đŸ» Selber Bier Brauen: Nachrichten

https://eony.org     Version: 38 (2024-01-02 17:55:45)

Nachrichten


https://odysee.com/@ovalmedia:d/mwgfd-impf-symposium:9
https://totalityofevidence.com/dr-david-martin/


Kaum beachtet von der Weltöffentlichkeit, bahnt sich der erste internationale Strafprozess gegen die Verantwortlichen und Strippenzieher der Corona‑P(l)andemie an. Denn beim Internationalem Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wurde im Namen des britischen Volkes eine Klage wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ gegen hochrangige und namhafte Eliten eingebracht. Corona-Impfung: Anklage vor Internationalem Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit! – UPDATE[link1]


Libera Nos A Malo (Deliver us from evil)[link2]



Transition News

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Bundesregierung: Schwarz-GrĂŒn fĂŒr Ricarda Lang „auf jeden Fall eine Option“[link4]

Union und die GrĂŒnen wĂ€ren nach Ansicht von GrĂŒnen-Chefin Ricarda Lang geeignete Koalitionspartner ab 2025. In drei BundeslĂ€ndern gebe es bereits funktionierende Koalitionen. Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann hofft auf eine „Verbindung von Ökologie und Ökonomie“.
Statement-nach-Gremiensitzung-Buendnis-90-Die-Gruenen.jpg[link5] ( )

Peter Mayer

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NZZ

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Verfassungsblog

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„Muskismus setzt eher auf sozialen Krieg“[link31]

Elon Musks Macht reicht weit ĂŒber die Wirtschaft hinaus. Ob er sich in nationale Wahlen einmischt oder Staaten von seinen Unternehmen abhĂ€ngig macht – Musks Macht nimmt viele Formen an. Und sie nimmt zu. Um zu verstehen, wie gefĂ€hrlich Musks Imperium fĂŒr die Demokratie tatsĂ€chlich ist, muss man das dahinterstehende WeltverstĂ€ndnis in den Blick nehmen. In ihrem neuen Buch zeichnen der Historiker Quinn Slobodian und der Autor Ben Tarnoff den Aufstieg des selbsternannten „Technoking“ nach und analysieren seine Idee einer Verschmelzung von Mensch und Maschine. Wir haben mit ihnen ĂŒber Musks VerhĂ€ltnis zum Staat gesprochen, ĂŒber „Cyborg-Konservativismus“ – und ĂŒber die Frage, ob sich der Symbiose von politischer und digitaler Macht noch etwas entgegensetzen lĂ€sst.

1. Elon Musk ist nicht nur der reichste Mensch der Welt; er ist auch zu einem globalen politischen Machtfaktor geworden, der sogar Kriege beeinflusst. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die interessante Frage aber nicht sei, wer Musk als Person ist, sondern wofĂŒr er ein Symptom ist. Welche Weltanschauung steht hinter dem Aufstieg Musks?

Wir behandeln den Muskismus so, wie frĂŒhere Denker den Fordismus behandelt haben: nicht als ein im Voraus ausformuliertes Weltbild eines genialen Einzelunternehmers, sondern als eine Weise, Produktionsprozesse und soziale Beziehungen zu organisieren. Ein Modell, das zugleich neue Formen der Kapitalakkumulation und der gesellschaftlichen Stabilisierung hervorgebracht hat. Musks Vermögen beruhte stets darauf, sich an die Spitze neuer Bereicherungsquellen zu setzen – sei es durch Zugriff auf die KapitalmĂ€rkte, die kommerzielle Nutzung des staatlich finanzierten Forschungsnetzwerks Internet, das AufspĂŒren neuer Konsumnischen oder die stete Neuausrichtung seiner Unternehmen an PrioritĂ€ten der Regierung.

Das Problem ist aus unserer Sicht: Dieses System verfĂŒgt ĂŒber eine adaptive ökonomische Logik, findet aber oft kein soziales GegenstĂŒck. Der Fordismus versprach – zumindest idealtypisch – sozialen Frieden. Steigende Löhne und Aufstiegschancen innerhalb einer Generation sollten die Arbeiterschaft mit der Lohnarbeit versöhnen. Der Muskismus dagegen setzt eher auf sozialen Krieg. Ungleichheit wird nicht eingehegt, sondern rhetorisch zugespitzt – durch Ausgrenzung und die Abwertung von „Außenseitern“.

Musk baut Maschinen – und bekanntlich Maschinen, die Maschinen bauen. Doch er braucht auch Maschinen zur Sinnproduktion. Daher sein Interesse an sozialen Medien und zuletzt an generativer KI. Ein Motor des Muskismus ist die Suche nach dem, was Louis Althusser „ideologische Staatsapparate“ nannte: Institutionen, die bestimmte Werte und Überzeugungen in der Gesellschaft verankern.

2. Viele verbinden Musk mit einer besonders radikalen Form des Libertarismus. Sie halten diese Zuschreibung fĂŒr irrefĂŒhrend. Warum?

Wie jeder Kapitalist versucht Musk, Gesetze und Regulierung zu umgehen, abzuschwĂ€chen oder abzubauen, wenn sie seine Akkumulationsfreiheit einschrĂ€nken. Doch es wĂ€re falsch zu glauben, er wolle den Staat schrumpfen. Im Gegenteil: Musk hat stets genau verstanden, welche Vorteile sich aus einer Partnerschaft mit dem Staat ziehen lassen – und wie man staatliche Ressourcen fĂŒr die eigenen Zwecke nutzt.

Wir beschreiben diese Konstellation als „Symbiose mit dem Staat“. Ihre Wurzeln reichen zurĂŒck in Musks AnfĂ€nge als Dotcom-Unternehmer im Silicon Valley der 1990er Jahre. Am deutlichsten zeigt sich das bei SpaceX. Das Unternehmen kontrolliert den Markt fĂŒr orbitale Raketenstarts in einem Ausmaß, das Regierungen weltweit – insbesondere die USA – in eine tiefe AbhĂ€ngigkeit von Musk gestĂŒrzt hat. 2025 war SpaceX fĂŒr 95 Prozent aller orbitalen Raketenstarts aus den USA verantwortlich und fĂŒr mehr als die HĂ€lfte aller Starts weltweit. 70 Prozent aller Satelliten, die gerade ihre Bahnen um die Erde ziehen, gehören Starlink.

SpaceX hat kein Interesse an schwachen staatlichen Kunden. Das Unternehmen will starke Staaten, deren SouverĂ€nitĂ€t aber darauf angewiesen ist, ihre AbhĂ€ngigkeit von privaten Anbietern wie SpaceX zu vertiefen. Muskismus bedeutet in diesem Sinne, staatliche HandlungsfĂ€higkeit durch private Mittel auszubauen. Wir nennen das „SouverĂ€nitĂ€t als Dienstleistung“.

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The ICJ’s Advisory Opinion on Climate Change
Edited by Maria Antonia Tigre, Maxim Bönnemann & Antoine De Spiegeleir

“The ICJ opinion is the most definitive statement ever made about international law and climate change. However, it is lengthy and complex. In this volume, the editors have assembled some of the world‘s leading scholars in the field to unravel the opinion and probe the subtleties of what it did and didn‘t say.”

– Michael Gerrard, Columbia Law School

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3. Sie messen der Apartheid-Ära SĂŒdafrikas großen Einfluss auf den Muskismus bei, insbesondere ĂŒber einen sogenannten „Festungsfuturismus“. Was meinen Sie damit?

Festungsfuturismus bezeichnet den Glauben, dass Technologie EigenstĂ€ndigkeit und SouverĂ€nitĂ€t in einer feindlichen oder instabilen Welt stĂ€rken kann. Er versteht sich als eine Art Nachfolgeideologie des Multilateralismus, der die Jahrzehnte nach dem Fall der Berliner Mauer geprĂ€gt hat. Zugleich ist er eine VorlĂ€uferideologie: Wir fĂŒhren seine UrsprĂŒnge auf die Apartheid-Ära SĂŒdafrikas zurĂŒck, in der Musk aufgewachsen ist. Die FĂŒhrer des Apartheid-Regimes sahen sich als belagerter Garnisonsstaat, umgeben von Feinden. Um das Überleben des Staates zu sichern, setzten sie auf Hochtechnologie und wirtschaftliche Autarkie. Ihr Modell war eine militarisierte, modernisierende Isolation.

Das Motiv des Festungsfuturismus zieht sich wie ein roter Faden durch Musks Karriere. Besonders deutlich wurde das, als er schon frĂŒh und gegen den Trend auf vertikale Integration in der Produktion Wert legte. Musk grĂŒndete SpaceX im Jahr 2002 und wurde 2008 CEO von Tesla. In beiden Unternehmen drĂ€ngte er darauf, die AbhĂ€ngigkeit von externen Zulieferern zu verringern und möglichst viele Produktionsschritte innerhalb der eigenen Unternehmensmauern zu bĂŒndeln. Das lief den Globalisierungstrends der 2000er Jahre deutlich zuwider, die die Fabrik als Knotenpunkt in einem internationalen Produktionsnetzwerk verstanden – verknĂŒpft durch globale Lieferketten. Man denke nur an Apple: „Designed in California, assembled in China.“ Musk hingegen dachte die Fabrik als Enklave.

Anfang der 2000er mochte seine industriepolitische Philosophie aus der Zeit gefallen wirken. Doch in den 2010er- und 2020er-Jahren erwies sie sich als Vorteil – als SpaceX und Tesla Zölle, geopolitische Spannungen und Schocks in den Lieferketten einer sich entglobalisierenden Welt bewĂ€ltigen mussten, ganz zu schweigen von den Verwerfungen der Covid-19-Pandemie.

Mit wachsender politischer Unsicherheit, Exportkontrollen und Lizenzverboten, die in fortgeschrittenen Industriestaaten vom Ausnahmefall zum alltÀglichen Instrument geworden sind, ist der Festungsfuturismus zunehmend im Mainstream angekommen.

4. Lassen Sie mich noch einmal auf Musks VerhĂ€ltnis zum Staat zurĂŒckkommen. Sie schreiben, dass der Muskismus SouverĂ€nitĂ€t nicht mehr primĂ€r territorial, sondern als Infrastruktur versteht. Warum ist dieser Wandel so bedeutsam?

Wissenschaftler wie Frank Pasquale haben darauf hingewiesen, dass die wachsende AbhĂ€ngigkeit von digitalen Plattformen und Technologien eine LĂŒcke zwischen dem erzeugt hat, was er „territoriale SouverĂ€nitĂ€t“ und „funktionale SouverĂ€nitĂ€t“ nennt. Staaten mögen rechtlich weiterhin das letzte Wort in klassischen Fragen der Verteidigung haben. Faktisch jedoch sind sie zur Verwirklichung ihrer eigenen Ziele – oft schon auf elementarer Ebene – auf private Unternehmen angewiesen.

Wir meinen, dass ein zentraler Bestandteil des Muskismus in der Beschleunigung dieser staatlichen AbhĂ€ngigkeit von privaten Dienstleistern liegt. Deshalb deuten wir im Schlusskapitel des Buches die DOGE-Initiative nicht in erster Linie als Spar- oder Kostensenkungsprogramm, sondern als Versuch, bislang voneinander abgeschottete Teile des Staatsapparats zu öffnen, miteinander zu vernetzen und fĂŒr Daten- und Systemintegratoren wie Palantir zugĂ€nglich zu machen. In vielen FĂ€llen haben Staaten diese Entwicklung funktionaler SouverĂ€nitĂ€t bereitwillig mitvollzogen – etwa indem sie Plattformen wie X als offizielle Informationsportale nutzen. Musks Entscheidung, in den ersten Monaten des russischen Angriffs auf die Ukraine die Internetverbindung fĂŒr ukrainische StreitkrĂ€fte abzuschalten, zeigt, wie hoch der Preis eines solchen Verlusts funktionaler SouverĂ€nitĂ€t sein kann.

Die Pointe des Muskismus besteht jedoch darin, dass er SouverĂ€nitĂ€t nicht nur auf nationaler, sondern auch auf Ebene der Individuen und Haushalte propagiert. Tesla bietet ein ganzes Ökosystem an, das rund um die Vision energetischer Autonomie kreist: nicht nur Autos, sondern auch Batteriespeicher und Solarpaneele fĂŒr das eigene Zuhause. Zuletzt stĂŒtzte sich die weiterhin steigende Unternehmensbewertung von Tesla auf die Annahme, dass das Auto als Hauptprodukt durch den humanoiden Roboter Optimus ersetzt wird, den Musk als das kĂŒnftig meistverkaufte Produkt aller Zeiten anpreist. Individuelle SouverĂ€nitĂ€t wird hier in einer alten, beinahe vormodernen Logik erweitert: durch einen Diener, einen Arbeiter, einen Soldaten und – wie Musk wiederholt angekĂŒndigt hat – einen jederzeit verfĂŒgbaren Sexualpartner. Doch wie wir anhand zahlreicher Beispiele zeigen, ist das, was als Autonomie verkauft wird, tatsĂ€chlich eine vertiefte AbhĂ€ngigkeit von den von Musk bereitgestellten Systemen, die sich per Knopfdruck abschalten oder mit neuen, höheren AbonnementgebĂŒhren belegen lassen.

In der Forschung wird SouverÀnitÀt schon lange nicht nur als formale und rechtliche Kategorie verstanden, sondern als Frage der tatsÀchlichen HandlungsfÀhigkeit eines Staates. Der Muskismus inszeniert sich als Ermöglicher individueller und staatlicher SouverÀnitÀt, produziert in der Praxis jedoch asymmetrische AbhÀngigkeiten von Musk und seinen Produkten.

5. Sie zeigen, dass es dem Muskismus auch darum geht, demokratisch legitimierte Herrschaftsformen schrittweise durch Maschinenmacht zu ersetzen. Gibt es ĂŒberhaupt noch einen realistischen Weg, dieser wachsenden Verschmelzung von politischer und digitaler Macht etwas entgegenzusetzen?

Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen haben algorithmische Systeme traditionell dafĂŒr kritisiert, dass sie entpolitisierend wirken. Sie erwecken den Anschein von NeutralitĂ€t und Unparteilichkeit, verdecken dabei jedoch ihren zutiefst politischen Charakter. Mit anderen Worten: die Tatsache, dass sie eine bestimmte Verteilung gesellschaftlicher Macht widerspiegeln und zugleich festschreiben.

Wenn eine Behörde etwa Software einsetzt, um Entscheidungen zu unterstĂŒtzen – bei der PrĂŒfung von SozialleistungsansprĂŒchen oder bei der Festlegung der LĂ€nge einer Haftstrafe –, wirkt das „weniger politisch“, obwohl politische Wertungen weiterhin eine Rolle spielen.

Das Spezifische am Muskismus ist nun, dass er zwar darauf drĂ€ngt, Maschinen an die Stelle von Menschen zu setzen, Technologie aber ausdrĂŒcklich als politische Kraft begreift. Musks DOGE-Initiative sprach von effizienterer Verwaltung und der Reduzierung des Haushaltsdefizits. Ihr eigentliches Ziel war jedoch, Washington von „Wokeness“ zu sĂ€ubern – und in diesem Zuge menschliche ArbeitskrĂ€fte, wo immer möglich, durch Software zu ersetzen. Auch Grok steht fĂŒr Musks Versuch, eine „anti-woke“ KI zu entwickeln, um dem aus seiner Sicht liberalen Bias der Tech-Industrie entgegenzutreten. Die Automatisierung menschlicher Arbeit durch KI geht in diesem VerstĂ€ndnis Hand in Hand mit der automatisierten Verbreitung „anti-woker“ Politik.

Wer diesen Aspekt des Muskismus versteht, erkennt auch, wie sich seine Verschmelzung politischer und digitaler Macht angreifen lĂ€sst. Immer wieder zu betonen, dass Musks technologische Projekte politisch sind, genĂŒgt nicht – das tut er ja selbst. Das Problem ist die Art von Politik, die sie verkörpern: Sie sind ausdrĂŒcklich darauf angelegt, soziale Ungleichheit zu verschĂ€rfen und gesellschaftliche Hierarchien zu festigen. Musk propagiert, wie wir es nennen, einen Cyborg-Konservatismus. Anders als bei Donna Haraway und vielen anderen soll die Verschmelzung von Mensch und Maschine unter dem Muskismus traditionelle Kategorien von Geschlecht, „Rasse“ und nationaler IdentitĂ€t nicht auflösen oder neu schreiben, sondern stabilisieren und verhĂ€rten.

Eine mögliche Antwort wĂ€re, den Einsatz von KI stĂ€rker zu begrenzen. Bestimmte Bereiche sollten menschlicher Beratung und Entscheidung vorbehalten bleiben – insbesondere dort, wo Entscheidungen das Leben von Millionen betreffen. Ebenso wichtig ist jedoch ein anderes PolitikverstĂ€ndnis: Politik nicht als eine Art „Programmierung“ von oben, wie Musk sie denkt, sondern als Prozess kollektiver Intelligenz und KreativitĂ€t von unten. Eine solche Politik kann digitale Technologien durchaus nutzen – aber zu grundlegend anderen Zwecken als denen, die Musk und der Muskismus verfolgen.

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Editor’s Pick

von MARGARITA IOV

Man Soo, der Protagonist von „No Other Choice“ von Park Chan-wook, hat scheinbar alles erreicht: Frau, zwei Kinder, ein schönes Haus. Doch als er nach 25 Jahren plötzlich seinen Job in der Papierfabrik verliert, stehen auch Status, Sicherheit und SelbstverstĂ€ndnis auf dem Spiel. Wenn er nicht bald Arbeit findet, muss das Haus verkauft werden. Im verzweifelten Versuch, sich seinen Platz in der Welt zurĂŒckzuerobern, beginnt er seine Konkurrenten fĂŒr eine aussichtsreiche Stelle in einer anderen Papierfabrik einen nach dem anderen auszuschalten. In jedem von ihnen erkennt er sein eigenes Spiegelbild. Mit schwarzem Humor und großer Menschenzugewandtheit erzĂ€hlt der Film von der Bedeutung von Arbeit im Endzeitkapitalismus und der FragilitĂ€t sozialer Sicherheiten. Wer schafft es am Ende, sich den allerletzten Platz in dieser neuen menschenleeren Arbeitswelt zu erkĂ€mpfen – und um welchen Preis?
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Die Woche auf dem Verfassungsblog

zusammengefasst von EVA MARIA BREDLER

Nicht nur Staaten, sondern wir alle sind in eine tiefe AbhĂ€ngigkeit von privaten Big-Tech-Unternehmen hineingeraten: Die Suchfunktion von ChatGPT erreicht in der EU durchschnittlich 120,4 Millionen monatliche Nutzer*innen (und viele davon dĂŒrften dem Suchergebnis mehr vertrauen als ihrem eigenen Verstand, oder sich gar in das Suchergebnis verlieben, aber das ist eine andere Geschichte). Die EU-Kommission prĂŒft nun, ob ChatGPT als „Very Large Online Search Engine“ im Sinne des Digital Services Act eingestuft werden kann. Das ist vor allem eine geopolitisch und wirtschaftlich delikate Frage. JACOB SCHAAL, MAXIMILIAN LENNER und TUNMISE AKINYEMI (EN) plĂ€dieren fĂŒr eine funktionale Interpretation des DSA, die ChatGPT der unionsrechtlichen Regulierung öffnet.

Die Regulierung von Big Tech beschĂ€ftigte uns auch letzte Woche, als es um ein Social-Media-Verbot fĂŒr Jugendliche ging. WĂ€hrend Deutschland noch diskutiert, hat Frankreich schon einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. LUC VON DANWITZ (DE) hat sich das Gutachten des französischen Staatsrats dazu angesehen und zieht daraus verfassungs- und unionsrechtliche Lehren fĂŒr eine deutsche Regulierung.

Neben Social Media verbringen Jugendliche die meiste Zeit in der Schule (und kombinieren gerne beides). Vor fast zehn Jahren hatten Forschungen am Wissenschaftszentrum Berlin fĂŒr Sozialforschung eine breite Debatte darĂŒber ausgelöst, dass das Privatschulwesen in Deutschland sozial selektiver wird. Gestern hat das Berliner Abgeordnetenhaus nun die Reform fĂŒr eine gerechtere Privatschulfinanzierung beschlossen, u.a. mit Schulgeldtabelle und SozialzuschlĂ€gen. MICHAEL WRASE und FELIX WIRTH HANSCHMANN (DE) verteidigen die Reform als verfassungsgemĂ€ĂŸ. 

Geld regiert auch die Demokratieförderung. Nun versucht die Bundesregierung immer hĂ€ufiger, diese gezielt inhaltlich zu steuern. JANNIK JASCHINSKI und KLAAS MÜLLER (DE) warnen, dass dies die nachhaltige Arbeit der Zivilgesellschaft im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gefĂ€hrdet.

Eine weitere Gefahr fĂŒr Demokratieprojekte kommt unscheinbarer daher: Die Extremismusklausel ist zurĂŒck und verpflichtet TrĂ€ger von Demokratieprojekten, sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu bekennen. MAXIMILIAN PICHL (DE) erklĂ€rt, wie Demokratieprojekte arbeiten und warum die neuen Extremismusklauseln der AfD in die HĂ€nde spielen könnten.

ZurĂŒck ist auch die ParitĂ€tsdebatte: Nach einem Vorstoß von SPD- und CDU-Politikerinnen sind paritĂ€tische Wahllisten wieder auf der politischen Agenda. DANA-SOPHIA VALENTINER (DE) sieht die Debatte von Extrempositionen dominiert und betont stattdessen den Gestaltungsspielraum der Politik.

Etwas zu viel Gestaltungsspielraum öffnet sich auf EU-Ebene: Die EU-Staats- und Regierungschefs trafen sich am 12. Februar auf Schloss Alden Biesen. Unter dem Schlagwort der „Vereinfachung“ billigten die Staats- und Regierungschefs Reformen, die das EU-Gesetzgebungsverfahren grundlegend umgestalten könnten. ALBERTO ALEMANNO (EN) kritisiert, was er „castle method“ nennt: VertragsĂ€nderung durch informelle Gipfeldiplomatie – vorbei an Artikel 48 EUV und zulasten des institutionellen Gleichgewichts.

Die EU beteiligte sich auch an globalen Formen informeller Diplomatie: Die Teilnahme von Kommissarin Dubravka Ć uica am Auftakttreffen von Trumps „Board of Peace“ in Washington hat erhebliche Kritik ausgelöst. WĂ€hrend mehrere Mitgliedstaaten bezweifeln, dass sie ĂŒberhaupt ein Mandat fĂŒr die Mitwirkung an einer politisch so hoch umstrittenen Initiative hatte, verteidigt die Kommission ihre Teilnahme mit dem unmittelbaren Interesse der EU am Wiederaufbau Gazas. PETER VAN ELSUWEGE (EN) erklĂ€rt die erheblichen unionsrechtlichen Bedenken.

Bedenklich wirkt auch das institutionelle Design der Afrikanischen Union. Deren Vorsitz ĂŒbernimmt nun Burundi – wĂ€hrend die Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo eskaliert und tausende burundische Soldaten dort im Einsatz sind. Die Afrikanische Union regelt nicht, wie sich Kriegsbeteiligung auf den Vorsitz auswirkt. FĂŒr HAKIM NKENGURUTSE (EN) offenbart dies eine strukturelle Spannung im Herzen ihres Friedensmandats.

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Musk, Power, and the EU: Can EU Law Tackle the Challenges of Unchecked Plutocracy?
Alberto Alemanno & Jacquelyn D. Veraldi (eds.)

At a time when calls for the EU to respond to Musk’s actions are multiplying, the question of whether, why, and how the EU may react remains largely unanswered. What makes Musk’s conduct problematic under EU law? Is it a matter of disinformation, electoral integrity, foreign influence, unprecedented market concentration, or possible abuse of power? This edited volume unpacks whether and how (EU) law may tackle the existence and exercise of unprecedented plutocratic power.

Explore the Verfassungsbook here – as always, Open Access!

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Im Juli vergangenen Jahres haben wir zahlreiche bis dato weitgehend unveröffentlichte Memoranden und Schreiben israelischer Völkerrechtler*innen zum Gaza-Krieg zugĂ€nglich gemacht – eingeordnet und analysiert von KAI AMBOS. Nun liegt eine aktualisierte Fassung vor, die unter anderem ein weiteres Schreiben zur Bodenoffensive in Gaza-Stadt und zu den „flĂ€chendeckenden Bombardierungen von WohngebĂ€uden“ enthĂ€lt sowie ein Dokument zur Pflicht, Kriegsverbrechen zu untersuchen.

Die US-Intervention in Venezuela verletzte das Gewalt- und Interventionsverbot der UN-Charta. Zugleich eröffnete sie politischen Handlungsspielraum: KĂŒrzlich verabschiedete Venezuela ein Amnestiegesetz. KAI AMBOS und GUSTAVO URQUIZO (EN) zeigen, warum die weitreichende Amnestie statt zu versöhnen eher die exekutive Kontrolle der Justiz verstĂ€rken könnte.

Von Amnestie wollte das Bezirksgericht Seoul nichts wissen und verurteilte am 19. Februar den ehemaligen PrĂ€sidenten SĂŒdkoreas, Yoon Suk Yeol, wegen Aufstands zu lebenslanger Haft. Seine AnhĂ€nger*innen weigern sich, das Urteil anzuerkennen. JOSEPHINA LEE (EN) argumentiert, dass die Delegitimierung gerichtlicher Entscheidungen die Polarisierung weiter verschĂ€rft.

Auch Italien ist polarisiert. JĂŒngstes Symptom sind die zwei „Sicherheitsdekrete“ der Meloni-Regierung, die das Strafrechtssystem umbauen. FILIPPO VENTURI (EN) zeichnet nach, wie sich der italienische Populismus zu einem punitiven Regierungsstil verdichtet, der Protest beschneidet und Strafgewalt ausweitet.

Um Raum fĂŒr Dissens ging es auch vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Dieser bestĂ€tigte nun, dass der Rechtsextremist Björn Höcke auch in stĂ€dtischen Hallen auftreten darf. RALF MICHAELS (DE) beschreibt den Versuch Bayerns, den Anspruch auf die Nutzung öffentlicher Einrichtungen fĂŒr bestimmte politische Veranstaltungen auszuschließen – und warum das dem Grundgesetz widerspricht.

In ein paar Jahrzehnten werden wir es vielleicht fast rĂŒhrend finden, dass uns die Nutzung des analogen öffentlichen Raums mal solche Kopfschmerzen bereitet hat. Oder wir werden die digitalen RĂ€ume geschlossen und uns eine gerechtere Nutzung des öffentlichen Raums erkĂ€mpft haben, wo uns Optimus Traubenrispen anreicht. Alles ist möglich, wenn man – wie QUINN SLOBODIAN und BEN TARNOFF oben vorschlagen – Politik nicht als Programmierung, „sondern als Prozess kollektiver Intelligenz und KreativitĂ€t von unten“ denkt. KreativitĂ€t ist nichts, was manchen Genies von Gotteshand verliehen wurde, sondern unsere alltĂ€gliche und instinktive Art, zu leben. Etwa, wenn wir am Wochenende Brot backen, oder wie wir die Butter aufs Brot streichen – selbst wenn das Brotrezept von ChatGPT stammt.

*

Das war’s fĂŒr diese Woche.

Ihnen alles Gute!

Ihr

Verfassungsblog-Team

 

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