bei einer Kolumne in Haaretz der Fall war, in der die Orte iranischer Raketenangriffe in Tel Aviv beschrieben wurden).»

Medien sei es zudem untersagt, ihrem Publikum offenzulegen, ob und in welchem Umfang die Zensurbehörde in einen Artikel eingegriffen hat. Bei Fernsehnachrichten sei häufig ein Vertreter der Zensurbehörde im Studio anwesend, um Live-Inhalte zu überwachen.

Als Teil des israelischen Militärgeheimdienstapparats sei die Zensurbehörde vom Informationsfreiheitsgesetz ausgenommen. Sie sei daher nicht verpflichtet, Daten auf Anfrage offenzulegen, und weigere sich ausnahmslos, auf die meisten unserer Anfragen nach konkreten Informationen zu antworten.

+972 zufolge deuten die Daten auf eine allgemeine Zunahme der Zensur seit dem 7. Oktober hin, doch sei die Einmischung während der Kriegsphasen mit dem Iran am intensivsten gewesen. Polizei, kommunale Inspektoren und manchmal auch Zivilisten hätten strenge Beschränkungen bei der Berichterstattung über die Orte iranischer Raketenangriffe durchgesetzt und dabei mitunter Reporter und Fotografen vor Ort behindert – insbesondere arabische und ausländische Journalisten. Das Portal stellt fest:

«Die beiden Männer, die für den Anstieg der Zensur in den letzten zwei Jahren verantwortlich sind – Kobi Mandelblit, der bis April 2025 als Zensurchef fungierte, und Netanel Kula, der ihn ablöste –, sind beide Verwandte hochrangiger juristischer Amtsträger aus der religiös-zionistischen Bewegung: Mandelblit ist ein Cousin des ehemaligen Generalstaatsanwalts Avichai Mandelblit, während Kula der Sohn des Ombudsmanns der israelischen Justiz, Asher Kula, ist. Drei Monate, nachdem Kula Mandelblit als Zensurchef abgelöst hatte, sickerten Berichte durch, dass er Artikel über den Kauf eines nicht näher bezeichneten Hauses im Ausland durch den Sohn von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zurückgehalten hatte. (Die Geschichte kam dennoch an die Öffentlichkeit.)»

Im aktuellen Zeitalter des grenzüberschreitenden digitalen Journalismus, in dem israelische Journalisten selbst oft Beiträge in ausländischen Medien veröffentlichen, um die Zensur zu umgehen, erachtet +972 diese uralte Zensur-Institution sowohl als antiliberal als auch als überholt. Or Sadan, Rechtsanwalt bei der Bewegung für Informationsfreiheit und Leiter der Freedom of Information Clinic am College of Management Academic Studies, erklärte:

«Gerade in Krisenzeiten ist es besonders wichtig, verlässliche Informationen über Veränderungen hinsichtlich der Aktivitäten der Zensurbehörde zu erhalten. Obwohl es im Vergleich zum letzten Jahr einen leichten Rückgang gab, ist der alarmierende Anstieg der Zahl der Nachrichtenberichte, die der Öffentlichkeit vorenthalten werden, kaum zu übersehen. Demokratie basiert auf dem Informationsfluss von der Regierung zur Öffentlichkeit, und jeder Verstoß dagegen ist ein direkter Verstoß gegen die Demokratie.»

Dennoch sieht das Portal in dieser militärischen Zensur nicht die gravierendste Verletzung der Pressefreiheit durch das israelische Militär. An erster Stelle stehe nämlich die Tötung von über 250 Journalisten in Gaza, im Libanon, im Jemen und im Iran seit dem 7. Oktober – von denen einige gezielt angegriffen worden seien.

Gleichzeitig schieße die Armee weiterhin auf Journalisten im Westjordanland, schlage und verhafte sie und foltere die Inhaftierten, oft ohne Anklage. Innerhalb der israelischen Grenzen würden neue Gesetzesinitiativen darauf abzielen, die Unabhängigkeit der israelischen Medien zu untergraben, und die Regierung versuche weiterhin, die Kontrolle über Medienunternehmen zu erlangen, ihr wohlgesinnte Journalisten zu stärken und ihre Konkurrenten zu schwächen. Es sei daher kein Zufall, dass Israel im internationalen Pressefreiheitsindex weiter abstürzt und dort kürzlich auf einem erbärmlichen 116. Platz von 180 Ländern gelandet sei. +972 schließt:

«Dennoch ist es Journalisten in Israel nach wie vor weitgehend freigestellt, über die Themen zu berichten, die sie für am wichtigsten halten – und die meisten tun dies nicht, so dass die strengste Zensur in Israel die Selbstzensur ist.
Wie mein Kollege Sebastian Ben Daniel (John Brown) kürzlich aufzeigte, haben Israels größte und angesehenste investigative Sendungen auf kommerziellen Sendern – produziert von sogenannten liberalen Reportern – in den vergangenen zweieinhalb Jahren kein einziges Mal die Politik des Militärs im Gazastreifen oder im Westjordanland thematisiert. Ebenso wenig haben sie über die Tötung von zehntausenden Kindern und anderen unschuldigen Palästinensern im Gazastreifen, die absichtliche Aushungerung und Zerstörung ganzer Städte im Gazastreifen oder die zahlreichen anderen Kriegsverbrechen berichtet, die Israel begeht.
Nichts davon ist auf die militärische Zensur zurückzuführen. Es geschieht aus freier Entscheidung.»

Antikriegsfilm «Das Boot» – Nervenaufreibender Einsatz unter klaustrophobischen Umständen

Teil 10 unserer Serie über Antikriegsfilme. Hier finden sie Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8 und Teil 9.

***

Mit «Das Boot» hat Regisseur Wolfgang Petersen einen deutschen Anti-Kriegsfilm gedreht, der 1981 international großes Aufsehen erregte. Das ist schon deswegen außergewöhnlich, weil es sich um ein Kammerspiel handelt. Petersen wartet nicht mit spektakulärer Action auf, sondern verfrachtet die Zuschauer in den ohnehin knappen Raum in einem U-Boot, das sich in der Atlantikschlacht 1941 auf Feindfahrt befindet.

An Bord begegnet man einer illustren Besatzung, die Jürgen Prochnow als «Der Alte» kommandiert. Mit dabei ist auch der damals noch sehr junge Herbert Grönemeyer. Er spielt den Kriegsberichterstatter Leutnant Werner und fungiert gleichsam als die Instanz, aus deren Perspektive die Ereignisse betrachtet werden.

Leutnant Werner besteigt das U-Boot U 96, nachdem die Mannschaft den Auftrag bekommen hat, im Nordatlantik Handelsschiffe zu versenken, die Großbritannien mit kriegswichtigen Gütern versorgen. Der Alltag ist nervenaufreibend und wird psychisch umso anstrengender, je länger der Einsatz dauert. Zu belastend wirkt auf sie die Möglichkeit, jederzeit sterben zu können.

Gerade die erfahrenen Besatzungsmitglieder wissen, dass in jüngster Vergangenheit zahlreiche U-Boote versenkt worden sind. Ein Schicksal, das auch ihnen schnell widerfahren kann. Als der Kriegsberichterstatter Werner beim Auslaufen von dieser Gefahr hört, lässt er sich in seinem Drang nach Abenteuer noch nicht hemmen. Für ihn ist der Einsatz aufregend und spannend, was sich jedoch ändert, sobald der Frischling die Strapazen an Bord kennenlernt.

Spannungen innerhalb der Mannschaft

Dort bestimmen nicht interessante Unternehmungen den Alltag, schon gar nicht heldenhafte Schlachten, sondern Langeweile und Frust. Weil es kaum Abwechslung gibt, scheint sich die Zeit zu dehnen. Die Spannungen innerhalb der Mannschaften nehmen mit jedem weiteren Tag zu, auch wegen der unterschiedlichen politischen Ansichten. Einige stehen der militärischen Führung des Dritten Reiches kritisch gegenüber und verurteilen den Einsatz. Andere halten dem Regime weiterhin die Treue und glauben unbeirrt an den Endsieg.

Nach Tagen der Eintönigkeit kommt dann schließlich doch Aufregung in ihren Einsatz, verbunden mit Todesangst. Das U-Boot entdeckt einen Zerstörer und will ihn in einem Unterwasserangriff versenken, scheitert jedoch und wird dann selbst mit Wasserbomben attackiert.

Auch wenn es der Besatzung gelingt, zu entkommen, hören die Probleme nicht auf. Es folgen wochenlange Stürme, in denen das U 96 nur schwer Kurs halten kann. Schließlich wird das Boot auch noch von einem Zerstörer entdeckt, muss abtauchen und gerät erneut unter Beschuss, dem es nur unter Beschädigung entkommen kann.

Obwohl außerhalb des Boots eine Unterwasserschlacht tobt, ist sie im Film nicht zu sehen. Die Gräuel des Krieges werden nur in ihrer psychischen Auswirkung auf die Mannschaft sichtbar. Einige Besatzungsmitglieder verlieren die Nerven, andere werden verletzt. Sie bangen und fürchten um ihr Leben, sie rotieren, malochen bis zur Erschöpfung und tun alles, um im Wasser nicht den Tod zu finden, auf engem Raum und quasi unter klaustrophobischen Bedingungen.

Eine Trivialschnulze?

Petersens Film hat große Aufmerksamkeit erregt, blieb aber nicht unumstritten. Bis heute erhitzt er die Gemüter. Einige sehen in ihm einen veritablen Anti-Kriegsfilm, andere einen unbedeutenden Schinken, der den Alltag an der Front verklärt. Fritz J. Raddatz sprach sogar von einer «Trivialschnulze», deren «technische Effekte aus dem ‹Weißen Hai› nun ‹unseren Kahn› machten».

Ein hartes Urteil, zumal sich der eigenwillige Feuilletonist am «männlich-harten Blick» und den «eisernen Backenmuskeln» störte. Raddatz, der hier als Vorbote zum woken Vokabular greift, sah einen Kriegsfilm «am Rande der Verherrlichung», hatte in diesem Punkt aber Unrecht.

Verherrlicht wird in «Das Boot» überhaupt nichts, im Gegenteil: Der Film macht die Schrecken des Krieges ersichtlich, er stellt Angst, Erschöpfung und Sinnlosigkeit als real dar, eben weil er die Ereignisse aus der Perspektive einfacher Soldaten zeigt. Der Fokus liegt auf menschlichem Leid, auf Einzelschicksalen der Figuren, die sich isoliert in ständiger Lebensgefahr befinden. Sie streben kein Heldentum an, sondern wollen nur überleben.

Dass es am Ende nur einem Teil der Mannschaft gelingt, unterstreicht diesen Aspekt. Die militärische Obrigkeit handelt sinn- und verantwortungslos, indem sie junge Menschen opfert. Das wird vor allem dann deutlich, als der Befehl erteilt wird, Kurs auf La Spezia im Mittelmeer zu nehmen.

Das Boot soll die Nachschublinien von General Erwin Rommel schützen, muss dafür aber auch die Straße von Gibraltar durchfahren. Da dort aber zahlreiche Schiffe der Royal Navy verkehren, kommt der Einsatz einem Himmelfahrtskommando gleich.

Literarische Vorlage

Wie die meisten Anti-Kriegsfilme hat auch dieser eine literarische Vorlage. Lothar-Günther Buchheim, der in seinem Roman eigene Erfahrungen als Kriegsberichterstatter verarbeitet hatte, fand die Verfilmung jedoch nur mittelprächtig gelungen. Der Streifen habe sich nicht mit seinen Vorstellungen gedeckt, erklärte er. Der Film sei ihm entglitten.

An «Das Boot» scheiden sich die Geister. Man kann darüber streiten, ob der Film gelungen ist, ob er den Krieg verherrlicht oder nicht. Nicht geleugnet werden kann jedoch, dass die literarische Vorlage eine eindeutige Richtung vorgab.

«Ich wollte, dass ein Film entsteht, der den Einsatz der deutschen U-Boote am Beispiel einer besonders schrecklichen Feindfahrt von U 96 schildert», sagte Buchheim und hob hervor, dass diese «Eiserne Särge» genannt wurden. Die Verlustquote sei bei den U-Boot-Männern so hoch gewesen wie bei keiner anderen Waffe. In diesen Aussagen schimmert durch, dass der ehemalige Kriegsberichterstatter einen Anti-Kriegsroman schreiben wollte. Ob der Film dem gerecht geworden ist, soll jeder selbst entscheiden.

Gedenken an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 85 Jahren

Im Morgengrauen war es noch still in Berlin, der deutschen Hauptstadt, an diesem 22. Juni 2026. Ich war unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow. Anlass war der 85. Jahrestag des faschistischen deutschen Überfalls auf die Sowjetunion. Eine Initiative hatte dorthin eingeladen, um mit «Kerzen des Gedenkens» an den Beginn des deutschen Vernichtungskrieges im Osten zu erinnern.

Es war gegen 3.30 Uhr am Morgen, als ich gemeinsam mit meiner Kollegin Éva Péli mit dem Fahrrad durch den Berliner Stadtbezirk Friedrichshain nach Treptow fuhr. Da querte eine Tram unsere Strecke – ringsum beklebt mit Bundeswehr-Werbung, samt Balkenkreuz und dem Spruch «Mach, was wirklich zählt». Es kam mir vor wie der Kommentar des Zeitgeistes zum historischen Ereignis.

Mit insgesamt 3,6 Millionen Soldaten, 3.500 Panzern und 2.700 Flugzeugen hatte die faschistische deutsche Wehrmacht gemeinsam mit verbündeten Truppen aus Rumänien, Finnland, Ungarn und der Slowakei am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfallen. Der vor 83 Jahren als «Unternehmen Barbarossa» begonnene deutsche Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg forderte bis zu seinem offiziellen Ende am 8. Mai 1945 allein auf sowjetischer Seite etwa 27 Millionen Tote.

«Der deutsche Angriff erfolgt, ohne dass zuvor politische und/oder ökonomische Forderungen an die Sowjetunion gestellt worden wären». Das schrieb der Historiker Erich Später 2015 in seinem Buch «Der dritte Weltkrieg – Die Ostfront 1941 – 1945». Er stellte klar:

«Mit dem Vormarsch der Deutschen Wehrmacht und SS in der Sowjetunion realisiert sich im gesamten deutschen Machtbereich das radikalste Programm zur vollständigen Vernichtung eines Teils der Menschheit, das jemals erdacht und geplant wurde.»

Als wir am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow ankamen, brannten dort schon die aufgestellten Kerzen an den Grabmälern und Skulpturen. Die Treppe hoch zum Ehrenmal mit dem sowjetischen Soldaten, der ein Kind auf dem Arm trägt und mit Schwert und Stiefel das zerstörte Hakenkreuz niederhält, war links und rechts gesäumt von Kerzenlichtern. Der Tag begann langsam, sich seines Nachtkleides zu entledigen.

Ich musste an das Buch von Boris Wassiljew und den daraufhin entstandenen Film denken, die beide den Titel «Im Morgengrauen ist es noch still» trugen. Darin wird von einer Gruppe sowjetischer Flak-Soldatinnen erzählt, die mit ihrem Sergeanten versuchen, deutsche Fallschirmspringer auszukundschaften und aufzuhalten. Sie überleben es nicht. Es ist eine Geschichte aus den Anfangstagen des «Großen Vaterländischen Krieges» der Sowjetunion ab dem 22. Juni vor 85 Jahren und spielt auf dem Gebiet des heutigen Belarus.

Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges. Zu den etwa 150 Teilnehmern gehörten neben vielen Deutschen der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, und der derzeitige Geschäftsträger der Botschaft von Belarus, Igor Scholodonow, sowie Diplomaten und Militärs aus beiden Ländern. Eingeladen und die Kerzen aufgestellt hatte die Vereinigung der Offiziere Russlands gemeinsam mit der Gesellschaft für Deutsch-Russische Freundschaft (GRF) und anderen Gruppen. Seit 2021 wird diese aus Russland stammende Idee auch in zahlreichen deutschen Städten umgesetzt.

Das Ehrenmal wurde angestrahlt mit einem Zitat auf Russisch und Deutsch: «Niemand ist vergessen, nichts ist vergessen». «Zwischen 1941 und 1945 wurde die Sowjetunion von der dunkelsten Bedrohung ihrer Geschichte heimgesucht», erinnerte Torsten Rexin von der GRF in einer kurzen Ansprache. «Soldaten an der Front, Partisanen in den Wäldern, Arbeiter in den Fabriken trugen gemeinsam die Last dieses Kampfes», sagte er und fügte hinzu: «Am Ende wehte die rote Fahne siegreich über dem befreiten Deutschland.»

Rexin erinnerte auch daran, dass der Krieg sich gegen die gesamte Sowjetunion richtete: «Die Verbrechen der faschistischen Eroberer in Belarus und der Ukraine bleiben unvergessen.» Auch der russische Botschafter Netschajew stellte am Rande der Veranstaltung in einem kurzen Interview klar:

«Wir teilen unseren Sieg nicht in die nationalen Wohnungen. Die Sowjetarmee war multinational, multikonfessionell. Und da waren auch die Ukrainer, die Belarussen, die Juden, alle die Völker der Sowjetunion. Und natürlich leisten wir Tribut auch den Freunden, den polnischen Soldaten, den US-amerikanischen und den anderen Alliierten.»

Zuvor hatte er in einer kurzen Ansprache zum Überfall vor 85 Jahren betont:

«Es war eine richtige Tragödie für mein Volk, denn der Krieg, den das Nazi-Deutschland gegen die Sowjetunion geführt hat, war ein Vernichtungskrieg. Die Bevölkerung der Sowjetunion sollte zum großen Teil vernichtet, ausgerottet werden.»

Gegen die Sowjetunion habe «praktisch das ganze Europa» gekämpft, erinnerte der Botschafter mit Blick auf die Truppen anderer Länder, die die deutsche Wehrmacht unterstützten. Er machte auch auf das damalige Geschehen in der Belorussischen Sowjetrepublik aufmerksam. Sie habe als erste den Schlag der faschistischen Armeen abbekommen. Netschajew verwies auf die heldenhafte Verteidigung der Festung Brest zu Beginn des Krieges bis in den Juli 1941.


Russlands Botschafter Sergej Netschajew

Die Gräueltaten des Faschismus auf dem Gebiet der Sowjetunion würden «eigentlich kein Seinesgleichen» kennen. Sie seien in Russland und Belarus als Völkermord anerkannt. Das Gleiche forderte der russische Diplomat auch von der deutschen Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag. Dafür gebe es «alle möglichen rechtlichen Voraussetzungen».

Netschajew erinnerte auch an die etwa 700.000 Toten aus der Sowjetunion auf deutschem Gebiet, neben Soldaten auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Die rund 4.000 Kriegsgräber und Denkmäler, die in Deutschland an sie erinnern, würden ordentlich gepflegt, wofür er den daran beteiligten Behörden und den beteiligten Initiativen dankte.

«Das ist sehr wichtig im Sinne der Nachkriegsversöhnung zwischen dem sowjetischen, dem russischen, dem deutschen Volke. Das wissen wir wirklich zu schätzen. Ich bedanke mich bei allen einfachen deutschen Bürgern, die diese Erinnerungskultur mittragen und mit uns teilen.»

Er sehe «heute die Gesichter der richtigen Freunde unseres Landes», sagte Netschajew den Anwesenden. «Wir haben keine Brücken verbrannt, was die bilateralen Beziehungen anbetrifft», fügte er hinzu. Und er hat nach seinen Worten «immer noch die Hoffnung, dass eine gute Zeit für die Wiederherstellung unserer Beziehung unbedingt kommt».

Zugleich stellte er klar, die gegenwärtigen Versuche, auch in ehemaligen Sowjetrepubliken, neonazistische Ideologie wieder zu beleben, seien «für unser Volk absolut inakzeptabel». Das sei «für uns genetisch inakzeptabel nach allen diesen Tragöden, die unser Volk erlebt hat.» Im Interview betonte er mit Blick auf Vorwürfe in deutschen Medien, Russland instrumentalisiere das Gedenken:

«Es gab einen Großen Vaterländischen Krieg. Wir haben gegen den Nazismus gekämpft, gegen das ganze Europa gekämpft, um unser Land und Europa zu befreien. Wir werden in keinem Fall die neonazistischen Erscheinungen, egal in welcher Form, egal in welchem Land, akzeptieren.»

Im Hintergrund war am Ehrenmal noch das Zitat «Niemand ist vergessen, nichts ist vergessen» zu lesen, als wir miteinander sprachen. Darauf verweisend sagte Netschajew, das sei auch für die künftigen Generationen sehr wichtig. Die Kinder müssten die Geschichte richtig kennen, «denn ohne Geschichte gibt es auch keine Zukunft». Er bedauerte, dass inzwischen in westlichen Ländern viele Jüngere nicht mehr wissen, dass die sowjetische Rote Armee einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat, den Faschismus zu bekämpfen.

Russland wird heute wieder als Feind behandelt, vor allen im Deutschland. Mit Blick auf die zunehmende Kriegsgefahr heute sagte der russische Botschafter, Russlands Präsident Wladimir Putin habe mehrmals erklärt, «dass wir absolut keine Absicht haben, irgendwelche Länder anzugreifen, dass wir auf keinen Fall einen Krieg gegen NATO oder NATO-Mitglieder führen wollen».

«Wir wollen mit keinem kämpfen. Wir sind grundsätzlich ein friedliebendes Land. Und wir hatten in unserer Geschichte so viele Probleme mit einigen Ländern, die uns angegriffen haben, das ist immer noch wach. Ja, selbst gegen ein Land wie Deutschland einen Krieg zu beginnen, das gehört nicht zu unserer Politik.»

Als wir das Gelände des Ehrenmals verließen, war der Tag schon angebrochen. Die Stadt erwachte und tauchte den Morgen in ihre geschäftige Hektik. Es war der Beginn eines normalen sommerlichen Tages in der deutschen Hauptstadt – ein friedlicher Tag, der nichts zu wissen scheint von dem gefährlichen Wetterleuchten des Krieges.

Wir fuhren mit dem Rad die gleiche Strecke zurück – und tatsächlich querte erneut die Tram mit der Bundeswehrwerbung unseren Weg. Es war wie der Einbruch der bedrohlichen Gegenwart in die Erinnerung an das Geschehen vor 85 Jahren, als hätte Deutschland daraus nichts gelernt.


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