Marschhalt bei modRNA? – Ein politischer Vorstoß bringt die Impfdebatte zurück ins Parlament
In Bern ist die gesundheitspolitische Debatte um modRNA-Impfstoffe neu entfacht worden. Das Aktionsbündnis freie Schweiz (ABF Schweiz) fordert gemeinsam mit dem Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann ein sofortiges Moratorium für sogenannte modRNA-Impfstoffe. In der Frühlingssession will Wyssmann eine entsprechende Motion einreichen. Dies wurde heute an einer Pressekonferenz bekanntgegeben.
Kern der Forderung ist ein Zulassungsstopp für alle Impfsubstanzen, bei denen nach Ansicht der Initianten keine klinischen Phase-III-Studien nach den bis 2020 üblichen Standards vorliegen – also placebo-kontrolliert, doppelblind und mit ausreichender Laufzeit. Wyssmann formuliert es scharf:
«Es ist absolut unhaltbar, auf der Basis solch unseriöser Zulassungsentscheide und mangelhafter Tests eine experimentelle Gentherapie auf die Bevölkerung loszulassen.»
Im Zentrum der Kritik steht das während der Coronazeit angewandte beschleunigte Zulassungsverfahren nach Art. 9a Heilmittelgesetz. Die Zulassungsbehörde Swissmedic habe Produkte ohne belastbare Langzeitdaten freigegeben, argumentieren die Initianten. Zudem seien Entscheidungsgrundlagen nicht vollständig öffentlich zugänglich.
Rechtsanwalt Philipp Kruse sprach an der Medienkonferenz von «schwersten Mängeln im Zulassungsprozedere». Eine wirksame Rechtskontrolle sei faktisch nicht möglich gewesen. Deshalb brauche es «juristisch, politisch und ethisch zwingend» ein Moratorium.
Die Forderung geht über einen reinen Stopp hinaus: Das Bündnis verlangt eine unabhängige Überprüfung sämtlicher bisherigen Zulassungsentscheide sowie eine regulatorische Neueinordnung der modRNA-Produkte. Aufgrund ihres Wirkprinzips – intrazelluläre Proteinexpression – seien sie mit sogenannten Advanced Therapy Medicinal Products (ATMP) vergleichbar und müssten entsprechend strenger reguliert werden.
Besonders brisant ist die Kritik an der Empfehlung der Impfstoffe für Schwangere. Der Luzerner Ökonom und Gesundheitswissenschaftler Konstantin Beck präsentierte Analysen zum Geburtenrückgang seit 2022. In der Schweiz sei im Jahr nach der Impfung Schwangerer «ein ausserordentlich starker und anhaltender Geburtenrückgang» zu beobachten gewesen. Beck erklärte:
«Die Daten von 1,3 Mio. tschechischer Frauen zeigen, dass die geimpften Tschechinnen seit 2022 anhaltend 30 Prozent weniger Kinder bekamen als die ungeimpften.»
Diese Beobachtungen müssten dringend wissenschaftlich untersucht werden, bevor weiterhin Empfehlungen ausgesprochen würden. Auch der Thuner Arzt Daniel F. Beutler stellte die Sicherheitsfrage ins Zentrum. Die modRNA-Technologie unterscheide sich grundlegend von klassischen Impfprinzipien.
«Die Frage, wo, wie lange und wie viel von diesem Fremdprotein produziert wird, konnte bis heute von den Herstellern nicht beantwortet werden»,
sagte er mit Blick auf das sogenannte Spike-Protein. Die Forderung nach einem Moratorium fällt in eine Phase intensiver gesundheitspolitischer Weichenstellungen. Mit der Teilrevision des Epidemiengesetzes und Anpassungen im nationalen Impfplan könnte die modRNA-Technologie langfristig strukturell verankert werden. Genau davor warnen die Initianten.
Rechtsanwältin Andrea Staubli kritisierte, dass Impfempfehlungen künftig noch breiter umgesetzt und durch kantonale Angebote in Schulen, Apotheken oder am Arbeitsplatz flankiert werden könnten. Gleichzeitig würden Impfobligatorien ausgeweitet. Für Wyssmann ist klar:
«Nur ein modRNA-Moratorium kann diese Gefahr für die Volksgesundheit bannen und die Einhaltung wissenschaftlicher Standards garantieren.»
Ob die Motion im Parlament eine Mehrheit findet, ist offen. Klar ist jedoch: Die Debatte um Nutzen, Risiken und regulatorische Standards der modRNA-Technologie ist politisch zurück. Die Initianten berufen sich auf das Vorsorgeprinzip und fordern Transparenz sowie Gleichbehandlung vergleichbarer Technologien. Kritiker des Vorstoßes dürften hingegen einwenden, dass internationale Behörden die Impfstoffe weiterhin als wirksam und sicher beurteilen.
Damit steht nicht nur eine medizinische, sondern auch eine grundsätzliche Frage im Raum: Wie viel Unsicherheit verträgt Gesundheitspolitik – und wer entscheidet darüber?


