Versionsunterschiede von Wesen Und Inhalt Der Werteinheit / II




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7   Die W e r t e i n h e i t ist ein A r b e i t s w e r t -
8          q u a n t u m .
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10  
11  
12        Der Begriff Werteinheit ist nicht beschränkt auf
13   Zahlungs- oder Tauschmittel, hier wird er nur zum bewegenden
14   Motor, in der ganzen Wirtschaft aber haucht er materiellen und
15   indellen Dingen erst das Leben ein und lässt sie und sinnfällig
16   erscheinen. Ein Etwas also muss im Wesen dieser Werteinheit ver-
17   borgen liegen, etwas Ueberstaatliches, alle Kulturepochen Ueber-
18   dauerndes, etwas in jeder Geldverfassung Erhabenes, der Ausdruck
19   und Widerschein eines ewigen Naturgesetzes, dem wir nicht ent_
20   rinnen können.
21        Als solches stellen wir hin die Bestimmungsgründe des
22   Wertes [hand. ergänzt ,] und wir stehen rückhaltlos auf dem Boden der objektiven
23   Wertlehre, wonach wir einstweilen nur [hand. durchgestrichen --in-- und hand. darüber bei] Betrachtung der reinen
24   Oekonomie [hand. ergänzt ,] bei wirtschaftlichen Gütern nur Maass und Energie der
25   angewandten Arbeit [hand. ergänzt ,] uns Aufschluss über die Höhe des Wertes zu
26   geben vermag. Welche Variante wir dann innerhalb der objektiven
27   Wertlehre wählen wollen, ob Arbeitsmengen, Arbeitszeit oder Ar-
28   beitswerttheorie ist erstvwieder eine Uvvnvvterfrage, denn eben in
29   der Reinheit der Oekonomik, in der Urform der Gesellschaft der
30   Gleichen fallen diese drei Richtungen in ihrem Enderfolg, der
31   verkörperten Arbeitsmengen [hand. ergänzt ,] noch zusammen. Der von Oppenheimer
32   entwickelten Arbeitswerttheorie ist, da sie auch der modernsten
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43   Entwicklung in der Berücksichtigung der immer schäfer sich aus-
44   prägenden Qualifikation und der sich zum sträksten [sic] Machtfakto-
45   ren entwickelnden Monopolen persönlicher und gesellschaftlicher
46   Art gerecht wird, der Vorrang einzuräumen; ganz besonders auch
47   deshalb, weil sie bei der Betrachtung der Dienste, wo nicht der
48   schlechtest Qualifizierte, wie bei den Gütern der Ungünstigst
49   vvpvvroduzierenden den Preis bestimmt, in der Verquickung von Ar-
50   beitszeit und -wert die Uvvnvvstimmigkeit der reinen Arbeitsmengen-
51   oder Arbeitszeittheorie ausschaltet. In der Gesellschaft der
52   Gleichen, in der vorgeldlichen Zeit ist besonders deutlich,
53   dass die Aufwandmöglichkeit bei gleich aufgewandter Arbeits-
54   zeit und gleicher Qualifikation, so verschieden jene auch unter
55   einander sein mögen, vom nationalökonomischen Standpunkt als
56   intersubjektiv gleich anzusehen ist. Die angewandte Arbeit hat
57   in jedem verschiedenen Fall doch gleiche Werte erzeugt, denn
58   wäre das nicht der Fall, dann wäre das minder geschätzte Ein-
59   kommen, dargestellt in einer Gütermenge, durch das höhere substi-
60   tuiert worden. Wenn der vorwirtschaftliche Mensch, um unser altes
61   Beispiel anzuführen, in gleicher Zeit entweder eine Tonschale
62   oder einen Korb herstellen kann, so müssen diese beiden Dinge
63   naturnotwendig gleichen Wert haben, und zwar ist es hier noch in
64   Reinheit die Arbeitsleistung einer bestimmten Zeit. Wenn nun
65   beispielsweise der Goldsucher oder Goldgräber in einer bestimm-
66   ten Zeit eine Menge von X g Gold erwirbt, so müssen, immer noch
67   die Gesellschaft der Gleichen vorausgesetzt, diese X g Gold
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78   intersubjektiv gleich sein der jeweils erzeugten Gütermenge an-
79   derer Berufstätigkeit. Ivvnvv Wvvavvhrheit wird sich gerade in jener
80   Zeit die Arbeit den verschiedensten Beschaffungen je nach wech-
81   selndem Bedarfe zugewandt haben . Aber auch jener Umstand kann
82   das Bild nicht trüben, dass doch auch im vereinzelten Falle die
83   Beziehungen der aufgewendeten Arbeitsmengen verbindend zwischen
84   allen Gütern stehen. Wird die Berufsgliederung stärker, der Tausch
85   allgemeiner und erhält so ein Gut eine Sonderstellung als das
86   allgemein beliebte Tauschgut, so gebe ich nur ein Erzeugnis meiner
87   Arbeitskraft, die in Hvvivvnsicht eines ganz bestimmten Bedarfes aufge-
88     wandt wurde, hingegen die Verkörperung anderer Arbeitskraft, die,
89   weil in allgemeiner Gvvuvvnst steht, mit wiederum ohne Schwierigkeit
90   Gelegenheit zu weiterem Tvvavvusche bietet und mir die Wege zu allen
91   Erzeugnissen ebnet. Es tauschen sich gleiche Werte, gemessen an der
92   Arbeitszeit. Tritt nun der Staat in Aktion und verkündet er, dass
93   hinfort ein Pfund Gold gleich 1395 Werteinheiten gelten sollen,
94   so ist damit am ökonomischen Geschehen natürlich nicht das mindes-
95   te geändert worden. Nvvuvvr stärker prägen sich jetzt die Geldpreise
96   vorher noch Ausdrücke in Gewichtmengen Gold und ursprünglich nur
97   g[hand. drüber e?]egen-einandersetzten absoluter Werte, Preise von Fall zu Fall, wenn
98   wir sie so nennen wollen, in ihrer Relativität aus. Der im Jahre,
99   nach Abzug seiner Unkosten X g Gold fördert und laut staatlicher
100   Kreierung dadurch ein Einkommen von Werteinheiten geniesst ist
101   gleich gestellt mit dem, der im Jahr 100 Tonschalen oder 150 Körbe
102   fertigt und für diese dann den Preis von a Werteinheiten geteilt
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107   ===II. Der Kreislauf der Wirtschaft; Einkommensbildung und Güterverteilung.===
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604 501 aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-
605 502 onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.
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641 539      Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein
642 540 muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-
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676 574 Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,
677 575 dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-
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711 609 äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung
712 610 und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-
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747 645 darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe
748 646 von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier
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783 681 Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung
784 682 zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-
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818 716 der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde
819 717 Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander
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854 752 kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse
855 753 sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich
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890 788 austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen
891 789 wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution
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913   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach
914   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den
915    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-
916   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit
917   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert
918   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-
919   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad
920   erhoffen liessen.
921        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache
922   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die
923   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu
924   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu
925   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;
926   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-
927   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine
928   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.
929  
930        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs
931   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie
932   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den
933   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-
934   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die
935   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-
936   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden
937   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.
938   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei
939   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-
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952   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
953   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
954   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
955   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
956   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
957   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
958   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
959   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
960   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
961   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
962   ten.  
963    
964        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
965   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
966   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
967   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
968   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
969   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
970   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
971   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
972   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
973   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
974   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
975   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
976   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
977   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
978   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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990    
991   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
992   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
993   von Edelmetallen.  
994        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
995   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
996   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
997   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
998   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
999   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
1000   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
1001   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
1002   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
1003   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
1004   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
1005   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
1006   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
1007   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
1008   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
1009   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
1010   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
1011   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
1012   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
1013   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
1014   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
1015   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
1016   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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1029   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
1030   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
1031   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
1032   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
1033   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
1034   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
1035   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
1036   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
1037   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
1038   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
1039   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
1040   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
1041   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
1042   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
1043   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
1044   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
1045   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
1046   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
1047   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
1048   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
1049   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
1050   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
1051   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
1052   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
1053   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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1066   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
1067   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
1068   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
1069   stanz in sich birgt.  
1070        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
1071   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
1072   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
1073   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
1074   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
1075   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
1076   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
1077   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
1078   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
1079   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
1080   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
1081   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
1082   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
1083   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
1084   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
1085   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
1086   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
1087   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
1088   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
1089   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
1090   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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1103   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
1104        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
1105   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
1106   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
1107   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
1108   erhalten.  
1109        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
1110   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
1111   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
1112   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
1113   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
1114   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
1115   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
1116   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
1117   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
1118   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
1119        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
1120   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
1121   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
1122   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
1123   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
1124   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
1125   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
1126   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
1127   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
1128   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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1141   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
1142        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
1143   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
1144   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
1145   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
1146   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
1147   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
1148   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
1149   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
1150   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
1151   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
1152   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
1153   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
1154   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
1155   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
1156   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
1157   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
1158   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
1159   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
1160   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
1161   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
1162   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
1163   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
1164   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
1165   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
1166   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
1167   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
1168   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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1181   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
1182   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
1183   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
1184   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
1185   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
1186   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
1187   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
1188   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
1189   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
1190   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
1191   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
1192   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
1193   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
1194   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
1195   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
1196   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
1197        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
1198   lautete:  
1199   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
1200   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
1201   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
1202   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
1203   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
1204   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
1205   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
1206   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
1207   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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1220   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
1221   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
1222        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
1223   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
1224   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
1225   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
1226   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
1227   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
1228   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
1229   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
1230   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
1231   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
1232   mal des Geldes bedeutete.  
1233        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
1234   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
1235   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
1236   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
1237   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
1238   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
1239   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
1240   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
1241   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
1242   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
1243   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
1244   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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1257   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
1258   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
1259   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
1260   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
1261   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
1262   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
1263   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
1264   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
1265        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
1266   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
1267   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
1268   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
1269   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
1270   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
1271   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
1272   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
1273   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
1274   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
1275   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
1276   noch genügend zu lösen übrig.  
1277          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
1278   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
1279   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
1280   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
1281   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
1282   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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1295   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
1296   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
1297   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
1298   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
1299   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
1300   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
1301   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
1302   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
1303   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
1304   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
1305   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
1306     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
1307   Entwicklung zu skizzieren.  
1308       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
1309   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
1310   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
1311   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
1312   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
1313   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
1314   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
1315   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
1316   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
1317   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
1318   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
1319   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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1332   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
1333   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
1334   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
1335   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
1336   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
1337   sich üner den Stoff erhebt.  
1338        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
1339   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
1340   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
1341   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
1342   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
1343   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
1344   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
1345   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
1346   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
1347   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
1348   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
1349   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
1350   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
1351   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
1352   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
1353   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
1354   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
1355   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
1356   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
1357   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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1370   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
1371   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
1372   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
1373   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
1374   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
1375   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
1376   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
1377   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
1378   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
1379   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
1380   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
1381   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
1382   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
1383   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
1384   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
1385   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
1386   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
1387   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
1388   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
1389   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
1390   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
1391   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
1392   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
1393   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
1394   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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1407   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
1408   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
1409   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
1410   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
1411   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
1412   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
1413   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
1414   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
1415   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
1416   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
1417   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
1418   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
1419        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
1420   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
1421   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
1422   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
1423   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
1424   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
1425   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
1426   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
1427   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
1428   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
1429   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
1430   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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1443   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
1444   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
1445   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
1446   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
1447   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
1448   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
1449   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
1450   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
1451   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
1452   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
1453   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
1454   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
1455   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
1456   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
1457   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
1458   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
1459   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
1460        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
1461   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
1462   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
1463   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
1464   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
1465   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
1466   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
1467   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
1468   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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1481   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
1482   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
1483   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
1484   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
1485   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
1486   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
1487   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
1488   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
1489   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
1490   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
1491   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
1492   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
1493   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
1494   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
1495   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
1496   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
1497   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
1498   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
1499   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
1500   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
1501   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
1502   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
1503   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
1504   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
1505   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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1518   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
1519   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
1520   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
1521   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
1522   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
1523   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
1524   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
1525   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
1526   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
1527   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
1528   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
1529   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
1530   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
1531   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
1532   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
1533   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
1534   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
1535   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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1553        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
1554    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
1555    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
1556    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
1557   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
1558   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
1559   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
1560   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
1561   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
1562   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
1563   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
1564   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
1565   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
1566   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
1567   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
1568   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
1569   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
1570   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
1571   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
1572        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
1573   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
1574   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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1587        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
1588   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
1589   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
1590   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
1591   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
1592   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
1593   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
1594   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
1595   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
1596        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
1597   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
1598   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
1599   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
1600   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
1601   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
1602   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
1603   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
1604   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
1605   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
1606   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
1607   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
1608   setzend.  
1609        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
1610   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
1611   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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1629        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
1630    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
1631    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
1632    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
1633   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
1634   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
1635   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
1636   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
1637   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
1638   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
1639   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
1640   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
1641   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
1642   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
1643   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
1644   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
1645   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
1646   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
1647   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
1648        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
1649   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
1650   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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1663   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
1664   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
1665   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
1666   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
1667   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
1668   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
1669   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
1670   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
1671   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
1672   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
1673   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
1674   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
1675   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
1676   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
1677   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
1678   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
1679   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
1680   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
1681   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
1682   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
1683   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
1684   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
1685   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
1686   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
1687   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
1688   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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1701   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
1702   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
1703   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
1704   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
1705   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
1706   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
1707   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
1708   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
1709   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
1710   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
1711   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
1712   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
1713   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
1714   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
1715   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
1716   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
1717   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
1718   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
1719   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
1720   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
1721   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
1722   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
1723   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
1724   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
1725   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
1726   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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1739   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
1740   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
1741   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
1742   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
1743   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
1744   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
1745   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
1746   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
1747   chen werden.  
1748        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
1749   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
1750   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
1751   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
1752   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
1753   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
1754   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
1755   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
1756   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
1757   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
1758        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
1759   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
1760   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
1761   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
1762   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
1763   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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1773    
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1776   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
1777   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
1778   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
1779   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
1780   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
1781   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
1782   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
1783   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
1784   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
1785   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
1786   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
1787   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
1788   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
1789   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
1790   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
1791   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
1792    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
1793   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
1794   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
1795   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
1796        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
1797   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
1798        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
1799   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
1800   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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1813   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
1814   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
1815   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
1816    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
1817   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
1818   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
1819   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
1820   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
1821   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
1822   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
1823   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
1824   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
1825   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
1826   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
1827   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
1828   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
1829   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
1830   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
1831   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
1832   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
1833   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
1834   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
1835   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
1836   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
1837   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
1838   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
1839   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
1840   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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1853   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
1854   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
1855   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
1856   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
1857   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
1858   ersteren gelangt ist.""  
1859                    Soweit Schumpeter.  
1860        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
1861   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
1862   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
1863   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
1864   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
1865   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
1866   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
1867   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
1868   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
1869   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
1870   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
1871   dem Wesen nach eine Krise.  
1872        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
1873   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
1874   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
1875   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
1876   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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1889   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
1890   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
1891   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
1892   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
1893   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
1894   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
1895   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
1896   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
1897   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
1898   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
1899   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
1900    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
1901   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
1902   ders der Diskontopolitik.  
1903        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
1904   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
1905   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
1906   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
1907   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
1908   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
1909   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
1910   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
1911   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
1912   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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1926   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
1927   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
1928   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
1929   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
1930   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
1931   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
1932   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
1933   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
1934   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
1935    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
1936   ist das Einkommen der Nation.  
1937        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
1938   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
1939   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
1940   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
1941   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
1942   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
1943   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
1944   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
1945   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
1946   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
1947   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
1948   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
1949   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
1950   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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1964   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
1965   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
1966   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
1967   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
1968   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
1969   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
1970   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
1971   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
1972   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
1973   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
1974   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
1975        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
1976   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
1977   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
1978   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
1979   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
1980   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
1981   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
1982   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
1983   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
1984   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
1985   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
1986   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
1987   equilibrieren.  
1988        Wir können sagen:  
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2001        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
2002   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
2003   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
2004   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
2005   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
2006   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
2007   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
2008   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
2009   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
2010   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
2011   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
2012   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
2013   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
2014   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
2015   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
2016   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
2017   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
2018   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
2019   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
2020   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
2021   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
2022        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
2023   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
2024   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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2041   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
2042   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
2043   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
2044   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
2045   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
2046   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
2047   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
2048   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
2049   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
2050   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
2051   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
2052        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
2053   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
2054   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
2055   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
2056   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
2057   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
2058   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
2059   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
2060   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
2061   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
2062   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
2063   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
2064   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
2065   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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2078   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
2079   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
2080   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
2081   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
2082   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
2083   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
2084   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
2085   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
2086   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
2087    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
2088   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
2089   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
2090   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
2091   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
2092   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
2093   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
2094   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
2095   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
2096   menhang zu konstatieren ist.  
2097        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
2098   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
2099   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
2100   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
2101   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
2102   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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2113   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
2114   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
2115        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
2116   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
2117   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
2118    
2119   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
2120   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
2121   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
2122   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
2123   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
2124    
2125   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
2126   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
2127   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
2128   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
2129    
2130   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
2131   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
2132   machen können .  
2133    
2134   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
2135   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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2149    
2150        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
2151   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
2152   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
2153   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
2154   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
2155   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
2156   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
2157   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
2158   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
2159   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
2160   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
2161   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
2162   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
2163   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
2164   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
2165   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
2166   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
2167   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
2168   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
2169   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
2170   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
2171   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
2172   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
2173   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
2174   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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2185   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
2186   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
2187   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
2188   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
2189   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
2190   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
2191   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
2192   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
2193   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
2194   läufen ausgleichen.  
2195        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
2196   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
2197   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
2198   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
2199   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
2200   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
2201   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
2202   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
2203   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
2204   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
2205   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
2206   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
2207   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
2208   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
2209   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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2220   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
2221   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
2222   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
2223   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
2224   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
2225   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
2226   kalkulierten Preis.  
2227        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
2228   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
2229   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
2230   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
2231   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
2232   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
2233   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
2234   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
2235   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
2236   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
2237   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
2238   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
2239   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
2240   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
2241   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
2242   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
2243   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
2244   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
2245   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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2256   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
2257   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
2258   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
2259   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
2260   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
2261   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
2262   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
2263   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
2264   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
2265   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
2266   fassung.  
2267        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
2268   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
2269   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
2270   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
2271   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
2272   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
2273   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
2274   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
2275   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
2276   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
2277   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
2278   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
2279   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
2280   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
2281    
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2292   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
2293   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
2294   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
2295   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
2296   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
2297   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
2298   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
2299   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
2300   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
2301   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
2302   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
2303   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
2304   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
2305   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
2306   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
2307   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
2308   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
2309   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
2310   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
2311   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
2312   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
2313   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
2314        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
2315   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
2316   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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2327   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
2328   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
2329   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
2330        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
2331   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
2332   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
2333   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
2334   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
2335   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
2336   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
2337   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
2338   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
2339   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
2340   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
2341   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
2342   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
2343   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
2344   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
2345   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
2346   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
2347   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
2348   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
2349   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
2350      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
2351   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
2352   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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2363   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
2364   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
2365   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
2366   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
2367   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
2368   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
2369   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
2370   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
2371   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
2372   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
2373   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
2374   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
2375   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
2376   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
2377   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
2378   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
2379   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
2380   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
2381   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
2382   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
2383   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
2384   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
2385   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
2386   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
2387   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
2388   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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2399   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
2400   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
2401   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
2402   Bild.  
2403    
2404        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
2405   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
2406   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
2407   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
2408   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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2422   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
2423   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
2424    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
2425   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
2426   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
2427   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
2428   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
2429   erhoffen liessen.  
2430        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
2431   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
2432   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
2433   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
2434   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
2435   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
2436   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
2437   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
2438    
2439        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
2440   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
2441   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
2442   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
2443   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
2444   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
2445   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
2446   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
2447   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
2448   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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2461   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
2462   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
2463   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
2464   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
2465   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
2466   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
2467   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
2468   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
2469   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
2470   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
2471   ten.  
2472    
2473        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
2474   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
2475   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
2476   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
2477   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
2478   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
2479   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
2480   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
2481   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
2482   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
2483   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
2484   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
2485   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
2486   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
2487   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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2500   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
2501   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
2502   von Edelmetallen.  
2503        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
2504   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
2505   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
2506   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
2507   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
2508   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
2509   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
2510   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
2511   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
2512   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
2513   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
2514   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
2515   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
2516   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
2517   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
2518   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
2519   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
2520   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
2521   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
2522   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
2523   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
2524   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
2525   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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2538   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
2539   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
2540   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
2541   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
2542   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
2543   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
2544   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
2545   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
2546   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
2547   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
2548   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
2549   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
2550   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
2551   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
2552   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
2553   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
2554   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
2555   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
2556   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
2557   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
2558   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
2559   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
2560   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
2561   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
2562   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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2575   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
2576   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
2577   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
2578   stanz in sich birgt.  
2579        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
2580   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
2581   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
2582   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
2583   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
2584   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
2585   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
2586   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
2587   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
2588   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
2589   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
2590   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
2591   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
2592   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
2593   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
2594   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
2595   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
2596   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
2597   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
2598   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
2599   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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2612   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
2613        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
2614   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
2615   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
2616   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
2617   erhalten.  
2618        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
2619   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
2620   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
2621   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
2622   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
2623   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
2624   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
2625   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
2626   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
2627   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
2628        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
2629   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
2630   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
2631   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
2632   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
2633   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
2634   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
2635   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
2636   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
2637   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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2650   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
2651        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
2652   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
2653   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
2654   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
2655   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
2656   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
2657   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
2658   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
2659   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
2660   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
2661   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
2662   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
2663   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
2664   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
2665   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
2666   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
2667   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
2668   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
2669   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
2670   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
2671   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
2672   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
2673   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
2674   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
2675   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
2676   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
2677   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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2690   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
2691   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
2692   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
2693   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
2694   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
2695   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
2696   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
2697   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
2698   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
2699   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
2700   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
2701   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
2702   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
2703   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
2704   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
2705   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
2706        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
2707   lautete:  
2708   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
2709   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
2710   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
2711   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
2712   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
2713   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
2714   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
2715   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
2716   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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2729   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
2730   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
2731        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
2732   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
2733   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
2734   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
2735   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
2736   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
2737   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
2738   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
2739   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
2740   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
2741   mal des Geldes bedeutete.  
2742        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
2743   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
2744   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
2745   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
2746   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
2747   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
2748   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
2749   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
2750   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
2751   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
2752   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
2753   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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2766   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
2767   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
2768   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
2769   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
2770   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
2771   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
2772   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
2773   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
2774        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
2775   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
2776   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
2777   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
2778   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
2779   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
2780   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
2781   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
2782   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
2783   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
2784   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
2785   noch genügend zu lösen übrig.  
2786          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
2787   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
2788   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
2789   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
2790   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
2791   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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2804   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
2805   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
2806   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
2807   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
2808   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
2809   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
2810   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
2811   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
2812   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
2813   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
2814   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
2815     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
2816   Entwicklung zu skizzieren.  
2817       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
2818   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
2819   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
2820   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
2821   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
2822   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
2823   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
2824   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
2825   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
2826   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
2827   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
2828   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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2841   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
2842   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
2843   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
2844   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
2845   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
2846   sich üner den Stoff erhebt.  
2847        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
2848   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
2849   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
2850   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
2851   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
2852   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
2853   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
2854   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
2855   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
2856   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
2857   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
2858   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
2859   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
2860   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
2861   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
2862   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
2863   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
2864   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
2865   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
2866   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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2879   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
2880   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
2881   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
2882   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
2883   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
2884   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
2885   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
2886   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
2887   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
2888   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
2889   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
2890   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
2891   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
2892   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
2893   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
2894   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
2895   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
2896   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
2897   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
2898   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
2899   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
2900   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
2901   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
2902   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
2903   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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2916   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
2917   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
2918   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
2919   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
2920   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
2921   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
2922   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
2923   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
2924   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
2925   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
2926   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
2927   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
2928        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
2929   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
2930   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
2931   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
2932   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
2933   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
2934   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
2935   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
2936   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
2937   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
2938   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
2939   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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2952   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
2953   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
2954   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
2955   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
2956   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
2957   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
2958   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
2959   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
2960   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
2961   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
2962   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
2963   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
2964   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
2965   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
2966   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
2967   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
2968   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
2969        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
2970   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
2971   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
2972   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
2973   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
2974   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
2975   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
2976   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
2977   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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2990   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
2991   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
2992   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
2993   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
2994   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
2995   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
2996   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
2997   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
2998   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
2999   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
3000   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
3001   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
3002   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
3003   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
3004   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
3005   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
3006   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
3007   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
3008   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
3009   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
3010   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
3011   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
3012   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
3013   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
3014   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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3027   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
3028   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
3029   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
3030   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
3031   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
3032   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
3033   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
3034   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
3035   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
3036   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
3037   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
3038   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
3039   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
3040   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
3041   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
3042   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
3043   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
3044   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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3057   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
3058   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
3059   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
3060   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
3061   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
3062   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
3063   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
3064   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
3065   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
3066   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
3067   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
3068   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
3069   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
3070   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
3071   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
3072   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
3073   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
3074   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
3075   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
3076   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
3077   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
3078   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
3079   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
3080   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
3081   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
3082   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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3095   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
3096   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
3097   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
3098   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
3099   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
3100   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
3101   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
3102   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
3103   chen werden.  
3104        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
3105   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
3106   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
3107   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
3108   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
3109   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
3110   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
3111   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
3112   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
3113   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
3114        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
3115   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
3116   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
3117   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
3118   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
3119   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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3132   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
3133   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
3134   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
3135   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
3136   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
3137   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
3138   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
3139   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
3140   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
3141   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
3142   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
3143   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
3144   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
3145   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
3146   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
3147   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
3148    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
3149   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
3150   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
3151   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
3152        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
3153   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
3154        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
3155   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
3156   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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3169   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
3170   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
3171   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
3172    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
3173   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
3174   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
3175   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
3176   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
3177   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
3178   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
3179   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
3180   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
3181   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
3182   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
3183   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
3184   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
3185   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
3186   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
3187   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
3188   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
3189   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
3190   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
3191   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
3192   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
3193   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
3194   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
3195   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
3196   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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3209   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
3210   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
3211   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
3212   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
3213   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
3214   ersteren gelangt ist.""  
3215                    Soweit Schumpeter.  
3216        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
3217   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
3218   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
3219   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
3220   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
3221   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
3222   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
3223   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
3224   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
3225   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
3226   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
3227   dem Wesen nach eine Krise.  
3228        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
3229   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
3230   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
3231   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
3232   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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3245   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
3246   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
3247   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
3248   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
3249   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
3250   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
3251   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
3252   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
3253   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
3254   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
3255   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
3256    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
3257   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
3258   ders der Diskontopolitik.  
3259        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
3260   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
3261   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
3262   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
3263   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
3264   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
3265   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
3266   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
3267   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
3268   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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3282   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
3283   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
3284   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
3285   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
3286   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
3287   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
3288   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
3289   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
3290   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
3291    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
3292   ist das Einkommen der Nation.  
3293        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
3294   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
3295   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
3296   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
3297   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
3298   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
3299   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
3300   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
3301   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
3302   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
3303   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
3304   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
3305   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
3306   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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3320   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
3321   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
3322   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
3323   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
3324   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
3325   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
3326   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
3327   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
3328   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
3329   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
3330   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
3331        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
3332   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
3333   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
3334   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
3335   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
3336   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
3337   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
3338   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
3339   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
3340   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
3341   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
3342   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
3343   equilibrieren.  
3344        Wir können sagen:  
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3357        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
3358   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
3359   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
3360   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
3361   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
3362   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
3363   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
3364   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
3365   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
3366   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
3367   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
3368   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
3369   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
3370   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
3371   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
3372   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
3373   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
3374   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
3375   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
3376   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
3377   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
3378        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
3379   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
3380   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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3397   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
3398   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
3399   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
3400   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
3401   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
3402   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
3403   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
3404   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
3405   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
3406   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
3407   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
3408        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
3409   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
3410   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
3411   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
3412   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
3413   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
3414   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
3415   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
3416   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
3417   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
3418   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
3419   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
3420   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
3421   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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3434   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
3435   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
3436   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
3437   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
3438   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
3439   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
3440   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
3441   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
3442   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
3443    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
3444   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
3445   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
3446   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
3447   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
3448   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
3449   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
3450   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
3451   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
3452   menhang zu konstatieren ist.  
3453        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
3454   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
3455   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
3456   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
3457   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
3458   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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3469   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
3470   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
3471        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
3472   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
3473   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
3474    
3475   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
3476   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
3477   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
3478   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
3479   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
3480    
3481   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
3482   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
3483   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
3484   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
3485    
3486   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
3487   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
3488   machen können .  
3489    
3490   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
3491   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
3492    
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3506        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
3507   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
3508   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
3509   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
3510   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
3511   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
3512   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
3513   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
3514   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
3515   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
3516   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
3517   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
3518   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
3519   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
3520   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
3521   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
3522   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
3523   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
3524   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
3525   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
3526   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
3527   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
3528   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
3529   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
3530   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
3531    
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3541   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
3542   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
3543   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
3544   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
3545   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
3546   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
3547   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
3548   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
3549   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
3550   läufen ausgleichen.  
3551        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
3552   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
3553   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
3554   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
3555   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
3556   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
3557   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
3558   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
3559   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
3560   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
3561   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
3562   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
3563   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
3564   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
3565   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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3576   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
3577   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
3578   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
3579   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
3580   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
3581   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
3582   kalkulierten Preis.  
3583        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
3584   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
3585   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
3586   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
3587   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
3588   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
3589   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
3590   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
3591   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
3592   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
3593   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
3594   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
3595   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
3596   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
3597   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
3598   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
3599   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
3600   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
3601   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
3602    
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3612   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
3613   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
3614   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
3615   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
3616   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
3617   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
3618   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
3619   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
3620   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
3621   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
3622   fassung.  
3623        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
3624   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
3625   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
3626   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
3627   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
3628   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
3629   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
3630   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
3631   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
3632   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
3633   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
3634   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
3635   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
3636   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
3637    
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3648   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
3649   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
3650   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
3651   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
3652   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
3653   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
3654   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
3655   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
3656   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
3657   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
3658   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
3659   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
3660   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
3661   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
3662   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
3663   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
3664   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
3665   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
3666   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
3667   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
3668   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
3669   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
3670        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
3671   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
3672   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
3673    
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3683   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
3684   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
3685   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
3686        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
3687   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
3688   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
3689   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
3690   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
3691   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
3692   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
3693   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
3694   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
3695   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
3696   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
3697   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
3698   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
3699   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
3700   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
3701   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
3702   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
3703   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
3704   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
3705   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
3706      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
3707   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
3708   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
3709    
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3719   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
3720   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
3721   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
3722   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
3723   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
3724   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
3725   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
3726   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
3727   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
3728   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
3729   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
3730   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
3731   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
3732   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
3733   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
3734   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
3735   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
3736   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
3737   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
3738   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
3739   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
3740   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
3741   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
3742   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
3743   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
3744   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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3755   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
3756   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
3757   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
3758   Bild.  
3759    
3760        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
3761   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
3762   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
3763   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
3764   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
3765    
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3778   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
3779   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
3780    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
3781   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
3782   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
3783   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
3784   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
3785   erhoffen liessen.  
3786        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
3787   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
3788   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
3789   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
3790   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
3791   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
3792   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
3793   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
3794    
3795        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
3796   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
3797   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
3798   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
3799   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
3800   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
3801   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
3802   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
3803   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
3804   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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3817   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
3818   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
3819   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
3820   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
3821   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
3822   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
3823   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
3824   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
3825   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
3826   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
3827   ten.  
3828    
3829        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
3830   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
3831   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
3832   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
3833   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
3834   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
3835   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
3836   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
3837   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
3838   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
3839   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
3840   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
3841   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
3842   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
3843   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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3855    
3856   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
3857   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
3858   von Edelmetallen.  
3859        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
3860   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
3861   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
3862   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
3863   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
3864   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
3865   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
3866   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
3867   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
3868   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
3869   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
3870   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
3871   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
3872   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
3873   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
3874   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
3875   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
3876   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
3877   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
3878   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
3879   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
3880   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
3881   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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3894   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
3895   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
3896   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
3897   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
3898   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
3899   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
3900   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
3901   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
3902   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
3903   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
3904   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
3905   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
3906   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
3907   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
3908   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
3909   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
3910   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
3911   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
3912   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
3913   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
3914   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
3915   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
3916   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
3917   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
3918   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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3931   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
3932   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
3933   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
3934   stanz in sich birgt.  
3935        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
3936   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
3937   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
3938   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
3939   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
3940   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
3941   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
3942   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
3943   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
3944   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
3945   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
3946   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
3947   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
3948   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
3949   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
3950   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
3951   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
3952   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
3953   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
3954   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
3955   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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3968   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
3969        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
3970   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
3971   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
3972   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
3973   erhalten.  
3974        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
3975   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
3976   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
3977   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
3978   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
3979   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
3980   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
3981   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
3982   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
3983   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
3984        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
3985   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
3986   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
3987   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
3988   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
3989   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
3990   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
3991   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
3992   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
3993   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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4006   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
4007        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
4008   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
4009   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
4010   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
4011   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
4012   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
4013   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
4014   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
4015   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
4016   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
4017   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
4018   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
4019   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
4020   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
4021   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
4022   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
4023   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
4024   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
4025   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
4026   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
4027   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
4028   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
4029   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
4030   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
4031   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
4032   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
4033   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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4046   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
4047   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
4048   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
4049   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
4050   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
4051   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
4052   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
4053   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
4054   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
4055   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
4056   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
4057   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
4058   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
4059   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
4060   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
4061   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
4062        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
4063   lautete:  
4064   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
4065   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
4066   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
4067   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
4068   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
4069   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
4070   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
4071   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
4072   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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4085   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
4086   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
4087        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
4088   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
4089   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
4090   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
4091   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
4092   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
4093   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
4094   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
4095   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
4096   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
4097   mal des Geldes bedeutete.  
4098        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
4099   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
4100   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
4101   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
4102   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
4103   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
4104   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
4105   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
4106   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
4107   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
4108   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
4109   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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4122   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
4123   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
4124   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
4125   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
4126   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
4127   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
4128   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
4129   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
4130        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
4131   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
4132   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
4133   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
4134   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
4135   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
4136   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
4137   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
4138   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
4139   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
4140   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
4141   noch genügend zu lösen übrig.  
4142          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
4143   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
4144   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
4145   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
4146   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
4147   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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4160   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
4161   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
4162   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
4163   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
4164   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
4165   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
4166   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
4167   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
4168   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
4169   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
4170   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
4171     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
4172   Entwicklung zu skizzieren.  
4173       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
4174   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
4175   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
4176   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
4177   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
4178   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
4179   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
4180   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
4181   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
4182   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
4183   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
4184   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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4197   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
4198   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
4199   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
4200   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
4201   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
4202   sich üner den Stoff erhebt.  
4203        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
4204   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
4205   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
4206   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
4207   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
4208   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
4209   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
4210   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
4211   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
4212   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
4213   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
4214   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
4215   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
4216   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
4217   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
4218   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
4219   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
4220   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
4221   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
4222   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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4235   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
4236   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
4237   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
4238   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
4239   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
4240   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
4241   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
4242   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
4243   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
4244   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
4245   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
4246   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
4247   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
4248   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
4249   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
4250   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
4251   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
4252   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
4253   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
4254   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
4255   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
4256   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
4257   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
4258   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
4259   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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4272   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
4273   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
4274   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
4275   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
4276   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
4277   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
4278   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
4279   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
4280   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
4281   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
4282   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
4283   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
4284        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
4285   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
4286   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
4287   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
4288   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
4289   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
4290   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
4291   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
4292   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
4293   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
4294   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
4295   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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4308   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
4309   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
4310   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
4311   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
4312   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
4313   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
4314   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
4315   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
4316   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
4317   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
4318   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
4319   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
4320   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
4321   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
4322   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
4323   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
4324   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
4325        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
4326   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
4327   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
4328   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
4329   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
4330   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
4331   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
4332   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
4333   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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4346   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
4347   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
4348   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
4349   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
4350   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
4351   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
4352   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
4353   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
4354   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
4355   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
4356   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
4357   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
4358   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
4359   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
4360   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
4361   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
4362   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
4363   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
4364   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
4365   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
4366   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
4367   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
4368   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
4369   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
4370   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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4383   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
4384   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
4385   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
4386   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
4387   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
4388   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
4389   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
4390   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
4391   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
4392   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
4393   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
4394   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
4395   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
4396   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
4397   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
4398   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
4399   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
4400   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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4418        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
4419    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
4420    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
4421    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
4422   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
4423   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
4424   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
4425   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
4426   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
4427   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
4428   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
4429   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
4430   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
4431   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
4432   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
4433   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
4434   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
4435   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
4436   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
4437        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
4438   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
4439   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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4452        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
4453   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
4454   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
4455   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
4456   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
4457   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
4458   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
4459   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
4460   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
4461        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
4462   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
4463   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
4464   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
4465   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
4466   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
4467   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
4468   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
4469   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
4470   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
4471   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
4472   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
4473   setzend.  
4474        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
4475   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
4476   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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4494        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
4495    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
4496    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
4497    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
4498   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
4499   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
4500   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
4501   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
4502   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
4503   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
4504   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
4505   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
4506   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
4507   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
4508   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
4509   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
4510   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
4511   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
4512   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
4513        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
4514   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
4515   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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4528   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
4529   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
4530   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
4531   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
4532   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
4533   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
4534   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
4535   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
4536   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
4537   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
4538   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
4539   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
4540   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
4541   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
4542   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
4543   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
4544   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
4545   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
4546   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
4547   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
4548   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
4549   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
4550   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
4551   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
4552   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
4553   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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4566   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
4567   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
4568   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
4569   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
4570   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
4571   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
4572   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
4573   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
4574   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
4575   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
4576   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
4577   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
4578   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
4579   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
4580   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
4581   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
4582   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
4583   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
4584   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
4585   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
4586   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
4587   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
4588   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
4589   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
4590   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
4591   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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4604   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
4605   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
4606   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
4607   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
4608   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
4609   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
4610   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
4611   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
4612   chen werden.  
4613        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
4614   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
4615   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
4616   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
4617   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
4618   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
4619   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
4620   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
4621   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
4622   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
4623        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
4624   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
4625   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
4626   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
4627   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
4628   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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4641   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
4642   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
4643   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
4644   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
4645   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
4646   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
4647   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
4648   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
4649   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
4650   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
4651   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
4652   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
4653   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
4654   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
4655   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
4656   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
4657    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
4658   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
4659   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
4660   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
4661        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
4662   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
4663        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
4664   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
4665   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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4678   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
4679   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
4680   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
4681    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
4682   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
4683   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
4684   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
4685   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
4686   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
4687   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
4688   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
4689   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
4690   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
4691   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
4692   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
4693   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
4694   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
4695   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
4696   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
4697   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
4698   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
4699   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
4700   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
4701   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
4702   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
4703   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
4704   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
4705   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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4718   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
4719   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
4720   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
4721   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
4722   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
4723   ersteren gelangt ist.""  
4724                    Soweit Schumpeter.  
4725        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
4726   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
4727   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
4728   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
4729   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
4730   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
4731   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
4732   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
4733   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
4734   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
4735   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
4736   dem Wesen nach eine Krise.  
4737        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
4738   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
4739   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
4740   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
4741   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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4754   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
4755   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
4756   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
4757   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
4758   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
4759   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
4760   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
4761   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
4762   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
4763   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
4764   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
4765    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
4766   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
4767   ders der Diskontopolitik.  
4768        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
4769   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
4770   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
4771   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
4772   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
4773   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
4774   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
4775   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
4776   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
4777   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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4791   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
4792   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
4793   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
4794   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
4795   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
4796   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
4797   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
4798   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
4799   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
4800    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
4801   ist das Einkommen der Nation.  
4802        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
4803   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
4804   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
4805   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
4806   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
4807   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
4808   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
4809   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
4810   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
4811   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
4812   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
4813   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
4814   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
4815   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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4829   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
4830   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
4831   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
4832   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
4833   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
4834   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
4835   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
4836   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
4837   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
4838   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
4839   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
4840        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
4841   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
4842   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
4843   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
4844   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
4845   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
4846   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
4847   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
4848   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
4849   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
4850   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
4851   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
4852   equilibrieren.  
4853        Wir können sagen:  
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4866        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
4867   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
4868   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
4869   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
4870   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
4871   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
4872   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
4873   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
4874   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
4875   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
4876   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
4877   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
4878   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
4879   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
4880   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
4881   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
4882   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
4883   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
4884   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
4885   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
4886   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
4887        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
4888   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
4889   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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4906   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
4907   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
4908   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
4909   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
4910   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
4911   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
4912   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
4913   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
4914   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
4915   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
4916   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
4917        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
4918   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
4919   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
4920   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
4921   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
4922   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
4923   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
4924   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
4925   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
4926   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
4927   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
4928   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
4929   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
4930   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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4943   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
4944   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
4945   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
4946   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
4947   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
4948   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
4949   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
4950   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
4951   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
4952    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
4953   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
4954   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
4955   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
4956   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
4957   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
4958   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
4959   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
4960   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
4961   menhang zu konstatieren ist.  
4962        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
4963   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
4964   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
4965   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
4966   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
4967   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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4978   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
4979   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
4980        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
4981   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
4982   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
4983    
4984   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
4985   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
4986   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
4987   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
4988   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
4989    
4990   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
4991   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
4992   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
4993   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
4994    
4995   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
4996   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
4997   machen können .  
4998    
4999   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
5000   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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5015        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
5016   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
5017   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
5018   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
5019   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
5020   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
5021   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
5022   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
5023   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
5024   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
5025   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
5026   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
5027   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
5028   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
5029   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
5030   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
5031   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
5032   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
5033   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
5034   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
5035   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
5036   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
5037   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
5038   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
5039   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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5050   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
5051   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
5052   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
5053   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
5054   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
5055   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
5056   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
5057   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
5058   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
5059   läufen ausgleichen.  
5060        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
5061   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
5062   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
5063   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
5064   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
5065   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
5066   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
5067   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
5068   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
5069   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
5070   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
5071   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
5072   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
5073   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
5074   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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5084    
5085   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
5086   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
5087   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
5088   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
5089   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
5090   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
5091   kalkulierten Preis.  
5092        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
5093   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
5094   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
5095   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
5096   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
5097   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
5098   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
5099   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
5100   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
5101   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
5102   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
5103   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
5104   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
5105   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
5106   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
5107   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
5108   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
5109   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
5110   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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5121   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
5122   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
5123   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
5124   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
5125   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
5126   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
5127   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
5128   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
5129   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
5130   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
5131   fassung.  
5132        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
5133   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
5134   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
5135   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
5136   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
5137   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
5138   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
5139   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
5140   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
5141   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
5142   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
5143   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
5144   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
5145   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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5157   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
5158   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
5159   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
5160   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
5161   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
5162   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
5163   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
5164   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
5165   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
5166   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
5167   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
5168   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
5169   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
5170   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
5171   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
5172   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
5173   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
5174   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
5175   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
5176   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
5177   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
5178   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
5179        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
5180   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
5181   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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5192   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
5193   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
5194   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
5195        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
5196   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
5197   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
5198   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
5199   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
5200   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
5201   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
5202   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
5203   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
5204   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
5205   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
5206   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
5207   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
5208   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
5209   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
5210   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
5211   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
5212   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
5213   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
5214   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
5215      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
5216   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
5217   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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5228   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
5229   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
5230   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
5231   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
5232   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
5233   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
5234   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
5235   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
5236   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
5237   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
5238   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
5239   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
5240   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
5241   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
5242   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
5243   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
5244   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
5245   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
5246   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
5247   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
5248   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
5249   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
5250   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
5251   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
5252   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
5253   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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5264   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
5265   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
5266   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
5267   Bild.  
5268    
5269        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
5270   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
5271   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
5272   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
5273   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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5287   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
5288   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
5289    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
5290   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
5291   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
5292   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
5293   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
5294   erhoffen liessen.  
5295        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
5296   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
5297   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
5298   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
5299   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
5300   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
5301   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
5302   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
5303    
5304        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
5305   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
5306   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
5307   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
5308   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
5309   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
5310   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
5311   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
5312   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
5313   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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5326   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
5327   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
5328   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
5329   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
5330   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
5331   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
5332   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
5333   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
5334   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
5335   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
5336   ten.  
5337    
5338        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
5339   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
5340   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
5341   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
5342   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
5343   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
5344   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
5345   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
5346   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
5347   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
5348   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
5349   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
5350   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
5351   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
5352   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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5365   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
5366   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
5367   von Edelmetallen.  
5368        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
5369   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
5370   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
5371   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
5372   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
5373   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
5374   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
5375   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
5376   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
5377   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
5378   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
5379   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
5380   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
5381   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
5382   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
5383   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
5384   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
5385   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
5386   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
5387   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
5388   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
5389   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
5390   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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5403   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
5404   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
5405   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
5406   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
5407   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
5408   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
5409   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
5410   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
5411   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
5412   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
5413   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
5414   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
5415   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
5416   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
5417   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
5418   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
5419   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
5420   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
5421   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
5422   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
5423   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
5424   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
5425   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
5426   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
5427   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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5440   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
5441   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
5442   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
5443   stanz in sich birgt.  
5444        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
5445   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
5446   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
5447   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
5448   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
5449   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
5450   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
5451   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
5452   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
5453   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
5454   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
5455   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
5456   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
5457   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
5458   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
5459   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
5460   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
5461   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
5462   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
5463   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
5464   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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5477   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
5478        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
5479   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
5480   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
5481   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
5482   erhalten.  
5483        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
5484   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
5485   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
5486   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
5487   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
5488   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
5489   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
5490   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
5491   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
5492   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
5493        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
5494   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
5495   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
5496   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
5497   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
5498   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
5499   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
5500   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
5501   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
5502   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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5515   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
5516        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
5517   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
5518   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
5519   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
5520   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
5521   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
5522   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
5523   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
5524   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
5525   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
5526   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
5527   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
5528   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
5529   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
5530   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
5531   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
5532   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
5533   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
5534   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
5535   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
5536   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
5537   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
5538   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
5539   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
5540   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
5541   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
5542   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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5555   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
5556   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
5557   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
5558   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
5559   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
5560   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
5561   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
5562   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
5563   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
5564   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
5565   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
5566   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
5567   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
5568   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
5569   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
5570   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
5571        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
5572   lautete:  
5573   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
5574   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
5575   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
5576   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
5577   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
5578   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
5579   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
5580   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
5581   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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5594   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
5595   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
5596        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
5597   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
5598   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
5599   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
5600   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
5601   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
5602   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
5603   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
5604   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
5605   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
5606   mal des Geldes bedeutete.  
5607        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
5608   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
5609   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
5610   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
5611   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
5612   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
5613   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
5614   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
5615   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
5616   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
5617   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
5618   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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5631   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
5632   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
5633   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
5634   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
5635   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
5636   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
5637   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
5638   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
5639        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
5640   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
5641   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
5642   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
5643   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
5644   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
5645   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
5646   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
5647   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
5648   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
5649   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
5650   noch genügend zu lösen übrig.  
5651          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
5652   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
5653   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
5654   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
5655   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
5656   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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5669   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
5670   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
5671   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
5672   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
5673   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
5674   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
5675   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
5676   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
5677   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
5678   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
5679   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
5680     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
5681   Entwicklung zu skizzieren.  
5682       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
5683   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
5684   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
5685   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
5686   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
5687   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
5688   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
5689   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
5690   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
5691   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
5692   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
5693   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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5706   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
5707   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
5708   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
5709   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
5710   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
5711   sich üner den Stoff erhebt.  
5712        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
5713   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
5714   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
5715   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
5716   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
5717   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
5718   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
5719   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
5720   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
5721   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
5722   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
5723   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
5724   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
5725   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
5726   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
5727   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
5728   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
5729   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
5730   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
5731   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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5744   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
5745   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
5746   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
5747   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
5748   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
5749   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
5750   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
5751   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
5752   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
5753   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
5754   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
5755   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
5756   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
5757   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
5758   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
5759   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
5760   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
5761   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
5762   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
5763   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
5764   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
5765   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
5766   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
5767   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
5768   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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5781   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
5782   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
5783   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
5784   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
5785   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
5786   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
5787   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
5788   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
5789   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
5790   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
5791   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
5792   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
5793        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
5794   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
5795   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
5796   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
5797   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
5798   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
5799   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
5800   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
5801   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
5802   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
5803   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
5804   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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5817   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
5818   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
5819   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
5820   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
5821   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
5822   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
5823   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
5824   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
5825   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
5826   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
5827   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
5828   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
5829   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
5830   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
5831   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
5832   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
5833   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
5834        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
5835   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
5836   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
5837   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
5838   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
5839   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
5840   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
5841   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
5842   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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5855   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
5856   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
5857   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
5858   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
5859   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
5860   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
5861   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
5862   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
5863   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
5864   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
5865   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
5866   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
5867   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
5868   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
5869   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
5870   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
5871   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
5872   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
5873   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
5874   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
5875   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
5876   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
5877   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
5878   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
5879   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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5892   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
5893   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
5894   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
5895   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
5896   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
5897   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
5898   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
5899   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
5900   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
5901   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
5902   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
5903   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
5904   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
5905   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
5906   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
5907   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
5908   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
5909   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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5922   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
5923   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
5924   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
5925   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
5926   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
5927   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
5928   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
5929   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
5930   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
5931   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
5932   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
5933   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
5934   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
5935   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
5936   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
5937   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
5938   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
5939   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
5940   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
5941   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
5942   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
5943   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
5944   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
5945   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
5946   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
5947   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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5960   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
5961   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
5962   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
5963   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
5964   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
5965   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
5966   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
5967   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
5968   chen werden.  
5969        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
5970   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
5971   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
5972   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
5973   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
5974   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
5975   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
5976   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
5977   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
5978   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
5979        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
5980   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
5981   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
5982   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
5983   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
5984   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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5997   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
5998   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
5999   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
6000   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
6001   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
6002   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
6003   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
6004   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
6005   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
6006   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
6007   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
6008   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
6009   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
6010   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
6011   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
6012   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
6013    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
6014   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
6015   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
6016   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
6017        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
6018   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
6019        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
6020   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
6021   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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6034   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
6035   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
6036   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
6037    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
6038   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
6039   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
6040   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
6041   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
6042   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
6043   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
6044   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
6045   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
6046   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
6047   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
6048   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
6049   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
6050   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
6051   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
6052   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
6053   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
6054   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
6055   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
6056   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
6057   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
6058   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
6059   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
6060   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
6061   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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6074   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
6075   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
6076   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
6077   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
6078   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
6079   ersteren gelangt ist.""  
6080                    Soweit Schumpeter.  
6081        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
6082   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
6083   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
6084   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
6085   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
6086   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
6087   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
6088   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
6089   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
6090   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
6091   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
6092   dem Wesen nach eine Krise.  
6093        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
6094   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
6095   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
6096   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
6097   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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6110   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
6111   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
6112   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
6113   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
6114   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
6115   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
6116   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
6117   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
6118   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
6119   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
6120   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
6121    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
6122   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
6123   ders der Diskontopolitik.  
6124        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
6125   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
6126   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
6127   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
6128   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
6129   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
6130   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
6131   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
6132   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
6133   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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6147   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
6148   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
6149   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
6150   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
6151   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
6152   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
6153   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
6154   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
6155   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
6156    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
6157   ist das Einkommen der Nation.  
6158        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
6159   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
6160   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
6161   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
6162   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
6163   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
6164   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
6165   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
6166   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
6167   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
6168   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
6169   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
6170   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
6171   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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6185   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
6186   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
6187   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
6188   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
6189   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
6190   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
6191   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
6192   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
6193   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
6194   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
6195   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
6196        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
6197   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
6198   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
6199   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
6200   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
6201   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
6202   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
6203   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
6204   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
6205   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
6206   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
6207   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
6208   equilibrieren.  
6209        Wir können sagen:  
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6222        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
6223   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
6224   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
6225   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
6226   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
6227   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
6228   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
6229   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
6230   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
6231   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
6232   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
6233   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
6234   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
6235   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
6236   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
6237   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
6238   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
6239   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
6240   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
6241   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
6242   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
6243        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
6244   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
6245   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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6262   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
6263   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
6264   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
6265   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
6266   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
6267   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
6268   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
6269   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
6270   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
6271   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
6272   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
6273        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
6274   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
6275   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
6276   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
6277   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
6278   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
6279   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
6280   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
6281   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
6282   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
6283   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
6284   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
6285   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
6286   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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6299   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
6300   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
6301   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
6302   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
6303   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
6304   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
6305   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
6306   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
6307   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
6308    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
6309   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
6310   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
6311   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
6312   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
6313   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
6314   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
6315   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
6316   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
6317   menhang zu konstatieren ist.  
6318        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
6319   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
6320   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
6321   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
6322   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
6323   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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6334   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
6335   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
6336        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
6337   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
6338   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
6339    
6340   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
6341   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
6342   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
6343   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
6344   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
6345    
6346   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
6347   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
6348   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
6349   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
6350    
6351   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
6352   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
6353   machen können .  
6354    
6355   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
6356   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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6371        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
6372   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
6373   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
6374   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
6375   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
6376   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
6377   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
6378   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
6379   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
6380   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
6381   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
6382   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
6383   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
6384   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
6385   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
6386   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
6387   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
6388   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
6389   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
6390   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
6391   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
6392   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
6393   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
6394   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
6395   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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6406   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
6407   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
6408   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
6409   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
6410   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
6411   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
6412   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
6413   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
6414   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
6415   läufen ausgleichen.  
6416        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
6417   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
6418   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
6419   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
6420   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
6421   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
6422   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
6423   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
6424   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
6425   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
6426   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
6427   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
6428   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
6429   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
6430   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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6441   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
6442   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
6443   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
6444   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
6445   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
6446   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
6447   kalkulierten Preis.  
6448        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
6449   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
6450   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
6451   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
6452   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
6453   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
6454   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
6455   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
6456   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
6457   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
6458   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
6459   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
6460   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
6461   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
6462   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
6463   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
6464   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
6465   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
6466   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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6477   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
6478   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
6479   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
6480   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
6481   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
6482   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
6483   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
6484   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
6485   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
6486   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
6487   fassung.  
6488        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
6489   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
6490   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
6491   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
6492   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
6493   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
6494   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
6495   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
6496   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
6497   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
6498   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
6499   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
6500   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
6501   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
6502    
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6513   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
6514   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
6515   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
6516   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
6517   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
6518   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
6519   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
6520   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
6521   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
6522   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
6523   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
6524   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
6525   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
6526   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
6527   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
6528   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
6529   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
6530   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
6531   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
6532   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
6533   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
6534   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
6535        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
6536   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
6537   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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6548   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
6549   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
6550   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
6551        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
6552   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
6553   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
6554   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
6555   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
6556   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
6557   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
6558   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
6559   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
6560   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
6561   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
6562   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
6563   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
6564   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
6565   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
6566   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
6567   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
6568   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
6569   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
6570   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
6571      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
6572   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
6573   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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6584   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
6585   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
6586   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
6587   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
6588   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
6589   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
6590   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
6591   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
6592   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
6593   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
6594   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
6595   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
6596   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
6597   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
6598   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
6599   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
6600   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
6601   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
6602   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
6603   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
6604   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
6605   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
6606   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
6607   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
6608   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
6609   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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6620   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
6621   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
6622   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
6623   Bild.  
6624    
6625        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
6626   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
6627   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
6628   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
6629   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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6643   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
6644   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
6645    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
6646   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
6647   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
6648   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
6649   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
6650   erhoffen liessen.  
6651        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
6652   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
6653   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
6654   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
6655   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
6656   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
6657   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
6658   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
6659    
6660        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
6661   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
6662   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
6663   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
6664   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
6665   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
6666   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
6667   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
6668   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
6669   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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6682   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
6683   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
6684   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
6685   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
6686   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
6687   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
6688   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
6689   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
6690   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
6691   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
6692   ten.  
6693    
6694        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
6695   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
6696   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
6697   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
6698   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
6699   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
6700   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
6701   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
6702   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
6703   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
6704   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
6705   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
6706   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
6707   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
6708   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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6721   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
6722   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
6723   von Edelmetallen.  
6724        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
6725   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
6726   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
6727   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
6728   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
6729   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
6730   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
6731   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
6732   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
6733   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
6734   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
6735   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
6736   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
6737   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
6738   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
6739   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
6740   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
6741   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
6742   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
6743   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
6744   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
6745   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
6746   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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6759   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
6760   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
6761   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
6762   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
6763   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
6764   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
6765   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
6766   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
6767   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
6768   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
6769   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
6770   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
6771   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
6772   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
6773   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
6774   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
6775   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
6776   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
6777   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
6778   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
6779   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
6780   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
6781   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
6782   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
6783   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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6796   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
6797   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
6798   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
6799   stanz in sich birgt.  
6800        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
6801   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
6802   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
6803   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
6804   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
6805   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
6806   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
6807   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
6808   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
6809   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
6810   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
6811   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
6812   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
6813   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
6814   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
6815   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
6816   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
6817   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
6818   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
6819   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
6820   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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6833   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
6834        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
6835   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
6836   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
6837   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
6838   erhalten.  
6839        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
6840   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
6841   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
6842   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
6843   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
6844   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
6845   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
6846   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
6847   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
6848   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
6849        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
6850   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
6851   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
6852   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
6853   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
6854   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
6855   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
6856   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
6857   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
6858   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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6871   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
6872        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
6873   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
6874   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
6875   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
6876   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
6877   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
6878   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
6879   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
6880   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
6881   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
6882   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
6883   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
6884   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
6885   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
6886   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
6887   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
6888   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
6889   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
6890   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
6891   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
6892   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
6893   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
6894   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
6895   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
6896   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
6897   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
6898   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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6911   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
6912   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
6913   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
6914   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
6915   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
6916   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
6917   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
6918   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
6919   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
6920   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
6921   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
6922   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
6923   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
6924   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
6925   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
6926   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
6927        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
6928   lautete:  
6929   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
6930   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
6931   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
6932   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
6933   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
6934   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
6935   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
6936   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
6937   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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6950   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
6951   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
6952        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
6953   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
6954   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
6955   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
6956   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
6957   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
6958   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
6959   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
6960   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
6961   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
6962   mal des Geldes bedeutete.  
6963        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
6964   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
6965   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
6966   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
6967   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
6968   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
6969   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
6970   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
6971   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
6972   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
6973   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
6974   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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6987   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
6988   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
6989   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
6990   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
6991   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
6992   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
6993   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
6994   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
6995        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
6996   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
6997   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
6998   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
6999   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
7000   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
7001   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
7002   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
7003   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
7004   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
7005   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
7006   noch genügend zu lösen übrig.  
7007          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
7008   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
7009   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
7010   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
7011   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
7012   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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7025   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
7026   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
7027   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
7028   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
7029   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
7030   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
7031   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
7032   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
7033   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
7034   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
7035   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
7036     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
7037   Entwicklung zu skizzieren.  
7038       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
7039   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
7040   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
7041   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
7042   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
7043   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
7044   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
7045   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
7046   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
7047   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
7048   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
7049   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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7062   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
7063   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
7064   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
7065   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
7066   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
7067   sich üner den Stoff erhebt.  
7068        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
7069   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
7070   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
7071   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
7072   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
7073   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
7074   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
7075   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
7076   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
7077   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
7078   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
7079   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
7080   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
7081   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
7082   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
7083   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
7084   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
7085   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
7086   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
7087   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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7100   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
7101   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
7102   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
7103   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
7104   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
7105   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
7106   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
7107   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
7108   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
7109   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
7110   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
7111   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
7112   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
7113   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
7114   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
7115   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
7116   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
7117   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
7118   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
7119   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
7120   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
7121   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
7122   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
7123   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
7124   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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7137   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
7138   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
7139   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
7140   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
7141   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
7142   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
7143   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
7144   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
7145   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
7146   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
7147   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
7148   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
7149        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
7150   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
7151   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
7152   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
7153   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
7154   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
7155   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
7156   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
7157   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
7158   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
7159   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
7160   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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7173   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
7174   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
7175   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
7176   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
7177   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
7178   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
7179   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
7180   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
7181   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
7182   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
7183   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
7184   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
7185   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
7186   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
7187   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
7188   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
7189   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
7190        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
7191   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
7192   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
7193   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
7194   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
7195   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
7196   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
7197   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
7198   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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7211   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
7212   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
7213   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
7214   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
7215   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
7216   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
7217   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
7218   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
7219   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
7220   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
7221   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
7222   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
7223   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
7224   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
7225   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
7226   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
7227   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
7228   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
7229   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
7230   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
7231   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
7232   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
7233   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
7234   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
7235   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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7248   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
7249   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
7250   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
7251   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
7252   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
7253   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
7254   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
7255   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
7256   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
7257   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
7258   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
7259   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
7260   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
7261   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
7262   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
7263   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
7264   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
7265   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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7278        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
7279   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
7280   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
7281   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
7282   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
7283   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
7284   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
7285   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
7286   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
7287        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
7288   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
7289   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
7290   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
7291   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
7292   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
7293   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
7294   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
7295   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
7296   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
7297   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
7298   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
7299   setzend.  
7300        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
7301   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
7302   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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7320        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
7321    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
7322    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
7323    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
7324   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
7325   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
7326   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
7327   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
7328   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
7329   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
7330   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
7331   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
7332   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
7333   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
7334   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
7335   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
7336   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
7337   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
7338   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
7339        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
7340   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
7341   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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7354   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
7355   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
7356   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
7357   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
7358   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
7359   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
7360   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
7361   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
7362   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
7363   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
7364   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
7365   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
7366   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
7367   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
7368   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
7369   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
7370   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
7371   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
7372   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
7373   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
7374   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
7375   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
7376   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
7377   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
7378   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
7379   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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7392   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
7393   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
7394   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
7395   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
7396   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
7397   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
7398   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
7399   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
7400   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
7401   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
7402   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
7403   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
7404   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
7405   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
7406   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
7407   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
7408   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
7409   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
7410   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
7411   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
7412   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
7413   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
7414   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
7415   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
7416   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
7417   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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7430   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
7431   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
7432   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
7433   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
7434   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
7435   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
7436   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
7437   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
7438   chen werden.  
7439        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
7440   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
7441   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
7442   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
7443   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
7444   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
7445   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
7446   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
7447   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
7448   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
7449        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
7450   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
7451   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
7452   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
7453   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
7454   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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7467   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
7468   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
7469   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
7470   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
7471   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
7472   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
7473   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
7474   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
7475   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
7476   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
7477   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
7478   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
7479   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
7480   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
7481   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
7482   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
7483    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
7484   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
7485   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
7486   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
7487        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
7488   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
7489        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
7490   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
7491   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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7504   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
7505   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
7506   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
7507    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
7508   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
7509   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
7510   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
7511   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
7512   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
7513   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
7514   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
7515   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
7516   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
7517   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
7518   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
7519   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
7520   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
7521   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
7522   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
7523   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
7524   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
7525   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
7526   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
7527   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
7528   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
7529   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
7530   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
7531   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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7544   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
7545   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
7546   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
7547   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
7548   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
7549   ersteren gelangt ist.""  
7550                    Soweit Schumpeter.  
7551        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
7552   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
7553   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
7554   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
7555   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
7556   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
7557   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
7558   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
7559   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
7560   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
7561   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
7562   dem Wesen nach eine Krise.  
7563        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
7564   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
7565   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
7566   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
7567   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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7580   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
7581   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
7582   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
7583   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
7584   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
7585   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
7586   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
7587   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
7588   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
7589   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
7590   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
7591    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
7592   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
7593   ders der Diskontopolitik.  
7594        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
7595   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
7596   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
7597   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
7598   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
7599   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
7600   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
7601   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
7602   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
7603   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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7617   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
7618   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
7619   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
7620   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
7621   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
7622   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
7623   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
7624   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
7625   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
7626    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
7627   ist das Einkommen der Nation.  
7628        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
7629   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
7630   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
7631   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
7632   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
7633   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
7634   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
7635   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
7636   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
7637   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
7638   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
7639   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
7640   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
7641   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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7655   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
7656   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
7657   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
7658   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
7659   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
7660   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
7661   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
7662   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
7663   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
7664   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
7665   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
7666        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
7667   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
7668   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
7669   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
7670   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
7671   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
7672   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
7673   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
7674   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
7675   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
7676   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
7677   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
7678   equilibrieren.  
7679        Wir können sagen:  
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7692        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
7693   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
7694   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
7695   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
7696   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
7697   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
7698   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
7699   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
7700   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
7701   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
7702   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
7703   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
7704   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
7705   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
7706   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
7707   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
7708   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
7709   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
7710   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
7711   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
7712   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
7713        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
7714   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
7715   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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7732   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
7733   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
7734   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
7735   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
7736   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
7737   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
7738   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
7739   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
7740   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
7741   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
7742   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
7743        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
7744   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
7745   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
7746   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
7747   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
7748   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
7749   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
7750   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
7751   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
7752   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
7753   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
7754   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
7755   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
7756   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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7769   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
7770   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
7771   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
7772   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
7773   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
7774   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
7775   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
7776   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
7777   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
7778    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
7779   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
7780   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
7781   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
7782   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
7783   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
7784   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
7785   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
7786   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
7787   menhang zu konstatieren ist.  
7788        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
7789   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
7790   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
7791   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
7792   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
7793   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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7804   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
7805   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
7806        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
7807   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
7808   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
7809    
7810   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
7811   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
7812   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
7813   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
7814   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
7815    
7816   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
7817   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
7818   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
7819   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
7820    
7821   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
7822   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
7823   machen können .  
7824    
7825   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
7826   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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7840    
7841        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
7842   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
7843   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
7844   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
7845   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
7846   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
7847   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
7848   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
7849   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
7850   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
7851   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
7852   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
7853   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
7854   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
7855   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
7856   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
7857   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
7858   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
7859   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
7860   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
7861   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
7862   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
7863   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
7864   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
7865   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
7866    
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7876   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
7877   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
7878   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
7879   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
7880   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
7881   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
7882   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
7883   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
7884   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
7885   läufen ausgleichen.  
7886        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
7887   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
7888   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
7889   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
7890   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
7891   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
7892   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
7893   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
7894   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
7895   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
7896   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
7897   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
7898   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
7899   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
7900   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
7901    
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7910    
7911   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
7912   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
7913   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
7914   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
7915   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
7916   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
7917   kalkulierten Preis.  
7918        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
7919   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
7920   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
7921   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
7922   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
7923   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
7924   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
7925   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
7926   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
7927   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
7928   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
7929   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
7930   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
7931   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
7932   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
7933   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
7934   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
7935   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
7936   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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7947   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
7948   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
7949   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
7950   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
7951   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
7952   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
7953   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
7954   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
7955   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
7956   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
7957   fassung.  
7958        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
7959   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
7960   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
7961   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
7962   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
7963   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
7964   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
7965   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
7966   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
7967   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
7968   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
7969   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
7970   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
7971   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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7983   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
7984   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
7985   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
7986   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
7987   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
7988   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
7989   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
7990   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
7991   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
7992   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
7993   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
7994   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
7995   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
7996   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
7997   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
7998   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
7999   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
8000   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
8001   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
8002   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
8003   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
8004   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
8005        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
8006   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
8007   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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8018   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
8019   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
8020   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
8021        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
8022   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
8023   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
8024   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
8025   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
8026   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
8027   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
8028   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
8029   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
8030   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
8031   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
8032   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
8033   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
8034   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
8035   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
8036   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
8037   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
8038   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
8039   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
8040   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
8041      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
8042   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
8043   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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8054   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
8055   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
8056   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
8057   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
8058   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
8059   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
8060   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
8061   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
8062   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
8063   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
8064   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
8065   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
8066   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
8067   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
8068   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
8069   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
8070   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
8071   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
8072   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
8073   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
8074   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
8075   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
8076   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
8077   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
8078   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
8079   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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8090   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
8091   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
8092   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
8093   Bild.  
8094    
8095        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
8096   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
8097   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
8098   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
8099   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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8113   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
8114   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
8115    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
8116   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
8117   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
8118   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
8119   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
8120   erhoffen liessen.  
8121        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
8122   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
8123   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
8124   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
8125   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
8126   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
8127   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
8128   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
8129    
8130        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
8131   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
8132   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
8133   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
8134   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
8135   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
8136   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
8137   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
8138   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
8139   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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8152   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
8153   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
8154   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
8155   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
8156   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
8157   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
8158   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
8159   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
8160   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
8161   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
8162   ten.  
8163    
8164        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
8165   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
8166   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
8167   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
8168   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
8169   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
8170   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
8171   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
8172   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
8173   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
8174   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
8175   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
8176   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
8177   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
8178   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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8191   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
8192   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
8193   von Edelmetallen.  
8194        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
8195   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
8196   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
8197   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
8198   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
8199   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
8200   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
8201   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
8202   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
8203   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
8204   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
8205   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
8206   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
8207   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
8208   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
8209   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
8210   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
8211   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
8212   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
8213   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
8214   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
8215   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
8216   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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8229   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
8230   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
8231   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
8232   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
8233   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
8234   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
8235   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
8236   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
8237   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
8238   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
8239   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
8240   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
8241   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
8242   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
8243   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
8244   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
8245   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
8246   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
8247   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
8248   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
8249   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
8250   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
8251   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
8252   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
8253   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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8266   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
8267   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
8268   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
8269   stanz in sich birgt.  
8270        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
8271   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
8272   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
8273   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
8274   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
8275   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
8276   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
8277   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
8278   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
8279   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
8280   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
8281   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
8282   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
8283   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
8284   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
8285   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
8286   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
8287   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
8288   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
8289   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
8290   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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8303   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
8304        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
8305   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
8306   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
8307   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
8308   erhalten.  
8309        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
8310   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
8311   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
8312   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
8313   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
8314   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
8315   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
8316   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
8317   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
8318   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
8319        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
8320   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
8321   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
8322   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
8323   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
8324   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
8325   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
8326   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
8327   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
8328   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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8341   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
8342        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
8343   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
8344   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
8345   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
8346   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
8347   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
8348   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
8349   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
8350   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
8351   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
8352   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
8353   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
8354   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
8355   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
8356   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
8357   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
8358   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
8359   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
8360   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
8361   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
8362   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
8363   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
8364   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
8365   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
8366   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
8367   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
8368   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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8381   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
8382   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
8383   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
8384   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
8385   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
8386   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
8387   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
8388   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
8389   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
8390   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
8391   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
8392   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
8393   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
8394   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
8395   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
8396   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
8397        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
8398   lautete:  
8399   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
8400   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
8401   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
8402   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
8403   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
8404   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
8405   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
8406   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
8407   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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8420   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
8421   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
8422        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
8423   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
8424   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
8425   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
8426   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
8427   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
8428   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
8429   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
8430   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
8431   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
8432   mal des Geldes bedeutete.  
8433        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
8434   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
8435   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
8436   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
8437   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
8438   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
8439   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
8440   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
8441   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
8442   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
8443   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
8444   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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8457   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
8458   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
8459   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
8460   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
8461   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
8462   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
8463   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
8464   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
8465        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
8466   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
8467   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
8468   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
8469   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
8470   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
8471   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
8472   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
8473   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
8474   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
8475   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
8476   noch genügend zu lösen übrig.  
8477          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
8478   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
8479   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
8480   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
8481   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
8482   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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8495   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
8496   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
8497   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
8498   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
8499   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
8500   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
8501   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
8502   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
8503   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
8504   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
8505   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
8506     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
8507   Entwicklung zu skizzieren.  
8508       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
8509   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
8510   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
8511   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
8512   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
8513   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
8514   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
8515   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
8516   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
8517   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
8518   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
8519   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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8532   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
8533   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
8534   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
8535   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
8536   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
8537   sich üner den Stoff erhebt.  
8538        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
8539   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
8540   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
8541   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
8542   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
8543   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
8544   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
8545   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
8546   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
8547   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
8548   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
8549   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
8550   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
8551   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
8552   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
8553   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
8554   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
8555   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
8556   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
8557   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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8570   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
8571   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
8572   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
8573   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
8574   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
8575   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
8576   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
8577   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
8578   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
8579   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
8580   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
8581   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
8582   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
8583   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
8584   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
8585   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
8586   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
8587   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
8588   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
8589   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
8590   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
8591   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
8592   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
8593   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
8594   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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8607   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
8608   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
8609   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
8610   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
8611   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
8612   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
8613   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
8614   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
8615   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
8616   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
8617   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
8618   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
8619        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
8620   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
8621   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
8622   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
8623   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
8624   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
8625   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
8626   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
8627   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
8628   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
8629   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
8630   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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8643   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
8644   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
8645   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
8646   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
8647   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
8648   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
8649   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
8650   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
8651   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
8652   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
8653   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
8654   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
8655   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
8656   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
8657   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
8658   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
8659   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
8660        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
8661   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
8662   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
8663   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
8664   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
8665   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
8666   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
8667   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
8668   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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8681   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
8682   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
8683   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
8684   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
8685   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
8686   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
8687   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
8688   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
8689   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
8690   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
8691   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
8692   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
8693   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
8694   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
8695   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
8696   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
8697   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
8698   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
8699   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
8700   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
8701   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
8702   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
8703   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
8704   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
8705   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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8718   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
8719   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
8720   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
8721   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
8722   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
8723   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
8724   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
8725   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
8726   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
8727   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
8728   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
8729   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
8730   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
8731   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
8732   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
8733   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
8734   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
8735   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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8748   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
8749   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
8750   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
8751   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
8752   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
8753   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
8754   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
8755   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
8756   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
8757   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
8758   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
8759   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
8760   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
8761   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
8762   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
8763   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
8764   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
8765   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
8766   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
8767   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
8768   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
8769   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
8770   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
8771   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
8772   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
8773   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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8786   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
8787   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
8788   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
8789   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
8790   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
8791   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
8792   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
8793   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
8794   chen werden.  
8795        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
8796   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
8797   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
8798   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
8799   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
8800   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
8801   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
8802   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
8803   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
8804   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
8805        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
8806   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
8807   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
8808   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
8809   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
8810   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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8823   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
8824   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
8825   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
8826   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
8827   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
8828   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
8829   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
8830   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
8831   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
8832   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
8833   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
8834   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
8835   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
8836   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
8837   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
8838   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
8839    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
8840   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
8841   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
8842   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
8843        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
8844   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
8845        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
8846   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
8847   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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8860   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
8861   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
8862   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
8863    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
8864   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
8865   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
8866   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
8867   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
8868   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
8869   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
8870   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
8871   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
8872   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
8873   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
8874   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
8875   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
8876   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
8877   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
8878   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
8879   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
8880   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
8881   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
8882   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
8883   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
8884   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
8885   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
8886   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
8887   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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8900   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
8901   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
8902   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
8903   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
8904   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
8905   ersteren gelangt ist.""  
8906                    Soweit Schumpeter.  
8907        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
8908   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
8909   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
8910   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
8911   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
8912   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
8913   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
8914   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
8915   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
8916   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
8917   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
8918   dem Wesen nach eine Krise.  
8919        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
8920   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
8921   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
8922   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
8923   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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8936   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
8937   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
8938   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
8939   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
8940   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
8941   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
8942   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
8943   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
8944   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
8945   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
8946   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
8947    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
8948   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
8949   ders der Diskontopolitik.  
8950        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
8951   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
8952   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
8953   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
8954   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
8955   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
8956   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
8957   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
8958   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
8959   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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8973   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
8974   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
8975   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
8976   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
8977   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
8978   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
8979   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
8980   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
8981   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
8982    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
8983   ist das Einkommen der Nation.  
8984        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
8985   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
8986   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
8987   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
8988   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
8989   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
8990   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
8991   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
8992   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
8993   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
8994   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
8995   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
8996   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
8997   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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9011   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
9012   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
9013   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
9014   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
9015   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
9016   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
9017   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
9018   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
9019   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
9020   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
9021   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
9022        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
9023   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
9024   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
9025   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
9026   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
9027   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
9028   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
9029   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
9030   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
9031   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
9032   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
9033   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
9034   equilibrieren.  
9035        Wir können sagen:  
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9048        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
9049   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
9050   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
9051   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
9052   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
9053   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
9054   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
9055   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
9056   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
9057   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
9058   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
9059   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
9060   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
9061   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
9062   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
9063   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
9064   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
9065   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
9066   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
9067   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
9068   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
9069        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
9070   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
9071   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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9088   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
9089   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
9090   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
9091   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
9092   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
9093   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
9094   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
9095   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
9096   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
9097   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
9098   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
9099        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
9100   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
9101   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
9102   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
9103   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
9104   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
9105   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
9106   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
9107   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
9108   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
9109   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
9110   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
9111   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
9112   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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9125   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
9126   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
9127   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
9128   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
9129   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
9130   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
9131   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
9132   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
9133   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
9134    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
9135   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
9136   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
9137   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
9138   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
9139   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
9140   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
9141   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
9142   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
9143   menhang zu konstatieren ist.  
9144        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
9145   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
9146   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
9147   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
9148   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
9149   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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9160   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
9161   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
9162        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
9163   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
9164   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
9165    
9166   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
9167   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
9168   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
9169   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
9170   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
9171    
9172   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
9173   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
9174   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
9175   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
9176    
9177   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
9178   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
9179   machen können .  
9180    
9181   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
9182   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
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9196    
9197        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
9198   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
9199   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
9200   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
9201   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
9202   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
9203   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
9204   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
9205   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
9206   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
9207   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
9208   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
9209   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
9210   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
9211   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
9212   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
9213   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
9214   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
9215   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
9216   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
9217   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
9218   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
9219   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
9220   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
9221   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
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9232   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
9233   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
9234   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
9235   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
9236   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
9237   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
9238   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
9239   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
9240   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
9241   läufen ausgleichen.  
9242        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
9243   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
9244   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
9245   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
9246   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
9247   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
9248   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
9249   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
9250   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
9251   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
9252   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
9253   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
9254   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
9255   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
9256   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
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9267   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
9268   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
9269   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
9270   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
9271   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
9272   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
9273   kalkulierten Preis.  
9274        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
9275   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
9276   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
9277   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
9278   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
9279   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
9280   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
9281   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
9282   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
9283   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
9284   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
9285   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
9286   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
9287   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
9288   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
9289   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
9290   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
9291   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
9292   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
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9303   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
9304   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
9305   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
9306   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
9307   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
9308   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
9309   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
9310   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
9311   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
9312   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
9313   fassung.  
9314        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
9315   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
9316   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
9317   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
9318   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
9319   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
9320   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
9321   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
9322   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
9323   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
9324   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
9325   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
9326   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
9327   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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9339   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
9340   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
9341   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
9342   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
9343   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
9344   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
9345   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
9346   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
9347   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
9348   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
9349   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
9350   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
9351   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
9352   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
9353   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
9354   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
9355   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
9356   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
9357   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
9358   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
9359   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
9360   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
9361        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
9362   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
9363   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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9374   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
9375   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
9376   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
9377        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
9378   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
9379   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
9380   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
9381   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
9382   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
9383   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
9384   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
9385   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
9386   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
9387   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
9388   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
9389   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
9390   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
9391   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
9392   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
9393   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
9394   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
9395   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
9396   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
9397      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
9398   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
9399   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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9410   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
9411   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
9412   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
9413   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
9414   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
9415   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
9416   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
9417   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
9418   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
9419   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
9420   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
9421   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
9422   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
9423   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
9424   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
9425   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
9426   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
9427   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
9428   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
9429   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
9430   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
9431   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
9432   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
9433   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
9434   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
9435   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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9446   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
9447   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
9448   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
9449   Bild.  
9450    
9451        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
9452   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
9453   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
9454   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
9455   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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9469   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
9470   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
9471    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
9472   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
9473   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
9474   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
9475   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
9476   erhoffen liessen.  
9477        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
9478   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
9479   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
9480   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
9481   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
9482   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
9483   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
9484   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
9485    
9486        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
9487   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
9488   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
9489   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
9490   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
9491   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
9492   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
9493   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
9494   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
9495   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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9508   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
9509   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
9510   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
9511   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
9512   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
9513   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
9514   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
9515   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
9516   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
9517   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
9518   ten.  
9519    
9520        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
9521   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
9522   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
9523   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
9524   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
9525   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
9526   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
9527   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
9528   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
9529   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
9530   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
9531   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
9532   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
9533   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
9534   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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9547   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
9548   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
9549   von Edelmetallen.  
9550        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
9551   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
9552   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
9553   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
9554   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
9555   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
9556   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
9557   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
9558   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
9559   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
9560   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
9561   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
9562   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
9563   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
9564   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
9565   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
9566   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
9567   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
9568   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
9569   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
9570   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
9571   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
9572   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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9585   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
9586   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
9587   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
9588   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
9589   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
9590   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
9591   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
9592   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
9593   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
9594   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
9595   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
9596   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
9597   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
9598   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
9599   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
9600   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
9601   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
9602   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
9603   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
9604   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
9605   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
9606   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
9607   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
9608   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
9609   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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9622   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
9623   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
9624   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
9625   stanz in sich birgt.  
9626        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
9627   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
9628   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
9629   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
9630   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
9631   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
9632   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
9633   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
9634   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
9635   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
9636   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
9637   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
9638   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
9639   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
9640   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
9641   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
9642   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
9643   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
9644   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
9645   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
9646   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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9659   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
9660        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
9661   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
9662   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
9663   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
9664   erhalten.  
9665        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
9666   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
9667   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
9668   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
9669   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
9670   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
9671   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
9672   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
9673   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
9674   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
9675        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
9676   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
9677   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
9678   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
9679   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
9680   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
9681   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
9682   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
9683   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
9684   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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9697   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
9698        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
9699   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
9700   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
9701   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
9702   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
9703   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
9704   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
9705   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
9706   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
9707   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
9708   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
9709   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
9710   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
9711   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
9712   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
9713   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
9714   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
9715   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
9716   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
9717   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
9718   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
9719   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
9720   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
9721   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
9722   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
9723   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
9724   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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9737   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
9738   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
9739   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
9740   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
9741   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
9742   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
9743   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
9744   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
9745   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
9746   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
9747   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
9748   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
9749   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
9750   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
9751   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
9752   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
9753        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
9754   lautete:  
9755   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
9756   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
9757   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
9758   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
9759   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
9760   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
9761   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
9762   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
9763   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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9776   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
9777   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
9778        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
9779   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
9780   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
9781   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
9782   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
9783   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
9784   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
9785   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
9786   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
9787   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
9788   mal des Geldes bedeutete.  
9789        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
9790   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
9791   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
9792   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
9793   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
9794   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
9795   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
9796   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
9797   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
9798   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
9799   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
9800   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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9813   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
9814   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
9815   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
9816   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
9817   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
9818   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
9819   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
9820   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
9821        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
9822   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
9823   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
9824   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
9825   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
9826   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
9827   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
9828   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
9829   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
9830   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
9831   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
9832   noch genügend zu lösen übrig.  
9833          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
9834   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
9835   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
9836   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
9837   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
9838   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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9851   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
9852   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
9853   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
9854   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
9855   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
9856   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
9857   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
9858   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
9859   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
9860   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
9861   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
9862     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
9863   Entwicklung zu skizzieren.  
9864       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
9865   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
9866   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
9867   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
9868   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
9869   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
9870   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
9871   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
9872   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
9873   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
9874   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
9875   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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9888   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
9889   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
9890   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
9891   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
9892   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
9893   sich üner den Stoff erhebt.  
9894        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
9895   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
9896   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
9897   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
9898   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
9899   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
9900   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
9901   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
9902   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
9903   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
9904   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
9905   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
9906   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
9907   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
9908   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
9909   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
9910   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
9911   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
9912   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
9913   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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9926   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
9927   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
9928   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
9929   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
9930   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
9931   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
9932   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
9933   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
9934   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
9935   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
9936   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
9937   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
9938   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
9939   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
9940   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
9941   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
9942   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
9943   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
9944   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
9945   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
9946   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
9947   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
9948   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
9949   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
9950   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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9963   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
9964   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
9965   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
9966   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
9967   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
9968   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
9969   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
9970   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
9971   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
9972   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
9973   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
9974   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
9975        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
9976   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
9977   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
9978   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
9979   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
9980   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
9981   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
9982   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
9983   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
9984   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
9985   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
9986   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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9999   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
10000   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
10001   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
10002   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
10003   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
10004   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
10005   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
10006   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
10007   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
10008   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
10009   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
10010   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
10011   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
10012   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
10013   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
10014   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
10015   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
10016        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
10017   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
10018   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
10019   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
10020   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
10021   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
10022   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
10023   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
10024   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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10037   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
10038   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
10039   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
10040   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
10041   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
10042   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
10043   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
10044   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
10045   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
10046   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
10047   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
10048   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
10049   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
10050   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
10051   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
10052   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
10053   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
10054   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
10055   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
10056   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
10057   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
10058   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
10059   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
10060   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
10061   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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10074   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
10075   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
10076   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
10077   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
10078   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
10079   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
10080   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
10081   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
10082   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
10083   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
10084   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
10085   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
10086   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
10087   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
10088   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
10089   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
10090   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
10091   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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10109        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
10110    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
10111    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
10112    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
10113   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
10114   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
10115   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
10116   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
10117   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
10118   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
10119   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
10120   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
10121   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
10122   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
10123   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
10124   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
10125   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
10126   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
10127   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
10128        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
10129   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
10130   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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10143        Wesen und Inhalt der Werteinheit erforschen suchen,  
10144   heisst soviel wie die heutige Wirtschaftsverfassung in all ihren  
10145   eng verschlungenen Zusammenhängen erkennen wollen. Dabei ist es uns  
10146   klar, dass wir das Verständnis nicht gewinnen können, etwa aus dem  
10147   Studium der Münzgeschichte, denn Werteinheit ist der viel weitere  
10148   Begriff wie Geld: Werteinheit umfasst und umspannt alles, was uns im  
10149   täglichen, wirtschaftlichen Leben in mannigfacheter Form entgegen-  
10150   tritt. Was die Werteinehit erreicht, hat seine Individualität verloren  
10151   und ist nunmehr in der Quantität vor anderen Dingen differenziert.  
10152        Sei es Grund und Boden oder Vieh, sei es menschliche Tä-  
10153   tigkeit vom Dienst des Baerensammlers bis zur höchstqualifiziertes-  
10154   ten geistigen oder organisatorischen Arbeit, ob es nun Erz und Kohle  
10155   oder gleich der stolze Oceanriese, ein Kindersteinbaukasten oder ein  
10156   Wolkenkratzer in der New Yorker City, der millionste Kliescheeabzug  
10157   eines Bilderbuches oder ob es das Kunstwerk eines unserer besten  
10158   Meister sein ;- Dinge, die wie nie und nimmer vergleichen könnten, in  
10159   der Form, dass wie sie auf einen gemeinsamen Ausdruck bringen, sie  
10160   scheinen im Spiegel der modernen Wirtschaft gleichgemacht. Der Be-  
10161   griff der Werteineheit scheint uns etwas real wirtschaftliches darzustel-  
10162   len und es bleiben übrig und regieren nurmehr die Zahlen, die sich  
10163   gegeneinander wägen, damit den Mechanismus der Wirtschaft in Gang  
10164   setzend.  
10165        Wir sagten, die Werteinehit "scheint" eine absolut reale  
10166   grösse zu sein und wollen die Beantwortung der Frage, ob die Möglich-  
10167   keit einer so beschriebenen Wertgrösse bestehen kann und was deren  
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10185        So lose auch bei nachlässiger Betrachtung eine  
10186    Atomisierung des wirtschaftlichen Kreislaufe mit der Wertein-  
10187    heit zusammenhängen mag, wie wenig solches Unterfangen auch zur  
10188    Bereicherung der Erkenntnis ihres Wesens beizutragen befähigt  
10189   ist, so wird uns doch gerade aus dieser Anschauung, die eigentlich,  
10190   losgelöst von jeder theoretischen Lehrmeinung uns nur die wirt-  
10191   schaftlichen Bindungen und die wirtschaftlichen Funktionen der  
10192   Werteinheit wird aufdecken können, ein Gewinn für unsere Untersu-  
10193   chung erwachsen. In ihrem Element, der Wirtschaft, gehorcht sie  
10194   nimmer dem Winke der Theorie, die Werteinheit wandelt und formt  
10195   sich um aus scheinbar eigener Kraft heraus und die orthodoxe  
10196   Lehre weiss keinen Zauberspruch mehr, den Geist, dem jene mählich  
10197   entwachsen ist, zu bannen. Wir sehen, d a s sind die äusseren  
10198   Formen der Werteinheit, d a s vermag sie und wenn wir sie dann  
10199   so in das weit verzweigte Getriebe der Wirtschaft hineinverfolgt  
10200   und ihr Sein in den feinsten Nerven des Wirtschaftskörpers ver-  
10201   spürt haben, dann müssen wir mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug  
10202   die Sonde anlegen, um den Kern, den Inhalt und den Geist der Wert-  
10203   einheit aus allen Aeusserlichkeiten herauszuschälen.  
10204        So wie es historisch gesehen Aufgabe irgendeines Tausch-  
10205   gutes war, den zufälligen Austausch von Waren zwischen Einzelper-  
10206   sonen, wie es dann dem staatlichen Stoffgelde oblag den Tauschver-  
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10219   kehr innerhalb einer Wirtschaftgemeinschaft zu verwirklichen,  
10220   wie in allen Stufen und in jeder Phase der Wirtschaft stets noch  
10221   die Werteinheit den Körper, d.i. die Technik annahm, die vonnöten  
10222   war, sollte von dieser Seite die Entwicklung nicht gehemmt werden,  
10223   so wird auch der schon heiraus erkennbare Geist der Werteinheit  
10224   gleich in welcherlei Gestalt er uns in der Geldform begegnen mag,  
10225   auch in der modernsten arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dazu be-  
10226   rufen sein, um Produktion, Distribution und Konsumtion ein alles  
10227   verbindendes Band zu schlingen, mit anderen Worten, dem ganzen  
10228   wirtschaftlichen Leben, das jetzt scharf getrennt in diesen deut-  
10229   lich unterscheidbaren drei Begriffen aufgehen muss, zu einer flüs-  
10230   sigen Abwicklung zu verhelfen. Wir sprechen in jener Zeit von Welt-  
10231   wirtschaft und sagen damit, dass die einzelnen Glieder derselben  
10232   nur um so fester verbundene, geschlossenere Gebilde darstellen müs-  
10233   sen, die den anderen gegenüber als eine solidarisch haftende Ein-  
10234   heit in die E^^r^^scheinung tritt. U^^n^^d jede dieser Einheiten hat wieder-  
10235   um ihre eigene Wirtschaftsordnung, ihre eigene Wert-oder Rechnungs-  
10236   einheit, lebt ihr eigenes Leben und muss die Kräfte dazu aus sich  
10237   selbst schöpfen. Diese Kräfte so in Bewegung zu setzen, dass ein  
10238   relatives Maximum an Gütern erzeugt, dieser Vorrat wiederum nach  
10239   einem, alle beteiligten Faktoren gleich wertenden Schlüssel ver-  
10240   teilt und dabei noch das notwendige " volkwirtschaftliche Kapital "  
10241   erübrigt wird, diesen Mechanismus insgesamt wollen wir den Kreis-  
10242   lauf der Wirtschaft nenn. So kam man dazu, je nachdem wohin man  
10243   das wesentliche Moment und den Nachdruck verlegte, von einer Geld-  
10244   wirtschaft, von einer Kreditwirtschaft und schliesslich doch auch  
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10257   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
10258   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
10259   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
10260   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
10261   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
10262   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
10263   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
10264   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
10265   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
10266   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
10267   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
10268   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
10269   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
10270   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
10271   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
10272   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
10273   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
10274   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
10275   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
10276   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
10277   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
10278   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
10279   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
10280   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
10281   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
10282   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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10295   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
10296   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
10297   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
10298   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
10299   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
10300   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
10301   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
10302   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
10303   chen werden.  
10304        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
10305   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
10306   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
10307   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
10308   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
10309   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
10310   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
10311   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
10312   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
10313   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
10314        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
10315   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
10316   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
10317   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
10318   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
10319   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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10332   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
10333   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
10334   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
10335   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
10336   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
10337   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
10338   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
10339   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
10340   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
10341   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
10342   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
10343   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
10344   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
10345   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
10346   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
10347   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
10348    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
10349   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
10350   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
10351   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
10352        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
10353   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
10354        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
10355   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
10356   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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10369   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
10370   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
10371   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
10372    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
10373   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
10374   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
10375   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
10376   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
10377   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
10378   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
10379   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
10380   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
10381   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
10382   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
10383   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
10384   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
10385   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
10386   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
10387   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
10388   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
10389   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
10390   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
10391   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
10392   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
10393   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
10394   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
10395   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
10396   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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10409   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
10410   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
10411   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
10412   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
10413   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
10414   ersteren gelangt ist.""  
10415                    Soweit Schumpeter.  
10416        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
10417   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
10418   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
10419   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
10420   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
10421   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
10422   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
10423   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
10424   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
10425   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
10426   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
10427   dem Wesen nach eine Krise.  
10428        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
10429   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
10430   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
10431   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
10432   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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10445   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
10446   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
10447   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
10448   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
10449   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
10450   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
10451   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
10452   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
10453   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
10454   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
10455   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
10456    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
10457   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
10458   ders der Diskontopolitik.  
10459        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
10460   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
10461   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
10462   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
10463   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
10464   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
10465   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
10466   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
10467   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
10468   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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10482   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
10483   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
10484   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
10485   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
10486   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
10487   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
10488   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
10489   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
10490   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
10491    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
10492   ist das Einkommen der Nation.  
10493        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
10494   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
10495   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
10496   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
10497   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
10498   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
10499   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
10500   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
10501   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
10502   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
10503   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
10504   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
10505   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
10506   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
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10520   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
10521   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
10522   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
10523   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
10524   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
10525   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
10526   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
10527   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
10528   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
10529   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
10530   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
10531        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
10532   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
10533   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
10534   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
10535   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
10536   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
10537   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
10538   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
10539   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
10540   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
10541   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
10542   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
10543   equilibrieren.  
10544        Wir können sagen:  
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10557        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
10558   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
10559   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
10560   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
10561   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
10562   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
10563   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
10564   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
10565   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
10566   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
10567   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
10568   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
10569   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
10570   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
10571   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
10572   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
10573   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
10574   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
10575   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
10576   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
10577   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
10578        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
10579   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
10580   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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10597   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
10598   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
10599   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
10600   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
10601   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
10602   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
10603   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
10604   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
10605   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
10606   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
10607   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
10608        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
10609   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
10610   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
10611   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
10612   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
10613   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
10614   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
10615   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
10616   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
10617   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
10618   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
10619   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
10620   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
10621   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
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10634   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
10635   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
10636   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
10637   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
10638   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
10639   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
10640   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
10641   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
10642   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
10643    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
10644   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
10645   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
10646   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
10647   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
10648   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
10649   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
10650   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
10651   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
10652   menhang zu konstatieren ist.  
10653        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
10654   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
10655   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
10656   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
10657   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
10658   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
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10668    
10669   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
10670   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
10671        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
10672   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
10673   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
10674    
10675   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
10676   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
10677   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
10678   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
10679   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
10680    
10681   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
10682   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
10683   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
10684   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
10685    
10686   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
10687   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
10688   machen können .  
10689    
10690   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
10691   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
10692    
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10705    
10706        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
10707   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
10708   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
10709   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
10710   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
10711   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
10712   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
10713   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
10714   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
10715   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
10716   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
10717   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
10718   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
10719   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
10720   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
10721   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
10722   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
10723   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
10724   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
10725   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
10726   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
10727   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
10728   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
10729   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
10730   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
10731    
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10740    
10741   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
10742   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
10743   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
10744   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
10745   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
10746   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
10747   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
10748   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
10749   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
10750   läufen ausgleichen.  
10751        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
10752   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
10753   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
10754   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
10755   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
10756   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
10757   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
10758   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
10759   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
10760   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
10761   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
10762   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
10763   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
10764   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
10765   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
10766    
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10775    
10776   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
10777   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
10778   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
10779   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
10780   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
10781   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
10782   kalkulierten Preis.  
10783        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
10784   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
10785   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
10786   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
10787   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
10788   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
10789   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
10790   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
10791   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
10792   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
10793   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
10794   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
10795   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
10796   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
10797   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
10798   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
10799   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
10800   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
10801   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
10802    
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10812   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
10813   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
10814   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
10815   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
10816   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
10817   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
10818   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
10819   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
10820   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
10821   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
10822   fassung.  
10823        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
10824   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
10825   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
10826   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
10827   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
10828   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
10829   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
10830   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
10831   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
10832   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
10833   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
10834   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
10835   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
10836   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
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10848   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
10849   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
10850   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
10851   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
10852   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
10853   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
10854   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
10855   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
10856   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
10857   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
10858   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
10859   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
10860   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
10861   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
10862   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
10863   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
10864   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
10865   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
10866   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
10867   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
10868   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
10869   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
10870        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
10871   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
10872   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
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10883   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
10884   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
10885   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
10886        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
10887   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
10888   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
10889   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
10890   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
10891   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
10892   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
10893   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
10894   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
10895   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
10896   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
10897   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
10898   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
10899   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
10900   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
10901   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
10902   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
10903   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
10904   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
10905   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
10906      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
10907   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
10908   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
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10919   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
10920   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
10921   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
10922   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
10923   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
10924   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
10925   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
10926   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
10927   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
10928   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
10929   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
10930   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
10931   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
10932   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
10933   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
10934   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
10935   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
10936   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
10937   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
10938   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
10939   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
10940   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
10941   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
10942   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
10943   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
10944   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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10955   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
10956   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
10957   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
10958   Bild.  
10959    
10960        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
10961   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
10962   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
10963   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
10964   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
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10978   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
10979   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
10980    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
10981   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
10982   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
10983   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
10984   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
10985   erhoffen liessen.  
10986        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
10987   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
10988   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
10989   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
10990   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
10991   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
10992   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
10993   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
10994    
10995        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
10996   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
10997   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
10998   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
10999   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
11000   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
11001   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
11002   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
11003   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
11004   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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11017   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
11018   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
11019   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
11020   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
11021   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
11022   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
11023   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
11024   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
11025   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
11026   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
11027   ten.  
11028    
11029        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
11030   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
11031   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
11032   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
11033   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
11034   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
11035   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
11036   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
11037   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
11038   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
11039   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
11040   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
11041   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
11042   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
11043   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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11056   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
11057   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
11058   von Edelmetallen.  
11059        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
11060   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
11061   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
11062   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
11063   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
11064   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
11065   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
11066   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
11067   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
11068   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
11069   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
11070   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
11071   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
11072   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
11073   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
11074   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
11075   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
11076   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
11077   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
11078   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
11079   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
11080   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
11081   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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11094   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
11095   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
11096   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
11097   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
11098   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
11099   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
11100   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
11101   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
11102   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
11103   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
11104   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
11105   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
11106   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
11107   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
11108   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
11109   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
11110   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
11111   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
11112   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
11113   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
11114   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
11115   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
11116   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
11117   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
11118   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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11131   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
11132   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
11133   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
11134   stanz in sich birgt.  
11135        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
11136   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
11137   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
11138   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
11139   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
11140   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
11141   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
11142   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
11143   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
11144   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
11145   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
11146   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
11147   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
11148   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
11149   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
11150   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
11151   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
11152   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
11153   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
11154   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
11155   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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11168   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
11169        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
11170   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
11171   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
11172   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
11173   erhalten.  
11174        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
11175   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
11176   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
11177   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
11178   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
11179   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
11180   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
11181   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
11182   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
11183   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
11184        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
11185   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
11186   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
11187   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
11188   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
11189   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
11190   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
11191   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
11192   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
11193   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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11206   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
11207        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
11208   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
11209   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
11210   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
11211   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
11212   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
11213   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
11214   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
11215   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
11216   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
11217   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
11218   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
11219   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
11220   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
11221   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
11222   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
11223   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
11224   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
11225   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
11226   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
11227   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
11228   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
11229   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
11230   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
11231   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
11232   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
11233   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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11246   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
11247   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
11248   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
11249   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
11250   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
11251   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
11252   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
11253   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
11254   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
11255   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
11256   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
11257   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
11258   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
11259   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
11260   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
11261   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
11262        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
11263   lautete:  
11264   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
11265   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
11266   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
11267   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
11268   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
11269   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
11270   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
11271   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
11272   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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11285   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
11286   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
11287        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
11288   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
11289   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
11290   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
11291   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
11292   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
11293   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
11294   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
11295   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
11296   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
11297   mal des Geldes bedeutete.  
11298        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
11299   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
11300   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
11301   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
11302   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
11303   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
11304   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
11305   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
11306   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
11307   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
11308   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
11309   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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11322   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
11323   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
11324   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
11325   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
11326   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
11327   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
11328   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
11329   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
11330        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
11331   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
11332   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
11333   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
11334   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
11335   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
11336   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
11337   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
11338   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
11339   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
11340   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
11341   noch genügend zu lösen übrig.  
11342          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
11343   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
11344   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
11345   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
11346   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
11347   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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11360   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
11361   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
11362   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
11363   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
11364   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
11365   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
11366   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
11367   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
11368   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
11369   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
11370   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
11371     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
11372   Entwicklung zu skizzieren.  
11373       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
11374   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
11375   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
11376   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
11377   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
11378   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
11379   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
11380   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
11381   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
11382   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
11383   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
11384   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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11397   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
11398   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
11399   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
11400   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
11401   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
11402   sich üner den Stoff erhebt.  
11403        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
11404   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
11405   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
11406   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
11407   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
11408   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
11409   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
11410   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
11411   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
11412   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
11413   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
11414   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
11415   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
11416   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
11417   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
11418   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
11419   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
11420   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
11421   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
11422   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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11435   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
11436   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
11437   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
11438   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
11439   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
11440   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
11441   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
11442   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
11443   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
11444   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
11445   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
11446   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
11447   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
11448   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
11449   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
11450   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
11451   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
11452   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
11453   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
11454   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
11455   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
11456   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
11457   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
11458   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
11459   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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11472   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
11473   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
11474   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
11475   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
11476   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
11477   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
11478   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
11479   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
11480   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
11481   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
11482   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
11483   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
11484        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
11485   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
11486   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
11487   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
11488   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
11489   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
11490   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
11491   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
11492   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
11493   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
11494   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
11495   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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11508   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
11509   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
11510   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
11511   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
11512   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
11513   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
11514   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
11515   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
11516   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
11517   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
11518   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
11519   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
11520   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
11521   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
11522   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
11523   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
11524   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
11525        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
11526   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
11527   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
11528   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
11529   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
11530   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
11531   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
11532   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
11533   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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11546   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
11547   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
11548   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
11549   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
11550   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
11551   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
11552   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
11553   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
11554   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
11555   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
11556   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
11557   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
11558   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
11559   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
11560   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
11561   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
11562   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
11563   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
11564   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
11565   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
11566   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
11567   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
11568   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
11569   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
11570   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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11583   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
11584   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
11585   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
11586   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
11587   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
11588   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
11589   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
11590   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
11591   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
11592   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
11593   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
11594   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
11595   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
11596   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
11597   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
11598   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
11599   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
11600   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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11613   noch von einer Tauschwirtschaft zu sprechen, wobei aber bei letz-  
11614   terer Ausdrucksweise nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob der  
11615   Tausch bereits bei Hingabe des Geldes oder erste bei Wiederein-  
11616   lösung desselben in Waren als vollendet zu gelten hat. Mag eine  
11617   Theorie auch einen Warenkauf mit gleichzeitiger Geldzahlung als  
11618   einen Tausch charakterisieren wollen, wobei auch beim stoffwert-  
11619   losen Gelde alle Gesetze eines realen Tausches, gleich wie bei  
11620   zwei stofflichen Gütern obwalten; bei der Betrachtung der Wirt-  
11621   schaft müssen wir uns wieder begegnen, in deren Grenzen innerhalb  
11622   einer bestimmten Periode alles zum letzten definitiven Tausche ,  
11623   zum Konsum drängt. Nur dadurch wird die Wirtschaft wieder in das  
11624   Gleichgewicht gebracht und zugleich zu neuer Leistung angefacht.  
11625   Und zu diesem letzten Konsumakte gehören von der volkwirtschaft-  
11626   lichen Perspektive aus gesehen alle Güter die verzehrt oder doch  
11627   nicht mehr mobil gemacht und nimmer in die Zukunft wirken können.  
11628   Auch wenn das Geld stoffwertvolles Gut und etwas die zeitlich  
11629   beschränkten Produktionsphasen Überdauerndes, gewissermassen  
11630   Ewiges darstellt und immer auf´s neue gegen Genussgüter zu tau-  
11631   schen bereit ist, auch dann wird, natürlich immer nur periodisch  
11632   gesehen, dieses Stoffgeld zum Stillstand verurteilt sein, wenn  
11633   die über den Eigenbedarf verfügungsfreien Waren gegen andere  
11634   ebensolche sich ausgetauscht haben und so innerhalb der vorhan-  
11635   denen Möglichkeiten der grösste Sättigungsgrad des Konsums er-  
11636   reicht ist. Von diesem Augenblicke an ist das Geld begrifflich  
11637   nicht mehr T a u s c hgut, sondern einfach Gut, ein Besitz wie  
11638   irgend ein anderer, der in der Hand des Wirtschafters nach vol-  
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11651   lendetem Austausch seine überschüssigen Produkte in andere Konsum-  
11652   güter mittels jenes Geldes doch im Einzelfall, nie aber in der Gesamt-  
11653   heit möglich sein. In anderen Falle, wo das GEld in eienm stoffwert-  
11654   losen Material vergegenständlicht ist, und das ganz besonders bei  
11655   dem durch den Warenwechsel an die Produktion gebundenen Gelde,  
11656   das wiederum eingezogen und damit volkswirtschaftlich vernichtet  
11657   wird, bei dem --a--kann von einem definitiven Tausche zwischen Geld und  
11658   Ware, wenn überhaupt, so doch nur sehr gezwungen und gewagt gespro-  
11659   chen werden.  
11660        Wohl aber können wir dort, wo freie Menschen in wirtschaft-  
11661   liche Beziehungen zueinander treten, diese, wenn sie von einem ge-  
11662   schlossenen Wirtschaftsverbande organisiert werden, zusammen genom-  
11663   men als Tauschwirtschaft allgemein anerkennen. Das Prinzip der  
11664   Äquivalenz, das wir geneigt sind, in den Tausch zu legen, kann durch  
11665   Machtverhältnisse getrübt bis schrill gestört werden, aber hier  
11666   bei der Betrachtung des Kreislaufes kann es nur darauf ankommen,  
11667   innerhalb der ganzen Wirtschaft nachzuweisen, dass trotz dieser  
11668   Störung plus und minus sich aufhebt und der Güterausgleich auf  
11669   dieser Grundlage sich hat vollziehen können.  
11670        Wir münden hier in die Frage des Wertes und Mehrwehrtes  
11671   ein, ohne hier dem weiter nachforschen und ohne erreichen zu wollen,  
11672   wie weit im einzelnen jenes plus oder minus über das durchschnitt-  
11673   liche Einkommen in der nur gedankanklich möglichen Abstraktion "der  
11674   Gesellschaft der Gleichen" hinaus schwingt oder zurückbleibt. Wir  
11675   sahen nur, dass solche M^^ö^^glichkeit besteht, wenn der Arbeitende  
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11688   nicht mehr das Werk seiner Arbeit verfügungsbereit in Händen  
11689   hat, dass die Spanne eine immer grössere zu werden vermag, je  
11690   entfernter der Wirtschaftende einer fertigen Ware insbesondere  
11691   den Produktionsmitteln steht, je weiter die Abhängigkeit reicht,  
11692   ohna aber, was wesentlich ist, der äusserlichen Freiheit verlustig  
11693   zu gehen. Wenn, wie wir gesehen haben, ein G^^u^^t sich definitiv nur gegen ein anderes austauschen kann, so ist das natürlich für die  
11694   ganze Güterwelt von Gültigkeit und in der Volkswirtschaft kompen-  
11695   sieren sich im Endzustande zwei gleiche Güterkomplexe.Die Schwie-  
11696   rigkeit, das plastisch zu erkennen, müssen wir hier im besonderen  
11697   darin suchen, dass in der mordernen Wirtschaft, wohl Nutzungen und  
11698   selbständige Dienste, die in keinerlei konnexer Beziehung zu deren  
11699   Warenwelt stehen, ihrerseits doch an der Güterentnahme aus der  
11700   Wirtschaft, am Kuuo uunsum beteiligt sind und im allgemeinen noch darin,  
11701   dass die Tauschhandlungen aus einander gerissen und erst durch  
11702   den Kredit wieder verbunden werden, ferner dass der Schleier des  
11703   Geldes über den güterwirtschaftlichen wesentlichen Vorgängen  
11704    gebreitet liegt. Wir bestreiten zudem nicht, dass alle Vorgäng  
11705   hier nicht ihre Wurzeln haben, wollen aber im Ferneren ein Bild geben, das  
11706   , ohne das Gesagte zu negieren, den modernen Erscheinungen doch eher  
11707   gerecht und uns allgemein verständlicher wird.  
11708        Vorher aber wollen wir noch die Auffassung Schumpeters  
11709   wiedergeben, der etwa folgendermaassen ausgeführt:  
11710        "Wirtschaft ist der Kreislauf von produktiven Aufwen-  
11711   dungen und konsumtiven Verwendungen innerhalb einer Periode und  
11712   und zwar realisieren sich Produktion und Verteilung durch den  
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11725   Austausch von produktiven Leistungen sachlicher und persönlicher  
11726   Natur gegen Genussgüter. Für letztere allein gelte der Ausdruck  
11727   Sozialprodukt. Die Produktion ist wirtschaftlich nicht anderes  
11728    als ein Kombinieren von Produktionsmitteln und damit realisiert  
11729   sie in den Geschäftsakten, im Eigentum von Produktionsmitteln  
11730   gegen Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
11731   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden-und Arbeitsleistungen und  
11732   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
11733   sie wieder Genussgüter auch zugleich die Verteilung. Die Unternehmer  
11734   tauschen das Sozialprodukt gegen Buuouuden- und Arbeitsleistungen und  
11735   gegen produzierte Produktionsmittel. Mit letzteren produzieren  
11736   sie wieder Genussgüter u.s.f. Die Produzenten von produzierten  
11737   Produktionsmitteln tauschen gegen Genussgüter und diese wieder  
11738   aus gegen Produktionsmittel, mittels deren sie wieder neu zu pro-  
11739   duzieren imstande sind. Der Anteil des einzelnen hängt von dem  
11740   Marktwert seiner Tätigkeit ab. Jedes Subjekt wirft in den güter-  
11741   wirtschaftlichen Automaten seinen Beitrag und erhält durch den  
11742   Mechanismus eine Güterquantität und alle diese Güterquantitäten  
11743   die Einkommen, erschöpfen das Sozialprodukt. Das Geld nun zerreisst  
11744   die Volkswirtschaft, die sonst einen grossen Markt bilden würde,  
11745   in zwei Märkte. Auf dem Produktionsmittelmarkt sind die Unterneh-  
11746   mer Nachfragende--n-- ,die Konsumenten Anbietende , auf dem Genussgüter-  
11747   markt umgekehrt und so vollzieht sich dann der Austausch von  
11748   Geld gegen Genussgüter. Die Kuuouunsumenten des Genussgütermarktes  
11749   sind dieselben, die auf dem Produktionsmittelmarkt als Anbietende  
11750   auftreten und können auf dem Genussgütermarkt dasselbe Geld aus-  
11751   geben, das sie auf dem Produktionsmittelmarkt eingenommen haben,  
11752   wobei die Unternehmer bezüglich ihrer eigenen Leistung den  
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11765   Anbietenden auf dem Produktionssmittelmarkt und bezüglich ihrer  
11766   eigenen Konsumtion den Nachfragenden auf dem Genussgütermarkt  
11767   beizuzählen sind. Auf dem Produktionsmittelmarkt steht wiederum  
11768   nur soviel zur Verfügung als korporativ--n--auf dem Genussgütermarkt  
11769   ausgegeben wurde und durch Vermittlung der Unternehmer auf den  
11770   ersteren gelangt ist.""  
11771                    Soweit Schumpeter.  
11772        Wir mögen die Wirtschaft beleuchten, von welcher Seite  
11773   wir auch immer wollen, das Zentralproblem werden wir in der Güter-  
11774   verteilung zu suchen haben und der Schlüssel, der uns die Pforten  
11775   zum Kuuouusum öffnet, den finden wir im Einkommen.Der Konsumtrieb  
11776   ist das Schwungrad für jegliche Produktion, für jegliche Bewegung  
11777   im Wirtschaftskörper überhaupt. Er ist immer das primäre Moment  
11778   und er allein diktiert die Produktion, mag er auch wieder in seiner  
11779   möglichen Höhe an die Grösse der derzeitigen Produktion eng ge-  
11780   bunden sein. Eine Vorauseskomptierung des wahrscheinlichen Konsums  
11781   ist in der Wirklichkeit denn doch immer vom wirklichen Konsum  
11782   abhängig und folgt ihr der nicht, so entsteht mangels Abnahme derenWare, wenn auch möglicherweise nur ganz lokal, so doch immerhin  
11783   dem Wesen nach eine Krise.  
11784        Was wir heute verzehren wollen, muss wohl das Erzeugnis  
11785   einer früheren Produktion gewesen sein, aber eben einer solchen  
11786   die vom erfahrungsgemäse vorauserwartetem heutigen Kuuoouunsum vor-  
11787   geschrieben wurde. mit dem Einkommen, das wir heute ausgeben, kau-  
11788   fen wir die Güter früherer Produktionsepochen. Dazu ist nötig, dass  
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11800    
11801   die Wirtschaft stets von einem konstinuierlich fortlaufenden Gü-  
11802   terstrom durchflutet ist, in dem Ein-und Abfluss, Produktion und  
11803   Kuuouunsumtion in gewissen Guuruunzen sich die Wage halten müssen.Zwang-  
11804   los finden wir hier die Erklärung mancher Krise:nämlich dann,  
11805   wenn wir aus der Muuüuundung mehr Kuuouunsumgüter erwarten, als diese uns  
11806   für den Augenblick zuführen kann, oder in anderer Variation, wenn  
11807   wir einen späteren Kuuouunsum gewaltsam und stossweise hinaufzuschrau-  
11808   ben versuchen und für diese dahin zielende, sich aber erst später realisierende Tätigkeit heute schon konsumreife Equivalente ver-  
11809   langen. Hier der wirtschaftlichen Entwicklung keine Fesseln anzu-  
11810   legen und ihr auf der anderen Seite doch auch wieder schwere  
11811   Krisen zu ersparen, hier eine wahre Formel zu entdecken, das sind die  
11812    Sorgen und zugleich die Streitpunkte der Geldpolitik in bezug  
11813   auf die Geldschöpfung als auch hinsichtlich der Bank--und beson-  
11814   ders der Diskontopolitik.  
11815        Wir stellen für unsere Uvvnvvtersuchung der modernen Wirt-  
11816   schaft fest, dass wir in ihr mit dem Faktum von Geldpreisen zu  
11817   rechnen haben, die uns in ihren Zahlenausdrücken zwar keinen Auf-  
11818   schluss über deren absolute Werte, wohl aber über das gegenseitige  
11819   Verhältnis ihrer absoluten Werte geben. Wir wissen, dass diese Preise  
11820   einmal historischoaus dem direkten Tauschverkehr, dann aber als  
11821   eine gesellschaftliche Erscheinung begriffen werden müssen, ohne  
11822   indes an dem Kern des Wertbegriffes rütteln zu wollen, der als  
11823   Maass des gegenseitigen Abwägens nur die wirtschaftlich notwen-  
11824   dige, wertvolle und anerkannte Arbeit zulässt. Wenn nicht grundle-  
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11838   gende Produktionsänderungen eintreten und besonders dann, wenn  
11839   wir in einen Weltmarkt verflochten sind, werden wir in den Preisen  
11840   mit gegebenen Grössen zu rechnen haben .Die Werteinheit hat die  
11841   Bedeutung, - das sei hier wiederholt - uns nur relative Werte  
11842   aufzuzeigen.Wohl aber muss jedes Gut seinen absoluten Wert aus  
11843   dem oben besagten Arbeitsfaktor ableiten und wie das im einzelnen,  
11844   so gilt es natürlich für jedes andere Gut und alle Güter, für die  
11845   ganze Produktion der Volkswirtschaft überhaupt. Die wirtschaftlich  
11846   wertvolle und anerkannte Arbeit, das sind in der modernen Wirtschaft  
11847    die Produktionskosten der Güter und diese Aufwende insgesamt das  
11848   ist das Einkommen der Nation.  
11849        Die Kalkulation ist nicht weiter, als eine Addition von  
11850   aufzuwendenden Produktionskosten, die eben die Einkommensanteile dar-  
11851   stellen. Wie sich dann wieder die verschiedenen Einkommenskategorien  
11852   in die Preise aufteilen, denn meist müssen wir praktisch bei ihnen  
11853   mit der starren oberen Grenze rechnen, das ist eine Machtfrage, die  
11854   uns in diesem Falle nicht interessieren kann, insofern als wir nicht  
11855   die Störungen, die in der Wirtschaftsordnung begründet sind, im ein-  
11856   zelnen zu untersuchen haben. Für die Betrachtung des Kreislaufes  
11857   der Wirtschaft und insbesondeere für das Erkennen des Wesens der  
11858   Werteinheit genügt es festgestellt zu haben, dass alle erzeugten  
11859   Güter, alle Einkommen in sich enthalten müssen, dass aber der Zu-  
11860   griff zum Realeinkommen, das meist nur aus einer gar nicht mess-  
11861   baren Teilbarkeit an einem Gvvuvvte besteht, für den einzelnen gar  
11862   nicht möglich ist und als ein Charakteristikum der arbeitsteili-  
11863    
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11876   gen Verkehrswirtschaft auch gar nicht möglich sein kann. Füglich  
11877   muss jeder sein Einkommen in einer Form zur Verfügung gestellt  
11878   haben, die es ihm dennoch ermöglicht, dem realen Wert seines Anteils,  
11879   den er iirgendeinem Gvvutvve zugeführt hat, in anderen gleichen Werten  
11880   auf dem Markte zu erreichen. Wir haben alle unsere Arbeitskraft in  
11881   einen Einheitsstrom von Arbeit zusammen getan, in dem alles Per-  
11882   sönliche und Individuelle untertaucht, wo aber dennoch jeder gerade  
11883   in dem Verbundensein eine Bereicherung der Gesamtheit wie auch des  
11884   einzelnen erwartet. Der ganze Arbeitsstrom findet sein Equivalent  
11885   im ganzen Arbeitsprodukt, mag auch im einzelnen wiederum der eine  
11886   auf Kvvovvsten des anderen seinen Vvvovvrteil zu erringen suchen.  
11887        Zum Realeinkommen, zum Kvvovvnsumgütermarkt ist und das Nomi-  
11888   naleinkommen das "Sesam, öffne dich". Mittels dessen müssen wir  
11889   wieder den Anschluss an die Güterwelt finden, von der wir uns in  
11890   der arbeitsteiligen Wirtschaft mehr und mehr entfernt haben; das  
11891   Nominaleinkommen muss insgesamt das Realeinkommen vom Markte wie-  
11892   der mobil machen. So ist es uns, - gleich in welcher rechnerischen  
11893   Grösse, -die Anweisung auf den Konsumtionsfond und unter Anerken-  
11894   nung der Quantitätstheorie muss der Ausgleich von Einkommens-und  
11895   Preishöhe auf dem Markt sich vollziehen. Betonen wollen wir gleich,  
11896   dass diesenEndzustand zwar in jeder Wirtschaft erreicht sein muss,  
11897   dass aber keine dauernden Preisrevolutionen notwendig sind, die  
11898   Zvvuvvngen der Wirtschaftswage, Nominaleinkommenshöhe und Preisstand zu  
11899   equilibrieren.  
11900        Wir können sagen:  
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11912    
11913        Realeinkommen R mal Preis (im Durchschnitt , Index ) P ist  
11914   gleich Nvvovvrmaleinkommen N und können diesem Satz sogar allgemeine  
11915   Gültigkeit zuerkennen. Vorher aber haben wir schon gesehen, dass  
11916   ehedem der Begriff des Normaleinkommens noch möglich war, doch das  
11917   System der Preise, d.h. zahlenmässig differenzierte Werteinheits-  
11918   ausdrücke sich im Verkehr herauskristallisiert hatten. Wenn nun  
11919   dieser nicht mehr imstande ist seine Arbeiter oder Mitglieder in  
11920   einem Gute zu entlohnen, das auf Grund seines Stoffwertes in jene  
11921   Relation eingezogen werden kann, so muss er an Stelle von Gleich-  
11922   wertigem(Tauschgut ) doch Gleichnamiges, Tauschmittel oder Anweisung  
11923   auf das Sozialprodukt den Leistenden zur Verfügung stellen. In  
11924   jedem Falle muss die Brücke geschlagen werden zwischen Einkommen  
11925   und Kvvovvnsumtionsmöglichkeit und in der modernen Wirtschaft ist es  
11926   das Vorherrschen der Werteinehit, die in Geld oder der Wirkung  
11927   nach geldgleicher Form das Nominaleinkommen, eine, isoliert betrachtet  
11928   abstrakte Grösse mit etwas durchaus Realem, dem Produkt der ganzen  
11929   Gemeinschaft verbindet. Doch ist die Werteinheit eine ältere Er-  
11930   scheinung nd hat doch ihren Ursprung, wo wir erstmals von Preisen  
11931   sprechen; die Funktion, die wir ihr hier zuerkennen, das Bindeglied  
11932   des zerrissenen und gespaltenen Tausches zu sein, ist dem gegenüber  
11933   eine abgeleitete und setzt die erstere voraus.  
11934        In der Kalkulation bedienen wir uns der Werteinheit und  
11935   addieren damit die darin ausgedrückten Arbeitsaufwände. Der daraus  
11936   sich ergebende Preis ist dann der Kvvovvstenfaktor aller Einkommen.  
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11953   Die Paralellität in der Höhe der Werteinheit zwischen dem Nominal-  
11954   einkommen und den Preisen insgesamt: N ist gleich R mal P, ist  
11955   uns damit nichts Verwunderliches. Wir können auf die Wagschale  
11956   der Güter nichts legen, ohne auf der anderen, wo die Arbeitsauf-  
11957   wände und damit die Einkommen sich sammeln, Stücke gleichen Ge-  
11958   wichtes, gleiche Mengen von Werteinheiten hinzuzufügen; ja es führt  
11959   kein anderer Weg zur Produktion als durch Aufwendungen von Arbeit  
11960   und damit von Einkommen. Der nominelle Preis eines Produktes wird  
11961   zerlegt in die prozentualen nominellen Anteile der verschiedenen  
11962   Erzeuger und sie erhalten so ihr Nominaleinkommen, prozentuale  
11963   Anteile am gesamten Produktionsfond.  
11964        Wir sehen, dass in ordnungsmässigem Gang der Wirtschaft  
11965   die Bindungen so starke sind, dass von einem quantitätstheoreti-  
11966   schem Ausschwingen zwischen Einkommen und Preisen praktisch gar  
11967   nicht mehr gesprochen werden kann; beides sind eigentlich eines  
11968   und dasselbe. Die Güterpreise finden wir in gewissen Grenzen als  
11969   gegebene Grössen vor, denn die Produktionsweise ändert sich allge-  
11970   mein meist nicht spr--i--[ergänzt: handschriftl. u]nghaft und auch alle anderen neuerzeugten  
11971   Produkte ordnen sich in Verhältnismässigkeit schon ehedem sie  
11972   auf den Markt gelangen diesem Netz von Relationen ungefähr ein.  
11973   Mit der Grösse der Produktion und den Preisen wird als abhängige  
11974   Grösse das Nominaleinkommen in absolut gleicher Höhe geschaffen.  
11975   Preiskampf und Preisrevolution kann begrifflich nicht möglich  
11976   sein, wenn beide Faktoren jeweils das gleiche bedeuten, wenn sie  
11977   nur verschieden aufgeteilt, das eine Mal in nominelle Güterpreise,  
11978    
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11990   das andere Mal in nominelle Einkommen, gegeneinander gestellt aber  
11991   doch sich gegenseitig aufheben müssen. Der Kvvovvnsum bestimmt nicht  
11992   nur die Höhe, sondern auch die Auswahl der Produktion und je nach  
11993   seinen objektiven Wertschätzungen einerseits und den objektiven  
11994   Beschaffungswiderständen andererseits werden diese oder jene Güter  
11995   herangezogen werden .Was aber in diesem Zusammenhang mitbestimmt  
11996   das sind die Einkommen, die nicht nur allein von der Form als einer  
11997   gesellschaftlichen Einrichtung, sondern auch von der Intensität  
11998   und der Qualität der Produktion beeinflusst und geändert werden.  
11999    Wir deuten damit an, dass in einem gegebenen Land unter gegebenen  
12000   Produktionsverhältnissen alle Einkommenskategorien in einem bestimm-  
12001   ten Verhältnis zu einander stehen müssen; dass Unternehmer und Ar-  
12002   beiter, Bauern, Beamter und freie Berufe nicht willkürlich nebenein-  
12003   ander bestehen, sondern von einer wirtschaftlichen Notwendigkeit  
12004   gezwungen sich zu einem harmonischen Ganzen vereinen müssen. Neben  
12005   dem Preisgebäude oder besser mit dem Preisgebäude ist auch das  
12006   Einkommensgebäude geschaffen und gebunden, nicht so dass bei beiden  
12007   eine absolute Starrheit erreicht wäre, aber doch ein innerer Zusam-  
12008   menhang zu konstatieren ist.  
12009        Der Kreislauf der Wirtschaft würde bei uns in dem Pro-  
12010   blem gipfeln, die Einkommen, die das Sozialprodukt aufheben sollen,  
12011   so zu ordnen und so unter alle Einkommensempfänger zu verteilen,  
12012   das insgesamt nicht mehr nominelles Einkommens auf dem Markte er-  
12013   scheinen kann, als während der Produktion gleichnamige Einheiten  
12014   für die erstellten Produkte verausgabt wurden. Darin müssen sich  
12015    
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12024    
12025   aller, aber auch alle Berufsgruppen teilen. In den Güterkalkulati-  
12026   onen finden wir die Substanz für alle Einkommen.  
12027        In einem Schema wollen wir aufzeigen, wie wir uns die  
12028   Abwicklung vorstellen und werden zu diesem Behufe vier Arten  
12029   von Einkommen zu unterscheiden haben:  
12030    
12031   1.) Die an der Produktion und an der Zumarktebringung der Genuss-  
12032   güter unmittelbar Beteiligten, also die Produzenten, Händler, Zins-,  
12033   Renten- Gehalts- und Lohnempfänger. Sie stellen die primäre Haupt-  
12034   einkommensform dar und verkörpern das gesamte Einkommen der Gesell-  
12035   schaft. Alle weiteren Einkommen werden aus dieser Masse gespeist.  
12036    
12037   2.) Die an der Evvrvvschaffung des festen "volkswirtschaftlichen  
12038   Kapitals" arbeitenden Berufskreise (Bauarbeiter und -unternehmer,  
12039   Brücken-, Eisenbahnbauer usw.); sie schöpfen ihr Einkommen aus  
12040   den Ersparnissen aller übrigen Gruppen ( 1 ; 3 ; 4 . )  
12041    
12042   3.) Die freien Berufe, wie Aerzte, Schriftsteller, Künstler usw., die  
12043   aus den freiwilligen Abgaben aller übrigen ihren Anteil geltend  
12044   machen können .  
12045    
12046   4.) Die Beamten im öffentlichen Dienst, die mittels Steuern jeg-  
12047   licher Art durch den Fiskus kaufkräftig werden.  
12048    
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12062        Was an jeder bildlichen Darstellung fehlerhaft sein  
12063   muss, ist das stossweise Geschehen der Akte, die sich in Wirklich-  
12064   keit natürlich im organischen Flusse befinden. Das müssen wir auch  
12065   hier berücksichtigen, wenn wir eine Periode in ein einmaliges Ge-  
12066   schehen zusammenpressen. Was uns deutlich werden soll, ist die  
12067   Para[ergänzt handschriftlich: l]ellität von Nominaleinkommen mit der Preishöhe der Gesamtpro-  
12068   duktion. Wenn nach unserer Zeichnung in der Kalkulation das Produkt  
12069   einen Preis von 100 erzielt, so darf für jenes Produkt auch nicht  
12070   mehr wie 100 Einheiten auf dem Markte kaufkräftig werden. Arbeiter,  
12071   Angestellte, Produzenten und Händler (Gruppe I) geben insgesamt ab  
12072   an Beamte durch Steuern und Abgaben 4 mal 3 ist 12, an freie  
12073   Berufe 4 mal 2 ist 8, an die Kapitalerstellenden 4 mal 3 ist 12;  
12074   treten also von ihren Einkommen ab 12 , 8 und 12 ist 32 und es  
12075   bleiben ihnen folglich 68 und diese 68 und 32 zusammen auf dem  
12076   Konsumgütermarkt ausgegeben, heben das Produkt von 100 auf.  
12077   Weiter ist im Bilde angenommen, dass die verschiedenen sekundären  
12078   Einkommenszweige sich gegenseitig Zuschüsse leisten, der Einfach-  
12079   heit halber hier immer das gleiche. Was an die kapitalerzeugenden  
12080   Berufe hingegeben wurde, bedeutet zwar für die Abtretenden privat-  
12081   wirtschaftliches Kapital ; - privatwirtschaftliches Kapital aber,  
12082   das sich in sog. volkswirtschaftlichem Kapital niedergeschlagen  
12083   hat in dem Werk derjenigen, welche die Konsummöglichkeit von den  
12084   Sparenden erhielten. Diese haben dann, sofern es sich nicht um  
12085   direkten Eigenbesitz mit Eigenverantwortung handelt [ergänzt handschriftlich:, ] einen obligato-  
12086   rischen oder schliesslich auch dinglichen Anspruch.  
12087    
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12096    
12097   Halbfabrikate gelten als Genussgüter, denn es ist leicht zu ersehen,  
12098   dass diese in der weiterverarbeitenden Produktion in deren Kalku-  
12099   lationen als ein fertiger Posten erschienen, für den in der voraus-  
12100   gegangenen Produktion Einzelarbeitsaufwände entlohnt werden muss-  
12101   ten. Zins und Rente wurde ohne weiteres dem Produzenten- und Händ-  
12102   leranteil zugerechnet. Des weiteren sind die Posten für Abschrei-  
12103   bung und Abnutzung weggelassen, denn ob von der Gesamtheit aus ge-  
12104   sehen 20 mal 5 zurückbehalten, dafür dann einmal 100 aufgewendet  
12105   wurde, ist belanglos und muss sich zum mindesten in grösseren Zeit-  
12106   läufen ausgleichen.  
12107        Das Realeinkommen der Gemeinschaft besteht in der Masse  
12108   der erzeugten Güter, das Nominaleinkommen in der Summe ihrer Geld-  
12109   preise. Das ist nichts zufälliges, sondern die notwendige Folge des  
12110   Gleichlaufs von Produktion und sie begleitender Einkommensbildung .  
12111   Wenn wir sagen, die Preise und in ihnen die Idee der Werteinheit  
12112   seien Verhältniszahlen zwischen den einzelnen Güterwerten, so dass  
12113   diese vergleichbar und gesellschaftlich gültig austauschbar wer-  
12114   den, so müssen wir auch bekennen, dass innerhalb der Einkommen  
12115   selbst der gleiche Geist wie bei den Preisen vorherrscht; auch sie  
12116   werden, ohne dass die absolute Leistung mehr erkenntlich ist, doch  
12117   nach gesellschaftlicher Wertung geschieden und vergleichbar. Die  
12118   Nominaleinkommen sind das Speigelbild der Preise und so können wir  
12119   die letzteren auch als Verhältniszahlen zwischen Real- und Nominal-  
12120   einkommen bezeichnen. Das wir den Preisen die primäre Rolle ein-  
12121   räumen, könnte als gegen die Tatsachen verstossend erschienen, denn  
12122    
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12131    
12132   äusserlich treten tatsächlich zuerst die Einkommen in Erscheinung  
12133   und nehmen möglichst an dem Preise im einzelnen die letzte Kor-  
12134   rektur vor; aber die Preise sind nicht nur historisch gegenüber  
12135   dem Nominaleinkommen das Ursprüngliche, sondern selbst in der von  
12136   uns geschilderten Ordnung bilden sie sich nur in strenger Anlehnung  
12137   an einen wirtschaftlichen bereits fixierten, oder wenigstens voraus-  
12138   kalkulierten Preis.  
12139        Was aber nachzuholen wichtig ist, das ist der Begriff des  
12140   Nominaleinkommens, den wir bisher als etwas Gegebenes hingestellt  
12141   haben. Wir konnten das tun, nachdem wir im ersten Abschnitt vom  
12142   Gelde gesprochen und in ihm das technische Mittel erkannt haben,  
12143   das die Verkehrswirtschaft zu funktionieren befähigt. Aber wir  
12144   sahen auch, Voraussetzung für das Geld ist wiederum das Vorhanden-  
12145   und Wirksamsein der Preisidee, wenn auch ursprünglich nur Stoff-  
12146   quantitäten zum Vergleich gelangen. Das Nominaleinkommen ist nun,  
12147   (wenigsten teilweise) dieses Geldeinkommen. Wie weit die beiden  
12148   Begriffe sich decken, ist in jedem Einzelfall wohl verschieden;  
12149   sie können das völlig tun, wenn das ganze Einkommen in Geld erstat.  
12150   tet ist, d.h., wenn keine Möglichkeit besteht, reale Güter direkt als  
12151   Einkommen zu erhalten, während also Real. und Nominaleinkommen sich  
12152   stets decken müssen, weil es nur verschiedene Ausdrücke gleicher  
12153   Sache sind, ist das Geldeinkommen nicht ohne weiteres eine 3.Aus-  
12154   drucksform dafür; wird oftmals nur ein Tel [sic] der erstgenannten Be-  
12155   griffe sein und kann nur in der Ausschliesslichkeit des Einkom-  
12156   mensempfanges in dieser Form zum gleichen Werte werden. Das Geld  
12157   lebt, um die Güter auszutauschen, die eine Fülle von Relationen  
12158    
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12168   darstellen;- wenn es heute nun den Kauf vermittelt durch Hingabe  
12169   von Nominaleinkommen gegen Güter, so ist das durch den Schleier  
12170   gesehen der gleiche witschaftliche Vorgang. Diese letzte Karte  
12171   decken wir auf, wenn wir den Mechanismus kurz erklären, wie das  
12172   Nominaleinkommen, das Geldeinkommen entsteht. Nach unserer ganzen  
12173   Ausführung kann es keine Fvvrvvage sein, dass wir es in engster Anleh-  
12174   nung an die Güterproduktion zur Schöpfung bringen müssen. Stellen  
12175   wir dabei die Geldkreation auf Grund des akzeptierten Warenwech-  
12176   sels als die der Vollendung am nächsten kommende Einrichtung hin,  
12177   so handeln wir nur folgerichtig unserer bisher beschriebenen Auf-  
12178   fassung.  
12179        Ivvmvv Gelde, dem Repräsentanten unseres Nominaleinkommens  
12180   haben wir einen Anspruch an die Allgemeinheit, während wir --i--unsere  
12181   wertvollen Dienste der privaten Produktion liehen und auch hier-  
12182   her die Quelle unseres Einkommens verlegten. Jede Hingabe von Dienst  
12183   Nutzung oder Gvvuvvt bewirkt zuerst einmal ein privates Forderungs-  
12184   recht, das wir irgendwann einmal zum Eigengebrauch lebendig wer-  
12185   den lassen wollen. Eine solche private Forderung ist die Buchfor-  
12186   derung und es ist der Warenwechsel, den der Fabrikant für eine wirt-  
12187   schaftlich abgenommene Leistung in Händen hält. In diesem Wechsel  
12188   sind aber, da viele Hände dem Unternehmer dienstbar waren, das  
12189   Produkt zu vollenden, auch alle deren Arbeitsleistungen und füg-  
12190   lich deren Einkommen eingeschlossen und hier erlöst uns die Geld-  
12191   schöpfung vor weiteren privaten , in's kleinste zu zerlegenden  
12192   Forderungsrechten, welche die Arbeiter wiederum ihren Unternehmer  
12193    
12194    
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12204   Unternehmer [sic] geltend machen müssten. Die starre Berufsgliederung  
12205   zeugt davon, dass wir das Vertrauen zur Gemeinschaft, zu der Wirt-  
12206   schaft haben, und darum entäussern wir uns unserer vergegenständ-  
12207   lichten Arbeit, weil wir erwarten und wissen, dass wir auf dem  
12208   Markte auch ohne dieses Gut oder Teilgut selbst doch der Equi-  
12209   valente habhaft werden können. Ivvmvv privaten Verkehr konnten nur  
12210   privaten Forderungen entstehen. Die private Produktion aber ist  
12211   so enge mit einander verbunden und in solch' grosser gegensei-  
12212   tiger Abhängigkeit, dass wir in der Marktwirtschaft, wo alles  
12213   in einander greift, wo alle für einen und einer für alle zusammen  
12214   stehen, dass wir dort jedes derartige private Forderungsrecht  
12215   in ein öffentliches umwandeln und als das Symbol der Forderung  
12216   an die Allgemeinheit das Geld der Gemeinschaft, das staatliche  
12217   Geld ansehen. Die Reichsbank führt hier nur eine Funktion des  
12218   Marktes zu Ende. Jede Forderung ist von der anderen Seite gesehen  
12219   aber eine Schuld, also hier eine Schuld, die von der Gesamtheit  
12220   getilgt werden muss. Praktisch geschieht das, indem wir bei der  
12221   Kvvovvnsumtion Teile dieser Forderung fortgeben, bis unser ganzes  
12222   Forderungsrecht, eben unser Einkommen sich aufgelöst hat und in  
12223   der Wirkung das Fvvovvrderungsrecht und das Geld aus der Wirtschaft  
12224   entfernt ist. Wir haben konsumiert. Mit der letzten Konsumtion  
12225   und der letzten Wechseleinlösung ist der Kreislauf beendet.  
12226        Dass das Geld uns als etwas anscheinend ewig Bleibendes  
12227   in der Wirtschaft gegenübertritt, beruht auf einer Täuschung.  
12228   In Wahrheit entsteht es täglich mit der Leistung und vergeht mit  
12229    
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12239   der Kvvovvnsumtion, gleich wie uns ein grosses Feuerwerk eine dauernde  
12240   Helle vorspiegelt, die durch tausende von Raketen, die nacheinander  
12241   aufsteigen und wieder in's Nichts zurückfallen, verursacht wird.  
12242        Es könnte hier natürlich nicht unsere Aufgabe sein, die  
12243   Technik genau auseinander zu setzen; was wir vielmehr schildern  
12244   wollen, das sind die Zvvuvvsammenhänge, sowiet sie das gezeichnete Bild  
12245   vollenden müssen. Zvvuvvr Verteidigung des Wechsels wollen wir aber  
12246   doch die Hauteinwände betrachten. Seine Sicherheit und seine Eig-  
12247   nung zur Geldschöpfung, d.h., ob er wirklich absatzfähige Konsum-  
12248   güter repräsentiert, das können wir ruhig xxx dem viel bekritelten  
12249   Profitstreben der Privatwirtschaft überlassen. Sie hat selbst  
12250   das denkbar grösste Interesse daran, Gnade vor den Augen ihrer  
12251   Mitmenschen zu finden. Die grösste Sicherheit liegt nicht etwa  
12252   in den geforderten prima Unterschriften, sondern in der wirt-  
12253   schaftlichen Uvvnvvmöglichkeit, dass auch nur eine nennenswerte Anzahl  
12254   von Wechseln notleidend würde. Die Gefahr auch, dass mehrere Wech-  
12255   sel für ein und dieselbe Ware im Umlaufe sind, ist nicht so hoch  
12256   zu bewerten, denn der erste Wechselschuldner, der darauf Gläubiger  
12257   wird, kann den diskontierten Wechselbetrag nucht als Einkommen  
12258   geltend werden lassen, d.h. konsumieren; muss er doch sein Accept  
12259   wieder einlösen. Im übrigen gelangt immer nur ein Prozentsatz  
12260   von Wechseln bis zum obersten Organ der Reichsbank, die übrigen  
12261   können aus dem Uvvmvvlaufe der gerade freien Gelder gespeist werden.  
12262      Doch zurück zu unserer Betrachtung: Die Einkommensgrösse,  
12263   die wir mit dem gesamten erzeugten Gütervorrat gegenüber stellen,  
12264   eben in dem Sinne, dass beide nur neben einander zur Entstehung  
12265    
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12275   kommen können, kann uns nur eine gedanklich mögliche Grösse  
12276   sein. Wenn wir das Geldeinkommen mit Nominaleinkommen gleich  
12277   setzen und es in Paralelle stellen zum gesamten Realeinkommen,  
12278   dann müssten wir fordern, dass jegliche Einkommen in neu geschöpf-  
12279   ter Geldform zur Verteilung gelangen. In Wahrheit wird aber Pro-  
12280   duktion in Natura verteilt, es wird mit noch umlaufendem Gelde  
12281   bezahlt, es werden Gegenforderungen au--s--[ergänzt handschriftl.]fgerechnet, Wechsel dienen  
12282   als Zahlungsmittel, Giroguthaben ersetzen neues Geld und so kommt  
12283   es, dass wir in diesem ganzen Konglomerat die Einkommensgrösse zu  
12284   suchen haben. Was das Geld anlangt, so ist in der Grösse der  
12285   Produktion wohl eine obere Gvvrvvenze geschaffen. nach unten aber ist  
12286   der Verkehr souverän. Denken wir nun daran, dass das gleiche Geld  
12287   teilweise als blosses Rechengeld z.B. an den Quartalsterminen  
12288   aufzutreten pflegt, des weiteren auch mit tätig ist, den Kapital-  
12289   markt zu speisen. In diesen Fällen steht das Geld fern seiner  
12290   eigentlichen primären Funktion. Das Geld ist auf der einen Seite  
12291   Bescheinigung für unsere Leistung, die sich in realem Gute hat  
12292   niederschlagen müssen, das uf dem Markte erscheinen wird, auf der  
12293   anderen Seite ist es eine Anweisung auf wieder ein reales Gut ;  
12294   verbunden also, vermittelt uns das Geld den Austausch zwischen  
12295   den realen Gütern. Das Nominaleinkommen schiebt sich nur dazwischen  
12296   als eine Folgeerscheinung der heutigen Produktionsweise. Diesen  
12297   Dienst vermag das Geld, das haben wir bereits im ersten Abschnitt  
12298   gesehen, zu leisten, weil es im Zvvuvvsammenfügen und Teilen von Wert-  
12299   einheiten auch die Güter vergleichbar und teilbar werden lässt.  
12300   Die Werteinheit schafft Preise und lässt durch sie den Güter-  
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12311   austausch möglich werden. Das erste und letzte Glied des modernen  
12312   wirtschaftlichen Kreislaufes betrachtet. - die Distribution  
12313   scheiden wir aus , - bietet uns wieder das gleiche ursprüngliche  
12314   Bild.  
12315    
12316        Die Wirtschaft erschöpft sich im Austausch von realen  
12317   Gütern, und die Werteinheit ist das Instrument, auch dort, wo der  
12318   Tausch dem Bereiche des Zufälligen entwächst und sich zu einer  
12319   gesellschaftlichswirtschaftlichen Erscheinung erhebt und verdichtet,  
12320   auch dort den Gesetzen des Realtausches die freie Bahn zu bereiten.  
12321    
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12334   alter der geschlossenen Hauswirtschaft, wo deren MItglieder je nach  
12335   Eignung durch Geschlecht und Geschicklichkeit, in freier Arbeit den  
12336    Unterhalt der Familie beschafften. Von einem Werten in solcher Wirt-  
12337   schaft kann man eigentlich nur in dem Sinn sprechen, als die Arbeit  
12338   eben nur auf solche Dinge angewandt wurde, denen man den Güterwert  
12339   zuerkannte, und d.h. wieder Dinge, die im Verhältnis zu der Dringlich-  
12340   keit des Bedürfnisses den gleichen Begfriedigungs- und Sättigungsgrad  
12341   erhoffen liessen.  
12342        Die wirtschaftliche Entwicklung, die wir als Tatsache  
12343   annehmen wollen, schreitet fort. Durch irgendwelche Umstände, wie die  
12344   Völkerwanderungen, traten die Menschen nicht nur in Beziehungen zu  
12345   anderen Wirtschaften ihres Stammes und ihrer Art, sondern auch zu  
12346   fremden Völkern mit anderen Sitten, Gebräuchen und Lebensgewohnheiten;  
12347   lernen damit fremde Bedürfnisse kennen und schätzen. Die ersten Tausch-  
12348   handlungen werden hier zustande gekommen sein, ohne dass aber eine  
12349   Werteinheit dabei nötig war, - ein Gut tauschte das andere aus.  
12350    
12351        Schon in den Anfängen des wirtschaftlichen Verkehrs  
12352   spielt die persönliche Qualifikation eine Rolle, insofern als sie  
12353   zur Bildung von Berufen drängt, ohne aber, wie wir sehen werden, den  
12354   reinen Naturaltausch noch zu stören. Wenn der Töpfer und der Korb-  
12355   flechter ihre Produkte auszutauschen trachten, so werden sie etwa die  
12356   Ueberlegung anstellen: Der Korbflechter, der die irdene Schale benö-  
12357   tigt, wird abschätzen, dass er zwei Tage zu deren Herstellung aufwenden  
12358   muss, während der Töpfer sie vielleicht in einem Tage schon herstellt.  
12359   Dem Töpfer, dem der Korb begehrenswert erscheint, wird umgekehrt zwei  
12360   Tage Arbeit zu dessen Beschaffung benötigen; der Korbflechter hinwie-  
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12372    
12373   derum hierzu nur einen Tag. In der Hingabe ihres Erzeugnisses tauschen  
12374   die beiden die Arbeit eines Tages- (Ton und Weiden sind mit gleichem  
12375   Beschaffungswiederstand zu erreichen, die Geschicklichkeit der Tauschen-  
12376   den in ihrem Berufe, ihre persönliche Quali--z--fikation ist gleich) - sie  
12377   tauschen absolute Äquivalente. In dem Maasse aber, in dem die Hauswirt-  
12378   schaften an der Geschlossenheit, die eben ihr Wesen ausmachte, verlieren  
12379   und die Fäden mit anderen solchen anknüpfen, weil sie aus solchem Tun  
12380   grössere und jedenfalls reichlichere Bedürfnisbefriedigung erhoffen,  
12381   in gleichen Maass arbeiten sie auf eine, wenn auch noch primitive Ar-  
12382   beitsteilung hin und helfen eine neue Wirtschaftsverfassung vorberei-  
12383   ten.  
12384    
12385        Die Häufung der Tauschoperationen vermehrt zugleich die  
12386   Schwierigkeit ihrer Durchführung, denn nicht immer wird der Tauschende  
12387   den finden, der gerade sein Erzeugnis benötigt und das gewünschte feil-  
12388   bietet. Die Güter sind naturnotwendig auch nicht von gleicher Teilbar-  
12389   keit und Dauerhaftigkeit. Wie, wenn ich hundert kleine Dinge oder leicht  
12390   verderbliche Genussmittel benötige und nur ein Rind dafür zu tauschen  
12391   in der Lage bin. S o l a n g e wird der Tausch eine Zufälligkeit blei-  
12392   ben, so lange keine Möglichkeit besteht, diese Widerstände zu umgehen.  
12393   Nicht Menschengeist hat erfunden, sondern die natürliche, organische  
12394   Entwicklung drängte darnach und liess aus dem Verkehr selbst heraus  
12395   ein allgemein beliebtes, gern in Tausch genommenes Gut erwachsen, das  
12396   dank seiner Eigenschaften - widerstandsfähig, relativ kostbar, teilbar  
12397   haltbar und leicht transportierbar - imstande war, jene die Entwicklung  
12398   fesselnde Schwierigkeit zu überbrücken und damit den Tausch als allge-  
12399   mein geübte wirtschaftliche Handlung zu legalisieren. Die Geschichtss-  
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12411    
12412   schreibung erzählt uns von Vieh, Muscheln, Fellen und vor allem und  
12413   damit betrachten wir bereits wieder eine neue Form der Entwicklung -  
12414   von Edelmetallen.  
12415        Alle Momente, die wir zu solcher bevorzugten Stellung  
12416   für nötig erachten, die Edelmetalle vereinten sie in sich bis dass  
12417   sie in einer gewissen, irgendwie durch Stamm oder Wahl zusammenhängen-  
12418   den Gemeinschaft als Universaltauschgut den gesamten Verkehr beherrsch  
12419   ten. Jetzt musste jedes Ding beim Tausch das Medium des Edelmetalles  
12420   passieren und erhielt seinen Wertausdruck in der Reduktion auf eine  
12421   Teilgewichtsmenge des allgemeinen Tauschgutes. Und zwar können wir  
12422   sagen, je grösser und weit verzwiegter diese Gemeinschaft der mit  
12423   gleichen Maassen Wertenden ist, je grösser und verzweigter ihr Bedarf,  
12424   je entwickelter ihr öffentliches Leben ist, desto sicherer, zielbewuss-  
12425   ter und natürlicher, desto genauer ausbalanciert werden in der Vielheit  
12426   der Beziehungen die Güterwertungen im Verkehr sich herauskristallisie-  
12427   ren. Das Edelmetall wird mählich, ohne dass wir genau das Datum der  
12428   Geburtsstunde werden nennen können, vom Tauschgut zum Tauschmittel  
12429   sich wandeln, womit dann auch gleichzeitig begrifflich der Werteinheit  
12430   ihr Standort und ihr Wirkungskreis angewiesen wird. Wir haben dabei  
12431   wohl den Einwand zu erwarten, dass dann, wenn durchaus gleichwertige,  
12432   reale Güter, wie auch hier noch, zum Tausch gelangen, der Charakter des  
12433   Tauschgutes noch absolute Gültigkeit besitzt. Anerkannt sei das einst-  
12434   weilen aber nur für einen dritten, der ohne selbst mit seinen Schätzun-  
12435   gen den gegebenen Zustand gültig werden liess, neu in den fraglichen  
12436   Wirtschaftskörper gestellt werde. Nur der wird die bekannten Erwägungen  
12437   anstellen, wieviel ihm eine Sache wert, wieviel ihm die Beschaffungsar-  
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12450   beit wert oder nicht erscheint. Für das Glied der Wirtschaftsgemein-  
12451   schaft selbst werden die relativen Wertbeziehungen in gewissen Grenzen  
12452   eine konstante, historisch zu begreifende Grösse darstellen. So weit  
12453   eine Beeinflussung seinerseits möglich war, hat er seine Stimme bereits  
12454   in die Wagschale geworfen. Für ihn wird eine Gleichung, wie ein Korb  
12455   ist gleich 10 g Gold, so genau sich auch in den objektiven Massen über-  
12456   einstimmen mag, in seinem wirtschaftlichen Denken noch auch keine ab-  
12457   schließende Betrachtung, nicht der endgültige Zustand sein. Seine gedank-  
12458   liche Rechnung wird weiter greifen und etwa die Formel zeigen:  
12459   Ein Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale. Gold ist  
12460   zur Durchgangsstation, ist nur Mittel um zu seiner Wortgleichung:  
12461   Ein Korb ist gleich einer Tonschale, zu gelangen. Wenn alle so zustande  
12462   gekommenen Gleichungen objektiv wahr, deren Faktoren wirklich gleich-  
12463   wertig sind, gemessen an dem zur Beschaffung notwendigen Arbeitsauf-  
12464   wand, denn nur dieser allein kann in der noch primitiven Wirtschafts-  
12465   ordnung massgebend sein, dann scheint auch die Berechtigung vorzuliegen,  
12466   das wesentliche Moment nicht in der Funktion als Tauschgut sondern als  
12467   Tauschmittel zu suchen. Keineswegs verkennen wir dabei die grundlegende  
12468   Bedeutung des Tauschgutes, soweit alle später definierten Werteinheiten  
12469   historisch auf jenem fussen, und nicht einmal der konsequenteste Formali  
12470   mus wird sich dazu verstehen; wir anerkennen aber auch die Notwendigkeit  
12471   in der Fülle der relativen Wertzusammenhänge und ihren Schwankungen  
12472   einen ruhenden Pol zu suchen oder zu konstruieren, von dem wir ausgehen,  
12473   um wieder zu ihm zurückkehren zu müssen, der Anfang und Ende jeder  
12474   wirtschaftlichen Handlung bedeutet. Dass wir aber gerade zu letzterem  
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12487   Behufe das reale Tauschgut benötigen, ist nicht einzusehen, solange  
12488   es kein G u t geben kann - und nie wird die Natur uns ein solches  
12489   bescheren - , das über Zeit und Raum hinaus die absolute Wertkon-  
12490   stanz in sich birgt.  
12491        Wenn wir nach dem absoluten Werte forschen, sind wir  
12492   nicht erkenntnisreicher geworden, wenn wir wissen, dass ein Korb  
12493   nicht nur gleich einer Tonschale sondern auch gleich 10 g Gold ist.  
12494   Verbreitert hat sich lediglich die Basis, die Zahl der Relationen  
12495   und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Gleichung wahr ist. Ver-  
12496   gessen wir doch nicht die ursprüngliche Bedeutung der Werteinheit,  
12497   uns beim Tausch Diener zu sein, ihn zu erleichtern. Die Tauschopera-  
12498   tionen zwischen Einzelkontrahenten bedürfen zu Durchführung keines  
12499   dritten, realen Gutes, ja, es wäre geradzu unsinnig, ein solches einzu-  
12500   schalten. Die Forderung nach dem "artgleichen Messwerkzeug" findet  
12501   hier sogar zur vollsten Befriedigung seine Lösung. Nachdem wir die  
12502   subjektiven Schätzungen, die die Arbeit erst in jene Richtung in ge-  
12503   wisser Stärke gelenkt hat, als Daten hinnehmen können, sehen wir es  
12504   in geradezu kristallener Klarheit und Schärfe, dass der Arbeitsauf-  
12505   wand, dessen wirtschaftlicher Wert, der Beschaffungswidersand es ist,  
12506   der das natürlichste, gerechteste Mass uns liefert und zudem noch  
12507   unabhängig ist von allen absoluten und damit relativen Schwankungen  
12508   der einzelnen Güter selbst und untereinander. Ja mögen dies in den  
12509   unwahrscheinlichsten Ausmassen revolutionieren, den Ruhepunkt wer-  
12510   den sie erst dann wieder erreichen, wenn sie nach dem natürlichen  
12511   Gesetz der gleichen Arbeitswertmengen, hier ohne jede Störung über-  
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12524   haupt, Arbeitsmengen als Arbeitszeiten sich ausgependelt haben.  
12525        Welche Arbeit, welches Mass, welches Gut könnte dabei  
12526   von Schwankungen verschont und als absolut unberührt fest gelten?  
12527   Keines, auch das Gold nicht, müssen wir darauf antworten. Auch das Gold  
12528   kann auf keinem anderen Wege seinen Tauschwert abgeleitet v  
12529   erhalten.  
12530        Wenn also eine Reduktion auf Gold als dem sogen. Wertmaass  
12531   nicht auch gleichzeitig die Gewähr dafür bietet, dass auf lanfe Sicht  
12532   hinaus keine Aenderung der Produktionsweise eintreten wird und in-  
12533   folge grösserer oder geringerer Wertschätzungen einzutreten braucht,  
12534   so ist es unlogisch, auf diesem Punkte schon genüge zu finden. Nie  
12535   und nimmer ist das Gold und ist kein Gut von Natur aus ein, über den  
12536   Augenblick hinausreichendes absolutes Wertmaass und wenn es darum  
12537   das Wesen der Werteinheit ausmachen müsste auf ein solches Gut  
12538   von historisch gültiger Konstanz basiert zu sein, sie könnte dieser  
12539   Funktion in der Wirtschaft nicht gerecht werden.  
12540        Aber wir sahen es, wenn wir von ihrer Funktion als Tausch-  
12541   mittel sprachen, dass das wesentliche Moment nur das eine sein kann  
12542   die relativen Beziehungen der Güterwerte auszudrücken und dies ver-  
12543   mag sie unbeeinflusst von Wertschwankungen fremder Güter als  
12544   auch denen ihres Eigenkörpers. Gleich, ob einzelne oder alle oder  
12545   ob nur das Gold als Wertmaass seinen Eigenwert ändert, das Tausch-  
12546   mittel Gold wird als Werteinheit die relativen Beziehungen auch  
12547   nach völliger Umlagerung doch wieder genau anzugeben vermögen.  
12548   Und nochmals sei betont, was die absoluten Wertgrössen anlangt, eine  
12549   dahin gehende Erwägung bereits vor diesem Akte liegen muss und  
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12562   begrifflich nicht damit zusammenhängt.  
12563        Wann wir überhaupt in der geschichtlichen Betrachtung  
12564   erstmals mit dem Begriff Werteinheit operieren wollen, muss eine  
12565   mehr oder minder willkürliche Erwägung sein. Nicht wollen wir von  
12566   Werteinheit sprechen etwa beim ersten zufälligen Tausch, indem wir  
12567   sagen, und wir könnten das, das eine Gut sei gewissermassen die Wert-  
12568   einheit des anderen, sondern wollen Werteinheit dann erst als Tat-  
12569   sache gelten lassen, wenn eine Gemeinschaft in all ihren wirtschaft-  
12570   lichen Handlungen sich zwanglos eines einzigen Wertausdruckes be-  
12571   dient. Voraussetzung für die Werteinheit ist als eine historische  
12572   Entwicklung in einem wirtschaftlichen Verband und die Werteinheit  
12573   ist in der Gültigkeit und in der Wahrheit des Ausdruckes um so  
12574   allgemeiner und bestimmter, je kulturell entwickelter, je weiter  
12575   verzweigt und doch wieder je fester in einander gefügt das gemein-  
12576   same öffentliche und wirtschaftliche Leben sich dort abspielt.  
12577   Die kon-s-tinuierliche Linie, die harmonisch-organische  
12578   Entwicklung, die die geschlossenen Hauswirtschaften überwunden, sie  
12579   zu Verbänden darüber hinaus und diese wiederum vielleicht zu noch  
12580   grösseren Gemeinschaften zusammengeschweisst hat, sie schafft dazu  
12581   notwendig auch die äusseren Formen und MIttel für das rechtliche  
12582   und öffentliche Leben. Als eine der wesentlichen Normen hat die  
12583   Gesellschaft, die wir von nun an zur Verdeutlichung den Staat nennen  
12584   wollen, das wirtschaftliche Leben zu regeln und ordnen übernommen;  
12585   die Sitte prägt er zu Rechtsätzen und als einen solchen müssen wir  
12586   es ansehen, wenn er die reale Werteinheit durch Namengebung äusser-  
12587   lich zu einer staatlichen Kategorie stempelt. Der Staat lässt Stücke von  
12588   bestimmtem Edelmetallgewicht durch die Prägung zu seinem, inner-  
12589   halb seiner Grenzen gültigem Gelde werden. Die staatliche Autorität  
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12602   sollte Wage und Probierstein erübrigen, das aufblühende Wirt-  
12603   schaftsleben sollte von den starren Fesseln befreit werden.  
12604   Die Relationen drücken sich nimmer in Gewichtsmengen aus, sondern  
12605   in einem Teil oder der numerischen Vielheit der staatlich prokla-  
12606   mierten, dabei noch durchaus realen Werteinheit, wobei diesen Neu-  
12607   ordnung immer nur einer Umrechnung, keineswegs einer Umwertung  
12608   gleichbedeutend sen kann. Was wir bisher die Relationen der  
12609   Güterwerte nannten, das sind jetzt die Preise, denn diese sind im  
12610   Grunde nichts anderes als Verhältniszahlen. Die Tauschmittelfunk-  
12611   tion des Geldes als der Form, oder besser der Werteinheit als des  
12612   Inhalts schält sich mit jeden weiteren Schritt der Betrachtung  
12613   immer deutlicher heraus. Zwar sind die beiderseitigen Objekte  
12614   jedes einzelnen Tausches immer noch Realitäten, und das ist not-  
12615   wendig, solange die staatliche Autorität noch nict in dem spä-  
12616   teren Maasse gefestigt und in längerer Webung eine Gewähr für  
12617   die reibungslose Abwicklung des Verkehrs gegeben war.  
12618        Greifen wir unsere frühere Gleichung wieder auf, die  
12619   lautete:  
12620   1 Korb zu je 10 g Gold wie 10 g Gold zu 1 Tonschale.  
12621   Bei der Inbeziehungsetung des Korbes zu den 10 g Gold ist die  
12622   reale Uebereinstimmung, wenngleich die 10 g Gold für den Korb-  
12623   flechter nichts Definitives bedeuten und er im Geiste gleich  
12624   wider die dazugehörige Gleichung wie 10 g Gold zu 1 Ton-  
12625   schale anstellt, doch ohne weiteres erkenntlich gegeben. Bei der  
12626   Reduktion auf den Preis aber, 1 Korb ist gleich 27,90 M ( Fiktion:  
12627   Vom reaalen Goldtausch wurde direkt zum Marktwert übergegangen  
12628   gleich Vergleichung der Vorkriegszeit 1 kg Gold ist gleich  
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12641   2.790.- M) fehlt uns zum vollen Verständnis des equivalenten  
12642   Tausches wieder eine weitere Gleichung:  
12643        2.790,- M zu 1000 g wie 27,90 M zu 10 g,  
12644   mit anderen Worten - wir müssen den Münzfuss kennen. Noch umständ-  
12645   licher und verzweigter werden die Vergleiche, wenn der Korbflech-  
12646   ter nun gar noch weitere Erwägungen anstellen muss, um in den Be-  
12647   sitz der Tonschale zu gelangen. Das Geld wäre die törichteste Ein-  
12648   richtung und wir könnten nicht glauben, dass es solches Geld gäbe,  
12649   dass der Verkehr zu seiner Erleichterung und Beschleunigung sich  
12650   eines solchen I vvnvv strumentes bediente oder es eigentlich erst so  
12651   recht schuf, das ihn wie eine Zwangsjacke hemmen müsste, wenn, ja  
12652   wenn eben die Funktion des Tausch g u t e s das wesentliche Merk-  
12653   mal des Geldes bedeutete.  
12654        Das Vorhandensein des realen Tauschgutes kann uns somit  
12655   nicht hinden, so sehr es auch das Bild verschleiern kann, den wahren  
12656   Charackter des Geldes im Tauschmittel zu erblicken, ja sogar dann  
12657   erst den Begriff Geld überhaupt anzuwenden, wenn die Werteinheit,  
12658   auf die es lautet, ihrem Inhalt und Wesen nach vom Objekt zum MIt-  
12659   tel sich gewandelt hat. Wenn die Werteinehit, das Gut Gold, gleich  
12660   wie es in jener definiert ist, allein den Gegenpol zu allen anderen  
12661   Güter bildet, so ist es naturnotwendig, dass es, ausgenommen den  
12662   Fall wirklich einmal zur letzte Befriedigung zu dienen, die histo.  
12663   rische Verankerung und damit auch seine Selbstständigkeit im mensch-  
12664   lichen Denken verliert und uns als Grösse nurmehr in der Vielfalt  
12665   der Relationen und Preise etwas zu sagen hat. Die Gewonheit des  
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12678   täglichen Lebens spricht auch nicht mehr von Tausch, sondern von  
12679   Kauf, ja selbst der dem Sinn nach richtige Ausdruck Tauschmittel  
12680   bildet sich in K^^o^^nsequenz um in Zahlungsmittel. Ist das nicht  
12681   auch, wenn auch nur rein äusserlich eine Bestätigung des von uns  
12682   herausgebildeten Gedankenganges? Das konkrete Geld spielt eine  
12683   ganz untergeordnete Rolle, seinen Geist erhält es durch die Wert-  
12684   einheit eingehaucht, auf die es lautet, und die Wirklichkeit die  
12685   Grundlage des ganzen Wirtschaftsverkehrs bildet.  
12686        Wir streiten hier nicht darüber, ob das Geld stoffwert-  
12687   voll oder wertlos zirkulieren muss und kann, das ist eine sekundäre  
12688   Frage. Uns ist nur wichtig, ob die Werteinheit real bestimmt und  
12689   im Stoffe verankert oder ob sie auch eine abstrakte rein rechneri-  
12690   sche Grösse sein kann.Wenn wir sehen und sagten, dass die WErtein-  
12691   heit ihrem Wesen nach vom Objekt zum Mittel geworden ist, so ist  
12692   ein Teil der Antwort schon voraus genommen, und es bleibt uns nur  
12693   noch zu fragen übrig, dass, wenn schon das Mittel die Seele der  
12694   Werteinheit ausmachen soll, ob es dann losgelöst von jeder Bindung  
12695   an eine Realität, ob es dennoch in einer solchen sich verkörpern  
12696   oder ob es nur eine solche symbolisieren müsse.Hier bleibt uns  
12697   noch genügend zu lösen übrig.  
12698          Wiederlegt hoffen wir nur das eine zu haben, dass von dem  
12699   Augenblicke an, wo wir von Werteinheit sprechen - in der wirt-  
12700   schaftlichen Gemeinschaft, die sich allgemein und immer gleichem  
12701   historisch begründeten Wertausdruckes bedinet - nicht jeder wirt-  
12702   schaftliche Akt, jeder Tausch, Kauf oder Verkauf wie wir es gerade  
12703   nennen wollen, immer von neuem die Erwägung des Abschätzens  
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12716   am Golde notwendig macht. Bewiesen hoffen wir zu haben, dass es in  
12717   genanntem Stadium, auch wenn die Werteeinheit noch in stoffwertvol-  
12718   lem Material verkörpert ist, es doch nicht mehr ihre Aufgabe sein  
12719   kann, absolutes Maass für alle übrigen Dinge abzugeben, sondern  
12720   im Ausdruck der Ein-oder Vielheit die Güter der Aussenwelt kom-  
12721   mensurabel zu machen.Ob dann, wenn die Werteinheit ihrem Wesen nach  
12722   und funktionell bereits "die reine Objektivität" besitzt, eine Zu-  
12723   rückreduktion auf den historischen Urgrund als Stoff nicht doch  
12724   notwendig oder wenigstens wünschenswert erscheint und unter wel-  
12725   chen besonderen U^^m^^ständen das der Fall wäre, kann erst die weite-  
12726   re Untersuchung aufklären. Die daran sich anknüpfenden Erörterungen  
12727     wollen wir darum auch hier abbrechen, um die weiteren Daten der  
12728   Entwicklung zu skizzieren.  
12729       Soweit wir bisher analysieren konnten, erkannten wir,  
12730   dass die Werteinheit zwar eine Wandlung bezüglich ihres Inhaltes  
12731   und ihres Wesens erfahren hatte, während der Equivalenztausch äus-  
12732   serlich immer noch aufrecht erhalten blieb. Je mehr nun aber die  
12733   Produktion der Grösse und Reichhaltigkeit nach sich steigerte,  
12734   desto schwieriger musste es sein, diese gleichen Mengen von Edel-  
12735   metallen für den Handel zu beschaffen und so konnte es nicht aus-  
12736   bleiben, dass man zwar auf der einen seite den Segen der eröhten  
12737   Produktivität verspürte, auf der anderen aber auch die Anhäufung  
12738   von Gold und Silber, diesen toten Schatz, als eine zwcklose Mate-  
12739   rial-und Kraftverschwendung erkannte. Wir befinden uns hier an der  
12740   Bruchstelle, wo wir zu einer neuen Phase unserer Wirtschaft kommen,  
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12753   die mit dem Worte K r e d i t gekennzeichnet ist.Mit Hilfe des  
12754   Kredits wurde Gold als ausschliessliches Zahlungs-oder Tausch-  
12755   mittel überwunden; wir tauschen nicht mehr Ware mit barem Gelde,  
12756   sondern Ware auf Kredit gegen eine Forderung. So wirkt die Seele  
12757   des Geldes als Werteinheit begrifflich weiter auch dort, wo sie  
12758   sich üner den Stoff erhebt.  
12759        Ueberlegen wir aber,dass nur derjenige Kredit geben kann,  
12760   der nicht sofort auf das Equivalent seiner Arbeit angewiesen ist;  
12761   dass also wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Voraussetzung für  
12762   ein durch Kreditgewährung entstandenes Forderungsrecht bildet.  
12763   Persönlich, sachlich, örtlich und zeitlich gebunden ist es nicht  
12764   dazu geeignet im Bedarfsfalle mobil gemacht werden zu können und  
12765   so lange das nicht jeder Zeit möglich war, solange das eine Zufäl-  
12766   ligkeit und Ausnahmeerscheinung darstellte, solange konnte auch  
12767   die Kreditgewährung, die das Charakteristikum erst dann darstellt,  
12768   wenn sie allgemein geübt ist, nicht die Erlösung aus den Fesseln  
12769   des Stoffgeldes uns bescheren. Eine Kompensation der verschiedens-  
12770   ten Forderungsrechte wäre zwar begrifflich theoretisch möglich,  
12771   denn die Summe aller Soll- und Ahbenposten müssen von der Perspek-  
12772   tive der Volkswirtschaft gesehen sich genau aufheben; hier aber  
12773   handelt es sich darum, einen für das tägliche Leben gangbaren, prak-  
12774   tischen Ausweg zu finden. Wer wird dieser Schwierigkeiten leichter  
12775   Herr werden, als die autonome Wirtschaft selbst, die sich nicht  
12776   durch ihre Eigenbehelfe in starre Banden legen lässt, die vielmehr  
12777   aus sich selbst heraus die technischen Mittel gebären wird, die  
12778   si zu ihrer glatten Abwicklung wird nötig haben. Und diesen Träger  
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12791   finden wir im Wechsel, der damit die ganze Wirtschaft auf ein  
12792   sicheres F^^u^^ndament stellt. Von seinen sonstigen Rechtstiteln ab-  
12793   gesehen bedeutet er in seiner Urform nichts anderes wie eine  
12794   Quittung über wirtschaftlich gegebenen Kredit. Der Wechsel ist für  
12795   den Kreditgebenden Legitimationspapier für eine wirtschaftliche  
12796   Leistung, für die Hingabe eines Gutes; er ist gewissermassen das  
12797   Protokoll darüber, dass ein Tausch beabsichtigt sei, dass aber erst  
12798   der eine der beiden Kontrahenten zu leisten in der Lage war, wäh-  
12799   rend der andere urkundlich bestätigt oder verspricht, den schul-  
12800   digen Gegenwert nach einer bestimmten Frist einzulösen. Die dem  
12801   Sinna nach unverändert fortbestehende Tauschwirtschaft erfährt nur  
12802   durch die, zwischen die Tauschhandlungen getretene, aber durch  
12803   den Kredit überbrückte Zeitspanne eine Komplizeirung, die uns bei  
12804   nachlässiger Betrachtung verführen könnte, den Tausch, dessen letzte  
12805   Handlung erst immer den definitiven Ruhepunkt bedeuten kann, zu  
12806   negieren. Die ganze Entwicklung erkennen wir als eine zwangsläufi-  
12807   ge, die gewaltsam zur letzten Spitze treiben muss, wenn wir die  
12808   tatsächliche moderne Wirtschaft unserer Betrachtung zu grunde  
12809   legen. Wo neben dem stossweisen Produktionsprozess tausend kon--s--ti-  
12810   nuierlich fortlaufende Konsumakte einher gehen, da müssen die  
12811   Tauschoperationen dieser Gruppen ihr besonderes Gepräge erhalten  
12812   und werden besondere technische Mittel beanspruchen. Und werden  
12813   wir uns klar, dass in der heutigen Wirtschaft wir fast alle sowohl  
12814   auf der einen wie auch auf der anderen Seite zu stehen kommen,  
12815   dann erkennen wir das ganze Problem nicht mehr als ein privates,  
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12828   sondern als ein im höchsten Masse gesellschaftlcihes an, das in  
12829   gesellschaftlichen, gesetzlichen Normen den sichtbaren Ausdruck  
12830   finden muss. Und die Krönung der ganzen Entwicklung erleben wir  
12831   in der Geldschöpfung auf Grund des acceptierten Warenwechsels.  
12832   Die Tätigkeit der Instanz, die der Wirtschaft den^^ie^^ Wechsel mit  
12833   ihren zufälligen Summen ausgedrückt in werteinheiten in staat-  
12834   lich begültigte Stücke auf runde Summen lautend, und dazu frei  
12835   übertragbar, das ist in Geld umwechselt oder genauer gesaggt, vor-  
12836   schiesst, ist, mag sie auch von einem, dem Namen nach privaten In-  
12837   stitut wie der Reichsbank geleitet sein, eine durchaus volkswirt-  
12838   schaftliche, denn diese Stelle ist der organisierte Ausdruck der  
12839   Gemeinschaft, sie handelt im Namen und zum Nutzen der Gesamtheit.  
12840        Den Dienst, den solches Geld für jene Gemeinschaft leistet,  
12841   können wir uns vergegenwärtigen, wenn wir uns den gesamten Zahlungs-  
12842   verkehr - oder wir können ihn auch noch durch alle äussenren  
12843   Formen als Tauschgrundlage erkennen, wenn wir d--en--iesen auf ein allgemein-  
12844   nes Abrechnungs_ und Verrechnungsverfahren gestellt denken, wie dies  
12845   ohne Geld in der arbeitsteiligen Verkehrswirtschaft dann notwendig  
12846   der Fall sein müsste. Es wäre ein auf die höchste Spitze getriebe-  
12847   ner, bargeldloser Verkehr, wie wir ihn uns vielleicht noch technisch,  
12848   kaum aber praktisch könnten vorstellen. Aller Zahlungsverkehr des  
12849   Landes wird durch den Giroverkehr ihrer Zentralbank vollzogen.  
12850   Bendisen hat in seinem "Geld und Kapital" diesen Zustand einmal  
12851   angedeutet, bei dem dann die Banknoten nicht Verpflichtung zur Zahlung, sondern Verpflichtung der Zentrale zur Gutschrift wären.  
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12864   Zwischen einer solchen aus Leistung geborenen G u t s c h r i f t s-  
12865   Banknote und unserer Z a h l u n g s m i t t e l-Banknote ist  
12866   inhaltlich und in wirtschaftlicher Wirkung kein Unterschied.  
12867   Was obiger Variante im tätigen und täglichen Leben entgegensteht,  
12868   das ist bildlich und drastisch ausgedrückt der "10 Pfennig-Automat"  
12869   der rosten muss, wenn wir es nurmehr mit Be-und Entlastung zu tun  
12870   haben. Wenn wir eingangs sagtenm die Wirtschaft schiesst vor, um  
12871   die Tauschhandlungen zu beendigen, so ist damit auch eigentlich schon  
12872   gesagt, dass das Geld als das sichtbare Verrrechnungsmittel darnach  
12873   begrifflich ausser Kurs gesetzt sein muss, aber das geschieht in  
12874   der Form der Einlösung beim Wechselschuldner als dem säumigen  
12875   Tauschkontrahenten. Er nur allein kann in Wahrheit den Tauschakt  
12876   beenden. Wenn in der Erwartung jener letzten Leistung die Wirt-  
12877   schaft jene Tauschwerteinheiten sich eigentlich künstlich selbst  
12878   vorstreckt, so konnte sie das eben nur tun, weil das Güterreservoir  
12879   der Wirtschaft infolge gleichen Z^^u^^und Abstroms nie geleert ist.  
12880   Das kann hier einstweilen nur angedeutet werden.  
12881        Wir wollen die Möglichkeit einer weiteren Fortentwick-  
12882   lung oder vielleicht wäre es nur eine Umbildung der Anpassung,  
12883   nicht ohne weiteres verneinen; wir sind nur für den Augenblick  
12884   der gegenwärtigen Verfassung auf der Spitze angelangt. Die Entwickl-  
12885   lung von der B^^u^^chforderung über den Wechsel bis zur Banknote  
12886   zeigt deutlcih in jedem Stadium den Fortschritt und zugleich Stand  
12887   und Egenart der Wirtschaft. Die Banknote ist enthoben über per-  
12888   sönliche, sachliche, örtliche und zeitliche Bindung, wie sie der For-  
12889   derung und wenn schwächer, so doch auch dem Wechsel anhaftet.  
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12902   Aus ihnen hervorgegangen und gleichen Wesens mit ihnen, dadurch  
12903   wurzelnd in der produktiven Leistung der Gemeinschaft die mittel  
12904   allgemein gültigen Wertbegriffen rechnet, so ist die Banknote, sol-  
12905   che Werteinheiten repräsentierend das moderne Geld geworden, das  
12906   wie ursprünglich das reale Tauschgut - das Geld im Gewichte oder  
12907   auch bereits im Ausdrucke der Werteinheit - in unserer Wirtschaft  
12908   als Tauschmittelfunktion den Verkehr ermöglicht. Jetzt, wo zu den  
12909   Gütern in besonderem Maasse noch Diense und Nutzungne als selbs-  
12910   ständige wirtschaftliche Faktoren treten, müssen auch diese in  
12911   den Kreis der Relationen mit hineingezogen werden und damit taucht  
12912   die eingangs gestellte Frage erneut auf, welches Maass denn geeig-  
12913   net wäre, die durchaus differenzierten Dinge ihrem absoluten Werte  
12914   nach zu bestimmen. Zwar haben wir dem Wert der Waren auch vorher  
12915   schon nach der Menge der angewendeten Arbeit bestimmt; dieses  
12916   allein war wertbildend ohne Rücksicht auf die Art des der Arbeit  
12917   zu gruned liegenden Naturstoffes der an sich wirtschaftlich  
12918   wertlos ist. Die Entlohnung der Arbeit bedeutete ehedem die gegen  
12919   das gestellte Gut getauschte Ware, worinnen gleiche Arbeitsmengen  
12920   in beiden Fällen verkörpert waren. Heute hat nicht jeder Arbeiter  
12921   mehr das Produkt seiner Arbeitsleistung in Händen und darum  
12922   müssen die Beziehungen nicht nur auf die Güterwerte sondern  
12923   getrennt von ihnen auch auf deren Einzelfaktoren, die Dienste  
12924   erweitert werden. Das Geld und in besonderem Maasse die Kategorie  
12925   des stoffwertlosen Papiergeldes ist nur befähigt Relationen  
12926   aufzudecken, obgleich dieses " n u r " genügt, den Mechanismus  
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12939   des Wirtschaftslebens in Bewegung zu halten1/2 Wie jedes Teilgut früh-  
12940   her --e--in einem entsprechenden Teilgewicht dargestellt, so kann  
12941   auch bei modernen Bankgelde jeder Faktor des in Arbeitsteilung  
12942   entstandenen Produktes in einer entsprechenden Anzahl von Wert-  
12943   einheiten symbolisch vergegenständlicht und damit die Distri-  
12944   bution ermöglicht werden. Der Begriff der Werteinheit ist heute  
12945   so in unser Denken und Fühlen eingehämmert, dass wir uns im täg-  
12946   lichen Leben nicht die Frage nach deren absoluten Werte stellen  
12947   müssen. Wohl aber muss die Wissenschaft versuchen, das Dunkel  
12948   zu durchdringen; insbesondere wird es sich darum handeln, das in  
12949   so langer Entwicklung geborene Bankgeld - unser heutiges Geld  
12950   schlechthin - um dazu alles, was begrifflich damit verwoben ist  
12951   wie Bardeckung, Geldeinlösungspflicht, Prägefreiheit und mehr  
12952   näher zu analysieren. Die Betrachtung des Kreislaufes der Wirt-  
12953   schaft, der Einkommensbildung und Güterverteilung, die den Rahmen  
12954   des folgenden Teils abgeben soll, wird geeignet sein, die Zusam-  
12955   menhänge unserer Wirtschaft aufzudecken und manche der gestell-  
12956   ten Fragen der endlichen Beantwortung ertgegen reifen lassen.  
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12968   __D i e L e h r m e i n u n g e n__  
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12970   Der M e t a l l i s m u s .  
12971   Der N o m i n a l i s m u s .  
12972    
12973        Sind wir dem Wesen des Geldes in funktioneller Hinsicht  
12974   bei der vergangenen Betrachtung näher gekommen und konnten wir  
12975   das gewonnene Bild uns formen, ohne dass wir uns mit Entschieden-  
12976   het zu einer herrschenden Tvvhvveorie bekannten, - haben wir dort  
12977   nur das tatsächliche Geschehen kritiklos hingenommen und es ver-  
12978   sucht, die einzelnen Dvvavvten zu organischem Fluss an einander zu rei-  
12979   hen, so müssen wir jetzt den Geldtheorien unser Ohr leihen, deren je-  
12980   de mit Bestimmtheit und seltenem Fanatismus ihren Standpunkt für  
12981   den allein richtigen vertritt.  
12982        Eine eigentliche wissenschaftliche Forschung nach dem  
12983   Wesen des Geldes beginnt naturgemäss mit dem Metallismus, einer  
12984   Geldlehre, deren Ivvnvvhalt uns noch ganz deutlich werden wird. Dieses  
12985   theoretische Besinnen erfüllte darauf denn auch ausnahmslos und  
12986   ohne Widerspruch die Geister und heute sogar können wir noch sagen,  
12987   dass die alten klassischen Gesetzte jenes orthodoxen Metallismus  
12988   ohne nennenswerte Redivierung [sic] im Schwange sind und immer noch  
12989   Grundlage auch aller späteren, selbst der modernsten Entwicklung.  
12990        In den Anfängen des Geldverkehrs war das Geld und damit  
12991   sprechen wir von allen Geldstoff schlechthin, auch wenn er schon  
12992   staatlicher Prägung unterzogen war, doch eigentlich nichts anderes,  
12993   als ein Gut wie eben die übrigen Güter alle, das sich nur  
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13004   bei Tauschbedarf in das Tauschgut vorübergehend in " Geld"  
13005   wandelte und so jeweils durch das Heraustreten aus dem allgemeinen  
13006   Güterkreis in den ihm entgegen stehenden, ihn bewegenden Geld-  
13007   kreis automatisch die nötige Geldmenge schuf. Die Warenbewegung  
13008   ist das primäre, gegenüber der Geldbewegung und zieht diese nach  
13009   sich. Und gleich wie von Wirtschaft zu Wirtschaft so floss das  
13010   Gold wechselnd von Gemeinschaft zu Gemeinschaft gewissermaassen  
13011   im intervalutaren Verkehr als das allgemein beliebte und gebräuch-  
13012   liche Geldtauschgut, als ein Weltgeld.  
13013        Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber bedingte der  
13014   natürliche Mangel an Edelmetallen ein Verlassen oder wenigstens  
13015   doch --E--[ergänzt handschriftl.]einschränken dieses Systems des sich selbst regulierenden  
13016   Zu- und Abstroms von Geld, von Gold. Damit ging eine verwandte  
13017   Tendenz Hand in Hand, nämlich ein Bestreben, das ersparte Edelme-  
13018   tall in den Tresor der Banken aufzuspeichern und mehr und mehr  
13019   den goldersetzenden Banknoten die Hauptrolle im Geldverkehr zu  
13020   überlassen .Dvvavvs schien der herrschenden metallistischen Geldauf-  
13021   fassung nicht zu widersprechen, denn selbst der fürhende National-  
13022   ökonom jener Epoche - Ricardo - sagt über jene papierenen Umlaufs-  
13023   mittel, die wohl gleichartig funktionierend doch nicht Metall -  
13024   (Waren) geld waren:" Ein Geldumlauf ist in seinem vollkommensten  
13025   Zustand, wenn es gänzlich in Papiergeld besteht, aber in einem  
13026   Papiergeld von gleichem Werte wie das Gold, das es zu vertreten  
13027   erklärt. Der Gebrauch von Papier anstatt von Gold ersetzt das  
13028   kostspieligste durch das billigste Material und befähigt das  
13029    
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13039   Land, ohne irgendjemand zu benachteiligen, alles Gold, das es früher  
13040   zu diesem Zwecke benützte gegen Rohstoffe, Werkzeuge und Nahrungs-  
13041   mittel einzutauschen, durch deren Gebrauch sein Wohlstand und seine  
13042   Genüsse vermehrt werden."  
13043        Ist nun aber dieses Papiergeld nur Stellvertreter des  
13044   Edelmetalles und dieses allein nur das eigentliche Geld, das trotz  
13045   des grössten Anreizes zu seiner Förderung dennoch zum Verkehr nim-  
13046   mer ausreicht, und zudem noch als volkswirtschaftlich unrentabel  
13047   gelten muss; ist das Papiergeld - die Banknoten - also nur Symbol  
13048   eines gedachten Goldquantums, dann allerdings muss notwendig die  
13049   Frage auftauchen, wie gross muss diese Papiergeldmenge oder wie  
13050   gross wäre wohl die im Verkehr benötigte Goldmenge, deren Wert das  
13051   Papier vorstellen müsste? Wenn der Metallismus diese Menge nicht  
13052   mit einer ökonomischen Evvrvvscheinung in der Wirtschaft verkettet  
13053   und aus einer Denkgrösse eine messbare werden lässt, dann wird er  
13054   in der modernen Wirtschaft zu sehr dem schwankenden Rohre gleichen,  
13055   als dass man es wagen könnte, die Geldschöpfung so zu basieren.  
13056   Ricarod [sic] schreibt noch im gleichen Kapitel darüber: Das Publikum  
13057   vor allen Veränderungen im Werte der Umlaufsmittel zu schützen  
13058   ausser denjenigen welchen der Münzwert selbst unterworfen ist, und  
13059   den Umlauf gleichzeitig mit einem möglichst wenig kostspieligen  
13060   Metall zu bewerkstelligen, heisst den vollkommensten Zvvuvvstand zu  
13061   erreichen." Dazu empfiehlt er dann die Einlösbarkeit der Nvvovvten  
13062   in Barren Gold und umgekehrt; etwa[hanschriftlich durchgestrichen--s--] dieselben Grundsätze, die zur  
13063   Herrschaft der Geldwährung bei uns in Uebung waren und die Knapp  
13064    
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13074   als Hylodromie und Hylophantismus in seine Theorie einreihte.  
13075        Wenn allerdings, so muss auch Ricardo enden, bei unge-  
13076   wöhnlichen Gelegenheiten, wo eine allgemeine Panik das Land er-  
13077   greift, jedermann die Edelmetalle besitzen möchte, als die bequems-  
13078   te Form, sein Vermögen zu realisieren, dann ist auch diese Ordnung  
13079   nicht mehr durchführbar. Das eigentliche Geld des Metallismus,  
13080   das Edelmetall verschwindet aus dem Verkehr und keine Zentralbank  
13081   der Welt könnte sog. r u n s im grossen Maass begegnen. Dann muss  
13082   das Papiergeld,(die Banknote ) [ergänzt handschriftl.,] dieses nur auf Vertrauen beruhende  
13083   Geldsurrogat, gerade in den Zeiten des völlig geschwundenen Ver-  
13084   trauens dennoch Geldienste [sic] leisten.  
13085        Solange unsere Betrachtung nur dem Metallismus gilt,  
13086   haben wir den Begriff der Werteinheit nicht besonders zu erklären  
13087   und zu definieren. Wenn wir hier von Geld sprechen und wir verste-  
13088   hen gwöhnlich [sic] darunter das chartale Stück, das Zahlungsmittel, dann  
13089   sprechen wir gleichzeitig von Werteinheit, denn in jenem System  
13090   gibt es begrifflich keinen Uvvnvvterschied zwischen Werteinheit und  
13091   Zahlungsmittel; hier ist Werteinheit gleichbedeutend mit einem  
13092   bestimmten Quantum Gold und ist so identisch mit der Münze selbst.  
13093   Die Münze ist also Zahlungsmittel und Wertmaass zu gleicher Zeit.  
13094   Dem späterhin von anderer Richtung eingeworfenen Gedanken der ab-  
13095   strakten Werteinheit, einer reinen Denkgrösse als dem angeblichen  
13096   Wertmesser, lehnt die alte klassische Schule ab. Deren prominente  
13097   Vertreter Adam Smith und Ricardo standen auf dem Bvvovvden der objek-  
13098   tiven Wertlehre, derart, dass sie als Bestimmungsgründe des Wertes  
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13109   der Waren die Faktoren Arbeit, Kapital und [darüber handschriftlicht ergänzt: .... .......... ] und Rente gelten liessen.  
13110   Ersterer nicht immer in konsequenter Durchführung, Ricardo aber in seinen principles um so geschlossener.  
13111        Die Münze ist eine Ware wie andere mit den gleichen  
13112   Wertbestimmungsgründen. Preise und Ausdruck des Verhältnisses  
13113   des objektiven Wertes des Goldes mit dem der zu vergleichenden  
13114   Ware und ein G[handschriftlich --o--, e ergänzt]ldwert existiert nur soweit, als wir darunter einen  
13115   Goldwert; eben den objektiv messbaren Wert der Goldmenge verste-  
13116   hen. Für den strengsten Metallisten kommt überhaupt nur der Ge-  
13117   brauchswert des Goldes als Vergleichsmaass in Fvvrvvage; er schätzt  
13118   rein subjektiv nach Lust-oder Uvvnvvlustempfinden, was natürlich zur  
13119   Folge haben muss, dass dort, wo vollwertiges Metallgeld im Kurse  
13120   ist, die gesetzliche Zahlungskraft damit bedeutungslos ist.  
13121        Nach Diehl aber ist beispielsweise zur Durchführung ge-  
13122   regelter Preisbildung ein Geldgut, also ein wertvoller Geldstoff  
13123   notwendig, denn er will den Kern der Preisbildung in der wohl sehr  
13124   fragwürdigen Formel begriffen wissen:  
13125   " Nun schätzt ihr an einem allgemein[handschriftlich durchgestrichen--e--] beliebten Gegenstand, z.B.  
13126   dem Golde ab, wie viel ihr für meine Ware geben wollt? "  
13127   Diese metallische Lehre konnte nur so lange unangefochten blei-  
13128   ben, so lange die tatsächliche Uebung sich aus jenen Sätzen erklären  
13129    liess. Sobald aber papierne, oder auch nur unterwertige Umlaufmit-  
13130   tel in den Vvvovvrdergrund des Verkehrs ge[handschriftlich durchgestrichen: --d--]rückt waren, wurden, den  
13131   Metallismus verneinende und bekämpfende Stimmen laut. Ihnen wieder-  
13132   um musste dieser entgegentreten und in seinem System jenen neuen  
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13143   Zahlungsmitteln Raum geben. Die Bezeichnung Geld geriet ja für  
13144   jegliches "Papier" ohne weiteres in Wegfall, denn eigentliches  
13145   Geld war immer nur das 100 %ige Metallgeld. Banknoten waren doch  
13146   immer nur - man mag die absolute Nvvovvtwendigeit ihres Entstehens  
13147   und ihrer Zvvivvrkulation eingesehen haben oder nicht, - Geldsurro-  
13148   gat, jederzeit umtauschbares Kvvrvveditpapier, das seinen Wert nur von  
13149   dem durch sie repräsentiertem in Hintergrunde ruhenden Gvvovvlde lieh,  
13150   das seinerseits wie bei der Dvvrvvitteldeckung in der Gesamtheit sogar  
13151   nur eine vorgestellte Mvvenvvgengrösse sein musste. Tatsächlich wurde  
13152   denn auch nur die Einlösepflicht der Banknoten in Zeiten der Not  
13153   und Gefahren ohne weiteres aufgehoben, ohne dass jene an Wert  
13154   oder Uvvmvvlaufsfähigkeit verloren.  
13155        1797 beispielsweise wurde in England infolge seines  
13156   Runs die Barzahlung eingestellt und erst 1819 wieder aufgenommen.  
13157   22 Jahre herrschte ein Zvvuvvstand vor, den die Metallisten nur mit  
13158   grösstem Zwang zu erklären imstande sind, denn hier gab es kein  
13159   real gegebenes, sondern höchstens ein historisch überliefertes Maass,  
13160   den Wert des alleinigen, tatsächlichen Geldes, der Banknoten, zu regu-  
13161   lieren. Wenn ganz besonders in solchen Zeiten jenes Geld keine in-  
13162   flationistischen Wirkungen zeitigt, dann beruht es auf keiner natür-  
13163   lichen Eigenschaft dieser Zahlungsmittel, sondern ist Resultat einer  
13164   bewussten Geldpolitik, wie solche denn auch von jeglicher Richtung  
13165   der Geldlehre als unerlässlich notwendig erklärt wird. Wir stimmen  
13166   dem Metallismus auch noch hierin zu, dass die volkswirtschaftlich  
13167   schädlichen, preissteigernden Wirkungen wohhl ein geringer Uebel  
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13178   sein werden, wenn die Banknotenausgabe in der engen Verknüpfung an  
13179   einen Stoff geschieht. Für uns ist es aber gewissermassen nur ein gra-  
13180   dueller Unterschied von dem Zustande, da die Ausgabe allein von  
13181   volkswirtschaftlicher Einsicht geleitet wird. Die Goldgebundenheit  
13182   gehört also nicht zu den unterscheidenden wesentlichen Merkmalen. Das  
13183   muss denn insbesondere der Gipfelpunkt jeder nominalistischen Auffas-  
13184   sung sein, klassische Regeln für seine elastische Geldschöpfung mit den  
13185   Banknoten als Hauptgeldart, möglicherweise sogar als seiner einzigen  
13186   Form, aufzustellen. Vieles ist im letzten Abschnitt über die Frage  
13187   der praktisch geübten Geldschöpfung schon gesagt worden. Hier sei nur  
13188   angedeutet, dass jegliche Bankpolitik dabei weitgehende Erwägungen  
13189   anzustellen hat. Es ist z.B. wesentlich, ob die neue Werte schaffen-  
13190   de Produktion dem Genussgüter- oder dem Produktivmittelmarkt zu-  
13191   fliesst, wie gross der Vorrat an Genussgütern in der Wirtschaft sei  
13192   und welche Menge davon der Vollendung entgegenreift. Wichtig sind  
13193   ferner alle Fragen, welche die Lage der Nation im intervalutarischen  
13194   Verkehr beleuchten und beeinflussen können.  
13195        In diesem Zusammenhang ist es bedeutungslos, ob  
13196   wir Bendixen zustimmen, der die Geldschöpfung und Kreditgewährung  
13197   der Produktion folgen lässt, oder ob wir Hahn beipflichten, der  
13198   die Kreditgeldschöpfung als das primäre und erst die Produktion an-  
13199   fachende Moment begriffen wissen will.  
13200        Während also bei den Metallisten die Erklärung  
13201   der Banknoten auf  
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13212   die Frage der Stoffgebundenheit und auf die der Art und Höhe der  
13213   Einlösbarkeit hinausläuft, verkünden die Nominalisten [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n ihrer  
13214   reinen Tvvhvveorie hierinnen vollkommene Fvvrvveiheit und wenn sie auch,  
13215   wie beispielsweise Knapp und Bendixen aus politischen Erwägungen  
13216   die Deckung [handschriftlich durchgestrichen --a-- und handschriftlich ergänzt: i]n weniger starken Gvvrvvenzen beibehalten wollen. Was  
13217   die Metallisten zur Erklärung des Geldwertes nötig haben, kommt  
13218   bei den Nominalisten, die den eigentlichen Geldwert nicht kennen,  
13219   in Wegfall. Für sie ist die Fvvrvvage nach dem Stoff des Geldes eigent-  
13220   lich nicht die erste, das ist vielmehr die nach dem Gebunden-oder  
13221   Nichtgebundensein an ein Metall und darum finden wir in der Lite-  
13222   ratur, obwohl sich ziemlich deckend mit Metallismus und Nominalis-  
13223   mus, Metall- und Papierwährung, die Bezechnung gebundene und freie  
13224   Währung. Nicht das ist der Uvvnvvterschied, dass der Nvvovvminalist eine  
13225   Währung mit einer rein nominellen abstrakten Werteinheit für prak-  
13226   tisch möglich hält; nein, auch bei reiner Mtallwährung und sei  
13227   auch nur Gold im Umlaufe, da wo jegliche als Zahlungsmittel ver-  
13228   körperte Werteinheit real als ein Quantum Edelmetall zu greifen  
13229   und als solches von den Metallisten die abstrakte Werteinheit zur Beherr-  
13230   scherin der Wirtschaft aufgeschwingen.  
13231        Nun aber wiederum sehen wir die Metallisten im Angriff,  
13232   die immer von neuem die Fvvrvvage nach dem Werte des Geldes in die  
13233   Debatte werfen, die nach ihrer Ansicht und in ihrem System den  
13234   Zentralmittelpunkt abgeben muss. Die Nvvovvminalisten argumentieren  
13235    
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13245   in der Verteidigung, dass es nur eine historische Tatsache sei,  
13246   dass das G[handschriftlich durchgestrichen --o-- und ergänzt e]ld Eigenwert besitzen müsse, und nur einstmals es not-  
13247   wendig war, um in der Bvvevvziehungssetzung aller anderen Güter zu  
13248   jenem beliebtesten und gebräuchlisten Gut, Wertrelationen für  
13249   jene zu erzielen. Einmal lebendig, leben diese fort und sind  
13250   schliesslich dann nur noch Zähler zu dem Generalnenner Geld im  
13251   Ausdruck einer, entweder von der Gemeinschaft oder durch immerwäh-  
13252   renden rekurrenten Anschluss vom Staate bezeichneten, immer aber  
13253   aus dem Gemeinschaftsleben geborenen Werteinheit. Das Geld als ab-  
13254   strakte Werteinheit, als eine nur in de Vorstellung lebende Grösse  
13255   kann keinen selbständigen, keinen objektiven Wert haben; das Geld-  
13256   stück hat vielmehr nur den Wert, auf den es lautet. Beim Nominalis-  
13257   mus versinnbildlicht das Geldstück nur einen Wert, der ihm von  
13258   ausserhalb zugelegt ist, beim Metallismus ist das Geldstück Träger  
13259   und Verkörperung des Wertes in sich selbst. Für den Nominalismus  
13260   muss es darum bedeutungslos, unter Umständen sogar störend sein,  
13261   wenn seine gedankliche Rechengrösse in ihrer Reinheit durch nur  
13262   die Erkenntnis trübenden Stoff dargestellt wird;- ist doch für ihn  
13263   die Art der kursierenden Vermittlungsbehelfe von durchaus neben-  
13264   sächlicher Bedeutung. Die Werteinheit kann nicht aus sich selbst  
13265   heraus einen Eigenwert haben, denn der so vielfach geänderte rekur-  
13266   rente Anschluss hat die Beziehungen zu dem Urstoff, auf den basiert  
13267   in erster Tauschgemeinschaft Relationen und Preise zustande kamen,  
13268   verloren und ist als Grösse darum zu sehr verwischt, als dass wir  
13269   auch bei Kenntnis des Urstoffs noch einen Wertmesser daraus kon-  
13270    
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13280   struieren könnten. Jeder, der Werteinheit zugrundegelegte Stoff  
13281   ist in einer Hvvivvnsicht willkürlich, istvetwas Zufälliges. Er muss  
13282   aus dem gesamten Güterkreise entnommen sein und, sollen die Geld-  
13283   preise in der Hvvövvhe unverändert bleiben, so muss das die neue Wäh-  
13284   rung begründende staatliche Gesetz den Münzpreis und rekurrenten  
13285   Anschluss in engster Anlehnung an den schon vorher vom Münzmetall  
13286   innegehabten objektiven Tauschwert, seinen Preis in der alten Wäh-  
13287   rung fixieren. Nur in dem ersten Falle des staatlichen Eingriffs  
13288   hat der Gesetzgeber nichts anderes zu bedenken, als nur einer be-  
13289   stimmten Stoffmenge einen Namen beizulegen, und sie staatliche [sic]  
13290   zu begültigen. Daraufhin müssen selbst bei Namensänderung der  
13291   Werteinheit die Bvvivvndungen mit der alten Währung so enge sein, dass  
13292   das teils mit langfristigen, täglich neu sich formenden und ander-  
13293   erseits täglich wieder endenden wirtschaftlichen Aktionen rech-  
13294   nende öffentliche Leben keinerlei Szörung [sic] hiedurch erleidet. Die  
13295   Nvvovvminalität der Schulden ist ein Hauptstützpunkt und Argument der  
13296   nominalistischen Lehre und ist besonders von Knapp klar heraus ge-  
13297   arbeitet worden. Der Wert eines Metalls ist wie der jeder Ware  
13298   aus naturgesetzten Gründen schwankend, ist jedenfalls schwankender  
13299   als die sei langer Zeit geübte und vorgestellte Wertgrösse der  
13300   nominalen Einheit des Geldes.  
13301        Wenn der Svvtvvaat, insbesondere aus Zweckmässigkeitsgründen  
13302   um den intervalutaren Verkehr zu erleichtern, der werteinheit eine  
13303   Metallbasis schafft, so ist damit eigentlich die Reinheit der Tau-  
13304   sche von Gebrauchswerten schon gestört, denn es gehört zur Politik  
13305    
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13315   des Svvtvvaates, den einmal fixierten gesetzlichen Münzpreis im Gleich-  
13316   gewicht zu belassen. Des weiteren ist es, was die Erhaltung der  
13317   Münzparitäten den anderen Ländern gegenüber anbetrifft, in solchem  
13318   Zustande der gleichen Währungen nimmer klar ersichtlich, wie weit  
13319   die staatlichen Verwaltungsmassnahmen, wie etwa[handschriftlich durchgestrichen --s--] Kreditgebung oder  
13320   Schuldenprolongationen, an der Wahrung der Parität ihr Teil hat,  
13321   während nach einem Grundgesetz der metallistischen Lehre die Pa-  
13322   ritäten sich auf natürlichem Wege ohne jeden Eingriff lediglich  
13323   infolge des Aussenhandels ganz von selbst einspielen müssen.  
13324        Wenn die subjektive Gebrauchswertschätzung des Goldes die  
13325   Grundlage der Bewertungen aller übrigen Güter bedeutete, dem gegen-  
13326   über bei vollwertigen Metallgeld die gesetzliche Zahlkraft neben-  
13327   sächlich sein, dann wäre das wüsteste Durcheinander im Wirtschafts-  
13328   leben ohne jegliche feste Werte die unausbleibliche Folge. Prak-  
13329   tisch anwendbare Bedeutung gewinnt der Geldstoff erst dann, wenn  
13330   wir annehmen, dass der gesetzliche Münzpreis den Mittelwert aus  
13331   allen subjektiven Schätzungen darstellt und so den Wert bildet,  
13332   dem sich dann alle am Verkehr Beteiligten unterordnen müssen.  
13333   Diesem Mittelwert aber haftet dann nichts mehr subjektives an,  
13334   denn das ist dann der rein objektive aus den Produktionsfaktoren  
13335   zusammengesetzte Wert wie Smith und Ricardo das darlegen, wie  
13336   die Sozialisten und alle Objektivisten dies unternahmen. Für diese  
13337   alle ist die subjektive Schätzung durchaus nichts nebensächliches  
13338   aber sie gibt nur den anstoss zum Uvvmvvfang der Produktion. Aus dieser  
13339   selbst ergibt sich der objektive Wert, der dann die Grundlegung  
13340    
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13350   der [fehlt? auf die] Preise angewendete Messgrösse wird. Zur Stärkung des Nomina-  
13351   lismus führt das dann, insofern wir erkenne [fehlt? n], dass dieser wohl sub-  
13352   jektiv bedingte objektive Wert der jeweiligen sozialen Gemein-  
13353   schaft in der Vorstellung seiner wirklichen Grösse nach immer un-  
13354   fassbarer wird. Die Resultante [sic] aus einst wirksamen, subjektiven  
13355   Schätzungen wird in weiterer Entwicklung eine immer tiefer wur-  
13356   zelnde mit der ganzen Wirtschaft verflochtene Rechengrösse, der ge-  
13357   genüber dann allerdings einzelne abweichende Schätzungen wirt-  
13358   schaftlich irrelevant bleiben müssen. Mit dem Stoffwert der Wertein-  
13359   heit leugnet der Nominalismus doch nicht einen gewissen ökonomi-  
13360   schen Ivvnvvhalt derselben. Mvvivvt der Postulierung der abstrakten Wert-  
13361   einheit sagt der Nominalismus noch nicht, dass von der Geldseite her  
13362   eine Einwirkung auf die Preise unmöglich wäre, und gerade das Suchen  
13363   und Formen dieser Lehre nach einer geordneten "klassischen Geld-  
13364   schöpfung" als seiner(notwendigen Krönung lässt uns erfahren, dass  
13365   man auch hier die Zvvuvvsammenhänge zwischen Geld und Warenseite er-  
13366   kennt. Uns allen ist der Bendix'sche Gedanke, der in grossen Zü-  
13367   gen der vor dem Kriege angewandten praktischen Politik entsprach,  
13368   bekannt. Bendixen aber hätte nicht nötig gehabt, die Fehde gegen  
13369   die Quantitätstheorie aufzunehmen. Soweit er eine rein mechanisch  
13370   quantitative Einwirkung der Geldsummen auf die Warenpreise leug-  
13371   net, können wir in[handschriftlih durchgestrichen --n- und hand. ergänzt: s] ohne weiteres zustimmen, aber dennoch gelangen  
13372   alle subjektiven Einkommen in der mannigfachsten aber immer in  
13373   Geld ausdrückbaren Verfügungs- und abtretungsbereiter Form auf  
13374   den Markt und wirken über die ewig gültigen Gesetze von Angebot  
13375    
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13385   und Nachfrage auf die Preise. Ivvnvv deren Höhe spiegelt sich der  
13386   eigentliche sog. Geldwert wieder. Dahin zielend müssen wir aber  
13387   auch die so ausgelegte Quantitätstheorie gelten lassen. Auf dem  
13388   Warenmarkt können wir den ökonomischen Inhalt der Werteinheit  
13389   in tausendfacher Form verkörpert finden .- Das wird in kommender  
13390   Ausführung nach ganz deutlich werden.  
13391        Kein Nominalismus wird sich dazu verstehen, das während  
13392   des Krieges ausgegebene ungedeckte Papiergeld als mit seinem  
13393   System vereinbar anzuerkennen, aber während der Metallismus diesen  
13394   doch jahrelang wirklichen Zvvuvvstand als normal und als nicht wis-  
13395   senschaftlich erklärenswert histellt, dem Papiergeld den Geld-  
13396   charakter abspricht, sagt uns doch hier der Nominalismus, dass und  
13397   wie dieses willkürlich geschöpfte Geld nicht deshalb, weil es  
13398   nicht metallisch gedeckt war, sondern weil es kein Gegenüber in  
13399   den wirtschaftlichen Gütern fand, die es als Einkommen auftretend,  
13400   kaufend hätte vernichten können; wie es darum schon den Keim der  
13401   Inflation in sich trug. Wiederum wird es deutlich, dass erst das  
13402   Bindeglied zwischen Einkommensbildung oder Produktion und Ein-  
13403   kommensvernichtung oder Kvvovvnsumtion, - ein Geld von theoretischer  
13404   Einsicht geschöpft, dem Nominalismus die Seele einhaucht. Betont  
13405   sein nochmals, nicht deshalb schuf jenes Papiergeld Inflation,  
13406   weil, sein Wert nicht verankert war in Gold, - obwohl das ja  
13407   durch sinnfällig täuschende Manipulation der Reichsbank offi-  
13408   ziell so schien - sondern deshalb weil es nicht gebunden war  
13409   an die vielerlei Dinge der Güterwelt, die ihm hätten Wertgrund-  
13410    
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13420   lage sein müssen und die sogar allein ihm hätten Wert, volkswirt-  
13421   schaftlichen Wert verleihen können. Ja, wäre der Staat im Stande  
13422   gewesen, die gleich grosse nominelle Menge an Gold auszugeben, so  
13423   hätte bei absolut gesperrten Grenzen und völliger Isoliertheit  
13424   auch im intervalutaren Verkehr oder besser im gänzlichen Wegfall  
13425   desselben aus oben besagten Gründen die Preise doch inflationis-  
13426   tische Aufblähung erfahren. Damit soll gesagt sein, dass mindes-  
13427   tens, soweit das Existenzminimum nachgefragt wurde, in diesem  
13428   Falle auch Gvvovvld hätte inflationistisch wirken müssen. Eine ande-  
13429   re Frage ist die, ob nicht die Hvvovvffnung auf Wiederherstellung  
13430   der alten internationalen Verhältnisse ein ungewöhnliches Sparen  
13431   des Goldes herbeigeführt und damit die inflationistische Wirkung  
13432   abgeschwächt hätte.  
13433        So kann der Nvvovvminalismus innerhalb seines Systems in ge-  
13434   rader Linie auch das staatliche Papiergeld einreihen, das nicht  
13435   wie ihm vorgeworfen wurde, damit gutgeheissen und entschuldigt,  
13436   sondern lediglich eine Atomisierung erfuhr. Wie ganz anders muss  
13437   hier der Metallismus weltfremde Kvvovvmbinationen anstellen, um den  
13438   Evvrvvscheinungen der gestörten Wirtschaft Rechnung zu tragen, und  
13439   zwar muss auch hier die subjektive Svvcvvhätzung zurecht gebogen  
13440   werden in der Form, dass nun der Kaufende gar doppelt schätze.  
13441   Der(erste Vergleich findet zwischen Ware und Gold statt und lässt  
13442   in der Seele des Kvvävvufers einen Preis entstehen, der aber nicht  
13443   etwa [hand. gestrichen --s--] der wirkliche Tauschwert ist; vielmehr folgt daraus erst  
13444    die zweite Schätzung des Mvvivvnderwerts des Papiergeldes gegenüber  
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13455   dem Golde, die dann zu einem Aufschlag auf den Goldwert führt, bis  
13456   so schließlich die Preishöhe beiden Parteien genehm ist. Die In-  
13457   flation beruhe also auf einem Musstrauen [sic: i] zum Papiergelde, das nicht  
13458    nur quantitativ, sondern auch qualitativ in dieser Richtung wirke.  
13459   Wenn Diehl meint, der Svvtvvaat müsse auch die Warenpreise fixieren,  
13460   wenn er wertloses [sic: vertippt --S--] Papiergeld schaffe, so ist nach allen Erfahrungen  
13461   des Krieges und der Nachkriegszeit, die zur Genüge die Unmöglich-  
13462   keit, ja, wir können sogar sagen den Widersinn dieser Forderung  
13463   dargetan haben, diese Forderung uns kaum mehr verständlich.Als  
13464   die letzte und modernste Evvrvvscheinung an der wir die Theorie proben  
13465   wollen, betrachten wir noch die Erscheinung der Weltteuerung, un-  
13466   ter der ganz besonders das Land des Metallismus – England – zu  
13467   leiden hat. Verhältnisse, die wir nicht zu untersuchen haben, brach-  
13468   ten es mit sich, dass auch hier eine allgemeine Preissteigerung  
13469   Platz griff, während das Geldsystem unverändert gelassen wurde.  
13470   Das Pfund Svvtvverling hat sich also im Werte gesenkt, nicht nominell  
13471   zwar, aber doch realiter, da jetzt für eine Einheit entsprechend  
13472   weniger Güter erhältlich sind wie vor dem und umgekehrt für die  
13473   gleiche Gütermenge mehr Gvvovvld zu leisten ist. wäre das Wirtschaft–  
13474   ten wirklich ein Tvvavvusch von realen Gütern, von Gold und Ware gewe-  
13475   sen, dann hätte in diesem Falle die Preishöhe die gleiche bleiben  
13476   müssen.Bei freier Konkurrenz Goldproduzenten aber musste die-  
13477   se Entwicklung an der mangelnden Rentabilität der Goldbergwerke  
13478   die natürliche Gvvrvvenze finden.Tatsächlich wurde von Grundbesitzern  
13479   auch schon eine Aenderung des Münzfusses zu deren Gvvuvvnsten gefor-  
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13490   dert, von der englischen Regierung aber unter dem Hinweis abge–  
13491   lehnt, das Gold ja der Wertmesser sei und dafür also nicht mehr  
13492   gezahlt werden dürfe, als sein Wert in Währung. Das war dem metal-  
13493   listischen Gedanken nach durchaus folgerichtig [sic: Tippfehler: --g-- statt f], demgegenüber  
13494   es aber dann eine Dvvuvvrchbrechung des eben ausgesprochenen Satzes  
13495   bedeutet, wenn den Goldproduzenten es notwendig gestattet ist,  
13496   Gold für industrielle Zvvwvvecke zu höheren Preisen abzugeben, wenn  
13497   ihnen Produktionsprämien gewährt und steuerliche Vergünstigungen  
13498   eingeräumt werden. So war in England beispielsweise während des  
13499   Krieges die Einlösung der Nvvovvten in Gvvovvld aufgehoben, ohne dass  
13500   allerdings der Münzfuß anders proklamiert worden wäre. Es ent-  
13501   zieht sich unserer Kenntnis, wie weit [sic: weit wie hand. sinus-Zeichen darüber] die Bank von England in die -  
13502   sem Zeitraum denn noch Gold mit Ovvpvvfern erworben hat, indem sie für  
13503   dasselbe einen höheren, als den Münzpreis zahlen musste, eben dem  
13504   Preis, den das Gold auf Grund seiner Produktionskosten im Ver-  
13505   hältnis zu anderen Gütern erforderte. Die Goldzirkulation im  
13506   Innern fällt ja weg und nach dieser Richtung hin fällt ja  
13507   der Grund zum Ankauf, wie denn überhaupt bei Prägefreiheit dieser  
13508   letzte Fall praktisch nicht möglich werden kann.Aber auch damit,  
13509    dass er nur zu Kriegszeiten an die Ovvbvverfläche gelangt, ist  
13510   gleichzeitig deutlich, dass der Gebrauchswert, auf den sich die  
13511   Metallisten stützen, nun über die proklamierte Vertrelation  
13512   hinausschiesst und dem Verkehr ein anderer Wert zu Grunde ge-  
13513   legt ist, ein Tauschwert des Goldes, der alte historische Münz-  
13514   preis; - die Nominalisten fallen ein: -Eben das Pfund Sterling  
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13525   als Name, als überlieferte, gedankliche Wertvorstellung.  
13526        So haben wir in Rede und Gegenrede Nominalismus und Me-  
13527   tallismus zu uns sprechen lassen, Obwohl wir uns dabei nicht grund-  
13528   sätzlich auf die Seite der Nominalisten zu schlagen beabsichtigten,  
13529   haben wir doch gegen den orthodoxen Metallismus, der keinerlei Un-  
13530   terscheidung zwischen Geld und Ware, eben nicht einmal die Beson-  
13531   derheit der Ware Geld, wenn wir sie so nennen wollen, berücksicht-  
13532   tigt, so viele Einwände machen müssen, dass unsere Stellungnahme  
13533   nunmehr bereits näher der nominalittischen Anschauung zu erkennen  
13534   ist. Weitere Ausführungen werden dies noch zu unterbauen haben.  
13535    
13536            Die  
13537        W a r e n w e r t t h e o r i e  
13538            des  
13539          G e l d e s .  
13540    
13541        Eine weitere Betrachtung bleibt uns nun(noch vorbehalten,  
13542   das ist die insbesondere von Svvivvegfried B u d g e vertretene  
13543   Funktionswert-oder Wvvavvrenwerttheorie des Geldes. Ihr gegenüber haben  
13544   wir die Anweisungstheorie Schumpeters zu setzen, die wohl keine eige  
13545   ne Richtung in diesem Svvivvnne verkörpert, sich vielmehr in den meis-  
13546   ten Punkten mehr dem Nominalismus nähert, die aber schon der Be-  
13547   zeichnung nach sich uns als ein Pendant der erstgenannten Theorie  
13548   vorstellt. Dass die Geldauffassung als eine Anweisung die Körper-  
13549   lichkeit des Geldes als Ware nicht ausschliesst, ist kein einigendes  
13550    
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13560   Band, ja vielmehr ein trennendes, denn für Schumpeter ist auch in  
13561   dem Warengelde dennoch nur der Anweisungscharakter das Entschei-  
13562   dende und das Uvvnvvterscheidende von jeglichen anderen Warengattun-  
13563   gen. Die Warenwerttheorie des Geldes steht gewissermassen zwi-  
13564   schen den Polen der nominalistischen und metallistischen Lehre,  
13565   der ersteren insofern, als sie die Möglichkeit, wenigstens die  
13566   theoretische, einer Währung mit stoffwertlosem unkörperlichem Gel-  
13567   de anerkennt; dabei aber, und dieses im Gegensatz zum Nominalis_  
13568   mus, den Gedanken der abstrakten Werteinheit nicht gelten lassen  
13569   will. Sie neigt sich zur metallistischen Lehre, insofern sie dem  
13570   Gelde einen Eigenwert und ihm als Träger eines solchen damit auch  
13571   die Funktion des Wertmessers zuschreiben will; sie entfernt sich  
13572   von der metallistischen Lehre in dem Hervorkehren nicht des sub-  
13573   jektiven Gebrauchswertes eines Stoffgeldes sondern in der Prokla-  
13574   mierung des Tauschwertes Geld. Solange reine Goldwährung mit  
13575   freier Prägung besteht, ist der Geldwert gleichbedeutend mit Gold-  
13576   wert, wobei dieser einer Wechselwirkung unterliegt, die einmal von  
13577   der Goldmenge aus die Preise beeinflusst, auf der anderen Seite  
13578   aber in ihrer Menge ursprünglich von den Preisen [sic: vertippt: Pre--c--sen] bewegt wird.  
13579   Immer müssen die Tauschmittel die P reissummen realisieren. Hier  
13580   wäre zu bedenken, wie weit bei reiner Goldwährung die quantitäts-  
13581   theoretischen Beziehungen zwischen Geld und Warensefte reichen.  
13582        Das konnten wir ja bereits im Beispiele Englande [sic: Engalnde] beobach-  
13583   ten, dass der Stand für Warenpreise über die Rentabilität der Pro-  
13584   duktion des Geldstoffes entscheidet, die eben bei freiem Prägerecht  
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13595   auch den ungünstigst Gold Produzierenden noch Arbeitslohn und  
13596   durchschnittlichen Kapitalprofit abwerfen muss. Der Münzwert darf  
13597   nicht unter dem gesellschaftlich notwendigen Herstellungswert des  
13598   Goldes, das ist sein statischer Kvvovvnkurrenzpreis plus Schlagsatz,  
13599   sinken. Budge kleidet das in den Satz: " Der objektive Wert des  
13600   Goldes bildet sich als Resultante der Wertschätzungen all derer,  
13601   die auf Gold reflektieren und kristallisiert sich im Beschaffungs-  
13602   aufwand des nachgefragten Goldquantums." Dabei ist die rein quan-  
13603   titative, die Mvvovvtive gänzlich unberücksichtigt lassende Nachfrage  
13604   nicht etwa ein dynamisches Problem, sondern einfach die gegebene  
13605   statisch [hand. unterstrichen]e Nachfrage [hand. darüber: , zusammen mit dem statischen Angebot] [hand. durchgestrichen --also--] starre Grössen, aus denen der objektive  
13606   Beschaffungswert des Goldes messbar wird. War beim Metallismus  
13607   das Wertmaass das Gold im Sinn der subjektiven Schätzung, und [hand. durchgestrichen --z--]war  
13608   im Grundgedanken des Metallismus ein Goldwert als eine feste Grös-  
13609   se, als ein Tauschwert, ein objektiver Beschaffungswert gar nicht  
13610   vonnöten, so ist hier bei der Warenwerttheorie des Geldes dieser  
13611   dort vorherrschende subjektive Gebrauchswert, soweit es die Einzel-  
13612   person anlangt, völlig ausgeschaltet und an seine Stelle eine  
13613   objektiv messbare Grösse getreten, die infolge der gegenseitigen  
13614   Bedingtheit des Goldes einmal als Wvvavvre und dann als Geld in der  
13615   Statik gleich ist dem Werte des Geldes wie er sich in der Zirku-  
13616   lation des Geldes herausgebildet hat. Der Geldwert, der in dieser  
13617   Theorie, wie wir nun beim Pvvavvpiergeld sehen werden, eine hervorragen-  
13618   de Rolle spielt, ist in diesem Falle eben ein Goldwert in gleicher  
13619   Grösse für alle. Eine in dieser Auffassung wurzelnde Variante  
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13630   metallistischer Auffassung ist hier wohl ersichtlich. Besonders  
13631   gravierend aber wird die Unterscheidung von den übrigen Schulen,  
13632   wenn es ich um die Erklärung des staatlichen Papiergeldes han-  
13633   delt. Ihr Bestreben geht dahin, dem Papiergled die theoretische  
13634   Gleichberechtigung neben dem Metallgeld einzuräumen. Die Lehre  
13635   des Metallismus, demzufolge Geld Tauschgut und Gegenstand subjek-  
13636   tiver Schätzung sei, soll nunmehr auch auf das Papiergeld Anwen-  
13637   dung finden. Weil mit dem Gelde, so wird erklärt, nicht nur gekauft  
13638   und ausgedrückt, sondern auch geschätzt und gemessen wird, darum  
13639   müsste man dem Gelde neben der Tauschmittel - auch die Wertmaass-  
13640   funktion zuerkennen, also eine Eigenschaft, die ohne weiteres die  
13641   Notwendigkeit seiner Stofflichkeit ( des Warencharakters des  
13642   Geldes ) in sich schliesse. Als Ware aber müsse das Geld sich  
13643   dem einzigen Gesetz des Warenwertes überhaupt unterordnen. Wie  
13644   aber lassen sich beim stoffwertlosen Papiergeld all diese Gesetze  
13645   verwirklichen?  
13646        Da Papier - und Metallgeld bei gesperrter Prägung vom  
13647   Staate nicht willkürlich ausgegeben, vielmehr in Seltenheit gehal-  
13648   ten wird, muss es die Wirtschaft als das Beschaffungsgut des Tau-  
13649   sches zum Monopolpreis kaufen. Derart wird solches Geld zu einem  
13650   Monopo[übertippt --c-- l] ; ist Monopolgeld geworden, als Geld kenntlich an einer  
13651   bestimmten bekannten Fvvovvrm , und Monopol in seiner relativen  
13652   Seltenheit; zur Ware und zum Tauschgut charakterisiert durch die  
13653   allen Waren anhaftenden Eigenschaften, Bvvrvvauchbarkeit, Nützlichkeit  
13654   und Kostspieligkeit. Darauf stützt sich auch der Zwangskurs des  
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13665   Staates und hinwiederum die Kaufkraft des Geldes.  
13666        Der Kauf ist, so wird ohne weiteres dargetan, ein Tausch  
13667   und jeder Tausch bringt Opfer, bringt Kvvovvsten mit sich. Opfer  
13668   aber bringt man nur für Dinge, welche Wert haben, folglich muss  
13669   auch das Geld Wert haben und wertvolles Gut, es muss eine Ware  
13670   sein. Die Höhe des Wertes, die Kaufkraft des Geldes ist keine  
13671   an sich feststehende Grösse, sondern erst das Resultat des Aus-  
13672   tausches von Ware gegen Geld, also von zwei Wertdingen, und sie wird  
13673   zu einer allgemein brauchbaren Rechen-und Messgrösse erst dadurch,  
13674   dass alle anderen Güter zwecks Auffindung ihrer Relationen mit  
13675   eben jener besonderen Ware Geld in Vergleich und Beziehung ge-  
13676   bracht werden. Für den objektiven Wert der Güter gibt es also den  
13677   Geldpreis, für den objektiven Wert des Geldes dagegen keinen ein-  
13678   heitlichen Ausdruck. Das Geld, auch nicht das Gold in dieser Eigen-  
13679   schaft, hat bei der Warenwerttheorie, die wir hier noch kritiklos  
13680   hinnehmen, keinen Preis, sondern nur einen Wert. Ein Pfund Gold  
13681   ist gleich //M// 1395.--, das bedeutet keine Preisgebung des Goldes,  
13682   sondern ist eine Identitätsvergleichung. Als das allgemeine Tausch-  
13683   mittel ist das Geld Wertding und steht in Beziehung zu allen an-  
13684   deren kostenden Dingen der Aussenwelt; ist nur in seiner Beson-  
13685   derheit ihr Wertmaass und nur weil es dieses ist, und weil es  
13686   aus rein praktischen Gründen in Teile, in Geldeinheiten zerleg-  
13687   bar geschaffen wurde, darum wird es auch zum Preismaass, gewisser-  
13688   maassen nur eines auf den Hauptnenner gesetzten Ausdrucks schon  
13689   vorher erzielten Wertes. Naturgemäss muss dieses Papiergeld, das  
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13700   im inneren Verkehr zur wertvollen Ware erhoben wurde, im inter-  
13701   nationalen Verkehr entthront werden; dort herrscht die Waren-  
13702   währung im Sinne der wertvollen Stofflichkeit. Diesen Tatsachen  
13703   Rechnung tragend, erwuchs Heyn's System mit der Forderung des  
13704   Papiergeldumlaufes im innern und des Goldes im Aussenhandel,  
13705   die sog. Geldkernwährung.  
13706        Es ist selbstverständlich, dass die Hauptangriffe gegen  
13707   die vorgetragene Theorie aus dem Lager der nominalistischen  
13708   Schule erfolgten und hinweiderum [sic] ein Hauptvertreter der Waren-  
13709   theorie, Siegfried Bugge [sic?], seine Polemiken in der Hauptsache  
13710   gegen Bendixen und Schumpeter führte. Was wir im grossen Rahmen  
13711   unserer Betrachtungen dazu beitragen wollen, wird sich in die  
13712   folgenden Darlegungen unserer Gedanken zwanglos einfügen.  
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13723   über Produktionskosten allgemein herrscht, die ja gerade beim  
13724   Golde dem einzelnen besonders ferne liegen müssen, - da aber  
13725   doch nur diese letzthin das Maass des Wertes bilden, - darum  
13726   sagen uns die mannigfachen Bvvevvziehungen zu anderen Wertdingen,  
13727   die eher wir nach ihrer Wertgrösse schätzen können, besseren  
13728   Bescheid über den wahren In[mit Schreibmaschine doppelt getippt: n]halt der Werteinheit. Wir müssten denn  
13729   in völliger Un[mit Schreibmaschine doppelt getippt: n]kenntnis des Marktes verharren, wenn wir bei jedem  
13730   Preise unsere Zvvuvvflucht beim Golde suchen müssten. Man mag ein-  
13731   wenden und behaupten, dass Gvvovvld die grösste Gewähr für Stabilität  
13732   biete, dass heisst nichts anderes [hand. ergänzt,] als in seinen Produktionskosten  
13733   sich nicht ändere [hand. ergänzt,] und wir wollen sogar dieser Fiktion über die  
13734   später noch mehr zu sagen sein wird, hier einmal zustimmen; den-  
13735   noch wäre dann immerhin noch zu prüfen, ob nicht alle anderen  
13736   Güter zusammengenommen uns sinnfälliger und deutlicherer Maass-  
13737   stab wären. Wir wollen dabei nicht vergessen, dass der Staat be-  
13738   strebt ist mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ein  
13739   Schwanken unmöglich zu machen und wir lassen des weiteren unbe-  
13740   rücksichtigt die neuen Momente, die sich für die Währung in ihrer  
13741   Bedeutung zu den anderen Valuten ergeben. Das sei aber nur aufge-  
13742   schoben. Vorläufig interessiert uns das Gold oder eiga[Schreibmaschine übertippt: e]ntlich  
13743   die Goldgrundlage im inneren Verkehr. Solange nur das Gold als  
13744   Tauschmittel im Umlauf ist, konnten wir immer noch streiten, ob  
13745   nicht in jedem einzelnen Fall auch wirklich das Gold die einzel-  
13746   nen Beziehungen durch Messung der absoluten [Hand. Werte] setze und vermittle;  
13747   wenn aber einmal das Gold notwendig immer mehr in den Hintergrund  
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13758   gedrängt wird, und die Wirtschaft ohne jegliche Störung und be-  
13759   denkenlos sogar stoffwertloses Papier in Empfang nimmt, dann ver-  
13760   liert diese dritte, nun überflüssig gewordene Messgrösse mehr  
13761   und mehr an Bedeutung. Wir haben ja schon erkannt, dass fast jede  
13762   Grösse in der Wirtschaft nun auch eine feste gworden [sic] ist, und  
13763   wo das nicht der Fall, wo Erfindungen Neuartiges geschöpft haben,  
13764   da haben diese Produkte so vielerlei Beziehungen zu anderen  
13765   Dingen, müssen sich anlehnen an so viel Gleichartiges, dass ihre  
13766   Preisgebung, ihre Einreichung in das weite Netz der Relationen  
13767   sicherlich auf diesem, nicht auf den in der Historienzurücklie-  
13768   gendem Weg des Abschätzens am Golde geschieht. Auch in unserer  
13769   Betrachtungsweise sind alle Tauschmittel nebeneinander gleich  
13770   berechtigt und in jedem Falle von gleichem Ivvnvvhalt. Wäre die Ge-  
13771   sellschaft der Gleichen eine ewige Kategorie, dann wäre es uns  
13772   möglich, die Werteinheit als Ausdruck einer gewissen Arbeitszeit  
13773   zu analysieren und wir bräuchten in jedem einzelnen Falle nur zu  
13774   fragen, wieviel Zeit die Herstellung eines Produktes benötigte.  
13775   Die Zwischenschaltung des Schätzgutes liesse sich dann erübrigen.  
13776   Im Grunde genommen aber wäre das nur eine andere Auslegung, als  
13777   die, da wir die Werteinheit auf ein kostendes Gut stellen. Wir  
13778   setzen Oppenheimers Arbeitswerttheorie voraus und können es da-  
13779   her unterlassen, des näheren auszuführen, dass in der heutigen,  
13780   modernen Wirtschaft gleiche Geldpreise nicht auch gleiche Ar-  
13781   beitsmengen darstellen, wodurch unser Bild in jedem Falle getrübt  
13782   werden muss. Darum können wir auch keine einheitliche Messsgrösse  
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13793   mehr verwenden, sondern müssen zu diesem Gemisch von Arbeits-  
13794   zeit und Arbeitswert greifen. Was allen Gütern inne wohnt, worin  
13795   sie sich in ihrer Grösse von anderen unterscheiden, das ist das  
13796   Maass des von ihnen verkörperten Arbeitswertes. Die gewonnenen  
13797   Verhältniszahlen benötigen des Ausdrucks, und dieser ist eine  
13798   immer gleiche Menge Arbeitswert, eine Grösse, die, wir wissen es  
13799   bereits, vom Svvtvvaate irgendwann einmal willkürlich gesetzt wurde,  
13800   die zu berücksichtigen im ferneren Verlauf unnötig und sogar  
13801   unpraktisch wäre. Auch bei reiner Goldwährung mit Prägefreiheit  
13802   verschwindet die reale Befriedung, die das Gold verleiht, gegen-  
13803   über der zirkulatorischen Befriedigung, die allein das Rad der  
13804   Wirtschaft in Bewegung zu setzen vermag. Dass jeder gewonnene  
13805   Preis auch seine Bvvevvziehung zum Golde hat, ist eine nebensächli-  
13806   che Evvrvvscheinung; tiefster Ivvnvvhalt der Werteinheit ist für uns ja  
13807   nicht ein Quantum Gold, eine Beziehungsetzung zu irgendeinem Gut,  
13808   sondern der Kern ist die möglicherweise reale, möglicherweise  
13809   aber auch nur gedankliche Dvvavvrstellung und Vermittelung von Ar-  
13810   beitswerteinheiten, die, immer nur soweit wir uns im inneren Ver-  
13811   kehr bewegen, alle vvGvvüter in einer vvLivvnie der vvGlvveichberechtigung  
13812   nebeneinander erscheinen lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines  
13813   ökonomisch wahren Preises - Pvvrvveise sind Verhältniszahlen - wird  
13814   grösser, wenn wir ihn auf tausend gleich inhaltliche Dinge be-  
13815   ziehen, als wenn wir ihm nur eine Uvvnvvterlage gewähren. Auch ohne  
13816   den modernen Begriff des heutigen Geldes müsste es uns möglich  
13817   sein, alle Güter auf gleiche Einheiten zu setzen, wenn wir sie  
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13828   zerlegen wollten in Einheiten von angewandter Arbeitsenergie.  
13829   Wie könnten wir es noch deutlicher werden lassen, dass das Geld  
13830   nicht das eigentliche Maass sein kann, sondern nur Ausdrucks-  
13831   mittel der auf der Zahl der Arbeitswerteinheuten [sic] basierten Rela-  
13832   tionen.Wenn wir sagen, alle Güter sind ein Teil oder Vielfaches  
13833   von einem Quantum Edelmetall, so sind wir in unserer Betrachtung  
13834   nicht bis zum Kern durchgedrungen.Wir müssen sage, die Güter sind  
13835   Teil oder Vielfaches von dem Arbeitsaufwand, den ein Edelmetall-  
13836   quantum zur Förderung beanspruchte. Arbeitsenergie ist eine ge-  
13837   dankliche Grösse, die uns messbar und vorstellbar erscheint,-  
13838   das sei als historische Notwendigkeit anerkannt - wenn wir sie  
13839   auf ein Gutsquantum, auf die vergegenständlichte Arbeit beziehen.  
13840   Die Relationen aber, welche die Wirtschaft zusammen schweissten,  
13841   die einzelnen Preise, die Additionen der verschiedenen Dienste  
13842   sind niemal in ihren Einzelposten Resultat des Vergleichs mit dem  
13843      Edelmetall, sondern Zvvuvvsammenfügen von Arbeitswerteinheiten, die  
13844   nicht nur im Golde, sondern in all den vielen näher liegenden  
13845   Dingen uns vorstellbar werden. Wenn dann jeder einzelne Preis mit  
13846   dem Goldwerte dennoch übereinstimmt, so ist das nichts verwunder-  
13847   liches und nicht, was denen recht geben müsste, die den Vergleich  
13848   am Golde verkünden; es ist vielmehr nur eine logische Folge, dass,  
13849   wenn tausend Relationen richtig sind, auch darunter die eine, auf  
13850   das Gold bezogene richtig sein muss.  
13851        Bvvivvsher galt unsere Betrachtung immer noch Zuständen  
13852   der Goldwährung, die im besonderen geeignet wäre, den Metallismus  
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13863   zu rechtfertigen. Nvvuvvn wollen wir als erste Abstraktion annehmen,  
13864   der Staat ginde aus freiem Willen zur Papier-, zur freien Währung  
13865   über. Wir setzen voraus, es geschieht ohne jegliche Notwendigkeit,  
13866   allein aus theoretisch begründeter Bevorzugung des Papiergeldes,  
13867   wie denn überhaupt gleich hier erwähnt sein, dass die Betrachtung  
13868   der Geldverfassung unter dem Gesichtspunkt geordneter oder zer-  
13869   rütteter FInanzen eine falsche Verknüpfung bedeutet. In unserem  
13870   Falle zieht etwadder Staat seine Goldmünzen für gleich nominelle  
13871   Werte in Papier ein, im übrigen ver[gedruck h? überdruckt mit f]ahre er wie bisher und lasse  
13872   durch Kreierung von Bankgeld der Wirtschaft in gewissen Gvvrvvenzen  
13873   freie Hand. Eine Namensänderung der Werteinheit findet ebenfalls  
13874   nicht statt.Und nun fragen wir, washhat sich durch diese staat-  
13875   lichen Massnahmen ökonomisch geändert? Der strenge Metallist wird  
13876   überhaupt kein Geld mehr sehen und vielleicht sagen, dass immer  
13877   noch das Gold das Wertmaass sei, auch wenn es entthront wurde. In  
13878   diesem Falle aber würde er nur zugeben, dass eine Grösse auch rein  
13879   gedanklich weiter zu wirken vermag, wie es die Nominalisten aller-  
13880   dings in anderer Avvnvvwendung für tatsächlich halten. Für uns dagegen  
13881   ist in jenem Falle nur eine Relation in Wegfall geraten, unzählige  
13882   andere bestehen weiter und die Werteinheit bleibt was sie war:  
13883   Arbeitswerteinheit von vielfach gebundener Grösse. Das Geld, die  
13884   staatliche Einrichtung zur Erleichterung des Verkehrs bleibt Trä-  
13885   ger, in diesem Falle stoffwertloser Träger von so bedeuteten Ein-  
13886   heiten. Nun allerdings schiebt sich die Fvvrvvage der Geldschöpfung  
13887   und in deren Verfolg die Quantitätstheorie in den Vordergrund,  
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13898   obwohl dieses Problem eigentlich schon vorher bei der Ausein-  
13899   andersetzung mit der Goldwährung mit Teildeckung fällig wäre.  
13900   wir müssen uns hier der Kürze halber auf das Gesagte im Kapitel  
13901   vom Kreislauf der Wirtschaft stützen. Wie, fragen wir, gelangt das  
13902   Geld in den Verkehr, wie der einzelne in dessen Besitz? Wir  
13903   sprechen hier im Zeichen der Warenwerttheoretiker, wenn wir sagen,  
13904   sein Evvrvvwerb sei mit Ovvpvvfern verbunden. Wir müssen füglich etwas  
13905   geleistet, müssen ein wirtschaftliches Gut hergestellt oder dazu  
13906   beigetragen haben, um des Geldbesitzes uns freuen zu können. Haben  
13907   wir das staatliche Gvvevvld im Auge, so können wir es begrifflich  
13908   bis auf die Geburtsstunde siner Zvvivvrkulation zurückverfolgen  
13909   und müssen dort auf eine Leistung stossen; nach uns setzt es sei-  
13910   ne Zirkulation fort,-die ewige Zirkulation ist seine Aufgabe und  
13911   Funktion. Denken wir dagegen an das Bankgeld, so werden wir bei ihm  
13912   früher dem Ursprung begegnen, ebenfalls geboren aus einer Leistung,  
13913   aber in seiner Zirkulation als seiner Aufgabe gleichartig funkti_  
13914   onierend wie das staatliche Papiergeld. Nvvuvvr ist hier die Zirku-  
13915   lation eine zeitlich beschränkte. Das ergibt sich aus dem Wesen  
13916   des Bankgeldes, die elastische Verlängerung des wegen seiner re-  
13917   lativ geringfügigen Mnge irrelevant bleibenden staatlichen  
13918   ewig kreisenden Geldes zu sein. Hahn hat dieses staatliche Geld  
13919   in der Literatur den eisernen Bestand der Wirtschaft genannt.  
13920   Soweit das Bankgeld, durch wirtschaftliche Berechtigung gedeckt,  
13921   neben dem staatlichen Papiergelde auftritt, müssen wir es als die-  
13922   sem durchaus gleichgestellt werten, wie denn ünerhaupt alle tech-  
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13933   nischen Möglichkeiten, Werteinheiten zu bewegen, die auf Grund von  
13934   Leitungen als individuelle Einkommen möglich werden könnten.  
13935   Zwar leistet das Geld, wenn die Güter innerhalb der Wirtschaft le-  
13936   diglich ihren Besitzer we[Schreibmaschine h übertippt mit c]hseln, auch eine Funktion in der Fähig-  
13937   keit, Werte auszudrücken und zu bewegen. Was wir aber jetzt im  
13938   Gelde betrachten wollen, seine Gebundenheit an die Warenwelt, an  
13939   die Arbeitsleistung der [Schreibmaschine K übertippt mit V]olksgenossen und damit an die Einkommen,  
13940   das können wir nur finden an den Produktionsstätten der Güter, in  
13941   deren Kalkulationen. Prüfen wir eine solche auf ihre Einzelgrös-  
13942   sen, so offenbart sie uns nur Arbeitswertgrössen. Rohstoffe und  
13943   Material lassen sin in ihrer Substanzzerlegung wiederum in  
13944   jene teilen, Beheizung und bvvlvveuchtung [sic] lösen sich auf in Arbeits-  
13945   leistungen und Einkommen, Abschreibungen sind wiederum nichts  
13946   anderes als Arbeitswerte und Einkommen, die, wenn auch im einzel-  
13947   nen nicht jährlich sich kristallisieren und verzehren, doch in  
13948   der Gesamtheit den Ausgleich finden. !!Steuern sind Abtretungen von  
13949   Arbeitserfolgen für die öffentliche Tätigkeit der Beamten zu  
13950   unser aller Nutzen!!, Arbeitslohn und Gehälter, Profit, Rente, Unter-  
13951   nehmerlohn, Risikoprämien, - sie alle lassen sich ohne weiteren  
13952   Zwang als Arbeitsgrössen erkenntlich in die Kalkulation einfü-  
13953   gen. Das fertige Produkt ist eine Additionsgrösse aus Arbeitswer-  
13954   ten und damit gleichzeitig aus Einkommen, die im geld oder geld-  
13955   gleicher Form dafür zur Verteilung und zur Verfügung gelangen.  
13956   Mit dem Preis, einer Relation im Verhältnis zu anderen Preisen  
13957   auf Grund des Wertes der darin verkörperten Arbeitsenergie, sind  
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13968   ebenfalls die gleich fundierten Einzelbestandteile als Teile des  
13969   Gesamtpreises in ihrer Höhe stipuliert und haben ihren Ausdruck  
13970   in gleichen Wert -, in Arbeitswerteinheiten gefunden. Nicht im  
13971   einzelnen wollen wir hier wieden [sic] den Mechanismus dieses Gesche-  
13972   hens in der Geldschöpfung mittels des Warenwechsels aufzählen.  
13973   Zeigen wollten wir hier nur wiederum die enge, ja sogar die kon-  
13974   gruent sich deckende Verknüpfung von bereits mit der Erzeugung  
13975   festgelegter Preisbildung mit dem Einzel- und Gesamteinkommen auf  
13976   Grund von Arbeitsleistung. Diese alle zusammengenommen ergeben  
13977   sowohl die Gesamtsummer der Warenpreise als auch die Gesamtsumme  
13978   der kauffähigen und kaufberechtigten Einkommen. Hierin decken wir  
13979   uns mit Schumpeters Einkommensgleichheit, die nichts anderes ist als  
13980   die, auf einer historisch gegebenen, praktisch und täglich unend-  
13981   lich mal gegebenen Arbeitswertmenge fin ssende [fussende?] Werteinheit. Selbst  
13982   wenn Hahn's Auffassung richtig ist, dass die Kreditgewährung von  
13983   aller Spartätigkeit unbeeinflusst der Produktion vorausgeht, so  
13984   wird doch dadurch nichts an dem Wesen der Einkommen verändert, Be-  
13985   standteil des Preises von Gütern zu sein, deren wir im gleichen  
13986   Werte, von gleich grosser Arbeitsverkörperung später auf dem Markt  
13987   wieder habhaft werden können, denn Hahn hat hier Kredit im Auge  
13988   in Form des Darlehenskredits, er bewegt sich also in der Sphäre  
13989   des Kreditverkehrs. Alles Bankgold aber, und hier stehen wir im  
13990   Kredit-Geldverkehr, gleichviel aus welchen theoretischen Ueber-  
13991   legungen heraus es ausgegeben wurde, muss mit den Gütern, die es  
13992   haben entstehen lassen und die nun durch die Weggabe der Einkom-  
13993    
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14003   men verzehrt sind, begrifflich seinen Lauf beschliessen, denn die-  
14004   ses Kreditgold ist das Beförderungsmittel [sic] des [undeutlich] modernen Waren-  
14005   verkehrs, unlösbar mit ihm verknüpft. Die Bvvivvndungen sind so streng,  
14006   dass wir ohne Schwierigkeit die geradezu verschwindende Bedeutung  
14007   erkennen können, die dem Gelde als solchen dabei zukommt. Das Opfer,  
14008     das wir dazu bringen, um das Geld zu erlangen, die Arbeit, die wir  
14009   dazu leisten, die gilt nicht dem Geldbesitz, die gilt dem Kvvovvnsum der  
14010   übrigen Güter, welche andere für uns schufen, gleich wie wir in ar-  
14011   beitsteiliger Tätigkeit ihre Bedürfnisse mit befriedigen. Wesent-  
14012   lich ist nur, dass als [sic] Tätgikeit nach einem gleichen Maasse bewer-  
14013   tet wurde, damit die volkswirtschaftliche Gesamtverteilung, durch  
14014   den Geldverkehr bewerkstelligt, restlos aufgehen kann. Dabei ist  
14015   es nicht notwendig, dass jedes Gvvuvvt genau seinen wahren, objektiven  
14016   Beschaffungswert erreicht - obwohl das dem Idealzustand gleich  
14017   käme, wenn dabei auch bei den Einzelaufwendungen das gleich  
14018   Gesetz den Verteilungsschlüssel abgäbe - aber innerhalb der gan-  
14019   zen Volkswirtschaft können wir es wohl gelten lassen, dass nur  
14020   die objektiven Werte im ganzen erzielt sein müssen und plus und  
14021   minus zur geraden Mvvivvttellinie tendiert. Die Auspendelungen werden  
14022   wohl, soweit persönliche Machtpositionen in Frage kommen, immer nur  
14023   beschränkten Rahmen bleiben, da die Einkommen auf gegenseitige  
14024   Ausgleichung hinstreben. Darüber hinaus auch noch die Störungen,  
14025   durch das gesellschaftliche Monopol erzeugt, näher auszuführen,  
14026   würde uns zu weit abführen.  
14027        Das gleiche Messgerät zu finden, dazu ist, das sei immer  
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14038   wieder betont, weil es den Kern der vorgetragenen Auffassung wieder-  
14039   gibt [vertippt], nicht ein Vergleich am Gvvovvlde nötig; der würde selbst die gröss  
14040   ten Schwankungen im Gvvevvfolge haben. Notwendig dagegen ist das Zerle-  
14041   gen der Güter in Arbeitswerteinheiten, für deren Grösse wir so vie-  
14042   le Anhaltspunkte haben, als es nur Güter und Dienste in einem Lande  
14043   gibt. [vertippt] Bei so geordneter Bankgeldschöpfung, und diese fordert ja auch  
14044   die Warenwerttheorie, müssen wir beim Gelde immer nach der Kaufkraft  
14045   fragen, müssen diese nicht als Ergebnis eines Austauscheyperiments [sic]  
14046   zwischen Geld und Ware betrachten. Ivvnvv diesem Falle ist vielmehr die  
14047   Kaufkraft des Geldes schon fest fixiert, mit der Entstehung der Gü-  
14048   ter. Sie sit die logische Folge, dass Geld in diesem weiten Sinne,  
14049   welches Einkommen verkörpert, sich in der Höhe der Werteinheiten  
14050   begrifflich deckt mit der Höhe aller Güterpreise, denn beide sind  
14051   nur verschiedenartige Zvvuvvsammenfaltungen der aufgewandten Arbeits-  
14052   wertmengen und Einheiten. Da ist kein quantitätstheoretisches Aus-  
14053   schwingen, kein Endresultat, das uns den Geldwert mitteilt, mehr  
14054   vonnöten. Die Werteinheit hat einen ökonomischen Inhalt, soweit  
14055   sie Einkommen ist, soweit sie nicht nur eine gedankliche Vorstel-  
14056   lung bleibt, die wir wohl überall anlegen können, die aber wirt-  
14057   schaftlich nicht wirksam und darum nicht zu berücksichtigen ist.  
14058   Wir können den realen Inhalt jeder dieser Einkommenswerteinheiten  
14059   suchen in irgendeinem Gut oder wir können sie zusammenfassen als  
14060   das Extrakt aus der gesamten Güterwelt. In jedem Falle werden wir  
14061   mit einer gleichen Grösse zu rechnen haben, eben dieser, die sich  
14062   deckt mit der unserer Werteinheit zu grundegelegten Arbeitswert-  
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14073   menge. Einen derart abgeleiteten Wert wollen wir der Werteinheit  
14074   in der Geldform nicht abstreiten; - das aber wird wohl nicht einmal  
14075   ein Nominalismus unternehmen wollen. Was uns von der Darlegung  
14076   der Warenwerttheorie unterschiedet, ist der Uvvmvvstand, dass wir im  
14077   Gelde keine selbständige mit den anderen Gütern gleich berechtig-  
14078   te Ware erkennen wollen. Alle Güter haben einen objektiven Be-  
14079   schaffungswert; das Geld nur einen davon abgeleiteten Wert. Die  
14080   Frage nach der Angemessenheit des Preises ist darum auch nicht  
14081   ein Abschätzen des Warenwertes am Geldwert, der losgelöst nur ein  
14082   Schatten, nichts als ein Schemen ist, mit dem wir in der Vorstellung  
14083   keine objektiv messbare Grösse verbinden können, sondern ist ein  
14084   Abschätzen an den Beschaffungskosten von vielen ähnlichen Dingen;  
14085   wir vergleichen die Arbeitsleistungen gleich - und verschiedenar-  
14086   tiger Dinge mit einander. Dvvivve Fvvrvvage, warum für ein bestimmtes Gut  
14087   eine bestimmte Geldsumme bezahlt wird, ahben wir ja bereits da be-  
14088   leuchtet, wo wir die Parallelität der Entstehung von Ware mit Geld  
14089   in Form von Einkommen erwähnten. Wenigstens gilt das für eine sta-  
14090   bile Papierwährung, wie wir sie hier schildern. Das allerdings ist  
14091   richtig, dass zwei Grössen nicht in einem relativen Verhältnis zu  
14092   einander stehen können, ohne als absolute Grössen vorhanden zu sein.  
14093   Auf die Geldverfassung aber ist dieser Satz nur anwendbar bei Gold-  
14094   währung mit ausschliesslichem Goldumlaug [sic]. Nur in diesem Falle ist  
14095   das Gold eine solche absolute Grösse, die Relationen auf seinen  
14096   objektiven Wert zulässt. Späterhin aber ist das Geld nur der Kreu-  
14097   zungspunkt alle dieser Relationen, etwas ausserhalb Stehendes und  
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14108   nicht mehr gar der Pol, auf den alle Glieder, um mobil zu werden,  
14109   hinstreben. Das Geld ist nur etwas mit den Relationen Gleichna-  
14110   miges. Während die Werteineheit als Arbeitswertmenge bei den Gütern  
14111   das Inhaltliche Bedeutet, ist sie beim Gelde nur praktisch teil-  
14112   bares Bewegungsmittel und hat nur Wert im Hinblick auf ein Gut  
14113   und das auch nur deshalb, weil die arbeitsteilige Verkehrswirt-  
14114   schaft Mittel ersinnen musste, um auch hier Tauschhandlungen zu  
14115   ermöglichen und durch das staatlich gesetzte Tauschmittel dem  
14116   Geldverkehr ordnungsgemässe Bahnen zuwies. Für uns ist die Wert-  
14117   einheit keine beziehungslose, abstrakte Grösse, sondern eine Ar-  
14118   beitswertgrösse, die sich in jedem Augenblick an ein bestimmtes Gut  
14119   und an eine bestimmte Menge davon binden lässt, die uns aber nicht  
14120   deutlich wird bei der losgelösten Geldbetrachtung, sondern nur im  
14121   Bereiche der Güterwelt. Was bestimmt denn die Höhe eines Güterwer-  
14122   tes? Ist es wirklich eine Teilgrösse der Ware Geld, die uns wert-  
14123   mass sein soll für alle übrige Ware, die aber doch in ihrer ob-  
14124   jektiven Wertlosigkeit besonders beim [übertippt i] Monopolgeld der Warenwert-  
14125   theorie uns nur einen recht verschwommenen Wertmasstab bieten  
14126   kann für wirklich reale Güter, die, das ist doch die Grundregel  
14127   jeder objektiven Werttheorie, ihren Wert nur haben kann aus Menge  
14128   und Wert der aufgewandten Arbeit? Ist jenes Geld wirklich Wert-  
14129   maass, so vergleichen wir wildlich gesehen ungleichwertiges mit  
14130   einander, wo um uns reale Messwerkzeuge in Hülle und Fülle stehen.  
14131   Maass der Werte ist von allen Angebinn an die Arbeit und nur  
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14142   dadurch, dass wir historisch die ganz bestimmte Beschaffungsar-  
14143   beit eines Gutes zu Grunde legten, und der Staat ihr dann einen  
14144   Namen gab, dadurch entstanden aus den und zugleich mit dem Maass  
14145   der Werte, auch die Preise. Nicht das Gut an sich ist das Wert-  
14146   maass, sondern die angewandte Beschaffungsarbeit des Gutes und  
14147   nur weil, ausser in der Gesellschaft der Gleichen eine losgelöste  
14148   Arbeitseinheit nicht bestehen kann, darum musste eine Basierung  
14149   zu einem Gute proklamiert werden. So tritt denn auch der ökonomi-  
14150   sche, reine, objektive Wert eines Gutes, das wirkliche Maass der an-  
14151   gewandten Arbeitsenergien nicht mehr in Erscheinung; der ökono-  
14152   misch reine Wert erhält in der Wirtschaft keinen Ausdruck mehr.  
14153   wir wissen, dass Kräfteverschiebungen in der verschiedensten Rich-  
14154   tung es uns nicht mehr gestatten, von Arbeitsmenge zu sprechen,  
14155   sondern als ein Korrektposten dazu diesen mit dem Arbeitswert und  
14156   den nicht nur im Hinblick auf die Qualifikation, sonder beson-  
14157   ders in Evvrvvwägung der gesellschaftlichen Verteilungsverhältnisse  
14158   zu verknüpfen. Wenn wir sagen, Preise sind nur anderer Name und  
14159   Ausdruck für Werte, so haben wir jene verschobenen Werte, die Tausch  
14160     werte im Auge. Das Geld kann nur wertmaass sein, insofern es auf  
14161     Werteinheiten lautet und Werteinheit nur als eine andere Bezeich-  
14162   nung für eine gewisse Arbeitsmenge zu[b]gelten hat hat. Das Geld als  
14163   das körperliche Zahlungsmittel kann auch nicht das Wertmaass sein,  
14164   weil es auch nur einen Teil des konsumberechtigten Einkommens  
14165   darstellt und weil, wenn wir definieren wollten, im Austausch von  
14166   Geld gegen Ware ergibt sich die Kaufkraft oder der Wert des Gel-  
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14177   des, wir dann nicht berücksichtigen den wohl grössten Teil des  
14178   wirtschaftlich wirksamen, wenn auch nicht chartalen Geldes, das  
14179   Kaufkräfte in eminenten Maasse vergegenwärtigt. Das wurde im  
14180   Kreislauf der Wirtschaft dargetan, dass die Quantitätstheorie  
14181   nur in jenem weiten Sinne verstanden werden muss. Als Einzelgrös-  
14182   se sagt das chartale Geld gar nichts und das " Geld " in der  
14183   Gesamtgrösse der gesamten Einkommen ist uns nicht bekannt und  
14184   tritt uns, wenn wir die Kaufkraft als Resultat des Tauschens an-  
14185   sehen wollen, immer nur erst dann gegenüber, wenn diese wirt-  
14186   schaftlichen Handlungen der Vergangenheit angehören und ihrer-  
14187   seits vom Resultat ja nicht mehr beeinflusst werden können. Da-  
14188   mit wollen wir sagen, dass wir das Geld als Wertmaass scheinbar  
14189   benützen können, aber eben nur im Hinblick darauf, dass die Geld-  
14190   politik bestrebt ist, das Geld in der nominellen Höhe mit der  
14191   Güterproduktion und deren Preishöhe zu verknüpfen. Darum aber  
14192   kann auch die [übertippt P]reishöhe keine Grösse sein, die durch Abschätzung  
14193   am Golde gewonnen wird, sondern die, die wir aus Zvvuvvsammenfügen von  
14194   Arbeitswertgrössen gewinnen, wie sie uns historisch einmal im  
14195   Gelde, dann in der Wirtschaft mannigfaltig und somit auch in un-  
14196   serer Vvvovvrstellung gegeben sind. In der Erklärung, ein bestimmtes  
14197   Gut sei drei Mark wert, ist in gewissem Sinne doch auch ein ob-  
14198   jektiver Wert ausgedrückt, da wir uns jederzeit den Warengehalt,  
14199   wie Arbeitsenergie zur Evvrvvstattung des dritten Teil eines solchen  
14200   G[übertippt u]tes, die Arbeitsmenge, die wir eine Mark nennen, vorstellen können  
14201   Wissen wir noch dazu, dass dies und jenes auch eine Mark kostet,  
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14212   dann wird in uns das Gefüh[übertippt ö mit l] der Wertgrösse von einer Mark so  
14213   gefestigt, dass wir Auspendelungen meist sofort erkennen und für  
14214   Korrektur Sorge tragen. Auf solche Art wird uns deutlich, ob ein  
14215   Preis hoch oder niedrig sei, denn im Verhältnis der Preise zu ein-  
14216   ander ist uns auch mittelbar Aufschluss über deren absolute Höhen  
14217   gegeben. Das Problem erhält seine Spitze in der Frage, ob zur Ein-  
14218   reihung eines Gutes in das Netz der Relationen das Geld als Wert-  
14219   maass notwendig ist oder nicht. Dass ursprünglich ein Gut als  
14220   Mittelpunkt der Beziehungen zu deren Gewinnung nötig war, ist von  
14221   jeder Richtung anerkannt. Wir betrachten hier den besonderen Fall  
14222   der stabilen Papiergeld-Monopolwährung. Sei das neue Produkt ein  
14223   Erzeugnis der Metall- oder der Textilbranche; zuerst muss es sich  
14224   einmal anlehnen an die vorhandenen gleichartigen Erzeugnisse der  
14225   Konkurrenz, und der Preisspielraum ist dadurch schon bedeutend  
14226   eingeschränkt. Der Produzent muss zu Grunde legen seine Herstel-  
14227   lungskosten, und die Gvvrvvrenze wird um ein weiteres enger werden. Im  
14228   ganzen können wir sagen, dass da zu einem Vergleich und Abschätzen  
14229   am Gelde wenig Rvvavvum mehr bleiben dürfte und das, wie wir gesehen  
14230   haben darum, weil die Bindungen an die übrigen Güter und die wirt-  
14231   schaftliche Verpflichtung in der Fvvrvvage des Arbeitslohnes, der  
14232   Steuern, der Versicherungen usw. so enge sind, dass sie den Preis,  
14233   die Relation zu den anderen Gütern gebieterisch vorschreiben.  
14234   Ivvnvv allen anderen Gütern verkörpert sich in jedem Falle eine be-  
14235   stimmte Arbeitswertmenge, und diese bleibt auch das Wertmaass und  
14236   ergibt den Preis für alle neu hinzutretenden Güter. Das Geld kann  
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14247   nur scheinbar Wert-und Preismaass werden, wenn wir, immer nur die  
14248   entwickelte Wirtschaft betrachtet, die Reflexerscheinung, die die  
14249   Güterwerte uns im Gelde zeigt und eine iegene [sic] Grösse daraus formt,  
14250   als das Primäre hinnehmen. Wir gehen dann scheinbar unseren Weg  
14251   von Bekanntem zu Uvvnvvbekanntem, während wir in Wahrheit nur bereits  
14252   alte Pfade zum Ursprung zurückverfolgen. Sind wir zu der Ueberzeu-  
14253   gung gelangt, dass jedes neue Gut, - die alten haben ihre Relationen  
14254   in historischer Entwicklung erhalten, -in das Netz der Relationen  
14255   eingefügt wurde, noch ehedem es als Ganzes zum Gelde in Beziehung  
14256   gebracht wurde, dann dürften wir auch nach der Ansicht der Waren-  
14257   werttheoretiker sogar die rein abstrakte Werteinheit gelten las-  
14258   sen; für uns aber ist die Werteinheit sogar etwas Gebundenes, nicht  
14259   nur einmal, sondern unendlich mal und bedeutet in dieser Vielheit  
14260   der Bindungen doch immer nur ein und dieselbe Grösse, nämlich eine  
14261   bestimmte Arbeitsmenge, die wir als Einheit allen Gütern und allen  
14262   Diensten in der Relation auf gegebene, bekannte Dinge als Maass zu  
14263   Grunde legten. Wir sagten schon einmal, dass wir uns mit Schumpeters  
14264   Einkommenseinheit eng berühren, insofern auch wir der Menge des  
14265   chartalen Geldes keine Wichtigkeit zuerkennen gegenüber der wirk-  
14266   lichen und wirksamen Geldsumme, die als Einkommen in der Wirt-  
14267   schaft erscheint. Einkommen entsteht aus Leistungen, Güter setzen  
14268   sich zusammen aus Leistungen; werden Gvvüvvterpreise und Einkommens-  
14269   höhe in ihrer Reduktion auf Arbeitsleistungen verknüpft, so können  
14270   wir der Avvnvvweisungstheorie Svvcvvhumpeters zustimmen. Budge kritisiert  
14271   nun den bekannten Billetvergleich Schumpeters und sagt, dass wir  
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14282   beim Billet schon die Gegenleistung in der genauen Menge in der  
14283   Vorstellung schin [sic] fest in Hvvävvnden haben, während beim Gelde erst  
14284   n[übertippt i mit o]ch die Preisbildung in Fvvrvvage kommt. Wir können in Anlehnung  
14285   an all das von uns Gesagte hier ohne weiteres erklären, dass nach  
14286   unserer Auffassung ein Preiskampt kaum mehr zu stande kommen kann,  
14287   und solange wir stabile Währung haben, wir dann auch im Einkommen  
14288   die Gegenleistung aus dargetanen Gründen fest in Händen haben.  
14289   Wenn Budge des weiteren meint, dass wir die Verfügung über einen  
14290   Platz im Theater nicht durch ein Billet, sondern durch die Zahlung  
14291   des Preises erhalten, so können wir das dahin auslegen, dass wir  
14292   die Verfügung über die wirtschaftlichen vvGvvüter auch nicht direkt  
14293   durch das Geld - das Billet - sondern durch die Arbeitsleistung,  
14294   der wir den Billetbesitz verdanken, zugesprochen erhalten. Ist  
14295   beim Billettvergleich der Tausch nicht Billet - Vorstellung; son-  
14296   dern Billettkauf - Vvvovvrstellung, so ist der Tausch wirtschaftlich  
14297   betrachtet auch nicht Geldhingabe - Güterempfang, sondern Gelder-  
14298   werb, d.i.Leistung - Güterempfang.  
14299        Der Vollständigkeit halber wäre noch kurz zu betrachten  
14300   die Evvrvvscheinung der unstabilen Währung, der Zvvuvvstände, wie wir sie  
14301   zu Kriegsausgang und in der Nachkriegszeit kennen lernen mussten.  
14302   Wir wollen kurz fragen: Was [sic: War?] es hier so, dass die Preise zustande  
14303   kamen auf Grund der Schätzung von Gütern gegen Geld? Dazu wäre  
14304   notwendig gewesen, dass wir uns eine klare Vorstellung vom Werte  
14305   des Geldes fast in jedem Augenblicke hätten bilden können und  
14306   hätten neu bilden müssen. Es war eine Vielheit von Beziehungen  
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14317   die hier auf die Pvvrvveise wirksam wurden. Wenn wir später von der  
14318   unstabilen Wvvävvhrung sprechen, werden sich diese Punkte im einzelnen  
14319   heruasschälen [sic]. Ovvhvvne weiteres deutlich aber ist uns, dass ein Geld,  
14320   das täglich anderen Wvvevvrt im Sinne veränderter Kaufkraft repräsen-  
14321   tiert, keinen Anspruch als Wertmesser der übrigen Güter erheben  
14322   kann. Solange wir in unserer eigenen Währung der Papiermark rechne-  
14323   ten, hatten wir in ihr keinerlei Anhaltspunkte einer Wertgrösse;  
14324   erst später, da wir uns auf ausländische Währungen bezogen und  
14325   die Papiermark täglich neu un Beziehung zu jenen setzten, sodass  
14326   sie eigentlich nichts anderes mehr bedeutet als eine ausländische  
14327   Währung, erst da konnten wir wieder eine Wertvorstellung mit dem  
14328   Gelde verbinden, die aber von so vielen anderen Momenten, wie Spe-  
14329   kulation usw. durchsetzbar, dass uns der so abgeleitete Wert der  
14330   Papiermark kein auch nur annähernd wirkliches Bild der inneren  
14331   Kaufkraft der Mark, die maassgebend sein müsste, bieten konnte.  
14332   Ivvnvv Wahrheit haben wir unsere Preise doch nicht nach dem Geldwerte  
14333   gesetzt, sondern wiederum in der Beziehung zu anderen Gütern. Wir  
14334   wussten, dass ein Pvvrvvodukt x Svvcvvhweizer Fvvrvvanken kostet und lasen im  
14335   Kursblatte, dass ein Svvcvvhweizer Fvvrvvanken so und so viele Papiermark  
14336   notiere. Wir rechneten täglich um und fixierten den Preis nicht  
14337   in Beziehung zum Geldwerte, sondern zu einem anderen Gut. Die Papier-  
14338   marksumme, die wir errechneten, sagte uns über den Wert auch nicht  
14339   das Geringste aus.  
14340        Uvvnvvd bevor diese Entwicklung statte hatte, etwa zu Ende des  
14341   Krieges, wie war es da? Wir sahen, dass andere Produkte, vor allem  
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14352   solche, auf die sich die Nachfrage besonders stürzte, aus diesen  
14353   natürlichen Gründen der erhöhten Nachfrage im Preise stiegen.  
14354   Die Relationen, die meist wie etwas Ewiges in den bleibenden Pro-  
14355   duktionskosten gegeben waren, strebten danach, auch auf der erhöhten  
14356   Grundlage jene alte Verhältnismässigkeit wieder einzunehmen. Diese  
14357   gesunde Tendenz aber wurde auf der Gegenseite durch die Freiheit  
14358   und Uvvnvvgebundenheit der Einkommen gestört. Das war der Grund des  
14359   wahren Wettrennens der Preise. Manches wird im Abschnitt der Infla-  
14360   tion darüber noch zu sagen sein. Hier galt es norläufig [sic] nur zu zei-  
14361   gen, dass niemals das Gold Masstab der Preise sein konnte.  
14362        Das hoffen wir, ist uns in jedem Falle geglückt. Zur weite-  
14363   teren Festigung unserer Avvnvvschauung werden wir im Folgenden staat -  
14364   liche Geldwesen mit den verschiedensten Währungen untersuchen,  
14365   nicht derart, dass eine aus der anderen hervorgeht und in ihr die  
14366   historische Stütze findet, sondern wir wollen jede Währung gewis-  
14367   sermassen neu begründen und aus diese Betrachtung die Möglichkeit  
14368   oder Unmöglichkeit einer Währungsreform zu gewinnen suchen.  
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