Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / II




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7   Die W e r t e i n h e i t ist ein A r b e i t s w e r t -
8          q u a n t u m .
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11  
12        Der Begriff Werteinheit ist nicht beschränkt auf
13   Zahlungs- oder Tauschmittel, hier wird er nur zum bewegenden
14   Motor, in der ganzen Wirtschaft aber haucht er materiellen und
15   indellen Dingen erst das Leben ein und lässt sie und sinnfällig
16   erscheinen. Ein Etwas also muss im Wesen dieser Werteinheit ver-
17   borgen liegen, etwas Ueberstaatliches, alle Kulturepochen Ueber-
18   dauerndes, etwas in jeder Geldverfassung Erhabenes, der Ausdruck
19   und Widerschein eines ewigen Naturgesetzes, dem wir nicht ent_
20   rinnen können.
21        Als solches stellen wir hin die Bestimmungsgründe des
22   Wertes [hand. ergänzt ,] und wir stehen rückhaltlos auf dem Boden der objektiven
23   Wertlehre, wonach wir einstweilen nur [hand. durchgestrichen --in-- und hand. darüber bei] Betrachtung der reinen
24   Oekonomie [hand. ergänzt ,] bei wirtschaftlichen Gütern nur Maass und Energie der
25   angewandten Arbeit [hand. ergänzt ,] uns Aufschluss über die Höhe des Wertes zu
26   geben vermag. Welche Variante wir dann innerhalb der objektiven
27   Wertlehre wählen wollen, ob Arbeitsmengen, Arbeitszeit oder Ar-
28   beitswerttheorie ist erstvwieder eine Uvvnvvterfrage, denn eben in
29   der Reinheit der Oekonomik, in der Urform der Gesellschaft der
30   Gleichen fallen diese drei Richtungen in ihrem Enderfolg, der
31   verkörperten Arbeitsmengen [hand. ergänzt ,] noch zusammen. Der von Oppenheimer
32   entwickelten Arbeitswerttheorie ist, da sie auch der modernsten
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43   Entwicklung in der Berücksichtigung der immer schäfer sich aus-
44   prägenden Qualifikation und der sich zum sträksten [sic] Machtfakto-
45   ren entwickelnden Monopolen persönlicher und gesellschaftlicher
46   Art gerecht wird, der Vorrang einzuräumen; ganz besonders auch
47   deshalb, weil sie bei der Betrachtung der Dienste, wo nicht der
48   schlechtest Qualifizierte, wie bei den Gütern der Ungünstigst
49   vvpvvroduzierenden den Preis bestimmt, in der Verquickung von Ar-
50   beitszeit und -wert die Uvvnvvstimmigkeit der reinen Arbeitsmengen-
51   oder Arbeitszeittheorie ausschaltet. In der Gesellschaft der
52   Gleichen, in der vorgeldlichen Zeit ist besonders deutlich,
53   dass die Aufwandmöglichkeit bei gleich aufgewandter Arbeits-
54   zeit und gleicher Qualifikation, so verschieden jene auch unter
55   einander sein mögen, vom nationalökonomischen Standpunkt als
56   intersubjektiv gleich anzusehen ist. Die angewandte Arbeit hat
57   in jedem verschiedenen Fall doch gleiche Werte erzeugt, denn
58   wäre das nicht der Fall, dann wäre das minder geschätzte Ein-
59   kommen, dargestellt in einer Gütermenge, durch das höhere substi-
60   tuiert worden. Wenn der vorwirtschaftliche Mensch, um unser altes
61   Beispiel anzuführen, in gleicher Zeit entweder eine Tonschale
62   oder einen Korb herstellen kann, so müssen diese beiden Dinge
63   naturnotwendig gleichen Wert haben, und zwar ist es hier noch in
64   Reinheit die Arbeitsleistung einer bestimmten Zeit. Wenn nun
65   beispielsweise der Goldsucher oder Goldgräber in einer bestimm-
66   ten Zeit eine Menge von X g Gold erwirbt, so müssen, immer noch
67   die Gesellschaft der Gleichen vorausgesetzt, diese X g Gold
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78   intersubjektiv gleich sein der jeweils erzeugten Gütermenge an-
79   derer Berufstätigkeit. Ivvnvv Wvvavvhrheit wird sich gerade in jener
80   Zeit die Arbeit den verschiedensten Beschaffungen je nach wech-
81   selndem Bedarfe zugewandt haben . Aber auch jener Umstand kann
82   das Bild nicht trüben, dass doch auch im vereinzelten Falle die
83   Beziehungen der aufgewendeten Arbeitsmengen verbindend zwischen
84   allen Gütern stehen. Wird die Berufsgliederung stärker, der Tausch
85   allgemeiner und erhält so ein Gut eine Sonderstellung als das
86   allgemein beliebte Tauschgut, so gebe ich nur ein Erzeugnis meiner
87   Arbeitskraft, die in Hvvivvnsicht eines ganz bestimmten Bedarfes aufge-
88     wandt wurde, hingegen die Verkörperung anderer Arbeitskraft, die,
89   weil in allgemeiner Gvvuvvnst steht, mit wiederum ohne Schwierigkeit
90   Gelegenheit zu weiterem Tvvavvusche bietet und mir die Wege zu allen
91   Erzeugnissen ebnet. Es tauschen sich gleiche Werte, gemessen an der
92   Arbeitszeit. Tritt nun der Staat in Aktion und verkündet er, dass
93   hinfort ein Pfund Gold gleich 1395 Werteinheiten gelten sollen,
94   so ist damit am ökonomischen Geschehen natürlich nicht das mindes-
95   te geändert worden. Nvvuvvr stärker prägen sich jetzt die Geldpreise
96   vorher noch Ausdrücke in Gewichtmengen Gold und ursprünglich nur
97   g[hand. drüber e?]egen-einandersetzten absoluter Werte, Preise von Fall zu Fall, wenn
98   wir sie so nennen wollen, in ihrer Relativität aus. Der im Jahre,
99   nach Abzug seiner Unkosten X g Gold fördert und laut staatlicher
100   Kreierung dadurch ein Einkommen von Werteinheiten geniesst ist
101   gleich gestellt mit dem, der im Jahr 100 Tonschalen oder 150 Körbe
102   fertigt und für diese dann den Preis von a Werteinheiten geteilt
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107   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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120        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
121    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
  18      So lose auch bei nachlässigerer Betrachtung eine
  19  Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufs mit der Wertein-
122 20  heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
123 21  Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
124   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
  22 ist, so wird uns doch gerade aus dieser Avvnvvschauung, die eigentlich,
125 23 losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
126 24 schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
127 25 Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
128 26 chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
129   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
  27 nimmer dem Winke der Tvvhvveorie, die Werteinheit wandelt und formt
130 28 sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
131 29 Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
132 30 entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
133 31 Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
134 32 so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
135   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
  33 und ihr Sein in den fei**ns**ten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
136 34 spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
137   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
  35 die Sonde anlegen, um den Kern, den Ivvnvvhalt und den Geist der Wert-
138 36 einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
139 37      So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
140   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
141   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
  38 gutes war, den zufälligen Austausch von Wvvavvren zwischen Einzelper-
  39 sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-%%
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601 499
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604 502 aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
605 503 onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
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641 540      Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
642 541 muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
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676 575 Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
677 576 dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
701 600
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  608      - 37 -
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711 610 äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
712 611 und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
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746 645
747 646 darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
748 647 von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
773 672
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782 681
783 682 Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
784 683 zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
808 707
809 708 | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s39.png
810 709 ||
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  715      - 40 -
817 716
818 717 der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
819 718 Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
844 743
845 744 | file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s40.png
846 745 ||
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848 747 ===41===
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850 749 ||
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  751      - 41 -
853 752
854 753 kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
855 754 sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
880 779
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882 781 ||
883   ||#
  782 ||#
884 783 ===42===
885 784 #||
886 785 ||
887 786
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  787      - 42 -
889 788
890 789 austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
891 790 wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
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903 802 ||
904 803 ||#
905   ===3===
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913   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
914   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
915    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
916   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
917   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
918   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
919   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
920   erhoffen liessen.
921        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
922   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
923   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
924   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
925   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
926   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
927   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
928   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
929  
930        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
931   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
932   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
933   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
934   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
935   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
936   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
937   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
938   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
939   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
940   |
941   file:/WesenUndInhaltDerWerteinheit/wesenundinhaltderwerteinheit_s3.png
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952   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
953   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
954   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
955   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
956   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
957   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
958   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
959   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
960   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
961   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
962   ten.
963  
964        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
965   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
966   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
967   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
968   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
969   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
970   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
971   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
972   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
973   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
974   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
975   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
976   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
977   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
978   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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991   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
992   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
993   von Edelmetallen.
994        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
995   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
996   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
997   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
998   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
999   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
1000   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
1001   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
1002   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
1003   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
1004   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
1005   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
1006   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
1007   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
1008   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
1009   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
1010   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
1011   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
1012   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
1013   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
1014   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
1015   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
1016   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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1029   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
1030   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
1031   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
1032   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
1033   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
1034   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
1035   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
1036   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
1037   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
1038   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
1039   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
1040   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
1041   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
1042   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
1043   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
1044   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
1045   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
1046   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
1047   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
1048   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
1049   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
1050   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
1051   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
1052   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
1053   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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1066   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
1067   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
1068   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
1069   stanz in sich birgt.
1070        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
1071   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
1072   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
1073   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
1074   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
1075   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
1076   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
1077   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
1078   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
1079   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
1080   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
1081   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
1082   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
1083   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
1084   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
1085   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
1086   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
1087   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
1088   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
1089   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
1090   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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1103   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
1104        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
1105   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
1106   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
1107   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
1108   erhalten.
1109        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
1110   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
1111   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
1112   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
1113   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
1114   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
1115   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
1116   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
1117   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
1118   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
1119        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
1120   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
1121   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
1122   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
1123   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
1124   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
1125   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
1126   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
1127   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
1128   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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1141   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
1142        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
1143   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
1144   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
1145   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
1146   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
1147   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
1148   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
1149   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
1150   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
1151   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
1152   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
1153   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
1154   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
1155   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
1156   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
1157   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
1158   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
1159   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
1160   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
1161   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
1162   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
1163   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
1164   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
1165   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
1166   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
1167   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
1168   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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1181   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
1182   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
1183   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
1184   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
1185   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
1186   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
1187   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
1188   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
1189   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
1190   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
1191   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
1192   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
1193   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
1194   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
1195   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
1196   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
1197        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
1198   lautete:
1199   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
1200   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
1201   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
1202   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
1203   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
1204   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
1205   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
1206   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
1207   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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1220   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
1221   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
1222        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
1223   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
1224   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
1225   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
1226   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
1227   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
1228   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
1229   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
1230   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
1231   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
1232   mal des Geldes bedeutete.
1233        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
1234   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
1235   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
1236   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
1237   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
1238   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
1239   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
1240   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
1241   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
1242   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
1243   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
1244   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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1257   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
1258   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
1259   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
1260   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
1261   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
1262   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
1263   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
1264   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
1265        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
1266   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
1267   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
1268   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
1269   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
1270   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
1271   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
1272   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
1273   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
1274   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
1275   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
1276   noch genügend zu lösen übrig.
1277          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
1278   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
1279   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
1280   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
1281   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
1282   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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1295   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
1296   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
1297   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
1298   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
1299   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
1300   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
1301   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
1302   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
1303   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
1304   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
1305   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
1306     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
1307   Entwicklung zu skizzieren.
1308       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
1309   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
1310   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
1311   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
1312   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
1313   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
1314   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
1315   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
1316   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
1317   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
1318   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
1319   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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1332   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
1333   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
1334   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
1335   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
1336   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
1337   sich üner den Stoff erhebt.
1338        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
1339   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
1340   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
1341   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
1342   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
1343   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
1344   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
1345   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
1346   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
1347   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
1348   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
1349   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
1350   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
1351   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
1352   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
1353   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
1354   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
1355   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
1356   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
1357   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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1370   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
1371   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
1372   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
1373   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
1374   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
1375   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
1376   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
1377   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
1378   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
1379   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
1380   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
1381   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
1382   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
1383   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
1384   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
1385   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
1386   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
1387   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
1388   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
1389   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
1390   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
1391   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
1392   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
1393   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
1394   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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1407   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
1408   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
1409   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
1410   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
1411   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
1412   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
1413   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
1414   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
1415   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
1416   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
1417   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
1418   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
1419        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
1420   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
1421   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
1422   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
1423   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
1424   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
1425   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
1426   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
1427   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
1428   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
1429   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
1430   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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1443   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
1444   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
1445   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
1446   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
1447   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
1448   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
1449   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
1450   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
1451   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
1452   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
1453   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
1454   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
1455   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
1456   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
1457   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
1458   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
1459   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
1460        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
1461   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
1462   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
1463   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
1464   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
1465   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
1466   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
1467   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
1468   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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1481   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
1482   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
1483   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
1484   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
1485   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
1486   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
1487   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
1488   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
1489   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
1490   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
1491   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
1492   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
1493   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
1494   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
1495   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
1496   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
1497   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
1498   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
1499   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
1500   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
1501   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
1502   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
1503   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
1504   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
1505   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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1518   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
1519   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
1520   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
1521   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
1522   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
1523   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
1524   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
1525   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
1526   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
1527   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
1528   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
1529   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
1530   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
1531   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
1532   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
1533   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
1534   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
1535   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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1553        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
1554    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
1555    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
1556    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
1557   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
1558   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
1559   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
1560   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
1561   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
1562   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
1563   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
1564   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
1565   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
1566   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
1567   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
1568   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
1569   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
1570   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
1571   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
1572        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
1573   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
1574   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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1587        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
1588   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
1589   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
1590   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
1591   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
1592   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
1593   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
1594   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
1595   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
1596        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
1597   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
1598   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
1599   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
1600   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
1601   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
1602   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
1603   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
1604   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
1605   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
1606   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
1607   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
1608   setzend.
1609        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
1610   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
1611   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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1629        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
1630    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
1631    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
1632    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
1633   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
1634   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
1635   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
1636   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
1637   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
1638   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
1639   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
1640   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
1641   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
1642   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
1643   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
1644   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
1645   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
1646   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
1647   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
1648        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
1649   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
1650   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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1663   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
1664   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
1665   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
1666   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
1667   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
1668   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
1669   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
1670   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
1671   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
1672   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
1673   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
1674   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
1675   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
1676   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
1677   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
1678   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
1679   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
1680   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
1681   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
1682   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
1683   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
1684   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
1685   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
1686   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
1687   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
1688   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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1701   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
1702   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
1703   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
1704   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
1705   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
1706   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
1707   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
1708   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
1709   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
1710   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
1711   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
1712   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
1713   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
1714   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
1715   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
1716   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
1717   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
1718   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
1719   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
1720   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
1721   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
1722   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
1723   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
1724   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
1725   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
1726   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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1739   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
1740   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
1741   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
1742   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
1743   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
1744   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
1745   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
1746   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
1747   chen werden.
1748        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
1749   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
1750   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
1751   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
1752   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
1753   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
1754   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
1755   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
1756   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
1757   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
1758        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
1759   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
1760   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
1761   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
1762   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
1763   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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1776   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
1777   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
1778   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
1779   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
1780   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
1781   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
1782   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
1783   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
1784   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
1785   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
1786   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
1787   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
1788   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
1789   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
1790   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
1791   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
1792    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
1793   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
1794   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
1795   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
1796        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
1797   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
1798        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
1799   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
1800   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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1813   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
1814   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
1815   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
1816    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
1817   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
1818   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
1819   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
1820   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
1821   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
1822   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
1823   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
1824   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
1825   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
1826   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
1827   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
1828   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
1829   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
1830   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
1831   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
1832   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
1833   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
1834   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
1835   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
1836   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
1837   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
1838   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
1839   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
1840   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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1853   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
1854   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
1855   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
1856   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
1857   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
1858   ersteren gelangt ist.""
1859                    Soweit Schumpeter.
1860        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
1861   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
1862   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
1863   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
1864   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
1865   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
1866   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
1867   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
1868   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
1869   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
1870   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
1871   dem Wesen nach eine Krise.
1872        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
1873   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
1874   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
1875   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
1876   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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1889   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
1890   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
1891   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
1892   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
1893   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
1894   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
1895   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
1896   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
1897   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
1898   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
1899   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
1900    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
1901   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
1902   ders der Diskontopolitik.
1903        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
1904   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
1905   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
1906   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
1907   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
1908   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
1909   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
1910   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
1911   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
1912   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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1926   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
1927   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
1928   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
1929   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
1930   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
1931   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
1932   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
1933   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
1934   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
1935    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
1936   ist das Einkommen der Nation.
1937        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
1938   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
1939   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
1940   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
1941   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
1942   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
1943   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
1944   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
1945   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
1946   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
1947   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
1948   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
1949   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
1950   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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1964   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
1965   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
1966   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
1967   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
1968   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
1969   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
1970   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
1971   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
1972   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
1973   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
1974   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
1975        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
1976   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
1977   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
1978   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
1979   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
1980   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
1981   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
1982   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
1983   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
1984   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
1985   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
1986   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
1987   equilibrieren.
1988        Wir können sagen:
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2001        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
2002   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
2003   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
2004   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
2005   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
2006   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
2007   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
2008   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
2009   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
2010   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
2011   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
2012   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
2013   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
2014   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
2015   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
2016   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
2017   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
2018   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
2019   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
2020   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
2021   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
2022        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
2023   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
2024   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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2041   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
2042   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
2043   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
2044   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
2045   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
2046   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
2047   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
2048   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
2049   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
2050   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
2051   Anteile am gesamten Produktionsfond.
2052        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
2053   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
2054   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
2055   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
2056   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
2057   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
2058   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
2059   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
2060   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
2061   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
2062   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
2063   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
2064   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
2065   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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2078   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
2079   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
2080   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
2081   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
2082   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
2083   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
2084   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
2085   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
2086   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
2087    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
2088   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
2089   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
2090   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
2091   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
2092   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
2093   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
2094   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
2095   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
2096   menhang zu konstatieren ist.
2097        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
2098   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
2099   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
2100   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
2101   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
2102   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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2113   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
2114   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
2115        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
2116   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
2117   von Einkommen zu unterscheiden haben:
2118  
2119   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
2120   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
2121   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
2122   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
2123   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
2124  
2125   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
2126   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
2127   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
2128   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
2129  
2130   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
2131   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
2132   machen können .
2133  
2134   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
2135   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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2150        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
2151   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
2152   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
2153   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
2154   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
2155   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
2156   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
2157   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
2158   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
2159   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
2160   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
2161   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
2162   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
2163   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
2164   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
2165   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
2166   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
2167   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
2168   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
2169   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
2170   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
2171   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
2172   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
2173   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
2174   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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2185   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
2186   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
2187   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
2188   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
2189   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
2190   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
2191   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
2192   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
2193   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
2194   läufen ausgleichen.
2195        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
2196   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
2197   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
2198   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
2199   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
2200   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
2201   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
2202   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
2203   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
2204   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
2205   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
2206   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
2207   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
2208   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
2209   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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2220   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
2221   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
2222   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
2223   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
2224   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
2225   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
2226   kalkulierten Preis.
2227        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
2228   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
2229   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
2230   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
2231   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
2232   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
2233   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
2234   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
2235   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
2236   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
2237   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
2238   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
2239   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
2240   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
2241   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
2242   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
2243   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
2244   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
2245   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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2256   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
2257   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
2258   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
2259   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
2260   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
2261   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
2262   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
2263   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
2264   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
2265   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
2266   fassung.
2267        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
2268   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
2269   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
2270   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
2271   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
2272   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
2273   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
2274   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
2275   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
2276   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
2277   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
2278   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
2279   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
2280   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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2292   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
2293   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
2294   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
2295   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
2296   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
2297   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
2298   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
2299   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
2300   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
2301   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
2302   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
2303   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
2304   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
2305   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
2306   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
2307   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
2308   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
2309   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
2310   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
2311   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
2312   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
2313   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
2314        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
2315   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
2316   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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2327   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
2328   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
2329   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
2330        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
2331   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
2332   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
2333   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
2334   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
2335   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
2336   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
2337   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
2338   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
2339   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
2340   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
2341   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
2342   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
2343   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
2344   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
2345   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
2346   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
2347   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
2348   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
2349   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
2350      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
2351   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
2352   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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2363   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
2364   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
2365   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
2366   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
2367   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
2368   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
2369   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
2370   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
2371   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
2372   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
2373   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
2374   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
2375   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
2376   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
2377   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
2378   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
2379   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
2380   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
2381   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
2382   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
2383   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
2384   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
2385   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
2386   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
2387   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
2388   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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2399   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
2400   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
2401   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
2402   Bild.
2403  
2404        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
2405   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
2406   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
2407   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
2408   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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2422   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
2423   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
2424    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
2425   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
2426   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
2427   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
2428   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
2429   erhoffen liessen.
2430        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
2431   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
2432   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
2433   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
2434   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
2435   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
2436   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
2437   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
2438  
2439        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
2440   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
2441   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
2442   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
2443   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
2444   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
2445   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
2446   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
2447   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
2448   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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2461   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
2462   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
2463   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
2464   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
2465   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
2466   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
2467   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
2468   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
2469   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
2470   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
2471   ten.
2472  
2473        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
2474   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
2475   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
2476   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
2477   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
2478   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
2479   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
2480   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
2481   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
2482   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
2483   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
2484   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
2485   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
2486   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
2487   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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2500   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
2501   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
2502   von Edelmetallen.
2503        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
2504   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
2505   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
2506   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
2507   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
2508   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
2509   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
2510   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
2511   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
2512   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
2513   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
2514   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
2515   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
2516   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
2517   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
2518   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
2519   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
2520   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
2521   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
2522   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
2523   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
2524   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
2525   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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2538   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
2539   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
2540   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
2541   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
2542   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
2543   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
2544   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
2545   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
2546   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
2547   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
2548   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
2549   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
2550   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
2551   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
2552   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
2553   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
2554   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
2555   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
2556   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
2557   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
2558   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
2559   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
2560   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
2561   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
2562   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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2575   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
2576   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
2577   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
2578   stanz in sich birgt.
2579        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
2580   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
2581   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
2582   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
2583   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
2584   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
2585   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
2586   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
2587   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
2588   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
2589   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
2590   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
2591   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
2592   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
2593   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
2594   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
2595   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
2596   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
2597   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
2598   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
2599   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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2612   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
2613        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
2614   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
2615   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
2616   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
2617   erhalten.
2618        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
2619   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
2620   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
2621   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
2622   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
2623   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
2624   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
2625   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
2626   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
2627   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
2628        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
2629   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
2630   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
2631   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
2632   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
2633   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
2634   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
2635   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
2636   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
2637   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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2650   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
2651        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
2652   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
2653   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
2654   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
2655   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
2656   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
2657   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
2658   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
2659   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
2660   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
2661   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
2662   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
2663   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
2664   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
2665   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
2666   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
2667   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
2668   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
2669   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
2670   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
2671   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
2672   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
2673   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
2674   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
2675   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
2676   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
2677   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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2690   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
2691   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
2692   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
2693   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
2694   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
2695   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
2696   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
2697   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
2698   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
2699   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
2700   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
2701   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
2702   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
2703   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
2704   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
2705   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
2706        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
2707   lautete:
2708   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
2709   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
2710   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
2711   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
2712   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
2713   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
2714   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
2715   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
2716   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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2729   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
2730   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
2731        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
2732   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
2733   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
2734   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
2735   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
2736   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
2737   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
2738   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
2739   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
2740   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
2741   mal des Geldes bedeutete.
2742        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
2743   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
2744   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
2745   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
2746   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
2747   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
2748   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
2749   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
2750   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
2751   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
2752   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
2753   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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2766   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
2767   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
2768   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
2769   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
2770   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
2771   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
2772   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
2773   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
2774        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
2775   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
2776   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
2777   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
2778   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
2779   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
2780   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
2781   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
2782   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
2783   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
2784   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
2785   noch genügend zu lösen übrig.
2786          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
2787   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
2788   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
2789   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
2790   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
2791   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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2804   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
2805   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
2806   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
2807   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
2808   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
2809   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
2810   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
2811   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
2812   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
2813   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
2814   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
2815     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
2816   Entwicklung zu skizzieren.
2817       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
2818   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
2819   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
2820   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
2821   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
2822   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
2823   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
2824   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
2825   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
2826   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
2827   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
2828   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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2841   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
2842   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
2843   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
2844   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
2845   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
2846   sich üner den Stoff erhebt.
2847        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
2848   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
2849   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
2850   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
2851   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
2852   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
2853   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
2854   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
2855   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
2856   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
2857   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
2858   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
2859   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
2860   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
2861   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
2862   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
2863   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
2864   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
2865   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
2866   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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2879   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
2880   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
2881   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
2882   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
2883   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
2884   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
2885   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
2886   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
2887   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
2888   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
2889   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
2890   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
2891   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
2892   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
2893   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
2894   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
2895   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
2896   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
2897   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
2898   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
2899   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
2900   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
2901   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
2902   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
2903   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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2916   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
2917   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
2918   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
2919   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
2920   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
2921   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
2922   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
2923   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
2924   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
2925   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
2926   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
2927   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
2928        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
2929   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
2930   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
2931   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
2932   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
2933   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
2934   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
2935   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
2936   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
2937   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
2938   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
2939   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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2952   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
2953   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
2954   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
2955   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
2956   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
2957   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
2958   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
2959   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
2960   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
2961   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
2962   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
2963   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
2964   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
2965   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
2966   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
2967   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
2968   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
2969        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
2970   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
2971   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
2972   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
2973   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
2974   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
2975   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
2976   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
2977   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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2990   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
2991   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
2992   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
2993   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
2994   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
2995   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
2996   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
2997   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
2998   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
2999   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
3000   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
3001   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
3002   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
3003   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
3004   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
3005   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
3006   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
3007   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
3008   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
3009   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
3010   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
3011   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
3012   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
3013   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
3014   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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3027   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
3028   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
3029   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
3030   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
3031   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
3032   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
3033   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
3034   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
3035   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
3036   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
3037   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
3038   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
3039   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
3040   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
3041   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
3042   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
3043   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
3044   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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3057   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
3058   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
3059   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
3060   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
3061   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
3062   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
3063   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
3064   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
3065   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
3066   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
3067   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
3068   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
3069   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
3070   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
3071   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
3072   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
3073   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
3074   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
3075   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
3076   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
3077   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
3078   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
3079   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
3080   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
3081   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
3082   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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3095   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
3096   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
3097   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
3098   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
3099   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
3100   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
3101   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
3102   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
3103   chen werden.
3104        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
3105   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
3106   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
3107   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
3108   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
3109   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
3110   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
3111   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
3112   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
3113   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
3114        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
3115   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
3116   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
3117   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
3118   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
3119   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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3132   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
3133   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
3134   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
3135   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
3136   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
3137   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
3138   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
3139   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
3140   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
3141   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
3142   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
3143   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
3144   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
3145   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
3146   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
3147   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
3148    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
3149   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
3150   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
3151   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
3152        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
3153   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
3154        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
3155   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
3156   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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3169   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
3170   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
3171   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
3172    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
3173   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
3174   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
3175   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
3176   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
3177   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
3178   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
3179   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
3180   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
3181   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
3182   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
3183   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
3184   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
3185   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
3186   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
3187   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
3188   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
3189   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
3190   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
3191   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
3192   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
3193   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
3194   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
3195   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
3196   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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3209   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
3210   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
3211   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
3212   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
3213   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
3214   ersteren gelangt ist.""
3215                    Soweit Schumpeter.
3216        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
3217   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
3218   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
3219   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
3220   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
3221   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
3222   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
3223   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
3224   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
3225   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
3226   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
3227   dem Wesen nach eine Krise.
3228        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
3229   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
3230   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
3231   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
3232   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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3245   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
3246   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
3247   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
3248   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
3249   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
3250   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
3251   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
3252   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
3253   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
3254   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
3255   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
3256    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
3257   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
3258   ders der Diskontopolitik.
3259        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
3260   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
3261   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
3262   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
3263   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
3264   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
3265   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
3266   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
3267   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
3268   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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3282   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
3283   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
3284   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
3285   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
3286   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
3287   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
3288   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
3289   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
3290   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
3291    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
3292   ist das Einkommen der Nation.
3293        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
3294   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
3295   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
3296   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
3297   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
3298   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
3299   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
3300   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
3301   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
3302   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
3303   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
3304   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
3305   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
3306   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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3320   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
3321   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
3322   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
3323   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
3324   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
3325   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
3326   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
3327   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
3328   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
3329   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
3330   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
3331        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
3332   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
3333   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
3334   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
3335   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
3336   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
3337   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
3338   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
3339   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
3340   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
3341   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
3342   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
3343   equilibrieren.
3344        Wir können sagen:
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3357        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
3358   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
3359   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
3360   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
3361   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
3362   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
3363   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
3364   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
3365   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
3366   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
3367   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
3368   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
3369   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
3370   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
3371   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
3372   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
3373   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
3374   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
3375   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
3376   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
3377   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
3378        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
3379   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
3380   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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3397   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
3398   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
3399   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
3400   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
3401   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
3402   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
3403   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
3404   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
3405   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
3406   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
3407   Anteile am gesamten Produktionsfond.
3408        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
3409   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
3410   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
3411   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
3412   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
3413   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
3414   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
3415   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
3416   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
3417   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
3418   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
3419   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
3420   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
3421   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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3434   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
3435   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
3436   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
3437   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
3438   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
3439   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
3440   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
3441   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
3442   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
3443    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
3444   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
3445   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
3446   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
3447   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
3448   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
3449   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
3450   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
3451   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
3452   menhang zu konstatieren ist.
3453        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
3454   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
3455   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
3456   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
3457   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
3458   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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3469   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
3470   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
3471        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
3472   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
3473   von Einkommen zu unterscheiden haben:
3474  
3475   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
3476   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
3477   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
3478   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
3479   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
3480  
3481   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
3482   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
3483   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
3484   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
3485  
3486   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
3487   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
3488   machen können .
3489  
3490   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
3491   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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3506        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
3507   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
3508   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
3509   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
3510   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
3511   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
3512   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
3513   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
3514   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
3515   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
3516   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
3517   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
3518   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
3519   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
3520   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
3521   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
3522   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
3523   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
3524   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
3525   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
3526   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
3527   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
3528   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
3529   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
3530   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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3541   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
3542   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
3543   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
3544   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
3545   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
3546   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
3547   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
3548   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
3549   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
3550   läufen ausgleichen.
3551        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
3552   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
3553   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
3554   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
3555   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
3556   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
3557   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
3558   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
3559   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
3560   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
3561   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
3562   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
3563   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
3564   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
3565   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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3575  
3576   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
3577   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
3578   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
3579   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
3580   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
3581   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
3582   kalkulierten Preis.
3583        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
3584   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
3585   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
3586   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
3587   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
3588   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
3589   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
3590   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
3591   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
3592   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
3593   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
3594   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
3595   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
3596   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
3597   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
3598   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
3599   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
3600   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
3601   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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3612   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
3613   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
3614   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
3615   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
3616   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
3617   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
3618   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
3619   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
3620   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
3621   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
3622   fassung.
3623        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
3624   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
3625   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
3626   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
3627   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
3628   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
3629   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
3630   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
3631   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
3632   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
3633   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
3634   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
3635   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
3636   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
3637  
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3648   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
3649   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
3650   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
3651   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
3652   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
3653   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
3654   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
3655   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
3656   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
3657   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
3658   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
3659   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
3660   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
3661   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
3662   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
3663   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
3664   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
3665   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
3666   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
3667   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
3668   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
3669   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
3670        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
3671   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
3672   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
3673  
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3683   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
3684   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
3685   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
3686        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
3687   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
3688   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
3689   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
3690   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
3691   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
3692   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
3693   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
3694   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
3695   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
3696   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
3697   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
3698   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
3699   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
3700   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
3701   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
3702   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
3703   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
3704   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
3705   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
3706      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
3707   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
3708   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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3719   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
3720   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
3721   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
3722   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
3723   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
3724   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
3725   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
3726   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
3727   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
3728   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
3729   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
3730   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
3731   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
3732   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
3733   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
3734   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
3735   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
3736   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
3737   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
3738   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
3739   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
3740   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
3741   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
3742   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
3743   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
3744   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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3755   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
3756   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
3757   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
3758   Bild.
3759  
3760        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
3761   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
3762   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
3763   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
3764   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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3778   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
3779   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
3780    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
3781   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
3782   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
3783   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
3784   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
3785   erhoffen liessen.
3786        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
3787   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
3788   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
3789   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
3790   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
3791   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
3792   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
3793   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
3794  
3795        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
3796   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
3797   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
3798   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
3799   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
3800   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
3801   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
3802   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
3803   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
3804   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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3817   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
3818   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
3819   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
3820   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
3821   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
3822   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
3823   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
3824   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
3825   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
3826   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
3827   ten.
3828  
3829        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
3830   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
3831   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
3832   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
3833   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
3834   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
3835   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
3836   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
3837   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
3838   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
3839   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
3840   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
3841   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
3842   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
3843   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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3856   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
3857   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
3858   von Edelmetallen.
3859        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
3860   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
3861   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
3862   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
3863   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
3864   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
3865   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
3866   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
3867   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
3868   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
3869   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
3870   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
3871   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
3872   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
3873   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
3874   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
3875   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
3876   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
3877   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
3878   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
3879   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
3880   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
3881   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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3894   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
3895   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
3896   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
3897   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
3898   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
3899   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
3900   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
3901   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
3902   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
3903   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
3904   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
3905   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
3906   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
3907   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
3908   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
3909   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
3910   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
3911   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
3912   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
3913   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
3914   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
3915   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
3916   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
3917   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
3918   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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3931   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
3932   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
3933   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
3934   stanz in sich birgt.
3935        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
3936   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
3937   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
3938   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
3939   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
3940   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
3941   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
3942   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
3943   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
3944   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
3945   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
3946   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
3947   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
3948   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
3949   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
3950   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
3951   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
3952   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
3953   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
3954   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
3955   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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3968   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
3969        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
3970   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
3971   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
3972   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
3973   erhalten.
3974        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
3975   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
3976   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
3977   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
3978   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
3979   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
3980   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
3981   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
3982   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
3983   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
3984        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
3985   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
3986   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
3987   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
3988   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
3989   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
3990   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
3991   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
3992   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
3993   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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4006   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
4007        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
4008   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
4009   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
4010   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
4011   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
4012   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
4013   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
4014   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
4015   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
4016   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
4017   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
4018   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
4019   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
4020   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
4021   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
4022   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
4023   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
4024   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
4025   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
4026   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
4027   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
4028   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
4029   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
4030   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
4031   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
4032   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
4033   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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4046   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
4047   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
4048   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
4049   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
4050   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
4051   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
4052   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
4053   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
4054   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
4055   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
4056   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
4057   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
4058   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
4059   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
4060   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
4061   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
4062        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
4063   lautete:
4064   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
4065   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
4066   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
4067   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
4068   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
4069   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
4070   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
4071   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
4072   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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4085   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
4086   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
4087        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
4088   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
4089   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
4090   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
4091   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
4092   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
4093   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
4094   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
4095   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
4096   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
4097   mal des Geldes bedeutete.
4098        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
4099   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
4100   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
4101   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
4102   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
4103   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
4104   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
4105   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
4106   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
4107   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
4108   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
4109   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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4122   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
4123   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
4124   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
4125   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
4126   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
4127   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
4128   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
4129   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
4130        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
4131   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
4132   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
4133   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
4134   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
4135   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
4136   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
4137   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
4138   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
4139   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
4140   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
4141   noch genügend zu lösen übrig.
4142          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
4143   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
4144   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
4145   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
4146   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
4147   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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4160   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
4161   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
4162   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
4163   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
4164   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
4165   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
4166   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
4167   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
4168   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
4169   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
4170   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
4171     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
4172   Entwicklung zu skizzieren.
4173       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
4174   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
4175   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
4176   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
4177   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
4178   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
4179   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
4180   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
4181   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
4182   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
4183   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
4184   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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4197   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
4198   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
4199   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
4200   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
4201   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
4202   sich üner den Stoff erhebt.
4203        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
4204   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
4205   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
4206   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
4207   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
4208   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
4209   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
4210   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
4211   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
4212   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
4213   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
4214   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
4215   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
4216   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
4217   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
4218   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
4219   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
4220   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
4221   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
4222   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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4235   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
4236   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
4237   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
4238   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
4239   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
4240   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
4241   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
4242   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
4243   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
4244   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
4245   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
4246   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
4247   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
4248   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
4249   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
4250   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
4251   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
4252   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
4253   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
4254   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
4255   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
4256   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
4257   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
4258   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
4259   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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4272   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
4273   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
4274   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
4275   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
4276   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
4277   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
4278   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
4279   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
4280   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
4281   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
4282   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
4283   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
4284        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
4285   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
4286   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
4287   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
4288   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
4289   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
4290   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
4291   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
4292   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
4293   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
4294   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
4295   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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4308   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
4309   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
4310   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
4311   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
4312   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
4313   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
4314   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
4315   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
4316   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
4317   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
4318   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
4319   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
4320   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
4321   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
4322   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
4323   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
4324   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
4325        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
4326   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
4327   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
4328   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
4329   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
4330   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
4331   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
4332   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
4333   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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4346   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
4347   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
4348   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
4349   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
4350   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
4351   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
4352   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
4353   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
4354   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
4355   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
4356   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
4357   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
4358   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
4359   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
4360   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
4361   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
4362   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
4363   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
4364   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
4365   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
4366   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
4367   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
4368   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
4369   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
4370   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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4383   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
4384   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
4385   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
4386   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
4387   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
4388   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
4389   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
4390   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
4391   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
4392   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
4393   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
4394   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
4395   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
4396   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
4397   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
4398   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
4399   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
4400   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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4416  
4417  
4418        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
4419    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
4420    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
4421    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
4422   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
4423   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
4424   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
4425   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
4426   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
4427   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
4428   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
4429   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
4430   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
4431   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
4432   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
4433   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
4434   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
4435   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
4436   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
4437        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
4438   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
4439   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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4452        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
4453   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
4454   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
4455   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
4456   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
4457   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
4458   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
4459   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
4460   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
4461        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
4462   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
4463   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
4464   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
4465   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
4466   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
4467   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
4468   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
4469   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
4470   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
4471   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
4472   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
4473   setzend.
4474        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
4475   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
4476   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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4494        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
4495    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
4496    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
4497    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
4498   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
4499   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
4500   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
4501   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
4502   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
4503   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
4504   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
4505   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
4506   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
4507   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
4508   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
4509   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
4510   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
4511   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
4512   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
4513        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
4514   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
4515   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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4528   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
4529   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
4530   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
4531   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
4532   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
4533   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
4534   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
4535   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
4536   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
4537   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
4538   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
4539   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
4540   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
4541   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
4542   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
4543   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
4544   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
4545   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
4546   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
4547   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
4548   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
4549   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
4550   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
4551   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
4552   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
4553   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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4566   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
4567   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
4568   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
4569   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
4570   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
4571   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
4572   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
4573   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
4574   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
4575   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
4576   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
4577   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
4578   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
4579   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
4580   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
4581   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
4582   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
4583   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
4584   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
4585   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
4586   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
4587   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
4588   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
4589   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
4590   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
4591   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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4604   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
4605   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
4606   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
4607   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
4608   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
4609   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
4610   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
4611   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
4612   chen werden.
4613        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
4614   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
4615   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
4616   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
4617   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
4618   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
4619   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
4620   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
4621   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
4622   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
4623        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
4624   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
4625   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
4626   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
4627   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
4628   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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4641   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
4642   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
4643   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
4644   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
4645   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
4646   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
4647   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
4648   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
4649   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
4650   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
4651   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
4652   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
4653   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
4654   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
4655   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
4656   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
4657    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
4658   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
4659   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
4660   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
4661        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
4662   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
4663        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
4664   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
4665   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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4678   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
4679   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
4680   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
4681    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
4682   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
4683   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
4684   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
4685   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
4686   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
4687   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
4688   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
4689   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
4690   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
4691   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
4692   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
4693   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
4694   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
4695   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
4696   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
4697   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
4698   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
4699   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
4700   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
4701   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
4702   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
4703   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
4704   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
4705   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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4718   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
4719   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
4720   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
4721   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
4722   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
4723   ersteren gelangt ist.""
4724                    Soweit Schumpeter.
4725        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
4726   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
4727   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
4728   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
4729   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
4730   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
4731   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
4732   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
4733   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
4734   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
4735   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
4736   dem Wesen nach eine Krise.
4737        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
4738   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
4739   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
4740   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
4741   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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4754   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
4755   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
4756   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
4757   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
4758   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
4759   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
4760   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
4761   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
4762   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
4763   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
4764   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
4765    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
4766   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
4767   ders der Diskontopolitik.
4768        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
4769   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
4770   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
4771   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
4772   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
4773   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
4774   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
4775   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
4776   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
4777   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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4791   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
4792   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
4793   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
4794   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
4795   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
4796   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
4797   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
4798   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
4799   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
4800    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
4801   ist das Einkommen der Nation.
4802        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
4803   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
4804   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
4805   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
4806   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
4807   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
4808   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
4809   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
4810   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
4811   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
4812   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
4813   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
4814   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
4815   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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4829   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
4830   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
4831   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
4832   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
4833   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
4834   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
4835   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
4836   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
4837   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
4838   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
4839   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
4840        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
4841   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
4842   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
4843   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
4844   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
4845   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
4846   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
4847   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
4848   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
4849   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
4850   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
4851   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
4852   equilibrieren.
4853        Wir können sagen:
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4866        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
4867   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
4868   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
4869   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
4870   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
4871   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
4872   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
4873   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
4874   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
4875   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
4876   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
4877   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
4878   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
4879   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
4880   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
4881   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
4882   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
4883   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
4884   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
4885   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
4886   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
4887        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
4888   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
4889   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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4906   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
4907   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
4908   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
4909   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
4910   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
4911   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
4912   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
4913   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
4914   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
4915   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
4916   Anteile am gesamten Produktionsfond.
4917        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
4918   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
4919   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
4920   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
4921   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
4922   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
4923   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
4924   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
4925   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
4926   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
4927   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
4928   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
4929   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
4930   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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4943   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
4944   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
4945   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
4946   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
4947   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
4948   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
4949   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
4950   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
4951   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
4952    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
4953   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
4954   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
4955   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
4956   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
4957   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
4958   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
4959   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
4960   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
4961   menhang zu konstatieren ist.
4962        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
4963   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
4964   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
4965   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
4966   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
4967   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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4978   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
4979   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
4980        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
4981   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
4982   von Einkommen zu unterscheiden haben:
4983  
4984   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
4985   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
4986   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
4987   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
4988   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
4989  
4990   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
4991   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
4992   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
4993   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
4994  
4995   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
4996   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
4997   machen können .
4998  
4999   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
5000   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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5015        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
5016   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
5017   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
5018   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
5019   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
5020   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
5021   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
5022   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
5023   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
5024   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
5025   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
5026   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
5027   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
5028   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
5029   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
5030   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
5031   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
5032   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
5033   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
5034   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
5035   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
5036   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
5037   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
5038   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
5039   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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5050   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
5051   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
5052   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
5053   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
5054   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
5055   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
5056   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
5057   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
5058   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
5059   läufen ausgleichen.
5060        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
5061   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
5062   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
5063   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
5064   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
5065   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
5066   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
5067   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
5068   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
5069   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
5070   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
5071   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
5072   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
5073   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
5074   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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5085   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
5086   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
5087   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
5088   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
5089   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
5090   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
5091   kalkulierten Preis.
5092        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
5093   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
5094   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
5095   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
5096   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
5097   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
5098   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
5099   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
5100   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
5101   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
5102   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
5103   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
5104   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
5105   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
5106   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
5107   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
5108   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
5109   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
5110   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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5121   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
5122   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
5123   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
5124   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
5125   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
5126   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
5127   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
5128   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
5129   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
5130   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
5131   fassung.
5132        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
5133   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
5134   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
5135   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
5136   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
5137   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
5138   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
5139   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
5140   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
5141   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
5142   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
5143   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
5144   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
5145   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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5157   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
5158   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
5159   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
5160   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
5161   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
5162   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
5163   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
5164   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
5165   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
5166   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
5167   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
5168   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
5169   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
5170   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
5171   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
5172   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
5173   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
5174   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
5175   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
5176   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
5177   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
5178   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
5179        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
5180   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
5181   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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5192   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
5193   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
5194   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
5195        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
5196   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
5197   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
5198   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
5199   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
5200   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
5201   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
5202   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
5203   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
5204   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
5205   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
5206   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
5207   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
5208   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
5209   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
5210   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
5211   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
5212   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
5213   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
5214   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
5215      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
5216   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
5217   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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5228   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
5229   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
5230   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
5231   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
5232   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
5233   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
5234   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
5235   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
5236   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
5237   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
5238   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
5239   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
5240   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
5241   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
5242   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
5243   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
5244   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
5245   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
5246   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
5247   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
5248   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
5249   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
5250   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
5251   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
5252   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
5253   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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5263  
5264   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
5265   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
5266   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
5267   Bild.
5268  
5269        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
5270   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
5271   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
5272   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
5273   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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5287   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
5288   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
5289    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
5290   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
5291   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
5292   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
5293   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
5294   erhoffen liessen.
5295        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
5296   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
5297   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
5298   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
5299   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
5300   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
5301   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
5302   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
5303  
5304        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
5305   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
5306   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
5307   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
5308   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
5309   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
5310   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
5311   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
5312   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
5313   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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5326   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
5327   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
5328   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
5329   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
5330   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
5331   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
5332   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
5333   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
5334   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
5335   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
5336   ten.
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5338        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
5339   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
5340   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
5341   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
5342   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
5343   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
5344   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
5345   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
5346   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
5347   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
5348   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
5349   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
5350   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
5351   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
5352   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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5365   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
5366   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
5367   von Edelmetallen.
5368        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
5369   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
5370   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
5371   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
5372   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
5373   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
5374   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
5375   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
5376   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
5377   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
5378   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
5379   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
5380   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
5381   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
5382   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
5383   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
5384   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
5385   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
5386   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
5387   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
5388   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
5389   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
5390   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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5403   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
5404   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
5405   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
5406   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
5407   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
5408   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
5409   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
5410   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
5411   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
5412   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
5413   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
5414   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
5415   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
5416   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
5417   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
5418   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
5419   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
5420   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
5421   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
5422   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
5423   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
5424   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
5425   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
5426   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
5427   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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5440   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
5441   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
5442   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
5443   stanz in sich birgt.
5444        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
5445   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
5446   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
5447   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
5448   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
5449   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
5450   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
5451   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
5452   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
5453   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
5454   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
5455   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
5456   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
5457   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
5458   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
5459   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
5460   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
5461   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
5462   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
5463   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
5464   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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5477   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
5478        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
5479   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
5480   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
5481   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
5482   erhalten.
5483        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
5484   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
5485   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
5486   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
5487   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
5488   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
5489   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
5490   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
5491   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
5492   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
5493        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
5494   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
5495   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
5496   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
5497   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
5498   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
5499   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
5500   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
5501   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
5502   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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5515   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
5516        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
5517   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
5518   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
5519   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
5520   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
5521   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
5522   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
5523   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
5524   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
5525   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
5526   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
5527   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
5528   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
5529   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
5530   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
5531   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
5532   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
5533   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
5534   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
5535   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
5536   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
5537   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
5538   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
5539   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
5540   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
5541   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
5542   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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5555   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
5556   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
5557   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
5558   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
5559   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
5560   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
5561   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
5562   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
5563   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
5564   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
5565   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
5566   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
5567   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
5568   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
5569   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
5570   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
5571        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
5572   lautete:
5573   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
5574   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
5575   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
5576   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
5577   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
5578   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
5579   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
5580   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
5581   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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5594   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
5595   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
5596        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
5597   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
5598   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
5599   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
5600   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
5601   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
5602   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
5603   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
5604   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
5605   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
5606   mal des Geldes bedeutete.
5607        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
5608   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
5609   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
5610   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
5611   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
5612   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
5613   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
5614   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
5615   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
5616   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
5617   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
5618   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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5631   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
5632   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
5633   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
5634   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
5635   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
5636   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
5637   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
5638   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
5639        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
5640   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
5641   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
5642   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
5643   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
5644   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
5645   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
5646   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
5647   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
5648   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
5649   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
5650   noch genügend zu lösen übrig.
5651          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
5652   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
5653   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
5654   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
5655   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
5656   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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5669   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
5670   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
5671   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
5672   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
5673   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
5674   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
5675   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
5676   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
5677   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
5678   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
5679   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
5680     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
5681   Entwicklung zu skizzieren.
5682       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
5683   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
5684   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
5685   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
5686   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
5687   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
5688   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
5689   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
5690   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
5691   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
5692   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
5693   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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5706   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
5707   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
5708   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
5709   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
5710   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
5711   sich üner den Stoff erhebt.
5712        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
5713   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
5714   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
5715   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
5716   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
5717   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
5718   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
5719   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
5720   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
5721   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
5722   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
5723   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
5724   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
5725   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
5726   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
5727   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
5728   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
5729   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
5730   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
5731   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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5744   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
5745   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
5746   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
5747   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
5748   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
5749   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
5750   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
5751   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
5752   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
5753   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
5754   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
5755   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
5756   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
5757   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
5758   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
5759   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
5760   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
5761   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
5762   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
5763   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
5764   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
5765   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
5766   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
5767   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
5768   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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5781   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
5782   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
5783   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
5784   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
5785   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
5786   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
5787   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
5788   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
5789   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
5790   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
5791   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
5792   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
5793        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
5794   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
5795   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
5796   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
5797   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
5798   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
5799   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
5800   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
5801   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
5802   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
5803   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
5804   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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5817   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
5818   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
5819   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
5820   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
5821   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
5822   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
5823   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
5824   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
5825   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
5826   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
5827   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
5828   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
5829   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
5830   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
5831   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
5832   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
5833   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
5834        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
5835   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
5836   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
5837   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
5838   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
5839   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
5840   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
5841   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
5842   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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5855   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
5856   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
5857   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
5858   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
5859   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
5860   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
5861   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
5862   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
5863   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
5864   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
5865   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
5866   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
5867   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
5868   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
5869   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
5870   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
5871   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
5872   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
5873   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
5874   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
5875   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
5876   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
5877   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
5878   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
5879   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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5892   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
5893   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
5894   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
5895   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
5896   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
5897   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
5898   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
5899   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
5900   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
5901   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
5902   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
5903   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
5904   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
5905   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
5906   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
5907   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
5908   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
5909   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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5922   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
5923   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
5924   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
5925   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
5926   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
5927   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
5928   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
5929   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
5930   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
5931   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
5932   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
5933   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
5934   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
5935   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
5936   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
5937   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
5938   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
5939   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
5940   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
5941   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
5942   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
5943   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
5944   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
5945   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
5946   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
5947   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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5960   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
5961   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
5962   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
5963   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
5964   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
5965   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
5966   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
5967   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
5968   chen werden.
5969        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
5970   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
5971   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
5972   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
5973   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
5974   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
5975   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
5976   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
5977   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
5978   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
5979        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
5980   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
5981   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
5982   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
5983   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
5984   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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5997   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
5998   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
5999   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
6000   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
6001   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
6002   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
6003   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
6004   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
6005   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
6006   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
6007   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
6008   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
6009   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
6010   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
6011   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
6012   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
6013    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
6014   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
6015   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
6016   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
6017        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
6018   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
6019        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
6020   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
6021   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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6034   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
6035   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
6036   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
6037    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
6038   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
6039   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
6040   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
6041   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
6042   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
6043   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
6044   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
6045   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
6046   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
6047   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
6048   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
6049   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
6050   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
6051   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
6052   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
6053   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
6054   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
6055   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
6056   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
6057   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
6058   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
6059   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
6060   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
6061   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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6074   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
6075   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
6076   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
6077   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
6078   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
6079   ersteren gelangt ist.""
6080                    Soweit Schumpeter.
6081        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
6082   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
6083   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
6084   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
6085   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
6086   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
6087   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
6088   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
6089   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
6090   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
6091   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
6092   dem Wesen nach eine Krise.
6093        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
6094   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
6095   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
6096   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
6097   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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6110   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
6111   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
6112   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
6113   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
6114   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
6115   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
6116   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
6117   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
6118   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
6119   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
6120   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
6121    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
6122   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
6123   ders der Diskontopolitik.
6124        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
6125   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
6126   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
6127   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
6128   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
6129   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
6130   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
6131   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
6132   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
6133   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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6147   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
6148   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
6149   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
6150   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
6151   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
6152   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
6153   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
6154   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
6155   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
6156    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
6157   ist das Einkommen der Nation.
6158        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
6159   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
6160   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
6161   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
6162   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
6163   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
6164   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
6165   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
6166   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
6167   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
6168   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
6169   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
6170   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
6171   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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6185   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
6186   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
6187   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
6188   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
6189   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
6190   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
6191   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
6192   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
6193   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
6194   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
6195   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
6196        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
6197   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
6198   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
6199   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
6200   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
6201   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
6202   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
6203   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
6204   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
6205   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
6206   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
6207   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
6208   equilibrieren.
6209        Wir können sagen:
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6222        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
6223   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
6224   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
6225   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
6226   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
6227   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
6228   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
6229   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
6230   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
6231   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
6232   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
6233   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
6234   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
6235   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
6236   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
6237   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
6238   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
6239   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
6240   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
6241   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
6242   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
6243        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
6244   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
6245   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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6262   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
6263   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
6264   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
6265   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
6266   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
6267   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
6268   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
6269   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
6270   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
6271   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
6272   Anteile am gesamten Produktionsfond.
6273        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
6274   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
6275   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
6276   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
6277   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
6278   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
6279   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
6280   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
6281   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
6282   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
6283   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
6284   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
6285   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
6286   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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6299   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
6300   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
6301   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
6302   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
6303   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
6304   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
6305   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
6306   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
6307   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
6308    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
6309   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
6310   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
6311   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
6312   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
6313   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
6314   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
6315   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
6316   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
6317   menhang zu konstatieren ist.
6318        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
6319   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
6320   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
6321   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
6322   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
6323   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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6334   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
6335   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
6336        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
6337   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
6338   von Einkommen zu unterscheiden haben:
6339  
6340   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
6341   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
6342   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
6343   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
6344   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
6345  
6346   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
6347   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
6348   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
6349   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
6350  
6351   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
6352   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
6353   machen können .
6354  
6355   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
6356   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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6371        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
6372   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
6373   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
6374   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
6375   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
6376   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
6377   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
6378   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
6379   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
6380   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
6381   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
6382   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
6383   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
6384   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
6385   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
6386   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
6387   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
6388   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
6389   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
6390   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
6391   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
6392   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
6393   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
6394   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
6395   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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6406   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
6407   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
6408   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
6409   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
6410   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
6411   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
6412   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
6413   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
6414   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
6415   läufen ausgleichen.
6416        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
6417   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
6418   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
6419   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
6420   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
6421   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
6422   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
6423   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
6424   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
6425   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
6426   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
6427   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
6428   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
6429   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
6430   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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6441   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
6442   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
6443   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
6444   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
6445   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
6446   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
6447   kalkulierten Preis.
6448        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
6449   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
6450   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
6451   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
6452   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
6453   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
6454   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
6455   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
6456   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
6457   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
6458   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
6459   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
6460   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
6461   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
6462   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
6463   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
6464   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
6465   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
6466   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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6477   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
6478   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
6479   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
6480   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
6481   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
6482   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
6483   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
6484   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
6485   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
6486   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
6487   fassung.
6488        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
6489   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
6490   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
6491   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
6492   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
6493   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
6494   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
6495   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
6496   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
6497   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
6498   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
6499   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
6500   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
6501   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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6513   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
6514   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
6515   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
6516   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
6517   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
6518   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
6519   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
6520   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
6521   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
6522   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
6523   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
6524   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
6525   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
6526   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
6527   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
6528   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
6529   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
6530   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
6531   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
6532   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
6533   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
6534   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
6535        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
6536   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
6537   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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6548   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
6549   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
6550   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
6551        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
6552   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
6553   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
6554   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
6555   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
6556   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
6557   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
6558   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
6559   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
6560   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
6561   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
6562   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
6563   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
6564   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
6565   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
6566   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
6567   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
6568   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
6569   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
6570   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
6571      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
6572   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
6573   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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6584   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
6585   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
6586   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
6587   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
6588   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
6589   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
6590   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
6591   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
6592   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
6593   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
6594   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
6595   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
6596   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
6597   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
6598   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
6599   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
6600   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
6601   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
6602   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
6603   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
6604   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
6605   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
6606   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
6607   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
6608   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
6609   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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6620   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
6621   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
6622   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
6623   Bild.
6624  
6625        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
6626   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
6627   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
6628   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
6629   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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6643   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
6644   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
6645    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
6646   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
6647   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
6648   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
6649   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
6650   erhoffen liessen.
6651        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
6652   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
6653   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
6654   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
6655   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
6656   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
6657   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
6658   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
6659  
6660        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
6661   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
6662   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
6663   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
6664   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
6665   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
6666   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
6667   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
6668   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
6669   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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6682   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
6683   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
6684   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
6685   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
6686   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
6687   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
6688   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
6689   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
6690   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
6691   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
6692   ten.
6693  
6694        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
6695   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
6696   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
6697   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
6698   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
6699   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
6700   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
6701   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
6702   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
6703   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
6704   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
6705   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
6706   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
6707   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
6708   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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6721   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
6722   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
6723   von Edelmetallen.
6724        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
6725   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
6726   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
6727   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
6728   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
6729   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
6730   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
6731   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
6732   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
6733   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
6734   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
6735   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
6736   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
6737   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
6738   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
6739   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
6740   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
6741   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
6742   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
6743   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
6744   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
6745   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
6746   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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6759   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
6760   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
6761   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
6762   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
6763   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
6764   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
6765   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
6766   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
6767   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
6768   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
6769   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
6770   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
6771   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
6772   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
6773   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
6774   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
6775   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
6776   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
6777   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
6778   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
6779   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
6780   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
6781   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
6782   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
6783   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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6796   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
6797   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
6798   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
6799   stanz in sich birgt.
6800        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
6801   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
6802   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
6803   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
6804   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
6805   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
6806   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
6807   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
6808   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
6809   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
6810   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
6811   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
6812   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
6813   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
6814   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
6815   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
6816   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
6817   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
6818   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
6819   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
6820   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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6833   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
6834        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
6835   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
6836   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
6837   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
6838   erhalten.
6839        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
6840   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
6841   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
6842   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
6843   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
6844   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
6845   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
6846   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
6847   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
6848   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
6849        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
6850   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
6851   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
6852   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
6853   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
6854   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
6855   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
6856   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
6857   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
6858   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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6871   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
6872        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
6873   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
6874   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
6875   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
6876   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
6877   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
6878   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
6879   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
6880   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
6881   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
6882   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
6883   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
6884   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
6885   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
6886   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
6887   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
6888   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
6889   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
6890   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
6891   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
6892   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
6893   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
6894   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
6895   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
6896   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
6897   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
6898   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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6911   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
6912   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
6913   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
6914   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
6915   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
6916   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
6917   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
6918   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
6919   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
6920   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
6921   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
6922   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
6923   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
6924   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
6925   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
6926   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
6927        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
6928   lautete:
6929   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
6930   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
6931   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
6932   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
6933   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
6934   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
6935   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
6936   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
6937   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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6950   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
6951   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
6952        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
6953   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
6954   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
6955   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
6956   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
6957   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
6958   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
6959   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
6960   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
6961   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
6962   mal des Geldes bedeutete.
6963        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
6964   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
6965   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
6966   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
6967   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
6968   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
6969   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
6970   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
6971   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
6972   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
6973   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
6974   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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6987   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
6988   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
6989   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
6990   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
6991   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
6992   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
6993   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
6994   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
6995        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
6996   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
6997   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
6998   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
6999   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
7000   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
7001   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
7002   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
7003   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
7004   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
7005   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
7006   noch genügend zu lösen übrig.
7007          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
7008   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
7009   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
7010   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
7011   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
7012   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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7025   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
7026   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
7027   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
7028   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
7029   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
7030   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
7031   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
7032   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
7033   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
7034   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
7035   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
7036     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
7037   Entwicklung zu skizzieren.
7038       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
7039   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
7040   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
7041   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
7042   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
7043   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
7044   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
7045   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
7046   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
7047   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
7048   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
7049   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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7062   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
7063   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
7064   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
7065   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
7066   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
7067   sich üner den Stoff erhebt.
7068        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
7069   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
7070   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
7071   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
7072   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
7073   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
7074   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
7075   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
7076   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
7077   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
7078   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
7079   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
7080   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
7081   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
7082   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
7083   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
7084   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
7085   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
7086   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
7087   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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7100   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
7101   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
7102   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
7103   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
7104   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
7105   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
7106   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
7107   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
7108   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
7109   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
7110   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
7111   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
7112   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
7113   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
7114   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
7115   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
7116   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
7117   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
7118   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
7119   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
7120   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
7121   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
7122   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
7123   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
7124   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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7137   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
7138   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
7139   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
7140   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
7141   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
7142   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
7143   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
7144   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
7145   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
7146   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
7147   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
7148   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
7149        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
7150   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
7151   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
7152   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
7153   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
7154   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
7155   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
7156   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
7157   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
7158   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
7159   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
7160   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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7173   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
7174   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
7175   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
7176   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
7177   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
7178   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
7179   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
7180   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
7181   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
7182   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
7183   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
7184   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
7185   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
7186   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
7187   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
7188   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
7189   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
7190        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
7191   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
7192   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
7193   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
7194   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
7195   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
7196   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
7197   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
7198   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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7211   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
7212   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
7213   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
7214   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
7215   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
7216   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
7217   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
7218   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
7219   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
7220   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
7221   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
7222   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
7223   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
7224   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
7225   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
7226   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
7227   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
7228   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
7229   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
7230   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
7231   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
7232   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
7233   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
7234   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
7235   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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7248   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
7249   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
7250   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
7251   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
7252   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
7253   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
7254   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
7255   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
7256   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
7257   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
7258   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
7259   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
7260   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
7261   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
7262   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
7263   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
7264   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
7265   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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7278        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
7279   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
7280   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
7281   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
7282   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
7283   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
7284   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
7285   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
7286   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
7287        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
7288   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
7289   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
7290   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
7291   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
7292   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
7293   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
7294   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
7295   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
7296   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
7297   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
7298   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
7299   setzend.
7300        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
7301   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
7302   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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7320        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
7321    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
7322    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
7323    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
7324   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
7325   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
7326   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
7327   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
7328   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
7329   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
7330   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
7331   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
7332   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
7333   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
7334   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
7335   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
7336   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
7337   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
7338   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
7339        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
7340   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
7341   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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7354   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
7355   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
7356   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
7357   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
7358   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
7359   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
7360   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
7361   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
7362   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
7363   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
7364   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
7365   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
7366   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
7367   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
7368   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
7369   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
7370   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
7371   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
7372   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
7373   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
7374   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
7375   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
7376   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
7377   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
7378   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
7379   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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7392   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
7393   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
7394   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
7395   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
7396   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
7397   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
7398   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
7399   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
7400   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
7401   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
7402   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
7403   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
7404   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
7405   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
7406   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
7407   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
7408   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
7409   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
7410   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
7411   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
7412   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
7413   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
7414   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
7415   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
7416   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
7417   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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7430   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
7431   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
7432   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
7433   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
7434   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
7435   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
7436   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
7437   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
7438   chen werden.
7439        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
7440   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
7441   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
7442   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
7443   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
7444   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
7445   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
7446   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
7447   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
7448   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
7449        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
7450   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
7451   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
7452   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
7453   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
7454   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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7467   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
7468   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
7469   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
7470   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
7471   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
7472   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
7473   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
7474   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
7475   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
7476   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
7477   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
7478   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
7479   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
7480   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
7481   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
7482   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
7483    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
7484   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
7485   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
7486   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
7487        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
7488   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
7489        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
7490   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
7491   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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7504   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
7505   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
7506   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
7507    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
7508   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
7509   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
7510   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
7511   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
7512   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
7513   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
7514   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
7515   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
7516   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
7517   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
7518   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
7519   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
7520   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
7521   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
7522   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
7523   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
7524   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
7525   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
7526   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
7527   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
7528   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
7529   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
7530   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
7531   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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7544   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
7545   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
7546   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
7547   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
7548   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
7549   ersteren gelangt ist.""
7550                    Soweit Schumpeter.
7551        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
7552   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
7553   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
7554   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
7555   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
7556   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
7557   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
7558   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
7559   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
7560   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
7561   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
7562   dem Wesen nach eine Krise.
7563        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
7564   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
7565   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
7566   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
7567   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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7580   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
7581   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
7582   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
7583   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
7584   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
7585   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
7586   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
7587   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
7588   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
7589   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
7590   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
7591    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
7592   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
7593   ders der Diskontopolitik.
7594        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
7595   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
7596   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
7597   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
7598   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
7599   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
7600   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
7601   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
7602   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
7603   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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7617   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
7618   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
7619   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
7620   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
7621   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
7622   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
7623   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
7624   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
7625   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
7626    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
7627   ist das Einkommen der Nation.
7628        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
7629   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
7630   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
7631   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
7632   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
7633   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
7634   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
7635   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
7636   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
7637   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
7638   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
7639   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
7640   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
7641   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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7655   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
7656   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
7657   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
7658   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
7659   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
7660   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
7661   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
7662   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
7663   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
7664   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
7665   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
7666        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
7667   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
7668   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
7669   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
7670   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
7671   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
7672   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
7673   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
7674   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
7675   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
7676   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
7677   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
7678   equilibrieren.
7679        Wir können sagen:
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7692        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
7693   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
7694   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
7695   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
7696   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
7697   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
7698   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
7699   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
7700   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
7701   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
7702   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
7703   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
7704   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
7705   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
7706   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
7707   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
7708   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
7709   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
7710   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
7711   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
7712   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
7713        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
7714   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
7715   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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7732   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
7733   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
7734   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
7735   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
7736   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
7737   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
7738   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
7739   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
7740   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
7741   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
7742   Anteile am gesamten Produktionsfond.
7743        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
7744   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
7745   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
7746   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
7747   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
7748   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
7749   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
7750   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
7751   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
7752   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
7753   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
7754   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
7755   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
7756   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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7769   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
7770   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
7771   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
7772   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
7773   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
7774   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
7775   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
7776   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
7777   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
7778    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
7779   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
7780   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
7781   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
7782   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
7783   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
7784   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
7785   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
7786   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
7787   menhang zu konstatieren ist.
7788        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
7789   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
7790   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
7791   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
7792   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
7793   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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7804   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
7805   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
7806        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
7807   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
7808   von Einkommen zu unterscheiden haben:
7809  
7810   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
7811   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
7812   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
7813   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
7814   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
7815  
7816   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
7817   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
7818   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
7819   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
7820  
7821   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
7822   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
7823   machen können .
7824  
7825   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
7826   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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7840  
7841        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
7842   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
7843   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
7844   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
7845   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
7846   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
7847   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
7848   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
7849   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
7850   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
7851   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
7852   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
7853   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
7854   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
7855   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
7856   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
7857   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
7858   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
7859   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
7860   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
7861   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
7862   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
7863   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
7864   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
7865   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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7876   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
7877   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
7878   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
7879   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
7880   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
7881   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
7882   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
7883   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
7884   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
7885   läufen ausgleichen.
7886        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
7887   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
7888   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
7889   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
7890   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
7891   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
7892   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
7893   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
7894   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
7895   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
7896   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
7897   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
7898   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
7899   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
7900   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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7910  
7911   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
7912   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
7913   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
7914   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
7915   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
7916   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
7917   kalkulierten Preis.
7918        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
7919   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
7920   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
7921   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
7922   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
7923   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
7924   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
7925   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
7926   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
7927   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
7928   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
7929   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
7930   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
7931   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
7932   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
7933   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
7934   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
7935   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
7936   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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7947   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
7948   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
7949   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
7950   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
7951   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
7952   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
7953   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
7954   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
7955   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
7956   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
7957   fassung.
7958        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
7959   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
7960   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
7961   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
7962   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
7963   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
7964   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
7965   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
7966   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
7967   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
7968   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
7969   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
7970   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
7971   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
7972  
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7983   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
7984   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
7985   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
7986   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
7987   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
7988   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
7989   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
7990   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
7991   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
7992   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
7993   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
7994   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
7995   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
7996   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
7997   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
7998   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
7999   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
8000   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
8001   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
8002   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
8003   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
8004   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
8005        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
8006   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
8007   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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8018   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
8019   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
8020   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
8021        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
8022   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
8023   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
8024   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
8025   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
8026   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
8027   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
8028   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
8029   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
8030   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
8031   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
8032   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
8033   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
8034   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
8035   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
8036   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
8037   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
8038   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
8039   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
8040   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
8041      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
8042   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
8043   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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8054   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
8055   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
8056   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
8057   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
8058   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
8059   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
8060   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
8061   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
8062   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
8063   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
8064   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
8065   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
8066   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
8067   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
8068   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
8069   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
8070   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
8071   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
8072   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
8073   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
8074   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
8075   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
8076   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
8077   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
8078   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
8079   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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8090   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
8091   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
8092   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
8093   Bild.
8094  
8095        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
8096   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
8097   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
8098   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
8099   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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8113   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
8114   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
8115    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
8116   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
8117   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
8118   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
8119   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
8120   erhoffen liessen.
8121        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
8122   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
8123   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
8124   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
8125   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
8126   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
8127   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
8128   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
8129  
8130        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
8131   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
8132   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
8133   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
8134   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
8135   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
8136   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
8137   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
8138   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
8139   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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8152   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
8153   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
8154   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
8155   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
8156   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
8157   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
8158   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
8159   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
8160   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
8161   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
8162   ten.
8163  
8164        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
8165   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
8166   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
8167   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
8168   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
8169   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
8170   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
8171   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
8172   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
8173   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
8174   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
8175   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
8176   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
8177   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
8178   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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8191   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
8192   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
8193   von Edelmetallen.
8194        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
8195   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
8196   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
8197   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
8198   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
8199   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
8200   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
8201   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
8202   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
8203   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
8204   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
8205   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
8206   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
8207   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
8208   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
8209   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
8210   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
8211   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
8212   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
8213   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
8214   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
8215   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
8216   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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8229   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
8230   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
8231   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
8232   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
8233   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
8234   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
8235   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
8236   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
8237   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
8238   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
8239   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
8240   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
8241   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
8242   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
8243   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
8244   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
8245   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
8246   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
8247   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
8248   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
8249   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
8250   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
8251   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
8252   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
8253   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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8266   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
8267   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
8268   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
8269   stanz in sich birgt.
8270        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
8271   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
8272   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
8273   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
8274   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
8275   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
8276   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
8277   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
8278   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
8279   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
8280   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
8281   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
8282   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
8283   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
8284   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
8285   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
8286   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
8287   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
8288   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
8289   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
8290   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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8303   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
8304        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
8305   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
8306   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
8307   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
8308   erhalten.
8309        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
8310   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
8311   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
8312   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
8313   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
8314   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
8315   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
8316   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
8317   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
8318   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
8319        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
8320   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
8321   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
8322   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
8323   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
8324   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
8325   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
8326   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
8327   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
8328   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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8341   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
8342        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
8343   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
8344   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
8345   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
8346   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
8347   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
8348   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
8349   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
8350   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
8351   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
8352   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
8353   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
8354   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
8355   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
8356   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
8357   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
8358   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
8359   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
8360   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
8361   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
8362   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
8363   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
8364   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
8365   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
8366   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
8367   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
8368   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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8381   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
8382   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
8383   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
8384   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
8385   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
8386   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
8387   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
8388   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
8389   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
8390   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
8391   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
8392   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
8393   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
8394   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
8395   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
8396   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
8397        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
8398   lautete:
8399   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
8400   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
8401   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
8402   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
8403   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
8404   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
8405   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
8406   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
8407   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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8420   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
8421   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
8422        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
8423   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
8424   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
8425   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
8426   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
8427   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
8428   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
8429   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
8430   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
8431   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
8432   mal des Geldes bedeutete.
8433        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
8434   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
8435   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
8436   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
8437   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
8438   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
8439   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
8440   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
8441   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
8442   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
8443   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
8444   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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8457   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
8458   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
8459   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
8460   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
8461   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
8462   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
8463   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
8464   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
8465        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
8466   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
8467   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
8468   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
8469   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
8470   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
8471   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
8472   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
8473   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
8474   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
8475   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
8476   noch genügend zu lösen übrig.
8477          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
8478   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
8479   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
8480   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
8481   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
8482   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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8495   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
8496   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
8497   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
8498   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
8499   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
8500   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
8501   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
8502   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
8503   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
8504   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
8505   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
8506     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
8507   Entwicklung zu skizzieren.
8508       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
8509   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
8510   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
8511   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
8512   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
8513   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
8514   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
8515   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
8516   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
8517   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
8518   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
8519   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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8532   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
8533   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
8534   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
8535   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
8536   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
8537   sich üner den Stoff erhebt.
8538        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
8539   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
8540   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
8541   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
8542   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
8543   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
8544   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
8545   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
8546   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
8547   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
8548   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
8549   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
8550   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
8551   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
8552   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
8553   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
8554   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
8555   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
8556   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
8557   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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8570   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
8571   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
8572   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
8573   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
8574   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
8575   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
8576   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
8577   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
8578   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
8579   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
8580   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
8581   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
8582   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
8583   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
8584   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
8585   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
8586   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
8587   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
8588   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
8589   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
8590   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
8591   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
8592   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
8593   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
8594   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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8607   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
8608   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
8609   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
8610   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
8611   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
8612   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
8613   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
8614   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
8615   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
8616   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
8617   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
8618   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
8619        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
8620   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
8621   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
8622   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
8623   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
8624   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
8625   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
8626   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
8627   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
8628   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
8629   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
8630   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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8643   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
8644   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
8645   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
8646   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
8647   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
8648   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
8649   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
8650   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
8651   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
8652   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
8653   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
8654   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
8655   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
8656   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
8657   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
8658   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
8659   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
8660        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
8661   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
8662   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
8663   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
8664   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
8665   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
8666   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
8667   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
8668   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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8681   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
8682   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
8683   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
8684   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
8685   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
8686   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
8687   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
8688   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
8689   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
8690   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
8691   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
8692   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
8693   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
8694   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
8695   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
8696   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
8697   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
8698   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
8699   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
8700   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
8701   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
8702   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
8703   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
8704   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
8705   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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8718   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
8719   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
8720   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
8721   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
8722   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
8723   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
8724   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
8725   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
8726   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
8727   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
8728   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
8729   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
8730   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
8731   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
8732   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
8733   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
8734   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
8735   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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8748   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
8749   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
8750   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
8751   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
8752   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
8753   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
8754   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
8755   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
8756   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
8757   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
8758   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
8759   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
8760   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
8761   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
8762   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
8763   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
8764   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
8765   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
8766   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
8767   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
8768   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
8769   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
8770   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
8771   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
8772   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
8773   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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8786   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
8787   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
8788   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
8789   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
8790   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
8791   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
8792   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
8793   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
8794   chen werden.
8795        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
8796   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
8797   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
8798   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
8799   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
8800   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
8801   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
8802   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
8803   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
8804   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
8805        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
8806   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
8807   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
8808   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
8809   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
8810   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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8823   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
8824   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
8825   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
8826   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
8827   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
8828   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
8829   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
8830   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
8831   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
8832   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
8833   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
8834   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
8835   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
8836   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
8837   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
8838   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
8839    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
8840   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
8841   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
8842   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
8843        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
8844   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
8845        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
8846   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
8847   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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8860   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
8861   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
8862   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
8863    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
8864   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
8865   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
8866   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
8867   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
8868   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
8869   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
8870   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
8871   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
8872   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
8873   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
8874   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
8875   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
8876   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
8877   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
8878   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
8879   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
8880   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
8881   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
8882   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
8883   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
8884   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
8885   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
8886   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
8887   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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8900   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
8901   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
8902   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
8903   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
8904   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
8905   ersteren gelangt ist.""
8906                    Soweit Schumpeter.
8907        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
8908   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
8909   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
8910   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
8911   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
8912   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
8913   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
8914   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
8915   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
8916   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
8917   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
8918   dem Wesen nach eine Krise.
8919        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
8920   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
8921   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
8922   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
8923   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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8936   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
8937   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
8938   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
8939   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
8940   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
8941   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
8942   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
8943   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
8944   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
8945   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
8946   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
8947    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
8948   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
8949   ders der Diskontopolitik.
8950        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
8951   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
8952   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
8953   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
8954   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
8955   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
8956   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
8957   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
8958   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
8959   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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8973   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
8974   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
8975   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
8976   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
8977   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
8978   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
8979   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
8980   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
8981   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
8982    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
8983   ist das Einkommen der Nation.
8984        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
8985   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
8986   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
8987   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
8988   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
8989   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
8990   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
8991   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
8992   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
8993   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
8994   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
8995   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
8996   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
8997   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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9011   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
9012   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
9013   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
9014   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
9015   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
9016   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
9017   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
9018   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
9019   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
9020   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
9021   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
9022        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
9023   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
9024   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
9025   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
9026   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
9027   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
9028   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
9029   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
9030   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
9031   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
9032   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
9033   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
9034   equilibrieren.
9035        Wir können sagen:
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9048        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
9049   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
9050   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
9051   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
9052   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
9053   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
9054   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
9055   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
9056   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
9057   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
9058   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
9059   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
9060   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
9061   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
9062   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
9063   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
9064   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
9065   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
9066   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
9067   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
9068   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
9069        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
9070   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
9071   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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9088   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
9089   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
9090   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
9091   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
9092   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
9093   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
9094   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
9095   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
9096   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
9097   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
9098   Anteile am gesamten Produktionsfond.
9099        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
9100   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
9101   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
9102   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
9103   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
9104   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
9105   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
9106   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
9107   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
9108   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
9109   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
9110   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
9111   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
9112   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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9125   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
9126   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
9127   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
9128   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
9129   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
9130   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
9131   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
9132   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
9133   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
9134    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
9135   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
9136   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
9137   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
9138   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
9139   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
9140   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
9141   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
9142   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
9143   menhang zu konstatieren ist.
9144        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
9145   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
9146   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
9147   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
9148   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
9149   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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9160   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
9161   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
9162        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
9163   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
9164   von Einkommen zu unterscheiden haben:
9165  
9166   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
9167   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
9168   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
9169   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
9170   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
9171  
9172   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
9173   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
9174   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
9175   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
9176  
9177   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
9178   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
9179   machen können .
9180  
9181   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
9182   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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9197        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
9198   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
9199   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
9200   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
9201   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
9202   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
9203   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
9204   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
9205   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
9206   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
9207   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
9208   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
9209   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
9210   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
9211   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
9212   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
9213   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
9214   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
9215   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
9216   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
9217   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
9218   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
9219   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
9220   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
9221   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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9232   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
9233   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
9234   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
9235   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
9236   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
9237   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
9238   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
9239   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
9240   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
9241   läufen ausgleichen.
9242        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
9243   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
9244   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
9245   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
9246   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
9247   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
9248   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
9249   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
9250   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
9251   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
9252   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
9253   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
9254   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
9255   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
9256   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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9267   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
9268   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
9269   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
9270   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
9271   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
9272   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
9273   kalkulierten Preis.
9274        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
9275   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
9276   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
9277   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
9278   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
9279   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
9280   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
9281   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
9282   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
9283   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
9284   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
9285   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
9286   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
9287   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
9288   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
9289   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
9290   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
9291   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
9292   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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9303   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
9304   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
9305   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
9306   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
9307   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
9308   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
9309   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
9310   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
9311   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
9312   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
9313   fassung.
9314        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
9315   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
9316   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
9317   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
9318   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
9319   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
9320   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
9321   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
9322   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
9323   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
9324   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
9325   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
9326   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
9327   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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9339   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
9340   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
9341   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
9342   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
9343   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
9344   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
9345   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
9346   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
9347   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
9348   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
9349   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
9350   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
9351   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
9352   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
9353   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
9354   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
9355   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
9356   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
9357   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
9358   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
9359   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
9360   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
9361        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
9362   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
9363   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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9374   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
9375   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
9376   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
9377        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
9378   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
9379   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
9380   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
9381   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
9382   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
9383   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
9384   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
9385   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
9386   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
9387   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
9388   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
9389   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
9390   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
9391   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
9392   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
9393   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
9394   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
9395   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
9396   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
9397      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
9398   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
9399   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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9410   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
9411   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
9412   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
9413   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
9414   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
9415   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
9416   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
9417   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
9418   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
9419   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
9420   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
9421   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
9422   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
9423   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
9424   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
9425   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
9426   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
9427   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
9428   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
9429   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
9430   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
9431   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
9432   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
9433   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
9434   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
9435   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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9446   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
9447   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
9448   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
9449   Bild.
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9451        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
9452   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
9453   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
9454   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
9455   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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9469   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
9470   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
9471    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
9472   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
9473   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
9474   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
9475   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
9476   erhoffen liessen.
9477        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
9478   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
9479   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
9480   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
9481   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
9482   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
9483   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
9484   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
9485  
9486        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
9487   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
9488   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
9489   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
9490   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
9491   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
9492   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
9493   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
9494   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
9495   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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9508   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
9509   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
9510   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
9511   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
9512   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
9513   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
9514   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
9515   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
9516   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
9517   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
9518   ten.
9519  
9520        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
9521   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
9522   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
9523   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
9524   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
9525   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
9526   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
9527   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
9528   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
9529   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
9530   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
9531   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
9532   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
9533   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
9534   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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9547   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
9548   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
9549   von Edelmetallen.
9550        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
9551   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
9552   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
9553   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
9554   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
9555   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
9556   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
9557   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
9558   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
9559   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
9560   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
9561   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
9562   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
9563   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
9564   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
9565   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
9566   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
9567   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
9568   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
9569   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
9570   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
9571   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
9572   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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9585   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
9586   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
9587   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
9588   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
9589   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
9590   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
9591   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
9592   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
9593   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
9594   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
9595   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
9596   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
9597   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
9598   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
9599   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
9600   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
9601   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
9602   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
9603   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
9604   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
9605   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
9606   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
9607   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
9608   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
9609   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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9622   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
9623   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
9624   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
9625   stanz in sich birgt.
9626        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
9627   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
9628   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
9629   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
9630   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
9631   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
9632   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
9633   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
9634   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
9635   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
9636   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
9637   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
9638   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
9639   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
9640   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
9641   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
9642   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
9643   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
9644   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
9645   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
9646   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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9659   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
9660        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
9661   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
9662   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
9663   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
9664   erhalten.
9665        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
9666   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
9667   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
9668   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
9669   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
9670   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
9671   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
9672   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
9673   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
9674   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
9675        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
9676   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
9677   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
9678   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
9679   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
9680   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
9681   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
9682   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
9683   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
9684   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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9697   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
9698        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
9699   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
9700   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
9701   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
9702   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
9703   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
9704   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
9705   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
9706   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
9707   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
9708   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
9709   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
9710   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
9711   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
9712   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
9713   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
9714   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
9715   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
9716   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
9717   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
9718   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
9719   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
9720   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
9721   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
9722   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
9723   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
9724   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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9737   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
9738   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
9739   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
9740   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
9741   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
9742   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
9743   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
9744   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
9745   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
9746   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
9747   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
9748   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
9749   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
9750   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
9751   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
9752   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
9753        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
9754   lautete:
9755   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
9756   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
9757   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
9758   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
9759   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
9760   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
9761   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
9762   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
9763   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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9776   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
9777   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
9778        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
9779   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
9780   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
9781   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
9782   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
9783   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
9784   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
9785   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
9786   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
9787   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
9788   mal des Geldes bedeutete.
9789        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
9790   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
9791   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
9792   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
9793   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
9794   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
9795   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
9796   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
9797   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
9798   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
9799   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
9800   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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9813   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
9814   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
9815   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
9816   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
9817   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
9818   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
9819   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
9820   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
9821        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
9822   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
9823   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
9824   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
9825   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
9826   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
9827   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
9828   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
9829   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
9830   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
9831   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
9832   noch genügend zu lösen übrig.
9833          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
9834   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
9835   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
9836   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
9837   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
9838   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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9851   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
9852   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
9853   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
9854   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
9855   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
9856   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
9857   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
9858   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
9859   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
9860   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
9861   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
9862     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
9863   Entwicklung zu skizzieren.
9864       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
9865   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
9866   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
9867   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
9868   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
9869   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
9870   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
9871   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
9872   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
9873   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
9874   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
9875   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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9888   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
9889   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
9890   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
9891   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
9892   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
9893   sich üner den Stoff erhebt.
9894        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
9895   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
9896   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
9897   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
9898   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
9899   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
9900   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
9901   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
9902   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
9903   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
9904   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
9905   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
9906   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
9907   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
9908   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
9909   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
9910   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
9911   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
9912   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
9913   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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9926   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
9927   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
9928   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
9929   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
9930   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
9931   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
9932   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
9933   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
9934   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
9935   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
9936   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
9937   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
9938   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
9939   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
9940   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
9941   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
9942   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
9943   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
9944   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
9945   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
9946   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
9947   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
9948   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
9949   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
9950   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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9963   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
9964   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
9965   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
9966   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
9967   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
9968   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
9969   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
9970   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
9971   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
9972   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
9973   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
9974   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
9975        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
9976   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
9977   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
9978   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
9979   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
9980   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
9981   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
9982   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
9983   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
9984   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
9985   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
9986   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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9999   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
10000   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
10001   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
10002   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
10003   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
10004   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
10005   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
10006   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
10007   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
10008   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
10009   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
10010   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
10011   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
10012   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
10013   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
10014   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
10015   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
10016        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
10017   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
10018   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
10019   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
10020   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
10021   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
10022   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
10023   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
10024   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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10037   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
10038   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
10039   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
10040   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
10041   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
10042   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
10043   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
10044   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
10045   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
10046   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
10047   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
10048   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
10049   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
10050   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
10051   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
10052   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
10053   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
10054   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
10055   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
10056   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
10057   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
10058   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
10059   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
10060   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
10061   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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10074   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
10075   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
10076   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
10077   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
10078   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
10079   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
10080   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
10081   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
10082   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
10083   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
10084   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
10085   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
10086   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
10087   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
10088   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
10089   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
10090   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
10091   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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10109        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
10110    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
10111    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
10112    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
10113   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
10114   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
10115   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
10116   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
10117   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
10118   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
10119   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
10120   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
10121   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
10122   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
10123   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
10124   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
10125   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
10126   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
10127   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
10128        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
10129   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
10130   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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10143        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
10144   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
10145   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
10146   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
10147   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
10148   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
10149   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
10150   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
10151   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
10152        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
10153   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
10154   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
10155   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
10156   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
10157   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
10158   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
10159   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
10160   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
10161   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
10162   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
10163   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
10164   setzend.
10165        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
10166   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
10167   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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10185        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
10186    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
10187    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
10188    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
10189   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
10190   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
10191   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
10192   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
10193   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
10194   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
10195   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
10196   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
10197   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
10198   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
10199   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
10200   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
10201   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
10202   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
10203   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
10204        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
10205   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
10206   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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10219   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
10220   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
10221   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
10222   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
10223   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
10224   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
10225   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
10226   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
10227   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
10228   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
10229   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
10230   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
10231   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
10232   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
10233   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
10234   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
10235   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
10236   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
10237   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
10238   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
10239   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
10240   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
10241   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
10242   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
10243   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
10244   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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10257   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
10258   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
10259   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
10260   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
10261   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
10262   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
10263   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
10264   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
10265   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
10266   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
10267   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
10268   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
10269   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
10270   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
10271   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
10272   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
10273   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
10274   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
10275   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
10276   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
10277   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
10278   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
10279   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
10280   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
10281   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
10282   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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10295   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
10296   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
10297   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
10298   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
10299   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
10300   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
10301   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
10302   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
10303   chen werden.
10304        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
10305   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
10306   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
10307   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
10308   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
10309   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
10310   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
10311   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
10312   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
10313   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
10314        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
10315   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
10316   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
10317   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
10318   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
10319   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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10332   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
10333   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
10334   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
10335   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
10336   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
10337   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
10338   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
10339   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
10340   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
10341   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
10342   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
10343   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
10344   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
10345   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
10346   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
10347   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
10348    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
10349   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
10350   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
10351   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
10352        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
10353   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
10354        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
10355   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
10356   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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10369   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
10370   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
10371   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
10372    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
10373   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
10374   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
10375   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
10376   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
10377   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
10378   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
10379   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
10380   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
10381   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
10382   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
10383   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
10384   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
10385   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
10386   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
10387   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
10388   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
10389   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
10390   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
10391   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
10392   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
10393   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
10394   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
10395   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
10396   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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10409   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
10410   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
10411   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
10412   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
10413   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
10414   ersteren gelangt ist.""
10415                    Soweit Schumpeter.
10416        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
10417   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
10418   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
10419   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
10420   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
10421   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
10422   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
10423   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
10424   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
10425   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
10426   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
10427   dem Wesen nach eine Krise.
10428        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
10429   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
10430   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
10431   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
10432   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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10445   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
10446   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
10447   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
10448   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
10449   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
10450   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
10451   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
10452   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
10453   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
10454   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
10455   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
10456    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
10457   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
10458   ders der Diskontopolitik.
10459        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
10460   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
10461   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
10462   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
10463   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
10464   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
10465   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
10466   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
10467   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
10468   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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10482   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
10483   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
10484   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
10485   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
10486   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
10487   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
10488   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
10489   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
10490   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
10491    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
10492   ist das Einkommen der Nation.
10493        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
10494   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
10495   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
10496   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
10497   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
10498   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
10499   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
10500   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
10501   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
10502   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
10503   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
10504   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
10505   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
10506   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
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10520   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
10521   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
10522   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
10523   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
10524   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
10525   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
10526   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
10527   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
10528   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
10529   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
10530   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
10531        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
10532   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
10533   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
10534   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
10535   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
10536   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
10537   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
10538   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
10539   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
10540   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
10541   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
10542   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
10543   equilibrieren.
10544        Wir können sagen:
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10557        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
10558   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
10559   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
10560   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
10561   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
10562   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
10563   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
10564   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
10565   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
10566   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
10567   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
10568   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
10569   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
10570   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
10571   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
10572   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
10573   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
10574   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
10575   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
10576   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
10577   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
10578        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
10579   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
10580   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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10597   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
10598   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
10599   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
10600   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
10601   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
10602   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
10603   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
10604   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
10605   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
10606   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
10607   Anteile am gesamten Produktionsfond.
10608        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
10609   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
10610   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
10611   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
10612   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
10613   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
10614   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
10615   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
10616   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
10617   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
10618   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
10619   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
10620   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
10621   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
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10634   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
10635   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
10636   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
10637   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
10638   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
10639   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
10640   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
10641   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
10642   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
10643    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
10644   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
10645   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
10646   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
10647   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
10648   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
10649   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
10650   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
10651   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
10652   menhang zu konstatieren ist.
10653        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
10654   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
10655   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
10656   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
10657   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
10658   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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10669   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
10670   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
10671        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
10672   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
10673   von Einkommen zu unterscheiden haben:
10674  
10675   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
10676   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
10677   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
10678   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
10679   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
10680  
10681   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
10682   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
10683   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
10684   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
10685  
10686   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
10687   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
10688   machen können .
10689  
10690   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
10691   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
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10705  
10706        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
10707   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
10708   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
10709   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
10710   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
10711   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
10712   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
10713   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
10714   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
10715   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
10716   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
10717   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
10718   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
10719   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
10720   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
10721   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
10722   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
10723   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
10724   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
10725   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
10726   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
10727   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
10728   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
10729   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
10730   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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10740  
10741   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
10742   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
10743   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
10744   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
10745   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
10746   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
10747   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
10748   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
10749   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
10750   läufen ausgleichen.
10751        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
10752   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
10753   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
10754   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
10755   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
10756   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
10757   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
10758   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
10759   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
10760   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
10761   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
10762   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
10763   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
10764   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
10765   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
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10775  
10776   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
10777   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
10778   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
10779   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
10780   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
10781   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
10782   kalkulierten Preis.
10783        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
10784   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
10785   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
10786   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
10787   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
10788   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
10789   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
10790   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
10791   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
10792   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
10793   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
10794   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
10795   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
10796   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
10797   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
10798   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
10799   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
10800   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
10801   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
10802  
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10812   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
10813   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
10814   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
10815   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
10816   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
10817   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
10818   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
10819   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
10820   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
10821   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
10822   fassung.
10823        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
10824   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
10825   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
10826   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
10827   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
10828   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
10829   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
10830   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
10831   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
10832   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
10833   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
10834   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
10835   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
10836   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
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10848   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
10849   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
10850   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
10851   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
10852   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
10853   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
10854   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
10855   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
10856   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
10857   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
10858   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
10859   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
10860   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
10861   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
10862   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
10863   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
10864   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
10865   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
10866   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
10867   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
10868   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
10869   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
10870        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
10871   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
10872   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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10882  
10883   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
10884   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
10885   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
10886        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
10887   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
10888   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
10889   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
10890   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
10891   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
10892   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
10893   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
10894   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
10895   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
10896   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
10897   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
10898   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
10899   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
10900   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
10901   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
10902   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
10903   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
10904   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
10905   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
10906      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
10907   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
10908   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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10919   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
10920   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
10921   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
10922   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
10923   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
10924   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
10925   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
10926   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
10927   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
10928   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
10929   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
10930   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
10931   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
10932   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
10933   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
10934   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
10935   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
10936   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
10937   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
10938   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
10939   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
10940   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
10941   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
10942   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
10943   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
10944   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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10955   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
10956   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
10957   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
10958   Bild.
10959  
10960        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
10961   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
10962   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
10963   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
10964   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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10978   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
10979   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
10980    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
10981   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
10982   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
10983   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
10984   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
10985   erhoffen liessen.
10986        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
10987   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
10988   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
10989   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
10990   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
10991   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
10992   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
10993   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
10994  
10995        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
10996   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
10997   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
10998   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
10999   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
11000   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
11001   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
11002   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
11003   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
11004   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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11017   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
11018   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
11019   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
11020   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
11021   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
11022   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
11023   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
11024   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
11025   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
11026   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
11027   ten.
11028  
11029        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
11030   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
11031   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
11032   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
11033   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
11034   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
11035   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
11036   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
11037   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
11038   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
11039   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
11040   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
11041   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
11042   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
11043   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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11056   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
11057   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
11058   von Edelmetallen.
11059        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
11060   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
11061   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
11062   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
11063   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
11064   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
11065   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
11066   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
11067   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
11068   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
11069   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
11070   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
11071   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
11072   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
11073   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
11074   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
11075   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
11076   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
11077   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
11078   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
11079   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
11080   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
11081   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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11094   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
11095   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
11096   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
11097   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
11098   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
11099   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
11100   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
11101   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
11102   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
11103   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
11104   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
11105   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
11106   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
11107   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
11108   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
11109   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
11110   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
11111   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
11112   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
11113   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
11114   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
11115   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
11116   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
11117   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
11118   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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11131   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
11132   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
11133   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
11134   stanz in sich birgt.
11135        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
11136   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
11137   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
11138   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
11139   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
11140   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
11141   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
11142   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
11143   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
11144   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
11145   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
11146   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
11147   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
11148   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
11149   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
11150   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
11151   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
11152   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
11153   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
11154   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
11155   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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11168   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
11169        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
11170   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
11171   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
11172   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
11173   erhalten.
11174        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
11175   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
11176   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
11177   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
11178   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
11179   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
11180   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
11181   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
11182   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
11183   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
11184        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
11185   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
11186   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
11187   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
11188   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
11189   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
11190   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
11191   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
11192   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
11193   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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11206   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
11207        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
11208   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
11209   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
11210   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
11211   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
11212   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
11213   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
11214   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
11215   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
11216   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
11217   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
11218   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
11219   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
11220   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
11221   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
11222   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
11223   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
11224   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
11225   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
11226   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
11227   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
11228   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
11229   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
11230   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
11231   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
11232   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
11233   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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11246   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
11247   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
11248   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
11249   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
11250   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
11251   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
11252   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
11253   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
11254   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
11255   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
11256   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
11257   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
11258   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
11259   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
11260   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
11261   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
11262        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
11263   lautete:
11264   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
11265   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
11266   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
11267   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
11268   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
11269   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
11270   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
11271   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
11272   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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11285   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
11286   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
11287        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
11288   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
11289   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
11290   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
11291   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
11292   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
11293   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
11294   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
11295   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
11296   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
11297   mal des Geldes bedeutete.
11298        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
11299   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
11300   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
11301   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
11302   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
11303   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
11304   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
11305   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
11306   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
11307   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
11308   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
11309   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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11322   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
11323   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
11324   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
11325   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
11326   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
11327   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
11328   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
11329   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
11330        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
11331   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
11332   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
11333   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
11334   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
11335   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
11336   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
11337   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
11338   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
11339   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
11340   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
11341   noch genügend zu lösen übrig.
11342          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
11343   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
11344   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
11345   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
11346   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
11347   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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11360   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
11361   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
11362   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
11363   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
11364   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
11365   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
11366   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
11367   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
11368   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
11369   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
11370   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
11371     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
11372   Entwicklung zu skizzieren.
11373       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
11374   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
11375   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
11376   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
11377   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
11378   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
11379   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
11380   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
11381   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
11382   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
11383   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
11384   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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11397   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
11398   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
11399   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
11400   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
11401   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
11402   sich üner den Stoff erhebt.
11403        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
11404   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
11405   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
11406   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
11407   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
11408   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
11409   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
11410   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
11411   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
11412   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
11413   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
11414   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
11415   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
11416   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
11417   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
11418   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
11419   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
11420   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
11421   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
11422   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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11435   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
11436   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
11437   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
11438   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
11439   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
11440   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
11441   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
11442   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
11443   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
11444   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
11445   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
11446   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
11447   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
11448   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
11449   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
11450   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
11451   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
11452   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
11453   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
11454   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
11455   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
11456   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
11457   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
11458   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
11459   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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11472   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
11473   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
11474   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
11475   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
11476   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
11477   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
11478   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
11479   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
11480   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
11481   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
11482   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
11483   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
11484        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
11485   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
11486   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
11487   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
11488   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
11489   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
11490   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
11491   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
11492   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
11493   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
11494   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
11495   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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11508   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
11509   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
11510   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
11511   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
11512   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
11513   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
11514   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
11515   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
11516   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
11517   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
11518   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
11519   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
11520   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
11521   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
11522   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
11523   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
11524   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
11525        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
11526   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
11527   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
11528   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
11529   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
11530   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
11531   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
11532   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
11533   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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11546   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
11547   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
11548   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
11549   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
11550   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
11551   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
11552   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
11553   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
11554   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
11555   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
11556   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
11557   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
11558   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
11559   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
11560   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
11561   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
11562   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
11563   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
11564   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
11565   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
11566   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
11567   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
11568   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
11569   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
11570   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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11583   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
11584   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
11585   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
11586   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
11587   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
11588   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
11589   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
11590   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
11591   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
11592   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
11593   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
11594   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
11595   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
11596   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
11597   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
11598   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
11599   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
11600   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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11613   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
11614   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
11615   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
11616   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
11617   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
11618   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
11619   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
11620   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
11621   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
11622   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
11623   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
11624   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
11625   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
11626   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
11627   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
11628   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
11629   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
11630   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
11631   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
11632   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
11633   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
11634   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
11635   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
11636   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
11637   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
11638   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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11651   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
11652   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
11653   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
11654   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
11655   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
11656   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
11657   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
11658   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
11659   chen werden.
11660        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
11661   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
11662   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
11663   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
11664   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
11665   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
11666   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
11667   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
11668   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
11669   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
11670        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
11671   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
11672   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
11673   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
11674   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
11675   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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11688   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
11689   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
11690   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
11691   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
11692   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
11693   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
11694   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
11695   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
11696   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
11697   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
11698   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
11699   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
11700   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
11701   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
11702   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
11703   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
11704    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
11705   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
11706   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
11707   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
11708        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
11709   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
11710        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
11711   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
11712   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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11725   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
11726   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
11727   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
11728    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
11729   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
11730   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
11731   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
11732   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
11733   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
11734   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
11735   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
11736   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
11737   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
11738   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
11739   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
11740   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
11741   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
11742   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
11743   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
11744   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
11745   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
11746   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
11747   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
11748   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
11749   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
11750   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
11751   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
11752   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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11765   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
11766   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
11767   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
11768   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
11769   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
11770   ersteren gelangt ist.""
11771                    Soweit Schumpeter.
11772        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
11773   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
11774   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
11775   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
11776   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
11777   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
11778   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
11779   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
11780   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
11781   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
11782   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
11783   dem Wesen nach eine Krise.
11784        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
11785   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
11786   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
11787   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
11788   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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11800  
11801   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
11802   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
11803   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
11804   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
11805   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
11806   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
11807   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
11808   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
11809   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
11810   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
11811   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
11812    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
11813   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
11814   ders der Diskontopolitik.
11815        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
11816   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
11817   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
11818   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
11819   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
11820   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
11821   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
11822   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
11823   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
11824   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-
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11838   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
11839   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
11840   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
11841   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
11842   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
11843   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
11844   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
11845   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
11846   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
11847    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
11848   ist das Einkommen der Nation.
11849        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
11850   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
11851   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
11852   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
11853   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
11854   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
11855   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
11856   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
11857   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
11858   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
11859   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
11860   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
11861   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
11862   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-
11863  
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11875  
11876   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
11877   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
11878   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
11879   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
11880   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
11881   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
11882   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
11883   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
11884   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
11885   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
11886   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
11887        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
11888   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
11889   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
11890   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
11891   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
11892   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
11893   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
11894   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
11895   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
11896   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
11897   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
11898   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
11899   equilibrieren.
11900        Wir können sagen:
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11913        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
11914   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
11915   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
11916   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
11917   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
11918   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
11919   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
11920   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
11921   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
11922   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
11923   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
11924   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
11925   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
11926   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
11927   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
11928   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
11929   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
11930   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
11931   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
11932   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
11933   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
11934        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
11935   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
11936   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.
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11953   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
11954   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
11955   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
11956   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
11957   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
11958   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
11959   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
11960   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
11961   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
11962   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
11963   Anteile am gesamten Produktionsfond.
11964        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
11965   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
11966   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
11967   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
11968   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
11969   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
11970   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
11971   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
11972   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
11973   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
11974   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
11975   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
11976   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
11977   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,
11978  
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11990   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
11991   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
11992   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
11993   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
11994   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
11995   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
11996   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
11997   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
11998   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
11999    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
12000   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
12001   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
12002   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
12003   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
12004   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
12005   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
12006   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
12007   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
12008   menhang zu konstatieren ist.
12009        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
12010   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
12011   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
12012   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
12013   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
12014   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich
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12025   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
12026   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
12027        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
12028   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
12029   von Einkommen zu unterscheiden haben:
12030  
12031   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
12032   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
12033   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
12034   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
12035   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.
12036  
12037   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
12038   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
12039   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
12040   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )
12041  
12042   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
12043   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
12044   machen können .
12045  
12046   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
12047   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.
12048  
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12061  
12062        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
12063   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
12064   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
12065   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
12066   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
12067   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
12068   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
12069   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
12070   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
12071   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
12072   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
12073   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
12074   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
12075   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
12076   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
12077   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
12078   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
12079   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
12080   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
12081   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
12082   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
12083   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
12084   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
12085   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
12086   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.
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12096  
12097   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
12098   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
12099   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
12100   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
12101   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
12102   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
12103   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
12104   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
12105   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
12106   läufen ausgleichen.
12107        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
12108   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
12109   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
12110   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
12111   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
12112   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
12113   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
12114   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
12115   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
12116   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
12117   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
12118   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
12119   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
12120   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
12121   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn
12122  
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12131  
12132   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
12133   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
12134   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
12135   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
12136   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
12137   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
12138   kalkulierten Preis.
12139        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
12140   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
12141   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
12142   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
12143   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
12144   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
12145   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
12146   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
12147   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
12148   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
12149   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
12150   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
12151   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
12152   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
12153   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
12154   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
12155   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
12156   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
12157   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen
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12168   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
12169   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
12170   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
12171   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
12172   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
12173   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
12174   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
12175   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
12176   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
12177   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
12178   fassung.
12179        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
12180   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
12181   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
12182   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
12183   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
12184   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
12185   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
12186   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
12187   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
12188   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
12189   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
12190   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
12191   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
12192   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer
12193  
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12204   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
12205   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
12206   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
12207   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
12208   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
12209   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
12210   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
12211   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
12212   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
12213   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
12214   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
12215   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
12216   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
12217   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
12218   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
12219   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
12220   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
12221   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
12222   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
12223   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
12224   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
12225   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
12226        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
12227   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
12228   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit
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12239   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
12240   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
12241   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
12242        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
12243   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
12244   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
12245   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
12246   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
12247   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
12248   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
12249   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
12250   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
12251   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
12252   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
12253   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
12254   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
12255   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
12256   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
12257   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
12258   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
12259   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
12260   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
12261   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
12262      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
12263   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
12264   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung
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12275   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
12276   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
12277   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
12278   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
12279   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
12280   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
12281   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
12282   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
12283   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
12284   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
12285   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
12286   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
12287   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
12288   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
12289   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
12290   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
12291   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
12292   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
12293   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
12294   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
12295   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
12296   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
12297   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
12298   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
12299   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
12300   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-
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12311   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
12312   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
12313   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
12314   Bild.
12315  
12316        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
12317   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
12318   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
12319   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
12320   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.
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12334   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
12335   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
12336    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
12337   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
12338   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
12339   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
12340   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
12341   erhoffen liessen.
12342        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
12343   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
12344   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
12345   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
12346   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
12347   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
12348   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
12349   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
12350  
12351        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
12352   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
12353   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
12354   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
12355   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
12356   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
12357   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
12358   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
12359   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
12360   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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12373   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
12374   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
12375   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
12376   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
12377   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
12378   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
12379   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
12380   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
12381   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
12382   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
12383   ten.
12384  
12385        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
12386   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
12387   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
12388   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
12389   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
12390   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
12391   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
12392   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
12393   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
12394   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
12395   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
12396   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
12397   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
12398   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
12399   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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12412   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
12413   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
12414   von Edelmetallen.
12415        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
12416   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
12417   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
12418   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
12419   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
12420   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
12421   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
12422   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
12423   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
12424   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
12425   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
12426   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
12427   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
12428   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
12429   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
12430   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
12431   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
12432   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
12433   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
12434   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
12435   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
12436   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
12437   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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12450   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
12451   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
12452   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
12453   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
12454   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
12455   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
12456   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
12457   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
12458   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
12459   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
12460   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
12461   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
12462   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
12463   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
12464   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
12465   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
12466   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
12467   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
12468   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
12469   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
12470   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
12471   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
12472   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
12473   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
12474   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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12487   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
12488   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
12489   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
12490   stanz in sich birgt.
12491        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
12492   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
12493   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
12494   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
12495   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
12496   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
12497   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
12498   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
12499   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
12500   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
12501   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
12502   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
12503   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
12504   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
12505   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
12506   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
12507   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
12508   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
12509   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
12510   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
12511   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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12524   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
12525        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
12526   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
12527   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
12528   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
12529   erhalten.
12530        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
12531   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
12532   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
12533   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
12534   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
12535   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
12536   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
12537   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
12538   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
12539   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
12540        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
12541   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
12542   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
12543   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
12544   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
12545   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
12546   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
12547   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
12548   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
12549   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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12562   begrifflich nicht damit zusammenhängt.
12563        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
12564   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
12565   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
12566   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
12567   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
12568   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
12569   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
12570   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
12571   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
12572   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
12573   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
12574   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
12575   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
12576   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
12577   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
12578   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
12579   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
12580   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
12581   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
12582   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
12583   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
12584   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
12585   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
12586   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
12587   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
12588   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
12589   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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12602   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
12603   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
12604   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
12605   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
12606   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
12607   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
12608   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
12609   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
12610   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
12611   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
12612   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
12613   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
12614   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
12615   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
12616   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
12617   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
12618        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
12619   lautete:
12620   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
12621   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
12622   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
12623   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
12624   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
12625   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
12626   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
12627   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
12628   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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12641   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
12642   Tausches wieder eine weitere Gleichung:
12643        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
12644   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
12645   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
12646   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
12647   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
12648   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
12649   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
12650   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
12651   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
12652   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
12653   mal des Geldes bedeutete.
12654        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
12655   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
12656   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
12657   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
12658   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
12659   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
12660   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
12661   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
12662   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
12663   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
12664   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
12665   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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12678   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
12679   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
12680   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
12681   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
12682   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
12683   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
12684   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
12685   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
12686        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
12687   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
12688   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
12689   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
12690   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
12691   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
12692   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
12693   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
12694   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
12695   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
12696   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
12697   noch genügend zu lösen übrig.
12698          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
12699   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
12700   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
12701   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
12702   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
12703   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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12716   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
12717   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
12718   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
12719   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
12720   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
12721   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
12722   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
12723   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
12724   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
12725   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
12726   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
12727     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
12728   Entwicklung zu skizzieren.
12729       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
12730   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
12731   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
12732   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
12733   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
12734   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
12735   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
12736   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
12737   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
12738   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
12739   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
12740   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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12753   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
12754   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
12755   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
12756   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
12757   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
12758   sich üner den Stoff erhebt.
12759        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
12760   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
12761   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
12762   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
12763   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
12764   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
12765   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
12766   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
12767   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
12768   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
12769   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
12770   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
12771   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
12772   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
12773   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
12774   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
12775   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
12776   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
12777   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
12778   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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12791   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
12792   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
12793   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
12794   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
12795   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
12796   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
12797   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
12798   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
12799   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
12800   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
12801   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
12802   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
12803   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
12804   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
12805   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
12806   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
12807   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
12808   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
12809   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
12810   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
12811   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
12812   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
12813   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
12814   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
12815   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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12828   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
12829   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
12830   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
12831   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
12832   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
12833   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
12834   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
12835   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
12836   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
12837   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
12838   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
12839   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
12840        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
12841   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
12842   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
12843   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
12844   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
12845   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
12846   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
12847   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
12848   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
12849   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
12850   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
12851   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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12864   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
12865   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
12866   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
12867   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
12868   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
12869   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
12870   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
12871   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
12872   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
12873   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
12874   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
12875   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
12876   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
12877   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
12878   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
12879   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
12880   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
12881        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
12882   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
12883   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
12884   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
12885   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
12886   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
12887   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
12888   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
12889   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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12902   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
12903   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
12904   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
12905   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
12906   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
12907   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
12908   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
12909   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
12910   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
12911   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
12912   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
12913   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
12914   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
12915   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
12916   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
12917   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
12918   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
12919   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
12920   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
12921   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
12922   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
12923   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
12924   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
12925   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
12926   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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12939   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
12940   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
12941   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
12942   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
12943   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
12944   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
12945   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
12946   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
12947   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
12948   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
12949   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
12950   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
12951   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
12952   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
12953   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
12954   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
12955   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
12956   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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12967  
12968   __D i e L e h r m e i n u n g e n__
12969  
12970   Der M e t a l l i s m u s .
12971   Der N o m i n a l i s m u s .
12972  
12973        Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht
12974   bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir
12975   das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-
12976   het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort
12977   nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-
12978   sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei-
12979   hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-
12980   de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für
12981   den allein richtigen vertritt.
12982        Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem
12983   Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer
12984   Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses
12985   theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und
12986   ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,
12987   dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus
12988   ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch
12989   Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.
12990        In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit
12991   sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon
12992   staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,
12993   als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur
12994  
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13004   bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"
13005   wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen
13006   Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-
13007   kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung
13008   ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach
13009   sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das
13010   Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen
13011   im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-
13012   liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.
13013        Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der
13014   natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens
13015   doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden
13016   Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte
13017   Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-
13018   tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr
13019   den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu
13020   überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf-
13021   fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-
13022   ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs-
13023   mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall -
13024   (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten
13025   Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem
13026   Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten
13027   erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das
13028   kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das
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13039   Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher
13040   zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-
13041   mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine
13042   Genüsse vermehrt werden."
13043        Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des
13044   Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz
13045   des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-
13046   mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel
13047   gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol
13048   eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die
13049   Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie
13050   gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das
13051   Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht
13052   mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet
13053   und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er
13054   in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,
13055   als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.
13056   Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum
13057   vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen
13058   ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und
13059   den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen
13060   Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu
13061   erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten
13062   in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur
13063   Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp
13064  
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13074   als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.
13075        Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-
13076   wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-
13077   greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-
13078   te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung
13079   nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,
13080   das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank
13081   der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss
13082   das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende
13083   Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-
13084   trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.
13085        Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,
13086   haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären
13087   und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-
13088   hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann
13089   sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System
13090   gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und
13091   Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem
13092   bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.
13093   Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.
13094   Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-
13095   strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen
13096   Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente
13097   Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek-
13098   tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes
13099  
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13109   der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.
13110   Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.
13111        Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen
13112   Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses
13113   des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden
13114   Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen
13115   Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-
13116   hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-
13117   brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt
13118   rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur
13119   Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse
13120   ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.
13121        Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-
13122   regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff
13123   notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr
13124   fragwürdigen Formel begriffen wissen:
13125   " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B.
13126   dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "
13127   Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-
13128   ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären
13129    liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-
13130   tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den
13131   Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-
13132   um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen
13133  
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13143   Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für
13144   jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches
13145   Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch
13146   immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens
13147   und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro-
13148   gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von
13149   dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh,
13150   das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar
13151   nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde
13152   denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not
13153   und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert
13154   oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren.
13155        1797 beispielsweise wurde in England infolge seines
13156   Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.
13157   22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit
13158   grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein
13159   real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,
13160   den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-
13161   lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-
13162   flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-
13163   lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer
13164   bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung
13165   der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen
13166   dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich
13167   schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel
13168  
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13178   sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an
13179   einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-
13180   dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von
13181   volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit
13182   gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das
13183   muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-
13184   sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den
13185   Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen
13186   Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage
13187   der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur
13188   angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen
13189   anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-
13190   de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-
13191   fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei
13192   und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind
13193   ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen
13194   Verkehr beleuchten und beeinflussen können.
13195        In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob
13196   wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung
13197   der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der
13198   die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-
13199   fachende Moment begriffen wissen will.
13200        Während also bei den Metallisten die Erklärung
13201   der Banknoten auf
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13212   die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der
13213   Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer
13214   reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch,
13215   wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen
13216   die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was
13217   die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt
13218   bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,
13219   in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent-
13220   lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder
13221   Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-
13222   ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-
13223   mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie
13224   Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine
13225   Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-
13226   tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei
13227   auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-
13228   körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen
13229   und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-
13230   scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.
13231        Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,
13232   die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die
13233   Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den
13234   Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren
13235  
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13245   in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,
13246   dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-
13247   wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu
13248   jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für
13249   jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind
13250   schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im
13251   Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-
13252   renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber
13253   aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-
13254   strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse
13255   kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-
13256   stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-
13257   mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von
13258   ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger
13259   und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus
13260   muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,
13261   wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur
13262   die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn
13263   die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-
13264   sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst
13265   heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-
13266   rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert
13267   in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,
13268   verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir
13269   auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-
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13280   struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff
13281   ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss
13282   aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-
13283   preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-
13284   rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten
13285   Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall
13286   innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-
13287   rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs
13288   hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-
13289   stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]
13290   zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der
13291   Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass
13292   das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-
13293   erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-
13294   nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die
13295   Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der
13296   nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-
13297   arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware
13298   aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender
13299   als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der
13300   nominalen Einheit des Geldes.
13301        Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen
13302   um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine
13303   Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-
13304   sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik
13305  
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13315   des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-
13316   gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der
13317   Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem
13318   Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit
13319   die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder
13320   Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,
13321   während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-
13322   ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich
13323   infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.
13324        Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die
13325   Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-
13326   über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-
13327   sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-
13328   leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-
13329   tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn
13330   wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus
13331   allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,
13332   dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.
13333   Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,
13334   denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren
13335   zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie
13336   die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese
13337   alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches
13338   aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser
13339   selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung
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13350   der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-
13351   lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-
13352   jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-
13353   schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-
13354   fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven
13355   Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-
13356   zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-
13357   genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-
13358   schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-
13359   heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-
13360   schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert-
13361   einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her
13362   eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen
13363   und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld-
13364   schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass
13365   man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-
13366   kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-
13367   gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,
13368   bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen
13369   die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch
13370   quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-
13371   net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen
13372   alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in
13373   Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf
13374   den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot
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13385   und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der
13386   eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber
13387   auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem
13388   Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit
13389   in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender
13390   Ausführung nach ganz deutlich werden.
13391        Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während
13392   des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem
13393   System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen
13394   doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis-
13395   senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-
13396   charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und
13397   wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es
13398   nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in
13399   den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,
13400   kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der
13401   Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das
13402   Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-
13403   kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer
13404   Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont
13405   sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,
13406   weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja
13407   durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-
13408   ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war
13409   an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-
13410  
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13420   lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-
13421   schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande
13422   gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so
13423   hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit
13424   auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall
13425   desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-
13426   tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-
13427   tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem
13428   Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-
13429   re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung
13430   der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen
13431   des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung
13432   abgeschwächt hätte.
13433        So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge-
13434   rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht
13435   wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,
13436   sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss
13437   hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den
13438   Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und
13439   zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen
13440   werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.
13441   Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt
13442   in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht
13443   etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst
13444    die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber
13445  
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13455   dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis
13456   so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-
13457   flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht
13458    nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.
13459   Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren,
13460   wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen
13461   des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-
13462   keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung
13463   dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als
13464   die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben
13465   wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-
13466   ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu
13467   leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-
13468   ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung
13469   Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.
13470   Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell
13471   zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend
13472   weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die
13473   gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–
13474   ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-
13475   sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben
13476   müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-
13477   se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke
13478   die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern
13479   auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor-
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13490   dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–
13491   lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr
13492   gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-
13493   listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber
13494   es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes
13495   bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,
13496   Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn
13497   ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen
13498   eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des
13499   Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass
13500   allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-
13501   zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -
13502   sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für
13503   dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem
13504   Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-
13505   hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im
13506   Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja
13507   der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser
13508   letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,
13509    dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist
13510   gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die
13511   Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation
13512   hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-
13513   legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-
13514   preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling
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13525   als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.
13526        So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-
13527   tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-
13528   sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,
13529   haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-
13530   terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-
13531   derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-
13532   tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme
13533   nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen
13534   ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.
13535  
13536            Die
13537        W a r e n w e r t t h e o r i e
13538            des
13539          G e l d e s .
13540  
13541        Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,
13542   das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene
13543   Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben
13544   wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige
13545   ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis-
13546   ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-
13547   zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie
13548   vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-
13549   lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes
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13560   Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in
13561   dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-
13562   dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-
13563   gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-
13564   schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,
13565   der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die
13566   theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-
13567   de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_
13568   mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen
13569   will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem
13570   Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch
13571   die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich
13572   von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-
13573   jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-
13574   mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit
13575   freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-
13576   wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von
13577   der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite
13578   aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird.
13579   Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier
13580   wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-
13581   theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.
13582        Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-
13583   ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-
13584   duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht
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13595   auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und
13596   durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf
13597   nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des
13598   Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz,
13599   sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des
13600   Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,
13601   die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-
13602   aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-
13603   titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage
13604   nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene
13605   statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive
13606   Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus
13607   das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war
13608   im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-
13609   se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht
13610   vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser
13611   dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-
13612   person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine
13613   objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen
13614   Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der
13615   Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-
13616   lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser
13617   Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen-
13618   de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher
13619   Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante
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13630   metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders
13631   gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,
13632   wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-
13633   delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische
13634   Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre
13635   des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-
13636   tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-
13637   dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft
13638   und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum
13639   müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass-
13640   funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die
13641   Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des
13642   Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich
13643   dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie
13644   aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze
13645   verwirklichen?
13646        Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom
13647   Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-
13648   ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-
13649   sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem
13650   Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer
13651   bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen
13652   Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die
13653   allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit
13654   und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des
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13665   Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.
13666        Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch
13667   und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer
13668   aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss
13669   auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware
13670   sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine
13671   an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-
13672   tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird
13673   zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,
13674   dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit
13675   eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-
13676   bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den
13677   Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-
13678   heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-
13679   schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos
13680   hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold
13681   ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,
13682   sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-
13683   mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-
13684   deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-
13685   derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es
13686   aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-
13687   bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-
13688   maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon
13689   vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das
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13700   im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-
13701   nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-
13702   währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen
13703   Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des
13704   Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,
13705   die sog. Geldkernwährung.
13706        Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen
13707   die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen
13708   Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-
13709   theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache
13710   gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen
13711   unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die
13712   folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.
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13723   über Produktionskosten allgemein herrscht, die ja gerade beim
13724   Golde dem einzelnen besonders ferne liegen müssen, - da aber
13725   doch nur diese letzthin das Maass des Wertes bilden, - darum
13726   sagen uns die mannigfachen Bvvevvziehungen zu anderen Wertdingen,
13727   die eher wir nach ihrer Wertgrösse schätzen können, besseren
13728   Bescheid über den wahren In[mit Schreibmaschine doppelt getippt: n]halt der Werteinheit. Wir müssten denn
13729   in völliger Un[mit Schreibmaschine doppelt getippt: n]kenntnis des Marktes verharren, wenn wir bei jedem
13730   Preise unsere Zvvuvvflucht beim Golde suchen müssten. Man mag ein-
13731   wenden und behaupten, dass Gvvovvld die grösste Gewähr für Stabilität
13732   biete, dass heisst nichts anderes [hand. ergänzt,] als in seinen Produktionskosten
13733   sich nicht ändere [hand. ergänzt,] und wir wollen sogar dieser Fiktion über die
13734   später noch mehr zu sagen sein wird, hier einmal zustimmen; den-
13735   noch wäre dann immerhin noch zu prüfen, ob nicht alle anderen
13736   Güter zusammengenommen uns sinnfälliger und deutlicherer Maass-
13737   stab wären. Wir wollen dabei nicht vergessen, dass der Staat be-
13738   strebt ist mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ein
13739   Schwanken unmöglich zu machen und wir lassen des weiteren unbe-
13740   rücksichtigt die neuen Momente, die sich für die Währung in ihrer
13741   Bedeutung zu den anderen Valuten ergeben. Das sei aber nur aufge-
13742   schoben. Vorläufig interessiert uns das Gold oder eiga[Schreibmaschine übertippt: e]ntlich
13743   die Goldgrundlage im inneren Verkehr. Solange nur das Gold als
13744   Tauschmittel im Umlauf ist, konnten wir immer noch streiten, ob
13745   nicht in jedem einzelnen Fall auch wirklich das Gold die einzel-
13746   nen Beziehungen durch Messung der absoluten [Hand. Werte] setze und vermittle;
13747   wenn aber einmal das Gold notwendig immer mehr in den Hintergrund
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13758   gedrängt wird, und die Wirtschaft ohne jegliche Störung und be-
13759   denkenlos sogar stoffwertloses Papier in Empfang nimmt, dann ver-
13760   liert diese dritte, nun überflüssig gewordene Messgrösse mehr
13761   und mehr an Bedeutung. Wir haben ja schon erkannt, dass fast jede
13762   Grösse in der Wirtschaft nun auch eine feste gworden [sic] ist, und
13763   wo das nicht der Fall, wo Erfindungen Neuartiges geschöpft haben,
13764   da haben diese Produkte so vielerlei Beziehungen zu anderen
13765   Dingen, müssen sich anlehnen an so viel Gleichartiges, dass ihre
13766   Preisgebung, ihre Einreichung in das weite Netz der Relationen
13767   sicherlich auf diesem, nicht auf den in der Historienzurücklie-
13768   gendem Weg des Abschätzens am Golde geschieht. Auch in unserer
13769   Betrachtungsweise sind alle Tauschmittel nebeneinander gleich
13770   berechtigt und in jedem Falle von gleichem Ivvnvvhalt. Wäre die Ge-
13771   sellschaft der Gleichen eine ewige Kategorie, dann wäre es uns
13772   möglich, die Werteinheit als Ausdruck einer gewissen Arbeitszeit
13773   zu analysieren und wir bräuchten in jedem einzelnen Falle nur zu
13774   fragen, wieviel Zeit die Herstellung eines Produktes benötigte.
13775   Die Zwischenschaltung des Schätzgutes liesse sich dann erübrigen.
13776   Im Grunde genommen aber wäre das nur eine andere Auslegung, als
13777   die, da wir die Werteinheit auf ein kostendes Gut stellen. Wir
13778   setzen Oppenheimers Arbeitswerttheorie voraus und können es da-
13779   her unterlassen, des näheren auszuführen, dass in der heutigen,
13780   modernen Wirtschaft gleiche Geldpreise nicht auch gleiche Ar-
13781   beitsmengen darstellen, wodurch unser Bild in jedem Falle getrübt
13782   werden muss. Darum können wir auch keine einheitliche Messsgrösse
13783  
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13793   mehr verwenden, sondern müssen zu diesem Gemisch von Arbeits-
13794   zeit und Arbeitswert greifen. Was allen Gütern inne wohnt, worin
13795   sie sich in ihrer Grösse von anderen unterscheiden, das ist das
13796   Maass des von ihnen verkörperten Arbeitswertes. Die gewonnenen
13797   Verhältniszahlen benötigen des Ausdrucks, und dieser ist eine
13798   immer gleiche Menge Arbeitswert, eine Grösse, die, wir wissen es
13799   bereits, vom Svvtvvaate irgendwann einmal willkürlich gesetzt wurde,
13800   die zu berücksichtigen im ferneren Verlauf unnötig und sogar
13801   unpraktisch wäre. Auch bei reiner Goldwährung mit Prägefreiheit
13802   verschwindet die reale Befriedung, die das Gold verleiht, gegen-
13803   über der zirkulatorischen Befriedigung, die allein das Rad der
13804   Wirtschaft in Bewegung zu setzen vermag. Dass jeder gewonnene
13805   Preis auch seine Bvvevvziehung zum Golde hat, ist eine nebensächli-
13806   che Evvrvvscheinung; tiefster Ivvnvvhalt der Werteinheit ist für uns ja
13807   nicht ein Quantum Gold, eine Beziehungsetzung zu irgendeinem Gut,
13808   sondern der Kern ist die möglicherweise reale, möglicherweise
13809   aber auch nur gedankliche Dvvavvrstellung und Vermittelung von Ar-
13810   beitswerteinheiten, die, immer nur soweit wir uns im inneren Ver-
13811   kehr bewegen, alle vvGvvüter in einer vvLivvnie der vvGlvveichberechtigung
13812   nebeneinander erscheinen lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines
13813   ökonomisch wahren Preises - Pvvrvveise sind Verhältniszahlen - wird
13814   grösser, wenn wir ihn auf tausend gleich inhaltliche Dinge be-
13815   ziehen, als wenn wir ihm nur eine Uvvnvvterlage gewähren. Auch ohne
13816   den modernen Begriff des heutigen Geldes müsste es uns möglich
13817   sein, alle Güter auf gleiche Einheiten zu setzen, wenn wir sie
13818  
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13828   zerlegen wollten in Einheiten von angewandter Arbeitsenergie.
13829   Wie könnten wir es noch deutlicher werden lassen, dass das Geld
13830   nicht das eigentliche Maass sein kann, sondern nur Ausdrucks-
13831   mittel der auf der Zahl der Arbeitswerteinheuten [sic] basierten Rela-
13832   tionen.Wenn wir sagen, alle Güter sind ein Teil oder Vielfaches
13833   von einem Quantum Edelmetall, so sind wir in unserer Betrachtung
13834   nicht bis zum Kern durchgedrungen.Wir müssen sage, die Güter sind
13835   Teil oder Vielfaches von dem Arbeitsaufwand, den ein Edelmetall-
13836   quantum zur Förderung beanspruchte. Arbeitsenergie ist eine ge-
13837   dankliche Grösse, die uns messbar und vorstellbar erscheint,-
13838   das sei als historische Notwendigkeit anerkannt - wenn wir sie
13839   auf ein Gutsquantum, auf die vergegenständlichte Arbeit beziehen.
13840   Die Relationen aber, welche die Wirtschaft zusammen schweissten,
13841   die einzelnen Preise, die Additionen der verschiedenen Dienste
13842   sind niemal in ihren Einzelposten Resultat des Vergleichs mit dem
13843      Edelmetall, sondern Zvvuvvsammenfügen von Arbeitswerteinheiten, die
13844   nicht nur im Golde, sondern in all den vielen näher liegenden
13845   Dingen uns vorstellbar werden. Wenn dann jeder einzelne Preis mit
13846   dem Goldwerte dennoch übereinstimmt, so ist das nichts verwunder-
13847   liches und nicht, was denen recht geben müsste, die den Vergleich
13848   am Golde verkünden; es ist vielmehr nur eine logische Folge, dass,
13849   wenn tausend Relationen richtig sind, auch darunter die eine, auf
13850   das Gold bezogene richtig sein muss.
13851        Bvvivvsher galt unsere Betrachtung immer noch Zuständen
13852   der Goldwährung, die im besonderen geeignet wäre, den Metallismus
13853  
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13863   zu rechtfertigen. Nvvuvvn wollen wir als erste Abstraktion annehmen,
13864   der Staat ginde aus freiem Willen zur Papier-, zur freien Währung
13865   über. Wir setzen voraus, es geschieht ohne jegliche Notwendigkeit,
13866   allein aus theoretisch begründeter Bevorzugung des Papiergeldes,
13867   wie denn überhaupt gleich hier erwähnt sein, dass die Betrachtung
13868   der Geldverfassung unter dem Gesichtspunkt geordneter oder zer-
13869   rütteter FInanzen eine falsche Verknüpfung bedeutet. In unserem
13870   Falle zieht etwadder Staat seine Goldmünzen für gleich nominelle
13871   Werte in Papier ein, im übrigen ver[gedruck h? überdruckt mit f]ahre er wie bisher und lasse
13872   durch Kreierung von Bankgeld der Wirtschaft in gewissen Gvvrvvenzen
13873   freie Hand. Eine Namensänderung der Werteinheit findet ebenfalls
13874   nicht statt.Und nun fragen wir, washhat sich durch diese staat-
13875   lichen Massnahmen ökonomisch geändert? Der strenge Metallist wird
13876   überhaupt kein Geld mehr sehen und vielleicht sagen, dass immer
13877   noch das Gold das Wertmaass sei, auch wenn es entthront wurde. In
13878   diesem Falle aber würde er nur zugeben, dass eine Grösse auch rein
13879   gedanklich weiter zu wirken vermag, wie es die Nominalisten aller-
13880   dings in anderer Avvnvvwendung für tatsächlich halten. Für uns dagegen
13881   ist in jenem Falle nur eine Relation in Wegfall geraten, unzählige
13882   andere bestehen weiter und die Werteinheit bleibt was sie war:
13883   Arbeitswerteinheit von vielfach gebundener Grösse. Das Geld, die
13884   staatliche Einrichtung zur Erleichterung des Verkehrs bleibt Trä-
13885   ger, in diesem Falle stoffwertloser Träger von so bedeuteten Ein-
13886   heiten. Nun allerdings schiebt sich die Fvvrvvage der Geldschöpfung
13887   und in deren Verfolg die Quantitätstheorie in den Vordergrund,
13888  
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13898   obwohl dieses Problem eigentlich schon vorher bei der Ausein-
13899   andersetzung mit der Goldwährung mit Teildeckung fällig wäre.
13900   wir müssen uns hier der Kürze halber auf das Gesagte im Kapitel
13901   vom Kreislauf der Wirtschaft stützen. Wie, fragen wir, gelangt das
13902   Geld in den Verkehr, wie der einzelne in dessen Besitz? Wir
13903   sprechen hier im Zeichen der Warenwerttheoretiker, wenn wir sagen,
13904   sein Evvrvvwerb sei mit Ovvpvvfern verbunden. Wir müssen füglich etwas
13905   geleistet, müssen ein wirtschaftliches Gut hergestellt oder dazu
13906   beigetragen haben, um des Geldbesitzes uns freuen zu können. Haben
13907   wir das staatliche Gvvevvld im Auge, so können wir es begrifflich
13908   bis auf die Geburtsstunde siner Zvvivvrkulation zurückverfolgen
13909   und müssen dort auf eine Leistung stossen; nach uns setzt es sei-
13910   ne Zirkulation fort,-die ewige Zirkulation ist seine Aufgabe und
13911   Funktion. Denken wir dagegen an das Bankgeld, so werden wir bei ihm
13912   früher dem Ursprung begegnen, ebenfalls geboren aus einer Leistung,
13913   aber in seiner Zirkulation als seiner Aufgabe gleichartig funkti_
13914   onierend wie das staatliche Papiergeld. Nvvuvvr ist hier die Zirku-
13915   lation eine zeitlich beschränkte. Das ergibt sich aus dem Wesen
13916   des Bankgeldes, die elastische Verlängerung des wegen seiner re-
13917   lativ geringfügigen Mnge irrelevant bleibenden staatlichen
13918   ewig kreisenden Geldes zu sein. Hahn hat dieses staatliche Geld
13919   in der Literatur den eisernen Bestand der Wirtschaft genannt.
13920   Soweit das Bankgeld, durch wirtschaftliche Berechtigung gedeckt,
13921   neben dem staatlichen Papiergelde auftritt, müssen wir es als die-
13922   sem durchaus gleichgestellt werten, wie denn ünerhaupt alle tech-
13923  
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13933   nischen Möglichkeiten, Werteinheiten zu bewegen, die auf Grund von
13934   Leitungen als individuelle Einkommen möglich werden könnten.
13935   Zwar leistet das Geld, wenn die Güter innerhalb der Wirtschaft le-
13936   diglich ihren Besitzer we[Schreibmaschine h übertippt mit c]hseln, auch eine Funktion in der Fähig-
13937   keit, Werte auszudrücken und zu bewegen. Was wir aber jetzt im
13938   Gelde betrachten wollen, seine Gebundenheit an die Warenwelt, an
13939   die Arbeitsleistung der [Schreibmaschine K übertippt mit V]olksgenossen und damit an die Einkommen,
13940   das können wir nur finden an den Produktionsstätten der Güter, in
13941   deren Kalkulationen. Prüfen wir eine solche auf ihre Einzelgrös-
13942   sen, so offenbart sie uns nur Arbeitswertgrössen. Rohstoffe und
13943   Material lassen sin in ihrer Substanzzerlegung wiederum in
13944   jene teilen, Beheizung und bvvlvveuchtung [sic] lösen sich auf in Arbeits-
13945   leistungen und Einkommen, Abschreibungen sind wiederum nichts
13946   anderes als Arbeitswerte und Einkommen, die, wenn auch im einzel-
13947   nen nicht jährlich sich kristallisieren und verzehren, doch in
13948   der Gesamtheit den Ausgleich finden. !!Steuern sind Abtretungen von
13949   Arbeitserfolgen für die öffentliche Tätigkeit der Beamten zu
13950   unser aller Nutzen!!, Arbeitslohn und Gehälter, Profit, Rente, Unter-
13951   nehmerlohn, Risikoprämien, - sie alle lassen sich ohne weiteren
13952   Zwang als Arbeitsgrössen erkenntlich in die Kalkulation einfü-
13953   gen. Das fertige Produkt ist eine Additionsgrösse aus Arbeitswer-
13954   ten und damit gleichzeitig aus Einkommen, die im geld oder geld-
13955   gleicher Form dafür zur Verteilung und zur Verfügung gelangen.
13956   Mit dem Preis, einer Relation im Verhältnis zu anderen Preisen
13957   auf Grund des Wertes der darin verkörperten Arbeitsenergie, sind
13958  
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13968   ebenfalls die gleich fundierten Einzelbestandteile als Teile des
13969   Gesamtpreises in ihrer Höhe stipuliert und haben ihren Ausdruck
13970   in gleichen Wert -, in Arbeitswerteinheiten gefunden. Nicht im
13971   einzelnen wollen wir hier wieden [sic] den Mechanismus dieses Gesche-
13972   hens in der Geldschöpfung mittels des Warenwechsels aufzählen.
13973   Zeigen wollten wir hier nur wiederum die enge, ja sogar die kon-
13974   gruent sich deckende Verknüpfung von bereits mit der Erzeugung
13975   festgelegter Preisbildung mit dem Einzel- und Gesamteinkommen auf
13976   Grund von Arbeitsleistung. Diese alle zusammengenommen ergeben
13977   sowohl die Gesamtsummer der Warenpreise als auch die Gesamtsumme
13978   der kauffähigen und kaufberechtigten Einkommen. Hierin decken wir
13979   uns mit Schumpeters Einkommensgleichheit, die nichts anderes ist als
13980   die, auf einer historisch gegebenen, praktisch und täglich unend-
13981   lich mal gegebenen Arbeitswertmenge fin ssende [fussende?] Werteinheit. Selbst
13982   wenn Hahn's Auffassung richtig ist, dass die Kreditgewährung von
13983   aller Spartätigkeit unbeeinflusst der Produktion vorausgeht, so
13984   wird doch dadurch nichts an dem Wesen der Einkommen verändert, Be-
13985   standteil des Preises von Gütern zu sein, deren wir im gleichen
13986   Werte, von gleich grosser Arbeitsverkörperung später auf dem Markt
13987   wieder habhaft werden können, denn Hahn hat hier Kredit im Auge
13988   in Form des Darlehenskredits, er bewegt sich also in der Sphäre
13989   des Kreditverkehrs. Alles Bankgold aber, und hier stehen wir im
13990   Kredit-Geldverkehr, gleichviel aus welchen theoretischen Ueber-
13991   legungen heraus es ausgegeben wurde, muss mit den Gütern, die es
13992   haben entstehen lassen und die nun durch die Weggabe der Einkom-
13993  
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14003   men verzehrt sind, begrifflich seinen Lauf beschliessen, denn die-
14004   ses Kreditgold ist das Beförderungsmittel [sic] des [undeutlich] modernen Waren-
14005   verkehrs, unlösbar mit ihm verknüpft. Die Bvvivvndungen sind so streng,
14006   dass wir ohne Schwierigkeit die geradezu verschwindende Bedeutung
14007   erkennen können, die dem Gelde als solchen dabei zukommt. Das Opfer,
14008     das wir dazu bringen, um das Geld zu erlangen, die Arbeit, die wir
14009   dazu leisten, die gilt nicht dem Geldbesitz, die gilt dem Kvvovvnsum der
14010   übrigen Güter, welche andere für uns schufen, gleich wie wir in ar-
14011   beitsteiliger Tätigkeit ihre Bedürfnisse mit befriedigen. Wesent-
14012   lich ist nur, dass als [sic] Tätgikeit nach einem gleichen Maasse bewer-
14013   tet wurde, damit die volkswirtschaftliche Gesamtverteilung, durch
14014   den Geldverkehr bewerkstelligt, restlos aufgehen kann. Dabei ist
14015   es nicht notwendig, dass jedes Gvvuvvt genau seinen wahren, objektiven
14016   Beschaffungswert erreicht - obwohl das dem Idealzustand gleich
14017   käme, wenn dabei auch bei den Einzelaufwendungen das gleich
14018   Gesetz den Verteilungsschlüssel abgäbe - aber innerhalb der gan-
14019   zen Volkswirtschaft können wir es wohl gelten lassen, dass nur
14020   die objektiven Werte im ganzen erzielt sein müssen und plus und
14021   minus zur geraden Mvvivvttellinie tendiert. Die Auspendelungen werden
14022   wohl, soweit persönliche Machtpositionen in Frage kommen, immer nur
14023   beschränkten Rahmen bleiben, da die Einkommen auf gegenseitige
14024   Ausgleichung hinstreben. Darüber hinaus auch noch die Störungen,
14025   durch das gesellschaftliche Monopol erzeugt, näher auszuführen,
14026   würde uns zu weit abführen.
14027        Das gleiche Messgerät zu finden, dazu ist, das sei immer
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14038   wieder betont, weil es den Kern der vorgetragenen Auffassung wieder-
14039   gibt [vertippt], nicht ein Vergleich am Gvvovvlde nötig; der würde selbst die gröss
14040   ten Schwankungen im Gvvevvfolge haben. Notwendig dagegen ist das Zerle-
14041   gen der Güter in Arbeitswerteinheiten, für deren Grösse wir so vie-
14042   le Anhaltspunkte haben, als es nur Güter und Dienste in einem Lande
14043   gibt. [vertippt] Bei so geordneter Bankgeldschöpfung, und diese fordert ja auch
14044   die Warenwerttheorie, müssen wir beim Gelde immer nach der Kaufkraft
14045   fragen, müssen diese nicht als Ergebnis eines Austauscheyperiments [sic]
14046   zwischen Geld und Ware betrachten. Ivvnvv diesem Falle ist vielmehr die
14047   Kaufkraft des Geldes schon fest fixiert, mit der Entstehung der Gü-
14048   ter. Sie sit die logische Folge, dass Geld in diesem weiten Sinne,
14049   welches Einkommen verkörpert, sich in der Höhe der Werteinheiten
14050   begrifflich deckt mit der Höhe aller Güterpreise, denn beide sind
14051   nur verschiedenartige Zvvuvvsammenfaltungen der aufgewandten Arbeits-
14052   wertmengen und Einheiten. Da ist kein quantitätstheoretisches Aus-
14053   schwingen, kein Endresultat, das uns den Geldwert mitteilt, mehr
14054   vonnöten. Die Werteinheit hat einen ökonomischen Inhalt, soweit
14055   sie Einkommen ist, soweit sie nicht nur eine gedankliche Vorstel-
14056   lung bleibt, die wir wohl überall anlegen können, die aber wirt-
14057   schaftlich nicht wirksam und darum nicht zu berücksichtigen ist.
14058   Wir können den realen Inhalt jeder dieser Einkommenswerteinheiten
14059   suchen in irgendeinem Gut oder wir können sie zusammenfassen als
14060   das Extrakt aus der gesamten Güterwelt. In jedem Falle werden wir
14061   mit einer gleichen Grösse zu rechnen haben, eben dieser, die sich
14062   deckt mit der unserer Werteinheit zu grundegelegten Arbeitswert-
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14073   menge. Einen derart abgeleiteten Wert wollen wir der Werteinheit
14074   in der Geldform nicht abstreiten; - das aber wird wohl nicht einmal
14075   ein Nominalismus unternehmen wollen. Was uns von der Darlegung
14076   der Warenwerttheorie unterschiedet, ist der Uvvmvvstand, dass wir im
14077   Gelde keine selbständige mit den anderen Gütern gleich berechtig-
14078   te Ware erkennen wollen. Alle Güter haben einen objektiven Be-
14079   schaffungswert; das Geld nur einen davon abgeleiteten Wert. Die
14080   Frage nach der Angemessenheit des Preises ist darum auch nicht
14081   ein Abschätzen des Warenwertes am Geldwert, der losgelöst nur ein
14082   Schatten, nichts als ein Schemen ist, mit dem wir in der Vorstellung
14083   keine objektiv messbare Grösse verbinden können, sondern ist ein
14084   Abschätzen an den Beschaffungskosten von vielen ähnlichen Dingen;
14085   wir vergleichen die Arbeitsleistungen gleich - und verschiedenar-
14086   tiger Dinge mit einander. Dvvivve Fvvrvvage, warum für ein bestimmtes Gut
14087   eine bestimmte Geldsumme bezahlt wird, ahben wir ja bereits da be-
14088   leuchtet, wo wir die Parallelität der Entstehung von Ware mit Geld
14089   in Form von Einkommen erwähnten. Wenigstens gilt das für eine sta-
14090   bile Papierwährung, wie wir sie hier schildern. Das allerdings ist
14091   richtig, dass zwei Grössen nicht in einem relativen Verhältnis zu
14092   einander stehen können, ohne als absolute Grössen vorhanden zu sein.
14093   Auf die Geldverfassung aber ist dieser Satz nur anwendbar bei Gold-
14094   währung mit ausschliesslichem Goldumlaug [sic]. Nur in diesem Falle ist
14095   das Gold eine solche absolute Grösse, die Relationen auf seinen
14096   objektiven Wert zulässt. Späterhin aber ist das Geld nur der Kreu-
14097   zungspunkt alle dieser Relationen, etwas ausserhalb Stehendes und
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14108   nicht mehr gar der Pol, auf den alle Glieder, um mobil zu werden,
14109   hinstreben. Das Geld ist nur etwas mit den Relationen Gleichna-
14110   miges. Während die Werteineheit als Arbeitswertmenge bei den Gütern
14111   das Inhaltliche Bedeutet, ist sie beim Gelde nur praktisch teil-
14112   bares Bewegungsmittel und hat nur Wert im Hinblick auf ein Gut
14113   und das auch nur deshalb, weil die arbeitsteilige Verkehrswirt-
14114   schaft Mittel ersinnen musste, um auch hier Tauschhandlungen zu
14115   ermöglichen und durch das staatlich gesetzte Tauschmittel dem
14116   Geldverkehr ordnungsgemässe Bahnen zuwies. Für uns ist die Wert-
14117   einheit keine beziehungslose, abstrakte Grösse, sondern eine Ar-
14118   beitswertgrösse, die sich in jedem Augenblick an ein bestimmtes Gut
14119   und an eine bestimmte Menge davon binden lässt, die uns aber nicht
14120   deutlich wird bei der losgelösten Geldbetrachtung, sondern nur im
14121   Bereiche der Güterwelt. Was bestimmt denn die Höhe eines Güterwer-
14122   tes? Ist es wirklich eine Teilgrösse der Ware Geld, die uns wert-
14123   mass sein soll für alle übrige Ware, die aber doch in ihrer ob-
14124   jektiven Wertlosigkeit besonders beim [übertippt i] Monopolgeld der Warenwert-
14125   theorie uns nur einen recht verschwommenen Wertmasstab bieten
14126   kann für wirklich reale Güter, die, das ist doch die Grundregel
14127   jeder objektiven Werttheorie, ihren Wert nur haben kann aus Menge
14128   und Wert der aufgewandten Arbeit? Ist jenes Geld wirklich Wert-
14129   maass, so vergleichen wir wildlich gesehen ungleichwertiges mit
14130   einander, wo um uns reale Messwerkzeuge in Hülle und Fülle stehen.
14131   Maass der Werte ist von allen Angebinn an die Arbeit und nur
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14142   dadurch, dass wir historisch die ganz bestimmte Beschaffungsar-
14143   beit eines Gutes zu Grunde legten, und der Staat ihr dann einen
14144   Namen gab, dadurch entstanden aus den und zugleich mit dem Maass
14145   der Werte, auch die Preise. Nicht das Gut an sich ist das Wert-
14146   maass, sondern die angewandte Beschaffungsarbeit des Gutes und
14147   nur weil, ausser in der Gesellschaft der Gleichen eine losgelöste
14148   Arbeitseinheit nicht bestehen kann, darum musste eine Basierung
14149   zu einem Gute proklamiert werden. So tritt denn auch der ökonomi-
14150   sche, reine, objektive Wert eines Gutes, das wirkliche Maass der an-
14151   gewandten Arbeitsenergien nicht mehr in Erscheinung; der ökono-
14152   misch reine Wert erhält in der Wirtschaft keinen Ausdruck mehr.
14153   wir wissen, dass Kräfteverschiebungen in der verschiedensten Rich-
14154   tung es uns nicht mehr gestatten, von Arbeitsmenge zu sprechen,
14155   sondern als ein Korrektposten dazu diesen mit dem Arbeitswert und
14156   den nicht nur im Hinblick auf die Qualifikation, sonder beson-
14157   ders in Evvrvvwägung der gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse
14158   zu verknüpfen. Wenn wir sagen, Preise sind nur anderer Name und
14159   Ausdruck für Werte, so haben wir jene verschobenen Werte, die Tausch
14160     werte im Auge. Das Geld kann nur wertmaass sein, insofern es auf
14161     Werteinheiten lautet und Werteinheit nur als eine andere Bezeich-
14162   nung für eine gewisse Arbeitsmenge zu[b]gelten hat hat. Das Geld als
14163   das körperliche Zahlungsmittel kann auch nicht das Wertmaass sein,
14164   weil es auch nur einen Teil des konsumberechtigten Einkommens
14165   darstellt und weil, wenn wir definieren wollten, im Austausch von
14166   Geld gegen Ware ergibt sich die Kaufkraft oder der Wert des Gel-
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14177   des, wir dann nicht berücksichtigen den wohl grössten Teil des
14178   wirtschaftlich wirksamen, wenn auch nicht chartalen Geldes, das
14179   Kaufkräfte in eminenten Maasse vergegenwärtigt. Das wurde im
14180   Kreislauf der Wirtschaft dargetan, dass die Quantitätstheorie
14181   nur in jenem weiten Sinne verstanden werden muss. Als Einzelgrös-
14182   se sagt das chartale Geld gar nichts und das " Geld " in der
14183   Gesamtgrösse der gesamten Einkommen ist uns nicht bekannt und
14184   tritt uns, wenn wir die Kaufkraft als Resultat des Tauschens an-
14185   sehen wollen, immer nur erst dann gegenüber, wenn diese wirt-
14186   schaftlichen Handlungen der Vergangenheit angehören und ihrer-
14187   seits vom Resultat ja nicht mehr beeinflusst werden können. Da-
14188   mit wollen wir sagen, dass wir das Geld als Wertmaass scheinbar
14189   benützen können, aber eben nur im Hinblick darauf, dass die Geld-
14190   politik bestrebt ist, das Geld in der nominellen Höhe mit der
14191   Güterproduktion und deren Preishöhe zu verknüpfen. Darum aber
14192   kann auch die [übertippt P]reishöhe keine Grösse sein, die durch Abschätzung
14193   am Golde gewonnen wird, sondern die, die wir aus Zvvuvvsammenfügen von
14194   Arbeitswertgrössen gewinnen, wie sie uns historisch einmal im
14195   Gelde, dann in der Wirtschaft mannigfaltig und somit auch in un-
14196   serer Vvvovvrstellung gegeben sind. In der Erklärung, ein bestimmtes
14197   Gut sei drei Mark wert, ist in gewissem Sinne doch auch ein ob-
14198   jektiver Wert ausgedrückt, da wir uns jederzeit den Warengehalt,
14199   wie Arbeitsenergie zur Evvrvvstattung des dritten Teil eines solchen
14200   G[übertippt u]tes, die Arbeitsmenge, die wir eine Mark nennen, vorstellen können
14201   Wissen wir noch dazu, dass dies und jenes auch eine Mark kostet,
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14212   dann wird in uns das Gefüh[übertippt ö mit l] der Wertgrösse von einer Mark so
14213   gefestigt, dass wir Auspendelungen meist sofort erkennen und für
14214   Korrektur Sorge tragen. Auf solche Art wird uns deutlich, ob ein
14215   Preis hoch oder niedrig sei, denn im Verhältnis der Preise zu ein-
14216   ander ist uns auch mittelbar Aufschluss über deren absolute Höhen
14217   gegeben. Das Problem erhält seine Spitze in der Frage, ob zur Ein-
14218   reihung eines Gutes in das Netz der Relationen das Geld als Wert-
14219   maass notwendig ist oder nicht. Dass ursprünglich ein Gut als
14220   Mittelpunkt der Beziehungen zu deren Gewinnung nötig war, ist von
14221   jeder Richtung anerkannt. Wir betrachten hier den besonderen Fall
14222   der stabilen Papiergeld-Monopolwährung. Sei das neue Produkt ein
14223   Erzeugnis der Metall- oder der Textilbranche; zuerst muss es sich
14224   einmal anlehnen an die vorhandenen gleichartigen Erzeugnisse der
14225   Konkurrenz, und der Preisspielraum ist dadurch schon bedeutend
14226   eingeschränkt. Der Produzent muss zu Grunde legen seine Herstel-
14227   lungskosten, und die Gvvrvvrenze wird um ein weiteres enger werden. Im
14228   ganzen können wir sagen, dass da zu einem Vergleich und Abschätzen
14229   am Gelde wenig Rvvavvum mehr bleiben dürfte und das, wie wir gesehen
14230   haben darum, weil die Bindungen an die übrigen Güter und die wirt-
14231   schaftliche Verpflichtung in der Fvvrvvage des Arbeitslohnes, der
14232   Steuern, der Versicherungen usw. so enge sind, dass sie den Preis,
14233   die Relation zu den anderen Gütern gebieterisch vorschreiben.
14234   Ivvnvv allen anderen Gütern verkörpert sich in jedem Falle eine be-
14235   stimmte Arbeitswertmenge, und diese bleibt auch das Wertmaass und
14236   ergibt den Preis für alle neu hinzutretenden Güter. Das Geld kann
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14247   nur scheinbar Wert-und Preismaass werden, wenn wir, immer nur die
14248   entwickelte Wirtschaft betrachtet, die Reflexerscheinung, die die
14249   Güterwerte uns im Gelde zeigt und eine iegene [sic] Grösse daraus formt,
14250   als das Primäre hinnehmen. Wir gehen dann scheinbar unseren Weg
14251   von Bekanntem zu Uvvnvvbekanntem, während wir in Wahrheit nur bereits
14252   alte Pfade zum Ursprung zurückverfolgen. Sind wir zu der Ueberzeu-
14253   gung gelangt, dass jedes neue Gut, - die alten haben ihre Relationen
14254   in historischer Entwicklung erhalten, -in das Netz der Relationen
14255   eingefügt wurde, noch ehedem es als Ganzes zum Gelde in Beziehung
14256   gebracht wurde, dann dürften wir auch nach der Ansicht der Waren-
14257   werttheoretiker sogar die rein abstrakte Werteinheit gelten las-
14258   sen; für uns aber ist die Werteinheit sogar etwas Gebundenes, nicht
14259   nur einmal, sondern unendlich mal und bedeutet in dieser Vielheit
14260   der Bindungen doch immer nur ein und dieselbe Grösse, nämlich eine
14261   bestimmte Arbeitsmenge, die wir als Einheit allen Gütern und allen
14262   Diensten in der Relation auf gegebene, bekannte Dinge als Maass zu
14263   Grunde legten. Wir sagten schon einmal, dass wir uns mit Schumpeters
14264   Einkommenseinheit eng berühren, insofern auch wir der Menge des
14265   chartalen Geldes keine Wichtigkeit zuerkennen gegenüber der wirk-
14266   lichen und wirksamen Geldsumme, die als Einkommen in der Wirt-
14267   schaft erscheint. Einkommen entsteht aus Leistungen, Güter setzen
14268   sich zusammen aus Leistungen; werden Gvvüvvterpreise und Einkommens-
14269   höhe in ihrer Reduktion auf Arbeitsleistungen verknüpft, so können
14270   wir der Avvnvvweisungstheorie Svvcvvhumpeters zustimmen. Budge kritisiert
14271   nun den bekannten Billetvergleich Schumpeters und sagt, dass wir
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14282   beim Billet schon die Gegenleistung in der genauen Menge in der
14283   Vorstellung schin [sic] fest in Hvvävvnden haben, während beim Gelde erst
14284   n[übertippt i mit o]ch die Preisbildung in Fvvrvvage kommt. Wir können in Anlehnung
14285   an all das von uns Gesagte hier ohne weiteres erklären, dass nach
14286   unserer Auffassung ein Preiskampt kaum mehr zu stande kommen kann,
14287   und solange wir stabile Währung haben, wir dann auch im Einkommen
14288   die Gegenleistung aus dargetanen Gründen fest in Händen haben.
14289   Wenn Budge des weiteren meint, dass wir die Verfügung über einen
14290   Platz im Theater nicht durch ein Billet, sondern durch die Zahlung
14291   des Preises erhalten, so können wir das dahin auslegen, dass wir
14292   die Verfügung über die wirtschaftlichen vvGvvüter auch nicht direkt
14293   durch das Geld - das Billet - sondern durch die Arbeitsleistung,
14294   der wir den Billetbesitz verdanken, zugesprochen erhalten. Ist
14295   beim Billettvergleich der Tausch nicht Billet - Vorstellung; son-
14296   dern Billettkauf - Vvvovvrstellung, so ist der Tausch wirtschaftlich
14297   betrachtet auch nicht Geldhingabe - Güterempfang, sondern Gelder-
14298   werb, d.i.Leistung - Güterempfang.
14299        Der Vollständigkeit halber wäre noch kurz zu betrachten
14300   die Evvrvvscheinung der unstabilen Währung, der Zvvuvvstände, wie wir sie
14301   zu Kriegsausgang und in der Nachkriegszeit kennen lernen mussten.
14302   Wir wollen kurz fragen: Was [sic: War?] es hier so, dass die Preise zustande
14303   kamen auf Grund der Schätzung von Gütern gegen Geld? Dazu wäre
14304   notwendig gewesen, dass wir uns eine klare Vorstellung vom Werte
14305   des Geldes fast in jedem Augenblicke hätten bilden können und
14306   hätten neu bilden müssen. Es war eine Vielheit von Beziehungen
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14317   die hier auf die Pvvrvveise wirksam wurden. Wenn wir später von der
14318   unstabilen Wvvävvhrung sprechen, werden sich diese Punkte im einzelnen
14319   heruasschälen [sic]. Ovvhvvne weiteres deutlich aber ist uns, dass ein Geld,
14320   das täglich anderen Wvvevvrt im Sinne veränderter Kaufkraft repräsen-
14321   tiert, keinen Anspruch als Wertmesser der übrigen Güter erheben
14322   kann. Solange wir in unserer eigenen Währung der Papiermark rechne-
14323   ten, hatten wir in ihr keinerlei Anhaltspunkte einer Wertgrösse;
14324   erst später, da wir uns auf ausländische Währungen bezogen und
14325   die Papiermark täglich neu un Beziehung zu jenen setzten, sodass
14326   sie eigentlich nichts anderes mehr bedeutet als eine ausländische
14327   Währung, erst da konnten wir wieder eine Wertvorstellung mit dem
14328   Gelde verbinden, die aber von so vielen anderen Momenten, wie Spe-
14329   kulation usw. durchsetzbar, dass uns der so abgeleitete Wert der
14330   Papiermark kein auch nur annähernd wirkliches Bild der inneren
14331   Kaufkraft der Mark, die maassgebend sein müsste, bieten konnte.
14332   Ivvnvv Wahrheit haben wir unsere Preise doch nicht nach dem Geldwerte
14333   gesetzt, sondern wiederum in der Beziehung zu anderen Gütern. Wir
14334   wussten, dass ein Pvvrvvodukt x Svvcvvhweizer Fvvrvvanken kostet und lasen im
14335   Kursblatte, dass ein Svvcvvhweizer Fvvrvvanken so und so viele Papiermark
14336   notiere. Wir rechneten täglich um und fixierten den Preis nicht
14337   in Beziehung zum Geldwerte, sondern zu einem anderen Gut. Die Papier-
14338   marksumme, die wir errechneten, sagte uns über den Wert auch nicht
14339   das Geringste aus.
14340        Uvvnvvd bevor diese Entwicklung statte hatte, etwa zu Ende des
14341   Krieges, wie war es da? Wir sahen, dass andere Produkte, vor allem
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14352   solche, auf die sich die Nachfrage besonders stürzte, aus diesen
14353   natürlichen Gründen der erhöhten Nachfrage im Preise stiegen.
14354   Die Relationen, die meist wie etwas Ewiges in den bleibenden Pro-
14355   duktionskosten gegeben waren, strebten danach, auch auf der erhöhten
14356   Grundlage jene alte Verhältnismässigkeit wieder einzunehmen. Diese
14357   gesunde Tendenz aber wurde auf der Gegenseite durch die Freiheit
14358   und Uvvnvvgebundenheit der Einkommen gestört. Das war der Grund des
14359   wahren Wettrennens der Preise. Manches wird im Abschnitt der Infla-
14360   tion darüber noch zu sagen sein. Hier galt es norläufig [sic] nur zu zei-
14361   gen, dass niemals das Gold Masstab der Preise sein konnte.
14362        Das hoffen wir, ist uns in jedem Falle geglückt. Zur weite-
14363   teren Festigung unserer Avvnvvschauung werden wir im Folgenden staat -
14364   liche Geldwesen mit den verschiedensten Währungen untersuchen,
14365   nicht derart, dass eine aus der anderen hervorgeht und in ihr die
14366   historische Stütze findet, sondern wir wollen jede Währung gewis-
14367   sermassen neu begründen und aus diese Betrachtung die Möglichkeit
14368   oder Unmöglichkeit einer Währungsreform zu gewinnen suchen.
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