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II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.

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– 66 –

Die W e r t e i n h e i t ist ein A r b e i t s w e r t –

q u a n t u m .


Der Begriff Werteinheit ist nicht beschränkt auf

Zahlungs- oder Tauschmittel, hier wird er nur zum bewegenden
Motor, in der ganzen Wirtschaft aber haucht er materiellen und
indellen Dingen erst das Leben ein und lässt sie und sinnfällig
erscheinen. Ein Etwas also muss im Wesen dieser Werteinheit ver-
borgen liegen, etwas Ueberstaatliches, alle Kulturepochen Ueber-
dauerndes, etwas in jeder Geldverfassung Erhabenes, der Ausdruck
und Widerschein eines ewigen Naturgesetzes, dem wir nicht ent_
rinnen können.

Als solches stellen wir hin die Bestimmungsgründe des

Wertes [hand. ergänzt, ] und wir stehen rückhaltlos auf dem Boden der objektiven
Wertlehre, wonach wir einstweilen nur [hand. durchgestrichen in und hand. darüber bei] Betrachtung der reinen
Oekonomie [hand. ergänzt, ] bei wirtschaftlichen Gütern nur Maass und Energie der
angewandten Arbeit [hand. ergänzt, ] uns Aufschluss über die Höhe des Wertes zu 
geben vermag. Welche Variante wir dann innerhalb der objektiven
Wertlehre wählen wollen, ob Arbeitsmengen, Arbeitszeit oder Ar-
beitswerttheorie ist erstvwieder eine Unterfrage, denn eben in 
der Reinheit der Oekonomik, in der Urform der Gesellschaft der
Gleichen fallen diese drei Richtungen in ihrem Enderfolg, der 
verkörperten Arbeitsmengen [hand. ergänzt, ] noch zusammen. Der von Oppenheimer
entwickelten Arbeitswerttheorie ist, da sie auch der modernsten


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Entwicklung in der Berücksichtigung der immer schäfer sich aus-
prägenden Qualifikation und der sich zum sträksten [sic] Machtfakto-
ren entwickelnden Monopolen persönlicher und gesellschaftlicher
Art gerecht wird, der Vorrang einzuräumen; ganz besonders auch
deshalb, weil sie bei der Betrachtung der Dienste, wo nicht der
schlechtest Qualifizierte, wie bei den Gütern der Ungünstigst
produzierenden den Preis bestimmt, in der Verquickung von Ar-
beitszeit und -wert die Unstimmigkeit der reinen Arbeitsmengen-
oder Arbeitszeittheorie ausschaltet. In der Gesellschaft der 
Gleichen, in der vorgeldlichen Zeit ist besonders deutlich,
dass die Aufwandmöglichkeit bei gleich aufgewandter Arbeits-
zeit und gleicher Qualifikation, so verschieden jene auch unter
einander sein mögen, vom nationalökonomischen Standpunkt als
intersubjektiv gleich anzusehen ist. Die angewandte Arbeit hat
in jedem verschiedenen Fall doch gleiche Werte erzeugt, denn
wäre das nicht der Fall, dann wäre das minder geschätzte Ein-
kommen, dargestellt in einer Gütermenge, durch das höhere substi-
tuiert worden. Wenn der vorwirtschaftliche Mensch, um unser altes
Beispiel anzuführen, in gleicher Zeit entweder eine Tonschale
oder einen Korb herstellen kann, so müssen diese beiden Dinge
naturnotwendig gleichen Wert haben, und zwar ist es hier noch in 
Reinheit die Arbeitsleistung einer bestimmten Zeit. Wenn nun
beispielsweise der Goldsucher oder Goldgräber in einer bestimm-
ten Zeit eine Menge von X g Gold erwirbt, so müssen, immer noch
die Gesellschaft der Gleichen vorausgesetzt, diese X g Gold


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intersubjektiv gleich sein der jeweils erzeugten Gütermenge an-
derer Berufstätigkeit. In Wahrheit wird sich gerade in jener
Zeit die Arbeit den verschiedensten Beschaffungen je nach wech-
selndem Bedarfe zugewandt haben. Aber auch jener Umstand kann
das Bild nicht trüben, dass doch auch im vereinzelten Falle die
Beziehungen der aufgewendeten Arbeitsmengen verbindend zwischen
allen Gütern stehen. Wird die Berufsgliederung stärker, der Tausch
allgemeiner und erhält so ein Gut eine Sonderstellung als das
allgemein beliebte Tauschgut, so gebe ich nur ein Erzeugnis meiner
Arbeitskraft, die in Hinsicht eines ganz bestimmten Bedarfes aufge-

wandt wurde, hingegen die Verkörperung anderer Arbeitskraft, die,

weil in allgemeiner Gunst steht, mit wiederum ohne Schwierigkeit
Gelegenheit zu weiterem Tausche bietet und mir die Wege zu allen
Erzeugnissen ebnet. Es tauschen sich gleiche Werte, gemessen an der
Arbeitszeit. Tritt nun der Staat in Aktion und verkündet er, dass
hinfort ein Pfund Gold gleich 1395 Werteinheiten gelten sollen,
so ist damit am ökonomischen Geschehen natürlich nicht das mindes-
te geändert worden. Nur stärker prägen sich jetzt die Geldpreise
vorher noch Ausdrücke in Gewichtmengen Gold und ursprünglich nur
g[hand. drüber e?]egen-einandersetzten absoluter Werte, Preise von Fall zu Fall, wenn
wir sie so nennen wollen, in ihrer Relativität aus. Der im Jahre,
nach Abzug seiner Unkosten X g Gold fördert und laut staatlicher
Kreierung dadurch ein Einkommen von Werteinheiten geniesst ist
gleich gestellt mit dem, der im Jahr 100 Tonschalen oder 150 Körbe
fertigt und für diese dann den Preis von a Werteinheiten geteilt


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II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.


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D e r K r e i s l a u f d e r W i r t s c h a f t .


So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine

Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.

So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-

gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-

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kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
heit in die Erscheinung tritt. Und jede dieser Einheiten hat wieder-
um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch

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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-

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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem akann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.

Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-

liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.

Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes

ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion «der
Gesellschaft der Gleichen» hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende

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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.

Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters

wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:

«Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-

dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den

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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den

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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.
Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.
Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.
Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-

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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.
Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.
Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.





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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.
Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,

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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.
Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich

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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:

1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.

2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )

3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .

4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.

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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.

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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.
Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn

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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.
Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen

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darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.
Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit

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der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung

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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-

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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.

Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.
Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.

Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.

Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.
Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.
Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.
Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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begrifflich nicht damit zusammenhängt.
Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:
2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.
Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.
Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
Entwicklung zu skizzieren.
Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.
Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
setzend.
Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.
Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
"Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.

Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite

wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.

Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis

einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass

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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.

Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirt-

schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-


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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die
Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.

Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von 

aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in 
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.

Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist und das Nomi-

naleinkommen das «Sesam, öffne dich». Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in 
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.

Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index ) P ist

gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.

In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und

addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.


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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist 
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.

Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft

die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spri[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,


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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Konsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden. Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.

Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-

blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich


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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.

In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die

Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:


1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.


2.) Die an der Erschaffung des festen «volkswirtschaftlichen
Kapitals» arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )


3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .


4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.


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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein

muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12, 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; – privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.


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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.

Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse

der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn


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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.

Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des

Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen


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darstellen;– wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Frage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.

Im Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens

haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir iunsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gut bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das 
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten, in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem 
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Im privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Konsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in 
der Wirkung das Forderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.

Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes

in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit


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der Konsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.

Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die

Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zusammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zur Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Unmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Umlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.

Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,

die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung


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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen aus[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Grenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat 
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zusammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-


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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. – die Distribution
scheiden wir aus, – bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.


Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen

Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der 
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.

Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache

annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.


Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs

spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-

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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.


Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die

Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-

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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.

Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung

für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-

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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem

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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.

Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir 

nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem «artgleichen Messwerkzeug» findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den 
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-

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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.

Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei

von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.

Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass

nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den 
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.

Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-

mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und 

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begrifflich nicht damit zusammenhängt.

Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung

erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von 
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität

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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der 
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im 
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.

Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die

lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich

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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:

2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,

mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I n strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.

Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit

nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des

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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.

Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-

voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.

Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem

Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet – nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens

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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits «die reine Objektivität» besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen

wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der

Entwicklung zu skizzieren.

Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,

dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,

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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.

Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,

der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger

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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend konsti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,

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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft denie Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.

Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,

können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir deniesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem «Geld und Kapital» diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.

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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der «10 Pfennig-Automat»
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Zuund Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.

Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-

lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.

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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus

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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her ein einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld
schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.

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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-

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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem akann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.

Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-

liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.

Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes

ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion «der
Gesellschaft der Gleichen» hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende

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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.

Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters

wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:

«Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-

dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den

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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den

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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.
Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.
Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.
Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-

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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.
Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.
Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.





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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.
Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,

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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.
Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich

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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:

1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.

2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )

3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .

4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.

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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.

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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.
Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn

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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.
Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen

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darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.
Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit

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der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung

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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-

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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.

Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.
Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.

Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.

Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.
Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.
Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.
Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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begrifflich nicht damit zusammenhängt.
Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:
2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.
Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.
Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
Entwicklung zu skizzieren.
Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.
Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
setzend.
Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.
Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
"Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.

Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite

wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.

Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis

einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass

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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.

Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirt-

schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-


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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die
Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.

Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von 

aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in 
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.

Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist und das Nomi-

naleinkommen das «Sesam, öffne dich». Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in 
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.

Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index ) P ist

gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.

In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und

addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.


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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist 
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.

Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft

die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spri[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,


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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Konsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden. Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.

Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-

blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich


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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.

In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die

Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:


1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.


2.) Die an der Erschaffung des festen «volkswirtschaftlichen
Kapitals» arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )


3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .


4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.


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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein

muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12, 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; – privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.


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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.

Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse

der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn


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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.

Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des

Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen


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darstellen;– wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Frage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.

Im Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens

haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir iunsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gut bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das 
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten, in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem 
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Im privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Konsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in 
der Wirkung das Forderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.

Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes

in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit


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der Konsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.

Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die

Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zusammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zur Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Unmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Umlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.

Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,

die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung


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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen aus[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Grenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat 
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zusammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-


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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. – die Distribution
scheiden wir aus, – bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.


Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen

Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der 
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.

Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache

annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.


Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs

spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-

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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.


Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die

Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-

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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.

Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung

für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-

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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem

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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.

Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir 

nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem «artgleichen Messwerkzeug» findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den 
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-

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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.

Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei

von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.

Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass

nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den 
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.

Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-

mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und 

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begrifflich nicht damit zusammenhängt.

Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung

erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von 
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität

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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der 
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im 
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.

Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die

lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich

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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:

2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,

mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I n strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.

Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit

nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des

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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.

Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-

voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.

Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem

Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet – nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens

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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits «die reine Objektivität» besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen

wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der

Entwicklung zu skizzieren.

Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,

dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,

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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.

Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,

der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger

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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend konsti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,

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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft denie Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.

Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,

können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir deniesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem «Geld und Kapital» diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.

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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der «10 Pfennig-Automat»
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Zuund Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.

Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-

lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.

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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus

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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her ein einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld
schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.

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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-

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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem akann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.

Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-

liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.

Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes

ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion «der
Gesellschaft der Gleichen» hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende

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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.

Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters

wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:

«Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-

dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den

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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den

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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.
Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.
Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.
Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-

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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.
Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.
Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.





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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.
Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,

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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.
Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich

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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:

1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.

2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )

3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .

4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.

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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.

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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.
Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn

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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.
Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen

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darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.
Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit

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der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung

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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-

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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.

Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.
Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.

Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.

Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.
Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.
Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.
Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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begrifflich nicht damit zusammenhängt.
Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:
2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.
Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.
Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
Entwicklung zu skizzieren.
Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.
Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
setzend.
Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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__ D e r K r e i s l a u f d e r W i r t s c h a f t .__




So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.
Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
"Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.

Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite

wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.

Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis

einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass

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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.

Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirt-

schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-


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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die
Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.

Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von 

aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in 
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.

Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist und das Nomi-

naleinkommen das «Sesam, öffne dich». Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in 
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.

Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index ) P ist

gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.

In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und

addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.


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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist 
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.

Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft

die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spri[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,


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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Konsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden. Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.

Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-

blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich


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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.

In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die

Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:


1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.


2.) Die an der Erschaffung des festen «volkswirtschaftlichen
Kapitals» arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )


3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .


4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.


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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein

muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12, 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; – privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.


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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.

Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse

der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn


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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.

Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des

Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen


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darstellen;– wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Frage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.

Im Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens

haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir iunsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gut bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das 
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten, in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem 
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Im privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Konsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in 
der Wirkung das Forderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.

Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes

in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit


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der Konsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.

Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die

Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zusammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zur Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Unmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Umlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.

Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,

die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung


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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen aus[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Grenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat 
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zusammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-


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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. – die Distribution
scheiden wir aus, – bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.


Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen

Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der 
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.

Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache

annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.


Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs

spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-

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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.


Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die

Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-

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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.

Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung

für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-

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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem

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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.

Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir 

nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem «artgleichen Messwerkzeug» findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den 
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-

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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.

Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei

von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.

Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass

nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den 
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.

Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-

mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und 

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begrifflich nicht damit zusammenhängt.

Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung

erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von 
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität

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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der 
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im 
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.

Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die

lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich

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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:

2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,

mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I n strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.

Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit

nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des

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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.

Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-

voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.

Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem

Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet – nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens

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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits «die reine Objektivität» besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen

wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der

Entwicklung zu skizzieren.

Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,

dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,

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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.

Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,

der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger

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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend konsti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,

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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft denie Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.

Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,

können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir deniesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem «Geld und Kapital» diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.

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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der «10 Pfennig-Automat»
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Zuund Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.

Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-

lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.

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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus

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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her ein einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld
schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.

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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-

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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem akann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.

Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-

liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.

Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes

ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion «der
Gesellschaft der Gleichen» hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende

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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.

Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters

wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:

«Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-

dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den

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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den

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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.
Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite
wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.
Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis
einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass
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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.
Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-
schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-

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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die
Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.
Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von
aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.
Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-
naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.
Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist
gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.
In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und
addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.





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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.
Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft
die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,

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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.
Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-
blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich

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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die
Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:

1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.

2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen
Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )

3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .

4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.

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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.

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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.
Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse
der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn

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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.
Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des
Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen

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darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.
Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens
haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in
der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.
Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes
in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit

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der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.
Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die
Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.
Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,
die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung

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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-

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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.

Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen
Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.
Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.

Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.

Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die
Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-
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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.
Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung
für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-
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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem
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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.
Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir
nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-
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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.
Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei
von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.
Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass
nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.
Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-
mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und
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begrifflich nicht damit zusammenhängt.
Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung
erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität
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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.
Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die
lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich
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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:
2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,
mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.
Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit
nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des
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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.
Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-
voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.
Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem
Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens
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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen
wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der
Entwicklung zu skizzieren.
Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,
dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,
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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.
Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,
der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger
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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,
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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.
Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,
können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.
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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.
Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-
lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.
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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus
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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld
schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.
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So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,
heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren
eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns
klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem
Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere
Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im
täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-
tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren
und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.
Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-
tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-
ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle
oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein
Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug
eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten
Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in
der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie
scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-
griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-
len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich
gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang
setzend.
Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale
grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-
keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren
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So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine
Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-
heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur
Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt
ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,
losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-
schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der
Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-
chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie
nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt
sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe
Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich
entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren
Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann
so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt
und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-
spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug
die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-
einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.
So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-
gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-
sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-
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kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,
wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch
die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten
war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,
so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit
gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,
auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-
rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles
verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen
wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-
lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-
sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-
wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben
nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-
sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-
heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-
um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-
einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich
selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein
relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach
einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-
teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "
erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-
lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man
das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-
wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch
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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-
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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.
Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-
liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.
Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes
ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der
Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende
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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.
Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters
wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:
"Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-
dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den
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Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den
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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.

Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite

wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.

Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis

einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass

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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.

Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirt-

schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-


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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die
Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.

Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von 

aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in 
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.

Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist und das Nomi-

naleinkommen das «Sesam, öffne dich». Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in 
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.

Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index ) P ist

gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.

In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und

addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.


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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist 
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.

Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft

die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spri[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,


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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Konsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden. Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.

Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-

blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich


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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.

In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die

Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:


1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.


2.) Die an der Erschaffung des festen «volkswirtschaftlichen
Kapitals» arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )


3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .


4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.


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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein

muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12, 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; – privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.


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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.

Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse

der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn


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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.

Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des

Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen


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darstellen;– wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Frage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.

Im Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens

haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir iunsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gut bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das 
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten, in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem 
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Im privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Konsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in 
der Wirkung das Forderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.

Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes

in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit


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der Konsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.

Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die

Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zusammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zur Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Unmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Umlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.

Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,

die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung


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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen aus[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Grenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat 
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zusammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-


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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. – die Distribution
scheiden wir aus, – bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.


Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen

Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der 
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.

Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache

annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.


Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs

spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-

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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.


Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die

Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-

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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.

Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung

für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-

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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem

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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.

Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir 

nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem «artgleichen Messwerkzeug» findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den 
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-

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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.

Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei

von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.

Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass

nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den 
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.

Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-

mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und 

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begrifflich nicht damit zusammenhängt.

Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung

erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von 
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität

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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der 
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im 
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.

Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die

lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich

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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:

2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,

mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I n strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.

Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit

nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des

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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.

Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-

voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.

Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem

Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet – nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens

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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits «die reine Objektivität» besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen

wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der

Entwicklung zu skizzieren.

Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,

dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,

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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.

Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,

der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger

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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend konsti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,

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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft denie Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.

Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,

können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir deniesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem «Geld und Kapital» diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.

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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der «10 Pfennig-Automat»
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Zuund Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.

Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-

lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.

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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus

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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her ein einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld
schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.

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noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-
terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der
Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-
lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine
Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als
einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-
losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei
zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-
schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb
einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche,
zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das
Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.
Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-
lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch
nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.
Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich
beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen
Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-
schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch
gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn
die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere
ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-
denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-
reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich
nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie
irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-

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lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-
güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-
heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-
losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei
dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,
das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet
wird, bei dem akann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und
Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-
chen werden.

Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-

liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-
schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-
men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der
Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch
Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier
bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,
innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser
Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf
dieser Grundlage sich hat vollziehen können.

Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes

ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,
wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-
liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion «der
Gesellschaft der Gleichen» hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir
sahen nur, dass solche Möglichkeit besteht, wenn der Arbeitende

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nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen
hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je
entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere
den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,
ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig
zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein Gut sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die
ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-
sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-
rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen
darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und
selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren
Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der
Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,
dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch
den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des
Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen
gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng
hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das
, ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher
gerecht und uns allgemein verständlicher wird.

Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters

wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:

«Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-

dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und
und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den

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– 25 -


Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher
Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck
Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes
als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert
sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln
gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer
tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und
gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren
sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten
Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder
aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-
duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem
Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-
wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den
Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten
die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst
die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,
in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-
mer Nachfragenden, die Konsumenten Anbietende, auf dem Genussgüter-
markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von
Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes
sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende
auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-
geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,
wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den

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Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer
eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt
beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum
nur soviel zur Verfügung als korporativnauf dem Genussgütermarkt
ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den
ersteren gelangt ist.""

Soweit Schumpeter.
Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite

wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-
verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten
zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb
ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung
im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment
und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner
möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-
bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums
ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum
abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin
dem Wesen nach eine Krise.

Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis

einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen
die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-
geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-
fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass

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die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-
terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und
Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-
los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,
wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns
für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn
wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-
ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-
langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-
legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere
Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die
Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug
auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-
ders der Diskontopolitik.

Wir stellen für unsere Untersuchung der modernen Wirt-

schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu
rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-
schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige
Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise
einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als
eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne
indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als
Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-
dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-


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gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn
wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen
mit gegebenen Grössen zu rechnen haben. Die Werteinheit hat die
Bedeutung, – das sei hier wiederholt – uns nur relative Werte
aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus
dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,
so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die
ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich
wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft
die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das
ist das Einkommen der Nation.

Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von 

aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-
stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien
in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen
mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die
uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht
die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-
zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes
der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der
Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten
Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-
griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-
baren Teilbarkeit an einem Gute besteht, für den einzelnen gar
nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-


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gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich
muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt
haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,
den er iirgendeinem Gute zugeführt hat, in anderen gleichen Werten
auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in 
einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-
sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade
in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des
einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent
im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine
auf Kosten des anderen seinen Vorteil zu erringen suchen.

Zum Realeinkommen, zum Konsumgütermarkt ist und das Nomi-

naleinkommen das «Sesam, öffne dich». Mittels dessen müssen wir
wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in 
der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das
Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-
der mobil machen. So ist es uns, – gleich in welcher rechnerischen
Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-
nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und
Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,
dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,
dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die
Zungen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu
equilibrieren.

Wir können sagen:

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Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt, Index ) P ist

gleich Normaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine
Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass
ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das
System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-
ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun
dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in
einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene
Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-
wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung
auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In
jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen
und Konsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es
das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung
nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet
abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen
Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-
scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen
sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied
des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber
eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.

In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und

addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus
sich ergebende Preis ist dann der Kostenfaktor aller Einkommen.


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Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-
einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist 
uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale
der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-
wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-
wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt
kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit
und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird
zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen
Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale
Anteile am gesamten Produktionsfond.

Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft

die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-
schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar
nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines
und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als
gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-
mein meist nicht spri[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten
Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie
auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.
Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige
Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.
Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich
sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie
nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,


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das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber
doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Konsum bestimmt nicht
nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach
seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven
Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter
herangezogen werden. Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt
das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer
gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität
und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.
Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen
Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-
ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-
beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-
ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit
gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben
dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das
Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden
eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-
menhang zu konstatieren ist.

Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-

blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,
so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,
das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-
scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten
für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich


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aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.

In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die

Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten
von Einkommen zu unterscheiden haben:


1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-
güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,
Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-
einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-
schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.


2.) Die an der Erschaffung des festen «volkswirtschaftlichen
Kapitals» arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,
Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus
den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )


3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die
aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend
machen können .


4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-
licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.


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Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein

muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch
hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-
schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die
Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-
duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt
einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht
mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,
Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab
an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie
Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;
treten also von ihren Einkommen ab 12, 8 und 12 ist 32 und es
bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem
Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.
Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären
Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-
heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden
Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-
wirtschaftliches Kapital ; – privatwirtschaftliches Kapital aber,
das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen
hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den
Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um
direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-
rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.


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Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-
gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-
ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-
leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-
bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-
sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet
wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-
läufen ausgleichen.

Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse

der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-
preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des
Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .
Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit
seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass
diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-
den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen
selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie
werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch
nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die
Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir
die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-
einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-
räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn


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äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber
dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von
uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung
an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-
kalkulierten Preis.

Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des

Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt
haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom
Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,
das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir
sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-
und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-
quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,
(wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden
Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;
sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.
tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als
Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich
stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher
Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-
drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-
griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-
mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld
lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen


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darstellen;– wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte
decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das
Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen
Ausführung kann es keine Frage sein, dass wir es in engster Anleh-
nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen
wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-
sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,
so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-
fassung.

Im Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens

haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir iunsere
wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-
her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst
Nutzung oder Gut bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-
recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-
den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-
derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-
schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel
sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das 
Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-
lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-
schöpfung vor weiteren privaten, in's kleinste zu zerlegenden
Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer


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Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-
lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem 
Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-
valente habhaft werden können. Im privaten Verkehr konnten nur
privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist
so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-
tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles
in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen
stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht
in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung
an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche
Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des
Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen
aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit
getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der
Konsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes
Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in 
der Wirkung das Forderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft
entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion
und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.

Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes

in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.
In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit


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der Konsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.

Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die

Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern
wollen, das sind die Zusammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild
vollenden müssen. Zur Verteidigung des Wechsels wollen wir aber
doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-
nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-
güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten
Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst
das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer
Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa
in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-
schaftlichen Unmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl
von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-
sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch
zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger
wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen
geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept
wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz
von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen
können aus dem Umlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.

Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,

die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,
eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung


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kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,
dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-
ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-
duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde
bezahlt, es werden Gegenforderungen aus[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen
als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt
es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu
suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der
Produktion wohl eine obere Grenze geschaffen. nach unten aber ist
der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld
teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen
aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-
markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner
eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite
Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat 
niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der
anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;
verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen
den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen
als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen
Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt
gesehen, zu leisten, weil es im Zusammenfügen und Teilen von Wert-
einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.
Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-


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austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. – die Distribution
scheiden wir aus, – bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche
Bild.


Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen

Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der 
Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer
gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,
auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.


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alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
erhoffen liessen.

Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache

annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
Werteinheit dabei nötig war, – ein Gut tauschte das andere aus.


Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs

spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-

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derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen
die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem
Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-
den in ihrem Berufe, ihre persönliche Qualizfikation ist gleich) – sie
tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-
schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren
und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun
grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,
in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-
beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-
ten.


Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die

Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende
den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-
bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-
keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht
verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen
in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-
ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.
Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische
Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus
ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das
dank seiner Eigenschaften – widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar
haltbar und leicht transportierbar – imstande war, jene die Entwicklung
fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-
mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-

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schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und
damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -
von Edelmetallen.

Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung

für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass
sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-
den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch
ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles
passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine
Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir
sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit
gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,
je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-
ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit
der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-
ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der
Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel
sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit
ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei
wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,
reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des
Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-
weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-
gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen
Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen
anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-

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beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-
schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen
eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit
eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits
in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb
ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-
einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-
schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-
liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:
Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist
zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:
Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande
gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-
wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-
wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-
ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,
das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als
Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende
Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten
historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali
mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit
in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen
einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,
um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder
wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem

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Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange
es kein G u t geben kann – und nie wird die Natur uns ein solches
bescheren -, das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-
stanz in sich birgt.

Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir 

nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb
nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.
Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen
und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-
gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,
uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-
tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines
dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-
schalten. Die Forderung nach dem «artgleichen Messwerkzeug» findet
hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die
subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-
wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es
in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-
wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,
der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch
unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen
der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den 
unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-
den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen
Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-

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haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.

Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei

von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?
Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold
kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v
erhalten.

Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass

nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht
hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-
folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,
so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie
und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den 
Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum
das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut
von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser
Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.

Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-

mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann
die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-
mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als
auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder
ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-
mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch
nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.
Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine
dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und 

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begrifflich nicht damit zusammenhängt.

Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung

erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine
mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von
Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir
sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-
einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-
sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-
lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-
dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische
Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit
ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so
allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter
verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-
same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.
Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische
Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie
zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch
grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu
notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche
und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die
Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen
wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;
die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir
es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-
lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von 
bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-
halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität

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sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-
schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.
Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern
in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-
mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-
ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung
gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der 
Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im 
Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-
tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des
Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung
immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte
jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-
wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-
teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für
die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.

Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die

lautete:
1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.
Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die
reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-
flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich
wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-
schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der
Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:
Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen
gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich

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2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten
Tausches wieder eine weitere Gleichung:

2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,

mit anderen Worten – wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-
licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-
ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-
sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-
richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,
dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich
eines solchen I n strumentes bediente oder es eigentlich erst so
recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja
wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-
mal des Geldes bedeutete.

Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit

nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren
Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann
erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,
auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-
tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich
wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen
Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den
Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.
rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-
lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt
der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des

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täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von
Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel
bildet sich in Konsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht
auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns
herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine
ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-
einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die
Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.

Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-

voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre
Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und
im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-
sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-
heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist
ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur
noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der
Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung
an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern
oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns
noch genügend zu lösen übrig.

Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem

Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen – in der wirt-
schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem
historisch begründeten Wertausdruckes bedinet – nicht jeder wirt-
schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade
nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens

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am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in
genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-
lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein
kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern
im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-
mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach
und funktionell bereits «die reine Objektivität» besitzt, eine Zu-
rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch
notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-
chen besonderen Umständen das der Fall wäre, kann erst die weite-
re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen

wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der

Entwicklung zu skizzieren.

Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,

dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes
und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-
serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die
Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,
desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-
metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-
bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten
Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung
von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-
rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der
Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,

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die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des
Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-
mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,
sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele
des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie
sich üner den Stoff erhebt.

Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,

der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;
dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für
ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.
Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht
dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und
so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-
ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch
die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,
wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln
des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-
ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,
denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-
tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber
handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-
tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter
Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht
durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr
aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die
si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger

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finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein
sicheres Fundament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-
gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine
Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für
den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche
Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das
Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst
der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-
rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-
digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem
Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur
durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch
den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei
nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte
Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu
negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-
ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die
tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde
legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend konsti-
nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die
Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten
und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden
wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl
auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,
dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,

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sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in
gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck
finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir
in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.
Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft denie Wechsel mit
ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-
lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei
übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-
schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-
stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-
schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der
Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.

Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,

können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-
verkehr – oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren
Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir deniesen auf ein allgemein-
nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies
ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig
der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-
ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,
kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des
Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.
Bendisen hat in seinem «Geld und Kapital» diesen Zustand einmal
angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.

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Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-
Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist
inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.
Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,
das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der «10 Pfennig-Automat»
der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun
haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um
die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon
gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach
begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in
der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen
Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt
beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-
schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst
vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir
der Wirtschaft infolge gleichen Zuund Abstroms nie geleert ist.
Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.

Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-

lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,
nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick
der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-
lung von der Buchforderung über den Wechsel bis zur Banknote
zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand
und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-
sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-
derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.

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Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch
wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel
allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-
che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das
wie ursprünglich das reale Tauschgut – das Geld im Gewichte oder
auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit – in unserer Wirtschaft
als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den
Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-
ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in
den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht
die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-
net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte
nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher
schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses
allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit
zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich
wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen
das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen
in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter
mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum
müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern
getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste
erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie
des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen
aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus

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des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-
her ein einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann
auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung
entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-
einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-
bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute
so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-
lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen
müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel
zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in
so langer Entwicklung geborene Bankgeld – unser heutiges Geld
schlechthin – um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist
wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr
näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-
schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen
des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-
menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-
ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.

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D i e L e h r m e i n u n g e n


Der M e t a l l i s m u s .
Der N o m i n a l i s m u s .


Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht

bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir
das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-
het zu einer herrschenden Theorie bekannten, – haben wir dort
nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-
sucht, die einzelnen Daten zu organischem Fluss an einander zu rei-
hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-
de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für
den allein richtigen vertritt.

Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem 

Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer
Geldlehre, deren Inhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses
theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und
ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,
dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus
ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch
Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.

In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit

sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon
staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,
als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur


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bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"
wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen
Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-
kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung
ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach
sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das
Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen
im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-
liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der

natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens
doch E[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden
Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte
Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-
tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr
den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu 
überlassen. Das schien der herrschenden metallistischen Geldauf-
fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-
ökonom jener Epoche – Ricardo – sagt über jene papierenen Umlaufs-
mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall –
(Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten
Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem
Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten
erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das
kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das


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Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher
zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-
mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine
Genüsse vermehrt werden."

Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des

Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz
des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-
mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel
gelten muss; ist das Papiergeld – die Banknoten – also nur Symbol
eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die
Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie
gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das
Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht
mit einer ökonomischen Erscheinung in der Wirtschaft verkettet
und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er
in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,
als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.
Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum
vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen
ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und
den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen
Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zustand zu
erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Noten
in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichens] dieselben Grundsätze, die zur
Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp


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als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.

Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-

wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-
greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-
te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung
nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,
das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank
der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss
das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende
Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-
trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.

Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,

haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären
und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-
hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann
sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System
gibt es begrifflich keinen Unterschied zwischen Werteinheit und
Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem
bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.
Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.
Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-
strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen
Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente
Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Boden der objek-
tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes


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der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.
Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.

Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen

Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses
des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden
Ware und ein G[handschriftlich o, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen
Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-
hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-
brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Frage; er schätzt
rein subjektiv nach Lust-oder Unlustempfinden, was natürlich zur
Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse
ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.

Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-

regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff
notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr
fragwürdigen Formel begriffen wissen:
" Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichene] beliebten Gegenstand, z.B.
dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "
Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-
ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären
liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-
tel in den Vordergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: d]rückt waren, wurden, den
Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-
um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen


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Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für
jegliches «Papier» ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches
Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch
immer nur – man mag die absolute Notwendigeit ihres Entstehens
und ihrer Zirkulation eingesehen haben oder nicht, – Geldsurro-
gat, jederzeit umtauschbares Kreditpapier, das seinen Wert nur von
dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Golde lieh,
das seinerseits wie bei der Dritteldeckung in der Gesamtheit sogar
nur eine vorgestellte Mengengrösse sein musste. Tatsächlich wurde
denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not
und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert
oder Umlaufsfähigkeit verloren.

1797 beispielsweise wurde in England infolge seines

Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.
22 Jahre herrschte ein Zustand vor, den die Metallisten nur mit
grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein
real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,
den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-
lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-
flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-
lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer
bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung
der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen
dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich
schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel


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sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an
einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-
dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von
volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit
gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das
muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-
sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den
Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen
Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage
der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur
angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen
anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-
de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-
fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei
und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind
ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen
Verkehr beleuchten und beeinflussen können.

In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob

wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung
der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der 
die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-
fachende Moment begriffen wissen will.

Während also bei den Metallisten die Erklärung

der Banknoten auf


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die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der 
Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen a und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer
reinen Theorie hierinnen vollkommene Freiheit und wenn sie auch,
wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen
die Deckung [handschriftlich durchgestrichen a und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Grenzen beibehalten wollen. Was
die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt
bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,
in Wegfall. Für sie ist die Frage nach dem Stoff des Geldes eigent-
lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder
Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-
ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-
mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie
Währung. Nicht das ist der Unterschied, dass der Nominalist eine
Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-
tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei
auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-
körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen
und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-
scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.

Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,

die immer von neuem die Frage nach dem Werte des Geldes in die
Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den 
Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nominalisten argumentieren


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in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,
dass das G[handschriftlich durchgestrichen o und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-
wendig war, um in der Beziehungssetzung aller anderen Güter zu
jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für
jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind
schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im 
Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-
renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber
aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-
strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse
kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-
stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-
mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von
ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger
und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus
muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,
wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur
die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;– ist doch für ihn
die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-
sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst
heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-
rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert
in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,
verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir
auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-


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struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff
ist in einer Hinsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss
aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-
preise in der Höhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-
rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten
Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall
innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-
rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs
hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-
stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]
zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der
Werteinheit die Bindungen mit der alten Währung so enge sein, dass
das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-
erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-
nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die
Nominalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der 
nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-
arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware
aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender
als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der 
nominalen Einheit des Geldes.

Wenn der Staat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen

um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine
Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-
sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik


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des Staates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-
gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der
Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem
Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit
die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen s] Kreditgebung oder
Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,
während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-
ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich
infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.

Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die

Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-
über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-
sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-
leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-
tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn
wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus
allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,
dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.
Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,
denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren
zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie
die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese
alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches
aber sie gibt nur den anstoss zum Umfang der Produktion. Aus dieser
selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung


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der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-
lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-
jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-
schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-
fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven
Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-
zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-
genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-
schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-
heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-
schen Inhalt derselben. Mit der Postulierung der abstrakten Wert-
einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her 
eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen
und Formen dieser Lehre nach einer geordneten «klassischen Geld-
schöpfung» als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass
man auch hier die Zusammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-
kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-
gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,
bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen
die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch
quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-
net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen
alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in 
Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf
den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot


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und Nachfrage auf die Preise. In deren Höhe spiegelt sich der
eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber
auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem
Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit
in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender
Ausführung nach ganz deutlich werden.

Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während

des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem
System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen
doch jahrelang wirklichen Zustand als normal und als nicht wis-
senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-
charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und 
wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es
nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in 
den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,
kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der
Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das 
Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-
kommensvernichtung oder Konsumtion, – ein Geld von theoretischer
Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont
sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,
weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, – obwohl das ja
durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-
ziell so schien – sondern deshalb weil es nicht gebunden war
an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-


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lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-
schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande
gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so
hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit
auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall
desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-
tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-
tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem
Falle auch Gold hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-
re Frage ist die, ob nicht die Hoffnung auf Wiederherstellung
der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen
des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung
abgeschwächt hätte.

So kann der Nominalismus innerhalb seines Systems in ge-

rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht
wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,
sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss
hier der Metallismus weltfremde Kombinationen anstellen, um den 
Erscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und
zwar muss auch hier die subjektive Schätzung zurecht gebogen
werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.
Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt
in der Seele des Käufers einen Preis entstehen, der aber nicht
etwa [hand. gestrichen s] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst
die zweite Schätzung des Minderwerts des Papiergeldes gegenüber


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– 57 -


dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis
so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-
flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht
nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.
Wenn Diehl meint, der Staat müsse auch die Warenpreise fixieren,
wenn er wertloses [sic: vertippt S] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen
des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-
keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung
dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als
die letzte und modernste Erscheinung an der wir die Theorie proben
wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-
ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu
leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-
ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung
Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.
Das Pfund Sterling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell
zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend
weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die
gleiche Gütermenge mehr Gold zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–
ten wirklich ein Tausch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-
sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben
müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-
se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke
die natürliche Grenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern
auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gunsten gefor-


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dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–
lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr
gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-
listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: g statt f], demgegenüber
es aber dann eine Durchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes
bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,
Gold für industrielle Zwecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn
ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen
eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des
Krieges die Einlösung der Noten in Gold aufgehoben, ohne dass
allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-
zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -
sem Zeitraum denn noch Gold mit Opfern erworben hat, indem sie für
dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem
Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-
hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im 
Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja
der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser
letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,
dass er nur zu Kriegszeiten an die Oberfläche gelangt, ist
gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die
Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation
hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-
legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-
preis; – die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling


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als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.

So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-

tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-
sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,
haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-
terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-
derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-
tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme
nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen
ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.


Die

W a r e n w e r t t h e o r i e

des
G e l d e s .


Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,

das ist die insbesondere von Siegfried B u d g e vertretene
Funktionswert-oder Warenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben
wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige
ne Richtung in diesem Sinne verkörpert, sich vielmehr in den meis-
ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-
zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie
vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-
lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes


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– 60 –


Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in 
dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-
dende und das Unterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-
gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-
schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,
der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die
theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-
de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_
mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen
will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem
Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch
die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich
von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-
jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-
mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit
freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-
wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von 
der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite
aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Precsen] bewegt wird.
Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier
wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-
theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.

Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-

ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-
duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht


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auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und
durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf
nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des
Goldes, das ist sein statischer Konkurrenzpreis plus Schlagsatz,
sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des
Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,
die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-
aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-
titative, die Motive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage
nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene
statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber:, zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen also] starre Grössen, aus denen der objektive
Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus
das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen z]war
im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-
se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht
vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser
dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-
person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine
objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen
Bedingtheit des Goldes einmal als Ware und dann als Geld in der
Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-
lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser
Theorie, wie wir nun beim Papiergeld sehen werden, eine hervorragen-
de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher
Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante


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metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders
gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,
wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-
delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische
Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre
des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-
tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-
dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft
und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum
müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel – auch die Wertmaass-
funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die
Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des 
Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich
dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie
aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze
verwirklichen?

Da Papier – und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom

Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-
ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-
sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem
Monopo[übertippt c l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer
bestimmten bekannten Form, und Monopol in seiner relativen
Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die
allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Brauchbarkeit, Nützlichkeit
und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des


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Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.

Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch

und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kosten mit sich. Opfer
aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss
auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware
sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine
an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-
tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird
zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,
dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit
eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-
bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den
Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-
heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-
schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos
hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold
ist gleich M 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,
sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-
mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-
deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-
derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es
aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-
bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-
maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon
vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das


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– 65 -

im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-
nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-
währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen
Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des
Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,
die sog. Geldkernwährung.

Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen

die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen
Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-
theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache
gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen
unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die
folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.


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über Produktionskosten allgemein herrscht, die ja gerade beim
Golde dem einzelnen besonders ferne liegen müssen, – da aber
doch nur diese letzthin das Maass des Wertes bilden, – darum
sagen uns die mannigfachen Beziehungen zu anderen Wertdingen,
die eher wir nach ihrer Wertgrösse schätzen können, besseren
Bescheid über den wahren In[mit Schreibmaschine doppelt getippt: n]halt der Werteinheit. Wir müssten denn
in völliger Un[mit Schreibmaschine doppelt getippt: n]kenntnis des Marktes verharren, wenn wir bei jedem
Preise unsere Zuflucht beim Golde suchen müssten. Man mag ein-
wenden und behaupten, dass Gold die grösste Gewähr für Stabilität
biete, dass heisst nichts anderes [hand. ergänzt,] als in seinen Produktionskosten
sich nicht ändere [hand. ergänzt,] und wir wollen sogar dieser Fiktion über die
später noch mehr zu sagen sein wird, hier einmal zustimmen; den-
noch wäre dann immerhin noch zu prüfen, ob nicht alle anderen
Güter zusammengenommen uns sinnfälliger und deutlicherer Maass-
stab wären. Wir wollen dabei nicht vergessen, dass der Staat be-
strebt ist mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ein
Schwanken unmöglich zu machen und wir lassen des weiteren unbe-
rücksichtigt die neuen Momente, die sich für die Währung in ihrer
Bedeutung zu den anderen Valuten ergeben. Das sei aber nur aufge-
schoben. Vorläufig interessiert uns das Gold oder eiga[Schreibmaschine übertippt: e]ntlich
die Goldgrundlage im inneren Verkehr. Solange nur das Gold als
Tauschmittel im Umlauf ist, konnten wir immer noch streiten, ob
nicht in jedem einzelnen Fall auch wirklich das Gold die einzel-
nen Beziehungen durch Messung der absoluten [Hand. Werte] setze und vermittle;
wenn aber einmal das Gold notwendig immer mehr in den Hintergrund


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gedrängt wird, und die Wirtschaft ohne jegliche Störung und be-
denkenlos sogar stoffwertloses Papier in Empfang nimmt, dann ver-
liert diese dritte, nun überflüssig gewordene Messgrösse mehr
und mehr an Bedeutung. Wir haben ja schon erkannt, dass fast jede
Grösse in der Wirtschaft nun auch eine feste gworden [sic] ist, und
wo das nicht der Fall, wo Erfindungen Neuartiges geschöpft haben,
da haben diese Produkte so vielerlei Beziehungen zu anderen
Dingen, müssen sich anlehnen an so viel Gleichartiges, dass ihre
Preisgebung, ihre Einreichung in das weite Netz der Relationen
sicherlich auf diesem, nicht auf den in der Historienzurücklie-
gendem Weg des Abschätzens am Golde geschieht. Auch in unserer
Betrachtungsweise sind alle Tauschmittel nebeneinander gleich
berechtigt und in jedem Falle von gleichem Inhalt. Wäre die Ge-
sellschaft der Gleichen eine ewige Kategorie, dann wäre es uns
möglich, die Werteinheit als Ausdruck einer gewissen Arbeitszeit
zu analysieren und wir bräuchten in jedem einzelnen Falle nur zu
fragen, wieviel Zeit die Herstellung eines Produktes benötigte.
Die Zwischenschaltung des Schätzgutes liesse sich dann erübrigen.
Im Grunde genommen aber wäre das nur eine andere Auslegung, als
die, da wir die Werteinheit auf ein kostendes Gut stellen. Wir
setzen Oppenheimers Arbeitswerttheorie voraus und können es da-
her unterlassen, des näheren auszuführen, dass in der heutigen,
modernen Wirtschaft gleiche Geldpreise nicht auch gleiche Ar-
beitsmengen darstellen, wodurch unser Bild in jedem Falle getrübt
werden muss. Darum können wir auch keine einheitliche Messsgrösse


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mehr verwenden, sondern müssen zu diesem Gemisch von Arbeits-
zeit und Arbeitswert greifen. Was allen Gütern inne wohnt, worin
sie sich in ihrer Grösse von anderen unterscheiden, das ist das 
Maass des von ihnen verkörperten Arbeitswertes. Die gewonnenen
Verhältniszahlen benötigen des Ausdrucks, und dieser ist eine
immer gleiche Menge Arbeitswert, eine Grösse, die, wir wissen es
bereits, vom Staate irgendwann einmal willkürlich gesetzt wurde,
die zu berücksichtigen im ferneren Verlauf unnötig und sogar
unpraktisch wäre. Auch bei reiner Goldwährung mit Prägefreiheit
verschwindet die reale Befriedung, die das Gold verleiht, gegen-
über der zirkulatorischen Befriedigung, die allein das Rad der
Wirtschaft in Bewegung zu setzen vermag. Dass jeder gewonnene
Preis auch seine Beziehung zum Golde hat, ist eine nebensächli-
che Erscheinung; tiefster Inhalt der Werteinheit ist für uns ja
nicht ein Quantum Gold, eine Beziehungsetzung zu irgendeinem Gut,
sondern der Kern ist die möglicherweise reale, möglicherweise
aber auch nur gedankliche Darstellung und Vermittelung von Ar-
beitswerteinheiten, die, immer nur soweit wir uns im inneren Ver-
kehr bewegen, alle Güter in einer Linie der Gleichberechtigung
nebeneinander erscheinen lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines
ökonomisch wahren Preises – Preise sind Verhältniszahlen – wird
grösser, wenn wir ihn auf tausend gleich inhaltliche Dinge be-
ziehen, als wenn wir ihm nur eine Unterlage gewähren. Auch ohne
den modernen Begriff des heutigen Geldes müsste es uns möglich
sein, alle Güter auf gleiche Einheiten zu setzen, wenn wir sie


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zerlegen wollten in Einheiten von angewandter Arbeitsenergie.
Wie könnten wir es noch deutlicher werden lassen, dass das Geld
nicht das eigentliche Maass sein kann, sondern nur Ausdrucks-
mittel der auf der Zahl der Arbeitswerteinheuten [sic] basierten Rela-
tionen.Wenn wir sagen, alle Güter sind ein Teil oder Vielfaches
von einem Quantum Edelmetall, so sind wir in unserer Betrachtung
nicht bis zum Kern durchgedrungen.Wir müssen sage, die Güter sind
Teil oder Vielfaches von dem Arbeitsaufwand, den ein Edelmetall-
quantum zur Förderung beanspruchte. Arbeitsenergie ist eine ge-
dankliche Grösse, die uns messbar und vorstellbar erscheint,-
das sei als historische Notwendigkeit anerkannt – wenn wir sie
auf ein Gutsquantum, auf die vergegenständlichte Arbeit beziehen.
Die Relationen aber, welche die Wirtschaft zusammen schweissten,
die einzelnen Preise, die Additionen der verschiedenen Dienste
sind niemal in ihren Einzelposten Resultat des Vergleichs mit dem

Edelmetall, sondern Zusammenfügen von Arbeitswerteinheiten, die

nicht nur im Golde, sondern in all den vielen näher liegenden
Dingen uns vorstellbar werden. Wenn dann jeder einzelne Preis mit 
dem Goldwerte dennoch übereinstimmt, so ist das nichts verwunder-
liches und nicht, was denen recht geben müsste, die den Vergleich
am Golde verkünden; es ist vielmehr nur eine logische Folge, dass,
wenn tausend Relationen richtig sind, auch darunter die eine, auf
das Gold bezogene richtig sein muss.

Bisher galt unsere Betrachtung immer noch Zuständen

der Goldwährung, die im besonderen geeignet wäre, den Metallismus


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zu rechtfertigen. Nun wollen wir als erste Abstraktion annehmen,
der Staat ginde aus freiem Willen zur Papier-, zur freien Währung
über. Wir setzen voraus, es geschieht ohne jegliche Notwendigkeit,
allein aus theoretisch begründeter Bevorzugung des Papiergeldes,
wie denn überhaupt gleich hier erwähnt sein, dass die Betrachtung
der Geldverfassung unter dem Gesichtspunkt geordneter oder zer-
rütteter FInanzen eine falsche Verknüpfung bedeutet. In unserem
Falle zieht etwadder Staat seine Goldmünzen für gleich nominelle
Werte in Papier ein, im übrigen ver[gedruck h? überdruckt mit f]ahre er wie bisher und lasse
durch Kreierung von Bankgeld der Wirtschaft in gewissen Grenzen
freie Hand. Eine Namensänderung der Werteinheit findet ebenfalls
nicht statt.Und nun fragen wir, washhat sich durch diese staat-
lichen Massnahmen ökonomisch geändert? Der strenge Metallist wird
überhaupt kein Geld mehr sehen und vielleicht sagen, dass immer
noch das Gold das Wertmaass sei, auch wenn es entthront wurde. In
diesem Falle aber würde er nur zugeben, dass eine Grösse auch rein
gedanklich weiter zu wirken vermag, wie es die Nominalisten aller-
dings in anderer Anwendung für tatsächlich halten. Für uns dagegen
ist in jenem Falle nur eine Relation in Wegfall geraten, unzählige
andere bestehen weiter und die Werteinheit bleibt was sie war:
Arbeitswerteinheit von vielfach gebundener Grösse. Das Geld, die
staatliche Einrichtung zur Erleichterung des Verkehrs bleibt Trä-
ger, in diesem Falle stoffwertloser Träger von so bedeuteten Ein-
heiten. Nun allerdings schiebt sich die Frage der Geldschöpfung
und in deren Verfolg die Quantitätstheorie in den Vordergrund,


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obwohl dieses Problem eigentlich schon vorher bei der Ausein-
andersetzung mit der Goldwährung mit Teildeckung fällig wäre.
wir müssen uns hier der Kürze halber auf das Gesagte im Kapitel
vom Kreislauf der Wirtschaft stützen. Wie, fragen wir, gelangt das
Geld in den Verkehr, wie der einzelne in dessen Besitz? Wir
sprechen hier im Zeichen der Warenwerttheoretiker, wenn wir sagen,
sein Erwerb sei mit Opfern verbunden. Wir müssen füglich etwas
geleistet, müssen ein wirtschaftliches Gut hergestellt oder dazu
beigetragen haben, um des Geldbesitzes uns freuen zu können. Haben
wir das staatliche Geld im Auge, so können wir es begrifflich
bis auf die Geburtsstunde siner Zirkulation zurückverfolgen
und müssen dort auf eine Leistung stossen; nach uns setzt es sei-
ne Zirkulation fort,-die ewige Zirkulation ist seine Aufgabe und 
Funktion. Denken wir dagegen an das Bankgeld, so werden wir bei ihm
früher dem Ursprung begegnen, ebenfalls geboren aus einer Leistung,
aber in seiner Zirkulation als seiner Aufgabe gleichartig funkti_
onierend wie das staatliche Papiergeld. Nur ist hier die Zirku-
lation eine zeitlich beschränkte. Das ergibt sich aus dem Wesen
des Bankgeldes, die elastische Verlängerung des wegen seiner re-
lativ geringfügigen Mnge irrelevant bleibenden staatlichen
ewig kreisenden Geldes zu sein. Hahn hat dieses staatliche Geld
in der Literatur den eisernen Bestand der Wirtschaft genannt.
Soweit das Bankgeld, durch wirtschaftliche Berechtigung gedeckt,
neben dem staatlichen Papiergelde auftritt, müssen wir es als die-
sem durchaus gleichgestellt werten, wie denn ünerhaupt alle tech-


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nischen Möglichkeiten, Werteinheiten zu bewegen, die auf Grund von
Leitungen als individuelle Einkommen möglich werden könnten.
Zwar leistet das Geld, wenn die Güter innerhalb der Wirtschaft le-
diglich ihren Besitzer we[Schreibmaschine h übertippt mit c]hseln, auch eine Funktion in der Fähig-
keit, Werte auszudrücken und zu bewegen. Was wir aber jetzt im 
Gelde betrachten wollen, seine Gebundenheit an die Warenwelt, an
die Arbeitsleistung der [Schreibmaschine K übertippt mit V]olksgenossen und damit an die Einkommen,
das können wir nur finden an den Produktionsstätten der Güter, in 
deren Kalkulationen. Prüfen wir eine solche auf ihre Einzelgrös-
sen, so offenbart sie uns nur Arbeitswertgrössen. Rohstoffe und
Material lassen sin in ihrer Substanzzerlegung wiederum in 
jene teilen, Beheizung und bleuchtung [sic] lösen sich auf in Arbeits-
leistungen und Einkommen, Abschreibungen sind wiederum nichts
anderes als Arbeitswerte und Einkommen, die, wenn auch im einzel-
nen nicht jährlich sich kristallisieren und verzehren, doch in 
der Gesamtheit den Ausgleich finden. Steuern sind Abtretungen von
Arbeitserfolgen für die öffentliche Tätigkeit der Beamten zu
unser aller Nutzen
, Arbeitslohn und Gehälter, Profit, Rente, Unter-
nehmerlohn, Risikoprämien, – sie alle lassen sich ohne weiteren
Zwang als Arbeitsgrössen erkenntlich in die Kalkulation einfü-
gen. Das fertige Produkt ist eine Additionsgrösse aus Arbeitswer-
ten und damit gleichzeitig aus Einkommen, die im geld oder geld-
gleicher Form dafür zur Verteilung und zur Verfügung gelangen.
Mit dem Preis, einer Relation im Verhältnis zu anderen Preisen
auf Grund des Wertes der darin verkörperten Arbeitsenergie, sind


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ebenfalls die gleich fundierten Einzelbestandteile als Teile des
Gesamtpreises in ihrer Höhe stipuliert und haben ihren Ausdruck
in gleichen Wert -, in Arbeitswerteinheiten gefunden. Nicht im 
einzelnen wollen wir hier wieden [sic] den Mechanismus dieses Gesche-
hens in der Geldschöpfung mittels des Warenwechsels aufzählen.
Zeigen wollten wir hier nur wiederum die enge, ja sogar die kon-
gruent sich deckende Verknüpfung von bereits mit der Erzeugung
festgelegter Preisbildung mit dem Einzel- und Gesamteinkommen auf
Grund von Arbeitsleistung. Diese alle zusammengenommen ergeben
sowohl die Gesamtsummer der Warenpreise als auch die Gesamtsumme
der kauffähigen und kaufberechtigten Einkommen. Hierin decken wir
uns mit Schumpeters Einkommensgleichheit, die nichts anderes ist als
die, auf einer historisch gegebenen, praktisch und täglich unend-
lich mal gegebenen Arbeitswertmenge fin ssende [fussende?] Werteinheit. Selbst
wenn Hahn's Auffassung richtig ist, dass die Kreditgewährung von
aller Spartätigkeit unbeeinflusst der Produktion vorausgeht, so
wird doch dadurch nichts an dem Wesen der Einkommen verändert, Be-
standteil des Preises von Gütern zu sein, deren wir im gleichen
Werte, von gleich grosser Arbeitsverkörperung später auf dem Markt
wieder habhaft werden können, denn Hahn hat hier Kredit im Auge
in Form des Darlehenskredits, er bewegt sich also in der Sphäre
des Kreditverkehrs. Alles Bankgold aber, und hier stehen wir im
Kredit-Geldverkehr, gleichviel aus welchen theoretischen Ueber-
legungen heraus es ausgegeben wurde, muss mit den Gütern, die es
haben entstehen lassen und die nun durch die Weggabe der Einkom-


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men verzehrt sind, begrifflich seinen Lauf beschliessen, denn die-
ses Kreditgold ist das Beförderungsmittel [sic] des [undeutlich] modernen Waren-
verkehrs, unlösbar mit ihm verknüpft. Die Bindungen sind so streng,
dass wir ohne Schwierigkeit die geradezu verschwindende Bedeutung
erkennen können, die dem Gelde als solchen dabei zukommt. Das Opfer,

das wir dazu bringen, um das Geld zu erlangen, die Arbeit, die wir

dazu leisten, die gilt nicht dem Geldbesitz, die gilt dem Konsum der
übrigen Güter, welche andere für uns schufen, gleich wie wir in ar-
beitsteiliger Tätigkeit ihre Bedürfnisse mit befriedigen. Wesent-
lich ist nur, dass als [sic] Tätgikeit nach einem gleichen Maasse bewer-
tet wurde, damit die volkswirtschaftliche Gesamtverteilung, durch
den Geldverkehr bewerkstelligt, restlos aufgehen kann. Dabei ist
es nicht notwendig, dass jedes Gut genau seinen wahren, objektiven
Beschaffungswert erreicht – obwohl das dem Idealzustand gleich
käme, wenn dabei auch bei den Einzelaufwendungen das gleich
Gesetz den Verteilungsschlüssel abgäbe – aber innerhalb der gan-
zen Volkswirtschaft können wir es wohl gelten lassen, dass nur
die objektiven Werte im ganzen erzielt sein müssen und plus und 
minus zur geraden Mittellinie tendiert. Die Auspendelungen werden
wohl, soweit persönliche Machtpositionen in Frage kommen, immer nur
beschränkten Rahmen bleiben, da die Einkommen auf gegenseitige
Ausgleichung hinstreben. Darüber hinaus auch noch die Störungen,
durch das gesellschaftliche Monopol erzeugt, näher auszuführen,
würde uns zu weit abführen.

Das gleiche Messgerät zu finden, dazu ist, das sei immer

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wieder betont, weil es den Kern der vorgetragenen Auffassung wieder-
gibt [vertippt], nicht ein Vergleich am Golde nötig; der würde selbst die gröss
ten Schwankungen im Gefolge haben. Notwendig dagegen ist das Zerle-
gen der Güter in Arbeitswerteinheiten, für deren Grösse wir so vie-
le Anhaltspunkte haben, als es nur Güter und Dienste in einem Lande
gibt. [vertippt] Bei so geordneter Bankgeldschöpfung, und diese fordert ja auch
die Warenwerttheorie, müssen wir beim Gelde immer nach der Kaufkraft
fragen, müssen diese nicht als Ergebnis eines Austauscheyperiments [sic]
zwischen Geld und Ware betrachten. In diesem Falle ist vielmehr die
Kaufkraft des Geldes schon fest fixiert, mit der Entstehung der Gü-
ter. Sie sit die logische Folge, dass Geld in diesem weiten Sinne,
welches Einkommen verkörpert, sich in der Höhe der Werteinheiten
begrifflich deckt mit der Höhe aller Güterpreise, denn beide sind
nur verschiedenartige Zusammenfaltungen der aufgewandten Arbeits-
wertmengen und Einheiten. Da ist kein quantitätstheoretisches Aus-
schwingen, kein Endresultat, das uns den Geldwert mitteilt, mehr
vonnöten. Die Werteinheit hat einen ökonomischen Inhalt, soweit
sie Einkommen ist, soweit sie nicht nur eine gedankliche Vorstel-
lung bleibt, die wir wohl überall anlegen können, die aber wirt-
schaftlich nicht wirksam und darum nicht zu berücksichtigen ist.
Wir können den realen Inhalt jeder dieser Einkommenswerteinheiten
suchen in irgendeinem Gut oder wir können sie zusammenfassen als
das Extrakt aus der gesamten Güterwelt. In jedem Falle werden wir
mit einer gleichen Grösse zu rechnen haben, eben dieser, die sich
deckt mit der unserer Werteinheit zu grundegelegten Arbeitswert-


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menge. Einen derart abgeleiteten Wert wollen wir der Werteinheit
in der Geldform nicht abstreiten; – das aber wird wohl nicht einmal
ein Nominalismus unternehmen wollen. Was uns von der Darlegung
der Warenwerttheorie unterschiedet, ist der Umstand, dass wir im 
Gelde keine selbständige mit den anderen Gütern gleich berechtig-
te Ware erkennen wollen. Alle Güter haben einen objektiven Be-
schaffungswert; das Geld nur einen davon abgeleiteten Wert. Die
Frage nach der Angemessenheit des Preises ist darum auch nicht
ein Abschätzen des Warenwertes am Geldwert, der losgelöst nur ein
Schatten, nichts als ein Schemen ist, mit dem wir in der Vorstellung
keine objektiv messbare Grösse verbinden können, sondern ist ein
Abschätzen an den Beschaffungskosten von vielen ähnlichen Dingen;
wir vergleichen die Arbeitsleistungen gleich – und verschiedenar-
tiger Dinge mit einander. Die Frage, warum für ein bestimmtes Gut
eine bestimmte Geldsumme bezahlt wird, ahben wir ja bereits da be-
leuchtet, wo wir die Parallelität der Entstehung von Ware mit Geld
in Form von Einkommen erwähnten. Wenigstens gilt das für eine sta-
bile Papierwährung, wie wir sie hier schildern. Das allerdings ist
richtig, dass zwei Grössen nicht in einem relativen Verhältnis zu
einander stehen können, ohne als absolute Grössen vorhanden zu sein.
Auf die Geldverfassung aber ist dieser Satz nur anwendbar bei Gold-
währung mit ausschliesslichem Goldumlaug [sic]. Nur in diesem Falle ist
das Gold eine solche absolute Grösse, die Relationen auf seinen
objektiven Wert zulässt. Späterhin aber ist das Geld nur der Kreu-
zungspunkt alle dieser Relationen, etwas ausserhalb Stehendes und


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nicht mehr gar der Pol, auf den alle Glieder, um mobil zu werden,
hinstreben. Das Geld ist nur etwas mit den Relationen Gleichna-
miges. Während die Werteineheit als Arbeitswertmenge bei den Gütern
das Inhaltliche Bedeutet, ist sie beim Gelde nur praktisch teil-
bares Bewegungsmittel und hat nur Wert im Hinblick auf ein Gut
und das auch nur deshalb, weil die arbeitsteilige Verkehrswirt-
schaft Mittel ersinnen musste, um auch hier Tauschhandlungen zu
ermöglichen und durch das staatlich gesetzte Tauschmittel dem 
Geldverkehr ordnungsgemässe Bahnen zuwies. Für uns ist die Wert-
einheit keine beziehungslose, abstrakte Grösse, sondern eine Ar-
beitswertgrösse, die sich in jedem Augenblick an ein bestimmtes Gut
und an eine bestimmte Menge davon binden lässt, die uns aber nicht
deutlich wird bei der losgelösten Geldbetrachtung, sondern nur im 
Bereiche der Güterwelt. Was bestimmt denn die Höhe eines Güterwer-
tes? Ist es wirklich eine Teilgrösse der Ware Geld, die uns wert-
mass sein soll für alle übrige Ware, die aber doch in ihrer ob-
jektiven Wertlosigkeit besonders beim [übertippt i] Monopolgeld der Warenwert-
theorie uns nur einen recht verschwommenen Wertmasstab bieten
kann für wirklich reale Güter, die, das ist doch die Grundregel
jeder objektiven Werttheorie, ihren Wert nur haben kann aus Menge
und Wert der aufgewandten Arbeit? Ist jenes Geld wirklich Wert-
maass, so vergleichen wir wildlich gesehen ungleichwertiges mit
einander, wo um uns reale Messwerkzeuge in Hülle und Fülle stehen.
Maass der Werte ist von allen Angebinn an die Arbeit und nur


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dadurch, dass wir historisch die ganz bestimmte Beschaffungsar-
beit eines Gutes zu Grunde legten, und der Staat ihr dann einen
Namen gab, dadurch entstanden aus den und zugleich mit dem Maass
der Werte, auch die Preise. Nicht das Gut an sich ist das Wert-
maass, sondern die angewandte Beschaffungsarbeit des Gutes und 
nur weil, ausser in der Gesellschaft der Gleichen eine losgelöste
Arbeitseinheit nicht bestehen kann, darum musste eine Basierung
zu einem Gute proklamiert werden. So tritt denn auch der ökonomi-
sche, reine, objektive Wert eines Gutes, das wirkliche Maass der an-
gewandten Arbeitsenergien nicht mehr in Erscheinung; der ökono-
misch reine Wert erhält in der Wirtschaft keinen Ausdruck mehr.
wir wissen, dass Kräfteverschiebungen in der verschiedensten Rich-
tung es uns nicht mehr gestatten, von Arbeitsmenge zu sprechen,
sondern als ein Korrektposten dazu diesen mit dem Arbeitswert und
den nicht nur im Hinblick auf die Qualifikation, sonder beson-
ders in Erwägung der gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse
zu verknüpfen. Wenn wir sagen, Preise sind nur anderer Name und
Ausdruck für Werte, so haben wir jene verschobenen Werte, die Tausch

werte im Auge. Das Geld kann nur wertmaass sein, insofern es auf
Werteinheiten lautet und Werteinheit nur als eine andere Bezeich-

nung für eine gewisse Arbeitsmenge zu[b]gelten hat hat. Das Geld als
das körperliche Zahlungsmittel kann auch nicht das Wertmaass sein,
weil es auch nur einen Teil des konsumberechtigten Einkommens
darstellt und weil, wenn wir definieren wollten, im Austausch von
Geld gegen Ware ergibt sich die Kaufkraft oder der Wert des Gel-


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des, wir dann nicht berücksichtigen den wohl grössten Teil des
wirtschaftlich wirksamen, wenn auch nicht chartalen Geldes, das
Kaufkräfte in eminenten Maasse vergegenwärtigt. Das wurde im
Kreislauf der Wirtschaft dargetan, dass die Quantitätstheorie
nur in jenem weiten Sinne verstanden werden muss. Als Einzelgrös-
se sagt das chartale Geld gar nichts und das " Geld " in der
Gesamtgrösse der gesamten Einkommen ist uns nicht bekannt und
tritt uns, wenn wir die Kaufkraft als Resultat des Tauschens an-
sehen wollen, immer nur erst dann gegenüber, wenn diese wirt-
schaftlichen Handlungen der Vergangenheit angehören und ihrer-
seits vom Resultat ja nicht mehr beeinflusst werden können. Da-
mit wollen wir sagen, dass wir das Geld als Wertmaass scheinbar
benützen können, aber eben nur im Hinblick darauf, dass die Geld-
politik bestrebt ist, das Geld in der nominellen Höhe mit der
Güterproduktion und deren Preishöhe zu verknüpfen. Darum aber
kann auch die [übertippt P]reishöhe keine Grösse sein, die durch Abschätzung
am Golde gewonnen wird, sondern die, die wir aus Zusammenfügen von
Arbeitswertgrössen gewinnen, wie sie uns historisch einmal im
Gelde, dann in der Wirtschaft mannigfaltig und somit auch in un-
serer Vorstellung gegeben sind. In der Erklärung, ein bestimmtes
Gut sei drei Mark wert, ist in gewissem Sinne doch auch ein ob-
jektiver Wert ausgedrückt, da wir uns jederzeit den Warengehalt,
wie Arbeitsenergie zur Erstattung des dritten Teil eines solchen
G[übertippt u]tes, die Arbeitsmenge, die wir eine Mark nennen, vorstellen können
Wissen wir noch dazu, dass dies und jenes auch eine Mark kostet,


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dann wird in uns das Gefüh[übertippt ö mit l] der Wertgrösse von einer Mark so
gefestigt, dass wir Auspendelungen meist sofort erkennen und für
Korrektur Sorge tragen. Auf solche Art wird uns deutlich, ob ein 
Preis hoch oder niedrig sei, denn im Verhältnis der Preise zu ein-
ander ist uns auch mittelbar Aufschluss über deren absolute Höhen
gegeben. Das Problem erhält seine Spitze in der Frage, ob zur Ein-
reihung eines Gutes in das Netz der Relationen das Geld als Wert-
maass notwendig ist oder nicht. Dass ursprünglich ein Gut als
Mittelpunkt der Beziehungen zu deren Gewinnung nötig war, ist von
jeder Richtung anerkannt. Wir betrachten hier den besonderen Fall
der stabilen Papiergeld-Monopolwährung. Sei das neue Produkt ein
Erzeugnis der Metall- oder der Textilbranche; zuerst muss es sich
einmal anlehnen an die vorhandenen gleichartigen Erzeugnisse der
Konkurrenz, und der Preisspielraum ist dadurch schon bedeutend
eingeschränkt. Der Produzent muss zu Grunde legen seine Herstel-
lungskosten, und die Grrenze wird um ein weiteres enger werden. Im
ganzen können wir sagen, dass da zu einem Vergleich und Abschätzen
am Gelde wenig Raum mehr bleiben dürfte und das, wie wir gesehen
haben darum, weil die Bindungen an die übrigen Güter und die wirt-
schaftliche Verpflichtung in der Frage des Arbeitslohnes, der
Steuern, der Versicherungen usw. so enge sind, dass sie den Preis,
die Relation zu den anderen Gütern gebieterisch vorschreiben.
In allen anderen Gütern verkörpert sich in jedem Falle eine be-
stimmte Arbeitswertmenge, und diese bleibt auch das Wertmaass und 
ergibt den Preis für alle neu hinzutretenden Güter. Das Geld kann


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nur scheinbar Wert-und Preismaass werden, wenn wir, immer nur die
entwickelte Wirtschaft betrachtet, die Reflexerscheinung, die die
Güterwerte uns im Gelde zeigt und eine iegene [sic] Grösse daraus formt,
als das Primäre hinnehmen. Wir gehen dann scheinbar unseren Weg
von Bekanntem zu Unbekanntem, während wir in Wahrheit nur bereits
alte Pfade zum Ursprung zurückverfolgen. Sind wir zu der Ueberzeu-
gung gelangt, dass jedes neue Gut, – die alten haben ihre Relationen
in historischer Entwicklung erhalten, -in das Netz der Relationen
eingefügt wurde, noch ehedem es als Ganzes zum Gelde in Beziehung
gebracht wurde, dann dürften wir auch nach der Ansicht der Waren-
werttheoretiker sogar die rein abstrakte Werteinheit gelten las-
sen; für uns aber ist die Werteinheit sogar etwas Gebundenes, nicht
nur einmal, sondern unendlich mal und bedeutet in dieser Vielheit
der Bindungen doch immer nur ein und dieselbe Grösse, nämlich eine
bestimmte Arbeitsmenge, die wir als Einheit allen Gütern und allen
Diensten in der Relation auf gegebene, bekannte Dinge als Maass zu
Grunde legten. Wir sagten schon einmal, dass wir uns mit Schumpeters
Einkommenseinheit eng berühren, insofern auch wir der Menge des
chartalen Geldes keine Wichtigkeit zuerkennen gegenüber der wirk-
lichen und wirksamen Geldsumme, die als Einkommen in der Wirt-
schaft erscheint. Einkommen entsteht aus Leistungen, Güter setzen
sich zusammen aus Leistungen; werden Güterpreise und Einkommens-
höhe in ihrer Reduktion auf Arbeitsleistungen verknüpft, so können
wir der Anweisungstheorie Schumpeters zustimmen. Budge kritisiert
nun den bekannten Billetvergleich Schumpeters und sagt, dass wir


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beim Billet schon die Gegenleistung in der genauen Menge in der
Vorstellung schin [sic] fest in Händen haben, während beim Gelde erst
n[übertippt i mit o]ch die Preisbildung in Frage kommt. Wir können in Anlehnung
an all das von uns Gesagte hier ohne weiteres erklären, dass nach
unserer Auffassung ein Preiskampt kaum mehr zu stande kommen kann,
und solange wir stabile Währung haben, wir dann auch im Einkommen
die Gegenleistung aus dargetanen Gründen fest in Händen haben.
Wenn Budge des weiteren meint, dass wir die Verfügung über einen
Platz im Theater nicht durch ein Billet, sondern durch die Zahlung
des Preises erhalten, so können wir das dahin auslegen, dass wir
die Verfügung über die wirtschaftlichen Güter auch nicht direkt
durch das Geld – das Billet – sondern durch die Arbeitsleistung,
der wir den Billetbesitz verdanken, zugesprochen erhalten. Ist
beim Billettvergleich der Tausch nicht Billet – Vorstellung; son-
dern Billettkauf – Vorstellung, so ist der Tausch wirtschaftlich
betrachtet auch nicht Geldhingabe – Güterempfang, sondern Gelder-
werb, d.i.Leistung – Güterempfang.

Der Vollständigkeit halber wäre noch kurz zu betrachten

die Erscheinung der unstabilen Währung, der Zustände, wie wir sie
zu Kriegsausgang und in der Nachkriegszeit kennen lernen mussten.
Wir wollen kurz fragen: Was [sic: War?] es hier so, dass die Preise zustande
kamen auf Grund der Schätzung von Gütern gegen Geld? Dazu wäre
notwendig gewesen, dass wir uns eine klare Vorstellung vom Werte
des Geldes fast in jedem Augenblicke hätten bilden können und
hätten neu bilden müssen. Es war eine Vielheit von Beziehungen


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die hier auf die Preise wirksam wurden. Wenn wir später von der
unstabilen Währung sprechen, werden sich diese Punkte im einzelnen
heruasschälen [sic]. Ohne weiteres deutlich aber ist uns, dass ein Geld,
das täglich anderen Wert im Sinne veränderter Kaufkraft repräsen-
tiert, keinen Anspruch als Wertmesser der übrigen Güter erheben
kann. Solange wir in unserer eigenen Währung der Papiermark rechne-
ten, hatten wir in ihr keinerlei Anhaltspunkte einer Wertgrösse;
erst später, da wir uns auf ausländische Währungen bezogen und
die Papiermark täglich neu un Beziehung zu jenen setzten, sodass
sie eigentlich nichts anderes mehr bedeutet als eine ausländische
Währung, erst da konnten wir wieder eine Wertvorstellung mit dem
Gelde verbinden, die aber von so vielen anderen Momenten, wie Spe-
kulation usw. durchsetzbar, dass uns der so abgeleitete Wert der
Papiermark kein auch nur annähernd wirkliches Bild der inneren
Kaufkraft der Mark, die maassgebend sein müsste, bieten konnte.
In Wahrheit haben wir unsere Preise doch nicht nach dem Geldwerte
gesetzt, sondern wiederum in der Beziehung zu anderen Gütern. Wir
wussten, dass ein Produkt x Schweizer Franken kostet und lasen im
Kursblatte, dass ein Schweizer Franken so und so viele Papiermark
notiere. Wir rechneten täglich um und fixierten den Preis nicht
in Beziehung zum Geldwerte, sondern zu einem anderen Gut. Die Papier-
marksumme, die wir errechneten, sagte uns über den Wert auch nicht
das Geringste aus.

Und bevor diese Entwicklung statte hatte, etwa zu Ende des

Krieges, wie war es da? Wir sahen, dass andere Produkte, vor allem


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solche, auf die sich die Nachfrage besonders stürzte, aus diesen
natürlichen Gründen der erhöhten Nachfrage im Preise stiegen.
Die Relationen, die meist wie etwas Ewiges in den bleibenden Pro-
duktionskosten gegeben waren, strebten danach, auch auf der erhöhten
Grundlage jene alte Verhältnismässigkeit wieder einzunehmen. Diese
gesunde Tendenz aber wurde auf der Gegenseite durch die Freiheit
und Ungebundenheit der Einkommen gestört. Das war der Grund des
wahren Wettrennens der Preise. Manches wird im Abschnitt der Infla-
tion darüber noch zu sagen sein. Hier galt es norläufig [sic] nur zu zei-
gen, dass niemals das Gold Masstab der Preise sein konnte.

Das hoffen wir, ist uns in jedem Falle geglückt. Zur weite-

teren Festigung unserer Anschauung werden wir im Folgenden staat –
liche Geldwesen mit den verschiedensten Währungen untersuchen,
nicht derart, dass eine aus der anderen hervorgeht und in ihr die
historische Stütze findet, sondern wir wollen jede Währung gewis-
sermassen neu begründen und aus diese Betrachtung die Möglichkeit
oder Unmöglichkeit einer Währungsreform zu gewinnen suchen.


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